St. Paul im Lavanttal - Filial- und Wallfahrtskirche am Josefsberg

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Josefswallfahrt auf den südöstlich von St. Paul gelegenen Josefsberg. Spätestens für das 19. Jahrhundert ist die Wallfahrt durch einen 1870 von der hl. Josefs-Bruderschaft herausgegebenen Gebetszettel mit Wallfahrtsbild, Lied und Ablassbezug eindeutig belegt. Die erhaltene ehemalige Bruderschaftsherberge verweist zusätzlich auf eine organisierte Wallfahrtskultur.
Status:Lebendiger Wallfahrtsort. Gepflegt werden unter anderem die Monatswallfahrt am ersten Samstag, die traditionelle Pfingstmontagswallfahrt sowie die St. Pauler Drei-Berge-Wallfahrt am Dreinagelfreitag mit einer Station und Brotsegnung am Josefsberg.
Kultzentrum:Verehrung des hl. Josef als Kirchenpatron. Ein einzelnes historisch eindeutig bezeichnetes Gnadenbild oder eine wundertätige Kultstatue ist in den bisher zugänglichen Quellen nicht nachweisbar. Die Ausstattung verweist dagegen vielfach auf Josef, besonders durch die Zimmermannswerkzeuge am Antependium des Hochaltares.
Ort:Josefsberg bei St. Paul im Lavanttal
Region:Lavanttal
Bundesland:Kärnten
Lage und Besuch
Lage: Josefsberg, Loschental, 9470 St. Paul im Lavanttal.
Die Kirche liegt auf rund 686 m Seehöhe südöstlich des Marktes.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Pfarre St. Paul im Lavanttal
Patrozinium: hl. Josef, 19. März; in der pfarrlichen Tradition wird auch der 1. Mai, Josef der Arbeiter, besonders begangen.
Gottesdienste und Wallfahrten: aktuelle Termine bei der Stiftspfarre St. Paul; eine verlässliche tägliche Öffnungszeit außerhalb der Gottesdienste ist in den derzeit nicht ausgewiesen.
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Vom Burgplatz zum heiligen Berg

Die Filial- und Wallfahrtskirche des hl. Josef steht weithin sichtbar auf dem Josefsberg südöstlich von St. Paul im Lavanttal. Der exponierte Platz war schon lange vor der Entstehung der Wallfahrt von strategischer Bedeutung. Hier befand sich die Burg Loschental, die gemeinsam mit anderen Befestigungen im Umfeld des Benediktinerstiftes St. Paul dessen Besitz- und Herrschaftsraum sichern sollte. Nachdem die Burg ihre Funktion verloren hatte und verfiel, wurde der Berg zu einem sakralen Ort. Diese Umwandlung eines ehemaligen Herrschaftsplatzes in einen Wallfahrtsberg ist für die Landschaft um St. Paul besonders reizvoll, weil Kirche, Kreuzweg und benachbartes Bruderschaftshaus noch heute ein geschlossenes religiöses Ensemble bilden.

Die Quellen nennen für die Entstehung der Kirche unterschiedliche Jahreszahlen, die wahrscheinlich auf mehrere Bauphasen oder verschiedene Vorgängerbauten verweisen. Eine kunsthistorische Überlieferung nennt bereits 1590 eine an Stelle der verfallenen Burg errichtete Kirche; eine ältere Beschreibung der Stiftspfarre setzt den Beginn eines Kirchenbaues in das Jahr 1667. Die aktuelle Denkmaldokumentation datiert den bestehenden Bau dagegen auf 1716 bis 1718. Für eine quellenkritische Darstellung ist daher sinnvoll, nicht eine dieser Angaben gewaltsam zur allein richtigen zu erklären: Auf dem ehemaligen Burgplatz bestand spätestens in der frühen Neuzeit eine Josefs-Kirche, während der heutige barocke Bau im Wesentlichen zu Beginn des 18. Jahrhunderts seine Gestalt erhielt.

Altäre, Blitzschlag und Wiederherstellung

Die drei Altäre wurden 1720 geweiht und gehören damit unmittelbar in die frühe barocke Ausstattungsphase. 1782 wurde die Kirche durch einen Blitzschlag schwer beschädigt; die Denkmaldokumentation spricht für die folgenden Jahre von der Wiederherstellung nach einem Brand. Beide Angaben lassen sich gut miteinander verbinden, wenn der Blitz den Brandschaden ausgelöst hat. 1784 und 1785 erfolgte die Wiederherstellung, weitere Arbeiten an der Ausmalung reichen bis 1798. Eine umfassende Außen- und Innenrenovierung wurde 1996 durchgeführt.

Der Bau selbst ist vergleichsweise schlicht. An ein rechteckiges Langhaus schließt ein leicht eingezogener, rund geschlossener Chor an; westlich steht der Turm mit rundbogigen Zwillingsfenstern und Pyramidendach, südlich ist die Sakristei angebaut. Über dem Langhaus liegt ein dreijochiges Tonnengewölbe mit Stichkappen. Gerade diese architektonische Zurückhaltung lässt die reiche Ausstattung und die farbige Ausmalung im Inneren besonders hervortreten.

Charakter der Josefswallfahrt

Eine Heiligenwallfahrt ohne nachweisbares einzelnes Gnadenbild

Der Josefsberg unterscheidet sich von vielen Marienwallfahrtsorten Kärntens. In den bisher zugänglichen Quellen findet sich weder eine klassische Gründungslegende mit wundersamer Auffindung eines Kultbildes noch ein eindeutig bezeichnetes wundertätiges Gnadenbild oder eine einzelne Gnadenstatue. Mittelpunkt des Heiligtums ist vielmehr die Verehrung des hl. Josef selbst. Der Wallfahrtscharakter beruht damit stärker auf dem Patron, auf der organisierten Frömmigkeit einer Josefs-Bruderschaft, auf Ablass und Gebet sowie auf den überlieferten Wallfahrtswegen zum Berg.

Gerade dieser Befund ist religionsgeschichtlich wichtig. Wallfahrt war keineswegs immer an ein einzelnes materielles Wunderobjekt gebunden. Heilige konnten aufgrund ihrer besonderen Zuständigkeiten, ihrer kirchlich geförderten Verehrung und einer gewachsenen regionalen Tradition selbst zum Mittelpunkt eines Wallfahrtsortes werden. Auf dem Josefsberg tritt diese Form deutlich hervor: Josef wird als Beschützer von Ehe und Familie, als Arbeiter und Ernährer der Heiligen Familie und in neuerer Zeit auch im Gebet um geistliche Berufungen angerufen.

Josef als Zimmermann, Familienvater und Fürsprecher

Die Ausstattung übersetzt diese Verehrung auffallend lebensnah. Am Antependium des Hochaltares erscheinen geschnitzte Zimmermannswerkzeuge, die unmittelbar auf den Beruf des hl. Josef verweisen. Der rechte Seitenaltar ergänzt dieses häusliche Bild durch ein Relief mit Haushaltsgeräten Mariens und einem Kinderkorb. Die Heilige Familie wird dadurch nicht nur in theologischen Begriffen, sondern über Arbeit, Haushalt und Kindheit anschaulich gemacht. Gerade vor dem Hintergrund der bis heute gepflegten Pfingstwallfahrt um eine gute Partnerschaft und Ehe erhalten diese Motive eine zusätzliche volksreligiöse Bedeutung.

Die Josefs-Bruderschaft und der Wallfahrtsdruck von 1870

Das ehemalige Bruderschaftshaus

Unmittelbar bei der Kirche steht ein ehemaliges Bruderschaftshaus, ein zweigeschossiger barocker Bau mit Walmdach. Sein Obergeschoss wurde im 19. Jahrhundert verändert; 1994 erfolgten Außenrestaurierung und Neueindeckung. Dass sich bei der Kirche ein eigenes Bruderschaftshaus erhalten hat, ist für die Wallfahrtsgeschichte ein wichtiger materieller Befund. Bruderschaften organisierten Gottesdienste, Gebete und Feste, pflegten die Verehrung ihres Patrons und konnten zugleich eine praktische Infrastruktur für den Wallfahrtsbetrieb bereitstellen.

Wann die Josefs-Bruderschaft am Josefsberg gegründet wurde, lässt sich mit den bisher zugänglichen Quellen nicht sicher bestimmen. Das barocke Haus spricht für eine ältere Tradition, doch ein konkretes Gründungsjahr sollte ohne archivalischen Nachweis nicht behauptet werden. Sicher belegt ist die Bruderschaft spätestens im 19. Jahrhundert, und zwar durch ein außergewöhnlich anschauliches Wallfahrtszeugnis.

"Wahre Abbildung der Wallfahrtskirche"

Das Volkskundemuseum Wien bewahrt unter der Inventarnummer AÖMV/9884 einen 1870 in Graz bei Th. Schneiders Witwe gedruckten Gebetszettel. Sein Originaltitel lautet: "Wahre Abbildung der Wallfahrtskirche St. Josef am Josefsberge ob St. Paul im Lavanthale in Kärnthen. 1870 von der hl. Josefs-Bruderschaft". Das kleine Blatt verbindet eine Lithographie der Kirche mit Gebet beziehungsweise Lied und wird vom Museum ausdrücklich den Themen Wallfahrt, kirchlicher Ablass und Bruderschaft vom hl. Joseph zugeordnet.

Damit ist der Wallfahrtsstatus des Josefsberges spätestens für 1870 unmittelbar aus einem zeitgenössischen Devotionalienobjekt belegt. Solche Blätter dienten nicht nur als Andenken, sondern verlängerten den Gnaden- und Erinnerungsraum der Wallfahrt in den Alltag der Pilger. Bemerkenswert ist, dass das erhaltene Exemplar noch die spätere Aufschrift "Mühldorf 1929" trägt. Das Museum verzeichnet Mühldorf entsprechend als Verwendungsort und 1929 als Datierung der späteren Nutzung. Wo genau dieses Mühldorf lag und auf welchem Weg das Blatt dorthin gelangte, lässt sich derzeit nicht sicher bestimmen; die Notiz zeigt jedoch, dass das Andachtsbild Jahrzehnte nach seinem Druck noch aufbewahrt oder verwendet wurde.

Hirten und Schafe auf dem Andachtsbild

Die Museumsbeschreibung nennt als Bildmotiv neben der Wallfahrt auch Hirtin, Hirte und Schafherde. Daraus lässt sich derzeit keine verlorene Gründungslegende ableiten. Die Figuren können ebenso eine landschaftliche Staffage des Bergheiligtums sein. Gerade weil der Josefsberg bislang keine überlieferte Ursprungssage besitzt, sollte dieses Motiv offen dokumentiert werden: Es ist ein reizvolles Detail des historischen Wallfahrtsbildes, dessen ursprüngliche Bedeutung noch nicht geklärt ist.

Kunst und Ausstattung der Wallfahrtskirche

Der Hochaltar und ältere St. Pauler Skulpturen

Die drei Altäre wurden 1720 geweiht. Der Hochaltar vereinigt Werke unterschiedlicher Herkunft. Er trägt frühbarocke lebensgroße Figuren der beiden Johannes sowie die 1628 von Michael Hönel für das Benediktinerstift St. Paul geschaffenen Skulpturen der hll. Joachim und Hieronymus. Hinzu kommen kleinere Figuren der Apostelfürsten Peter und Paul. Im Altaraufsatz befindet sich das ursprüngliche Gemälde der Heiligen Dreifaltigkeit. Die Übernahme älterer St. Pauler Kunstwerke in die Josefsbergkirche macht die enge materielle und geistliche Verbindung mit dem Benediktinerstift sichtbar.

Für den eigentlichen Kirchenpatron ist vor allem das Antependium von Bedeutung. Die dort geschnitzten Zimmermannswerkzeuge verweisen unmittelbar auf Josef als Handwerker. Bemerkenswert ist, dass der hl. Josef damit nicht durch ein einzelnes dominierendes Gnadenbild repräsentiert wird, sondern sein Patronat gleichsam in die Ausstattung eingeschrieben ist. Der Wallfahrer begegnet dem Heiligen über seine Attribute und über die religiöse Bedeutung, die der Wallfahrt selbst zugeschrieben wird.

Seitenaltäre und häusliche Symbolik

Das Bild des linken Seitenaltares zeigt den hl. Veit und besitzt einen reich mit Laub- und Bandelwerk geschmückten Rahmen. Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Rupert gewidmet. Besonders ungewöhnlich ist sein Antependium mit einem Holzrelief, das Haushaltsgeräte Mariens und einen Kinderkorb zeigt. Gemeinsam mit den Zimmermannswerkzeugen des Hochaltares entsteht ein ausgesprochen häusliches Bild der Heiligen Familie, in dem Arbeit, Versorgung, Familie und Kind miteinander verbunden sind.

Kanzel und weitere Skulpturen

Die barocke Kanzel wurde 1718 geschaffen und wird auf dem Schalldeckel von einer Figur des Guten Hirten bekrönt. Zur weiteren Ausstattung gehören eine lebensgroße Maria Magdalena mit Kruzifix von Michael Hönel, ursprünglich für einen 1629 bestellten Kreuzaltar des Stiftes St. Paul geschaffen, ein Christus an der Geißelsäule aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, ein lebensgroßes Kruzifix, zwei Holzbüsten bartloser Benediktiner aus dem 17. Jahrhundert sowie eine kleine Figur des Guten Hirten. Das um 1720 entstandene Betgestühl ist mit Laubwerkranken und Intarsien geschmückt; der intarsierte Sakristeischrank gehört dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts an.

Franz Xaver Heigels Ausmalung

Nach dem schweren Schaden von 1782 erhielt der Innenraum eine neue malerische Fassung. Franz Xaver Heigel bemalte 1784/85 die Gewölbe und oberen Wandflächen szenisch und ornamental; weitere Malereien entstanden 1798. Die Kirche bewahrt damit mehrere kunsthistorische Schichten: ältere Skulpturen des frühen 17. Jahrhunderts, die barocke Architektur und Altarausstattung des frühen 18. Jahrhunderts sowie die nach der Katastrophe von 1782 geschaffene spätere Ausmalung.

Kreuzweg und Kalvarienberg am Josefsberg

Passionsfrömmigkeit am Weg zur Kirche

Zum sakralen Ensemble des Josefsberges gehören die Kreuzwegstationen am Aufstieg. Sie verbinden den Weg zum Josefsheiligtum mit der Betrachtung des Leidens Christi und geben dem Berg eine zweite religiöse Bedeutungsebene. Am Ende des Kreuzweges steht eine größere Nischenkapelle mit einer geschnitzten Kreuzigungsgruppe aus dem 18. Jahrhundert. Kreuzweg und Kalvarienbergkapelle sind ebenso wie Kirche und Bruderschaftshaus als Denkmäler geschützt.

Diese Verbindung von Josefsverehrung und Passionsfrömmigkeit ist besonders im Zusammenhang mit der Drei-Berge-Wallfahrt am Dreinagelfreitag bemerkenswert. Der Name dieses Tages wird in der kirchlichen Überlieferung auf die drei Nägel der Kreuzigung Christi bezogen. Wer auf dem traditionellen Pilgerweg zum Josefsberg zieht, erreicht daher nicht nur eine Josefswallfahrtskirche, sondern bewegt sich zugleich durch eine Landschaft, in der der Leidensweg Christi bildlich und räumlich vergegenwärtigt wird.

Die Pfingstwallfahrt um Partnerschaft und Ehe

Josef als Fürsprecher für das gemeinsame Leben

Am Pfingstmontag ziehen nach alter Tradition Christen aus verschiedenen Pfarren des Lavant- und Jauntales auf den Josefsberg. Die kirchliche Beschreibung nennt als besonderes Anliegen das Gebet zum hl. Josef um einen guten und heilenden Geist für eine gute Partnerschaft und Ehe. Traditionell kommen Wallfahrtsgruppen unter anderem aus Lamm, St. Martin und St. Ulrich. Damit besitzt die Josefsverehrung am Berg eine konkrete lebensgeschichtliche Ausrichtung, die weit über eine allgemeine Heiligenandacht hinausgeht.

Der hl. Josef erscheint in dieser Wallfahrt als Ehemann Mariens und als Beschützer der Heiligen Familie. Partnerschaft, Verlässlichkeit, Arbeit und Sorge für die Familie bilden ein religiöses Deutungsfeld, das auch in den Altarreliefs mit Zimmermannswerkzeugen, Haushaltsgeräten und Kinderkorb sichtbar wird. Die volkstümliche Frömmigkeit verbindet so die biblische Gestalt des Heiligen mit alltäglichen Hoffnungen auf ein gelingendes gemeinsames Leben.

Die St. Pauler Drei-Berge-Wallfahrt

Dreinagelfreitag zwischen Weinberg, Josefsberg und Johannesberg

Eine der charakteristischsten regionalen Wallfahrten ist die St. Pauler Drei-Berge-Wallfahrt am sogenannten Dreinagelfreitag, dem zweiten Freitag nach Ostern. Sie beginnt frühmorgens bei der Weinbergkirche, führt anschließend über den Josefsberg und endet auf dem Johannesberg. Die Stiftsschule St. Paul bezeichnet sie treffend als "kleine Schwester" der bekannten Kärntner Vierbergewallfahrt. Anders als bei einer bloßen Wanderung bilden Gebet, Andacht und Gottesdienst den eigentlichen Rahmen des Weges.

Auf dem Josefsberg findet die mittlere Station statt. Hier wird eine Andacht beziehungsweise Wort-Gottes-Feier gehalten und Brot gesegnet. Danach ziehen die Wallfahrer weiter zur Johannesbergkirche, wo die Wallfahrt mit einer Messe abgeschlossen wird. Die kirchlichen Berichte zeigen, dass diese Tradition bis heute lebendig gepflegt wird und in jüngerer Zeit wieder verstärkten Zuspruch findet.

Die Brotsegnung

Die Brotsegnung ist der besondere Ritus der Josefsberg-Station. Eine historische Erklärung, weshalb gerade an dieser Stelle Brot gesegnet wird, ist in den bislang zugänglichen Quellen nicht belegt. Eine Verbindung mit Josef als Arbeiter und Ernährer der Heiligen Familie wäre zwar religiös naheliegend, sollte aber ohne ältere Quelle nicht als ursprüngliche Bedeutung behauptet werden. Für die Volkskunde ist zunächst der Brauch selbst wichtig: Gesegnetes Brot verbindet den Pilgerweg mit einem elementaren Lebensmittel und wird damit zu einem greifbaren Zeichen des Segens innerhalb der Wallfahrt.

Wallfahrt und religiöses Leben heute

Monatswallfahrt am ersten Samstag

Der Josefsberg ist kein erloschener historischer Wallfahrtsort. Am ersten Samstag des Monats wird weiterhin eine Monatswallfahrt gefeiert. Ältere Pfarrberichte nennen ausdrücklich das Gebet um geistliche Berufe als besonderes Anliegen dieser Wallfahrten; aktuelle Gottesdienstordnungen bestätigen die fortgesetzte regelmäßige Feier. Einzelne Termine werden heute zusätzlich mit anderen geistlichen Anliegen verbunden, ohne dass damit die ältere Tradition aufgehoben wird.

Josefitag und Josef der Arbeiter

Das eigentliche Patrozinium wird am 19. März, dem Hochfest des hl. Josef, mit einer Festmesse begangen. In der pfarrlichen Tradition wird außerdem der 1. Mai, das Fest Josef des Arbeiters, als besonderer Tag der Filialkirche genannt. Gerade auf dem Josefsberg besitzt dieses jüngere Josefsfest einen anschaulichen Bezug zur Ausstattung, weil die Werkzeuge des Zimmermanns am Hochaltar den Heiligen ausdrücklich als arbeitenden Menschen zeigen.

Emmausgang am Ostermontag

Auch am Ostermontag wird der Josefsberg als Ziel eines Emmausganges mit Gottesdienst aufgesucht. Damit liegt ein großer Teil der heutigen Wallfahrtspraxis in der österlichen Zeit: Ostermontag mit Emmausgang, der Dreinagelfreitag mit der Drei-Berge-Wallfahrt und schließlich Pfingstmontag mit der traditionellen Wallfahrt um Partnerschaft und Ehe. Die unterschiedlichen Formen zeigen, dass sich der Josefsberg nicht auf einen einzigen jährlichen Wallfahrtstag beschränkt, sondern in ein dichtes Netz regionaler religiöser Wege eingebunden ist.

Ein Wallfahrtsort mit eigenem Profil

Gerade die Verbindung von alter Bruderschaftsfrömmigkeit und lebendigen heutigen Pilgerwegen macht den Josefsberg bemerkenswert. Während viele Wallfahrten um ein Gnadenbild, eine Heilquelle oder eine Mirakellegende entstanden, steht hier die Verehrung eines Heiligen und seiner Lebenswelt im Vordergrund. Josef wird als Handwerker, Familienvater, Ehemann und Fürsprecher angerufen; zugleich ist der Berg Station einer Passionswallfahrt und Ziel regelmäßiger gemeinschaftlicher Gebete. Diese Vielfalt erklärt, weshalb die kleine Filialkirche ihre Wallfahrtsfunktion bis heute bewahrt hat.

Literatur und Quellen

- Ginhart, Karl (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Benediktinerstiftes St. Paul im Lavanttal und seiner Filialkirchen. Österreichische Kunsttopographie, Band XXXVII. Wien: Anton Schroll, 1969.

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Wien 2001, Abschnitt St. Paul im Lavanttal - Josefsbergkirche.

- Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, Inv.-Nr. AÖMV/9884: "Wahre Abbildung der Wallfahrtskirche St. Josef am Josefsberge ob St. Paul im Lavanthale in Kärnthen. 1870 von der hl. Josefs-Bruderschaft". Gebetszettel mit Lithographie und Lied, Graz 1870, Druck Th. Schneiders Witwe.

- Katholische Kirche Kärnten / Stiftspfarre St. Paul im Lavanttal: Wallfahrtskirche am Josefsberg; Unsere Filialkirchen; Berichte zur Pfingstwallfahrt, Monatswallfahrt und St. Pauler Drei-Berge-Wallfahrt.

- Bundesdenkmalamt / Denkmaldokumentation: Kath. Filialkirche hl. Josef am Josefsberg, HERIS-ID 54251; ehem. Bruderschaftshaus, HERIS-ID 65198; Kreuzweg und Kalvarienbergkapelle am Josefsberg.

- Stift St. Paul / Stiftsgymnasium St. Paul: Berichte zur Drei-Berge-Wallfahrt am Dreinagelfreitag und zur Benediktinischen Seelsorge in der Stiftspfarre.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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