| Wallfahrt: | Alte Marienwallfahrt mit mittelalterlicher Blüte, Gnadenbildtradition und späteren Mirakel- und Wetterwallfahrten. |
| Status: | Historischer Wallfahrtsort mit bis heute fortgeführter Wallfahrtstradition. |
| Kultzentrum: | Gotische Muttergottes mit dem Jesuskind, um 1370, als Gnadenbild auf dem barocken Hochaltar. |
| Ort: | Neukirchen am Ostrong |
| Region: | Waldviertel |
| Bundesland: | Niederösterreich |
| • | Lage: Neukirchen am Ostrong, 3650 Pöggstall. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Waldviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrverband südliches Waldviertel |
| • | Öffnungszeiten: |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Hochaltar und Gnadenbild Wallfahrtskirche Neukirchen am Ostrong:
Hochaltar von 1660 in der Wallfahrtskirche Neukirchen am Ostrong mit den Statuen Hl. Augustinus und Hl. Nikolaus zu beiden Seiten der Gnadenmadonna.
Die Steinrippen mit schönen Rosetten wurden bei der Renovierung 1966 freigelegt.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Gotischer Schreinaltar von 1520 Wallfahrtskirche Neukirchen am Ostrong:
In der nördlichen Seitenkapelle der Wallfahrtskirche Neukirchen am Ostrong, gestiftet von Ritter Hans Schauchinger von Arndorf.
Mittelfigur Hl. Wolfgang, links Evangelist Johannes, rechts Hl. Florian. Flankiert von kleinen Statuetten Petrus und Christophorus.
Auf der Predella ist der Stifter mit Gemahlin und Kindern, drei Söhnen und zehn Töchter dargestellt.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Grabstein des Wolfgang Arndorfer:
Grabstein des Wolfgang Arndorfer aus dem Jahre 1484 in der Wallfahrtskirche Neukirchen am Ostrong.
Die Figur des Ritters ist in Ritztechnik gearbeitet, was ein Unikat darstellt.
Unten links sein Wappen – eine Egge. Dieses bäuerliche Gerät gab dem Geschlecht seinen Namen - auch heute noch heißt es auf dem Land: Arn.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Detail des gotischen Schnitzaltars von 1520, den Hl.Florian darstellend:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Detail des gotischen Schnitzaltars von 1520, den Evangelisten Johannes darstellend:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Neukirchen am Ostrong liegt weithin sichtbar auf einer Anhöhe östlich des Ostrongs und südwestlich von Pöggstall, in rund 721 Metern Seehöhe. Nach der Überlieferung soll Bischof Heinrich von Freising hier bereits 1117 eine Kirche zu Ehren Mariä Himmelfahrt geweiht haben; urkundlich ist die Kirche "Niwenchirc(hen)" vor 1121 belegt. Damit gehört Neukirchen zu den sehr alten Kirchenorten des südlichen Waldviertels.
Der Ursprung der Wallfahrt wird mit einer Sage verbunden: Auf dem Rücken des Ostrongs soll einst das sündige Schloss Ysper gestanden sein. Bevor es versank, habe sich eine Muttergottesstatue aus der Schlosskapelle erhoben und den Platz der späteren Kirche angezeigt. In einer anderen Erzählung brachte die Gottesmutter selbst Hobelspäne an jene Stelle, an der das Gotteshaus errichtet werden sollte; die Späne lagen am Morgen in der Form eines Kirchen-Grundrisses am heutigen Kirchenplatz.
Als Gnadenbild wird eine gotische Muttergottes mit dem Jesuskind verehrt, die um 1370 datiert wird und heute auf dem barocken Hochaltar steht. Der ältere Legendenkern erzählt allerdings, dass bereits 1262 jene Statue aufgestellt worden sei, die aus dem versunkenen Schloss Ysper stammte und die Wallfahrt begründete. Gerade diese Verbindung von versunkenem Schloss, wundersamer Ortswahl und Gnadenstatue macht Neukirchen volkskundlich besonders reizvoll.
Im 15. Jahrhundert war Neukirchen eine der wichtigsten Wallfahrtsstätten der Region. Der Zustrom der Pilgerinnen und Pilger war so groß, dass im Ort drei Backstätten eingerichtet worden sein sollen, um die Wallfahrer mit Brot versorgen zu können. Auch der Ausbau der Kirche hängt mit dieser mittelalterlichen Blüte der Wallfahrt zusammen.
Während der Reformation kam die Wallfahrt weitgehend zum Erliegen, lebte aber in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wieder auf. Aus dieser Zeit sind Mirakelberichte überliefert: Man erzählte von Heilungen, Linderungen von Krankheiten und Votivgaben, die aus Dankbarkeit in die Kirche gebracht wurden. Besonders schön ist auch die Wetterwallfahrt: In einem alten Sprichwort heißt es sinngemäß, wenn man Regen oder schönes Wetter wolle, gehe man mit dem Kreuz nach Neukirchen.
Als ab etwa 1660 Maria Taferl stark aufblühte, verlor Neukirchen an Bedeutung. Um der Wallfahrt neuen Auftrieb zu geben, wurden 1750 die "Drei Goldenen Samstage" eingeführt, die ersten drei Samstage nach Michaeli. Ihre Entstehung wird mit einer Sage von drei Mähern auf der Ascherwiese erklärt: Zwei arbeiteten trotz Angelusläuten weiter, der dritte betete — und fand danach drei goldene Kronen im Gras. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden alle drei Goldenen Samstage gehalten; heute wird vor allem der letzte Goldene Samstag noch als großer Wallfahrtstag und Kirtag gefeiert.
Auch kunstgeschichtlich ist die Kirche bemerkenswert: Sie besitzt einen gotischen Kern mit romanischen Bauteilen, gotische Wandmalereien, spätgotische Glasfenster, einen Altarschrein mit bemalter Predella und Gewölberippen aus gebranntem Ton.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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