| Wallfahrt: | Marienwallfahrt mit mittelalterlicher Wurzel: Ein Ablassbrief von 1325 nennt den Besuch der Kirche ausdrücklich wegen Pilgerschaft. Seit 1898 bildet die Marien-Lourdes-Grotte einen zweiten Kultschwerpunkt mit Votivtafeln und Prozessionen. |
| Status: | Lebendiger katholischer Pilger- und Marienverehrungsort. Besonders sichtbar ist die Tradition in der Lichterprozession am 1. Mai sowie in weiteren Prozessionen und Andachten zur Lourdesgrotte. |
| Kultzentrum: | Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt auf dem Kirchhügel und die darunter liegende, Lourdes nachempfundene Mariengrotte mit Muttergottesfigur, Bernadette-Statue und Votivtafeln. |
| Ort: | Bendern, Gemeinde Gamprin. |
| Bezirk/Region: | Gemeinde Gamprin, Unterland. |
| Bundesland: | Fürstentum Liechtenstein. |
| • | Kirchhügel Bendern, 9487 Gamprin-Bendern, Liechtenstein. Die Marien-Lourdes-Grotte liegt am Westabhang unterhalb der Pfarrkirche und ist über eine Treppenanlage mit ihr verbunden. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Liechtenstein |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Öffnungszeiten: Kirche und Grotte sind in das aktive Pfarreileben eingebunden. Die Pfarrkirche wird regelmäßig für Gottesdienste genutzt; die Lourdesgrotte dient besonders im Marienmonat und bei Prozessionen als Andachtsort. Aktuelle Gottesdienst- und Feierzeiten veröffentlicht die Pfarrei Bendern. |
| • | Gemeinde Gamprin - Pfarrei Bendern |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht, Innenraum, Gnadenbild oder Kultobjekt, Votivgaben, Prozessionen und Festbräuche, Inschriften sowie lokale Besonderheiten.
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Der Kirchhügel von Bendern gehört zu den ältesten kontinuierlich genutzten Siedlungs- und Sakralplätzen des Landes. Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt geht in ihren ältesten Bauphasen auf das frühe Mittelalter zurück; schriftlich wird die Kirche 1045 erstmals genannt, 1208 ist ihr Marienpatrozinium belegt. Für die Wallfahrtsgeschichte ist jedoch vor allem eine Urkunde vom 6. April 1325 außergewöhnlich wichtig.
Acht Bischöfe am päpstlichen Hof in Avignon verliehen damals Besuchern der Marienkirche und eines Altars der 11.000 Jungfrauen einen Ablass. In der Urkunde erscheint ausdrücklich die Formulierung "causa peregrinacionis", also der Kirchenbesuch wegen Pilgerschaft. Das Historische Lexikon wertet dies als erste bekannte Erwähnung Benderns als Pilgerort. Damit reicht die Wallfahrtstradition weit vor die im 19. Jahrhundert errichtete Lourdesgrotte zurück.
Der heutige Bau ist das Ergebnis zahlreicher Erweiterungen. Eine frühmittelalterliche Saalkirche wurde im 13. und 14. Jahrhundert mehrfach vergrößert; 1481 wurde ein neuer gotischer Polygonalchor geweiht. Die lange Baugeschichte ist unmittelbar mit der Bedeutung Benderns als zentralem Pfarrort des Unterlands verbunden. Über Jahrhunderte betreuten Prämonstratenser des Klosters St. Luzi in Chur die Pfarrei.
Zur Ausstattungsgeschichte gehört auch das berühmte Benderer Fastentuch von 1612, eines der wenigen erhaltenen frühbarocken Fastentücher dieser Art im Alpenraum. Das große Tuch mit 24 Bildfeldern befindet sich heute im Liechtensteinischen Landesmuseum. Für die religiöse Kultur des Kirchhügels zeigt es, wie dicht Wallfahrt, Pfarreileben, Bruderschaften, Liturgie und bildliche Unterweisung miteinander verflochten waren.
Im späten 19. Jahrhundert erhielt die alte Wallfahrt einen neuen marianischen Schwerpunkt. Pfarrer Franz Xaver Häusle ließ zwischen 1896 und 1898 am Westabhang des Kirchhügels eine Grotte nach dem Vorbild der Massabielle-Grotte in Lourdes anlegen. Die Einweihung erfolgte am 7. August 1898 durch den Feldkircher Weihbischof Johannes Nepomuk Zobl.
Die Anlage nutzt eine natürliche Felsaushöhlung mit Sinter- und Tropfsteinbildung. Sie ist ummauert und durch ein Eisengitter abgeschlossen; über ihr stehen ein großes Eisenkreuz und die Inschrift "Ave Maria". Eine Treppenanlage führt von der Grotte hinauf zur Pfarrkirche. Die ursprüngliche Statue der Unbefleckten Empfängnis wurde 1958 durch eine Muttergottesfigur des Schaaner Bildhauers Gottfried Hilti ersetzt; die kniende Bernadette stammt noch aus der Entstehungszeit.
An den Seitenwänden der Grotte befinden sich schlichte Votivtafeln. Sie gehören zu den unmittelbarsten volkskundlichen Zeugnissen des Ortes, weil sie nicht eine offizielle Kirchengeschichte erzählen, sondern individuelle Erfahrung verdichten: Bitte, Krankheit, Gefahr, Dank und die Überzeugung, Hilfe erhalten zu haben. Eine erhaltene Tafel trägt die klare Aussage "Maria hat geholfen".
Die Votivgaben machen sichtbar, dass die Lourdesgrotte nicht bloß als dekorative Nachbildung eines berühmten französischen Heiligtums verstanden wurde. Sie wurde zu einem lokalen Gnadenort, an dem Menschen konkrete Anliegen deponierten und Dank sichtbar hinterließen. Gerade darin liegt die eigenständige religiöse Bedeutung der Benderer Grotte.
Die Grotte ist bis heute Ziel oder Station mehrerer Prozessionen. Der bekannteste Termin ist die abendliche Lichterprozession am 1. Mai. Kerzen, Vereine, Kirchenchor, Musik und liturgische Gruppen verbinden sich dabei zu einem öffentlichen religiösen Ritual, das den gesamten Kirchhügel einbezieht. Weitere Prozessionszüge führen im Jahreslauf zur Grotte, unter anderem im Umfeld von Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt und Mariä Geburt.
Im Marienmonat finden außerdem Andachten und Messfeiern an der Grotte statt. Die Pfarrei berichtet von regelmäßigen Monatsprozessionen in der wärmeren Jahreshälfte. Bendern ist damit derjenige Liechtensteiner Wallfahrtsort, an dem eine historische Pilgertradition, ein neuzeitlicher Lourdeskult und heutige Prozessionspraxis besonders deutlich ineinandergreifen.
Die Lage der Grotte besitzt noch eine weitere historische Dimension. Der Kirchhügel lag an einem alten Pilgerweg, der aus Vorarlberg in Richtung Einsiedeln führte. Bendern war deshalb nicht nur selbst Ziel religiöser Wege, sondern zugleich Durchgangs- und Rastpunkt in einer größeren alpinen Pilgerlandschaft.
Diese Doppelfunktion ist für kleine Länder und Grenzregionen charakteristisch. Religiöse Verkehrswege hielten sich nicht an heutige Staatsgrenzen. Von Liechtenstein aus wurden Rankweil und Einsiedeln besucht; umgekehrt führten Wege fremder Pilger durch das Rheintal. Der Kirchhügel von Bendern ist deshalb sowohl lokaler Kultort als auch Knotenpunkt einer überregionalen Wallfahrtsgeographie.
Bendern lässt sich nicht auf einen einzigen Gründungsmoment reduzieren. Die mittelalterliche Marienkirche war spätestens 1325 Pilgerziel; Bruderschaften stärkten in der frühen Neuzeit das religiöse Leben; die Lourdesbewegung gab dem Ort im 19. Jahrhundert eine neue Gestalt; Votivtafeln und Prozessionen hielten persönliche und kollektive Frömmigkeit sichtbar.
Gerade diese Schichtung macht Bendern für eine Dokumentation der europäischen Wallfahrtsorte besonders interessant. Die Lourdesgrotte ist keine isolierte spätzeitliche Zutat, sondern setzt sich auf einem Kirchhügel fest, dessen Pilgergeschichte bereits mehr als ein halbes Jahrtausend älter war.
Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. Bd. 1: Das Unterland. Bern 2013 (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Neue Ausgabe, Bd. 122), S. 132–155.
Marien-Lourdes-Grotte Bendern, 1898–1998. Festschrift zum 100jährigen Jubiläum der Marien-Lourdes-Grotte Bendern. Hg. von der Gemeinde Gamprin und der Pfarrei Bendern, Redaktion: Brigitte Hasler. Gamprin 1998.
August Gerner: "Marien-Lourdes-Grotte Bendern", in: EinTracht. Zeitschrift für Heimat und Brauchtum, Nr. 17 (1998), S. 9–24.
Edgar Koller (Hg.): Lourdesandachtsstätten Schweiz und Fürstentum Liechtenstein. Bazenheid 2016, S. 302–303.
Franz Näscher: "Pilgern und Wallfahren im Fürstentum Liechtenstein", in: EinTracht. Zeitschrift für Heimat und Brauchtum, Nr. 31 (2002), S. 11–22.
Maja Widmer, Markus Burgmeier: "Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt"; Judith Niederklopfer-Würtinger, Fabian Frommelt: "Marien-Lourdes-Grotte"; Franz Näscher: "Ablass", jeweils in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online.
Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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