Altenmarkt an der Triesting, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Corona am Schöpfl

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Heilbrunnen- und Coronawallfahrt; die Quelle war bereits im Mittelalter bekannt, 1444 wurde neben dem Brunnen eine Kapelle errichtet.
Status:Historischer Wallfahrtsort mit erhaltener Pfarr- und Wallfahrtskirche und Heiligem Brunnen; die ältere Brunnenwallfahrt prägt den Ort bis heute.
Kultzentrum:Heiliger Brunnen (Heiligenbrunn, Gesundbrunnen oder Kaiserbrunnen) und die Verehrung der hl. Corona; das Wasser wurde besonders bei Augenleiden und Viehkrankheiten aufgesucht.
Ort:St. Corona am Schöpfl / Altenmarkt an der Triesting
Region:Industrieviertel
Bundesland:Niederösterreich
Lage und Besuch
•Lage: St. Corona am Schöpfl 24, 2572 St. Corona am Schöpfl, Gemeinde Altenmarkt an der Triesting.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Industrieviertel
•Ansicht in Street View (Brunnen)
•Web: Pfarre St. Corona am Schöpfl
• Öffnungszeiten: Die Kirche ist in der Regel täglich von 07:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.
Direkt zum Inhalt
•Bilddokumentation
•Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.

Foto von Wallfahrtskirche einsenden

Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.

Ausführliche Beschreibung

Der Heilige Brunnen und die Entstehung der Wallfahrt

Die geschichtliche und religiöse Wurzel des Wallfahrtsortes ist der unterhalb der Kirche gelegene Heilige Brunnen, der auch Heiligenbrunn, Gesundbrunnen oder Kaiserbrunnen genannt wurde. Die Gegend war im Mittelalter noch weitgehend unbesiedelt, doch die Quelle war bereits bekannt. Ihrem zinnfarbenen Wasser schrieb man heilende Kräfte zu. Besonders Menschen mit Augenleiden suchten hier Hilfe; das Wasser wurde aber auch gegen Krankheiten des Viehs verwendet. Die Pilger verbanden den Gebrauch des Wassers mit Gebet und Vertrauen auf die Fürsprache der Heiligen.

Als die Zahl der Wallfahrer zunahm, wurde 1444 neben dem Brunnen eine hölzerne Kapelle mit Altar errichtet. Auf Bitten des Abtes Michael des Benediktinerklosters Mariazell in Österreich, des heutigen Klein-Mariazell, weihte der Passauer Weihbischof Johannes den Altar zu Ehren der heiligen Corona und der heiligen Anna. Mit der Weihe war ein Ablass verbunden. Die Bezeichnung Heiligenbrunn blieb im Volksmund bis in die Gegenwart erhalten.

Zahlreiche Votivgaben bezeugten die Hoffnung der Wallfahrer auf Heilung. Nach der Pfarrchronik befanden sich darunter die Krücken eines Knaben, der am Brunnen von einer Lähmung geheilt worden sein soll. Diese Votivgaben werden heute unter dem Volksaltar aufbewahrt.

Geschichte

Beim ersten osmanischen Einfall von 1529 wurde die hölzerne Kapelle zerstört. Das Heiligtum wurde an dieser Stelle zunächst nicht wiedererrichtet; die Bevölkerung pilgerte jedoch weiterhin zur heilkräftigen Quelle. Im 17. Jahrhundert wurde bei der planmäßigen Erschließung der landesfürstlichen Waldgebiete erneut auf die Reste der Kapelle und den noch immer besuchten Brunnen aufmerksam.

Kaiser Leopold I. ordnete den Wiederaufbau an. 1682 bewilligte die Hofkammer Geld für eine neue Kapelle und ein Wirtshaus, das der Unterkunft der Wallfahrer und eines ständigen Bewohners dienen sollte. Der zweite osmanische Einfall von 1683 verhinderte zunächst die Ausführung.

Ab 1694 wurden im sogenannten Kaiserwald Holzknechtfamilien aus verschiedenen Alpenländern der Habsburgermonarchie angesiedelt. Sie sollten den bis dahin wenig genutzten Bannwald erschließen und das Holz über den Coronabach und die Triesting abtransportieren. 1699 war das Gasthaus fertiggestellt; um 1700 bestand wieder eine hölzerne Kapelle mit Inneneinrichtung und zwei Glocken.

Diese Kapelle wurde 1719 abgetragen. Auf ihren Fundamenten entstand bis 1722 die heutige Kirche, wobei Teile der Ausstattung des Vorgängerbaues übernommen wurden. Am 16. Mai 1722 feierte der Abt von Klein-Mariazell die erste Messe und weihte das Gotteshaus den Heiligen Corona und Anna. Kaiser Karl VI. stiftete 1724 eine eigene Seelsorgestelle für die Holzknechte und Wallfahrer; der Pfarrhof entstand wenige Jahre später.

Nach der Aufhebung des Benediktinerklosters Klein-Mariazell 1782 wurde St. Corona zunächst noch von einem der früheren Klostergeistlichen betreut. Danach übernahmen Weltpriester die Seelsorge. Eine umfassende Umgestaltung der Ausstattung erfolgte 1864 beziehungsweise 1865. Bei einem Kirchenraub im Jahr 1869 wurden Messgewänder, Paramente und liturgische Geräte geraubt oder beschädigt.

Im April 1945 lag der Ort im Kampfgebiet. Zahlreiche Gebäude, darunter Schule und Pfarrhof, gerieten in Brand. Die Bevölkerung fand im Keller des Pfarrhofes Schutz; die alte Wallfahrtskirche konnte vor der Zerstörung bewahrt werden. 2001 wurde hinter der Kirche eine Mariengrotte "Königin des Friedens" angelegt, von der ein Kreuzweg zu einem 1994 errichteten Besinnungskreuz führt.

Die Legende von der Monstranz im Heiligen Brunnen

Mit dem zweiten osmanischen Einfall von 1683 verbindet sich eine eucharistische Rettungslegende. Ein Priester aus dem Kloster Klein-Mariazell soll auf der Flucht vor osmanischen Reitern eine silberne Monstranz mit dem Allerheiligsten in den Heiligen Brunnen geworfen haben, um sie vor der Schändung zu bewahren. Als die Verfolger die Quelle erreichten, sollen ihre Pferde vor dem Brunnen in die Knie gesunken sein.

Nach einer erweiterten Fassung der Überlieferung wurde die Monstranz etwa sechzig Jahre später unversehrt aus dem Brunnen geborgen; selbst die darin befindliche Hostie soll unverändert erhalten geblieben sein. Die Legende verbindet die ältere Heilbrunnenwallfahrt mit der katholischen Eucharistieverehrung und erklärt den Brunnen nicht nur als heilkräftige Quelle, sondern als durch das Allerheiligste geheiligten Ort.

Der Heilige Brunnen

Der Brunnen erhielt 1877 seine heutige repräsentative Fassung und wurde am 9. September desselben Jahres neu eingeweiht. Über der Quelle erhebt sich ein von sechs Pfeilern getragener, neugotisch wirkender Baldachin aus Gusseisen. Bekrönt wird er von einer vergoldeten Figurengruppe der Heiligen Dreifaltigkeit. Die Anlage erinnert an eine offene Kapelle und bildet innerhalb des Ortes einen eigenständigen sakralen Bereich.

Volkskundlich ist bemerkenswert, dass die Kirche nicht an der Stelle des Brunnens steht. Quelle und Gotteshaus bilden zwei räumlich getrennte, aber kultisch eng miteinander verbundene Pole: Die Wallfahrer besuchten die Messe in der Kirche und suchten anschließend den Brunnen zum Gebet, zur Waschung oder zur Entnahme des Wassers auf.

Verehrung der heiligen Corona

Die frühchristliche Märtyrerin Corona wird gewöhnlich gemeinsam mit dem heiligen Viktor verehrt. Nach der Legende bekannte sich die sechzehnjährige Corona während des Martyriums des Soldaten Viktor öffentlich zum Christentum. Zur Strafe wurde sie zwischen zwei niedergebogene Palmen gebunden. Als man die Bäume zurückschnellen ließ, wurde ihr Körper zerrissen.

In der Kunst erscheint sie daher als jugendliche Märtyrerin mit Palme und Krone oder zwischen zwei gebogenen Bäumen. Ihr Name wurde mit der lateinischen "corona", der Krone, verbunden. Daraus entwickelten sich volkstümliche Patronate in Geldangelegenheiten sowie ihre Anrufung durch Schatzgräber. In St. Corona am Schöpfl dürfte ihre Verehrung zusätzlich durch die Lebenswelt der angesiedelten Holzknechte und Waldarbeiter gefördert worden sein.

Kirchenbau

Die Kirche ist ein kleiner, barocker Saalbau mit eingezogenem Chor und niedrigen seitlichen Anbauten. Der vorgestellte Westturm steht am höchsten Punkt des Kirchhügels. Er besitzt rundbogige Schallfenster und eine weithin sichtbare, mit hellem Blech gedeckte Zwiebelhaube. Das Langhaus ist mit einem im Osten abgewalmten Dach gedeckt; hohe Segmentbogenfenster belichten den schlichten Innenraum.

Die bescheidene Architektur entspricht sowohl der Funktion als Wallfahrtskirche als auch der ursprünglichen Bestimmung als Gotteshaus für die Holzknechtsiedlung. Kirche, Pfarrhof, Brunnen und ehemaliges Wallfahrerwirtshaus bildeten gemeinsam ein kleines religiöses und wirtschaftliches Zentrum.

Altarraum und Ausstattung

Der Hochaltar wurde bei der Restaurierung des 19. Jahrhunderts aus zeitlich unterschiedlichen Teilen neu zusammengestellt. Sein großes ovales Altarbild zeigt die Heiligen Viktor und Corona. Unterhalb des Gemäldes befindet sich ein Tragebild der heiligen Corona, das bei Prozessionen verwendet werden konnte. Das aus der Erbauungszeit stammende Corona-Altarbild gehört neben einem Allerheiligenbild aus dem späten 18. Jahrhundert zu den wichtigsten Kunstwerken der Kirche.

Die Seitenaltarbilder der heiligen Corona und des heiligen Vinzenz wurden 1865 von Leopold Till, einem Schüler Leopold Kupelwiesers, geschaffen. Zur älteren Ausstattung gehört außerdem ein sogenannter Familienaltar aus dem Jahr 1725.

Unter dem Volksaltar werden Votivgaben der Wallfahrer verwahrt. Damit bleibt die Verbindung zwischen dem liturgischen Kirchenraum und der älteren Heilbrunnenwallfahrt sichtbar.

Volkskundliche Bedeutung

St. Corona am Schöpfl ist ein besonders anschauliches Beispiel einer Brunnenwallfahrt, aus der sich später ein Kirchen- und Ortsheiligtum entwickelte. Der Kult begann nicht mit einem Gnadenbild oder einer Erscheinung, sondern mit einer Quelle, deren Wasser als heilsam galt. Erst der zunehmende Zustrom der Hilfesuchenden führte zur Errichtung einer Kapelle.

Die Verwendung des Wassers bei Augenleiden und Viehkrankheiten zeigt die enge Verbindung von religiöser Heilsuche, Volksmedizin und bäuerlicher Wirtschaftsweise. Die Pilger erwarteten keine rein natürliche Heilwirkung, sondern verbanden das Wasser mit Gebet, Gelübden und der Fürsprache der heiligen Corona. Krücken und andere Votivgaben machten die erhoffte oder erfahrene Hilfe öffentlich sichtbar.

Die Monstranzlegende ergänzte den älteren Quellenkult um ein starkes eucharistisches Motiv. Das Knien der Pferde vor dem Brunnen bezeichnet in der Überlieferung die Anerkennung des Allerheiligsten selbst durch Tiere und Andersgläubige. Die angeblich unversehrt geborgene Hostie steigerte den Rang des Brunnens zu einem Wunderort.

Eine weitere volkskundliche Besonderheit liegt in der Verbindung von Wallfahrt und Waldwirtschaft. Die von der habsburgischen Verwaltung angesiedelten Holzknechte benötigten Kirche, Seelsorge und Unterkunft. Der Wallfahrtsort war daher zugleich religiöser Mittelpunkt einer Arbeits- und Siedlungsgemeinschaft. Die alte Bezeichnung Heiligenbrunn bewahrt bis heute die Erinnerung daran, dass nicht die Kirche, sondern die Quelle am Anfang der Ortsgeschichte stand.

Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at