St. Corona am Wechsel, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Corona am Wechsel

Schnellüberblick
Wallfahrt:Coronawallfahrt seit 1504; die Gründungsüberlieferung erzählt von einer im Stamm einer Linde gefundenen Statue der hl. Corona.
Status:Lebendiger Pfarr- und Wallfahrtsort; neben Einzelpilgern und regionalen Pilgergruppen kommen weiterhin organisierte Wallfahrten nach St. Corona.
Kultzentrum:Verehrte Corona-Statue im Hochaltar; die örtliche Überlieferung verbindet sie mit der 1504 in einer Linde gefundenen Figur.
Ort:St. Corona am Wechsel
Region:Industrieviertel
Bundesland:Niederösterreich
Lage und Besuch
Lage: Sankt Corona am Wechsel 64, 2880 St. Corona am Wechsel.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Industrieviertel
Ansicht in Street View
Web: Pfarre St. Corona am Wechsel
Öffnungszeiten: täglich von 07:00 Uhr bis 18:00 Uhr.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

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Ansichtskarte St. Corona am Wechsel um 1914:

Ansichtskarte St. Corona am Wechsel um 1914

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ansichtskarte St. Corona am Wechsel um 1914:

Ansichtskarte St. Corona am Wechsel um 1914

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ansichtskarte St. Corona am Wechsel um 1909:

Ansichtskarte St. Corona am Wechsel um 1909

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Corona liegt in rund 840 Meter Seehöhe am Nordhang des Kampsteins im niederösterreichischen Wechselgebiet. Sie ist der frühchristlichen Märtyrerin Corona geweiht und bildet den religiösen Mittelpunkt des gleichnamigen Ortes, der bis 1925 den Namen Heiligenstatt trug. Die Erzdiözese Wien nennt St. Corona am Wechsel ausdrücklich als Wallfahrtsort seit dem Jahr 1504. Neben Einzelpilgern und regionalen Pilgergruppen kommen weiterhin organisierte Wallfahrten nach St. Corona.

Geschichte

Seit 1272 gehörten Grundstücke im Gebiet des späteren Wallfahrtsortes dem Augustiner-Chorfrauenstift Kirchberg am Wechsel. Nach der örtlichen Überlieferung fanden Holzfäller im Jahr 1504 beim Fällen einer Linde eine kleine Statue der heiligen Corona, die in den Stamm des Baumes eingewachsen gewesen sein soll. Noch im selben Jahr wurde am Ort der Auffindung eine hölzerne Kapelle errichtet.

Im Jahr 1583 wurde die Kapelle vergrößert und zumindest teilweise in Stein ausgeführt. Dieser Bau, der 1591 geweiht worden sein soll, ist als mittlere Seitenkapelle beziehungsweise sogenannte Ursprungskapelle in der heutigen Kirche erhalten. Wegen des zunehmenden Wallfahrtsbetriebes wurde zwischen 1689 und 1691 eine größere Kirche errichtet, in welche die ältere Kapelle einbezogen wurde. Die Weihe als Wallfahrtskirche erfolgte 1695.

Mit der Aufhebung des Chorfrauenstiftes Kirchberg unter Kaiser Joseph II. wurde 1783 auch die Kirche in St. Corona gesperrt und die Wallfahrt verboten. Das Gotteshaus diente zeitweilig als Schuppen und Stall; in der Sakristei wurde eine bedürftige Familie untergebracht. Ein Kohlenbrenner namens Leopold Glaser, in der örtlichen Überlieferung "Glaser Poldl" genannt, sammelte später Geld für die Wiederherstellung der Kirche. Sie konnte 1832 beziehungsweise 1833 wieder eröffnet und dem Gottesdienst übergeben werden.

Durch mehrere Erdbeben war das Kirchengewölbe im 19. Jahrhundert stark gefährdet. Bei der Renovierung von 1855 bis 1857 wurden eiserne Schließen eingezogen sowie Dach und Turm erneuert. 1943 wurde die bisherige Filial- und Wallfahrtskirche zur selbständigen Pfarrkirche erhoben. Weitere Restaurierungen erfolgten unter anderem um 1902, 1985 sowie in den Jahren 2016 und 2019.

Die Auffindungslegende

Die Gründungsüberlieferung berichtet, dass Holzfäller im Jahr 1504 beim Fällen einer Linde eine etwa eineinhalb Handspannen hohe Figur der heiligen Corona im Inneren des Baumstammes fanden. Das wunderbare Einwachsen eines Heiligenbildes in einen Baum wurde als göttliches Zeichen gedeutet und führte zur Errichtung der ersten Kapelle.

Der Legendentypus gehört zu den verbreiteten Überlieferungen von Baum- und Waldfunden heiliger Bilder. Wie bei Marienbildern, die in hohlen Bäumen, Wurzeln oder Baumkronen entdeckt worden sein sollen, wird das Kultbild dadurch der menschlichen Verfügung entzogen: Nicht ein Künstler oder Stifter bestimmt den heiligen Ort, sondern die Figur offenbart selbst den Platz, an dem sie verehrt werden will.

Zwei Bilder in der erhaltenen Ursprungskapelle stellen die Auffindung der Corona-Statue durch die Holzfäller sowie die Entwicklung von der ersten Kapelle zur heutigen Kirche dar. Die bildliche Darstellung innerhalb des Heiligtums trug wesentlich dazu bei, die Gründungsüberlieferung über Generationen weiterzugeben.

Die Verehrung der heiligen Corona

Die heilige Corona soll im 2. Jahrhundert während einer Christenverfolgung das Martyrium erlitten haben. Der Legende zufolge wurde sie zwischen zwei niedergebogene Palmen gespannt und beim Zurückschnellen der Bäume zerrissen. Deshalb erscheint sie in der kirchlichen Kunst häufig mit zwei Palmen oder zwischen zwei Bäumen. Ihr Fest wird am 14. Mai gefeiert.

In St. Corona am Wechsel wurde die Heilige besonders von Holzfällern und Waldarbeitern verehrt. Die örtliche Überlieferung stellte dabei einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen ihrem durch Bäume vollzogenen Martyrium und den Gefahren der Waldarbeit her. Ob die Verehrung durch wandernde Holzarbeiter, Händler oder andere Personengruppen in das Wechselgebiet gelangte, lässt sich nicht mehr sicher feststellen.

Die heilige Corona wurde hier um Standhaftigkeit im Glauben, Schutz vor Unwettern und Missernten, Abwendung von Seuchen sowie um Hilfe in alltäglichen Nöten angerufen. Darüber hinaus gilt sie als Patronin der Geschäftsleute und wird bei der Suche nach verborgenen Schätzen angerufen. Ihre örtliche Verehrung als Helferin gegen Seuchen ist historisch belegt; die erst während der COVID-19-Pandemie verbreitete Bezeichnung als besondere "Patronin gegen Corona" sollte jedoch nicht unkritisch auf ältere Zeiten zurückprojiziert werden.

Kirchenbau

Die heutige Kirche ist ein mächtiger, nach Norden ausgerichteter Barockbau mit Walmdach und Dachreiter. Die zur Straße gerichtete südliche Giebelfassade wird durch Rundbogenfenster und eine übereinander angeordnete Portal-Fenster-Gruppe gegliedert. Das segmentbogige Hauptportal besitzt eine Pilasterrahmung und einen gesprengten Giebel.

An der Ostseite des Langhauses befinden sich unter einem gemeinsamen Pultdach drei niedrige Kapellenanbauten. Die mittlere, leicht schräg zum Langhaus stehende Kapelle mit polygonalem Schluss ist der erhaltene Teil des älteren Gotteshauses und wird als Ursprungskapelle bezeichnet. Das Langhaus ist ein dreijochiger Saalraum mit Stichkappentonne; an ihn schließen der eingezogene Triumphbogen und die Apsis an.

Die Deckenbilder zeigen die heilige Barbara, die Heiligen Viktor und Corona sowie über der Orgelempore die heilige Cäcilia. Die gegenwärtigen Wandbilder stammen von Franz Schönbrunner und wurden 1902 geschaffen. Die vier Glasfenster wurden um 1900 gestiftet; die Kreuzwegbilder entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Gnadenstatue und Hochaltar

Der Hochaltar erhielt zwischen 1858 und 1860 sein heutiges Aussehen. Über dem hölzernen Altaraufbau befindet sich ein ovales Ölgemälde mit der Darstellung des Martyriums der heiligen Corona. Darunter steht in einer Vitrine die verehrte Corona-Statue, die zwei Palmen als Zeichen ihres Martyriums in den Händen hält. Seitlich stehen die Figuren der heiligen Märtyrer Florian und Sebastian.

Die örtliche Überlieferung verbindet die Verehrung der Statue mit jener kleinen Corona-Figur, die 1504 im Stamm einer Linde gefunden worden sein soll. Ob die heute im Hochaltar aufgestellte Figur in ihrer Substanz tatsächlich mit dem ursprünglichen Fundbild identisch ist, geht aus den zugänglichen Beschreibungen jedoch nicht eindeutig hervor. Für eine quellenkritische Darstellung sollte daher zwischen der Fundlegende und dem heute verehrten Kultbild unterschieden werden.

Seitenkapellen und Votivbilder

Die vordere Seitenkapelle ist als Marienkapelle gestaltet und enthält eine 1969 im Mühlviertel geschaffene Schutzmantelmadonna. Die mittlere Kreuzkapelle ist der älteste erhaltene Teil der Kirche. Ihre heutige Kreuzigungsgruppe entstand um 1900. Die hintere Kapelle dient als Beichtkapelle und enthält neben einem Kreuz eine Statue des heiligen Judas Thaddäus.

Von besonderer volkskundlicher Bedeutung sind mehrere Votivbilder. Eines erinnert an eine verheerende Viehseuche, während der die Bewohner von Kirchberg eine jährliche Wallfahrt zur Coronakirche gelobten. Nach dem Gelöbnis soll die Seuche zum Stillstand gekommen sein. Ein weiteres Votivbild zeigt Wallfahrer aus Mönichwald, die sich während eines Gewitters in der Kirche befanden, als ein Kugelblitz in das Gotteshaus einschlug.

Die Patriziuswallfahrt findet am 17. März statt.

Volkskundliche Bedeutung

St. Corona am Wechsel ist ein besonders anschauliches Beispiel für einen aus der Lebens- und Arbeitswelt der Waldbevölkerung hervorgegangenen Heiligenkult. Die Auffindungslegende verbindet Baum, Holzfäller und Heiligenstatue zu einer geschlossenen Erzählung. Zugleich stellte das Martyrium der zwischen zwei Bäumen getöteten Corona einen unmittelbaren Bezug zu den Gefahren der Waldarbeit her.

Die Wallfahrt vereinte individuelle Hilfesuche und gemeinschaftliche Gelöbnisse. Schutz vor Unwettern, Missernten, Viehseuchen und alltäglichen Gefahren gehörte zu den wichtigsten Anliegen. Die Votivbilder dokumentieren nicht nur die erhoffte Hilfe der Heiligen, sondern auch die sozialen Formen der Dankbarkeit: Gemeinden und Pfarren verpflichteten sich zu wiederkehrenden Prozessionen und Wallfahrten.

Trotz der josephinischen Aufhebung und der jahrzehntelangen Zweckentfremdung des Gotteshauses konnte die Verehrung wiederbelebt werden. Die Restaurierung durch Spenden eines einfachen Kohlenbrenners wurde selbst Teil der örtlichen Erinnerungskultur. Die bis heute stattfindenden Wallfahrten zeigen, dass St. Corona am Wechsel nicht nur als historischer Wallfahrtsort, sondern weiterhin als religiöses Pilgerziel wahrgenommen wird.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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