Dux, Schaan - Kapelle Maria zum Trost

Schnellüberblick
Wallfahrt:Alte Marienwallfahrt zur "Maria zum Trost" auf Dux. Zahlreiche Votivtafeln belegen den Gnadenkult; im Zweiten Weltkrieg führten Gelöbniswallfahrten nach Dux, 1945 folgte eine Dankeswallfahrt des Landes.
Status:Lebendiger Marien-, Andachts- und Gottesdienstort mit herausragender Bedeutung für die liechtensteinische Landesfrömmigkeit des 20. Jahrhunderts. Die historische Wallfahrt ist eindeutig belegt.
Kultzentrum:Das um 1740 entstandene Gnadenbild einer bekleideten Madonna mit Kind am barocken Hochaltar, umgeben von einem dreifachen Wolkenkranz.
Ort:Dux, Gemeinde Schaan.
Bezirk/Region:Gemeinde Schaan, Oberland.
Bundesland:Fürstentum Liechtenstein.
Lage und Besuch
Dux-Kapelle, Duxweg 35, 9494 Schaan, Liechtenstein; oberhalb des Dorfzentrums am Duxweg.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Liechtenstein
Ansicht in Street View
Öffnungszeiten: Die Kapelle wird regelmäßig liturgisch genutzt; in der Pfarrei St. Laurentius finden dort auch Werktagsmessen und Andachtszeiten statt. Für einen gezielten Innenbesuch außerhalb der Gottesdienste empfiehlt sich eine Anfrage beim Pfarramt Schaan.
Gemeinde Schaan - Religion und Duxkapelle
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Eine Wallfahrt, die einen Neubau notwendig machte

Die Kapelle Maria zum Trost liegt auf Dux oberhalb des alten Schaaner Siedlungsraums. Bereits vor dem heutigen Bau bestand hier eine kleine Marienkapelle. Als die Gemeinde 1716 beschloss, das Gotteshaus "vom Fundament" neu zu errichten, war am Ort bereits eine Wallfahrt entstanden. Die Gemeinde Schaan nennt gerade diesen Pilgerzustrom als Anlass dafür, die ältere Kapelle zu erneuern und zu vergrößern.

Der dreiseitig geschlossene Chor dürfte noch auf den älteren Bau zurückgehen. Das heutige Schiff entstand 1716; 1743 wurde die Kapelle unter dem Titel "Maria zum Trost" geweiht. Der Turm kam 1789 hinzu, die Vorhalle 1829. In dieser Form gilt die Duxkapelle als besonders geschlossenes Beispiel ländlicher Barockarchitektur in Liechtenstein.

Das Gnadenbild "Maria zum Trost"

Im Mittelpunkt der Wallfahrt steht eine um 1740 entstandene Bekleidungsmadonna mit Kind. Das Gnadenbild befindet sich am Hochaltar im Chor und ist von einem dreifachen Wolkenkranz umgeben. Die textile Bekleidung von Marienfiguren war in der barocken Frömmigkeit weit verbreitet: kostbare Gewänder konnten gestiftet, gewechselt und den Festzeiten angepasst werden und machten das Kultbild zugleich zum Empfänger sichtbarer Gaben.

Die Verehrung beschränkte sich nicht auf das Bild allein. Der linke Seitenaltar zeigt Maria Magdalena, darüber Johannes den Evangelisten; der rechte den hl. Georg im Kampf mit dem Drachen, darüber die hl. Agatha. Die Emporenbrüstung bemalte Joseph Walser aus Feldkirch 1746 mit sieben Szenen aus dem Marienleben. Die Gewölbemalereien der Vorhalle beziehungsweise Kapelle mit weiteren Marienszenen stammen von Mathias Jehly aus Bludenz und wurden 1843 geschaffen.

Votivtafeln als Zeugnisse einer regen Wallfahrt

Das Historische Lexikon hebt ausdrücklich die zahlreichen Votivtafeln hervor, die auf eine rege Wallfahrt hinweisen. Solche Tafeln sind für die Volkskunde besonders wertvoll. Sie markieren die Beziehung zwischen einem persönlichen Notfall und dem verehrten Gnadenbild: Krankheit, Unfall, Gefahr oder eine andere Krise wird bildlich oder schriftlich festgehalten, die Hilfe Marias bezeugt und der Dank öffentlich im Heiligtum hinterlassen.

Neben diesen individuellen Zeugnissen besitzt Dux auch ein militärgeschichtlich bemerkenswertes Votivbild. Es zeigt ein Lager des österreichischen Regiments Breis bei Dux im Jahr 1796. Das Original befindet sich heute im Liechtensteinischen Landesmuseum; in der Kapelle hängt eine Kopie. Damit verbindet sich am Wallfahrtsort private Frömmigkeit mit Erinnerungen an die politischen und militärischen Bedrohungen des Rheintals.

Dux im Zweiten Weltkrieg: Gelöbnis und Landeswallfahrt

Eine neue landesweite Bedeutung erhielt Dux während des Zweiten Weltkriegs. 1940 unternahmen die Müttervereine und der Dritte Orden Wallfahrten zur Kapelle; 1943 folgte eine Gelöbniswallfahrt der Jugend. Solche Wallfahrten sind aus der Situation eines neutralen Kleinstaates zu verstehen, der zwar vom Krieg verschont blieb, aber unmittelbar an die von nationalsozialistischem Deutschland beherrschten Gebiete angrenzte.

Nach dem Kriegsende führte 1945 eine Dankeswallfahrt des Landes nach Dux. Der Ort wurde damit zu einem religiösen Gedächtnisplatz für die Erfahrung von Bedrohung und Verschonung. Diese Landeswallfahrt ist ein besonders starkes Argument für die Aufnahme von Dux in eine europäische Wallfahrtsdokumentation: Der Kult war nicht nur lokal, sondern konnte in einer historischen Ausnahmesituation die gesamte staatliche Gemeinschaft symbolisch sammeln.

Landesweihe und fürstliche Frömmigkeit

Fürst Franz Josef II. stellte 1940 auf Dux Volk und Land unter den Schutz Mariens. 1978 wiederholte er diese Weihe. Beim Besuch Papst Johannes Pauls II. in Liechtenstein 1985 wurde die marianische Weihe erneuert. Dadurch erhielt Dux eine über die gewöhnliche Kapellenfrömmigkeit hinausgehende politische und religiöse Symbolik.

Diese Vorgänge sollten nicht mit einer kirchenrechtlichen Erhebung zu einem Nationalheiligtum verwechselt werden. Sie zeigen jedoch, dass die Kapelle als Ort gewählt wurde, an dem sich persönliche Marienverehrung, fürstliche Repräsentation und die Vorstellung eines unter Marias Schutz stehenden Landes miteinander verbinden konnten.

Vom Bittgang zum heutigen Gottesdienstort

Dux war auch in die ältere Prozessionslandschaft Schaans eingebunden. Die Pfarrei kannte zahlreiche Umgänge und Bittgänge; am Sonntag nach dem Fest Johannes des Täufers führte eine Prozession nach Dux. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden viele solcher Wege unter dem Einfluss josephinischer Reformen eingeschränkt, doch der Marienkult an der Kapelle blieb bestehen.

Heute ist die Duxkapelle weiterhin Teil des aktiven Pfarreilebens. Regelmäßige Gottesdienste und Gebetszeiten halten den Ort religiös gegenwärtig. Die historische Wallfahrt ist deshalb nicht nur museal über Votivtafeln und Quellen greifbar, sondern lebt in einer kontinuierlichen Nutzung des Kultortes fort.

Ein Ort zwischen Wallfahrt und Ortsgeschichte

Unmittelbar bei Dux wurden 1887 zwei römische Legionärshelme aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. gefunden. Sie sind keine christlichen Wallfahrtsobjekte; ihre Erwähnung gehört vielmehr zur langen Besiedlungs- und Erinnerungsgeschichte des Platzes. Gerade an Dux liegen archäologischer Fundort, barocke Kapelle, Marienwallfahrt und moderne Landesgeschichte ungewöhnlich dicht nebeneinander.

Für die Wallfahrtsgeschichte bleibt der entscheidende Kern das Gnadenbild "Maria zum Trost", um das sich über Jahrhunderte Votivwesen, Prozessionen, Gelöbnisse und Dankwallfahrten sammelten. Dux zählt deshalb zu den am besten belegten Wallfahrtsorten Liechtensteins.

Literatur und Quellen

Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. Bd. 2: Das Oberland. Bern 2007 (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Neue Ausgabe, Bd. 112), S. 364–372.

Harald Wanger: Die Kirchen und Kapellen von Schaan. Schaan 1998.

Harald Wanger: Die Pfarrei Schaan-Planken in Geschichte und Gegenwart. Schaan 1991.

Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. Basel 1950 (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Sonderband), S. 98–103.

Johann Baptist Büchel: "Geschichte der Pfarrei Schaan", in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Bd. 27 (1927), S. 15–134, hier S. 60–62.

Harald Wanger: "Kapelle Maria zum Trost"; Franz Näscher: "Wallfahrt", in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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