| Wallfahrt: | Marienwallfahrt, hervorgegangen aus einer 1653 errichteten Mariensäule; im frühen 18. Jahrhundert durch Gebetserhörungen, Votivgaben und zunehmenden Pilgerbesuch stark angewachsen. |
| Status: | Lebendige Pfarr- und Wallfahrtskirche an der historischen Via Sacra; Gelöbnis- und Fußwallfahrten werden bis heute durchgeführt. |
| Kultzentrum: | Das Gnadenbild Unserer Lieben Frau an der Mariensäule von 1653, die beim Bau der barocken Kirche erhalten und in die Hochaltaranlage einbezogen wurde. |
| Ort: | Hafnerberg, Gemeinde Altenmarkt an der Triesting. |
| Bezirk/Region: | Bezirk Baden, Industrieviertel / Wienerwald. |
| Bundesland: | Niederösterreich. |
| • | Hafnerberg 74, 2571 Hafnerberg, Gemeinde Altenmarkt an der Triesting. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Niederösterreich |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Pfarre: Pfarre Hafnerberg |
| • | Öffnungszeiten: Täglich von 07:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Wallfahrtskirche Hafnerberg im Jahr 1966. Die Aufnahme dokumentiert das Erscheinungsbild der weithin sichtbaren barocken Wallfahrtskirche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
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• Die Wallfahrtskirche Hafnerberg im Wienerwald. Der barocke Bau entstand ab 1729 an Stelle der älteren Kapelle und war 1745 so weit vollendet, dass das Gnadenbild feierlich auf den neuen Hochaltar übertragen werden konnte.
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• Hochaltar der Wallfahrtskirche Hafnerberg mit dem Gnadenbild im Zentrum. Die ursprüngliche Mariensäule von 1653 wurde beim Kirchenbau nicht beseitigt, sondern in die Hochaltaranlage einbezogen. Das Kultbild blieb damit am Ort, an dem die Wallfahrt ihren Ausgang genommen hatte.
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• Tragestatue der Muttergottes mit dem Jesuskind. Die Figur unbekannter Herkunft wurde während der Amtszeit des Pfarrers Franz M. Wagner, der Hafnerberg von 1939 bis 1943 betreute, in der Kirche aufgestellt und ist von dem älteren Gnadenbild am Hochaltar zu unterscheiden.
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• Deckenfresko der Wallfahrtskirche Hafnerberg von Joseph Ignaz Mildorfer, 1743/44. Das vielschichtige Programm verbindet die Rolle Mariens im göttlichen Heilsplan mit Szenen menschlicher Not und zeitgeschichtlichen Bezügen aus der Epoche des Österreichischen Erbfolgekrieges.
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• Kreuz- oder Arme-Seelen-Kapelle von 1748 bei der Wallfahrtskirche Hafnerberg. Die Darstellung der Armen Seelen im Fegefeuer gehört zur barocken Vorstellungswelt von Fürbitte, Tod und Jenseits und ergänzt den marianischen Wallfahrtskult um einen ausgeprägten Totengedenk- und Erlösungsaspekt.
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Die Wallfahrtskirche Hafnerberg liegt auf einer Anhöhe des Wienerwaldes nördlich von Altenmarkt an der Triesting und gehört zu den bedeutenden historischen Marienwallfahrtsorten des südlichen Niederösterreich. Ihre Entstehung ist eng mit der alten Pilgerverbindung von Wien nach Mariazell in der Steiermark verknüpft. Die Via Sacra führte über Heiligenkreuz und das obere Triestingtal weiter in Richtung Lilienfeld und Annaberg; an dieser viel begangenen Route entstand aus einem einzelnen Marienbildstock innerhalb weniger Jahrzehnte ein eigenständiger Wallfahrtsort.
Hafnerberg ist deshalb nicht lediglich eine Station auf dem Weg nach Mariazell. Der Ort entwickelte einen eigenen Gnadenbildkult, ein eigenes Mirakelwesen und ein ausgeprägtes Votivwesen. Die erhaltenen Quellen erlauben ungewöhnlich genaue Einblicke in die Erwartungen, Ängste und Hoffnungen der Pilger des 18. Jahrhunderts. Krankheiten, Unfälle, Gefahren für Kinder und Erwachsene, Nöte der Landwirtschaft und Bedrohungen des Viehbestandes erscheinen darin ebenso wie Dankwallfahrten, Messstiftungen, Votivtafeln, Rosenkränze, Kreuze und Schmuckstücke.
Am Anfang der Wallfahrt steht eine im Jahr 1653 errichtete Mariensäule. Als Stifter nennt die Überlieferung den aus Fischamend stammenden Müllermeister Pankraz Reichart, dessen Familienname in den Quellen und in der späteren Literatur in unterschiedlichen Schreibweisen begegnet. Die erhaltene Inschrift der Stiftung bezieht sich unmittelbar auf Reicharts erste Ehefrau Susanna, die schwer erkrankt gewesen war und nach ihrem Leiden friedlich starb. Reichart ließ die Säule gemeinsam mit seiner zweiten Frau Maria Apolonia zu Ehren Gottes und der Gottesmutter errichten.
Die erzählende Wallfahrtsüberlieferung gestaltete diesen Ursprung weiter aus. Danach habe Susanna während ihrer schweren Krankheit gelobt, bei Genesung an der Zellerstraße ein Marienbild errichten zu lassen. Sie sei zwar gesund geworden, aber gestorben, bevor das Gelübde erfüllt werden konnte. Auf einer späteren Wallfahrt nach Mariazell soll Maria Apolonia am Hafnerberg durch durchgehende Pferde in große Gefahr geraten sein und ihrerseits die Erfüllung des alten Gelübdes versprochen haben. Daraufhin sei die Gefahr gewichen und die Mariensäule errichtet worden. Historisch ist daher zwischen dem unmittelbar erhaltenen Inschriftzeugnis von 1653 und der in den Wallfahrtsquellen erzählten, ausführlicheren Stiftungsgeschichte zu unterscheiden. Beide Überlieferungsschichten gehören zur Geschichte des Kultortes, besitzen aber unterschiedlichen Quellenwert.
Besonders bemerkenswert ist, dass die ursprüngliche Säule beim Bau der späteren Kirche nicht beseitigt wurde. Sie befindet sich bis heute im Bereich des Hochaltares und trägt das Gnadenbild. Der barocke Kirchenbau umschloss somit buchstäblich den älteren Kultort. Diese bauliche Kontinuität machte die Stelle der ersten Marienverehrung zum Mittelpunkt der späteren monumentalen Wallfahrtskirche.
Die Verehrung des Marienbildes nahm im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert deutlich zu. Ein erstes Mirakel wird bereits für 1704 überliefert. 1716 ließen der Wiener Kaufmann Johann Michael Fürst und seine Frau Eva Clara eine kleine Kapelle bei der Mariensäule errichten. Der steigende Zustrom von Pilgern und die zunehmenden Opfergaben machten bald eine Erweiterung notwendig. Am 25. Juni 1726 wurde in der Kapelle erstmals eine Messe gefeiert; der Abt des nahe gelegenen Benediktinerstiftes Klein-Mariazell nahm damit den Kultort auch institutionell stärker in den geistlichen Wirkungsbereich des Klosters auf.
Hafnerberg entwickelte sich nun zu einem wichtigen Außenposten des Benediktinerstiftes "Mariazell in Österreich". Das ist für die Geschichte der regionalen Wallfahrt von großer Bedeutung: Klein-Mariazell war selbst ein alter Marienwallfahrtsort, betreute jedoch zugleich entlang der viel begangenen Pilgerroute neue Kultzentren. Mit Hafnerberg entstand ein Wallfahrtsort, dessen Erfolg schließlich weit über die Bedeutung der kleinen Anfangskapelle hinausging.
Als die Kapelle den Pilgerandrang nicht mehr aufnehmen konnte, beschloss der Konvent von Klein-Mariazell den Bau einer großen Kirche. Am 15. September 1729 wurde der Grundstein gelegt. Mit Planung und Bau war der Wiener Baumeister Daniel Dietrich befasst. Die wirtschaftliche Lage des Klosters erlaubte jedoch keine gleichmäßige Durchführung des ambitionierten Unternehmens; 1733 waren die Arbeiten weitgehend zum Stillstand gekommen.
Entscheidend für die Fortsetzung wurde die Wiener Familie Petras. Der wohlhabende hofbefreite Sattlermeister Adam Petras erklärte sich bereit, den Bau großzügig zu unterstützen, wenn sein Sohn P. Laurentius Petras, Benediktiner in Klein-Mariazell, mit der Leitung betraut würde. Laurentius übernahm 1734 die Bauaufsicht und wurde zur zentralen organisatorischen Gestalt des weiteren Kirchenbaus. Vater und Sohn wurden nach ihrem Tod in der Gruft vor dem Hochaltar bestattet.
Der Bau Hafnerbergs zeigt damit exemplarisch, wie ein barocker Wallfahrtsort zustande kommen konnte. Neben dem Kloster wirkten Wiener Bürgerfamilien, Handwerker, Künstler, Geistliche und zahlreiche kleinere Stifter zusammen. Das Stifterbuch dokumentiert diese soziale und wirtschaftliche Vernetzung ungewöhnlich anschaulich. Die Kirche war 1745 so weit vollendet, dass das Gnadenbild feierlich auf den Hochaltar übertragen werden konnte; die Ausstattung wurde in den folgenden Jahrzehnten weitergeführt und war um 1771 weitgehend abgeschlossen.
Die überlieferten Stifterverzeichnisse ermöglichen einen selten detaillierten Blick auf die materielle Entstehung einer Wallfahrtskirche. Bereits 1728/29 stellte P. Ambrosius Höll größere Geldbeträge für Kirchenbau und Hochaltar zur Verfügung. Später kamen zahlreiche Sachstiftungen hinzu. Genannt werden unter anderem ein mit Perlmutt gefasstes Jerusalemkreuz mit Kreuzpartikel, Zinnleuchter, ein silbernes vergoldetes Ziborium und zwei vergoldete, mit Steinen besetzte Kronen für das Gnadenbild.
Auch die beteiligten Handwerker waren Teil eines eng geknüpften Wiener Beziehungsnetzes. Der Schlossermeister Johann Carl Franck fertigte einen großen Teil der schmiedeeisernen Arbeiten und stellte manche Leistungen zu günstigen Bedingungen oder als Stiftung zur Verfügung. Solche Einträge zeigen, dass Frömmigkeit, bürgerliche Repräsentation, Handwerkskunst und persönliche Beziehungen beim Ausbau des Wallfahrtsortes ineinandergriffen. Eine Wallfahrtskirche entstand nicht allein durch die Entscheidung eines Klosters, sondern durch ein Netz von Menschen, die Geld, Material, Kunstwerke oder Arbeitsleistung beitrugen.
Das Kultzentrum blieb die Marienfigur der Säule von 1653. Die steinerne Muttergottes mit dem Jesuskind wurde im Verlauf der Wallfahrtsgeschichte gekrönt und bekleidet; die für das Bild gestifteten Kronen belegen, wie stark die Figur als personales Gegenüber der Pilger verstanden wurde. Mit der feierlichen Übertragung auf den neuen Hochaltar im Jahr 1745 erhielt sie den zentralen Platz innerhalb des barocken Kirchenraumes.
Bei der kunsthistorischen Zuschreibung des Hochaltares ist Vorsicht geboten. Ältere Kirchenführer nennen Balthasar Ferdinand Moll als Entwerfer. Die neuere, von Thomas Aigner betreute Darstellung zur Ausstattung Hafnerbergs folgt dagegen einer Zuschreibung an Johann Nicolaus Moll, der nach einer Vorlage beziehungsweise einem Modell Antonio Beduzzis gearbeitet habe; die Ausführung des Altares wird Johann Joseph Resler für 1743 zugeschrieben. Da beide Angaben in der Literatur fortleben, ist die unterschiedliche Zuschreibung ausdrücklich zu vermerken, anstatt eine ältere Angabe stillschweigend zu übernehmen.
Eine der wertvollsten Quellen zur Wallfahrt ist das Mirakelbuch von Hafnerberg. P. Laurentius Petras begann 1740 mit der systematischen Aufzeichnung der berichteten Gebetserhörungen, Opfergaben und Gelübde. Das umfangreiche Manuskript wird im Pfarrarchiv Hafnerberg verwahrt und wurde von Thomas Aigner vollständig wissenschaftlich bearbeitet. Es enthält mehrere hundert Berichte und zählt damit zu den besonders ergiebigen Quellen für die historische Volkskunde der niederösterreichischen Wallfahrt.
Die Einträge führen weit über eine bloße Aufzählung wunderbarer Heilungen hinaus. Sie zeigen, mit welchen Nöten Menschen den Wallfahrtsort aufsuchten und welche Erwartungen sie mit der Fürsprache Mariens verbanden. Krankheit, Unfall und körperliche Gebrechen nehmen breiten Raum ein; daneben erscheinen Gefahren in Schwangerschaft und Kindheit, Unglücksfälle sowie Sorgen um Tiere und landwirtschaftliche Existenz. Gerade darin liegt der besondere Quellenwert: Das Mirakelbuch macht nicht nur die Theologie der Wallfahrt sichtbar, sondern den Alltag jener Menschen, die ihre eigene Not in ein Gelübde übersetzten.
Die versprochene Gegenleistung bestand keineswegs immer in einem kostbaren Gegenstand. Eine Wallfahrt nach Hafnerberg, eine Messfeier oder ein Gebet konnten ebenso gelobt werden wie eine materielle Votivgabe. Das Gelübde stellte eine persönliche oder gemeinschaftliche Beziehung zwischen Bittendem und Kultort her. Nach überstandener Gefahr wurde die versprochene Handlung vollzogen und damit öffentlich oder zumindest am Wallfahrtsort sichtbar gemacht.
Das Mirakelbuch und das Stifterbuch nennen eine große Bandbreite von Votiv- und Andachtsgegenständen. Gestiftet wurden unter anderem Medaillen, Bilder, Kreuze, Rosenkränze und Schmuck. Auch Andachtsbilder anderer Kultorte und Heiliger – darunter Mariazell, die hl. Notburga und die hl. Corona – begegnen in den Aufzeichnungen. Solche Gegenstände zeigen, wie stark die Wallfahrer ihre religiösen Erfahrungen aus unterschiedlichen Kultorten und Heiligenverehrungen miteinander verbanden.
Besonders häufig waren Votivtafeln. Die Quellen verwenden dafür unterschiedliche Bezeichnungen wie Bild, Tafel oder Opfertafel. Die Tafeln konnten aus Holz, Leinwand, Blech, Papier oder Glas bestehen. Für die Volkskunde sind gerade die gemeinschaftlichen Votivbilder bedeutsam, weil sie neben dem Gnadenbild häufig Dörfer, Landschaften, Prozessionen, Unglücksszenen oder Viehherden wiedergeben und damit Zeugnisse historischer Lebenswelten darstellen.
Thomas Aigner dokumentierte im Presbyterium zwei Votivbilder des 18. Jahrhunderts. Das ältere wurde 1741 von der Gemeinde Großau gestiftet und lässt sich sogar mit einem Eintrag des Mirakelbuches verbinden. Neben der Gottesmutter erscheinen die Gemeinde und eine Viehherde. Ein zweites Bild aus Siegenfeld trägt die Jahreszahl 1762 und zeigt Maria gemeinsam mit den Viehpatronen Leonhard und Jodok. Beide Tafeln verdeutlichen, wie eng Wallfahrt, bäuerliche Existenzsicherung und die Sorge um den Tierbestand miteinander verbunden waren.
Zu den herausragenden Kunstwerken Hafnerbergs gehört das 1743/44 entstandene Deckenfresko von Joseph Ignaz Mildorfer. Der 1719 geborene Maler, Schüler Paul Trogers, erhielt hier seinen ersten großen selbständigen Auftrag. Das Fresko ist nicht als bloße dekorative Deckenmalerei zu verstehen, sondern als komplexes theologisches und zugleich zeitgeschichtliches Programm.
Im Zentrum steht der göttliche Heilsplan und die Rolle Mariens darin. Die Komposition gliedert sich in eine himmlische Mittelzone und umlaufende Bildbereiche, die sich nicht von einem einzigen Standpunkt erschließen. Der Betrachter muss sich im Kirchenraum bewegen und die Szenen nacheinander lesen. Damit wird der Kirchenbesuch selbst zu einem räumlichen Vorgang der Betrachtung.
Besonders bemerkenswert ist die direkte Hinwendung an die Wallfahrer. In der äußeren Zone erscheinen Menschen mit ihren konkreten Nöten: ein krankes Kind, ein Gehbehinderter mit Krücken und weitere Hilfesuchende. Das Fresko stellt damit gewissermaßen jene Menschen dar, deren Sorgen auch im Mirakelbuch aufgezeichnet wurden. Der reale Pilger im Kirchenraum konnte sich in den gemalten Bittenden wiedererkennen.
Darüber hinaus griff Mildorfer die politische Gegenwart seiner Zeit auf. Das Fresko entstand während des Österreichischen Erbfolgekrieges und verbindet die traditionelle habsburgische Frömmigkeit mit der Legitimation des Hauses Habsburg-Lothringen. Dynastische Symbolik und Heilsgeschichte werden ineinander verschränkt. Auch konfessionelle Polemik der Gegenreformation ist in einzelnen Szenen erkennbar. Der Bildzyklus ist daher zugleich Wallfahrtskunst, theologisches Lehrbild und Dokument der politischen Vorstellungswelt der 1740er-Jahre.
Die barocke Ausstattung der Kirche wurde über Jahrzehnte ergänzt. Seitenaltäre, Beichtstühle, Skulpturen und schmiedeeiserne Arbeiten bilden gemeinsam mit Hochaltar und Fresko ein weitgehend geschlossenes Ensemble des 18. Jahrhunderts. Die außerhalb beziehungsweise im unmittelbaren Umfeld der Kirche errichtete Kreuz- oder Arme-Seelen-Kapelle von 1748 erinnert mit ihrem Kruzifix und den Darstellungen der Seelen im Fegefeuer an die barocke Sorge um Tod, Jenseits und Fürbitte.
Von besonderer Bedeutung ist auch die Orgel. Das 1767 vollendete Instrument Anton Pflieglers besitzt zwei Manuale und Pedal mit insgesamt 17 Registern. Es gehört zu den seltenen barocken Orgeln der Region, deren historische Substanz in ungewöhnlich hohem Maß erhalten blieb. 2019 wurde das Instrument restauriert.
Die heute in der Kirche vorhandene Tragestatue der Muttergottes mit dem Jesuskind ist vom historischen Gnadenbild zu unterscheiden. Ihre Herkunft ist nicht bekannt; sie wurde während der Amtszeit des Pfarrers Franz M. Wagner zwischen 1939 und 1943 aufgestellt. Als bewegliche Marienfigur verweist sie auf eine andere Form der Wallfahrtspraxis als das fest in den Hochaltar integrierte Gnadenbild.
Die staatlichen Reformen des späten 18. Jahrhunderts trafen auch Hafnerberg. Unter Maria Theresia wurden Wallfahrten 1772 stark eingeschränkt; für Hafnerberg bestand zunächst eine Sondergenehmigung. Im Zuge der josephinischen Kirchen- und Klosterreformen fiel diese Begünstigung weg. Mit der Aufhebung des Benediktinerstiftes Klein-Mariazell 1782 verlor Hafnerberg zugleich seinen bisherigen klösterlichen Träger. In der Neuordnung von 1782/83 wurde die Wallfahrtskirche zur Pfarr- beziehungsweise Lokalkirche für die Umgebung.
Die institutionelle Veränderung bedeutete jedoch nicht das Ende der Wallfahrt. Nach dem Tod Josephs II. wurden Wallfahrten wieder leichter möglich, und Hafnerberg blieb als Marienheiligtum im regionalen Gedächtnis verankert. Gerade Gelöbniswallfahrten einzelner Gemeinden bewahrten ältere Formen gemeinschaftlicher Verpflichtung über politische und kirchliche Umbrüche hinweg.
Die Wallfahrt nach Hafnerberg ist bis heute lebendig. Neben Einzelpilgern und Gruppen auf der Via Sacra kommen weiterhin organisierte Fuß- und Gelöbniswallfahrten zur Kirche. Solche Wallfahrten knüpfen unmittelbar an die ältere Praxis an, in einer Notlage einen gemeinsamen Gang zum Gnadenbild zu versprechen und dieses Gelübde später regelmäßig zu erneuern.
Ein anschauliches Beispiel ist die Gelöbniswallfahrt der Pfarre Alland, deren Entstehung mit den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges und der Bitte um dauerhaften Frieden verbunden wird. Auch aus anderen Orten des Wienerwaldes werden Gelöbnis- und Fußwallfahrten nach Hafnerberg durchgeführt. Noch für 2026 ist eine Gelöbniswallfahrt mit eigener Wallfahrtsmesse am Hafnerberg dokumentiert. Damit ist der Ort nicht nur ein kunsthistorisches Denkmal einer vergangenen Wallfahrtskultur, sondern weiterhin Ziel praktizierter gemeinschaftlicher Frömmigkeit.
Für die volkskundliche Wallfahrtsforschung besitzt Hafnerberg einen außergewöhnlichen Quellenwert. Nur selten lässt sich die Entwicklung eines Kultortes von einer einzelnen Stiftung über die ersten Mirakel und die Entstehung einer Kapelle bis zum monumentalen Kirchenbau so dicht verfolgen. Mirakelbuch, Annalen und Stifterbuch machen sichtbar, wie persönliche Not, Gelübde, Opfergabe und Dank miteinander verbunden waren.
Die Quellen zeigen zugleich die soziale Breite der Wallfahrt. Wiener Bürger und Handwerker begegnen neben ländlichen Gemeinden; kostbare Metallarbeiten und Schmuck stehen neben einfachen Andachtsbildern und dem Versprechen einer Fußwallfahrt. Die beiden erhaltenen Votivtafeln führen unmittelbar in die bäuerliche Lebenswelt, während Mildorfers Fresko dieselben Sorgen in monumentaler Form in den Kirchenraum überträgt. Hafnerberg ist damit ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie sich ein barocker Wallfahrtsort aus dem Zusammenwirken von Kultbild, Erzählung, Gelübde, Kunst, wirtschaftlicher Stiftung und tatsächlicher Pilgerpraxis entwickelte.
- Aigner, Thomas: Das Mirakelbuch der Wallfahrtskirche Hafnerberg in Niederösterreich. Edition und Kommentar. Diplomarbeit, Universität Wien, Wien 1994.
- Aigner, Thomas: Quellen zur Geschichte der Wallfahrtskirche Hafnerberg. Mirakelbuch und Annalen. Hausarbeit am Institut für Österreichische Geschichtsforschung, Wien 1995.
- Aigner, Thomas: Mariazell in Österreich. Eine Klostergemeinschaft zwischen Reformation und Aufklärung. Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs, Band 2, St. Pölten 1998.
- Aigner, Thomas: Im dicken und finsteren Wald oder mitten im Geschehen? Das Benediktinerstift Mariazell in Österreich und seine Verflechtungen mit Wien im 17. und 18. Jahrhundert. In: Unsere Heimat, Beiträge zur Geschichte des Landes Niederösterreich, St. Pölten 2017.
- Bartl, Othmar: Wallfahrtskirche Hafnerberg. Verlag St. Peter, Salzburg 2003.
- Frey, Dagobert (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Baden. Österreichische Kunsttopographie, Band XVIII, Wien 1924, Abschnitt Hafnerberg.
- Beschreibung des Ursprungs, Aufnahm und Fortsetzung der Andacht zu Unser Lieben Frauen auf dem Hafnerberg in Unter-Österreich. 1753. Historische Quelle mit Nachrichten zur Entstehung der Wallfahrt, zu Opfergaben und Mirakeln.
- Gedächtnis des Landes: Nöstach und Hafnerberg.
- Mariazell im Wienerwald: Joseph Ignaz Mildorfer und das Fresko am Hafnerberg.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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