Maria Schutz am Semmering – Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt

Schnellüberblick
Wallfahrt:Alte Marien- und Bründlwallfahrt am Semmering, hervorgegangen aus der Verehrung des Heiligen Bründls; während der Pest von 1679 wurde hier ein Gelübde zum Bau einer Kapelle abgelegt, aus der sich im frühen 18. Jahrhundert rasch ein überregional besuchter Gnadenort entwickelte.
Status:Lebendiger Wallfahrtsort der Pfarre Semmering mit regelmäßigen Gottesdiensten, Beicht- und Wallfahrtsseelsorge; seit 1925 Betreuung durch die Passionisten.
Kultzentrum:Das im Hochaltar verehrte Gnadenbild – eine um 1410 datierte Marienstatue mit barocken Wechselgewändern und Kronen – sowie das unmittelbar hinter dem Hochaltar gefasste Heilige Bründl.
Ort:Maria Schutz, Marktgemeinde Schottwien.
Bezirk/Region:Bezirk Neunkirchen, Industrieviertel / Semmeringgebiet.
Bundesland:Niederösterreich.
Lage und Besuch
Lage: Maria Schutz 1, 2641 Schottwien.
Am Nordhang des Sonnwendsteins oberhalb von Schottwien und nahe dem Semmeringpass.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte im Industrieviertel
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Semmering – Wallfahrtskirche und Passionistenkloster Maria Schutz
Öffnungszeiten: Die Wallfahrtskirche ist täglich geöffnet; Gottesdienstordnung und aktuelle Hinweise über die Pfarre Semmering.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Außenansicht der Wallfahrtskirche Maria Schutz am Nordhang des Sonnwendsteins. Die weithin sichtbare barocke Doppelturmfassade prägt das Semmeringgebiet. Nach dem Brand von 1826 trugen die Türme lange Pyramidendächer; 1995 wurden die barocken Zwiebelhelme in rekonstruierter Form wiederhergestellt.

Wallfahrtskirche Maria Schutz am Semmering, Außenansicht

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Innenansicht der Wallfahrtskirche mit dem mächtigen barocken Hochaltar. Der 1740 vollendete Altar bildet zusammen mit dem Gnadenbild das optische Zentrum des Kirchenraumes; unmittelbar hinter ihm befindet sich das gefasste Heilige Bründl. Der Altarbereich kann umschritten werden, wodurch Gnadenbild und Quelle auch räumlich zu einer Einheit des Wallfahrtsrituals verbunden sind.

Wallfahrtskirche Maria Schutz am Semmering, Innenansicht mit Hochaltar

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Das Gnadenbild Unserer Lieben Frau von Maria Schutz im Hochaltar. Die Marienstatue wird vom niederösterreichischen landeskundlichen Bildbestand um 1410 datiert. Ihr heutiges Erscheinungsbild ist wesentlich durch die barocken Wechselgewänder und Kronen geprägt. 1728 wurde die Statue nach der Überlieferung der Pfarre aus der Pfarrkirche Klamm nach Maria Schutz übertragen.

Gnadenbild Unserer Lieben Frau von Maria Schutz am Semmering

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Lage und Charakter des Wallfahrtsortes

Maria Schutz liegt auf einer Hangterrasse am Nordabfall des Sonnwendsteins oberhalb von Schottwien. Die Lage unmittelbar vor dem Semmering verbindet die Wallfahrtskirche mit einer seit Jahrhunderten stark begangenen Verkehrs- und Übergangslandschaft. Die beiden Türme der Kirche sind weithin sichtbar und geben dem kleinen Ort, der seinen Namen vom Gnadenheiligtum erhielt, sein unverwechselbares Gepräge.

Der religiöse Mittelpunkt ist bemerkenswert doppelt angelegt: Im Hochaltar steht das Mariengnadenbild, unmittelbar hinter dem Altar entspringt das Heilige Bründl. Bildverehrung und Quellenkult sind daher nicht nur historisch miteinander verbunden, sondern bis heute im Kirchenraum räumlich aufeinander bezogen. Gerade diese Verbindung macht Maria Schutz zu einem besonders anschaulichen Beispiel einer alpinen Marien- und Bründlwallfahrt.

Das Frauenbründl und die Anfänge der Verehrung

Gustav Gugitz beginnt seine Beschreibung von Maria Schutz nicht mit der Kirche, sondern mit dem älteren Kultplatz. Ursprünglich habe sich hier ein Frauenbründl mit einer alten Bildsäule befunden; später werden zwei sehr alte hölzerne Kreuze mit zahlreichen Opfertafeln genannt. Damit ist für die Zeit vor der eigentlichen Kapellengründung bereits eine ausgeprägte religiöse Nutzung des Ortes fassbar. Das Wasser, die Darstellung der Gottesmutter und die von Hilfesuchenden hinterlassenen Dank- und Opferzeichen bildeten die wesentlichen Elemente dieses frühen Gnadenortes.

Während der Pest von 1679 erhielt der Platz seine für die spätere Wallfahrtsgeschichte entscheidende Bedeutung. Nach der Überlieferung wurden Erkrankte aus Schottwien beim Bründl untergebracht oder suchten dort Hilfe. Die Genesung von Kranken wurde mit der Fürsprache Mariens und dem Gebrauch des Wassers in Verbindung gebracht. In dieser Situation entstand das Gelübde, beim Bründl eine Kapelle zu errichten. Zwischen dem Pestjahr und der Einlösung des Versprechens vergingen allerdings mehrere Jahrzehnte: Erst 1721 wurde der Bau begonnen, 1722 war die Kapelle vollendet.

Der Name "Maria Schutz"

Die Namengebung selbst gehört bereits zur Legendenüberlieferung des Ortes. Gugitz berichtet, man habe zunächst nicht gewusst, welchen Namen die neue Kapelle erhalten sollte. Ein Franziskaner aus Mürzzuschlag sei während des Baues nach Maria Schutz gekommen, habe die Lage bewundert und sich erschöpft unter einer Birke zum Schlafen gelegt. Nach dem Erwachen habe er erklärt, er würde den Ort "Maria-Schutz" nennen, wenn er ihn zu benennen hätte. Die Pfarrüberlieferung nennt diesen Franziskaner P. Benignus Seyfried OFM.

Die Erzählung ist weniger als protokollarischer Bericht denn als typische Ursprungslegende zu verstehen. Sie erklärt den Namen des Ortes aus einer glücklichen Eingebung und verbindet die Landschaft, den schlafenden Ordensmann und die Vorstellung vom besonderen Schutz Mariens miteinander. Dass sich der Name schließlich auf die ganze Siedlung übertrug, zeigt, wie vollständig der Wallfahrtsort die Identität des Platzes bestimmte.

Vom kleinen Heiligtum zur barocken Wallfahrtskirche

Der Zustrom zur jungen Wallfahrt setzte offenbar außerordentlich rasch ein. Gugitz berichtet für das Jahr 1733 von einem bereits "ungeheuren" Zulauf und nennt 6000 Messobligationen, die in diesem Jahr nicht vollständig erfüllt werden konnten. Selbst wenn solche historischen Zahlen immer im Zusammenhang ihrer Überlieferung gelesen werden müssen, zeigt die Nachricht doch die Größenordnung der jungen Wallfahrt: Nur wenige Jahre nach dem Bau der ersten Kapelle war Maria Schutz weit über den engsten Umkreis hinaus bekannt.

Die kleine Kapelle genügte dem wachsenden Pilgerverkehr bald nicht mehr. Ab 1728 ließ Reichsgraf Joseph Leopold Julius von Wallsegg, Herr der Burg Klamm, die heutige Kirche errichten. Als ausführender Maurermeister wird Joseph Steinberger genannt. Zugleich entstand ein Haus für die Geistlichen, die den Wallfahrtsbetrieb versahen; aus diesem Bau entwickelte sich der spätere Pfarrhof und das heutige Passionistenkloster.

Ein besonders verlässlicher Fixpunkt ist die Kirchweihe. Das erhaltene Weihebuch der Diözese Seckau verzeichnet für den 21. September 1738 die Konsekration der Kirche von Maria Schutz bei Schottwien mit fünf Altären. Geweiht wurden der Hauptaltar zu Ehren der gnadenreichen Jungfrau Maria sowie Altäre des hl. Johannes Nepomuk, des hl. Josef, des Heiligen Kreuzes und des heiligen Skapuliers. Die Patrozinien spiegeln zugleich das Frömmigkeitsprofil der barocken Wallfahrt wider: Marienverehrung, Hilfe in Gefahren, Kreuzfrömmigkeit und Skapulierverehrung standen nebeneinander.

Gugitz nennt in seiner knappen topographischen Übersicht für die größere Kirche das Jahr 1739. Der zeitgenössische Konsekrationsbericht belegt jedoch bereits die Weihe am 21. September 1738; für die Fertigstellung und Weihe des barocken Kirchenbaues ist daher 1738 als gesichertes Datum maßgeblich.

Graf Wallsegg blieb mit dem Gnadenort auch persönlich eng verbunden. Nach dem Tod seiner Frau bei der Geburt eines Kindes wandte er sich dem geistlichen Stand zu und wirkte schließlich selbst als Priester beziehungsweise Wallfahrtsdirektor in Maria Schutz. Stiftung, Bau und Seelsorge gingen bei ihm damit in ungewöhnlicher Weise ineinander über.

Gnadenbild und Hochaltar

Das eigentliche Gnadenbild ist älter als die Wallfahrtskirche. Der landeskundliche Bildbestand des Landes Niederösterreich datiert die Marienstatue im Hochaltar um 1410. Ihr heutiger Eindruck ist jedoch stark barock geprägt: Maria und das Jesuskind erscheinen gekrönt und in Wechselgewändern. Gerade dieses Bekleiden und Krönen älterer Kultbilder gehört zu den charakteristischen Ausdrucksformen barocker Wallfahrtsfrömmigkeit. Die Pfarre überliefert, dass die Statue 1728 aus der Pfarrkirche Klamm nach Maria Schutz übertragen wurde.

Der 1740 vollendete Hochaltar stellt die Gnadenstatue in den Mittelpunkt einer reichen barocken Inszenierung. Hinter ihm ist zugleich die Quelle in einen Brunnen gefasst. Die Anlage erlaubt den Wallfahrern, den Altar zu umschreiten und zum Bründl zu gelangen. In der niederösterreichischen Wallfahrtsforschung wird dieses Umschreiten als Ambitus, als Opfer- beziehungsweise Umgang um das Gnadenbild, beschrieben. Der Bau selbst lenkt damit den religiösen Vollzug: Die Pilger treten vor das Bild, gehen um den Altar und erreichen dahinter das Wasser.

Neben dem Hochaltar besitzt die Kirche eine reiche barocke Ausstattung mit Seitenaltären, Kanzel und Orgel. Der erhaltene Orgelprospekt entstand 1741 und wird Johann Hencke zugeschrieben. Unter den Altarpatrozinien ist besonders die Karmel- und Skapulierverehrung bemerkenswert, die bereits bei der Weihe von 1738 ausdrücklich fassbar ist und am Ort bis in die Gegenwart religiöse Spuren hinterlassen hat.

Das Heilige Bründl als volkskundliches Kultzentrum

Das Bründl ist nicht bloß eine historische Erinnerung an die Gründungssage. Gugitz führt es ausdrücklich als Heilquelle an und berichtet, dass besonders Menschen mit Augenleiden das Wasser aufsuchten. Ebenso wurde es bei Seuchen von Menschen und Tieren verwendet. Diese Angaben beschreiben volksreligiöse Zuschreibungen; sie sind nicht als medizinischer Wirksamkeitsnachweis zu verstehen. Für die Wallfahrtsforschung entscheidend ist vielmehr, dass Wasser hier als materiell greifbares Medium von Hoffnung, Schutz und Heilung angesehen wurde.

Der Umgang mit dem Wasser gehört damit zu jener körperlichen Seite von Wallfahrt, die in schriftlichen Darstellungen leicht hinter Gebet und Liturgie zurücktritt. Man ging zum Bründl, trank oder verwendete das Wasser und nahm es mit nach Hause. Der Gnadenort wurde dadurch über den Kirchenbesuch hinaus in den Alltag der Wallfahrer getragen.

Mirakelbuch, Votivbilder und Gebetserhörungen

Von besonderer Bedeutung ist die Nachricht über ein handschriftliches Mirakelbuch. Gugitz verzeichnet in der Kirche ein Manuskript mit einigen hundert Fällen seit 1730; eine Auswahl daraus wurde bereits im 19. Jahrhundert von Ludwig Graf Coudenhove veröffentlicht. Damit besitzt Maria Schutz nicht nur eine allgemeine Überlieferung von Gebetserhörungen, sondern einen umfangreichen schriftlichen Bestand, der die Anliegen der Wallfahrer über lange Zeit dokumentierte. Eine systematische Auswertung dieses Mirakelbuches wäre für die Geschichte des Gnadenortes besonders ergiebig.

Ebenso reich war das Votivwesen. Gugitz nennt zahlreiche ältere Votivbilder und bezeichnet ein Bild von 1745, das anlässlich einer Viehseuche gestiftet wurde, als das älteste ihm bekannte Stück. Ein weiteres Votivbild ist volkskundlich besonders bemerkenswert: Es zeigt Osterfeuer und Osterschießen; beim Schießen zerspringt das Gewehr. Das Bild hält damit einen konkreten Unfall innerhalb eines regionalen Osterbrauches fest und verbindet alltägliches Brauchgeschehen unmittelbar mit Dank- oder Bittfrömmigkeit.

Ein Ursprungsbild in der Schatzkammer erinnerte an die Entstehung des Wallfahrtsortes. Die Schatzkammer bewahrte darüber hinaus jene zweite Marienstatue, die Gugitz neben dem eigentlichen Hochaltar-Gnadenbild gesondert anführt. Die Vielfalt dieser Gegenstände macht deutlich, dass der Kult von Maria Schutz nicht ausschließlich an einer einzigen Statue hing, sondern aus einem ganzen Ensemble von Gnadenbild, Quelle, Ursprungsdarstellungen, Votivgaben und Erinnerungsstücken bestand.

Andachtsbilder und Wallfahrtsandenken

Gugitz weist eine ganze Reihe von Andachtsbildern des 18., 19. und 20. Jahrhunderts nach und nennt mehrere Stecher beziehungsweise Verleger. Solche kleinen Druckgraphiken waren für die Verbreitung eines Wallfahrtsortes von großer Bedeutung. Sie machten das Gnadenbild transportierbar, wurden nach Hause mitgenommen, in Gebetbüchern aufbewahrt oder im Wohnbereich angebracht und hielten die Verbindung zum Gnadenort auch nach der Heimkehr aufrecht.

Ein erhaltenes Andachtsbild des 18. Jahrhunderts aus der Sammlung Gustav Gugitz im Volkskundemuseum Wien zeigt nicht nur die gekrönte Maria mit Kind, sondern auch Pilger, Hilfesuchende und Pestkranke. Es verdichtet damit die wesentlichen Themen der Wallfahrt in einem einzigen Blatt: Gnadenbild, Krankheit, Bitte, Pilgerschaft und erhoffte Hilfe.

Zur materiellen Wallfahrtskultur gehörten auch Erinnerungsgegenstände. Die Publikation Denkmalpflege in Niederösterreich – Wallfahrten bildet beispielsweise ein geschliffenes und geätztes Andenkenstamperl von Maria Schutz aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ab. Solche Gegenstände zeigen, dass Wallfahrt immer auch eine Sachkultur hervorbrachte, die zwischen religiösem Andenken und persönlicher Reiseerinnerung stand.

Einzugsgebiet und Wallfahrtsintensität

Das traditionelle Einzugsgebiet umfasste nach Gugitz Niederösterreich und die angrenzende Steiermark. Für die Mitte des 20. Jahrhunderts nennt er rund 8000 Pilger jährlich; diese Zahl ist als historische Momentaufnahme zu verstehen und sagt nichts über die heutige Besucherzahl aus. Für 1872 verzeichnet er einen päpstlichen Ablass. Zusammen mit dem schon für 1733 belegten starken Messaufkommen wird damit die lange überregionale Bedeutung von Maria Schutz sichtbar.

Die Lage am Semmering begünstigte einerseits den Zugang aus beiden Ländern, andererseits lag Maria Schutz an einem Übergangsraum, den Reisende, Fuhrleute und später Ausflügler regelmäßig passierten. Historische Ansichten der Semmeringstraße zeigen die Kirche deshalb nicht nur als religiöses Ziel, sondern auch als markanten Orientierungspunkt in der Verkehrslandschaft.

Josephinische Eingriffe und das 19. Jahrhundert

1783 wurde Maria Schutz unter Joseph II. zur Pfarre erhoben. Gleichzeitig griffen die josephinischen Reformen tief in die überlieferten Formen der Wallfahrt ein. Gugitz verweist auf Akten des Wiener Diözesanarchivs, nach denen ab 1784 die Opfertafeln entfernt werden sollten. Gerade für einen Ort, dessen frühe Geschichte bereits von zahlreichen Opfertafeln geprägt war, bedeutete dies einen erheblichen Eingriff in die sichtbare religiöse Erinnerungskultur.

Auch Natur- und Brandkatastrophen veränderten das Erscheinungsbild der Kirche. 1826 vernichtete ein Brand Dach, Glocken und die barocken Zwiebeltürme. Beim Wiederaufbau erhielten die Türme Pyramidendächer. 1837 beschädigte ein Erdbeben Kirche und Pfarrhof schwer. 1840 übernahm Fürst Alois von Liechtenstein das Patronat. Die heutigen Zwiebelhelme wurden erst 1995 nach historischem Vorbild rekonstruiert.

Schanzkapelle und Bußsteine

Eine besonders ungewöhnliche Nachricht überliefert Gugitz zu einer Schanzkapelle am Weg nach Maria Schutz. Neben dieser Kapelle habe sich ein etwa dreißig Meter langer und an einer Stelle rund zehn Meter breiter Haufen aus sogenannten Bußsteinen befunden. Diese Steine wurden von Wallfahrern als Bußleistung herbeigetragen. Damit ist für Maria Schutz eine Wallfahrtspraxis belegt, bei der die körperliche Mühe des Weges durch das bewusste Tragen einer Last gesteigert wurde.

Gugitz stützte sich für diese Nachricht auf eine handschriftliche Eintragung von Marie Andree-Eysn. Ob der von ihm beschriebene Bußsteinhaufen in dieser Form erhalten geblieben ist, lässt sich aus den für diese Darstellung herangezogenen Quellen nicht sicher feststellen. Als historisches Zeugnis gehört der Brauch dennoch zu den bemerkenswertesten volkskundlichen Nachrichten über Maria Schutz.

Passionisten, Kriegsschäden und Fatimakapelle

1925 übernahmen die Passionisten die Betreuung des Wallfahrtsortes und richteten im ehemaligen Priester- beziehungsweise Pfarrhaus ihr Kloster ein. Maria Schutz ist bis heute die einzige Niederlassung dieses Ordens in Österreich. Nachdem der Pfarrsitz 1934 nach Semmering verlegt worden war, blieb die Kirche vor allem Wallfahrts- und Klosterkirche.

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs wurde die Gegend um Kirche und Kloster zum Kampfgebiet. Die Gebäude erlitten erhebliche Schäden, die in den Jahren nach 1945 beseitigt wurden. Aus dem Dank für die Bewahrung des Heiligtums entstand 1949 die Fatimakapelle. Nach der Überlieferung des Passionistenklosters nahmen an ihrer Weihe am 11. September 1949 etwa 10.000 Gläubige teil. Damit erhielt die ältere Bründl- und Gnadenbildwallfahrt eine neue marianische Schicht, die aus der Frömmigkeit des 20. Jahrhunderts hervorging.

Wallfahrt und religiöses Leben heute

Maria Schutz ist keine erloschene historische Gnadenstätte. Die Kirche ist täglich geöffnet und wird von den Passionisten als Ort der Wallfahrtsseelsorge betreut. Regelmäßige Gottesdienste, Beichtgelegenheit, Rosenkranzgebet und marianische Andachten gehören zum religiösen Leben. Auch die Skapulierverehrung und die mit der Fatimafrömmigkeit verbundenen Gebetsformen bestehen weiter.

Die gegenwärtige Wallfahrt ist dabei nicht auf eine einzige große Jahresprozession beschränkt. Einzelpilger, Gebetsgruppen und organisierte Wallfahrer suchen den Ort auf; das Bründl wird weiterhin besucht. Gerade darin zeigt sich die Kontinuität von Maria Schutz: Die Formen der Frömmigkeit haben sich verändert, doch Gnadenbild, Quelle und persönliches Gebet sind als Kernelemente erhalten geblieben.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Schutz vereinigt auf engem Raum nahezu alle klassischen Elemente einer neuzeitlichen Wallfahrt: einen älteren Quellenkult mit Marienbild, die Erinnerung an die Pest, ein Gelübde, eine Ursprungserzählung, den raschen Aufstieg zur barocken Großwallfahrt, ein bekleidetes und gekröntes Gnadenbild, Mirakelaufzeichnungen, Votivgaben, Andachtsgraphik, Wallfahrtsandenken und den Gebrauch von Gnadenwasser. Dazu kommen mit den Bußsteinen eine körperliche Bußpraxis und mit der Fatimakapelle eine neue Frömmigkeitsschicht nach dem Zweiten Weltkrieg.

Besonders aufschlussreich ist die Verbindung von immaterieller und materieller Religion. Die Wallfahrer beteten nicht nur: Sie trugen Steine, verwendeten Wasser, stifteten Bilder, ließen Messen lesen, nahmen Druckgraphiken und Andenken mit und hinterließen damit sichtbare Spuren ihrer Anliegen. Maria Schutz ist deshalb nicht nur ein kunsthistorisch bedeutender Barockbau, sondern ein außergewöhnlich reich dokumentierter Ort religiöser Alltagskultur.

Literatur und Quellen

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde. Band 2: Niederösterreich und Burgenland. Wien 1955, S. 112. Mit Nachrichten zu Frauenbründl, Gnadenbildern, Heilwasser, Votivwesen, Wallfahrtszuzug, Andachtsbildern, Mirakelbuch und Schanzkapelle.

- Coudenhove, Ludwig Graf: Ursprung und wunderbare Ereignisse des Gnadenortes Maria-Schutz am Semmering. Wien 1885.

- Liphold, P. Franziskus CP: Maria-Schutz. Seine Geschichte und sein Gnadenbild. München 1928, 75 S.

- 250 Jahre Maria Schutz. Festschrift, herausgegeben vom Konvent der Passionisten in Maria Schutz; verantwortlicher Schriftleiter: Pfarrer Peter Schlor. Maria Schutz: Eigenverlag des Klosters der Passionisten, 1972, 88 S., 12 Abb. (davon 4 farbig), 1 Faltkarte.

- Jäger, Gustav: Der Wechsel und sein Gebiet. Wien 1874, S. 104 f.

- Hellbach, Raphael: Die Thäler von Reichenau. Wien 1840, S. 43.

- Weidmann, C. F.: Ausflüge und Wanderungen von Gloggnitz. Wien 1842, S. 57 f.

- Weidmann, C. F.: Die Alpengegenden Niederösterreichs und Obersteiermarks. Wien 1852, S. 145.

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich südlich der Donau. Wien 2003, Göstritz / Maria Schutz, S. 558–560.

- Lebschik, Andreas: Wallfahrtskirchen in Niederösterreich. In: Denkmalpflege in Niederösterreich, Band 38: Wallfahrten. Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Kultur und Wissenschaft, St. Pölten 2007, S. 6–11, zu Maria Schutz S. 8.

- Veselsky, Oskar (Bearb.): Die Konsekrationsberichte aus dem Weihebuch der Diözese Seckau von 1680–1758. Version 2, Historische Landeskommission für Steiermark, Graz 2013; Eintrag vom 21. September 1738 zur Weihe der Kirche und ihrer fünf Altäre.

- Wiener Diözesanarchiv, Fasz. 265, Nr. 10; Fasz. 406, Nr. 9. Von Gugitz als Quellen zum josephinischen Eingriff in Wallfahrt und Opfertafelbestand angeführt.

- SAGEN.at: Das Heilig Bründl in Maria Schutz.

- Museum Niederösterreich, Gedächtnis des Landes: Maria Schutz (Göstritz); insbesondere zur Datierung des Gnadenbildes, Hochaltar und Baugeschichte.

- Volkskundemuseum Wien, Sammlung Gustav Gugitz: Andachtsbild "Bildnus der gnadenreichen jungfrau Maria Schutz bey Schadt-Wienn am Semmering in Osterr.", 18. Jahrhundert, Inv.-Nr. AÖMV/11405.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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