| Wallfahrt: | Marienwallfahrt zu Maria Trost. Der ursprüngliche Gnadenort lag seit 1679 zwischen Kirchberg und Mitterstockstall; aus einer gestifteten Mariensäule entstand eine Kapelle und später die eigene Maria-Trost-Kirche. Nach deren josephinischer Aufhebung 1787 ging die Wallfahrtsfunktion auf die Pfarrkirche St. Stephan über. |
| Status: | Lebendiger regionaler Wallfahrtsort. Pfarr- und Dekanatswallfahrten sowie Rosenkranzgänge verbinden die Pfarrkirche weiterhin mit der Ursprungskapelle am ehemaligen Standort der Maria-Trost-Kirche. |
| Kultzentrum: | Die barocke Gnadenstatue Maria Trost, auch als Gottesmutter auf der Säule verehrt. Sie steht hinter dem Tabernakel des Hochaltares auf der originalen Steinsäule der 1787 aufgehobenen Wallfahrtskirche und wird zu Marienfesten sowie bei Wallfahrten festlich bekleidet. |
| Ort: | Kirchberg am Wagram |
| Region: | Weinviertel, Niederösterreich |
| Bundesland: | Niederösterreich. |
| • | Lage: Kirchenplatz 2, 3470 Kirchberg am Wagram. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Weinviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Kirchberg am Wagram |
| • | Öffnungszeiten: täglich von 07:00 Uhr – 18:00 Uhr. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Stephan / Maria Trost, Kirchberg am Wagram, 1960er-Jahre:
Die weithin sichtbare Kirche steht am Steilrand des Wagram. Sie ist eine sehr alte Passauer Pfarrkirche mit romanischem Kern und gotischem Ausbau; erst nach dem Abbruch der eigenständigen Maria-Trost-Kirche 1787 wurde sie durch Übertragung von Gnadenstatue und Steinsäule zugleich zum Wallfahrtsort.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
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Die Bezeichnung "Wallfahrtskirche Maria Trost" kann in Kirchberg am Wagram zunächst verwirren. Die heutige Kirche am Kirchenplatz ist nämlich ursprünglich und bis heute die Pfarrkirche St. Stephan. Der eigentliche Wallfahrtsort Maria Trost lag zunächst außerhalb des Marktes an der Straße nach Mitterstockstall. Erst nachdem diese selbständige Maria-Trost-Kirche unter Kaiser Joseph II. aufgehoben und 1787 abgetragen worden war, brachte man deren Gnadenstatue, die zugehörige Steinsäule und Teile der Ausstattung in die alte Pfarrkirche. Seitdem vereinigt St. Stephan zwei Traditionen: die mehr als achthundertjährige Geschichte einer Passauer Mutterpfarre und die seit 1679 bestehende Marienwallfahrt Maria Trost.
Die Geschichte der Pfarre reicht weit vor die Entstehung der Wallfahrt zurück. Am 5. Juli 1014 übertrug Kaiser Heinrich II. dem Passauer Bischof Berengar unter anderem eine Königshufe im Amtsbezirk Sigismareswerd zur Errichtung einer Kirche und eines Priesterhauses. Ob sich diese erste Kirche bereits an der heutigen Stelle befand oder zunächst im donau-nahen Gebiet von Altenwörth stand, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit entscheiden. Spätestens 1147 ist die Kirche jedoch am Wagram belegt und wird als "St. Stephan ad Wachrain" bezeichnet.
Das Stephanuspatrozinium verweist unmittelbar auf Passau, dessen Dom ebenfalls dem hl. Stephan geweiht ist. Kirchberg wurde zu einer bedeutenden Mutterpfarre mit großem Einzugsgebiet. Aus ihr gingen im Lauf der Jahrhunderte zahlreiche selbständige Pfarren hervor. 1400 übertrug der Passauer Bischof die Pfarre seinem Domkapitel; bis zur Säkularisation 1803 blieb Kirchberg eng an Passau gebunden. Das Schloss Oberstockstall diente über lange Zeit als Verwaltungszentrum und Pfarrhof.
Auch der Bau selbst bewahrt Spuren dieser langen Geschichte. Der Priesterchor enthält romanische Substanz; zu ihm gehört eine Unterkirche, die 1954 nach dem Öffnen einer Grabplatte vermessen wurde. Sie ist über acht Meter lang und mehr als sechs Meter breit. Die im Lauf der Jahrhunderte dort gesammelten Gebeine wurden im Jahr 2000 in ein Grab auf dem neuen Friedhof übertragen.
Der große Kirchenbau wurde in gotischer Zeit erweitert und prägt durch seine Lage am wehrhaft wirkenden Steilhang des Wagram bis heute das Ortsbild. Der mächtige Bau mit drei Schiffen und hohem Nordturm ist schon aus dem Tullnerfeld weithin sichtbar. Im Kirchenraum erinnern mittelalterliche Grabdenkmäler an die ältere Pfarrgeschichte, darunter der Grabstein des 1405 verstorbenen Pfarrers Hans Hippelsdorfer.
Zwischen etwa 1710 und 1725 wurde die gotische Kirche tiefgreifend barockisiert. Dabei wirkten Angehörige der aus Oberitalien stammenden Künstlerfamilie Carlone, die im österreichischen Barock zahlreiche bedeutende Kirchen- und Schlossräume ausstattete. 1726 wurde die erneuerte Kirche neu geweiht.
Der barocke Umbau veränderte nicht nur die Dekoration, sondern die gesamte Raumwirkung. Oratorien, Emporen, Altäre, Kanzeln, plastischer Schmuck und marmorierte Oberflächen verwandelten die mittelalterliche Pfarrkirche in einen repräsentativen barocken Sakralraum. Diese prächtige Ausstattung war bereits vorhanden, als die Gnadenstatue Maria Trost am Ende des 18. Jahrhunderts hierher übertragen wurde.
Das Hochaltarbild von 1712 stammt von Carlo Innocenzo Carlone und zeigt das Martyrium des hl. Stephanus. Für Carlone ist das Werk kunsthistorisch besonders interessant, weil es zu seinen frühesten sicher zugeschriebenen Arbeiten nach seiner Ausbildung in Italien und zu seinen ersten Werken in Niederösterreich gehört. Der sterbende Stephanus sieht den geöffneten Himmel; über dem Geschehen erscheinen Christus, der Heilige Geist und im Oberbild Gottvater.
Der monumentale Hochaltar besteht aus marmoriertem Holz. Hinter dem Tabernakel steht heute die Wallfahrtsstatue Maria Trost auf der originalen Steinsäule aus der 1787 aufgehobenen Wallfahrtskirche. Damit liegt das Gnadenbild nicht an einem gesonderten Seitenaltar, sondern unmittelbar hinter dem liturgischen Zentrum der alten Stephanskirche. Diese ungewöhnliche Stellung macht die Überlagerung von Pfarr- und Wallfahrtstradition im Kirchenraum unmittelbar sichtbar.
Auch Kanzel und Blindkanzel gehören zu den bemerkenswerten barocken Ausstattungsstücken und werden Diego Carlone zugeschrieben. Auf dem Schalldeckel der Kanzel erscheinen allegorische Frauengestalten, die kirchliche Aufgaben und Tugenden versinnbildlichen. Die gegenüberliegende Blindkanzel ist dem hl. Johannes Nepomuk gewidmet und zeigt dessen Martyrium und Verherrlichung.
Weitere Altäre und Figuren ergänzen das barocke Programm. Am Rosalia-Altar stehen die Ärzteheiligen Cosmas und Damian; der Josefsaltar zeigt die Ruhe auf der Flucht und wird in der örtlichen Überlieferung mit Franz Anton Maulbertsch in Verbindung gebracht, während die flankierenden Figuren Anna und Joachim Diego Carlone zugeschrieben werden. Beim nördlichen Eingang stehen die aus Lindenholz geschnitzten Figuren des hl. Leopold und des Pestpatrons Karl Borromäus.
Im Presbyterium hängen zwei Gemälde Martin Johann Schmidts, des "Kremser Schmidt", mit den Heiligen Florian und Wendelin. Beide sind für eine ländlich geprägte Pfarrlandschaft besonders sprechende Schutzheilige: Florian wurde gegen Feuergefahr angerufen, Wendelin als Patron von Viehhaltung und Landwirtschaft. Auch das Marienbild der Unbefleckten Empfängnis am Marienaltar wird Martin Johann Schmidt zugeschrieben.
Der Orgelchor wurde im Zuge des barocken Umbaus über alle drei Kirchenschiffe gezogen. Die große historische Orgel stammt aus der Werkstatt Gatto in Krems und besitzt zwanzig Register. In der örtlichen Überlieferung wird ihre Aufstellung mit dem Jahr 1787 verbunden. Damit fällt ihre Entstehung ausgerechnet in jene Zeit, in der die alte Maria-Trost-Kirche aufgehoben wurde und die Gnadenstatue nach St. Stephan kam.
Eine wichtige Unterscheidung betrifft eine weitere Marienfigur der Kirche. Am ehemaligen Anna- beziehungsweise Rosenkranzaltar stand bis 1978 eine spätgotische Madonna aus der Zeit um 1420. Sie befindet sich heute im Diözesanmuseum; eine für Kirchberg angefertigte Kopie wurde 1980 gestohlen. Diese spätgotische Figur ist nicht mit dem eigentlichen Gnadenbild Maria Trost gleichzusetzen. Das Wallfahrtsbild ist vielmehr die barocke, 1679 am ursprünglichen Wallfahrtsplatz aufgestellte Gottesmutter auf der Säule.
Der eigentliche Wallfahrtsort entstand nicht bei der Pfarrkirche, sondern an der Straße von Kirchberg nach Mitterstockstall. Der Kirchberger Handelsmann Christoph Beer hatte sich einen Sohn beziehungsweise Stammhalter gewünscht und für den Fall der Erhörung eine Stiftung gelobt. Nachdem 1679 ein Sohn geboren worden war, ließ Beer an der betreffenden Stelle eine Mariensäule mit einer Muttergottesstatue errichten. Der Ursprung von Maria Trost ist damit zunächst ein klassisches Dankvotiv: Ein persönliches Gelübde wird nach der als erhört verstandenen Bitte durch ein dauerhaftes religiöses Denkmal eingelöst.
Die Familie Beer gehörte zum wohlhabenden Bürgertum Kirchbergs und ist auch als Marktrichterfamilie nachweisbar. Dadurch war die Stiftung öffentlich sichtbar und sozial eingebettet. Aus einer privaten Danksagung wurde ein allgemein zugänglicher Andachtsort.
Die nächste entscheidende Station ist mit dem Bauern Lorenz Höck verbunden. Nach der Überlieferung litt er an einer schweren Krankheit und schrieb seine Genesung der Anrufung der Gottesmutter am neuen Andachtsort zu. Aus Dank ließ er die Säule ummauern und überdachen. Damit entstand eine kleine Kapelle.
Volkskundlich zeigt sich hier ein typischer Mechanismus der Entstehung einer Wallfahrt: Ein gestiftetes Bild oder eine Statue wird durch eine berichtete Gebetserhörung in seiner besonderen Wirksamkeit bestätigt. Aus der persönlichen Dankstiftung wird ein Ort, an dem auch andere Menschen Hilfe erwarten. Mit den zunehmenden Besuchern wachsen zugleich Bau und religiöse Organisation.
Die lokale Wallfahrtsüberlieferung berichtet in der Folge von weiteren Gebetserhörungen. In älteren Zusammenstellungen werden außerdem auffällige Lichterscheinungen am ursprünglichen Standort erwähnt. Für 1744 ist die Erzählung überliefert, die Gottesmutter sei in weißem Kleid und von Licht umstrahlt erschienen. Solche Erscheinungsberichte lassen sich nicht wie gewöhnliche historische Ereignisse verifizieren; für die Geschichte des Gnadenortes sind sie dennoch bedeutsam, weil sie zeigen, wie die Gläubigen den Platz deuteten und warum sich seine besondere Heiligkeit im regionalen Bewusstsein festigte.
Die kleine Kapelle wurde wegen des wachsenden Zulaufs vergrößert und entwickelte sich zur eigentlichen Maria-Trost-Kirche. 1752 erhielt sie die Erlaubnis zur Messfeier. Spätestens damit war aus dem privaten Votivplatz ein institutionalisierter kirchlicher Wallfahrtsort geworden. Die Bezeichnung "Maria Trost" brachte zugleich das religiöse Versprechen des Gnadenortes auf eine prägnante Formel: Maria wurde als Trösterin in Krankheit, Not und persönlicher Bedrängnis angerufen.
Die josephinischen Reformen trafen die Wallfahrtskirche unmittelbar. Anfang 1787 wurde die als "überflüssige Nebenkirche" eingestufte Maria-Trost-Kirche gesperrt und entweiht; anschließend wurde sie abgetragen. Einzelne ältere Zusammenstellungen nennen leicht abweichende Jahreszahlen, die heutige Pfarrgeschichte setzt Aufhebung und Abbruch jedoch in das Jahr 1787.
Entscheidend ist, dass das Kultzentrum nicht vernichtet wurde. Gnadenstatue, Steinsäule und Teile des Inventars kamen in die Pfarrkirche St. Stephan. Dadurch wurde der räumliche Mittelpunkt der Wallfahrt verlegt, nicht aber ihre religiöse Erinnerung ausgelöscht. Die alte Pfarrkirche nahm nun zusätzlich die Funktion der Wallfahrtskirche Maria Trost an.
Besonders bemerkenswert ist, wie rasch sich die Wallfahrt trotz der staatlichen Einschränkungen wieder etablierte. Bereits 1823 wird von wöchentlichen Prozessionen zur Gnadenstatue berichtet, vor allem während der Sommermonate. Diese Nachricht zeigt, dass der Kult nicht bloß als historische Erinnerung fortbestand, sondern erneut gemeinschaftlich praktiziert wurde.
Die Verlegung des Gnadenbildes hatte damit einen paradoxen Effekt: Die ursprüngliche Wallfahrtskirche war verschwunden, doch die Wallfahrt selbst lebte in der bedeutenden Pfarrkirche weiter. Maria Trost wurde zu einem "verpflanzten" Gnadenort, dessen Kultgegenstand seinen Platz wechselte, während die Erinnerung an den alten Standort erhalten blieb.
Auch der frühere Platz der Wallfahrt wurde nicht vergessen. Der Kirchberger Kaufmann Ignaz Berger ließ dort 1832 zunächst ein Kreuz errichten. Wenig später, um 1835, wurde dieses Denkmal ummauert beziehungsweise die heutige Ursprungskapelle geschaffen. Sie steht zwischen Kirchberg und Mitterstockstall ungefähr dort, wo sich einst die Maria-Trost-Kirche erhob.
Die kleine Kapelle enthält ein Bild mit der Erinnerung an die "gnadenreiche Jungfrau Maria Trost" und verweist ausdrücklich auf das Jahr 1679. Dadurch wurde der abgebrochene Kirchenplatz wieder sichtbar markiert. Die Ursprungskapelle ist deshalb kein beliebiges Kleindenkmal, sondern das materielle Gedächtnis des ersten Wallfahrtsortes.
Das eigentliche Gnadenbild ist die barocke Marienstatue, die auf der alten Steinsäule der ehemaligen Maria-Trost-Kirche steht. Nach der Übertragung von 1787 erhielt sie ihren Platz hinter dem Tabernakel des Hochaltares von St. Stephan. Wer den Altaraufbau umrundet, kann die historische Säule und die Statue aus nächster Nähe sehen.
Diese Konstellation ist religionsgeschichtlich besonders reizvoll. Der Kultgegenstand wurde nicht einfach aus seinem ursprünglichen Zusammenhang herausgelöst, sondern gemeinsam mit seiner Säule übertragen. Damit blieb ein wesentlicher Teil des alten Gnadenortes materiell erhalten: nicht nur die Marienfigur, sondern auch ihr Träger und damit ein Stück der räumlichen Inszenierung des ursprünglichen Heiligtums.
Bis heute wird die Gnadenstatue zu besonderen Anlässen bekleidet. An Marienfesten, in den Marienmonaten Mai und Oktober sowie bei angekündigten Wallfahrten trägt die Gottesmutter eines ihrer Festkleider. Dieser Brauch gehört zu einer weit verbreiteten europäischen Tradition bekleideter Gnadenbilder.
Das Wechseln der Gewänder ist mehr als dekorative Verschönerung. Es macht das Bild gleichsam gegenwärtig und festlich handlungsfähig. Unterschiedliche Kleider markieren liturgische und festliche Zeiten, die Sorge um das Gewand wird selbst Teil der Andacht, und die geschmückte Figur unterscheidet sich sichtbar vom alltäglichen Zustand. Gerade bei einer Wallfahrt zu Maria Trost verstärkt diese Praxis die persönliche Nähe zum Gnadenbild.
Die Besonderheit der heutigen Wallfahrt liegt in der Verbindung zweier Orte. In der Pfarrkirche befindet sich die historische Gnadenstatue; die Ursprungskapelle bewahrt dagegen den Platz, an dem der Kult entstand. Pfarr- und Dekanatsveranstaltungen werden deshalb bewusst mit Wallfahrten zur Ursprungskapelle verbunden. Der Weg zwischen Kirche und Kapelle macht die Geschichte der Wallfahrt körperlich nachvollziehbar.
Auch in der gegenwärtigen Gebetspraxis wird diese Verbindung gepflegt. Rosenkranzgänge führen von der Pfarrkirche zur Ursprungskapelle und wieder zurück. Damit ist die historische Trennung von Gnadenbild und Ursprungsort nicht bloß ein Problem der Vergangenheit, sondern wird in eine eigene Form der Prozession verwandelt.
Die Nachricht von 1823 über wöchentliche Sommerprozessionen zeigt, dass Maria Trost im 19. Jahrhundert erneut fest im regionalen Frömmigkeitsleben verankert war. Auch heute gehören Marienandachten im Mai und Oktober zum kirchlichen Leben. Organisierte Wallfahrten können bei der Pfarre angemeldet werden; die Wallfahrt wird daher ausdrücklich als lebendige Aufgabe der Kirche verstanden.
Die Wallfahrt Maria Trost entstand weder aus einem berühmten Kunstwerk noch aus einer großen kirchlichen Gründung. Ihr Motor war die Vorstellung erhörter persönlicher Bitten. Zuerst steht die Geburt des ersehnten Sohnes Christoph Beers, dann die Heilung Lorenz Höcks, danach folgen weitere Gebetserhörungen und Erscheinungserzählungen. Diese Abfolge ist typisch für regionale Gnadenorte: Einzelne Erfahrungen werden weitererzählt, verdichten sich zu einem Ruf besonderer Wirksamkeit und ziehen neue Bittsteller an.
Die Gnadenstatue wurde 2022/23 restauratorisch behandelt. Dass gerade dieses Stück als "Herzstück der Kirche" bezeichnet wird, zeigt den bis heute besonderen Rang der Figur. Ihre Bedeutung liegt dabei nicht in einem außergewöhnlich hohen kunsthistorischen Alter, sondern in ihrer ununterbrochenen kultischen Funktion seit der Entstehungszeit der Wallfahrt.
Kirchberg am Wagram ist volkskundlich besonders wertvoll, weil hier die normalerweise enge Einheit von Gnadenbild und Gnadenort auseinandergetreten ist. Die ursprüngliche Wallfahrtskirche verschwand, der Kultgegenstand wurde verlegt, und dennoch blieb auch der alte Platz religiös erinnert. Heute bilden Pfarrkirche und Ursprungskapelle gemeinsam den Wallfahrtsort. Maria Trost ist damit ein anschauliches Beispiel dafür, dass Wallfahrt nicht nur an Bauwerke gebunden ist, sondern durch Bild, Erinnerung, Weg und wiederholte religiöse Praxis fortbestehen kann.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Kirchberg am Wagram, Pfarrkirche hl. Stephan. Wien.
- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Niederösterreich und Burgenland. Wien 1955.
- Pfarrkirche St. Stephan gleichzeitig Wallfahrtskirche Maria Trost Kirchberg am Wagram. Kirchberg am Wagram 2001.
- Pfarre Kirchberg am Wagram / Pfarrverband Kirchberg am Wagram: Geschichte der Pfarre, Baugeschichte und Entstehung der Wallfahrt Maria Trost.
- Marktgemeinde Kirchberg am Wagram: Wallfahrtskirche Maria Trost und Dokumentation der Ursprungskapelle.
- Suchy, Petra: Carlo Innocenzo Carlone in Niederösterreich. Ein Wanderkünstler im politischen und sozialen Umfeld an der Schwelle zum 18. Jahrhundert. Diplomarbeit, Universität Wien 2008.
- Dokumentation der Restaurierung der Gnadenstatue Maria in Kirchberg am Wagram, 2022/23.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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