Drosendorf-Zissersdorf, Wallfahrtskirche Maria Schnee

Schnellüberblick
Wallfahrt:Marien- und Bründlwallfahrt mit Einsiedlertradition; urkundlich seit 1693 fassbar, mit Hauptbesuch zu Maria Schnee und zum heiligen Florian.
Status:Lebendiger regionaler Wallfahrtsort; weiterhin Ziel organisierter Fuß- und Gruppenwallfahrten.
Kultzentrum:Wallfahrtskirche Maria Schnee und hl. Florian mit dem Schneebründl; sein Wasser wurde besonders bei Augenleiden aufgesucht.
Ort:Drosendorf-Zissersdorf / Maria Schnee
Region:Waldviertel
Bundesland:Niederösterreich
Lage und Besuch
Lage: Maria Schnee, 2095 Elsern.
Im Spitalwald östlich der B 30 zwischen Drosendorf und Zissersdorf, unmittelbar am Bründlbach; Adresse:
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Niederösterreich - Waldviertel
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Pfarre Drosendorf
Öffnungszeiten: Außerhalb der Messfeiern geschlossen. Besichtigung kann über das Pfarramt vereinbart werden.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

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Wallfahrtskirche Maria Schnee bei Zissersdorf im Waldviertel.

Der Ursprung der Wallfahrtskirche Maria Schnee, auch Maria Schnee-Bründl oder Schneebründl genannt, ist mit einer Einsiedelei im Spitalwald verbunden. Aus der Seitenmauer der über einer Quelle errichteten Kirche fließt das Bründlwasser, dem in der Volksfrömmigkeit besonders bei Augenleiden lindernde Wirkung zugeschrieben wurde.

1693 wurde auf Kosten des Drosendorfer Bürgerspitals der Bau einer Kapelle mit Einsiedlerwohnung beantragt. Die josephinischen Reformen führten 1782 zur Aufhebung der Einsiedelei und 1786 zur Entweihung und weitgehenden Abtragung der Kirche. Der Wiederaufbau begann 1857; 1868 wurde das Gotteshaus erneut geweiht.
Maria Schnee ist weiterhin Ziel regionaler Fuß- und Gruppenwallfahrten.

Drosendorf-Zissersdorf, Wallfahrtskirche Maria Schnee

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Die Wallfahrtskirche Maria Schnee, auch Maria Schnee-Bründl oder Schneebründl genannt, liegt östlich der Straße zwischen Drosendorf und Zissersdorf in einer abgeschiedenen Mulde des Spitalwaldes. Unmittelbar an der Kirche fließt der Bründlbach vorüber. Die stille Waldlage, die unter dem Gotteshaus entspringende Quelle und die einstige Einsiedelei bilden ein für das Waldviertel charakteristisches, hier jedoch ungewöhnlich gut überliefertes Ensemble aus Naturort, Eremitentum und Wallfahrt.

Gustav Gugitz führt den Ursprung des Heiligtums bis 1603 zurück und berichtet von einer damals bereits im Wald bestehenden Kapelle. Urkundlich sicher fassbar wird der Ort jedoch erst 1693: In diesem Jahr ist im Spitalwald ein Einsiedler bezeugt, zugleich wurde beantragt, auf Kosten des Drosendorfer Bürgerspitals eine Kapelle zu Ehren Maria Schnee und eine kleine Wohnung für den Eremiten zu errichten. Wann dieser Bau vollendet wurde und wie er ursprünglich aussah, ist nicht bekannt. Die Einsiedler versahen das kleine Heiligtum, betreuten die Wallfahrer und verbanden den abgelegenen Andachtsort mit der religiösen Ordnung der umliegenden Pfarren.

Bereits am 7. August 1712, dem Sonntag nach dem Fest Maria Schnee, fand eine ausdrücklich als groß bezeichnete Kirchfahrt statt. Dass es bei dieser Zusammenkunft zu Raufhändeln kam und die Beteiligten bestraft wurden, ist eine seltene, lebensnahe Nachricht über den starken Zulauf zu einem ländlichen Wallfahrtsfest. Während der Pest von 1713 blieb ein Priester aus Drosendorf bei der Kapelle und versah von hier aus die Kranken in Zettlitz und Wollmersdorf. Die Verbindung von Bründl, Seuchenzeit und seelsorglicher Zuflucht dürfte wesentlich zur Festigung des Wallfahrtsortes beigetragen haben.

Als die ältere Kapelle baufällig geworden war, ließ Paul Franz Gratschmayr, von 1746 bis 1780 Abt des Prämonstratenserstiftes Geras, das Gotteshaus neu erbauen, ausmalen und ausstatten. In der Literatur wird dafür das Jahr 1756 genannt. Maria Schnee entwickelte sich zu einem beliebten Ziel nicht nur für Wallfahrer aus dem Waldviertel, sondern auch aus dem benachbarten Südmähren. Die Lage nahe der späteren Staatsgrenze erinnert daran, dass religiöse Landschaften und traditionelle Wallfahrtswege über die heutigen politischen Grenzen hinausreichten.

Die josephinischen Reformen beendeten diese erste Blütezeit. Aufgrund eines kaiserlichen Erlasses vom 12. Jänner 1782 musste der Einsiedler seine Zelle verlassen. Der letzte Eremit hatte seinen Lebensunterhalt als Leinenweber verdient und wurde nach der Aufhebung noch einige Jahre von der Herrschaft Drosendorf unterstützt, bis auch diese Hilfe untersagt wurde; danach verliert sich seine Spur. Zunächst bestand noch die Möglichkeit privater Gottesdienste, sofern diese nicht mit den Pfarrgottesdiensten zusammentrafen. 1786 wurden schließlich die Entweihung und der Abbruch der Wallfahrtskirche angeordnet. Erhalten blieb das Mesnerhaus, das ursprünglich zu Zissersdorf und seit 1823 zu Elsern gerechnet wurde.

Altäre, Kreuzweg und Gnadenbild gelangten nach der Aufhebung in die Martinskirche zu Drosendorf, Orgel und Glocken nach Zissersdorf. Das alte Kultbild wird als sitzende Madonna auf einem Baumstamm beschrieben; das bekleidete Jesuskind sitzt an der linken Seite der Mutter und hält ein Buch, auf dem Mantel Mariens erscheint ein Stern. Es erhielt in der Martinskirche seinen Platz über dem Glasschrein mit den Reliquien der heiligen Valentina. Daneben ist ein Maria-Schnee-Bild vom Typus des römischen Gnadenbildes in Santa Maria Maggiore überliefert. Die verschiedenen Bildformen zeigen, dass sich die Verehrung am Schneebründl nicht auf ein einziges, über alle Bauperioden unverändert gebliebenes Kultbild beschränkte.

Die behördliche Aufhebung beendete die Frömmigkeit am Ort nicht. Das Gnadenbild wurde zunächst in einem Drosendorfer Haus aufgestellt und dort weiterhin besucht, bis seine Ablieferung verlangt wurde. An der stehen gebliebenen Mauer der alten Kirche befestigten Gläubige Marienbilder und Votivtafeln. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand an den Ruinen wieder eine kleine Kapelle, die erneut Wallfahrer anzog. Darin wird eine für viele josephinisch aufgehobene Gnadenstätten typische Spannung sichtbar: Der institutionelle Kult war unterbrochen, die örtliche Erinnerung und private Verehrung blieben jedoch bestehen und bereiteten die spätere Wiedererrichtung vor.

Um 1850 nahmen die Bestrebungen zum Wiederaufbau festere Gestalt an. Unter der Leitung des Drosendorfer Bürgermeisters und Kaufmanns Franz Hauck begann 1857 eine aus Spenden finanzierte Erneuerung. Bis 1867 war die Kirche unter Verwendung älterer Baureste in ihrer früheren Größe wiederhergestellt. Das am 5. August 1867 in Drosendorf geweihte Turmkreuz wurde in feierlichem Zug zum Schneebründl gebracht und auf dem Dachreiter befestigt. Am 10. Oktober 1868 weihte Dechant Nepomuk David die neue Kirche aufgrund einer Ermächtigung des bischöflichen Konsistoriums von St. Pölten; ihr Patrozinium vereint Maria Schnee mit dem heiligen Florian.

Der Geraser Abt Julius Plch stiftete den Hochaltar und einen Kelch mit der Inschrift "Maria-Schnee-Drosendorj 1868". Fanni Knoth aus Wien widmete der Kirche ein neues Maria-Schnee-Bild, ein Bild des heiligen Josef, Kreuzwegstationen und eine Kreuzpartikel; außerdem stiftete sie 1.100 Gulden zur Feier einer jährlichen Messe am 5. August. Eine rund 100 Kilogramm schwere Glocke, gegossen von Joseph Hilzer in Iglau, wurde im September 1868 von Joseph Feßler, dem Bischof von St. Pölten, anlässlich einer Generalvisitation in Raabs an der Thaya geweiht und am 11. Oktober zur Kirche gebracht. Nach Erteilung der Messlizenz konnte Dechant David am 5. August 1869 erstmals seit 86 Jahren wieder einen Gottesdienst am Schneebründl feiern.

Die heutige Kirche ist eine schlichte dreijochige Saalkirche mit Stichbogenfenstern und Satteldach. Über der westlichen Giebelfront mit ihrem Stichbogenportal sitzt ein Dachreiter mit Pyramidenhelm; toskanische Pilaster und ein hoher Sockel gliedern die Fassade. An der Nordseite befindet sich der Brunnen mit einem als Relief gestalteten Löwenkopf aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts als Wasserspeier. Sechs mächtige Linden umgeben das Gotteshaus und verstärken den Eindruck eines aus der Waldlandschaft herausgewachsenen Andachtsortes.

Das Schneebründl bildet das volkskundliche Zentrum der Wallfahrt. Dem unter der Kirche entspringenden Wasser wurde besonders bei Augenleiden lindernde Kraft zugeschrieben. Eine kirchlich anerkannte Heilwirkung ist damit nicht verbunden; entscheidend ist vielmehr die in der örtlichen Überlieferung und Wallfahrtspraxis fassbare Zuschreibung. Noch um 1894 sollen nahezu 200 Votivbilder die Wände bedeckt haben. Sie wurden später weitgehend entfernt; als bedeutender Rest wird ein stark beschädigtes Votivbild von 1768 mit einem Mariahilf-Bild in den Wolken und einer Ortsansicht im unteren Teil genannt. Weitere ältere Gemälde waren eine Madonna mit Kind aus der Zeit um 1730 und eine Christusdarstellung aus dem 17. Jahrhundert.

Die traditionellen Hauptbesuchstage waren das Fest des heiligen Florian am 4. Mai und Maria Schnee am 5. August. Selbst die Verkehrsgeschichte nahm auf den Wallfahrtsbetrieb Rücksicht: Vom 1. Mai 1916 bis 1938 bestand in der Nähe der Kirche eine Haltestelle der Lokalbahn Retz–Drosendorf, die nur an bestimmten Tagen bedient wurde. Auch in der Gegenwart ist Maria Schnee nicht bloß ein erloschener historischer Gnadenort. Die Kirche bleibt Ziel organisierter Fuß- und Gruppenwallfahrten aus den umliegenden Pfarren; Gottesdienste werden zu bestimmten Terminen gefeiert. Eine Besichtigung ist gewöhnlich während einer Messfeier möglich.

Maria Schnee verbindet damit mehrere für die Wallfahrtsforschung aufschlussreiche Schichten: eine frühneuzeitliche Einsiedelei, das Bründl als volksfrommen Heil- und Hoffnungsort, die Pestseelsorge des Jahres 1713, den grenzüberschreitenden Zustrom aus Waldviertel und Südmähren, die josephinische Aufhebung und eine von privater Verehrung getragene Wiederbelebung. Gerade der Verlust des einst umfangreichen Votivbestandes macht zugleich sichtbar, wie leicht die materiellen Zeugnisse einer regional bedeutenden Wallfahrt verschwinden können, obwohl der Ort selbst im religiösen Gedächtnis lebendig bleibt.

Literatur:

- Alphons Žák, Maria Schnee-Bründl. Wallfahrtskapelle bei Drosendorf, Nieder-Österr., Horn 1908;

- Franz Xaver Kießling, Die Brünndlein von Drosendorf und Umgebung, 1899;

- Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Band 2, Wien 1955, S. 15;

- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau, Wien 1990;

- Hermann Maurer, "Wallfahrtsbilder von Maria Schnee (Bründl) bei Drosendorf, Bezirk Horn, Niederösterreich", in: Unsere Heimat. Zeitschrift für Landeskunde von Niederösterreich, Jahrgang 85, 2014, S. 160–169.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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