| Wallfahrt: | Historische Marienwallfahrt zur Triesner Marienkapelle, dem "Kappili". Bittgänge kamen unter anderem aus Schaan; noch im 20. Jahrhundert erinnerten Votivtafeln, Gaben, Krücken und Stöcke an Gebetserhörungen. |
| Status: | Historischer regionaler Wallfahrtsort mit fortdauernder intensiver liturgischer Nutzung. Die Kapelle ist heute regelmäßig Ort von Messe, Rosenkranz und eucharistischer Andacht. |
| Kultzentrum: | Die Marienkapelle selbst mit mittelalterlichem Marienzyklus, barocker Altarausstattung und dem religiösen Erinnerungsbestand an Votivgaben und Gebetserhörungen. |
| Ort: | Triesen. |
| Bezirk/Region: | Gemeinde Triesen, Oberland. |
| Bundesland: | Fürstentum Liechtenstein. |
| • | Kapelle St. Maria, Kappeliweg 5, 9495 Triesen, Liechtenstein; im unteren Bereich von Gapont. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Liechtenstein |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Öffnungszeiten: Die Kapelle wird regelmäßig liturgisch genutzt. Nach der veröffentlichten Pfarreiordnung finden dort unter anderem eine Sonntagsmesse sowie Rosenkranzgebete statt; für Besichtigungen außerhalb der Gottesdienstzeiten ist eine vorherige Absprache mit der Pfarrei sinnvoll. |
| • | Gemeinde Triesen - Kirche und Kirchliches |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Marienkapelle St. Maria steht im unteren Teil von Gapont und wird im lokalen Sprachgebrauch schlicht "Kappili" genannt. Archäologische Befunde reichen in das 13. Jahrhundert zurück; schriftlich erscheint das Marienpatrozinium 1415. Damit gehört der Ort zu den älteren erhaltenen Sakralplätzen Triesens.
Die heutige Gestalt entstand wesentlich 1653/54. Beim Neubau wurde ein Teil der älteren Südwand übernommen, 1654 wurden drei Altäre geweiht und der Turm errichtet. Die Kapelle ist damit ein Bau, in dem mittelalterliche Substanz und barocke Erneuerung buchstäblich ineinander stehen.
Die Marienkapelle war über Jahrhunderte ein beliebtes Ziel von Bittgängen und Prozessionen. Besonders konkret ist die Praxis für die Pfarrei Schaan belegt: Schaaner gingen am 5. Februar, am ersten Freitag im Mai und am 6. September nach Triesen. Der Kapellenbesuch war also in einen fest terminierten Jahreslauf eingebunden und nicht bloß gelegentliche private Andacht.
Solche Bittgänge verbanden religiöse Bitte mit körperlicher Bewegung durch die Landschaft. Die Gruppe verließ die eigene Pfarrei, ging gemeinsam zu einem fremden Marienort und kehrte danach wieder zurück. Die geringe Entfernung zwischen Schaan und Triesen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade diese regionalen Fußwallfahrten über Jahrhunderte einen wesentlichen Teil der alpinen Volksfrömmigkeit bildeten.
Noch in den 1930er Jahren sollen zahlreiche Votivgaben und Votivtafeln sowie abgelegte Krücken und Stöcke in der Kapelle an Gebetserhörungen erinnert haben. Diese Gegenstände sind ein starkes Zeugnis dafür, dass die Marienkapelle nicht nur Ziel kalendarischer Prozessionen war, sondern auch als Ort konkreter Hoffnung auf Hilfe und Heilung galt.
Abgelegte Gehhilfen gehören zum klassischen Formenschatz europäischer Heilungswallfahrten. Sie demonstrierten sichtbar, dass ein Kranker oder Verletzter die Hilfe nicht mehr benötige. Ob jeder einzelne Gegenstand tatsächlich mit einer medizinisch erklärbaren Heilung verbunden war, ist für die volkskundliche Aussage zweitrangig: Entscheidend ist, dass die Gläubigen sie als öffentliches Zeichen einer erhörten Bitte verstanden.
Bei Arbeiten 1964 wurden in der älteren Südwand Fresken eines Marienzyklus aus der Zeit um 1415 freigelegt. Sie gehören zu den kunsthistorisch wichtigsten Bestandteilen der Kapelle. Gleichzeitig prägt den Raum eine barocke Ausstattung aus dem 17. Jahrhundert. Nach der Restaurierung 2001/02 wurde der Innenraum wieder stärker auf diesen barocken Zustand zurückgeführt.
Der Hochaltar besitzt ein Altarblatt des Churer Malers G. W. Gressner, das den "Zorn Gottes" darstellt und gewöhnlich als Pestbild bezeichnet wird. Die beiden Seitenaltäre sind der hl. Anna und dem Rosenkranzgeheimnis gewidmet. Damit verbinden sich im kleinen Raum Marienverehrung, Pestfrömmigkeit, Rosenkranz und Familienheilige zu einem dichten Bildprogramm.
1627 wurde in Triesen eine Rosenkranzbruderschaft gegründet. Auch wenn Bruderschaft und Marienkapelle nicht in jeder Quelle als identische Institution erscheinen, gehören beide in denselben religiösen Horizont: gemeinschaftliches Rosenkranzgebet, Marienfeste, Prozessionen, gestiftete Messen und die Sorge um das Seelenheil Lebender und Verstorbener.
Die Kapelle zeigt damit beispielhaft, wie sich ein älterer Marienort im 17. Jahrhundert neu verdichtete. Der Dreißigjährige Krieg, Pestängste und die katholische Reform gaben der Bitte um Schutz zusätzliche Dringlichkeit, während der barocke Neubau und seine Altäre dem Kult eine neue sichtbare Gestalt verliehen.
Die alte Wallfahrtsfunktion ist heute nicht mehr in Form eines großen selbständigen Pilgerbetriebs organisiert. Die Kapelle ist aber keineswegs funktionslos geworden. Sie wird regelmäßig für Messfeiern, Rosenkranz und weitere Andachten verwendet und ist dadurch weiterhin ein lebendiger religiöser Raum.
Für die Einordnung ist deshalb die Formulierung "historischer Wallfahrtsort mit fortdauernder liturgischer Nutzung" präziser als die Behauptung einer heute unverändert bestehenden Wallfahrt. Das historische Quellenbild ist stark genug, Triesen eindeutig in die Liechtensteiner Wallfahrtskarte aufzunehmen.
Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. Bd. 2: Das Oberland. Bern 2007 (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Neue Ausgabe, Bd. 112), S. 124–135.
Marienkapelle Triesen. Hg. von der Gemeinde Triesen. Triesen 2003.
Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. Basel 1950 (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Sonderband), S. 130–135.
Judith Niederklopfer-Würtinger: "Kapelle St. Maria"; Jürgen Schindler: "Triesen", in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online.
Gemeinde Triesen: Kultur- & Naturparcours 1. Triesen 2014, Abschnitt "Marienkapelle".
Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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