| Wallfahrt: | Lebendige Marienwallfahrt zur Pfarr- und Wallfahrtskirche "Maria, Königin der Engel" und zur Lourdesgrotte im Wienerwald; beide Stationen bilden gemeinsam den Wallfahrtsort Maria Gugging. |
| Status: | Sehr lebendiger Wallfahrtsort; die Lourdesgrotte wird in der vorliegenden Datei als besonders stark besuchte Wallfahrtsstätte der Erzdiözese Wien beschrieben. |
| Kultzentrum: | Pfarr- und Wallfahrtskirche "Maria, Königin der Engel" (Österreichische Portiunkulakirche) und die Lourdesgrotte im Wienerwald. |
| Ort: | Maria Gugging / Klosterneuburg |
| Region: | Industrieviertel |
| Bundesland: | Niederösterreich |
| • | Lage Pfarr- und Wallfahrtskirche: Hauptstraße 20, 3400 Maria Gugging. |
| • | Lage Lourdesgrotte im Wienerwald: Hauptstraße 134, 3400 Maria Gugging. |
| • | Pfarr- und Wallfahrtskirche in der SAGEN.at-Karte Industrieviertel |
| • | Lourdesgrotte in der SAGEN.at-Karte Industrieviertel |
| • | Ansicht in Street View (Pfarr- und Wallfahrtskirche) |
| • | Ansicht in Street View (Abzweigung zur Lourdesgrotte im Wienerwald) |
| • | Web: Pfarre Maria Gugging |
| • | Öffnungszeiten: Lourdesgrotte ganzjährig frei zugänglich; Besichtigung der Pfarrkirche außerhalb der Gottesdienstzeiten bitte bei der Pfarre erfragen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Außenansicht Klosterneuburg, Maria Gugging, Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Gugging:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Innenansicht Klosterneuburg, Maria Gugging, Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Gugging:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Klosterneuburg, Maria Gugging, Lourdesgrotte im Wienerwald 2004:

Bildquelle: SAGEN.at
• Klosterneuburg, Maria Gugging, Devotionalien Lourdesgrotte von Maria Gugging:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Klosterneuburg, Maria Gugging, Wetterkerzen Lourdesgrotte von Maria Gugging:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Der Wallfahrtsort Maria Gugging liegt im Hagenthal am Rand des Wienerwaldes und gehört zur Stadtgemeinde Klosterneuburg. Er besteht aus der im Ortszentrum gelegenen Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria, Königin der Engel, auch "Österreichische Portiunkulakirche" genannt, und der rund eineinhalb Kilometer westlich gelegenen Lourdesgrotte im Wienerwald. Kirche und Grotte sind durch mehrere ausgeschilderte Pilgerwege miteinander verbunden.
Die Wallfahrt ist heute sehr lebendig. Die Lourdesgrotte wird von der Stadt Klosterneuburg als meistbesuchte Wallfahrtsstätte der Erzdiözese Wien bezeichnet; verbreitet wird eine Größenordnung von jährlich etwa 80.000 Pilgern und Besuchern genannt.
Gugging wird bereits im 11. Jahrhundert urkundlich genannt. Kirchlich gehörte der Ort bis zu den josephinischen Reformen von 1783 zur Pfarre St. Andrä vor dem Hagenthale und danach zur Pfarre Kierling. Erst 1939 wurde Maria Gugging zur selbständigen Pfarre erhoben.
Der Name Maria Gugging wurde erst 1989 zum amtlichen Ortsnamen. Eine entsprechende Umbenennung war bereits in den 1930er-Jahren vorbereitet worden. Die spätere Namensänderung zeigt, wie stark die im 20. Jahrhundert entstandene Marienwallfahrt die Identität des ursprünglich nur Gugging genannten Ortes geprägt hatte.
Die Kirche geht auf die Initiative des Wiener Kaufmannes Franz Völker zurück. Nach einem Besuch in Assisi wollte er im Wienerwald ein Gotteshaus schaffen, das an die Portiunculakapelle, den eng mit dem heiligen Franziskus verbundenen Marienort, erinnerte. Am 29. September 1907 wurde ein Kaiserjubiläums-Kirchenbauverein gegründet; 1908, im Jahr des 60-jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josephs, erfolgte die Segnung des Baugrundes.
Die Kirche wurde nach Plänen des Architekten Karl Haas errichtet und am 6. September 1913 feierlich eingeweiht. Als Patrozinium wählte man Maria von den Engeln beziehungsweise Maria, Königin der Engel; das Patronatsfest wird am 2. August, dem Portiunculafest, begangen. Neben "Österreichische Portiunkulakirche" findet sich deshalb auch die Bezeichnung Kaiser-Jubiläumskirche.
Mit der Einweihung des Gotteshauses war der Grundstein für den Wallfahrtsort gelegt. Der große überregionale Pilgerzustrom setzte jedoch erst mit der Errichtung der Lourdesgrotte ein. Kirche und Grotte stellen somit zwei zeitlich aufeinanderfolgende Stufen derselben Wallfahrtsgründung dar.
Der aus Deutschland stammende Missionspriester Caspar Hutter C.Ss.R., dessen Name auch in der Form Kaspar begegnet, hatte bereits als junger Theologiestudent eine besondere Beziehung zu Lourdes entwickelt. Im Sommer 1907 war er mit einem Freund zu Fuß von Freiburg in der Schweiz nach Lourdes gepilgert. Im Mai 1922 wurde er als Seelsorger an die damals noch wenig genutzte Portiunkulakirche nach Gugging berufen.
Bei einem Spaziergang in Richtung Hadersfeld entdeckte Hutter im Mai 1923 einen aufgelassenen Steinbruch. Die Form des Felsens erinnerte ihn an die Grotte von Massabielle in Lourdes. Daraus entstand die Idee, im Wienerwald eine möglichst getreue Nachbildung des französischen Erscheinungsortes zu schaffen. Das Gelände gehörte zur Gutsherrschaft Altenberg und wurde für die Errichtung der Grotte zur Verfügung gestellt; als Stifterin wird Maria Pflaum genannt.
Am 12. September 1923 wurde die Überlassung des Grundstückes schriftlich bestätigt. Hutter gewann freiwillige Helfer, sammelte Spenden und hielt Lichtbildvorträge in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Im Herbst 1923 begannen die ersten Rodungs- und Planierungsarbeiten; 1924 wurde der Felsen durch Steinmetz-, Spreng- und Maurerarbeiten zur Grotte umgestaltet.
Die lebensgroßen Figuren der Maria Immaculata und der knienden Bernadette Soubirous, der Altar und das schmiedeeiserne Abschlussgitter wurden nach dem Vorbild von Lourdes gestaltet. Dadurch entstand nicht nur eine gewöhnliche Mariengrotte, sondern eine bewusst geschaffene topographische Nachbildung der französischen Wallfahrtsstätte.
Die feierliche Einweihung fand am 10. Mai 1925 statt. Nach einem Gottesdienst und einer Maiandacht in der Portiunkulakirche zog eine große Prozession zur neuen Grotte, wo Prälat Ignaz Seipel die Weihe vornahm und die Festpredigt hielt.
Die Angaben über die Zahl der Teilnehmer schwanken erheblich. Die auf der Pfarrseite wiedergegebene Entstehungsgeschichte spricht von ungefähr 10.000 Menschen, andere spätere Darstellungen von 40.000 oder sogar 60.000 Teilnehmern. Historisch sicher ist daher nur, dass Zehntausende Menschen zur Einweihung kamen. Für den Transport wurde nach einer zeitgenössisch orientierten Darstellung sogar der gesamte verfügbare Wagenpark von 22 städtischen Wiener Autobussen eingesetzt. Es zeigte sich, dass Maria Gugging bereits bei der Eröffnung als moderner Massenwallfahrtsort wahrgenommen wurde.
In der Nähe der Grotte befand sich eine alte, nie versiegende Waldquelle. Sie wurde gefasst und zur Wallfahrtsanlage geleitet. Bei der Einweihung soll eine Flasche Wasser aus Lourdes in die heimische Quelle gegossen worden sein. Auf diese Weise wurde die örtliche Quelle symbolisch mit dem französischen Wallfahrtsort verbunden.
Volkskundlich handelt es sich um eine bemerkenswerte Übertragung von Heiligkeit: Das Wasser stammt nicht aus Lourdes, wird aber durch das Vermischen mit Lourdeswasser und durch den Gebrauch am nachgebildeten Erscheinungsort in dessen religiösen Bedeutungszusammenhang einbezogen. Wallfahrer füllen das Wasser ab oder verwenden es in der Hoffnung auf Stärkung und Heilung. Die Pfarre behandelt das Thema ausdrücklich unter der Bezeichnung "Wundersames Wasser".
Von der Hauptstraße führt ein sakral gestalteter Weg zur Grotte. Am Beginn steht eine Herz-Jesu-Statue. Es folgen 15 Tabernakelpfeiler mit Rosenkranzreliefs, die 1936 von der Kunstanstalt Bartolotti geschaffen wurden, sowie eine Christophorusstatue. Der Weg stimmt die Besucher schrittweise auf den eigentlichen Wallfahrtsplatz ein.
In der Felsennische steht die weiß und blau gefasste Statue der Maria Immaculata. Unterhalb kniet Bernadette Soubirous, die nach katholischer Überlieferung 1858 in Lourdes die Erscheinungen der Gottesmutter erlebte. Das schmiedeeiserne Gitter, die Anordnung der Figuren und die Felsgestaltung folgen bewusst dem Vorbild von Massabielle. Über der Grotte erhebt sich ein großes Kreuz.
Zwischen 1925 und 1927 wurde neben der Grotte ein Ständerbau mit Glockenreiter und Devotionalienladen errichtet. 1968/69 entstand eine schlichte Kapelle für Gottesdienste bei ungünstigem Wetter; sie wurde 1973 durch Weihbischof Karl Moser benediziert. Zur Ausstattung gehört ein Holzkreuz von Othmar Lux.
Der Wallfahrtsplatz wird wegen seiner Lage inmitten des Wienerwaldes gelegentlich als "Waldesdom" bezeichnet. Tatsächlich entsteht seine besondere Wirkung weniger durch monumentale Architektur als durch das Zusammenspiel von Fels, Wald, Quelle, Statuen, Kerzen, Gebetsbänken und der weiten Versammlungsfläche.
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche steht erhöht über einer Böschungsmauer im Ortszentrum. Der historistische Bau besitzt einen mächtigen vorgestellten Südwestturm und ein dreijochiges Langhaus. Die äußere Gestaltung verwendet vor allem neugotische Formen, während Ausmalung und Ausstattung der nazarenischen und byzantinisierenden Sakralkunst verpflichtet sind.
Die Wand- und Deckenmalereien stammen von Josef Kastner; die Glasfenster wurden von der Kunstanstalt W. Rona geschaffen. Das Gnadenbild zeigt Maria mit dem Jesuskind und greift damit das Patrozinium Maria, Königin der Engel, auf. Die heutige Pfarrseite bezeichnet dieses Marienbild ausdrücklich als Gnadenbild der Österreichischen Portiunkulakirche.
Die Orgel wurde bereits 1894 von Johann M. Kauffmann für die Antoniuskirche im 15. Wiener Gemeindebezirk gebaut und 1913 nach Maria Gugging übertragen. Das Instrument besitzt neun Register auf einem Manual und Pedal und wurde zuletzt restauriert.
Die Kirche und die Lourdesgrotte liegen nicht unmittelbar nebeneinander. Der Weg zwischen beiden Orten ist jedoch ein wesentlicher Bestandteil der Wallfahrtsanlage. Die Pfarre hat vier Pilgerwege mit Gehzeiten zwischen ungefähr 30 und 90 Minuten ausgewiesen. Sie verbinden die Portiunkulakirche, die Lourdesgrotte, den Rosenkranzweg, mehrere Kreuze und Bildstöcke sowie die Kirche St. Josef auf dem ehemaligen Klinikgelände.
Diese räumliche Trennung erzeugt eine charakteristische Wallfahrtsdramaturgie: Die Kirche dient als Ort von Messe, sakramentaler Feier und Pfarrleben; der Weg wird zur Prozessionsstrecke; die Grotte bildet den landschaftlich inszenierten Ziel- und Andachtsort. Bei der Einweihung 1925 wurde dieses Muster bereits durch die Prozession von der Kirche zur Grotte festgelegt.
Maria Gugging ist ein besonders eindrucksvolles Beispiel für eine bewusst begründete Wallfahrt des frühen 20. Jahrhunderts. Anders als viele ältere Wallfahrtsorte beruht sie weder auf einer örtlichen Marienerscheinung noch auf einer mittelalterlichen Auffindungslegende. Kirche und Grotte entstanden aus der persönlichen Frömmigkeit zweier Initiatoren: Franz Völker übertrug das Vorbild der Portiuncula von Assisi, Caspar Hutter jenes der Lourdesgrotte von Massabielle in den Wienerwald.
Die Grotte stellt eine nahezu vollständige Übertragung des Lourdeskultes dar. Felsnische, Marienstatue, Bernadettefigur, Gitter, Quelle, Prozessionen, Kerzen und Krankengebet bilden ein zusammenhängendes religiöses Zeichensystem. Die Wallfahrer müssen nicht nach Südfrankreich reisen, sondern können die religiöse Atmosphäre von Lourdes in regional erreichbarer Form erleben.
Die Entstehung zeigt zugleich die modernen Voraussetzungen einer Wallfahrt: Kirchenbauverein, Spendenbausteine, Lichtbildvorträge, Zeitungswerbung, öffentliche Verkehrsmittel und organisierte Großveranstaltungen ersetzten weitgehend die älteren Formen einer langsam und ungeplant wachsenden Kultstätte. Der Einsatz zahlreicher Wiener Autobusse bei der Einweihung weist bereits auf den Übergang von der traditionellen Fußwallfahrt zur verkehrsmäßig erschlossenen Massenwallfahrt hin.
Auch die Umbenennung des Ortes von Gugging in Maria Gugging im Jahr 1989 ist volkskundlich bedeutsam. Die Wallfahrt veränderte nicht nur die religiöse Nutzung einzelner Bauwerke, sondern schließlich den offiziellen Ortsnamen und damit die öffentliche Identität der gesamten Siedlung.
Die weiterhin abgehaltenen Gottesdienste, großen Wallfahrtsmessen, Beichtgelegenheiten und ausgeschilderten Pilgerwege zeigen, dass Maria Gugging nicht bloß ein Denkmal der Zwischenkriegszeit ist. Der Ort gehört weiterhin zu den bedeutendsten und lebendigsten Marienwallfahrtsstätten Niederösterreichs.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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