| Wallfahrt: | Seit 1647 gewachsener Loreto-Wallfahrtsort mit überregionaler Bedeutung. Die kleine Gnadenkapelle konnte den frühen Zustrom bald nicht mehr fassen; zwischen 1683 und 1687 entstand darüber die monumentale barocke Wallfahrtskirche. |
| Status: | Lebendiger Wallfahrtsort und Rektoratskirche der Pfarre St. Andrä im Lavanttal. Seit 21. Juli 2014 trägt die Kirche den päpstlichen Ehrentitel "Basilica minor". |
| Gnadenbild: | Schwarze Madonna von Maria Loreto, eine 1647 für St. Andrä angefertigte Nachbildung des lauretanischen Gnadenbildes. Sie befindet sich heute in der Gnadenkapelle links der Vorhalle. |
| Volkskunde: | Historisch reiches Votivwesen. Gustav Gugitz dokumentierte in St. Andrä noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Wachsvotive, darunter besonders Augen, außerdem eine ältere eiserne Hand und eine große Gewichtswachskerze. Die genaue Zuordnung einzelner Opferformen zum Loreto-Gnadenbild oder zu anderen St. Andräer Kulten ist quellenkritisch zu unterscheiden. |
| Historische Brüche: | Unter Kaiser Joseph II. wurde die Wallfahrt im späten 18. Jahrhundert unterdrückt und kam nahezu zum Erliegen. Nach 1859 belebten die Jesuiten den Wallfahrtsbetrieb erneut. |
| Kirchliche Zugehörigkeit: | Rektoratskirche der Stadtpfarre St. Andrä im Lavanttal, Diözese Gurk. |
| Bundesland: | Kärnten. |
| • | Lage: St. Andrä 101, 9433 St. Andrä im Lavanttal. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre St. Andrä im Lavanttal |
| • | Öffnungszeiten: Die Basilika ist für Besucher und Pilger täglich von ca. 08:00 Uhr bis 18:00 Uhr frei zugänglich. Organisierte Wallfahrten sollen nach Angabe der Pfarre beim Stadtpfarramt angemeldet werden. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.
Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.
Die Wallfahrt von St. Andrä gehört zu jener großen europäischen Bewegung der frühen Neuzeit, in der Nachbildungen des Heiligen Hauses von Loreto und Kopien der dort verehrten Schwarzen Madonna an zahlreichen Orten eigene Wallfahrten begründeten. Im italienischen Loreto wird die sogenannte Santa Casa als das Haus Mariens von Nazareth verehrt. Für die Nachbildungen war daher nicht allein die Marienfigur wichtig: Das kleine Haus selbst wurde als heiliger Raum verstanden und möglichst erkennbar nachgebildet. In St. Andrä bildeten Gnadenstatue und Loreto-Kapelle von Anfang an eine Einheit.
Der Lavanter Fürstbischof Albert von Priamis ließ in St. Andrä eine Nachbildung des Heiligen Hauses von Loreto und eine Kopie der Schwarzen Madonna errichten beziehungsweise anfertigen. Die lokale Überlieferung verbindet das Vorhaben mit einer Italienreise des Bischofs und seinem Wunsch, den in Loreto erlebten Marienkult in seine damalige Bischofsstadt zu übertragen.
Am 8. Dezember 1647 wurden das lauretanische Gnadenbild und die darüber errichtete Gnadenkapelle feierlich eingeweiht. Die Beteiligung der Bevölkerung war nach der St. Andräer Stadtgeschichte außerordentlich groß; schon bald setzte ein starker Zustrom von Pilgern ein. Die kirchlichen Darstellungen berichten zudem von sich mehrenden Wunderberichten. Damit entwickelte sich der neue Kult innerhalb kurzer Zeit von einer bischöflichen Stiftung zu einem vielbesuchten Gnadenort.
Die erste Loreto-Kapelle erwies sich für den Pilgerzustrom bald als unzureichend. Schon Albert von Priamis plante deshalb einen größeren Kirchenbau über dem kleinen Heiligtum, konnte das Vorhaben aber wegen der hohen Kosten nicht vollenden. Erst unter Fürstbischof Franz Kaspar von Stadion begann 1683 der Bau der heutigen monumentalen Wallfahrtskirche. Vier Jahre später war der große Baukörper im Wesentlichen fertiggestellt; die Ausstattung und die beiden Türme folgten schrittweise.
Die Entstehung des heutigen Gotteshauses ist damit unmittelbar aus der Wallfahrt zu erklären. Anders als bei vielen Kirchen, die erst nachträglich zu Wallfahrtsorten wurden, ging in St. Andrä der Gnadenort dem Monumentalbau voraus: Zuerst standen Gnadenbild und Santa Casa, dann machte der Zustrom der Wallfahrer die große Kirche notwendig.
Das eigentliche Kultzentrum der Wallfahrt ist die Schwarze Madonna von Maria Loreto. Die 1647 für St. Andrä angefertigte Statue folgt dem Typus des berühmten Gnadenbildes im italienischen Loreto und gehört damit zu einer Gruppe von Filiationen, die den Kult der Santa Casa in weite Teile Europas trugen.
Gustav Gugitz ordnete die St. Andräer Madonna in seiner grundlegenden volkskundlichen Bestandsaufnahme ausdrücklich als "Maria-Loreto (schwarze Maria)" ein und stellte St. Andrä an die erste Stelle von sechs Kärntner Wallfahrtsorten mit Nachbildungen dieses Kultbildtypus. Für die volkskundliche Einordnung ist damit eindeutig: Nicht irgendein Marienbild der großen Kirche, sondern die Schwarze Loreto-Madonna ist das historische Gnadenbild der Wallfahrt.
Ursprünglich stand die Nachbildung der Santa Casa mit der Gnadenstatue im Zentrum der großen Wallfahrtskirche. Bei einer tiefgreifenden Umgestaltung im Jahr 1793 wurde die Kapelle dort abgetragen und an die linke Seite der Vorhalle verlegt. Die Veränderung schuf im Kirchenraum die heute charakteristische Weite, verlagerte aber zugleich das alte Kultzentrum aus der Mitte des monumentalen Saales an den Eingang.
Die Schwarze Madonna befindet sich bis heute in dieser Gnadenkapelle. Gerade diese räumliche Sonderstellung macht sichtbar, dass die Wallfahrt älter ist als viele Teile der heutigen Ausstattung: Das kleine Loreto-Heiligtum blieb als eigener sakraler Raum innerhalb des großen Kirchenkomplexes erhalten.
Eine kirchliche Veröffentlichung aus dem Jahr 2015 bezeichnet die St. Andräer Gnadenstatue als ältestes erhaltenes Abbild der Gnadenmutter von Loreto, nachdem die ältere Statue im italienischen Loreto einem Brand zum Opfer gefallen war. Für die Kultgeschichte unterstreicht diese Angabe jedenfalls das hohe Alter und die besondere Stellung der 1647 geschaffenen St. Andräer Kopie. Eine eigene restauratorische Spezialuntersuchung zur materiellen Geschichte der Figur konnte für diese Dokumentation allerdings nicht eingesehen werden.
Mit dem jungen Wallfahrtsort verbindet sich eine bemerkenswerte Heilungsüberlieferung. Nach einer kirchlichen Darstellung pilgerte Maria Johanna Linzer, Priorin des Dominikanerinnenklosters von Mahrenberg an der Drau, nach St. Andrä und wurde dort von einer Krankheit geheilt. Aus Dankbarkeit setzte sie sich für die Ansiedlung von Dominikanerinnen unmittelbar beim Loreto-Heiligtum ein.
Der Bericht ist für die Wallfahrtsgeschichte besonders wertvoll, weil aus der behaupteten Gebetserhörung eine dauerhafte institutionelle Folge erwuchs. Es blieb nicht bei einer individuellen Mirakelerzählung: Die Erfahrung der Priorin wurde mit der Gründung eines Klosters verbunden, dessen Gemeinschaft später auch Dienste an der Wallfahrtskirche versah.
Nach erheblichen finanziellen Schwierigkeiten wurde der Klosterbau 1665 vollendet und von Dominikanerinnen bezogen. Die Schwestern führten unter anderem ein Mädchenpensionat und ein Altersheim für Frauen und waren auch mit dem Loreto-Heiligtum verbunden. Wallfahrt, Kloster und damalige Bischofsstadt bildeten damit über mehr als ein Jahrhundert ein eng verflochtenes religiöses Ensemble.
Am 17. März 1782 wurde das Dominikanerinnenkloster im Zuge der josephinischen Reformen aufgehoben. Der Protest des damaligen Lavanter Fürstbischofs blieb erfolglos. Die Aufhebung war Teil jener tiefgreifenden staatlichen Eingriffe, die auch die Wallfahrt selbst entscheidend trafen.
Die kirchlichen Quellen betonen übereinstimmend, dass die 1647 errichtete Kapelle sehr rasch zahlreiche Wallfahrer anzog. In einer Darstellung anlässlich der Erhebung zur Basilika heißt es ausdrücklich, die Wunderberichte hätten sich gemehrt. Der Neubau von 1683 bis 1687 war somit nicht bloß bischöfische Repräsentation, sondern ebenso Antwort auf einen Gnadenort, dessen ursprüngliche Kapelle für die Menge der Pilger zu klein geworden war.
Konkrete Einzelberichte der frühen Wunder sind in den bisher ausgewerteten gedruckten Quellen nur teilweise greifbar. Die Heilungsüberlieferung um Priorin Maria Johanna Linzer ist der deutlichste personengebundene Fall. Auf pauschale Zahlen angeblicher Wunder oder Heilungen wird daher bewusst verzichtet.
St. Andrä war bis 1859 Sitz der Bischöfe von Lavant. Der große Loreto-Bau erfüllte deshalb zwei Funktionen zugleich: Er bot den vielen Wallfahrern Raum und schuf in der damaligen Bischofsstadt einen repräsentativen Sakralbau für feierliche Liturgie. Diese Verbindung erklärt die ungewöhnliche Größe und die monumentale Doppelturmfassade der Kirche.
Unter Kaiser Joseph II. wurde die Wallfahrt in den 1780er Jahren unterdrückt beziehungsweise verboten und kam nach der Pfarrüberlieferung nahezu zum Erliegen. Gleichzeitig wurde 1782 das benachbarte Dominikanerinnenkloster aufgehoben. Damit verlor der Wallfahrtsort innerhalb weniger Jahre sowohl seine institutionelle klösterliche Umgebung als auch einen wesentlichen Teil seiner bisherigen Pilgerpraxis.
Die Umgestaltung der Kirche und die Verlegung der Gnadenkapelle im Jahr 1793 fallen in die Zeit unmittelbar nach diesem Einschnitt. Aus den bisher zugänglichen Quellen lässt sich jedoch nicht sicher ableiten, dass die räumliche Versetzung der Kapelle unmittelbar aus den josephinischen Wallfahrtsbeschränkungen erfolgte; beide Vorgänge sollen daher nicht ohne Beleg kausal miteinander verbunden werden.
Nach der Verlegung des Lavantiner Bischofssitzes 1859 nach Marburg übernahmen die Jesuiten die Betreuung von Maria Loreto und belebten die Wallfahrt nachhaltig neu. Die Pfarre nennt für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zu 80.000 Kommunionen jährlich. Für die 1920er Jahre berichten kirchliche Quellen von jährlich annähernd 100.000 Pilgern.
Solche Zahlen sind als Angaben der kirchlichen Überlieferung zu verstehen und nicht als moderne statistische Zählung. Sie zeigen dennoch eindrucksvoll, welchen Rang Maria Loreto nach der Wiederbelebung erneut als überregionaler Marienwallfahrtsort erreichte.
Die Jesuiten betreuten die Kirche bis 1960. Seither wird Maria Loreto als Rektoratskirche von der Pfarre St. Andrä im Lavanttal getragen. Trotz Schwankungen des Wallfahrtsaufkommens blieb die Schwarze Madonna das Zentrum des Gnadenortes; organisierte Gruppen werden von der Pfarre weiterhin ausdrücklich als Wallfahrer empfangen.
Für die Wallfahrtsvolkskunde besitzt Gustav Gugitz' 1951 veröffentlichte Untersuchung "Kärntens Wallfahrten im Volksglauben und Brauchtum" besonderen Wert. Gugitz wollte keine bloße Liste kirchlicher Heiligtümer erstellen, sondern die damals noch lebenden oder eben verschwindenden Opferformen, Heilbräuche und volkstümlichen Vorstellungen dokumentieren. Viele seiner Angaben beruhen auf eigener Anschauung aus den Jahren vor und während des Zweiten Weltkrieges.
Gerade deshalb sind seine St. Andräer Beobachtungen wertvoll: Sie halten Praktiken fest, die heute großteils nicht mehr im Kirchenraum anzutreffen sind.
Gugitz schreibt ausdrücklich, er habe in St. Andrä noch Wachsvotive gefunden, "besonders Augen". Anatomische Wachsvotive waren sichtbare Zeichen von Bitte und Dank. Der erkrankte oder gefährdete Körperteil wurde in Wachs nachgebildet und an der Kultstätte geopfert; das Auge konnte daher sowohl die Bitte um Heilung eines Augenleidens als auch den Dank nach einer erhofften Besserung ausdrücken.
Für St. Andrä ist jedoch eine quellenkritische Einschränkung notwendig. Gugitz nennt an anderer Stelle den hl. Augustinus ausdrücklich als Augenheiligen, der in St. Andrä wirkte. Dieser Augustinuskult gehört zur religiösen Landschaft der alten Stadt- und ehemaligen Domkirche und ist nicht automatisch mit der Loreto-Madonna gleichzusetzen. Deshalb lässt sich aus der knappen Ortsangabe "St. Andrä" nicht sicher folgern, dass sämtliche von Gugitz gesehenen Augen-Wachsvotive unmittelbar vor dem Gnadenbild Maria Loreto geopfert worden waren.
Für SAGEN.at ist gerade diese Unterscheidung wichtig: Das Votivwesen von St. Andrä belegt eine reiche lokale Heil- und Wallfahrtsfrömmigkeit, doch nicht jede Opferform kann ohne zusätzlichen Standortnachweis einem einzigen Kultzentrum zugeordnet werden.
Auch eine eiserne Hand ist für St. Andrä belegt. Gugitz nennt sie als Stück der Sammlung Kriß und vermerkt, bei seinem Besuch 1941 vor Ort nichts Vergleichbares mehr gesehen zu haben. Eisenopfer gehören zu den älteren und besonders charakteristischen materiellen Votivformen Kärntens. Hände, Füße, Augen, Tierfiguren und andere Formen machten das Anliegen des Stifters unmittelbar sichtbar.
Auch für die eiserne Hand gilt dieselbe Vorsicht wie bei den Wachsaugen: Gugitz sagt "St. Andrä", nicht ausdrücklich "Maria Loreto". Die Gabe gehört damit sicher zur älteren Frömmigkeitslandschaft St. Andräs, ihre genaue Aufstellung innerhalb der verschiedenen Kirchen und Altäre ist aus dieser Quelle allein nicht zu entscheiden.
Eine weitere besondere Opferform war die große Gewichtswachskerze. Gugitz führt eine solche ausdrücklich für St. Andrä an und verbindet sie mit dem hl. Sebastian. Gewichtskerzen konnten einem Gelübde entsprechend eine festgelegte Menge Wachs enthalten und waren wesentlich eindrucksvollere Opfer als gewöhnliche kleine Wallfahrtskerzen. Auch dieses Beispiel zeigt, wie differenziert die religiöse Landschaft St. Andräs war: Neben dem großen Marienheiligtum bestanden weitere Heiligenkulte mit eigenen Anliegen und Opferformen.
In seiner Aufzählung bemerkenswerter Kärntner Votivbildbestände nennt Gugitz außerdem "Maria-Loreto" mit Bildern des 18. Jahrhunderts. Da er in derselben Untersuchung mehrere Kärntner Loreto-Heiligtümer unterscheidet, lässt sich aus dieser verkürzten Ortsangabe allein nicht völlig sicher feststellen, ob ausschließlich St. Andrä gemeint ist. Der Hinweis bleibt dennoch wichtig und sollte bei einer künftigen Bestandsaufnahme der erhaltenen Votivbilder in der Basilika und in den kirchlichen Depots gezielt überprüft werden.
Gugitz beklagte schon um 1950, dass Votivbilder, Eisenopfer und Wachsvotive durch Sorglosigkeit, Ausräumungen und veränderte Frömmigkeitsformen verschwanden. Er forderte eine fotografische Bestandsaufnahme, bevor diese kulturhistorisch wertvollen Objekte verloren gingen. Für eine heutige Dokumentation von Maria Loreto ist dieser Hinweis geradezu programmatisch: Votivgaben erzählen nicht nur von kirchlicher Kunst, sondern von Krankheit, Angst, Hoffnung, sozialer Lage und dem konkreten Verhalten der Pilger.
Papst Franziskus erhob die Wallfahrtskirche Maria Loreto mit Dekret vom 21. Juli 2014 zur "Basilica minor". Sie war damit nach Maria Luggau die zweite Kirche Kärntens mit diesem päpstlichen Ehrentitel. Die Diözese begründete die Auszeichnung unter anderem mit der überregionalen Bedeutung des Gotteshauses und seiner besonderen Stellung als Wallfahrtsort und geistliches Zentrum.
Die Erhebung war nicht bloß eine historische Ehrung. Mit ihr verbindet sich der Auftrag, die Basilika weiterhin als Ort der Liturgie, des Gebetes und der Glaubensvermittlung zu pflegen. Maria Loreto bleibt daher ein lebendiger Wallfahrtsort und nicht nur Denkmal einer früheren Pilgerkultur.
Zu den bis heute besonders gepflegten marianischen Festen gehört der 15. August, der "Große Frauentag". Das Fest Mariä Himmelfahrt wird in St. Andrä mit einem feierlichen Hochamt in der Basilika begangen. Anschließend werden Kräutersträuße gesegnet, die von den St. Andräer Trachtenfrauen gebunden und an die Gottesdienstbesucher verteilt werden.
Die Kräutersegnung verbindet die Wallfahrtsbasilika mit einer im gesamten Alpenraum verbreiteten marianischen Festtradition. Heil- und Gewürzpflanzen werden gesammelt, zu Büscheln gebunden und im kirchlichen Segen in den Schutz- und Heilszusammenhang des Frauentages gestellt. Damit begegnen in Maria Loreto noch heute liturgische Marienverehrung, lokale Gemeinschaft und überliefertes volkskundliches Brauchtum.
Organisierte Wallfahrtsgruppen werden weiterhin in Maria Loreto empfangen; die Pfarre bittet um Anmeldung beim Stadtpfarramt. Neben klassischen Pilgergruppen gehören auch regionale kirchliche Gemeinschaften und besondere Wallfahrtstage zum heutigen Leben des Heiligtums. Der historische Gnadenort hat damit seine Funktion als Ziel gemeinschaftlichen Unterwegsseins behalten, auch wenn die Formen der Wallfahrt sich seit dem 17. Jahrhundert mehrfach verändert haben.
Die heutige Wallfahrtskirche entstand von 1683 bis 1687 unter Fürstbischof Franz Kaspar von Stadion. Die St. Andräer Überlieferung nennt einen aus Aquileia stammenden Baumeister namens Juri als Leiter des Projektes. Der weit gespannte Saalbau und seine monumentale Doppelturmfassade unterscheiden Maria Loreto deutlich von den meisten kleineren ländlichen Wallfahrtskirchen Kärntens.
Die beiden weithin sichtbaren Türme wurden um 1730 vollendet. Mit ihrer symmetrischen Fassade wurde die Kirche zu einem prägenden Zeichen der ehemaligen Bischofsstadt und zugleich zum weithin erkennbaren Ziel ankommender Wallfahrer.
Die entscheidende Veränderung des Innenraums erfolgte 1793. Die bis dahin im Zentrum stehende Loreto-Gnadenkapelle wurde abgetragen und links neben den Eingang versetzt. Erst dadurch entstand die heute wahrgenommene große Raumwirkung des Saalbaus. Die historische Wallfahrtsarchitektur ist deshalb in zwei Schichten zu lesen: Der mächtige Kirchenraum umschließt einen wesentlich kleineren, älteren Kultkern, der durch die Versetzung an den Rand des Raumes gerückt wurde.
Den Chor beherrscht eine monumentale illusionistische Architekturmalerei von 1793. In sie ist die Kreuzigungsgruppe eingebunden, die dem Klagenfurter Meister Claus zugeschrieben wird und aus dem 17. Jahrhundert stammt. Die gemalte Scheinarchitektur erweitert den realen Raum optisch und verbindet spätbarocke und frühklassizistische Gestaltungsmittel.
Die Kreuzigung steht damit im optischen Zentrum des großen Kirchenraumes, während das eigentliche marianische Gnadenbild in seiner separaten Loreto-Kapelle verehrt wird. Diese doppelte liturgische Schwerpunktsetzung - Kreuzesopfer im Presbyterium und Mariengnadenbild in der Vorhalle - ist für den heutigen Raumeindruck charakteristisch.
In den Seitenkapellen stehen Altäre von 1713 mit jüngeren Bildern des hl. Josef und des hl. Ignatius von Loyola. Eine weitere Kapelle besitzt einen bemerkenswerten schwarzen Barockaltar mit einer Darstellung des Fegefeuers. Ein Devotionalienaltar erinnert unmittelbar an den Wallfahrtsbetrieb und an die materielle Seite der Pilgerfrömmigkeit.
Zur reichen Ausstattung gehören eine spätrokoko- beziehungsweise frühklassizistische Kanzel, ein Bischofsthron mit Wiener Stickereiarbeiten des 18. Jahrhunderts, eine Augsburger Hinterglasmalerei nach der Marienikone von Santa Maria Maggiore in Rom sowie Jakob Zanussis Gemälde der Verkündigung. Diese Werke zeigen, dass Maria Loreto nicht nur Wallfahrtskirche, sondern zugleich repräsentativer Sakralraum der ehemaligen Bischofsstadt war.
Eine umfassende Innensanierung von 2012 bis 2014 erfasste Hochaltar, Chorgestühl, Beichtstuhl, Kapellen, Gemälde und die Hechenberger-Orgel. Dabei wurden auch Fresken des 18. Jahrhunderts freigelegt und Gnadenaltar, Leuchter sowie zahlreiche Rahmen originalgetreu versilbert. Kurz nach Abschluss dieser Arbeiten erfolgte die Erhebung zur Basilica minor.
- Gugitz, Gustav: Kärntens Wallfahrten im Volksglauben und Brauchtum. Versuch einer Bestandaufnahme. In: Carinthia I, 141. Jahrgang, Klagenfurt 1951, S. 181-241.
- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 4: Kärnten und Steiermark. Wien 1956.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Wien 2001, Abschnitt St. Andrä im Lavanttal / Maria Loreto.
- Katholische Kirche Kärnten / Pfarre St. Andrä im Lavanttal: Basilika Maria Loreto. Angaben zu Geschichte, Wallfahrt, Gnadenbild und heutigem Status.
- Katholische Kirche Kärnten: Ehemalige Stifte und Klöster in Kärnten. Abschnitt ehemaliges Dominikanerinnenkloster St. Andrä/Lavanttal.
- Katholische Kirche Kärnten: St. Andrä - Papst Franziskus erhebt Wallfahrtskirche Maria Loreto zur "Basilica minor", 2014.
- Katholische Kirche Kärnten: Maiandachten 2015. Hinweise zur Geschichte des Gnadenbildes und zur Loreto-Wallfahrt.
- Stadtgemeinde St. Andrä: Basilika Maria Loreto. Darstellung der Bau- und Wallfahrtsgeschichte.
- Bundesdenkmalamt: Denkmalliste Kärnten, Wallfahrtskirche Maria Loreto und Jesuitenfriedhof, HERIS-ID 58776, Objekt-ID 69605.
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrt in Kärnten | |
| Zurück zur Gesamtübersicht Wallfahrt |
Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen.
Ergänzungen: Wolfgang Morscher
© www.SAGEN.at