Haslau-Maria Ellend, Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Ellend

Schnellüberblick
Wallfahrt:Marienwallfahrt mit älterer Fundlegende des Gnadenbildes und großer Wallfahrtsanlage aus Lourdesgrotte, Kreuzweg, Rosenkranzweg, Kalvarienberg und Kapellen.
Status:Lebendiger Pfarr- und Wallfahrtsort; Kirche und frei zugänglicher Wallfahrtspark bilden gemeinsam den Wallfahrtsort Maria Ellend.
Kultzentrum:Mariengnadenbild der örtlichen Fundlegende sowie die Lourdesgrotte im Wallfahrtspark.
Ort:Maria Ellend / Haslau-Maria Ellend
Region:Industrieviertel
Bundesland:Niederösterreich
Lage und Besuch
Lage: Wienerstraße 10, 2402 Maria Ellend.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Industrieviertel
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Maria Ellend
Öffnungszeiten: Pfarrkirche täglich von 7 bis 20 Uhr. Der Wallfahrtspark ist frei zugänglich.
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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau vom heiligen Rosenkranz steht unmittelbar an der Wiener Straße beziehungsweise Pressburger Straße B 9 in Maria Ellend. Gegenüber der Kirche liegt jenseits von Straße und Bahn die ausgedehnte Wallfahrtsanlage mit Lourdesgrotte, Kreuzweg, Rosenkranzweg, Kalvarienberg und mehreren Kapellen. Kirche und Wallfahrtspark bilden gemeinsam den Wallfahrtsort Maria Ellend.

Die Anfänge des Wallfahrtsortes

Nach der örtlichen Überlieferung fanden vier Kinder um die Mitte des 15. Jahrhunderts am Donauufer eine angeschwemmte Marienstatue. Das Bild sei aus dem Osten gekommen und entgegen der Strömung donauaufwärts getrieben worden. Man deutete dies als Flucht der Gottesmutter vor Krieg und Zerstörung und errichtete am Fundort ein kleines Heiligtum zu Ehren "Unserer Lieben Frau Anlandt".

Die Quellen nennen allerdings unterschiedliche Jahreszahlen. Das niederösterreichische Tourismusportal setzt die erste Erwähnung einer Kapelle "Unserer lieben Frau im Ellend" in das Jahr 1466. Die landeskundliche Datenbank nimmt eine Gründung um 1450 an, bezeichnet den Bau aber erst für 1544 als urkundlich nachweisbar. Die gelegentlich genannte Jahreszahl 1659 betrifft hingegen die Erhebung zur Pfarre und kann nicht ohne Weiteres als Zeitpunkt der Auffindung des Gnadenbildes gelten.

Die Legende vom angeschwemmten Marienbild

Die Fundlegende erzählt, das Marienbild sei aus einem von Kriegen bedrohten Gebiet Ungarns gekommen und auf der Donau gegen die natürliche Fließrichtung nach Maria Ellend gelangt. Die Gottesmutter habe damit gleichsam selbst den Ort ausgewählt, an dem sie künftig verehrt werden wollte.

Dieser Legendentypus ist volkskundlich mit den Erzählungen von Bildern verwandt, die flussaufwärts treiben, an einem bestimmten Ort nicht mehr weiterbewegt werden können oder nach einer Übertragung wieder an ihren Fundplatz zurückkehren. Das Kultbild entzieht sich dadurch menschlicher Verfügung: Nicht ein Stifter bestimmt die Gnadenstätte, sondern die heilige Gestalt offenbart ihren gewünschten Aufenthaltsort.

Die Erzählung erklärt zugleich den Ortsnamen. Aus "Maria an Land" beziehungsweise "Anlandt" soll über verschiedene Lautformen schließlich "Maria Ellend" geworden sein. Diese Erklärung gehört zur örtlichen Überlieferung und ist als volksetymologische Deutung reizvoll; sie ist jedoch sprachgeschichtlich nicht völlig gesichert, zumal bereits die angebliche Nennung von 1466 die Form "im Ellend" verwendet.

Zerstörung und Markuswallfahrt

Das erste Heiligtum lag näher an der Donau, ungefähr 700 Meter westlich der heutigen Kirche. Es wurde 1529 beim ersten osmanischen Einfall zerstört. Nach der Wiederbesiedlung der Gegend durch kroatische Familien ließ der Grundherr Wolf Unverzagt 1584 am alten Standort eine neue Kirche errichten. Sie war zeitweise dem heiligen Markus geweiht.

Diese Kirche wurde ein beliebtes Pilgerziel der kroatischen Bevölkerung. Markus galt als Beschützer der Feldfrüchte; seine Verehrung war mit Flursegen, Wetterbitten und bäuerlichen Bittgängen verbunden. Maria Ellend besaß somit bereits vor der ausgeprägten neuzeitlichen Marienwallfahrt eine regionale Wallfahrtstradition. 1659 wurde die Kirche zur Pfarrkirche erhoben.

Beim zweiten osmanischen Einfall von 1683 wurde das Gotteshaus wiederum schwer beschädigt. Weitere Verwüstungen durch die Kuruzzen 1704 und 1706 beschleunigten den Verfall. Die alte Kirche wurde schließlich aufgegeben.

Bau der heutigen Wallfahrtskirche

Franz Josef Gabriel Graf von Abensperg und Traun ließ 1770 an der neu angelegten Reichsstraße zwischen Wien und Pressburg die heutige Kirche errichten. Nach anderen Angaben dauerten die Bauarbeiten bis 1772. Der Standort wurde damit vom älteren Heiligtum an der Donau an die bedeutende Verkehrsstraße verlegt.

Unter dem alten Hochaltar wurde bei einer Renovierung eine Kupferplatte mit einer Gründungsinschrift sowie ein kleiner Weihefund aus Münzen der Jahre 1769 und 1770 entdeckt. Dieser Fund bestätigt die Errichtung beziehungsweise Ausstattung des Neubaus im Jahr 1770.

Mit dem Neubau setzte sich die marianische Wallfahrt endgültig gegenüber dem älteren Markuspatrozinium durch. Der Ort wurde nun allgemein Maria Ellend genannt und entwickelte sich zu einem Wallfahrtsziel für Pilger aus Niederösterreich, Wien, dem heutigen Burgenland, der Slowakei und den ehemals kroatisch besiedelten Gebieten der Region.

Das Gnadenbild

Im Hochaltar steht eine gekrönte Marienstatue mit dem Jesuskind. Sie wird kunsthistorisch um 1600 datiert und befindet sich unter einem barocken Baldachin im Altaraufbau von etwa 1770. Die heute verehrte Statue kann bei zutreffender Datierung nicht mit jenem Bild identisch sein, das der Legende zufolge bereits um 1450 angeschwemmt wurde. Möglich wäre, dass das ursprüngliche Bild verloren ging und seine kultische Funktion später auf eine jüngere Marienstatue übertragen wurde.

Kirchenbau

Die heutige Kirche ist ein schlichter spätbarocker Saalbau mit Walmdach, Ecklisenen und rechteckigen Fenstern. Der zur Straße gerichtete Fassadenturm trägt einen Zwiebelhelm. Seine heutige Erscheinung entstand überwiegend beim Umbau von 1910.

Das Kircheninnere ist als einfacher Saalraum gestaltet. Der Hochaltar besteht aus einem flachen Säulenretabel der Erbauungszeit. Im Zentrum steht das Gnadenbild unter einem Baldachin; auch die schlichte hölzerne Kanzel stammt aus der Zeit um 1770.

Die Zurückhaltung des Innenraumes lenkt den Blick unmittelbar auf das Gnadenbild. Die Kirche war nicht als repräsentative Kloster- oder Residenzkirche, sondern als gut erreichbares Gotteshaus für Pfarre, Durchreisende und Wallfahrer konzipiert.

Die "Muttergottes an der Straße"

Bei der Renovierung von 1910 erhielt die Straßenfassade ihr auffälliges Mosaik. Es zeigt die thronende Gottesmutter mit dem Jesuskind, umgeben von Engeln und secessionistischen Ornamenten. Das Christuskind breitet die Arme segnend zu den Menschen auf der Straße aus.

Das Mosaik wird als "Muttergottes an der Straße" bezeichnet. Seine ikonographische Wirkung ist unmittelbar auf den Standort abgestimmt: Maria erscheint nicht in einem abgeschlossenen Andachtsraum, sondern wendet sich sichtbar den Reisenden zu. Die Fassade macht damit bereits die Straße selbst zu einem Teil des Wallfahrtsortes.

Volkskundlich verbindet das Bild alte und moderne Mobilität. Früher kamen Fußpilger und Fuhrwerke auf der Reichsstraße vorbei; später folgten Eisenbahn, Autobus und Kraftfahrzeug. Das weithin sichtbare Mosaik spricht alle Vorüberziehenden als potenzielle Pilger an.

Die Lourdesgrotte und der Wallfahrtspark

Zwischen 1906 und 1914 entstand gegenüber der Kirche eine etwa vier Hektar große Wallfahrtsanlage. Die Lourdesgrotte wird je nach Quelle mit 1909 oder 1910 datiert. Sie wurde aus Felsblöcken und Gussbeton als Nachbildung der Erscheinungsgrotte von Massabielle gestaltet.

Zur Anlage gehören:

  • die Lourdesgrotte mit großem Feierplatz,
  • ein Kreuzweg,
  • ein Rosenkranzweg,
  • der Kalvarienberg,
  • die Armen-Seelen-Kapelle,
  • eine Schutzengelkapelle,
  • eine Antoniuskapelle,
  • die Christkönigsstatue "Rex Regum",
  • weitere Bildwerke und Andachtsorte.

Die Anlage sollte die stark zunehmenden Pilgerzahlen aufnehmen, für welche die kleine Pfarrkirche nicht mehr ausreichte. Große Wallfahrtsgottesdienste, Firmungen und andere Feiern wurden deshalb vor der Grotte abgehalten.

Eisenbahn und moderne Massenwallfahrt

Die Eröffnung der Bahnstation Maria Ellend an der Pressburger Bahn im Jahr 1914 erhöhte die Erreichbarkeit des Wallfahrtsortes erheblich. Besonders Pilger aus Wien und Pressburg beziehungsweise Bratislava konnten nun in großer Zahl anreisen.

Überliefert ist, dass Wallfahrer aus Pressburg im Wallfahrtspark übernachteten und am folgenden Morgen an der Grotte die Frühmesse feierten. Während des Ersten Weltkrieges war der Zustrom zeitweise so stark, dass Pläne für eine riesige Basilika über der Grotte entstanden. Der Bau sollte annähernd die Fläche des Wiener Stephansdomes erreichen und eine weithin sichtbare blaue Kuppel besitzen. Mit dem Ende der Monarchie wurden diese Pläne aufgegeben.

Maria Ellend zeigt damit exemplarisch den Übergang von der traditionellen Fußwallfahrt zur durch Eisenbahn, Fahrpläne und organisierte Pilgerzüge ermöglichten Massenwallfahrt.

Betreuung durch die Missionare von der Heiligen Familie

Seit 1929 wird Maria Ellend von den Missionaren von der Heiligen Familie betreut. Der Orden unterhält hier seine einzige österreichische Niederlassung. Zum Missionshaus gehört eine Ausstellung über die internationale Missionsarbeit der Gemeinschaft.

Die Ordensniederlassung verband die örtliche Marienwallfahrt mit der Verehrung der Heiligen Familie und einem internationalen Missionsverständnis. Gleichzeitig gewährleistete sie über Jahrzehnte eine kontinuierliche Betreuung von Pfarrkirche, Gnadenbild, Wallfahrergruppen und Wallfahrtspark.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Ellend besitzt eine ungewöhnlich vielschichtige Wallfahrtsgeschichte. Der älteste Überlieferungskern ist eine Wasserfundlegende: Das heilige Bild kommt auf dem Fluss, bewegt sich gegen die Strömung und landet an dem von ihm selbst gewählten Ort. Wasser erscheint dabei nicht als bedrohliches Element, sondern als Träger und Wegweiser des Heiligen.

Die kroatische Markuswallfahrt zeigt eine zweite Schicht. Sie verband ethnische Siedlungsgeschichte, bäuerliche Wetter- und Erntebitten und die Verehrung eines Schutzheiligen der Feldfrüchte. Erst später trat die Marienwallfahrt wieder vollständig in den Vordergrund.

Die barocke Kirche an der Reichsstraße verlagerte das Heiligtum vom abgeschiedenen Donauufer an eine bedeutende Verkehrsachse. Mit dem Fassadenmosaik wurde diese Lage 1910 bewusst religiös interpretiert: Maria segnet die Vorüberfahrenden und wird zur "Muttergottes an der Straße".

Der Wallfahrtspark wiederum übertrug den internationalen Lourdeskult in eine niederösterreichische Landschaft. Grotte, Prozessionswege, Kapellen und Kalvarienberg bilden eine begehbare Sakrallandschaft. Der Pilger bewegt sich nicht nur zu einem einzelnen Gnadenbild, sondern durchläuft mehrere Andachtsstationen.

Die Hauptwallfahrt, die regelmäßigen Wallfahrtsmessen und die tägliche Öffnung der Kirche zeigen, dass Maria Ellend nicht lediglich ein historisches Denkmal ist. Der Ort verbindet weiterhin Pfarrleben, Marienverehrung, Wallfahrt, Freizeitbesuch und landschaftliche Andacht.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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