| Wallfahrt: | Seit dem frühen 18. Jahrhundert belegte Marienwallfahrt zu einer spätgotischen Madonna mit Kind; erste Wallfahrtskapelle 1733, große Wallfahrtskirche 1755-1758. |
| Status: | Historisch bedeutende und bis heute lebendige regionale Marienwallfahrt; die frühere überregionale Massenwallfahrt ist stark zurückgegangen, organisierte Wallfahrten finden weiterhin statt. |
| Kultzentrum: | Spätgotische Gnadenmadonna mit dem Jesuskind am Hochaltar, verehrt unter dem Titel "Maria Heil der Kranken". |
| Ort: | Heiligenkreuz, Katastralgemeinde Gutenbrunn, Stadtgemeinde Herzogenburg. |
| Region: | Mostviertel, Niederösterreich. |
| Bundesland: | Niederösterreich. |
| • | Lage: Heiligenkreuz 10, 3454 Sitzenberg-Reidling; politisch Stadtgemeinde Herzogenburg. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mostviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Wallfahrtskirche Heiligenkreuz-Gutenbrunn |
| • | Öffnungszeiten: von Ostern bis Allerheiligen täglich von 8.00 bis 17.00 Uhr bis zum Gitter; außerhalb dieser Zeit empfiehlt sich eine Rückfrage bei der Pfarre. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Heiligenkreuz-Gutenbrunn gehört zu den bedeutenden barocken Marienwallfahrtskirchen Niederösterreichs. Ihr Ursprung liegt nicht im späteren repräsentativen Kirchenbau, sondern in der Verehrung einer aufgefundenen Marienstatue. Aus dem zunächst kleinen Gnadenort entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte eine Wallfahrt von außerordentlicher Anziehungskraft. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kamen an einzelnen Tagen mehrere tausend Pilger. Bis heute wird die spätgotische Madonna am Hochaltar unter dem Titel "Maria Heil der Kranken" verehrt.
Am Beginn der Wallfahrtsgeschichte steht eine spätgotische Madonna mit dem Jesuskind. Nach der örtlichen Überlieferung fand der herrschaftliche Jäger Johann Paul Müller die Statue auf dem Getreideboden des alten Schlosses Gutenbrunn. Eine städtische Darstellung datiert die Auffindung in das Jahr 1727. Die Figur wurde auf dem damals als Tepserberg beziehungsweise "zum Creutz" bezeichneten Höhenzug aufgestellt.
Die Nachrichten über die Anfänge verbinden die Aufstellung der Madonna schon bald mit einer als wundersam verstandenen Heilung. Daraufhin kamen zunehmend Hilfesuchende zur Statue. Für die historische Einordnung ist dabei weniger die medizinische Beurteilung der überlieferten Heilung entscheidend als die erkennbare Wirkung des Ereignisses: Die Marienfigur wurde zum Gnadenbild, und der Platz entwickelte sich zu einem eigenständigen Wallfahrtsziel.
Der Zustrom war bereits wenige Jahre später so bedeutend, dass Jakob Freiherr von Tepsern 1733 eine Kapelle für das Gnadenbild errichten ließ. Diese erste Wallfahrtskapelle bildete den baulichen Kern der weiteren Entwicklung. Paul Troger schuf für sie ein Fresko mit der Darstellung der Himmelfahrt Mariens.
Die Kapelle wurde später in den Schlosskomplex einbezogen und blieb damit erhalten, obwohl wenige Jahrzehnte danach eine wesentlich größere Wallfahrtskirche entstand. Das Nebeneinander von älterer Kapelle und großer Kirche macht Heiligenkreuz-Gutenbrunn zu einem besonders anschaulichen Beispiel für das bauliche Wachstum eines Gnadenortes.
Die Wallfahrt wirkte sich nicht nur auf die Sakralbauten aus. Nach der Überlieferung veranlasste der zunehmende Pilgerzustrom Jakob von Tepsern dazu, seinen Herrschaftssitz von Gutenbrunn auf den Berg zu verlegen. Johann Ohmeyer, ein Schüler Johann Lucas von Hildebrandts, wurde mit dem Ausbau des Schlosses in Verbindung gebracht.
Damit entstand eine Anlage, in der Herrschaftssitz, Wallfahrtskapelle und später die große Kirche unmittelbar aufeinander bezogen waren. Wallfahrt war hier nicht bloß eine religiöse Nutzung eines bestehenden Schlosses; sie beeinflusste die Entwicklung des gesamten Ensembles.
1754 erwarb der Wiener Weihbischof und Generalvikar Franz Anton Marxer die Herrschaft Gutenbrunn. Durch Lotteriegewinne zu beträchtlichem Vermögen gelangt, verfügte er über die finanziellen Möglichkeiten für ein außergewöhnlich ambitioniertes Bauvorhaben. Um der bereits bestehenden Marienverehrung und dem Gnadenbild einen angemessenen Rahmen zu geben, ließ er von 1755 bis 1758 die heutige Kirche errichten.
"Gedächtnis des Landes" nennt Johann Ohmeyer als Architekten und beschreibt den Bau als an das "Vorarlberger Münsterschema" angelehnt. Die Forschungsgeschichte kennt auch abweichende Zuschreibungen einzelner Planungsanteile. Unstrittig ist die Entstehung zwischen 1755 und 1758 und die enge Verbindung des Neubaus mit der bereits bestehenden Wallfahrt.
Am 6. August 1758 wurde die Kirche geweiht. Das Patroziniums- und Kirchweihfest wird heute am 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt, begangen.
Der neue Name des Ortes steht mit Marxer in Verbindung. In Erinnerung an seinen Geburtsort Heilig-Kreuz bei Tisis nahe Feldkirch nannte er den Wallfahrtsort Heiligenkreuz. Damit erhielt der Berg einen Namen, der zugleich auf die Kreuzesthematik der Kirche verweist.
Diese doppelte Ausrichtung auf Maria und das Kreuz prägt auch das theologische Bildprogramm des Kirchenraumes. Das Patrozinium Mariä Himmelfahrt und die Verehrung von "Maria Heil der Kranken" stehen neben einer ausgeprägten Passions- und Kreuzesikonographie.
Die Jahre von 1758 bis 1775 gelten als Glanzzeit der Wallfahrt. Die Pfarrgeschichte berichtet von 5.000 bis 6.000 Pilgern an einzelnen Tagen. Die Stadtgemeinde Herzogenburg nennt bis zu 5.000 Besucher und stellt die damalige Bedeutung des Ortes in eine Reihe mit den großen Wallfahrtszentren Mariazell und Maria Taferl.
Solche Zahlen dürfen nicht als gleichmäßige Jahresfrequenz verstanden werden, sondern beziehen sich auf besonders stark besuchte Wallfahrtstage. Dennoch zeigen sie die außergewöhnliche Dimension des Gnadenortes. Heiligenkreuz-Gutenbrunn war im 18. Jahrhundert keineswegs nur eine lokale Andachtsstätte, sondern ein überregional frequentiertes Heiligtum.
Das besondere Wallfahrtsprofil wird durch den Titel "Maria Heil der Kranken" bestimmt. Die Verehrung richtet sich an Maria als Fürsprecherin für Kranke, Leidende und Menschen in körperlicher oder seelischer Not. Dieser Schwerpunkt knüpft unmittelbar an die frühe Heilungsüberlieferung an, die bereits am Beginn des Gnadenortes steht.
Die Anrufung "Heil der Kranken" gehört zur Lauretanischen Litanei und bezeichnet Maria nicht als eigenständige Heilerin, sondern als Fürsprecherin bei Gott. In Heiligenkreuz-Gutenbrunn wurde diese allgemeine marianische Anrufung an ein konkretes Gnadenbild und einen bestimmten Wallfahrtsort gebunden.
Das ursprüngliche Kultzentrum der Wallfahrt ist erhalten. Die spätgotische Madonna mit dem Jesuskind befindet sich heute am Hochaltar der Kirche. Sie steht vor einem strahlenbekrönten Stoffbaldachin und ist in die monumentale spätbarocke Altararchitektur eingebunden.
Gerade diese Einbindung macht den Hochaltar zu einem besonders anschaulichen Zeugnis barocker Wallfahrtskunst: Ein älteres, vergleichsweise kleines Kultbild wird nicht durch ein neues barockes Altarbild ersetzt, sondern erhält im Zentrum einer großdimensionierten Inszenierung einen hervorgehobenen Platz. Die historische Identität des Gnadenortes blieb damit sichtbar erhalten.
Der Hochaltar entstand nach einem Entwurf Johann Ferdinand Hetzendorfs von Hohenberg. Mächtige Säulen, Sprenggiebel, Engel, Wolken und die große Kreuzesgloriole bilden einen architektonischen und plastischen Rahmen um die Gnadenmadonna.
Oberhalb des Marienbildes erhebt sich das von Engeln getragene Kreuz. Damit werden die beiden Hauptthemen der Kirche - Maria und das Kreuz - unmittelbar miteinander verbunden. Die vier Evangelisten begleiten die Altararchitektur als großformatige Figuren.
Zu den größten kunsthistorischen Kostbarkeiten der Kirche gehört der Freskenzyklus Franz Anton Maulbertschs. Die Deckenmalereien entstanden 1757/58 und zählen zu den bedeutenden Werken des österreichischen Spätbarock. Der Kirchenraum wird dadurch nicht bloß dekoriert; die Malerei entwickelt ein theologisches Programm, das den Wallfahrtsort deutet.
Im Chor erscheint die Himmelfahrt Mariens und nimmt damit unmittelbar auf Patrozinium und Gnadenbild Bezug. Ein weiteres Bildfeld zeigt das Schweißtuch der Veronika und leitet zur Passion Christi über. In der großen Kuppel entfaltet Maulbertsch eine überzeitliche Vision um das Kreuz als Heilszeichen, begleitet von Passionswerkzeugen und Figuren aus dem Umfeld der Grablegung Christi.
Über der Orgelempore erscheint schließlich Maria als "Heil der Kranken". Damit wird der eigentliche Wallfahrtstitel ausdrücklich in das monumentale Bildprogramm aufgenommen. Der hilfesuchende Pilger begegnete dem Wallfahrtsmotiv nicht nur am Gnadenbild, sondern im gesamten Kirchenraum.
Die ältere Kapelle bewahrt mit ihrem Fresko von Paul Troger eine eigene künstlerische Schicht aus der Frühzeit der Wallfahrt. Troger, einer der maßgeblichen österreichischen Barockmaler, stellte dort Mariä Himmelfahrt dar. Die Ausmalung entstand noch vor dem großen Kirchenbau Marxers.
Damit besitzt Heiligenkreuz-Gutenbrunn Werke zweier der bedeutendsten österreichischen Barockmaler in unmittelbarer Nachbarschaft: Paul Troger in der älteren Wallfahrtskapelle und Franz Anton Maulbertsch in der späteren Kirche. Diese Abfolge spiegelt zugleich den raschen Aufstieg des Wallfahrtsortes innerhalb weniger Jahrzehnte.
Marxer plante neben der Wallfahrtskirche auch ein Priesterseminar. Zwischen 1762 und 1766 wurde der Westtrakt des Schlosses dafür ausgebaut; am 13. April 1767 konnten die ersten Alumnen einziehen. Das Seminar war für den niederösterreichischen Teil der damals weit ausgedehnten Diözese Passau bestimmt.
Damit entwickelte sich Heiligenkreuz-Gutenbrunn zeitweise über die Wallfahrt hinaus zu einem kirchlichen Ausbildungszentrum. Nach der Errichtung der Diözese St. Pölten wurde das Seminar nach St. Pölten verlegt. Kirche und Schloss bilden baulich weiterhin ein zusammenhängendes Ensemble, besitzen jedoch unterschiedliche Eigentümer.
Mit der Vollendung des Neubaus wurde 1758 auch der Pfarrsitz von der älteren Hedwigskirche in Gutenbrunn nach Heiligenkreuz übertragen. Seither verbindet das Gotteshaus zwei Funktionen: Es ist Pfarrkirche der örtlichen Gemeinde und zugleich Wallfahrtskirche zum Gnadenbild.
Diese Verbindung ist für viele historische Wallfahrtsorte charakteristisch. Der regelmäßige pfarrliche Gottesdienst und die besonderen Pilgeranlässe bestehen nebeneinander, ohne dass die eine Funktion die andere aufhebt.
Franz Anton Marxer und Jakob Daniel von Tepsern fanden im Altarraum der Kirche ihre letzte Ruhestätte. Die beiden Männer stehen für zwei entscheidende Entwicklungsphasen des Wallfahrtsortes: Tepsern für die erste Wallfahrtskapelle und die bauliche Erschließung des Berges, Marxer für den monumentalen Kirchenbau und die institutionelle Ausweitung des Ortes.
Die außergewöhnliche Massenwallfahrt des 18. Jahrhunderts blieb nicht in derselben Größenordnung bestehen. Nach der Glanzzeit von 1758 bis 1775 verlor Heiligenkreuz-Gutenbrunn seine Stellung als überregionaler Wallfahrtsort von der Größenordnung Mariazells oder Maria Taferls. Die Verehrung des Gnadenbildes und die religiöse Funktion der Kirche verschwanden jedoch nicht.
Der Wallfahrtscharakter ist bis in die Gegenwart nachweisbar. Organisierte Fußwallfahrten und Wallfahrtsmessen führen weiterhin nach Heiligenkreuz-Gutenbrunn. Die besondere Verbindung zu Kranken und Hilfesuchenden bleibt durch den Titel "Maria Heil der Kranken" erhalten.
Auch in jüngster Zeit werden Wallfahrten nach Heiligenkreuz-Gutenbrunn ausdrücklich als solche angekündigt. Fußpilger ziehen von umliegenden Orten zur Kirche und feiern dort eine Wallfahrtsmesse. Damit ist der Ort nicht lediglich eine kunsthistorisch als "Wallfahrtskirche" bezeichnete ehemalige Kultstätte, sondern weiterhin ein tatsächlich aufgesuchtes religiöses Ziel.
Das Hauptfest wird am 15. August, Mariä Himmelfahrt, als Kirchweih- und Patroziniumsfest gefeiert. Die besondere marianische Ausrichtung der Kirche bleibt damit sowohl im Jahresfest als auch im Gnadenbild und im Titel "Heil der Kranken" gegenwärtig.
Von 2009 bis 2014 wurde die Kirche umfassend generalsaniert. Neben der Erhaltung des bedeutenden spätbarocken Bestandes erfolgte eine liturgische Neuordnung. Die Arbeiten sicherten den Kirchenraum und insbesondere den wertvollen Freskenbestand für die weitere pfarrliche und wallfahrerische Nutzung.
Heiligenkreuz-Gutenbrunn zeigt in ungewöhnlicher Geschlossenheit, wie aus einem einzelnen Gnadenbild ein komplexer Wallfahrtsort entstehen konnte. Am Anfang steht die Auffindung einer älteren Marienfigur; eine berichtete Heilung verstärkt ihre religiöse Bedeutung. Der Zustrom führt zur Errichtung einer Kapelle, verändert den Herrschaftssitz und mündet schließlich in den Bau einer monumentalen Kirche.
Besonders charakteristisch ist die Bindung der Wallfahrt an Krankheit und Heilung. "Maria Heil der Kranken" übersetzt persönliche Not in eine räumlich konkrete religiöse Handlung: Der Hilfesuchende begibt sich zum Gnadenbild, bittet um Fürsprache und nimmt an Gottesdienst und Wallfahrt teil. Die große Zahl der Pilger im 18. Jahrhundert zeigt, dass diese Erwartung weit über die unmittelbare Umgebung hinaus wirksam war.
Auch kunsthistorisch ist der Ort eng mit seiner Wallfahrtsfunktion verbunden. Die spätgotische Madonna bleibt das Zentrum des Hochaltares, während Maulbertsch die Himmelfahrt Mariens, die Passion Christi und Maria als "Heil der Kranken" zu einem umfassenden Bildprogramm verbindet. Das barocke Gesamtkunstwerk ist damit nicht bloß repräsentative Ausstattung, sondern bildliche Auslegung des Gnadenortes.
Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Niederösterreich südlich der Donau. Horn/Wien 2003, Heiligenkreuz, Schloss Heiligenkreuz mit Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, S. 765-767.
Hellmut Lorenz (Hrsg.): Geschichte der bildenden Kunst in Österreich. Band IV: Barock. München/London/New York 1999, insbesondere S. 370 zum Freskenzyklus Franz Anton Maulbertschs.
Wallfahrtskirche Heiligenkreuz-Gutenbrunn: Geschichte der Kirche und der Wallfahrt.
Gedächtnis des Landes: Heiligenkreuz-Gutenbrunn - Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt.
Stadtgemeinde Herzogenburg: Schloss Heiligenkreuz und die erste Wallfahrtskapelle.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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