Steinparz - Filial- und Wallfahrtskirche Maria Steinparz

Schnellüberblick
Wallfahrt:Im 19. Jahrhundert aus einer älteren volkstümlichen Marienverehrung im Wald hervorgegangene Regionalwallfahrt. Noch vor dem Kirchenbau bestand ein Kult bei einer Bildbuche beziehungsweise einem Bildstock; der wachsende Zustrom von Prozessionen führte 1857 zur Errichtung der Kapelle.
Status:Lebendiger regionaler Wallfahrtsort der Pfarre Loosdorf. Regelmäßige Fuß-, Pfarr-, Rad- und Gruppenwallfahrten sowie persönliche Besuche führen weiterhin nach Maria Steinparz.
Kultzentrum:Das auf grobe Leinwand gemalte Marienbild mit dem Jesuskind, das bereits vor dem Bau der Kapelle verehrt wurde und 1857 auf den Altar der neuen Kapelle übertragen wurde.
Ort:Steinparz / Gemeinde Schollach
Region:Mostviertel
Bundesland:Niederösterreich
Lage und Besuch
Lage: Steinparz 35, 3382 Steinparz / Schollach.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Niederösterreich - Mostviertel
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Loosdorf - Wallfahrtskirche Maria Steinparz
Öffnungszeiten: Die Kirche ist nicht durchgehend frei zugänglich. Schlüssel und Auskünfte erhalten Besucher beim nahe gelegenen Gasthaus Kraus.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Außenansicht:

Wallfahrtskirche Maria Steinparz

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Außenansicht Eingangsbereich in die Wallfahrtskirche:

Wallfahrtskirche Maria Steinparz, Eingangsbereich

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Hochaltar:

Vergoldeter neugotischer Hochaltar von Josef Kepplinger aus Ottensheim, 1882. Im Zentrum befindet sich das bereits vor dem Kapellenbau verehrte Gnadenbild, eine auf grobe Leinwand gemalte Muttergottes mit dem Jesuskind. Flankiert wird das Kultbild unter anderem vom hl. Laurentius, dem Pfarrpatron von Loosdorf.

Wallfahrtskirche Maria Steinparz, Hochaltar

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Gnadenbild:

Das auf grober Leinwand gemalte Marienbild mit Kind ist das eigentliche Kultzentrum von Maria Steinparz. Nach der aus dem Gedenkbuch der Pfarre Loosdorf überlieferten Entstehungsgeschichte befand es sich bereits auf dem Bildstock der 1840er-Jahre und wurde bei der Weihe der Kapelle am 21. Oktober 1857 auf deren Altar übertragen.

Gnadenbild Wallfahrtskirche Maria Steinparz

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Andenken an Maria Steinparz:

Wallfahrtsbildchen und Ansichtskarten dokumentieren nicht nur die Verehrung des Gnadenbildes, sondern auch die verschiedenen Bauphasen der Kirche. Prof. Hermann Maurer wies für Maria Steinparz eine umfangreiche Folge solcher Andachtsbilder vom 19. bis ins späte 20. Jahrhundert nach.
Sammlung Prof. Hermann Maurer, Horn.

Andenken an die Wallfahrtskirche Maria Steinparz

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Lage und Charakter des Gnadenortes

Maria Steinparz liegt südlich von Melk in der Gemeinde Schollach, unweit der Schallaburg und am bewaldeten Rand des Hiesberges. Die Kirche gehört als Filial- und Wallfahrtskirche zur Pfarre Loosdorf. Anders als die großen barocken Gnadenorte Niederösterreichs entstand Maria Steinparz erst im 19. Jahrhundert und bewahrte den Charakter eines stillen regionalen Wallfahrtsortes. Gerade diese Überschaubarkeit ist für seine Geschichte wesentlich: Nicht eine fürstliche Stiftung oder eine weithin verbreitete Erscheinungslegende stand am Anfang, sondern ein im Wald verehrtes Marienbild, persönliche Gebetserhörungen und der immer stärkere Besuch aus den umliegenden Dörfern und Pfarren.

Bildbuche oder Bildstock? Die ältere Verehrung im Wald

Über die allererste Phase des Gnadenortes liegen zwei eng miteinander verwandte Überlieferungsstränge vor. Die heutige Pfarr- und Gemeindeüberlieferung berichtet, dass lange vor Errichtung der Wallfahrtskirche mitten im Wald eine "Bildbuche" verehrt und von Gläubigen aufgesucht wurde. Eine um 1906 nach dem Gedenkbuch der Pfarre Loosdorf veröffentlichte Entstehungsgeschichte spricht dagegen für die 1840er-Jahre von einem Bildstock an der Stelle der späteren Kapelle, der bereits Mittelpunkt "wallfahrtsmäßiger Handlungen" gewesen sei.

Diese beiden Nachrichten müssen nicht zwingend einander ausschließen. Denkbar ist, dass ein ursprünglich an einem Baum angebrachtes Bild später einen Bildstock erhielt oder dass die Erinnerung verschiedene Phasen des Kultplatzes miteinander verbunden hat. Sicher belegt ist jedoch, dass die Marienverehrung bereits vor dem eigentlichen Kirchenbau im Freien bestand. Gerade dieser Übergang vom Bild am Baum oder Bildstock zur gebauten Kapelle gehört zu den klassischen Entwicklungsmustern kleiner regionaler Wallfahrtsorte.

Anton Reichl und das Marienbild

Eine spätere wallfahrtskundliche Überlieferung nennt den Richter Anton Reichl, der um 1840 ein Marienbild zur öffentlichen Verehrung angebracht haben soll. Die älteste derzeit greifbare, aus dem Loosdorfer Gedenkbuch abgeleitete Darstellung nennt Reichl nicht ausdrücklich, bestätigt aber für die 1840er-Jahre bereits den Bildstock und den dort einsetzenden Wallfahrtsbetrieb. Die Person Reichls sollte daher als Überlieferung, nicht als archivalisch abschließend gesicherte Gründergestalt verstanden werden.

Das verehrte Bild selbst hat den Wechsel vom Freilandheiligtum zur Kapelle überdauert. Es handelt sich um eine auf grober Leinwand gemalte Muttergottes mit dem Jesuskind. Künstlerische Meisterschaft stand bei diesem Bild nie im Vordergrund. Seine Bedeutung entstand aus der Verehrung: Die Wallfahrer sahen darin die "Maria Steinparzer Muttergottes", brachten ihr Bitten und Sorgen vor und führten Gebetserhörungen auf ihre Fürsprache zurück. Gerade damit ist das Bild ein hervorragendes Beispiel dafür, dass ein Gnadenbild seine Wirkung für die Gläubigen nicht aus kunsthistorischem Rang, sondern aus Kultgeschichte und persönlicher Erfahrung gewinnt.

Pfarrer Johann Steininger und der Kapellenbau von 1857

Für den entscheidenden Schritt vom Bildstock zur Kapelle nennt die ältere Überlieferung den Loosdorfer Pfarrer Johann Steininger, der 1906 starb. Steininger besuchte den Waldplatz selbst gerne. Der zunehmend starke Zuzug von Prozessionen habe ihn schließlich bewogen, zu Ehren Mariens mit dem Jesuskind eine kleine Waldkapelle zu errichten. Die ländliche Bevölkerung unterstützte das Vorhaben; 1857 verpflichteten sich außerdem die Gemeinden Anzendorf, Schallaburg und Steinparz zur Errichtung und Erhaltung der Kapelle.

Am 21. Oktober 1857 weihte der Melker Dechant Ernst Lugmayer den Neubau. Bei dieser Gelegenheit wurde das bisher am Bildstock angebrachte Marienbild auf den Altar der Kapelle übertragen. Damit blieb das alte Kultobjekt Mittelpunkt des neuen Sakralraumes. Am 2. Juni 1858 kam ein Geläute hinzu; am 2. April 1859 wurde ein Kreuzweg gesegnet. Schon diese rasche Folge von Erweiterungen zeigt, dass die Kapelle nicht bloß als private Waldandacht gedacht war, sondern sich als kirchlich betreuter Wallfahrtsort etablierte.

Turm, Glocken und Messlizenz

1870 wurde aus Spenden ein kleiner sechseckiger Turm errichtet und gemeinsam mit einer zweiten Glocke geweiht. Bereits im folgenden Jahr kam eine dritte Glocke hinzu. 1874 erhielt Maria Steinparz die kirchliche Erlaubnis, an sechs Gedenktagen die heilige Messe zu feiern. Diese Messlizenz war für einen außerhalb des Pfarrzentrums gelegenen Wallfahrtsort von großer Bedeutung, weil sie den wachsenden Pilgerbesuch liturgisch absicherte.

Die Glockengeschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt die beiden Weltkriege wider. 1916 mussten die beiden größeren Glocken für Kriegszwecke abgeliefert werden. 1931 beschaffte man Ersatz, doch auch diese Glocken gingen im Zweiten Weltkrieg verloren. 1993 wurde wiederum eine neue Glocke geweiht.

Die Rosaliagrotte von 1878

Eine ungewöhnliche Erweiterung erhielt der Wallfahrtsort 1878. Am südlichen Abhang unterhalb der Kirche wurde eine Rosaliagrotte angelegt und am 4. September durch den Melker Dechanten Leo Deffenhart geweiht. In der Grotte steht eine Sandsteinfigur der hl. Rosalia, geschaffen vom Linzer Bildhauer Westreiter.

Die Wahl einer Grotte ist für Rosalia besonders sinnfällig. Nach ihrer Legende lebte die sizilianische Heilige als Einsiedlerin in Höhlen; seit der Auffindung ihrer Reliquien während der Pest von Palermo 1624 wurde sie vor allem als Pestpatronin verehrt. Für Maria Steinparz ist in den derzeit zugänglichen Quellen jedoch kein konkretes örtliches Pestgelübde als Anlass der Grottenerrichtung belegt. Die Rosalienverehrung erweitert den marianischen Gnadenort dennoch um eine zweite Schutz- und Fürbittgestalt, deren Kult besonders mit Krankheit und Seuchengefahr verbunden war.

Vom Kapellchen zur neugotischen Wallfahrtskirche

Der Zustrom der Wallfahrer nahm weiter zu. Die aus dem Loosdorfer Gedenkbuch überlieferte Entstehungsgeschichte nennt ausdrücklich den steigenden Wallfahrerzuzug als Anlass für einen größeren Zubau, aus dem das heutige Kirchenschiff hervorging. Die genauen Jahresangaben der verschiedenen lokalen Quellen weichen bei den Umbauten der 1890er-Jahre geringfügig voneinander ab. Sicher ist, dass die Kirche in dieser Zeit wesentlich vergrößert und der heutige Turm über der Rosaliagrotte errichtet wurde; 1904 wurde dessen Kreuz geweiht.

Der neugotische Bau besitzt ein Satteldach, Strebepfeiler mit Pultdächern und spitzbogige Fenster. Im Inneren überspannt ein Kreuzgewölbe das Schiff. 1908 verlor der ältere sechseckige Turm endgültig seine Funktion; an seiner Stelle entstand die Sakristei. Im selben Jahr wurden außerdem der Sängerchor und die steinerne Turmstiege geschaffen. So lässt sich am heutigen Bau noch die schrittweise Entwicklung aus einer kleinen Waldkapelle ablesen.

Der Hochaltar von Josef Kepplinger

1882 erhielt Maria Steinparz seinen bis heute erhaltenen vergoldeten neugotischen Hochaltar. Er stammt von Josef Kepplinger aus Ottensheim, einem der produktivsten oberösterreichischen Altarbauer des Historismus. Kepplinger hatte in Ottensheim eine große Werkstätte aufgebaut, die zeitweise mehrere Dutzend Tischler, Ornamentierer und Bildhauer beschäftigte und zahlreiche Kirchen in Ober- und Niederösterreich ausstattete.

Der Altar ist für Maria Steinparz vor allem deshalb wichtig, weil er das ältere volkstümliche Gnadenbild nicht ersetzte, sondern bewusst in seine Mitte aufnahm. Der neue historistische Rahmen verlieh dem bereits verehrten Leinwandbild einen repräsentativen kirchlichen Ort. Unter den flankierenden Figuren befindet sich der hl. Laurentius, Patron der Mutterpfarre Loosdorf. So verbindet der Altar örtlichen Wallfahrtskult und pfarrliche Zugehörigkeit.

Das wiedergefundene Turmkreuz

Mit der Baugeschichte ist eine kleine, gut dokumentierte Objektbiographie verbunden. Nach Errichtung des neuen Turmes verlor der ältere sechseckige Turm seine Funktion und wurde schließlich abgetragen. Sein Kreuz gelangte auf einen Dachboden und geriet in Vergessenheit. Erst durch die Aufmerksamkeit des Kirchenwirtes Hubert Kraus konnte es wieder aufgefunden beziehungsweise zurückerworben werden. Restauriert steht es heute innerhalb der Kirche als Erinnerungsstück an eine inzwischen verschwundene Bauphase. Gerade dieses unscheinbare Objekt macht die schrittweise Entwicklung des Wallfahrtsortes anschaulich.

Renovierungen und Erhaltung

Die Kirche wurde im 20. Jahrhundert wiederholt instand gesetzt. Gesamtrenovierungen erfolgten 1951 und 1971, 1972 wurden Turm und Innenraum saniert, 1977 Dach und Altar restauriert und 1987 die Fenster erneuert. 1998 erhielt die Kirche eine Sakralorgel mit Digitalwerk. Eine umfangreiche Außenrenovierung wurde 2007/2008 durchgeführt. Dabei wurden unter anderem Natursteinteile, Fassaden, Dachrinnen, Verblechungen und Drainagen saniert sowie Turmobelisken erneuert. Die Arbeiten wurden von Land, Diözese, Pfarre, Gemeinden, Spendern und zahlreichen Freiwilligen gemeinsam getragen.

Wallfahrt und Volkskunde

Ein regionaler Prozessionsort

Maria Steinparz war von Beginn an vor allem ein Ziel aus der näheren und mittleren Umgebung. Schon vor dem Kapellenbau waren Prozessionen zum Bildstock bekannt; der steigende Zuzug wurde ausdrücklich als Grund für den Bau von 1857 und für spätere Vergrößerungen genannt. Anders als bei den großen Fernwallfahrtsorten lag die Stärke von Steinparz in dauerhaft wiederkehrenden lokalen und pfarrlichen Bindungen.

Diese Struktur ist bis heute erkennbar. Aus mehreren Pfarren werden regelmäßige Fuß-, Rad- und Gruppenwallfahrten nach Maria Steinparz gepflegt. Die Pfarre Kilb geht traditionell am 1. Mai zu Fuß nach Steinparz; die Franziskanerpfarre St. Pölten führt eine eigene Traditionswallfahrt durch. Auch Mank, St. Margarethen an der Sierning, Neumarkt an der Ybbs und St. Martin am Ybbsfelde sowie weitere Pfarren sind mit Wallfahrten zum Gnadenort dokumentiert. Neuere Wallfahrer verbinden Steinparz gelegentlich sogar mit längeren Pilgerwegen bis Mariazell.

Der Bittgang bei anhaltender Dürre 1904

Ein besonders wertvoller Beleg befindet sich in der Andachtsbildersammlung von Prof. Hermann Maurer in Horn. Ein Wallfahrtsbildchen aus Maria Steinparz trägt den handschriftlichen Vermerk: "Zum Andenken an den Bittgang bei anhaltender Dürre nach Maria Steinparz 11. 8. 1904". Damit lässt sich ein konkretes historisches Wallfahrtsanliegen greifen. Die Bevölkerung suchte den Gnadenort nicht nur bei individuellen Sorgen auf, sondern auch angesichts einer die gesamte bäuerliche Gemeinschaft bedrohenden Wetterlage.

Solche Bittgänge gehören zu den ältesten Formen ländlicher Prozessionsfrömmigkeit. Dürre, Unwetter, Viehkrankheiten und Erntegefahren konnten ganze Dorfgemeinschaften zu gemeinsam gelobten oder spontan angesetzten Gängen veranlassen. Der Steinparzer Beleg von 1904 zeigt, dass dieser Brauch auch im beginnenden 20. Jahrhundert noch selbstverständlich lebendig war.

Wallfahrtsbildchen als religiöse Erinnerung

Für einen kleinen regionalen Wallfahrtsort ist die Überlieferung von Andachtsbildern bemerkenswert reich. Prof. Hermann Maurer dokumentierte in seiner Sammlung 54 Wallfahrtsbildchen aus der Zeit von ungefähr 1857 bis 1999. Das früheste bekannte Bildchen dürfte bereits aus dem Jahr der Kapellenweihe stammen. Damit begleitet die religiöse Kleingrafik praktisch die gesamte Geschichte des gebauten Gnadenortes.

Wallfahrtsbildchen waren keine bloßen Souvenirs. Sie wurden nach Hause getragen, in Gebetbücher eingelegt, in privaten Andachtswinkeln verwahrt und konnten an eine Bitte, ein Gelübde oder eine gemeinsam unternommene Wallfahrt erinnern. Zugleich verbreiteten sie das Bild der "Maria Steinparzer Muttergottes" über den unmittelbaren Kirchenraum hinaus. Für die heutige Forschung sind sie außerdem wichtige Bildquellen, weil auf ihnen die verschiedenen Ausbauzustände der Kirche festgehalten sind.

Zwischen Wallfahrtsbild und Ansichtskarte

Seit dem späten 19. Jahrhundert kamen Ansichtskarten hinzu. Hermann Maurer wies darauf hin, dass sich unter den Steinparzer Karten besondere Mischformen befinden: Sie zeigen nicht allein die Kirche als Ausflugsziel, sondern kombinieren Außenansicht, Gnadenbild, Altar und Rosaliagrotte und übernehmen damit typische Funktionen des älteren Wallfahrtsbildes. Solche Karten standen zugleich im Dienst des Pilgers und des modernen Reisenden.

Einige Karten wurden vom Nürnberger Andachtsbild- und Ansichtskartenverlag Franz Schemm vertrieben, andere von örtlichen Verlegern wie Franz Mühlbachler in Steinparz. In einer Vitrine der Kirche befindet sich außerdem eine auf Glas aufgebrachte Lithographie mit dem Gnadenbild und einer frühen Bauphase der Kirche. Die Bildüberlieferung ist daher selbst ein wichtiger Bestandteil der Kultgeschichte Maria Steinparz.

Erntedank, Gelöbnisse und Wege

Auch Wallfahrten aus St. Leonhard am Forst sind materiell in der Landschaft dokumentiert. Beim sogenannten Roten Kreuz in Grillenreith wurde am 15. August 1957 im Rahmen einer Pfarrwallfahrt nach Maria Steinparz ein neues Feldkreuz geweiht. Als 1987 an seiner Stelle ein Natursteinmarterl errichtet wurde, erfolgte dessen Weihe wiederum bei einer Erntedankwallfahrt nach Maria Steinparz. Solche Kleindenkmäler zeigen, wie ein Wallfahrtsort über die eigentliche Kirche hinaus in Wege, Erinnerungsorte und lokale Rituallandschaften eingebunden ist.

Fahrzeugsegnung und Wandel der Wallfahrtskultur

Zur jüngeren Kultgeschichte gehört die Fahrzeugsegnung bei Maria Steinparz. Ein auf SAGEN.at dokumentierter Bericht erzählt von einer 84-jährigen Frau, die Jahr für Jahr mit ihrem Fahrrad zur dortigen Autoweihe fuhr und vom Geistlichen jeweils ausdrücklich zuerst zur Segnung aufgerufen wurde. Die kleine Episode ist volkskundlich aufschlussreich: Ein traditioneller Gnadenort nimmt moderne Mobilitätsrituale auf, während die Grenze zwischen Auto-, Motorrad- und Fahrradsegnung im gelebten Brauch nebensächlich werden kann.

Auch in kirchlichen Veröffentlichungen der jüngeren Vergangenheit wird Maria Steinparz als Ort von Fahrzeugsegnungen genannt. Damit zeigt sich, wie ein im 19. Jahrhundert entstandener Marienwallfahrtsort neue Formen religiöser Alltagsvorsorge integriert, ohne seine ältere Identität als Ort persönlicher Bitte und Dankbarkeit zu verlieren.

Maria Steinparz als ruhiger Gnadenort

Bemerkenswert ist schließlich, dass die lokalen Darstellungen die Abgeschiedenheit selbst als Teil der Entstehungsgeschichte hervorheben. Nicht spektakuläre Erscheinungen hätten den ersten Kapellenbau ausgelöst, sondern die Stille des Waldortes; erst die berichteten Gebetserhörungen verstärkten seine Bekanntheit. Diese Charakterisierung unterscheidet Steinparz von vielen berühmteren Wallfahrtsorten mit ausführlichen Gründungslegenden. Der Ort gewinnt seine religiöse Eigenart gerade aus der Verbindung von Landschaft, kleinem Gnadenbild und einer über Generationen getragenen regionalen Praxis.

Literatur und Quellen

- Ohne Verfasser: Entstehungsgeschichte der Wallfahrtskapelle zu St. Maria Steinparz bei Loosdorf, N.-Ö. Verlag Gregor Fischer, Innsbruck. Vierseitige Kleinschrift; ein erhaltenes Exemplar ist handschriftlich mit 24. Juli 1920 datiert.

- Gedenkbuch der Pfarre Loosdorf: Grundlage einer um 1906 veröffentlichten Entstehungsgeschichte der Kapelle Maria Steinparz.

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 2: Niederösterreich und Burgenland. Wien 1955, S. 198.

- Gugitz, Gustav: Das kleine Andachtsbild in den österreichischen Gnadenstätten in Darstellung, Verbreitung und Brauchtum nebst einer Ikonographie. Wien 1950.

- Spamer, Adolf: Das kleine Andachtsbild vom 14. bis zum 20. Jahrhundert. München 1930.

- Schweiger, Lena: Der Meierhof in Anzendorf - Ein Revitalisierungsversuch am Fuß der Schallaburg. Diplomarbeit, Technische Universität Wien 2022. Mit Zusammenfassung der Baugeschichte Maria Steinparz und Literaturhinweisen auf lokale Chroniken.

- Bundesdenkmalamt / Denkmalverzeichnis: Filial- und Wallfahrtskirche Maria Steinparz, HERIS-ID 112277.

- SAGEN.at: Maria Steinparz II - Entstehungsgeschichte nach dem Gedenkbuch der Pfarre Loosdorf und historische Ansichtskarten, Sammlung Prof. Hermann Maurer.

- SAGEN.at: Wallfahrtskirche Maria Steinparz - Wallfahrtsbildchen und Literaturhinweise.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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