Oberleis - Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Mauritius und Maria Himmelskönigin

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Wallfahrt:Eine der ältesten nachweisbaren Marienwallfahrten des Weinviertels. Ursprüngliches Ziel war die Marienkirche auf dem Plateau des Oberleiser Berges; nach deren josephinischer Aufhebung wurden Gnadenstatue, Marienpatrozinium und Wallfahrtsfunktion auf die ältere Pfarrkirche St. Mauritius am Berghang übertragen.
Status:Lebendiger regionaler Wallfahrtsort. Traditionelle Wallfahrtstage um Maria Geburt und Maria Namen, Lichterprozessionen sowie Fuß- und Fahrradwallfahrten führen die ältere Marienwallfahrt weiter.
Kultzentrum:Die Gnadenstatue Maria Himmelskönigin, eine bekrönte Gottesmutter mit dem gekrönten Jesusknaben. Sie stammt aus der ehemaligen Wallfahrtskirche auf dem Oberleiser Berg und wurde nach deren Abbruch in die Pfarrkirche übertragen.
Ort:Oberleis, Marktgemeinde Ernstbrunn.
Region:Weinviertel, Niederösterreich.
Bundesland:Niederösterreich.
Lage und Besuch
gegenüber Pfarramt Oberleis 1, 2116 Oberleis.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Weinviertel
Ansicht in Street View
Pfarre / Seelsorge: Pfarre Oberleis - Erzdiözese Wien.
Öffnungszeiten: täglich von 07:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Oberleis:

Die heutige Kirche am Westhang des Oberleiser Berges war ursprünglich die Pfarrkirche St. Mauritius. Erst nach der Aufhebung und dem Abbruch der alten Marien-Wallfahrtskirche auf dem Bergplateau wurden deren Gnadenstatue und das Patrozinium Maria Himmelskönigin hierher übertragen. Seither trägt die Pfarrkirche zugleich die Wallfahrtsfunktion von Maria Oberleis.

Pfarr- und Wallfahrtskirche Oberleis

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Oberleis - Hochaltar:

Der bemerkenswerte Hochaltar von 1791 gehört zu den frühen neugotischen Altarwerken Niederösterreichs. Im Zentrum steht die aus der abgebrochenen Bergkirche übertragene Gnadenstatue Maria Himmelskönigin.

Pfarr- und Wallfahrtskirche Oberleis - Hochaltar

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Oberleis - Gnadenbild:

Maria Himmelskönigin ist eine stehende, bekrönte Gottesmutter mit dem ebenfalls gekrönten Jesusknaben; das Kind trägt als Herrschaftszeichen eine Weltkugel. Die kunsthistorische Datierung ist nicht völlig einheitlich: Die Dehio-Tradition spricht von einer vermutlich älteren, später überschnitzten Figur, andere wallfahrtskundliche Darstellungen datieren die heute sichtbare Gestalt in das späte 17. Jahrhundert. Sicher ist ihre Herkunft aus der ehemaligen Wallfahrtskirche auf dem Berg.

Pfarr- und Wallfahrtskirche Oberleis - Gnadenbild

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Altar mit Gnadenbild:

Der 1791 geschaffene frühe neugotische Hochaltar besitzt drei hohe Spitzbogenarkaden mit schlanken Bündelpfeilern. Das Gnadenbild Maria Himmelskönigin steht im Zentrum; seitlich befinden sich die Figuren des hl. Florian und des hl. Leopold.

Die Sandsteinkanzel mit polygonalem Korb und gotisierender Blendgliederung stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Hochaltar Wallfahrtskirche Oberleis

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Zwei Kirchen und eine Wallfahrt

Die Geschichte von Maria Oberleis wird leicht missverstanden, weil der heutige Wallfahrtsort aus zwei ursprünglich voneinander getrennten Kirchen hervorgegangen ist. Am Hang des Oberleiser Berges stand die alte Pfarrkirche St. Mauritius, deren Kern bis in die Romanik zurückreicht. Auf dem Plateau des Berges befand sich dagegen eine eigene Marienkirche, die zum eigentlichen Ziel der Wallfahrer wurde. Erst die josephinischen Reformen des späten 18. Jahrhunderts verbanden beide Traditionen dauerhaft miteinander: Die Bergkirche wurde aufgehoben und abgetragen, ihr Marienpatrozinium und die Gnadenstatue wurden in die Pfarrkirche St. Mauritius übertragen. Seitdem ist die Pfarrkirche zugleich die Wallfahrtskirche Maria Oberleis.

Diese Entwicklung erklärt auch die heute ungewöhnliche Patrozinienkombination. St. Mauritius ist der ältere Pfarrpatron, Maria Himmelskönigin bezeichnet dagegen den übernommenen Wallfahrtskult. In der gelebten Frömmigkeit trat Mauritius lange Zeit deutlich hinter der Gottesmutter zurück. Seit 1986 wurde die Feier des hl. Mauritius wieder bewusst belebt; dennoch bildet Maria Himmelskönigin weiterhin das eigentliche Kultzentrum der Wallfahrt.

Eine der ältesten Pfarren des Weinviertels

Oberleis gehört zu den alten Pfarrorten Niederösterreichs. 1135 erscheint Oberleis unter den bedeutenden Babenberger Eigenpfarren, auf deren Zehentrechte Markgraf Leopold III. zugunsten des Passauer Bischofs verzichtete. Die Gründung selbst dürfte älter sein. Das Mauritiuspatrozinium wird in der Forschung als Hinweis auf eine frühe Entstehung betrachtet. Archäologisch und urkundlich muss dabei jedoch zwischen der Siedlung und Pfarrkirche am Hang sowie der späteren Wallfahrtskirche auf dem Plateau unterschieden werden.

Der heute erhaltene Kirchenbau am Hang bestätigt das hohe Alter der Pfarre. Im Westen steckt noch romanisches Mauerwerk. Im 14. Jahrhundert wurde die ältere Apsis durch einen gotischen, einjochigen Chor mit 5/8-Schluss ersetzt. Im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert entstand das südliche Seitenschiff mit Strebepfeilern und Spitzbogenfenstern. Barocke Veränderungen blieben vergleichsweise zurückhaltend. Der Westturm wurde 1807 errichtet, nachdem sein Vorgänger 1806 eingestürzt war. Der oft wiederholte Satz, die Kirche sei 1807 neu erbaut worden, ist daher irreführend: 1807 betrifft vor allem den Turm, während wesentliche Teile des Kirchenbaues Jahrhunderte älter sind.

Reformation und Gegenreformation

Das 16. Jahrhundert brachte für Oberleis schwere konfessionelle Konflikte. Die benachbarten Herrschaften von Niederleis und Ernstbrunn förderten zeitweise die evangelische Lehre, und auch unter den Oberleiser Geistlichen finden sich protestantisch gewordene Pfarrer. Franz Thiel schilderte 1931 nach älteren Quellen eine außerordentlich unruhige Phase: Pfarrer wurden abgesetzt oder verhaftet, kirchlicher Besitz verpfändet, und 1596 überfielen Bauern mehrerer umliegender Orte den Oberleiser Pfarrer. Zugleich soll Oberleis in dieser Zeit eine der wenigen katholischen Kirchen der Umgebung geblieben sein; selbst aus Staatz seien Menschen zur katholischen Messe gekommen.

Mit der Gegenreformation änderten sich die religiösen Verhältnisse erneut. Der spätere starke Aufschwung der Marienwallfahrt muss auch vor diesem Hintergrund gesehen werden. Wallfahrten, Prozessionen, Marienfeste und sichtbare katholische Frömmigkeit waren im 17. Jahrhundert nicht nur persönliche religiöse Praxis, sondern zugleich Ausdruck der erneuten konfessionellen Prägung des Landes.

Das Gnadenbild Maria Himmelskönigin

Das Zentrum der Oberleiser Wallfahrt ist die Gnadenstatue Maria Himmelskönigin. Sie zeigt die stehende, bekrönte Gottesmutter mit dem ebenfalls gekrönten Jesusknaben. Das Kind trägt die Weltkugel als Zeichen seiner Herrschaft. Ältere wallfahrtskundliche Darstellungen erwähnen außerdem ein Zepter. Nach dem Vorbild anderer bekleideter Mariengnadenbilder wurde beziehungsweise wird die Figur mit einem reichen Gewand geschmückt; damit tritt weniger der Skulpturenkörper als die königliche Erscheinung Mariens hervor.

Die genaue Datierung der Statue ist nicht völlig geklärt. Die kunsthistorische Beschreibung, die von einer vermutlich gotisch überschnitzten Marienfigur spricht, deutet auf einen älteren Kern mit späterer Überarbeitung. Andere neuere Zusammenstellungen setzen die heute sichtbare Gestalt in das späte 17. Jahrhundert. Diese Differenz sollte nicht künstlich aufgelöst werden. Sicher belegt ist hingegen die kultgeschichtlich entscheidende Tatsache: Die Statue stand in der alten Wallfahrtskirche auf dem Oberleiser Berg und wurde nach deren Aufhebung in die Pfarrkirche übertragen.

Der Hochaltar von 1791 - frühe Neugotik

Der Hochaltar von 1791 gehört zu den bemerkenswertesten Ausstattungsstücken der Kirche. Zu einer Zeit, in der barocke und klassizistische Formen noch vorherrschten, verwendet er bereits konsequent gotisierende Spitzbogenarkaden und schlanke Bündelpfeiler. Damit zählt er zu den frühen neugotischen Altarwerken Niederösterreichs. Im Zentrum des Aufbaues steht die Gnadenstatue; seitlich erscheinen der hl. Florian und der hl. Leopold.

Die steinerne Kanzel besitzt einen polygonalen Korb mit gotisierenden Blendformen und stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die Orgel wurde 1936 von Johann M. Kauffmann gebaut und besitzt 16 Register. Im südlichen, älteren Seitenschiff befindet sich heute ein moderner Tabernakel. Eine jüngere Wallfahrtsbeschreibung berichtet von eingearbeiteten Steinen, die ein aus Klement stammender Religionsprofessor und Bergsteiger von hohen Bergen Europas und Asiens gesammelt habe - ein ungewöhnliches modernes Detail, das den alten Berg- und Wallfahrtsort mit einer persönlichen Sammlungsgeschichte verbindet.

Maria Oberleis und die religiöse Landschaft der Leiser Berge

Die Lage prägt den Wallfahrtsort bis heute. Hinter der Kirche führt ein vom niederösterreichischen Künstler Hermann Bauch gestalteter Kreuzweg auf den Oberleiser Berg. Mehrere historische Wege verbinden Oberleis mit Klement, Pyhra, Staatz und anderen Orten der Umgebung. Der Weinviertler Jakobsweg berührt die Kirche ebenfalls. Damit liegt Maria Oberleis nicht isoliert, sondern in einer Landschaft, deren Wege durch jahrhundertelanges Unterwegssein von Pfarrangehörigen, Wallfahrern, Händlern und später Wanderern geprägt wurden.

Seit 1992 befindet sich im alten Pfarrhof beziehungsweise in dessen mittelalterlichem Wohnturm ein Geistliches Jugendzentrum. Auch diese Nutzung setzt die religiöse Bedeutung des Ortes in veränderter Form fort. Der Oberleiser Berg ist damit gleichzeitig archäologischer Fundplatz, historische Wallfahrtslandschaft, Pfarrzentrum und moderner kirchlicher Begegnungsort.

Die alte Wallfahrtskirche auf dem Oberleiser Berg

Ein seit Jahrtausenden genutzter Berg

Das Plateau des Oberleiser Berges gehört zu den bedeutenden archäologischen Fundplätzen des mittleren Donauraumes. Siedlungsspuren reichen von der Jungsteinzeit über Bronze- und Latènezeit bis zu einer befestigten spätantiken Höhensiedlung des 4. und 5. Jahrhunderts. Im 10. und 11. Jahrhundert bestand auf dem Plateau ein Gräberfeld mit zahlreichen Bestattungen. Diese lange Besiedlungsgeschichte macht den Berg zu einem außergewöhnlichen historischen Raum.

Aus dieser Abfolge darf allerdings keine ungebrochene vorchristliche Kultkontinuität zur späteren Marienwallfahrt konstruiert werden. Archäologisch gesichert ist die wiederholte Nutzung des Berges; ob einzelne ältere religiöse Traditionen in irgendeiner Form fortwirkten, lässt sich nicht beweisen. Der Oberleiser Berg war lange vor der Wallfahrt ein bedeutender Siedlungs- und Herrschaftsplatz, doch die christliche Wallfahrt besitzt ihre eigene, später fassbare Geschichte.

Die mittelalterliche Bergkirche

Die Datierung der ersten Kirche auf dem Plateau wird in der Literatur unterschiedlich angesetzt. Die lokale Überlieferung und ältere Festschriften führen die Marienkirche teilweise bis in die Mitte des 11. Jahrhunderts zurück. Die neuere archäologische Forschung ist vorsichtiger: Sie rechnet mit einer romanischen Kirche um 1200, die um 1400 durch einen gotischen Bau ersetzt wurde. Bei den Grabungen kamen Fundamente einer hoch- bis spätmittelalterlichen Kirche zum Vorschein; der Bau hatte ältere spätantike Steinbauten teilweise überlagert.

Die Wallfahrt selbst ist spätestens in der frühen Neuzeit sicher fassbar. Franz Thiel bezeichnete Oberleis 1949 als "älteste Gnadenstätte im Weinlande". Deutlich greifbar wird die Wallfahrt vor allem nach dem Dreißigjährigen Krieg, als die Marienverehrung im Zuge der katholischen Erneuerung großen Aufschwung nahm.

Die barocke Blüte

Nach Franz Thiels 1931 veröffentlichter Darstellung erreichte die Wallfahrt zu Maria Geburt eine beeindruckende Größe. Auf dem Oberleiser Berg sollen zu diesem Fest zeitweise rund 6.000 Menschen zusammengekommen sein. Fahnen flatterten, Wallfahrtslieder erklangen, und beim Urlauberkreuz wurden die ankommenden Pilger von einem Priester empfangen. Singend und betend zog man zur Kirche, die im Lichterglanz stand. Pauken und Trompeten begleiteten den Gottesdienst.

Die Wallfahrt spielte sich nicht nur innerhalb der Kirche ab. Auf dem Berg lagerten die Menschen im Freien; Zelte wurden aufgeschlagen, man aß und trank und verbrachte längere Zeit am Gnadenort. Gerade diese Mischung aus Gottesdienst, körperlich anstrengendem Pilgerweg, Fest, Begegnung und Versorgung gehört zur historischen Realität großer Wallfahrtstage. Die barocke Wallfahrt war religiöses Ereignis und gesellschaftlicher Ausnahmezustand zugleich.

Joseph II. und das Ende der Bergkirche

Die josephinischen Reformen trafen Oberleis hart. Am 14. Februar 1784 wurde die Wallfahrtskirche auf dem Berg gesperrt. Am 4. September 1787 begann der Abbruch. Franz Thiel überliefert sogar die dabei gewonnenen Baumaterialien: 22.636 Ziegel und 60 Fuhren Steine. Damit verschwand der bis dahin eigentliche Mittelpunkt der Oberleiser Marienwallfahrt.

Das Gnadenbild wurde jedoch nicht vernichtet. Die Statue Maria Himmelskönigin und das Marienpatrozinium wurden in die Pfarrkirche St. Mauritius am Hang übertragen. Dieser Vorgang rettete den Kern des Kultes und ermöglichte die Fortführung der Wallfahrt an einem neuen Ort. Die heutige Wallfahrtskirche ist daher weniger Nachfolgebau der Bergkirche als deren kultischer Erbe.

Die Erinnerungskapelle auf dem Berg

Der alte Kirchenplatz blieb im religiösen Gedächtnis erhalten. 1839 errichteten Bewohner auf der Seite gegen Niederleis eine kleine Kapelle; sie stürzte bereits 1844 ein. Nach Thiel ließen die Gemeinden Klement und Au anschließend an der Stelle der ehemaligen Wallfahrtskirche erneut eine Kapelle errichten. Die heute vorhandene Bergkapelle bewahrt diese Erinnerungsfunktion. Vor ihr wurden die Grundrisse der verschwundenen Kirche im Gelände sichtbar gemacht.

Damit besitzt Oberleis etwas Seltenes: Der ursprüngliche Wallfahrtsort ist zwar als Kirche verschwunden, bleibt aber als archäologischer Grundriss, Kapellenplatz und Ziel eines Weges weiterhin erfahrbar. Der Kultgegenstand befindet sich unten in der Pfarrkirche, der historische Ort oben auf dem Berg - beide Plätze gehören gemeinsam zur Geschichte der Wallfahrt.

Wallfahrt und Volkskunde

Maria Geburt - der große Wallfahrtstag

Das wichtigste historische Wallfahrtsfest war Maria Geburt am 8. September. In der Barockzeit kamen die Pilger aus zahlreichen Orten des Weinviertels. Der Berg verwandelte sich für kurze Zeit in eine eigene Wallfahrtsstadt aus Menschen, Fahnen, Zelten, Musik und Verpflegungsständen. Die gewaltige Besucherzahl erklärt zugleich, warum in der Erinnerung die Marienwallfahrt den Mauritiuspatron der Pfarre weitgehend überlagerte.

Die Tradition ist nicht verschwunden. Auch heute werden in Oberleis Wallfahrtstage Anfang September rund um Maria Geburt und Maria Namen gefeiert. Dazu gehören heilige Messe, Rosenkranz, Lichterprozession und Predigt am Berg. Der historische Rhythmus der Septemberwallfahrt ist damit bis in die Gegenwart erhalten.

Das Urlauberkreuz

Franz Thiel erwähnt ausdrücklich ein Urlauberkreuz, bei dem der Priester die ankommenden Prozessionen einholte. Urlauberkreuze und Urlauberkapellen kennzeichneten an vielen Wallfahrtswegen den Übergang zwischen gewöhnlichem Weg und Gnadenbezirk. Dort wurde eine Gruppe begrüßt, geordnet oder vor dem Einzug gesammelt; beim Heimweg konnte an einem solchen Ort auch Abschied genommen werden. Das Oberleiser Urlauberkreuz war damit Teil der rituellen Choreographie der Wallfahrt und nicht bloß ein Wegdenkmal.

Die Staatzer Septemberwallfahrt

Besonders anschaulich ist eine von Franz Thiel nach den Aufzeichnungen der Poysdorferin Barbara Strobl beschriebene Wallfahrt aus Staatz. Im September führte der Weg über Wultendorf, Loosdorf, Hagenberg, Zwentendorf, Pyhra und Klement nach Oberleis. In Hagenberg wurde gefrühstückt; in Oberleis folgten Mittagmahl, feierlicher Einzug und Beichte.

Mit der Ankunft war die Wallfahrt keineswegs beendet. Die Pilger beteten und sangen die ganze Nacht. Erst am nächsten Morgen wurde Gottesdienst gefeiert; um acht Uhr erfolgte der Auszug, anschließend ging es auf demselben Weg zurück nach Staatz. Der Bericht zeigt die körperliche und zeitliche Dimension solcher Wallfahrten: mehrere Wegstationen, gemeinsames Essen, Beichte, Nachtwache, Gottesdienst und geordneter Auszug bildeten ein zusammenhängendes Ritual.

Wallfahrt als Gemeinschaftserlebnis

Die historischen Beschreibungen machen deutlich, dass der Einzelne während einer Wallfahrt Teil einer sichtbaren Gemeinschaft wurde. Fahnen, Lieder und Musik kennzeichneten die Herkunftsgruppe. Der Priester empfing die Pilger vor der Kirche, und der gemeinsame Einzug gab dem Erreichen des Ziels einen feierlichen Charakter. Die Nachtwache verstärkte die außergewöhnliche Erfahrung zusätzlich.

Zugleich war die Wallfahrt ein soziales Ereignis. Man aß gemeinsam, begegnete Menschen aus anderen Orten und verbrachte Stunden oder sogar eine Nacht auf dem Berg. Gerade darin lag auch jene Ambivalenz, die aufgeklärte Obrigkeiten später kritisierten: Neben Gebet und Buße konnten große Wallfahrtstage zu ausgelassenen Festen werden. Josephinische Kritik an Wallfahrten richtete sich deshalb nicht nur gegen theologische Vorstellungen, sondern auch gegen deren schwer kontrollierbare soziale Dynamik.

Der Wallfahrtsort nach dem Abbruch der Bergkirche

Mit der Verlegung des Gnadenbildes änderte sich die räumliche Struktur, nicht aber die Bindung an Maria Oberleis. Die Pfarrkirche übernahm das Ziel der Prozessionen, während der Berg selbst als historischer Gnadenort im Gedächtnis blieb. Diese Aufteilung prägt Oberleis bis heute: Wer die Gnadenstatue sehen will, besucht die Kirche am Hang; wer den ursprünglichen Ort der Wallfahrt aufsucht, steigt weiter zur Kapelle und zu den Fundamenten auf das Plateau.

Mauritius und Maria - zwei Festtraditionen

Der hl. Mauritius war als Patron der alten Pfarrkirche jahrhundertelang institutionell präsent, stand in der Volksfrömmigkeit jedoch im Schatten der Himmelskönigin. 1986 wurde die Feier seines Festes bewusst erneuert. Spätere Berichte nennen Sternwallfahrten des Dekanates zum Mauritiustag, verbunden mit Erntedank. Damit besitzt Oberleis heute zwei unterschiedliche Traditionslinien: die ältere Pfarridentität um Mauritius und die weit ausstrahlende Marienwallfahrt.

Fußwallfahrer, Fahrradwallfahrer und Jakobsweg

Auch moderne Pilgerformen haben Oberleis erreicht. Fuß- und Fahrradwallfahrer besuchen Maria Oberleis ebenso wie Wanderer auf dem Weinviertler Jakobsweg. Die Verkehrsmittel haben sich verändert, doch die topographische Erfahrung bleibt: Der Weg führt in die Leiser Berge, zur Kirche am Hang und weiter hinauf auf das geschichtsträchtige Plateau. Gerade diese Verbindung von Bewegung, Landschaft und religiösem Ziel macht den besonderen Charakter von Oberleis aus.

Die Schwedensage vom Buschberg

Historischer Hintergrund

Im Dreißigjährigen Krieg erreichten schwedische Truppen 1645 das nördliche Niederösterreich. Auch Ernstbrunn und die Umgebung der Leiser Berge wurden von Kriegshandlungen und Einquartierungen betroffen. Der Buschberg und andere Höhen dienten aufgrund ihrer guten Sicht als strategisch günstige Punkte. Diese reale Kriegserfahrung bildet den historischen Hintergrund der Oberleiser Schwedensage.

Das Mädchen und Maria Himmelskönigin

Die auf SAGEN.at überlieferte Fassung berichtet von einem frommen Mädchen aus Pürstendorf; eine andere Variante nennt Brigitta aus Michelstetten. Im Traum erschien ihm Maria mit dem Jesuskind in der Gestalt des Oberleiser Gnadenbildes. Die Gottesmutter befahl dem Mädchen, noch in derselben Nacht auf den Buschberg zu gehen und die dort lagernden Schweden von ihren Plünderungen abzubringen.

Das Mädchen fand die Soldaten beim Würfelspiel. Als einer der Männer sich ihm unsittlich nähern wollte, schlug ein Blitz ein und tötete ihn. Das Mädchen sei daraufhin von einem hellen Licht umgeben gewesen. Die erschrockenen Soldaten hörten nun auf seine Worte, bereuten ihre Verbrechen und zogen am folgenden Morgen gemeinsam mit ihm nach Oberleis.

Die Bekehrung der Schweden

In der Wallfahrtskirche hätten die Soldaten schließlich ein feierliches Gelübde abgelegt und sich zur katholischen Lehre bekannt. Von diesem Tag an, so die Sage, sei die Bevölkerung der Umgebung von den Schweden verschont geblieben. Die Erzählung verbindet damit drei zentrale Motive: die Schutzmacht des Gnadenbildes, das göttliche Zeichen des Blitzes und die Bekehrung des religiösen Gegners.

Volkskundliche Deutung

Historisch lässt sich eine solche kollektive Bekehrung schwedischer Soldaten nicht belegen. Die Sage ist deshalb nicht als Tatsachenbericht des Dreißigjährigen Krieges zu lesen. Sie verarbeitet vielmehr eine reale kollektive Bedrohung in der Sprache der Wallfahrtsfrömmigkeit. Maria schützt die Landschaft nicht durch eine Schlacht, sondern indem sie ein einfaches Mädchen als Botin auswählt und selbst die feindlichen Soldaten zur Umkehr bewegt.

Bemerkenswert ist zudem die genaue Verbindung mit dem Oberleiser Kultbild: Maria erscheint in jener Gestalt, in der sie am Gnadenort verehrt wird. Dadurch wird die Sage zur indirekten Bestätigung der Wirksamkeit des Gnadenbildes. Der militärische Gegner erkennt schließlich dieselbe religiöse Ordnung an wie die bedrohte Bevölkerung.

Die Schwedensage vom Buschberg auf SAGEN.at

Literatur und Quellen

- Kommt, lasst uns ziehen zum Berg des Herrn. Festschrift zur 950-Jahr-Feier der Pfarre Oberleis. Oberleis 2000.

- Stuppner, Alois: Oberleis - Von Urzeit bis zum Mittelalter. In: Kommt, lasst uns ziehen zum Berg des Herrn. Festschrift zur 950-Jahr-Feier der Pfarre Oberleis. Oberleis 2000, S. 22-28.

- Stuppner, Alois: Der Oberleiserberg bei Ernstbrunn am Übergang vom Frühmittelalter zum Hochmittelalter. In: Die Babenbergermark um die Jahrtausendwende. Mitteilungen aus dem Niederösterreichischen Landesarchiv 16. St. Pölten 2014, S. 266-287.

- Thiel, Franz: Der Oberleiserberg. Niederösterreichisches Lehrerblatt, 1. Dezember 1931, S. 16 ff.

- Thiel, Franz: Die Wallfahrten im niederösterreichischen Weinlande. Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Neue Serie 3 / Gesamtserie 52. Wien 1949, S. 46-54.

- Mitscha-Märheim, Herbert: Der Oberleiserberg. Arbeiten zur Archäologie und älteren Geschichte des Fundplatzes.

- Wiedemann, Theodor: Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Lande unter der Enns.

- Becker, Anton: Das Viertel unter dem Manhartsberg.

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Oberleis, Pfarr- und Wallfahrtskirche hll. Mauritius und Maria.

- Hofmann, Thomas: Das Weinviertel in seinen Sagen. Weitra 2000, S. 187.

- SAGEN.at: Die Schwedensage vom Buschberg

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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