Lichtenegg, Wallfahrtskirche Kaltenberg Maria Schnee

Schnellüberblick
Wallfahrt:Marienwallfahrt zu Maria Schnee am Kaltenberg; 1756 markieren Ablassbrief und Verehrung der Gnadenstatue den entscheidenden Ausbau zum Wallfahrtsort.
Status:Bestehende Wallfahrtskirche mit weiterhin verehrter Gnadenstatue; die Kirche ist täglich geöffnet.
Kultzentrum:Gnadenstatue Maria mit dem Jesuskind aus der Mitte des 18. Jahrhunderts im Hochaltar.
Ort:Kaltenberg / Lichtenegg
Region:Industrieviertel
Bundesland:Niederösterreich
Lage und Besuch
Lage: Kaltenberg 19, 2813 Lichtenegg.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Industrieviertel
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Lichtenegg
Öffnungszeiten: täglich von 07:00 bis 18:00 Uhr.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Außenansicht:

Lichtenegg, Wallfahrtskirche Kaltenberg Maria Schnee

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Innenansicht: Die auf 850 m Seehöhe gelegene Kirche ist ein historistischer Bau mit klassizistischen und neobarocken Formen und ein gut besuchter Wallfahrtsort.

Lichtenegg, Wallfahrtskirche Kaltenberg Maria Schnee

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Gnadenbild:

Lichtenegg, Wallfahrtskirche Kaltenberg Maria Schnee - Gnadenbild

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Votivschrift Maria Schnee: Text:

"Im Jahre 1804 war ein sehr kalter Winter mit vielem Schnee. An dem heiligen Weihnachtsabende war ich auf der Reise in einer mir ganz fremden unbekannten Gegend und mein Weg führte mich durch einen großen Wald. Es wurde Abend und kein Mensch kam mir unter. Ich verfehlte den Weg und verirrte mich; denn es war weder ein menschlicher Fußtritt noch Fußpfad im tiefen Schnee zu sehen. Damals gab es sehr viele Wölfe, und ich sah von allen Seiten Spuren von diesen Raubthieren. Da seufzte ich: Was wird heute noch mit mir werden?, ~ ich finde nicht aus diesem Walde hinaus.- Ein zweifacher Tod schwebte mir vor Augen; ~ denn bliebe ich auf dem Erdboden, so muß ich erfrieren, oder werde eine Beute der Wölfe, steige ich auf einen Baum, so muß ich ebenfalls erstarren, muß herabstürzen, und werde von den Raubhieren aufgefressen. - Aer ich bin durch die Gnade Gottes, und auf die Fürbitte der Jungfrau Maria, die ich stets mit wahrer Inbrunst verehrte, gerettet worden. ich hörte in einer kleinen Entfernung Schläge, wie von einem Holzhauer, und ging augenblicklich, und so schnell als meine Kräfte es vermochten, auf die Gegend zu, und sah da ein kleines Männlein bey einem Baume stehen. Diesen fragte ich: Guter Freund, wo komme ich aus diesem Walde ud auf die Straße? "O mein Herr, sagte der Mann, wo käme der Herr da hin. Der Wald ist sehr groß, in dieser Richtung findet der Herr nicht mehr hinaus," Ich bath ihn zweymahl, er solle mich gegen Bezahlung hinaus führen; er ging aber nicht sondern versicherte, ich werde schon hinaus finden. Zugleich zeigte er mir mit seinen beyden Händen, wo ich gehen soll. - Daß an einem so großen heiligen Abend Jemand sotief in den Wald geht, um Holz zu hacken, darüber lasse ich jeden Christen selbst nachdenken; - ich aber kann die Wahrheit dieser wunderbaren Begebenheit mit einem Eide bestätigen, und verdanke meine Rettung Gott, und der Fürbitte der heiligen Schutzmutter der allerseligsten Jungfrau Maria , -
Anton Freyschlag
Kürschnermeister in Edlitz"

Lichtenegg, Wallfahrtskirche Kaltenberg Maria Schnee - Votivschrift

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Geschichte

Ein Gotteshaus am Kaltenberg wird bereits 1503 genannt. Für das Jahr 1614 ist eine Kapelle bei "Kaltenbrunn" überliefert, die zugleich als Grenzpunkt des Amtes Lichtenegg diente. 1631 erscheint sie als Filialkirche, die den Heiligen Radegundis und Oswald geweiht war. In älteren Beschreibungen wird sie als Rosenkranzkapelle unbekannten Ursprungs bezeichnet.

Den entscheidenden Schritt zur Ausbildung des Wallfahrtsortes bildete das Jahr 1756. Damals erhielt die mit einer Messlizenz ausgestattete Filialkirche von Papst Benedikt XIV. einen Ablassbrief. Aus dieser Zeit stammt auch die heute verehrte Gnadenstatue der Muttergottes mit dem Jesuskind. Kaiserin Maria Theresia schenkte der Kirche außerdem eine kostbar gefasste Kreuzpartikel, die nach örtlicher Überlieferung noch heute bei liturgischen Feiern verwendet wird.

Im Zuge der josephinischen Kirchenreformen wurde die Kapelle 1787 geschlossen und zum Abbruch bestimmt; auch Prozessionen nach Kaltenberg wurden untersagt. Die Bevölkerung von Lichtenegg verhinderte jedoch die Zerstörung, indem sie das Gotteshaus samt seinen kirchlichen Geräten und Ausstattungsstücken erwarb. Dieser Vorgang zeigt die starke Verwurzelung der Verehrungsstätte in der örtlichen Bevölkerung. 1826 erhielt die Gemeinde wieder die Erlaubnis, die Kirche für Gottesdienste zu verwenden; anschließend wurde sie renoviert und neu ausgestattet.

In den Jahren 1875 bis 1879 entstand anstelle des älteren Kirchleins die heutige große Wallfahrtskirche. Stifterin war Antonia Winter, die spätere Baronin de Rochepin. Sie ließ die Kirche samt Pfarrhof aus Dankbarkeit errichten, weil das Vermögen ihrer Familie beim Börsenkrach von 1872 erhalten geblieben war. Die Baukosten werden mit 160.000 Gulden angegeben. Die geplante Errichtung einer selbständigen Pfarre Kaltenberg kam wegen des Widerstandes kirchlicher und weltlicher Behörden nicht zustande; Maria Schnee blieb daher Filialkirche der Pfarre Lichtenegg.

Kirchenbau

Die Kirche ist ein repräsentativer historistischer beziehungsweise neobarocker Saalbau mit kurzem Querhaus, eingezogener Apsis und weithin sichtbarer Doppelturmfassade. Ihre architektonische Gestaltung greift bewusst Formen barocker Wallfahrtskirchen auf. Die beiden schlanken, mit Spitzhelmen bekrönten Türme rahmen einen giebelbekrönten Mittelteil, in dessen Fassadennische eine Marienfigur steht.

Das Innere wird von einem weiten, flach gedeckten Saalraum bestimmt. Wandpfeiler, kräftige Gesimse und der rundbogige Triumphbogen verleihen dem Raum seine monumentale Wirkung. Aufgrund ihrer Größe und ihrer beherrschenden Lage wird die Kirche gelegentlich als "Dom der Buckligen Welt" bezeichnet.

Gnadenstatue und Ausstattung

Im Mittelpunkt des Hochaltares steht die Gnadenstatue Maria mit dem Jesuskind aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sie befindet sich in einer Nische über dem neobarocken Tabernakel. Dahinter ist das 1879 von Josef Kessler geschaffene Altarbild mit der Darstellung Christi als Pantokrator angebracht.

Die beiden Seitenaltäre wurden 1826 unter Verwendung älterer Bestandteile zusammengestellt. Am linken Seitenaltar steht eine barocke Statue des heiligen Florian mit einem Mühlstein aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der rechte Seitenaltar ist dem heiligen Augustinus gewidmet; das Altarbild wird von Figuren der Heiligen Gregor und Oswald begleitet. Zur weiteren Ausstattung gehören eine Kanzel aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit einer Figur des Guten Hirten, ein barockes Kruzifix mit einer Darstellung der Schmerzhaften Muttergottes sowie Kreuzwegbilder aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Orgel wurde 1879 von Franz Ullmann erbaut.

Von besonderem volkskundlichem Interesse ist eine erhaltene Votivtafel des Kürschnermeisters Anton Freyschlag aus Edlitz aus dem Jahr 1804. Sie belegt, dass die Hilfesuche bei Maria Schnee auch während beziehungsweise unmittelbar nach der josephinischen Einschränkung der Wallfahrt fortbestand.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Schnee in Kaltenberg ist ein anschauliches Beispiel für die Beständigkeit einer bäuerlich und regional geprägten Wallfahrt. Ablassgewährung, Gnadenstatue, Kreuzreliquie und Votivgaben bildeten die religiösen Grundlagen des Wallfahrtswesens. Besonders bemerkenswert ist, dass die Bevölkerung während der josephinischen Aufhebung selbst für den Fortbestand des Heiligtums eintrat und Gebäude sowie Inventar vor dem Abbruch bewahrte.

Der monumentale Neubau des späten 19. Jahrhunderts übernahm das ältere Gnadenbild und weitere Ausstattungsstücke der Vorgängerkirche. Dadurch blieb die kultische Kontinuität trotz des vollständigen Neubaus gewahrt. Die regelmäßig stattfindenden Wallfahrermessen, Monatswallfahrten und Besuche auswärtiger Pfarren zeigen, dass Maria Schnee nicht nur ein historischer Wallfahrtsort, sondern weiterhin ein lebendiges religiöses Zentrum der Buckligen Welt ist.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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