Pottenstein, Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Trost im Elend

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Wallfahrt:Marienwallfahrt "Maria Trost im Elend", spätestens um 1700 fest etabliert; überliefert sind unter anderem Gelöbniswallfahrten aus Hütteldorf und seit 1713 Pilger aus Simmering.
Status:Lebendiger Pfarr-, Dekanats- und Wallfahrtsort; monatliche Wallfahrtsgottesdienste und weiterhin veranstaltete Gelöbniswallfahrten führen die Tradition fort.
Kultzentrum:Überlebensgroße, gekrönte Marienstatue mit dem Jesuskind im Strahlenkranz des klassizistischen Hochaltares von 1844.
Ort:Pottenstein
Region:Industrieviertel
Bundesland:Niederösterreich
Lage und Besuch
Lage: Hainfelder Straße 2, 2563 Pottenstein.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Industrieviertel
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Pottenstein
Öffnungszeiten: keine verlässlichen täglichen Öffnungszeiten veröffentlicht; Besichtigung außerhalb der Gottesdienstzeiten bitte bei der Pfarre erfragen.
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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr-, Dekanats- und Wallfahrtskirche Maria Trost im Elend steht im alten Ortszentrum von Pottenstein im niederösterreichischen Triestingtal. Das Gotteshaus war ursprünglich die Mutterkirche des gesamten Tales und verbindet heute romanische, gotische, barocke und klassizistische Bauteile. Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert entwickelte sich die Kirche zu einem überregional besuchten Marienwallfahrtsort.

Geschichte

Die Gründung der Pfarre Pottenstein wird traditionell um 1050 angesetzt; urkundlich ist die Pfarre 1155 belegt. Sie war lange Zeit die Mutterpfarre des gesamten Triestingtales und stand unter landesfürstlichem Patronat. Von einem ersten hölzernen Kirchenbau hat sich nichts erhalten. Im 12. Jahrhundert entstand eine romanische Steinkirche, von der das Untergeschoß des mächtigen Turmes bis heute erhalten ist.

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde östlich ein gotischer Chor mit polygonalem Schluss errichtet und der Turm erhöht. Etwa ein Jahrhundert später kamen die gotischen Seitenkapellen hinzu. Auch die alte Sakristei mit ihrem steinernen Türstock und der eisenbeschlagenen Tür gehört dem mittelalterlichen Baubestand an.

Die Kirche wurde bei den osmanischen Einfällen von 1529 und 1532 schwer beschädigt. Besonders verheerend war das Jahr 1683, als Kirche und Pfarrhof niedergebrannt wurden. Nach dem Wiederaufbau von 1689 wurde die Pfarre von 1696 bis 1747 durch Minoriten betreut. In dieser Zeit entwickelte sich die Marienverehrung zu einer bedeutenden Wallfahrt. Der Zustrom der Pilger und die wachsende Bevölkerung machten schließlich eine erhebliche Erweiterung notwendig.

Das alte romanische Langhaus wurde 1808 abgetragen. An den mittelalterlichen Turm und Chor setzte man ein neues, um 90 Grad gedrehtes klassizistisches Kirchenschiff. Dadurch entstand die ungewöhnliche Anlage zweier rechtwinkelig aufeinandertreffender Kirchenräume: Der mittelalterliche Chor wurde zur Seiten- beziehungsweise Pestkirche, während das neue Langhaus nach Norden ausgerichtet wurde. Der klassizistische Hochaltar wurde 1844, die Orgelempore 1847 vollendet.

Größere Renovierungen fanden 1968, 1978 und von 1996 bis 1999 statt. Bei den jüngeren Arbeiten wurden zwei in Vergessenheit geratene Wandmalereien des 19. Jahrhunderts freigelegt, die Mariä Himmelfahrt und die Krönung Mariens darstellen. 1992 erhielt die Kirche eine neue Orgel, wobei der klassizistische Prospekt erhalten blieb.

Entstehung der Wallfahrt

Der genaue Ursprung der Pottensteiner Wallfahrt ist nicht eindeutig überliefert. Sicher ist, dass die Kirche nach den Zerstörungen des Jahres 1683, der Wiederherstellung und der Übernahme durch die Minoriten zu einem beliebten Wallfahrtsziel wurde. Bereits 1679 ist die Gelöbniswallfahrt der Hütteldorfer überliefert; seit dem Pestjahr 1713 kamen regelmäßig Pilger aus Simmering. Die Wallfahrt muss daher spätestens um 1700 bereits fest etabliert gewesen sein.

Eine in jüngeren sekundären Zusammenstellungen wiedergegebene Legende berichtet, das Gnadenbild sei unter einem Hollerstrauch gefunden worden. Angeblich habe es sich zunächst in einem Bildstock beziehungsweise beim sogenannten Urlauberkreuz am Ortsrand befunden. Diese Überlieferung ist jedoch in den ausführlichen Darstellungen der Pfarre und der niederösterreichischen Landeskunde nicht nachweisbar.

Der Wallfahrtstitel "Maria Trost im Elend"

Die Bezeichnung "Maria Trost im Elend" ist nicht im heutigen Sinn eines besonders armseligen oder bedrückenden Zustandes zu verstehen. Das Wort Elend bezeichnete ursprünglich auch die Fremde, Verbannung oder Heimatlosigkeit. Ältere Namensformen wie "Maria in exsilio" – Maria im Exil – weisen auf diese Bedeutung hin. Der Titel kann daher mit Maria als Trösterin der Menschen in Not und Fremde sowie mit der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten verbunden werden.

Der Wallfahrtstitel verband mehrere Vorstellungen miteinander: Maria als Trösterin der Betrübten, als Beschützerin in Pest- und Kriegszeiten und als Begleiterin der Menschen in persönlicher oder räumlicher Heimatlosigkeit. Gerade nach den Verwüstungen der osmanischen Einfälle bot diese Anrufung einen unmittelbar verständlichen religiösen Bezug.

Das Gnadenbild

Im Mittelpunkt der Wallfahrt steht eine überlebensgroße, gekrönte Marienstatue mit dem Jesuskind. Sie befindet sich heute im Strahlenkranz des klassizistischen Hochaltares von 1844. Die Statue stand ursprünglich im Hochaltar des älteren Kirchenraumes und wurde nach dem Bau des neuen Langhauses an ihren heutigen Platz übertragen.

Die Datierung und Herkunft des Gnadenbildes sind nicht vollkommen geklärt. Die Marienstatue dürfte jedoch spätestens seit der Zeit nach den Türkenkriegen als Pottensteiner Gnadenbild verehrt worden sein.

Pestwallfahrten und Gelöbnisse

Die Wallfahrt nach Pottenstein war besonders eng mit der Erfahrung von Pest, Seuchen und Kriegsgefahr verbunden. Der alte Hochaltar im mittelalterlichen Kirchenraum wurde zum Pestaltar. Dort stehen die Pestpatrone Sebastian, Rochus und Rosalia. Die Wahl dieser Heiligen verweist auf die große Bedeutung der Seuchenabwehr für die frühneuzeitliche Wallfahrt.

Seit dem Pestjahr 1713 kam eine Simmeringer Wallfahrtsgruppe nach Pottenstein. Die Wallfahrt wurde ursprünglich zur Vigil von Mariä Geburt am 7. September oder an einem folgenden Sonntag durchgeführt, später meist im September. Seit 1892 liegt ihre Organisation beim Mariazeller Prozessionsverein Simmering. Die Pilger besuchen dabei Pottenstein und anschließend den Mariahilfberg bei Gutenstein.

An diese Wallfahrt erinnert das 1888 bei Ödlitz errichtete Simmeringer Kreuz. Es wurde aus Dankbarkeit dafür gestiftet, dass die Wallfahrer dort rechtzeitig vor einer in Pottenstein grassierenden Cholera gewarnt worden waren und umkehren konnten. Das Kreuz ist damit ein landschaftlich sichtbares Zeugnis dafür, dass Wallfahrten nicht nur an der Gnadenstätte, sondern auch entlang ihrer Wege Erinnerungsorte hervorbrachten.

Pottenstein als Ziel und Ausgangspunkt von Wallfahrten

Volkskundlich bemerkenswert ist, dass Pottenstein nicht nur Ziel auswärtiger Pilger war, sondern selbst Ausgangspunkt einer bis heute gepflegten Gelöbniswallfahrt ist. Seit 1809 gehen Pottensteiner zu Fuß auf den Mariahilfberg bei Gutenstein. Das Gelöbnis entstand während der Franzosenkriege und war mit der Bitte um "Friede und Freiheit für unser Vaterland" verbunden. Nach Angaben der Pfarre wurde die Wallfahrt auch während der Weltkriege und der Besatzungszeit nicht unterbrochen.

Pottenstein war damit Teil eines regelrechten regionalen Wallfahrtsnetzes: Pilger aus Wien und den umliegenden Gemeinden kamen zu "Maria Trost im Elend", während die Pottensteiner ihrerseits zum Mariahilfberg zogen. Die Wallfahrt verband Orte, Pfarren, Gelöbnisse und Familien über Generationen hinweg.

Kirchenbau

Die ungewöhnliche Gestalt der Kirche erklärt sich aus ihrer langen Baugeschichte. Der mächtige Turm besitzt ein spätromanisches Untergeschoß und gotische Obergeschoße mit spitzbogigen Schallfenstern. Östlich schließt der gotische Chor mit Fünfachtelschluss an. Nördlich und südlich des Turmes liegen gotische Seitenkapellen.

Das klassizistische Langhaus wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts im rechten Winkel an den älteren Bau gesetzt. Seine zum Hauptplatz gerichtete Fassade besitzt einen flachen, übergiebelten Mittelrisalit mit einem von Doppelpfeilern flankierten Portal. Durch diese Lösung blieb der mittelalterliche Kirchenkomplex erhalten und wurde in den Neubau einbezogen.

Im Inneren bestehen daher ein großer klassizistischer Hauptraum und die mittelalterliche Seiten- beziehungsweise Pestkirche nebeneinander. Diese Verbindung zweier verschieden ausgerichteter Kirchenräume gehört zu den auffälligsten architektonischen Besonderheiten Pottensteins.

Altäre und Ausstattung

Der Hochaltar des neuen Langhauses wurde 1844 als klassizistischer Säulenaufbau in der Form eines Triumphbogens errichtet. In seiner Mitte steht die Gnadenstatue Maria mit dem Jesuskind vor einem Strahlenkranz.

Der Hochaltar der alten Kirche entstand 1687 und wurde im 19. Jahrhundert verändert. Nachdem die Marienstatue in den neuen Hochaltar übertragen worden war, erhielt die Mittelnische Figuren der Pestheiligen Sebastian, Rochus und Rosalia. Hinzu kommen die Heiligen Joachim und Anna, Franziskus und Aloysius sowie der Erzengel Michael als Seelenwäger.

Der Familienaltar wurde 1698 vom Berndorfer Hammerschmied Simon Wiesbauer gestiftet. Der Kreuzaltar entstand 1810 und ist auch mit der Verehrung des heiligen Leonhard verbunden. Ein gotisches Sakramentshäuschen, barocke Plastiken, Kreuzwegbilder des 19. Jahrhunderts und bedeutende Glasfenster ergänzen die Ausstattung.

Eine besonders wertvolle barocke Monstranz wurde um 1640 geschaffen. Ihr Fuß zeigt den Stammvater Isai, aus dem die Monstranz in Gestalt eines Baumes hervorwächst. Die Könige Israels bilden den Stammbaum Christi; über der Hostie erscheinen Maria, Gottvater und der Heilige Geist. Die Monstranz befindet sich heute als Leihgabe im Dom- und Diözesanmuseum Wien.

Der Doppelkarner

Nördlich der Kirche steht der romanische Doppelkarner, das älteste weitgehend erhaltene Bauwerk Pottensteins. Er wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts errichtet und in die ehemalige Friedhofsmauer einbezogen. Der Bau besteht aus einem kreisrunden Kapellenraum und einer halbkreisförmigen Apsis, die von zwei gemauerten Kegeldächern abgeschlossen werden.

Der untere Raum diente als Beinhaus. Da der kleine Friedhof rund um die Kirche immer wieder neu belegt werden musste, brachte man die Gebeine aus aufgehobenen Gräbern dort unter. Der obere Raum wurde vermutlich als Kapelle für Totengedenkmessen genutzt. Mit der Anlage des neuen Friedhofes im Jahr 1787 wurden die Gebeine aus dem Karner dorthin übertragen. Der Doppelkarner ist heute im Gemeindewappen von Pottenstein dargestellt.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Trost im Elend ist ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie sich eine alte Pfarrkirche nach Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau zu einem Wallfahrtsort entwickeln konnte. Nicht eine sicher überlieferte Erscheinung oder ein einzelnes Gründungswunder stand am Anfang, sondern das Zusammenwirken eines verehrten Marienbildes, der Seelsorge der Minoriten, der Erfahrung von Pest und Krieg sowie zahlreicher gemeinschaftlicher Gelöbnisse.

Die Wallfahrt wurde vor allem von Gruppen getragen. Hütteldorfer, Simmeringer und andere Pfarrgemeinden kamen mit Kreuzen, Fahnen, Vorbetern und Wallfahrtsliedern nach Pottenstein. Das Simmeringer Kreuz bei Ödlitz zeigt, dass auch Warnung, Umkehr und die glückliche Bewahrung vor einer Seuche als religiöse Erfahrung gedeutet und durch ein dauerhaftes Denkmal festgehalten wurden.

Pottenstein war zugleich Wallfahrtsziel und Heimat einer eigenen Pilgergemeinschaft. Die seit 1809 durchgeführte Fußwallfahrt zum Mariahilfberg schuf eine Verbindung zwischen zwei Gnadenstätten und wurde zu einem wichtigen Bestandteil der örtlichen Identität. Die Teilnahme ganzer Familien, das Mitführen von Kreuz und Fahnen, das Flechten eines Blumenkranzes und die feierliche Rückkehr in die Heimatkirche zeigen die soziale und gemeinschaftsbildende Funktion der Wallfahrt.

Die monatlichen Wallfahrtsgottesdienste und die weiterhin veranstalteten Gelöbniswallfahrten belegen, dass Maria Trost im Elend nicht bloß ein kunsthistorischer Erinnerungsort ist. Die Wallfahrt wird in zeitgemäßer Form weitergeführt und gehört bis heute zum religiösen Leben Pottensteins und des Triestingtales.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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