Droß - Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau von Fatima

Schnellüberblick
Wallfahrt:Junge Marienwallfahrt der Nachkriegszeit, entstanden aus der Fatimafrömmigkeit Pfarrer Franz Gravogls. Mit dem feierlichen Einzug des Gnadenbildes am 22. Mai 1950 setzte der dokumentierte Wallfahrtszuzug nach Droß ein.
Status:Lebendiger Wallfahrtsort. Feste Wallfahrtstage sind die 13. jedes Monats und die ersten Samstage des Monats; die Fatimafeiern verbinden Rosenkranz, Messe und weitere Andachtsformen.
Kultzentrum:Das Gnadenbild "Unsere Liebe Frau von Fatima", eine von Otto Moroder in Mayrhofen im Zillertal geschaffene Marienstatue, gestiftet von Frauen aus Krems.
Ort:Droß, Bezirk Krems-Land.
Region:Waldviertel.
Bundesland:Niederösterreich.
Lage und Besuch
Lage: Kirchenplatz 114, 3552 Droß.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Waldviertel
Ansicht in Street View
Pfarre / Seelsorge: Pfarre Droß
Wallfahrtstage: jeweils am 13. eines Monats sowie am ersten Samstag des Monats. Für Gruppenwallfahrten empfiehlt sich die vorherige Kontaktaufnahme mit der Pfarre.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

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Wallfahrtsankündigung für Droß, September 2010:

Das in Kirchen und Pfarrschaukästen verbreitete Plakat dokumentiert die praktische Organisation der jungen Fatimawallfahrt. Neben dem "Herz Mariä Sühne-Samstag" werden die Fatimafeier am 13. September, Rosenkranz, Sühnegebete, Krankensegnung, Wallfahrtsmesse, Prozessionen und eine eigene Wallfahrt für Priester angekündigt. Als historisches Alltagsdokument zeigt das Blatt, wie sich der Kult von Fatima in Droß in wiederkehrende liturgische und gemeinschaftliche Handlungen übersetzt.

Wallfahrtsankündigung 2010 für die Fatima-Wallfahrtskirche Droß

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie, Sammlung Prof. Hermann Maurer, Horn

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau von Fatima in Droß gehört zu den jüngsten Wallfahrtsorten Niederösterreichs. Gerade dieser Umstand macht sie für die Wallfahrtsforschung besonders aufschlussreich. Während bei älteren Gnadenstätten der Ursprung häufig erst aus späteren Legenden, Mirakelbüchern oder verstreuten archivalischen Nachrichten rekonstruiert werden kann, lässt sich in Droß die Entstehung eines neuen Wallfahrtszentrums nach dem Zweiten Weltkrieg nahezu Schritt für Schritt verfolgen. Die Initiative ging von Pfarrer Franz Gravogl aus; der eigentliche Wallfahrtszuzug begann 1950 mit der Aufstellung eines eigens für Droß geschaffenen Fatima-Gnadenbildes und dauert in regelmäßigen Wallfahrtsfeiern bis in die Gegenwart fort.

Franz Gravogl und die Entstehung der Wallfahrt

Die Geschichte der Droßer Fatimawallfahrt ist eng mit Pfarrer Franz Gravogl verbunden, der am 13. Februar 1974 starb. Während eines längeren Aufenthaltes im Krankenhaus Krems im Jahr 1946 gelangte ihm eine Schrift über die Marienerscheinungen von Fatima in die Hände. Die Berichte über die Ereignisse von 1917 beeindruckten ihn so stark, dass in ihm der Plan entstand, in Droß eine Erinnerungsstätte an Fatima und zugleich ein Gebetszentrum im Sinne dieser Frömmigkeit zu schaffen.

Damit entstand die Wallfahrt nicht aus einer älteren lokalen Sage, einer Heilquelle oder einem bereits verehrten mittelalterlichen Gnadenbild. Ihr Ursprung ist vielmehr bewusst historisch fassbar: Eine internationale Marienverehrung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in einen niederösterreichischen Pfarrort übertragen und dort durch Kirche, Kultbild, feste Wallfahrtstage und gemeinschaftliche Andachtsformen dauerhaft verankert. Gravogl begann 1949 mit dem Bau einer neuen Kirche; die Mittel für Bau und Ausstattung brachte er nach Angaben der Pfarrgeschichte vollständig durch Spenden auf.

Das Gnadenbild und der Beginn des Wallfahrtszuzuges 1950

Das eigentliche Kultzentrum der Wallfahrt ist die Statue Unsere Liebe Frau von Fatima. Sie wurde von dem aus der bekannten Grödner Bildhauerfamilie Moroder stammenden Bildhauer Otto Moroder, der in Mayrhofen im Zillertal tätig war, geschaffen und von Frauen aus Krems gestiftet. Am 22. Mai 1950 hielt das Gnadenbild feierlich Einzug in Droß.

Da die neue Wallfahrtskirche zu diesem Zeitpunkt noch im Bau war, wurde die Statue zunächst in der alten Pfarrkirche, der Georgskirche beim Schloss, aufgestellt. Die Pfarrgeschichte vermerkt ausdrücklich, dass seit diesem Einzug Wallfahrer "von nah und fern" nach Droß kamen. Damit besitzen wir für den Beginn des Wallfahrtszuzuges einen ungewöhnlich klaren Fixpunkt. Die Wallfahrt ist also nicht erst eine spätere Zuschreibung an die 1953 fertiggestellte Kirche; sie setzte bereits mit der Ankunft des Kultbildes ein und bestand zunächst in der alten Pfarrkirche.

Auch ein in der SAGEN.at-Fotogalerie erhaltenes Wallfahrtsplakat aus dem Jahr 2010 nennt den 22. Mai 1950 als Beginn des Wallfahrtszuzuges. Der Sammler Hermann Maurer weist zugleich darauf hin, dass zu dieser jungen Wallfahrt zahlreiche Andachtsbildchen verbreitet wurden. Damit sind typische Medien des Wallfahrtswesens - Gnadenbild, Andachtsbild und Wallfahrtsankündigung - bereits für die ersten Jahrzehnte des Kultes greifbar.

Der Bau der neuen Fatima-Wallfahrtskirche

Die heutige Kirche wurde von 1949 bis 1953 nach Plänen des Architekten Helmut Schopper errichtet. Sie steht südlich des Schlosses und ist ein wuchtiger Bau in Formen des Heimatschutz- beziehungsweise Heimatstils mit seitlich gestelltem Turm. Innerhalb der Diözese St. Pölten nimmt der Bau dadurch eine auffällige Sonderstellung ein. Die Kirche steht unter Denkmalschutz.

Am 3. Mai 1953 wurde das neue Gotteshaus von Franz König geweiht. In örtlichen Kurzbeschreibungen wird König dabei mitunter bereits als Wiener Erzbischof und Kardinal bezeichnet. Historisch korrekt war er zum Zeitpunkt der Weihe jedoch Koadjutorbischof von St. Pölten und Titularbischof von Livias; erst 1956 wurde er Erzbischof von Wien und 1958 Kardinal. Gerade für die unmittelbar nach dem Krieg entstandene Wallfahrtskirche ist diese frühe Verbindung mit dem später so bedeutenden österreichischen Kirchenmann bemerkenswert.

Droß im Umfeld der österreichischen Fatimafrömmigkeit nach 1945

Die Gründung in Droß steht in einem größeren zeitgeschichtlichen Zusammenhang. Die Botschaft von Fatima mit ihren Motiven von Rosenkranzgebet, Umkehr, Sühne und Friedensbitte gewann in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg beträchtliche Bedeutung. Nahezu gleichzeitig mit Gravogls Entschluss entstand 1947 in Wien unter dem Franziskanerpater Petrus Pavlicek der Rosenkranz-Sühnekreuzzug um den Frieden in der Welt, der ebenfalls stark von Fatima geprägt war. Eine unmittelbare organisatorische Verbindung zwischen Pavliceks Bewegung und der Gründung in Droß ist damit nicht bewiesen; beide Entwicklungen zeigen jedoch, wie rasch sich die Fatimafrömmigkeit in der österreichischen Nachkriegsgesellschaft verbreitete.

Droß ist deshalb nicht bloß eine Nachbildung eines berühmten portugiesischen Wallfahrtsortes. Der Ort zeigt vielmehr, wie ein internationaler Kult lokal angeeignet wird: Ein neues Gnadenbild wird geschaffen, ein Heiligtum errichtet, bestimmte Kalendertage werden hervorgehoben, Prozessionen und Rosenkranzgebete entstehen, und der neue Kult verbindet sich allmählich mit der religiösen Identität einer Gemeinde.

Die Rosenkranzkapelle

Zum Wallfahrtsheiligtum gehört die Rosenkranzkapelle auf dem Platz vor der Kirche. Sie erinnert bewusst an die Erscheinungskapelle von Fatima, die sogenannte Capelinha. Damit wurde nicht nur die Verehrung der portugiesischen Muttergottes übernommen, sondern auch ein charakteristisches räumliches Element des ursprünglichen Wallfahrtsortes nach Droß übertragen.

In der Rosenkranzkapelle befindet sich eine eigene Fatimastatue, die nicht mit dem Gnadenbild im Kircheninneren verwechselt werden darf. Diese zweite Statue wurde von einem Künstler in Fatima geschaffen, am 4. April 1987 in Fatima durch Bischof Alberto geweiht und anschließend nach Droß gebracht. Die Wallfahrtsanlage besitzt somit zwei deutlich voneinander zu unterscheidende Kultbilder: das von Otto Moroder geschaffene Gnadenbild von 1950 als Zentrum der eigentlichen Wallfahrtskirche und die später aus Fatima übernommene Statue der Rosenkranzkapelle.

Volkskundlich ist diese Kapelle ein anschauliches Beispiel für die räumliche Übertragung eines Wallfahrtsmodells. Die religiöse Beziehung zu Fatima wird nicht nur über Erzählung und Bild hergestellt, sondern auch über Architektur, Statue, Prozession und die Wiederholung jener Kalendertage, die mit den Erscheinungen von 1917 verbunden sind.

Wallfahrtstage und gelebte Praxis

Die Wallfahrt nach Droß ist bis heute lebendig. Als regelmäßige Wallfahrtstage nennt die Pfarre den 13. jedes Monats sowie den ersten Samstag jedes Monats. Der 13. erinnert unmittelbar an die Erscheinungstage von Fatima; die ersten Samstage stehen im Zusammenhang mit der Herz-Mariä-Sühnefrömmigkeit. Wallfahrer kommen mit persönlichen Anliegen, zugleich wird das Gebet ausdrücklich auf Anliegen der Kirche und der Welt ausgerichtet.

Wie sich diese Frömmigkeit praktisch gestaltet, zeigt besonders anschaulich die erhaltene Wallfahrtsankündigung vom September 2010. Für den ersten Samstag wurde ein "Herz Mariä Sühne-Samstag" mit Beichtgelegenheit, eucharistischer Anbetung, Sühnerosenkranz, Betrachtungen, Segen und Messe angekündigt. Für die Fatimafeier am 13. September standen Kreuzweg, Begrüßung der Wallfahrer bei der Rosenkranzkapelle, Rosenkranz, Krankensegnung, Wallfahrtsmesse und Prozession auf dem Programm; am Abend folgten eine eigene Wallfahrt für Priester, Messe und Lichterprozession. Ein solches Plakat ist mehr als bloße Veranstaltungswerbung: Es dokumentiert die konkrete soziale und rituelle Form, in der eine moderne Wallfahrt gelebt wird.

Das Plakat von 2010 bezeichnet die Kirche außerdem als Heiligtum der damals noch seligen Fatimakinder Francisco und Jacinta Marto. Beide wurden 2017 in Fatima heiliggesprochen. Auch darin wird sichtbar, dass ein lebendiger Wallfahrtskult nicht statisch ist, sondern sich mit kirchlichen Entwicklungen und neuen Formen der Heiligenverehrung weiter verändert.

Die alte Georgskirche

Für die Entstehungsgeschichte der Wallfahrt ist auch die alte Georgskirche beim Schloss wichtig. Sie diente bis 1953 als Pfarrkirche und nahm 1950 zunächst das neue Fatima-Gnadenbild auf. Der kleine Bau selbst ist wesentlich älter: Das romanische Langhaus reicht vermutlich in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück, der frühgotische Chor entstand um 1300. Im Chor haben sich bedeutende Wandmalereien aus der Zeit um 1330 erhalten, darunter Szenen aus der Passion Christi und der Katharinenlegende.

Eine ältere eigenständige Wallfahrt zur Georgskirche ist damit jedoch nicht belegt. Ihre Bedeutung für den Droßer Wallfahrtskult liegt vielmehr darin, dass sie für etwa drei Jahre das erste örtliche Heiligtum des neuen Fatima-Gnadenbildes war. Erst mit der Fertigstellung der neuen Kirche verlagerte sich der Mittelpunkt der Wallfahrt an den heutigen Kirchenplatz.

Volkskundliche Bedeutung

Droß ist für die Wallfahrtsforschung ein besonders wertvoller Gegenpol zu den mittelalterlichen und barocken Gnadenorten Niederösterreichs. Hier lässt sich beobachten, wie im 20. Jahrhundert ein Wallfahrtsort bewusst geschaffen wird und dennoch jene Strukturen ausbildet, die auch ältere Wallfahrten kennzeichnen: ein als Gnadenbild verehrtes Kultobjekt, überörtlicher Pilgerzuzug, wiederkehrende Wallfahrtstage, Prozessionen, Andachtsbilder, gedruckte Ankündigungen und eine räumlich gegliederte Wallfahrtsanlage.

Bemerkenswert ist dabei die starke Bindung an einen fernen Ursprungsort. Fatima wird in Droß nicht einfach kopiert, sondern in die örtliche religiöse Landschaft übersetzt. Der 13. des Monats strukturiert den Kalender, die Rosenkranzkapelle erinnert an die portugiesische Erscheinungskapelle, die aus Fatima stammende Statue stellt eine materielle Verbindung zum internationalen Heiligtum her, während das von Otto Moroder geschaffene Gnadenbild zugleich eine eigenständige lokale Kultfigur bildet. Gerade dieses Zusammenspiel von internationalem Vorbild und regionaler Aneignung macht die Droßer Wallfahrt zu einem charakteristischen religiösen Zeugnis der österreichischen Nachkriegszeit.

Literatur und Quellen

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Wien 1990, S. 116-117.

- Pfarre Droß: Geschichte der Pfarre Droß - Entstehung der Wallfahrt, Franz Gravogl, Gnadenbild, Wallfahrtstage und Rosenkranzkapelle.

- Gedächtnis des Landes Niederösterreich: Droß - Orts-, Pfarr- und Baugeschichte sowie Angaben zur alten Georgskirche.

- Biografie Franz König - zur korrekten Amtsbezeichnung Königs im Jahr 1953.

- Erzdiözese Wien: Geschichte des Rosenkranz-Sühnekreuzzuges - zur österreichischen Fatimafrömmigkeit der Nachkriegszeit.

- Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse: Francisco und Jacinta Marto - Seligsprechung 2000 und Heiligsprechung 2017.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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