Rosenburg-Mold, Basilika Maria Dreieichen

Schnellüberblick
Wallfahrt:Bedeutende Marienwallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes, hervorgegangen aus der Verehrung einer 1656 an einer dreistämmigen Eiche angebrachten Pietà.
Status:Lebendiger überregionaler Wallfahrtsort; traditionsreiches Ziel von Pfarr-, Fuß- und Gruppenwallfahrten aus dem Waldviertel und dem südmährischen Erinnerungsraum.
Kultzentrum:Gekrönte hölzerne Pietà der Schmerzhaften Muttergottes, um 1679/1680 von Matthias Sturmberger geschaffen; hinter dem Hochaltar sind geschwärzte Reste der namensgebenden Eiche erhalten.
Ort:Maria Dreieichen, Gemeinde Rosenburg-Mold, Bezirk Horn
Region:Waldviertel
Bundesland:Niederösterreich
Lage und Besuch
Lage: Maria Dreieichen 79, 3744 Maria Dreieichen.
Auf dem bewaldeten Molderberg am Übergang zum Manhartsberg, zwischen Horn und Eggenburg; Adresse:
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Niederösterreich - Waldviertel
Ansicht in Street View
Pfarre und Wallfahrtsseelsorge: Benediktinerstift Altenburg – Pfarre Maria Dreieichen
Öffnungszeiten: Die Basilika ist gewöhnlich ganzjährig täglich ab 8.15 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit zugänglich; aktuelle Gottesdienstzeiten und allfällige Einschränkungen veröffentlicht die Pfarre. Die Schatzkammer kann zeitweise wegen Renovierungsarbeiten geschlossen sein.
Direkt zum Inhalt
Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Die weithin sichtbare Wallfahrtsbasilika Maria Dreieichen auf dem bewaldeten Molderberg. Der barocke Kirchenbau entstand ab 1744; die beiden Fassadentürme wurden erst zwischen 1814 und 1819 vollendet.

Wallfahrtsbasilika Maria Dreieichen auf dem Molderberg

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Der Gnadenaltar mit der Schmerzhaften Muttergottes. Das um 1679/1680 aus Holz geschnitzte Vesperbild ersetzte die bei einem Brand zerstörte wächserne Pietà und blieb das kultische Zentrum der Wallfahrt.

Gnadenaltar mit der Pietà der Schmerzhaften Muttergottes in Maria Dreieichen

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Devotionalien und Wallfahrtsandenken bei der Basilika. Der Verkauf religiöser Erinnerungsstücke gehört seit der Barockzeit zur materiellen Kultur des Gnadenortes.

Devotionalien und Wallfahrtsandenken bei der Basilika Maria Dreieichen

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Der historistische Förster-Stand östlich der Basilika. Der im späten 19. Jahrhundert nach einem Vorbild in Mariazell errichtete Verkaufsstand ist mit seinem geschnitzten Holzportal, dem weit ausladenden Vordach und einer bekrönenden Pietà selbst zu einem Denkmal der Wallfahrtskultur geworden.

Denkmalgeschützter Förster-Stand für Wallfahrtsandenken in Maria Dreieichen

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Die Zeile der Andenkenstände an der Straße vor der Basilika. Die kleinen Verkaufslokale bildeten während der Wallfahrtszeit eine eigene Marktstraße, in der religiöse Devotionalien, Erinnerungswaren und Dinge des täglichen Ausflugsbedarfs angeboten wurden.

Zeile der Andenkenstände vor der Basilika Maria Dreieichen

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Wallfahrtsbildchen von Maria Dreieichen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, eine Lithographie aus dem Verlag Gebrüder Benziger in Einsiedeln. Das Blatt verbindet die Erinnerung an den besuchten Ort mit dem charakteristischen Bild der gekrönten Pietà vor den drei Eichenstämmen.

Historisches Wallfahrtsbildchen von Maria Dreieichen aus dem 19. Jahrhundert

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Kerzen- und Devotionalienkapelle in der Basilika Maria Dreieichen mit Votivbildern und Sterbebildchen. Der Raum zeigt, wie sich das ältere Votivwesen mit dem persönlichen Totengedenken und mit gegenwärtigen schriftlichen Bitten verbindet.

Kerzenkapelle der Basilika Maria Dreieichen mit Votivbildern und Sterbebildchen

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Die Basilika Maria Dreieichen erhebt sich im nördlichen Niederösterreich auf dem bewaldeten Molderberg am Übergang zum Manhartsberg, zwischen Horn und Eggenburg. Die weithin sichtbare Pfarr- und Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Muttergottes bildet den Mittelpunkt eines kleinen Kirchweilers, der seinen Namen und seine Entstehung der Wallfahrt verdankt. Ihre besondere Bedeutung liegt in der selten dichten Verbindung von Gnadenbild, Baumreliquie, Bründl, Mirakelüberlieferung, böhmisch-mährischen Pilgerwegen und einer künstlerisch hervorragenden barocken Kirchenanlage.

Matthias Weingartner und die dreistämmige Eiche

Der Überlieferung zufolge besaß der Horner Kürschnermeister Matthias Weingartner ein aus Wachs geformtes Vesperbild, das Maria mit dem Leichnam Christi auf dem Schoß darstellte und zunächst seiner privaten Hausandacht diente. In älteren Schriften und in der Wallfahrtstradition erscheint der Stifter meist unter dem Namen Matthias Weinberger; die neuere Forschung weist jedoch darauf hin, dass es sich wahrscheinlich um den historisch nachweisbaren Matthias Weingartner handelte. Diese Abweichung ist nicht unwesentlich, weil sie erkennen lässt, wie sich die Erinnerung an eine Person innerhalb einer lange mündlich und erst später schriftlich überlieferten Gründungsgeschichte verändern konnte.

Weingartner soll an einer schweren Krankheit oder, wie eine jüngere wissenschaftliche Zusammenfassung der Legende formuliert, an Melancholie gelitten haben. Im Traum habe er die Weisung erhalten, das in seinem Haus verwahrte Marienbild an einem öffentlichen Ort zur Verehrung aufzustellen. Eine ausführliche Fassung erzählt, wie er auf dem Weg nach Eggenburg am Molderberg rastete und während des Schlafes zunächst einen leuchtenden Thron, himmlische Musik und jubelnde Stimmen wahrnahm, danach aber von Donner, Hagel und Blitzen erschreckt wurde. Beim Erwachen erblickte er eine Eiche, die sich von der Wurzel aus in drei Stämme teilte, und erkannte darin den ihm bezeichneten Ort.

Am Fest Mariä Himmelfahrt, dem 15. August 1656, brachte er die wächserne Pietà an dieser Eiche an. Seine anschließende Genesung wurde als Gebetserhörung verstanden. Bald kamen weitere Beter zu dem Bild, und Berichte über Trost, Hilfe und wunderbare Heilungen ließen den Ruf der Stätte anwachsen. Dabei ist quellenkritisch festzuhalten, dass die ausführliche Ursprungslegende erst ungefähr ein Jahrhundert nach dem angeblichen Ereignis schriftlich nachweisbar wird. Sie ist daher nicht als zeitgenössischer Tatsachenbericht, wohl aber als grundlegendes Selbstverständnis des Wallfahrtsortes zu lesen.

Brand, wiederergrünter Baum und neues Gnadenbild

Um 1680 wurde die Eiche durch Feuer schwer beschädigt; in manchen Fassungen ist von Blitzschlag die Rede. Das Wachsbild schmolz in der Hitze. Als der verkohlte Baum neuerlich austrieb und grüne Zweige hervorbrachte, deuteten die Gläubigen dies als Zeichen, dass die Verehrung an diesem Platz fortgesetzt werden solle. Der Horner Bürgermeister Sebastian Friedrich ließ daraufhin durch den Bildhauer Matthias Sturmberger eine neue Pietà aus Holz anfertigen und in einer hölzernen Kapelle aufstellen. 1680 wurde die Wallfahrt kirchlich genehmigt.

Diese um 1679 oder 1680 entstandene Gnadenstatue bildet bis heute das Kultzentrum. Maria sitzt leicht schräg und hält den aufgerichteten Leichnam ihres Sohnes auf dem Schoß, wobei sie ihren Kopf innig an den seinen schmiegt. Über dem roten Kleid liegt ein bewegter goldener Mantel; Maria und Christus tragen mächtige Kronen. In den bildlichen Nachahmungen erscheint die Figur fast immer vor den drei Stämmen der Eiche. Das Zusammenspiel von Pietà und Wunderbaum schuf einen unverwechselbaren Bildtypus, der auf Wallfahrtsbildern, Medaillen, Reliefs, Statuen und Kleindenkmälern weithin verbreitet wurde.

Von besonderem Rang ist, dass hinter dem Hochaltar geschwärzte Reste der alten Eichenstämme aufbewahrt und durch ein Gitter sichtbar gemacht werden. Der Baum ist damit nicht nur Bestandteil der Erzählung oder des Namens, sondern als materielle Reliquie des Ursprungsortes gegenwärtig. Gnadenbild, Baumrest und Kirchenraum verbinden sich zu einem kultischen Ensemble, in dem die barocke Überlieferung sinnlich erfahrbar bleibt.

Kapelle, Einsiedelei und Aufstieg der Wallfahrt

Der wachsende Zustrom erforderte eine dauernde Betreuung. Um 1700 ließ Graf Hoyos als Herrschaftsinhaber beim Bründl eine Einsiedelei errichten. Der dort lebende Eremit beaufsichtigte die Gnadenstätte, versah einfache Dienste und betreute die ankommenden Pilger. Von 1730 bis 1733 entstand anstelle der hölzernen Kapelle ein Steinbau, der 1735 geweiht wurde. Seit 1737 ging der Name Maria Dreieichen auch auf den entstehenden Kirchweiler über.

Für die Ausbreitung der Wallfahrt war die Lage an der alten Böhmerstraße von großer Bedeutung. Über diesen Verkehrs- und Pilgerweg zogen seit dem Mittelalter Gruppen aus Böhmen und Mähren durch das Waldviertel nach Mariazell. Der neue Gnadenort lag unmittelbar an ihrer Route, wurde zunächst als Station besucht und entwickelte sich bald selbst zum Ziel. Alte Flurnamen wie Böhmerstraße, Böhmersteig und Böhmerstall bewahrten die Erinnerung an diese Wege. Bei mährischen Pilgern war Maria Dreieichen unter einer tschechischen Bezeichnung im Sinn von "Maria zu den drei Eichen" bekannt.

Die Wallfahrt war deshalb niemals auf das Horner Becken beschränkt. Ihr Einzugsgebiet reichte über das nördliche Waldviertel bis nach Südmähren und verband Landschaften, die erst später durch eine Staatsgrenze getrennt wurden. Diese grenzüberschreitende Tradition blieb für das Gedächtnis des Ortes auch dann wichtig, als die historischen Pilgerwege durch die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts unterbrochen wurden.

Errichtung der barocken Wallfahrtskirche

Die Steinkapelle erwies sich angesichts des anhaltenden Zustroms bald als zu klein. Unter dem bedeutenden Altenburger Barockabt Placidus Much wurde am 8. Mai 1744 der Grundstein zur heutigen Kirche gelegt. Die Planung wird Leopold Wißgrill zugeschrieben; auch Anregungen des Baumeisters Joseph Munggenast dürften eingeflossen sein. Als architektonisches Vorbild diente die Stiftskirche von Altenburg. Die Errichtung wurde durch das Stift, durch private Beiträge von Altenburger Konventualen und durch die Horner Bürgerschaft getragen.

Bis 1750 entstand eine genordete kreuzförmige Anlage, deren weit gespannter Zentralraum von einer längsovalen, nach außen kaum hervortretenden Kuppel überwölbt wird. Der Chor wurde um 1760 ausgeführt. Die doppeltürmige Südfassade blieb zunächst unvollendet und erhielt erst zwischen 1814 und 1819 unter Karl Benedikter ihre heutige Gestalt mit Uhrengiebeln und Zwiebelhelmen. Der plastische Fassadenschmuck geht auf Franz Leopold Farmacher zurück. In den Nischen erscheinen Maria Dreieichen zwischen den Aposteln Petrus und Paulus sowie darüber Gottvater; die Figurengruppe macht bereits an der Außenseite die marianische Wallfahrt und ihre Einordnung in die kirchliche Heilsordnung sichtbar.

Paul Troger und die Ausstattung der Basilika

Der helle, großzügige Innenraum gehört zu den bedeutenden barocken Kirchenräumen des Waldviertels. Sein künstlerischer Höhepunkt ist das um 1752 ausgeführte Kuppelfresko Paul Trogers. Es gilt als dessen letztes großes erhaltenes Freskenwerk und als reife Leistung eines der wichtigsten österreichischen Barockmaler. Weitere Gewölbemalereien stammen von Josef Hauzinger und Johann Wenzel Bergl, die beide dem künstlerischen Umkreis Trogers angehörten. Zwischen 1768 und 1771 ergänzte Johann Georg Hoppel den Raum durch feinen Rokokostuck.

Die Altäre und Gemälde vereinen Arbeiten mehrerer Künstler des österreichischen Spätbarocks. Genannt werden unter anderem Thomas Friedrich Gedon, Josef Hauzinger, Johann Wenzel Bergl und Martin Johann Schmidt, der Kremser Schmidt. Ungeachtet dieser reichen Ausstattung bleibt die vergleichsweise schlichte Pietà im Hochaltar der geistliche Mittelpunkt. Hinter dem Altar führt ein Zugang in den Rest der älteren Steinkapelle, der heute als Schatzkammer dient und Erinnerungsstücke aus der langen Geschichte der Wallfahrt bewahrt.

Eine weitere Kostbarkeit ist die 1780 von Anton Pfliegler geschaffene Orgel. Eine Inschrift am Windkanal hält fest, dass sie am 8. September 1780 erstmals gespielt wurde. Das Instrument blieb weitgehend vor größeren Umbauten bewahrt und gilt als das größte original erhaltene Werk Pflieglers. Sein bereits zum Klassizismus überleitendes Gehäuse und der historische Klangbestand machen es zu einem wichtigen Denkmal des österreichischen Orgelbaus.

Josephinische Einschränkungen und Erhebung zur Basilika

Seit 1740 versahen Benediktiner des nahe gelegenen Stiftes Altenburg die Wallfahrtsseelsorge. 1783 wurde Maria Dreieichen zur selbständigen Pfarre erhoben. Die josephinischen Reformen brachten dennoch einen schweren Einschnitt: Die Einsiedelei wurde 1782 aufgehoben, Wallfahrten wurden 1784 durch kaiserliche Anordnung untersagt oder stark eingeschränkt. Die Verehrung der Schmerzhaften Muttergottes erlosch jedoch nicht. Nach dem Ende der josephinisch geprägten Beschränkungen erlebte das Wallfahrtsleben um die Mitte des 19. Jahrhunderts einen deutlichen Aufschwung.

1957 erhob Papst Pius XII. die Wallfahrtskirche anlässlich des seit 1656 überlieferten 300-jährigen Bestehens des Gnadenortes zur Basilica minor. Die Auszeichnung bestätigte die überregionale kirchliche Bedeutung Maria Dreieichens, ohne dessen enge Bindung an das Waldviertel und an die benediktinische Seelsorge des Stiftes Altenburg aufzuheben.

Mirakelbuch und überlieferte Gebetserhörungen

Zu den wichtigsten schriftlichen Zeugnissen der Wallfahrt gehört das Compendium Historicum von dem Ursprung des Marianischen Wallfahrts-Ort zu Drey Eichen. Eine erste Ausgabe dürfte 1753 in Retz erschienen sein. Von ihr ist gegenwärtig kein Exemplar bekannt, doch wurde ihre kirchliche Druckerlaubnis, die der Stoitzendorfer Pfarrer Gregor Gruber 1753 erteilte, in die zweite und vermehrte Auflage übernommen. Diese ließ Christoph Joseph Hueth, Wiener Universitätsbuchdrucker in Retz, im Jahr 1770 erscheinen. Auch sie ist selten; Exemplare sind unter anderem in der Wienbibliothek und in der Staatsbibliothek zu Berlin nachgewiesen.

Das 144 Seiten umfassende Büchlein erzählt zunächst die Entstehungsgeschichte des Gnadenortes und führt die für Maria Dreieichen gewährten Ablässe an. Sein Hauptteil enthält 106 Berichte über "Marianische Gnaden und Wohlthaten" aus den Jahren 1733 bis 1769; eine Litanei zur Schmerzhaften Muttergottes beschließt den Band. Die Herkunftsorte der genannten Personen reichen vom Horner Becken über Südmähren und Bruck an der Leitha bis nach Höritz im Böhmerwald. Das Mirakelbuch belegt damit nicht nur den Ruf des Gnadenortes, sondern auch dessen weites, die späteren Staatsgrenzen überschreitendes Einzugsgebiet.

Die Berichte folgen einem wiederkehrenden Aufbau: Auf die Schilderung einer Krankheit, eines Unfalls oder einer unmittelbar drohenden Lebensgefahr folgen die Anrufung der Schmerzhaften Muttergottes, ein Gelübde und schließlich die als wunderbare Hilfe gedeutete Rettung oder Genesung. Namen, Herkunftsorte, Berufe und konkrete Alltagssituationen machen die Texte zugleich zu aufschlussreichen Quellen für das Leben der ländlichen Bevölkerung im 18. Jahrhundert. Sie berichten von Krankheiten und Geburt, von Arbeit und Handel, von Reisen auf Donau und Kamp und von jenen Gefahren, gegen die es kaum wirksame menschliche Hilfe gab.

Am 12. Oktober 1735 berichteten Georg Aininger, Fleischhauer in Mold, und Andreas Stumpner aus Mörtersdorf von einer Rettung auf der Donau. Sie wollten Erbsen nach Wien bringen, um mit deren Verkauf etwas zu verdienen, als ihr Fahrzeug bei Tulln in einen schweren Sturm geriet. Angesichts des befürchteten Untergangs riefen sie die Schmerzhafte Muttergottes von Maria Dreieichen an und gelobten eine heilige Messe. Das baldige Nachlassen des Windes und ihre unversehrte Rettung verstanden sie als Wirkung der mütterlichen Fürbitte Mariens. Die beiden Männer lassen sich in den Pfarrmatrikeln der Umgebung nachweisen, wodurch der Bericht über seine religiöse Aussage hinaus ein ungewöhnlich anschauliches Bild des regionalen Warenverkehrs vermittelt.

Ein weiterer Eintrag betrifft das Ehepaar Matthias und Maria Anna Träppel, das am Umlaufberg gegenüber der Altenburger Hofmühle lebte. Matthias war von einer schweren Krankheit genesen. Seine Frau geriet im Frühjahr 1738 auf der Rückfahrt vom Gottesdienst mit einer Zille an das Wehr der Hofmühle, wurde unter das Wehr gezogen und soll länger als eine Viertelstunde unter Wasser geblieben sein. Nachdem sie sich in ihrer äußersten Not nach Maria Dreieichen verlobt hatte, kam sie wieder an die Oberfläche, schwamm zu einem Steinhaufen und zu Gesträuch und konnte unverletzt geborgen werden. Am 27. Mai 1738 brachte das Ehepaar zwei Opfertafeln zum Gnadenort: eine für die Genesung des Mannes und eine für die Rettung der Frau. Dieser Eintrag ist zugleich ein früher eindeutiger Nachweis für Votivtafeln in Maria Dreieichen.

Besonders eindringlich ist der Bericht der Katharina Schödl aus Zaingrub. Sie erschien am 25. Januar 1768 in Maria Dreieichen und brachte einen Stein von ungefähr der Größe einer kräftigen Walnuss mit. Nach ihrer Aussage hatte sie seinetwegen eineinhalb Jahre lang unerträgliche Schmerzen erlitten, ohne Linderung zu finden. Erst nach der Anrufung Mariens als Heil der Kranken sei der Stein schmerzlos abgegangen. Die Frau übergab ihn als bleibendes Dank- und Erinnerungszeichen. Der krankmachende Gegenstand selbst wurde damit zur Votivgabe und zum dinglichen Beleg der aus ihrer Sicht erfahrenen Gnade.

Das Mirakelbuch erwähnt außerdem kleine Späne vom Stamm der Eiche, die als heilbringende Berührungsreliquien verwendet wurden, sowie das Auflegen von Vesperbildern auf erkrankte Körperstellen. Darin wird die Vorstellung fassbar, dass die besondere Kraft des Gnadenortes durch unmittelbaren Kontakt mit dem Wunderbaum oder dem Bild der Schmerzhaften Muttergottes auf den leidenden Menschen übertragen werden könne.

Diese Erzählungen sind nicht als medizinische Befunde im heutigen Sinn zu lesen. Sie geben wieder, wie die Betroffenen selbst Krankheit, Gefahr, Gelübde und Rettung religiös deuteten und wie die Wallfahrtsleitung solche Erfahrungen auswählte und veröffentlichte. Gerade dadurch ist das Mirakelbuch eine besonders wertvolle Quelle für Volksfrömmigkeit, Alltagsleben, Ängste und Hoffnungen des 18. Jahrhunderts. Zugleich erfüllte es eine werbende Funktion: Die gedruckten Gnadenerweise sollten das Vertrauen in die Fürsprache der Schmerzhaften Muttergottes stärken und den Ruf Maria Dreieichens verbreiten.

Votivbilder, anatomische Votive und die Schatzkammer

Die Mirakelberichte besaßen ihre sichtbare Entsprechung in den Votivgaben. Das Wort Votiv leitet sich vom lateinischen ex voto, "aufgrund eines Gelübdes", ab. Eine solche Gabe konnte eine Bitte begleiten, vor allem aber wurde sie nach einer überstandenen Notlage als Dank dargebracht. Nicht die Kostbarkeit des Gegenstandes bestimmte seinen Charakter, sondern das vorausgegangene Gelübde und die persönliche Bedeutung für den Stifter. Inschriften, Jahreszahlen, Namen und Herkunftsorte hielten den Zusammenhang mit dem zugrunde liegenden Ereignis fest.

Die Schatzkammer von Maria Dreieichen wurde in einem Rest der älteren Gnadenkapelle unmittelbar hinter dem Hochaltar eingerichtet. Ihre Nähe zum Gnadenbild und zu den erhaltenen Eichenstämmen ist bezeichnend: Die Zeugnisse der gewährten Hilfe sollten am Ursprungsort der Wallfahrt und möglichst nahe bei ihrem kultischen Zentrum verwahrt werden. Im Laufe der Jahrhunderte gingen allerdings durch Wallfahrtsverbote, politische Umbrüche, Verlagerungen und sorglosen Umgang viele Gegenstände verloren oder wurden verstreut. Der heutige Bestand kann daher nur einen Ausschnitt der ehemals wesentlich reicheren Votivkultur vermitteln.

Besonders auffällig sind die zahlreichen Silbervotive, die in dicht gefüllten barocken Vitrinenkästen angeordnet wurden. Viele stellen einzelne Körperteile dar und verweisen auf die jeweils erhoffte oder erfahrene Heilung. Erhalten sind außerdem Votive aus Eisen, Holz und Wachs, in Silber gefasste Zähne und Knochensplitter, Blasensteine, Sehbehelfe und andere persönliche Gegenstände. Sogar Küchenmesser gelangten als Erinnerungszeichen in die Sammlung. Ohne die zugehörige Überlieferung lässt sich heute nicht bei jedem Stück feststellen, ob es an eine Verletzung, eine abgewendete Gefahr oder ein anderes persönliches Erlebnis erinnerte; gerade diese Gegenstände zeigen jedoch, dass grundsätzlich beinahe jeder bedeutungsvolle Bestandteil einer Lebensgeschichte zur Votivgabe werden konnte.

Wachsvotive konnten unmittelbar am Wallfahrtsort erworben werden. Erhaltene Model belegen ihre örtliche Herstellung und den regen Verkauf. Die Pilger wählten dabei häufig eine Nachbildung jenes Körperteils, für das sie Heilung erhofften oder für dessen Genesung sie danken wollten. Zwei vermutlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstandene Kronen waren in den barocken Vitrinen jeweils an hervorgehobener Stelle angebracht. Auch Kerzen, Schmuck, Fotografien und Gaben aus dem 20. und 21. Jahrhundert gehören zum Bestand und bezeugen, dass die Votivpraxis nicht auf die Barockzeit beschränkt blieb.

Neben den kleineren Einzelgaben sind ausdrücklich gemalte Votivbilder erhalten. Sie stellen die überstandene Gefahr, die erkrankte oder gerettete Person und häufig im oberen Bildbereich die angerufene Schmerzhafte Muttergottes dar. Von besonderer Bedeutung sind große Gemeindevotivbilder. Nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze Dörfer verlobten sich nach Maria Dreieichen und versprachen wiederkehrende Wallfahrten, etwa nach gemeinsam überstandenen Seuchen oder anderen Bedrohungen. Einige dieser Bilder wurden im Laufe der Zeit erneuert und dokumentieren dadurch die über Generationen fortgeführte Bindung einer Gemeinde an den Gnadenort.

Die Schatzkammer bewahrt unter anderem Votivbilder aus der südmährischen Region Hostlitz, heute Hostěradice, sowie aus Znaim. Sie sind materielle Zeugnisse jener grenzüberschreitenden Wallfahrten, die in den schriftlichen Quellen beschrieben werden. In ihnen verbindet sich das Gelübde einer Gemeinschaft mit der Erinnerung an deren Herkunftsort; zugleich machen sie sichtbar, dass Maria Dreieichen für Gläubige nördlich und südlich der Thaya ein gemeinsamer religiöser Bezugspunkt war.

Eine weitere Gruppe von Votivbildern befindet sich in der Kerzen- und Devotionalienkapelle der Basilika. An vielen Bildern wurden später Sterbebildchen angebracht. Der ursprüngliche Dank für eine Gebetserhörung verband sich dadurch mit dem persönlichen Gedächtnis an Verstorbene. In ein dort aufliegendes Buch tragen Besucher ihre Wünsche und Nöte ein. Die ältere Praxis, ein Erlebnis durch Bild, Gegenstand oder Inschrift am Gnadenort festzuhalten, wird damit in einer gegenwärtigen schriftlichen Form fortgeführt.

Die Schatzkammer ist deshalb weniger als Kunstsammlung denn als "Tresor des Glaubens" zu verstehen. Ein kunstvoll gearbeitetes Silbervotiv steht hier neben einem schlichten Blasenstein, einer Brille oder einem persönlichen Erinnerungsstück. Für die Volkskunde ist gerade diese Gleichzeitigkeit von kostbaren und unscheinbaren Dingen von besonderem Wert: Sie lässt erkennen, welche Krankheiten, Unfälle und gemeinschaftlichen Bedrohungen die Menschen beschäftigten und auf welche Weise sie ihre Hoffnung, ihr Gelübde und ihren Dank materiell zum Ausdruck brachten.

Wallfahrtsandenken und die Verbreitung des Gnadenbildes

Seit der Barockzeit wurden in Maria Dreieichen gedruckte Andachtsbilder, Medaillen, kleine Reliefs, plastische Nachbildungen und weitere Devotionalien angeboten. Das Motiv war leicht wiederzuerkennen: die gekrönte Pietà vor dem dreistämmigen Baum. Die Wallfahrer nahmen diese Gegenstände mit nach Hause, bewahrten sie in Gebetbüchern und Hausaltären auf oder trugen sie als Schutzzeichen am Körper. Auf diese Weise wurde das Bild von Maria Dreieichen aus dem Kirchenraum in den religiösen Alltag übertragen.

Die Verbreitung lässt sich auch an Bildstöcken und Kleindenkmälern in Niederösterreich und im angrenzenden mährischen Raum ablesen. Nachbildungen des Gnadenbildes kennzeichneten Wege, erinnerten an zurückgelegte Wallfahrten oder wurden aufgrund eines Gelübdes gestiftet. Selbst ein Druck des großen Andachtsbildverlages Gebrüder Benziger in Einsiedeln ist aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts belegt. Händler, Wirte und die bis heute erhaltene Zeile von Verkaufsständen gehörten damit ebenso zur Wallfahrtslandschaft wie Kirche, Bründl und Prozessionswege.

Die Wallfahrtsstände vor der Basilika

Zu Maria Dreieichen gehört nicht nur die Basilika, sondern auch die auffällige Zeile kleiner Verkaufsstände an der Straße vor der Kirche. Sie ist kein nachträglich hinzugekommenes touristisches Beiwerk. Wallfahrtsorte benötigten Einrichtungen, welche die ankommenden Menschen mit Kerzen, Rosenkränzen, Weihwassergefäßen, Bildern und Erinnerungsstücken versorgten. Hermann Maurer zählt die auf den Bedarf der Pilger ausgerichteten Devotionalienhandlungen und Gaststätten ausdrücklich zu jenem Gefüge, das sich in Maria Dreieichen an Kirche, Bründl und weitere Anziehungspunkte anschloss. Die Standln bildeten damit die wirtschaftliche und materielle Außenseite des religiösen Geschehens.

Die heute noch erkennbare Anlage geht wesentlich auf das 19. Jahrhundert zurück. Ein besonders bemerkenswertes Einzelobjekt steht östlich der Wallfahrtskirche: Der Gastwirt Alois Förster ließ dort im späten 19. Jahrhundert einen Verkaufsstand in historistischem Stil als Nachbildung eines Standes in Mariazell errichten. Ein vorgesetztes Holzportal mit geschnitzten Verzierungen und Rollladen, das weit vorspringende profilierte Vordach sowie das von einem kleinen Türmchen bekrönte Dach heben ihn deutlich von einem bloßen Kiosk ab. In einer verglasten Nische erscheint eine von Engeln flankierte Pietà. Die Aufschrift "Toni Förster Wallfahrtsandenken" erinnert an Antonia Förster, die den Stand von ihrem Vater übernahm. Dieses sogenannte Förster-Standl ist als Baudenkmal geschützt und belegt, welchen Stellenwert der Devotionalienhandel für das Erscheinungsbild des Wallfahrtsortes besaß.

Das Angebot der Händler lässt sich durch erhaltene Gegenstände und Verlagsangaben erstaunlich genau erschließen. Verkauft wurden Rosenkränze, Medaillen, Kreuze, Weihwasserbecken, Kerzen und kleine Gnadenbildkopien ebenso wie gedruckte Andachtsbilder, Marianische Briefe, Gebetszettel und Beichtzettel. Dazu kamen plastische Darstellungen aus Holz, Wachs, Meerschaum oder Papiermaché, auf Blech gemalte Bilder und gegossene Zinnplaketten. Ein stark abgenütztes und mehrfach repariertes Lebzeltenmodel mit dem Bild von Maria Dreieichen im Höbarthmuseum Horn belegt, dass auch essbare Wallfahrtsandenken in einer Horner Lebzelterwerkstatt hergestellt wurden.

Ein Teil der Waren entstand in ländlicher Heimarbeit, anderes wurde von spezialisierten Bild- und Devotionalienverlagen geliefert. Im späten 19. Jahrhundert sind unter anderem die Firmen A. Schaufele, Franz Schemm, Gregor Fischer und Franz J. Schadek nachweisbar. Blätter des Einsiedler Verlages Gebrüder Benziger gelangten über den Horner Händler Joseph Kranzl an den Ort; später vertrieben auch Alois Förster und seine Nachfolgerinnen und Nachfolger eigene beziehungsweise zugekaufte Wallfahrtsandenken. Noch im späten 20. Jahrhundert waren Bildchen des Wiener Verlages Julius Peter und des Augsburger Verlages H. Jansen an den Standln erhältlich. Tschechisch beschriftete Ausgaben entsprachen den erneut aufgenommenen Wallfahrten aus Mähren und zeigen, dass das Warenangebot auf die Herkunft und Sprache der Pilger reagierte.

Der Standlbesuch war in den überlieferten Abläufen Teil eines ganzen Wallfahrtstages. Nach Gottesdienst und Einkehr führte der Weg zum Bründl, zur Graselhöhle und zu den Verkaufsständen. Dort erwarb man etwa einen Rosenkranz oder ein Kreuz für den Herrgottswinkel, ein Wallfahrtsbild für das Gebetbuch oder ein Mitbringsel für die Daheimgebliebenen. Das Andenken verlängerte den Besuch über die Heimkehr hinaus: Es machte den Gnadenort im Haus sichtbar, erinnerte an ein Gelübde oder galt als Schutzzeichen. Die Grenze zwischen Devotionalie, Andenken und gewöhnlicher Verkaufsware war dabei nie völlig starr. Neben religiösen Gegenständen fanden sich später auch Ansichtswaren, Namenshäferln, Spielzeug, Taschenmesser und andere Ausflugsandenken. Gerade dieses Nebeneinander kennzeichnet die Stände als Vermittlungsort zwischen sakraler Wallfahrt, Jahrmarkt und Alltagskultur.

Auch der Betrieb folgte dem Wallfahrtsjahr. Friedrich Tschuden verzeichnete in seiner 2008 abgeschlossenen Untersuchung acht Stände, die während der Saison vom Schmerzhaften Freitag vor dem Palmsonntag bis zum Leonardisonntag im November betrieben wurden. Die Zahl beschreibt den damaligen Forschungsstand und darf nicht als gegenwärtiger Bestand gelesen werden. Eine Reportage aus dem Jahr 2011 schilderte eine Reihe von zehn gleich großen Verkaufslokalen, aber nur mehr drei aktive Händler. Eine langjährige Standlerin berichtete damals, dass Pilger früher den ganzen Tag am Ort verbrachten, während kürzere Busaufenthalte und individuellere Reiseformen weniger Zeit für Einkehr und Einkauf ließen. Nicht unbedingt die Zahl der Wallfahrer, sondern die Veränderung ihres Aufenthalts bedrohte daher die überlieferte Infrastruktur.

Die Wallfahrtsstände sind somit in mehrfacher Hinsicht Quellen: als kleine Zweckbauten für die Geschichte des Ortes, als Vertriebsstellen für religiöse Bilder und Gegenstände, als Erinnerungsorte von Händlerfamilien und als Schauplatz des Wandels der Wallfahrt. Ihre Erhaltung betrifft nicht allein eine pittoreske Ladenzeile. Mit ihnen bleibt ein seltener, unmittelbar ablesbarer Zusammenhang zwischen Gnadenstätte, Pilgerweg, religiösem Gebrauchsgut und regionaler Erwerbsgeschichte erhalten.

Bründl, Kreuzweg und Graselhöhle

Nördlich der Basilika liegt im Wald das sogenannte heilige Bründl. Die gänzlich erneuerte Bründlkapelle ist ein kleiner tonnengewölbter Bau mit Rundapsis; in ihrem Inneren zeigt ein Relief in einer Kartusche das Gnadenbild von Maria Dreieichen in einer Form aus der Zeit um 1750. Der Maler Herbert Puschnik gestaltete 1983 das Giebelsgraffito der Kapelle und die Stationen des Kreuzweges am Bründlweg.

Dem Quellwasser wurde in der Volksfrömmigkeit besondere Kraft zugeschrieben. Pilger wuschen sich damit, tranken davon oder nahmen Wasser für Angehörige mit nach Hause. Die Wallfahrt zum Bründl bildete zeitweise eine eigene, neben dem kirchlich geordneten Besuch des Gnadenbildes bestehende Praxis. Darin begegnen sich christliche Marienverehrung und die in vielen europäischen Wallfahrtslandschaften verbreitete Vorstellung, dass Wasser an einem heiligen Ort Heilung, Linderung und Schutz vermitteln könne.

In der Nähe des Bründls befindet sich eine Höhle, die in örtlichen Erzählungen mit dem Räuber Johann Georg Grasel verbunden wird. Er soll sie als Unterschlupf benutzt haben; ein historischer Beleg dafür ist nicht bekannt. Die Graselüberlieferung gehört daher nicht zur belegbaren Entstehungsgeschichte der Wallfahrt, wohl aber zum weiteren Erzählraum um Maria Dreieichen. Sie zeigt, dass die Basilika gemeinsam mit Wald, Quelle, Wegen, Bildstöcken und Höhle als zusammenhängende Erinnerungslandschaft wahrgenommen wurde.

Wallfahrt aus dem Waldviertel und aus Südmähren

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert zogen zahlreiche deutsch- und tschechischsprachige Pilgergruppen aus Südmähren nach Maria Dreieichen. Nach Flucht und Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung im Jahr 1945 setzten Heimatvertriebene die Wallfahrt aus ihren neuen Wohnorten fort. Der Gnadenort erhielt dadurch neben seiner religiösen auch eine erinnerungskulturelle Bedeutung: Der gemeinsame Gottesdienst, vertraute Gebete und das wiederbegegnende Gnadenbild verbanden die verstreut lebenden Menschen mit der verlorenen Heimat.

Auch aus den Waldviertler Pfarren bestehen traditionsreiche Wallfahrten. Besonders hervorzuheben ist die seit 1854 belegte Fußwallfahrt aus Groß-Siegharts, die bis heute weitergeführt wird. Solche wiederkehrenden Pfarrwallfahrten zeigen, dass Maria Dreieichen kein erloschener historischer Gnadenort ist. Die Formen haben sich gewandelt und neben lange Fußmärsche sind Bus-, Rad- und kleinere Gruppenwallfahrten getreten, doch das Ziel bleibt in der regionalen Frömmigkeit lebendig.

Maria Dreieichen gehört damit zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten Niederösterreichs. Der besondere Rang beruht nicht auf einem einzelnen Kunstwerk oder einer einzigen Legende, sondern auf dem Zusammenwirken vieler Schichten: einer aus privater Andacht hervorgegangenen Pietà, dem Wunderbaum und seinen erhaltenen Resten, barocker Wallfahrtspropaganda, Mirakelbuch und Votivwesen, der Brunnenverehrung, den böhmisch-mährischen Pilgerwegen, dem Erinnern der Heimatvertriebenen und einer bis in die Gegenwart fortgeführten Wallfahrtspraxis.

Literatur und Quellen

- Compendium Historicum. Von dem Ursprung des Marianischen Wallfahrts-Ort zu Drey Eichen auf den sogenannten Molder-Berg unweit Horn. 2. Auflage, Christoph Joseph Hueth, Retz 1770.

- Endl, Friedrich: Die Wallfahrtskirche zu Dreieichen bei Horn (O.M.B.). Wien 1894.

- Biedermann, Stephan: Maria Dreieichen. Ursprung und Beschreibung der Gnadenkirche. Eggenburg 1931.

- Schweighofer, Gregor: Maria Dreieichen. Horn 1952.

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 2: Niederösterreich und Burgenland. Wien 1955.

- Flagel, Odilio: Die Basilika Maria Dreieichen. Maria Dreieichen 1965.

- Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Mold, Pfarr- und Wallfahrtskirche Zur Schmerzhaften Mutter. Wien 1990, S. 754 ff.

- Naber, Bernhard; Koppensteiner, Berthold: Wallfahrtskirche Maria Dreieichen. Wien 1998.

- Bösner, Robert; Weiger, Alexander: Wallfahrts- und Pfarrkirche Maria Dreieichen. Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 346. Salzburg 2000.

- Maurer, Hermann: Zeichenstein und Wunderbaum. Österreichs Kirchen und Klöster in ihren Ursprungslegenden. Stiftsmuseum Klosterneuburg 2000, S. 102 ff.

- Leber, Helmut: Das Wunder vom Molderberg. Horn, ohne Jahr [2003].

- Maurer, Hermann: "Wallfahrten zum Bründl von Maria Dreieichen". In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Band 108 / Neue Serie 59, Wien 2005, S. 43-52.

- Maurer, Hermann: "Wallfahrtsandenken von Maria Dreieichen – Zeugnisse ab der Barockzeit". In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Band 109 / Neue Serie 60, Wien 2006, S. 435-452.

- Bösner, Robert: 350 Jahre Wallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes von Maria Dreieichen. Salzburg 2006.

- Tschuden, Friedrich: "Hab ein gar kostbar Gut erfläht". Die Entstehung und Geschichte von bedeutenden Wallfahrtsorten des Waldviertels. Dissertation, Universität Wien 2008.

- Maurer, Hermann: "Ursprungsbilder von Maria Dreieichen bei Horn, Niederösterreich". In: Unsere Heimat. Zeitschrift für Landeskunde von Niederösterreich, Band 81, 2010, S. 295-305.

- Renner, Georg: "Das Ende der Event-Pilger". In: Die Presse, 13. August 2011.

- Purin, Bernhard: "Ein Dreieichener Mirakelbuch von 1770". In: Rosenburg-Mold Aktuell, Ausgabe September-Dezember 2012, S. 5-8.

- Oppeker, Walpurga: "Überlegungen zur Bedeutung der regionalen Verbreitung der Gnadenbilder der Pietà in Niederösterreichs Kleindenkmälern (Maria Dreieichen, Maria Taferl, Maria Schoßberg)". In: MEMO Sonderband 1, 2022, S. 81-120.

- Taubinger, Barbara: "Wundertaten in Wort und Bild. Die Schatzkammer Maria Dreieichen erzählt von den Schicksalen der Wallfahrerinnen und Wallfahrer". Museumsmanagement Niederösterreich, 2025.

- Bundesdenkmalamt: Denkmalliste Rosenburg-Mold, Objekt "Devotionalienstand", HERIS-ID 38000, Objekt-ID 37487.

- SAGEN.at: Maria zu den drei Eichen.

- Benediktinerstift Altenburg: Pfarre Maria Dreieichen.

- Österreichisches Museum für Volkskunde: Hermann Maurer, Wallfahrten zum Bründl von Maria Dreieichen.

Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at