Oberdrauburg / Pirkach - Filial- und Wallfahrtskirche Maria Pirkach

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historischer und bis heute lebendiger Marienwallfahrtsort in Unterpirkach. Die Wallfahrt entstand aus einer Erscheinungsüberlieferung um 1790 und wurde trotz obrigkeitlicher Eingriffe und zeitweiliger Kirchensperre von der Bevölkerung weitergetragen.
Status:Filialkirche der Pfarre Ötting und Wallfahrtskirche. Seit der Restaurierung und Neueinweihung 1963 wird der Titel "Rosenkranzkönigin zu Maria Pirkach" geführt. Die Fatimawallfahrten am 13. der Monate Mai bis Oktober prägen die heutige Wallfahrt.
Kultobjekt:Das ursprüngliche Marienbild der Erscheinungswallfahrt wurde nach einem obrigkeitlichen Eingriff aus der Kirche entfernt und ist nach Gustav Gugitz nicht mehr vorhanden. Heute steht die Rosenkranzkönigin mit dem Jesuskind im Zentrum des Hochaltares.
Volkskunde:Gugitz dokumentierte Pirkach als Augenwallfahrt mit älteren Wachsvotiven, darunter einem lebensgroßen Kopf und einer Hand um 1810, sowie geschnitzten und bemalten hölzernen Augen. Votivbilder sind für die Zeit von 1807 bis 1860 belegt; Pirkach galt außerdem als Wallfahrt gegen Hochwasser.
Besonderheit:Die Erscheinung war mit einer Birke verbunden. Nach deren Beseitigung wurde weiterhin der Wurzelstock und schließlich die Stelle selbst verehrt. Alois Flir bezeichnet das Heiligtum 1852 als "Maria Birkach" und verbindet die Visionärin Agnes sowie Propst Johann Holzer mit der Entstehung des späteren Bundes der Michaelsritter.
Kirchliche Zugehörigkeit:Pfarre Ötting, Diözese Gurk.
Bundesland:Kärnten.
Lage und Besuch
Lage: Unterpirkach 55, 9781 Oberdrauburg.
Westlich von Ötting auf der Oberdrauburger Schattseite, in einer von Wald und Wiesen geprägten Landschaft am Fuß des Hochstadels.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Ötting
Öffnungszeiten: Die Wallfahrtskirche ist in den Monaten von Frühjahr bis Spätherbst in der Regel tagsüber für Besucher und Pilger geöffnet.
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Die Erscheinung an der Birke

Eine junge Hirtin und fünf weitere Kinder

Die Entstehung von Maria Pirkach wird mit einer Marienerscheinung um das Jahr 1790 verbunden. Die jüngere örtliche Überlieferung nennt als zentrale Seherin Agnes Weisinger, die aus Hauzendorf bei Greifenburg stammte und in den Drauauen Schafe hütete. Gemeinsam mit fünf weiteren Kindern hielt sie sich bei einer Birke auf. Dort sollen die Kinder die Gottesmutter gesehen haben, mit einer goldenen Krone und einem blauen Mantel.

Die Aussagen der Kinder wurden zunächst nicht ohne weiteres geglaubt. Nach der lokalen Überlieferung blieben sie jedoch auch unter wiederholten Befragungen, Ermahnungen, Drohungen und sogar Schlägen bei ihrer Darstellung. Besonders Agnes berichtete von weiteren Botschaften, in denen schwere kommende Zeiten angekündigt worden seien: Krieg, Pest, Erdbeben und Überschwemmungen. Diese apokalyptische Dimension der Überlieferung ist für die spätere Entwicklung des Kultes wichtig, denn aus der kindlichen Erscheinungserzählung entwickelte sich eine religiöse Bewegung, die weit über eine gewöhnliche lokale Gründungssage hinausging.

1790 oder 1791?

Die jüngeren örtlichen und kirchlichen Darstellungen nennen überwiegend 1790 als Jahr der Erscheinung. In einzelnen älteren oder sekundären Texten begegnet auch 1791. Solange keine zeitgenössische Niederschrift der ersten Befragungen vorliegt, sollte diese geringe Abweichung nicht künstlich aufgelöst werden. Für die zeitliche Einordnung der Entstehung der Wallfahrt ist entscheidend, dass der Erscheinungskult in die letzten Jahre des 18. Jahrhunderts und damit unmittelbar in die Epoche der josephinischen und nachjosephinischen Religionspolitik fällt.

Birke, Wurzelstock und "Maria-Loch"

Der Erscheinungsbaum wird zum Andachtsort

Mit der Zeit fanden die Erzählungen der Kinder bei Teilen der Bevölkerung Glauben. Menschen kamen zur Birke, versammelten sich dort und beteten. Damit wurde zunächst nicht eine Kapelle oder ein Altar, sondern ein Baum zum Mittelpunkt des Kultes. Gustav Gugitz ordnete Pirkach später ausdrücklich unter jene Kärntner Wallfahrtsorte ein, bei denen eine bestimmte Baumart für die Ursprungslegende wesentlich ist: In Pirkach sei Maria bei einer Birke erschienen.

Gerade die genaue Benennung der Baumart ist volkskundlich bemerkenswert. Solche Erzählungen sprechen selten nur von einem beliebigen Baum. Fichte, Buche, Linde, Wacholder oder Birke werden genau erinnert und verleihen dem verehrten Platz eine unverwechselbare örtliche Gestalt.

Die Beseitigung des Baumes beseitigt den Kult nicht

Der Pfleger von Oberdrauburg versuchte nach der örtlichen Überlieferung, die neue Andacht zu unterbinden. Die Birke wurde gefällt. Doch die Menschen wandten sich weiterhin dem zurückgebliebenen Wurzelstock zu. Gugitz hält ausdrücklich fest, dass in Pirkach nach Entfernung des Baumes noch der Wurzelstock verehrt wurde. Schließlich ließ die Obrigkeit auch Wurzeln und Stock ausgraben.

Damit verlagerte sich die Heiligkeit des Ortes ein weiteres Mal. Nun blieb nur die Stelle selbst, das entstandene Erdloch. Die lokale Überlieferung erklärt, der Platz habe dadurch vorübergehend den Namen "Maria-Loch" erhalten. Der Versuch, den Kult durch Beseitigung seines materiellen Mittelpunktes zu beenden, bewirkte somit nicht das Ende der Verehrung: Aus dem Erscheinungsbaum wurde ein heiliger Wurzelstock, aus dem Wurzelstock ein verehrter Ort.

Für die Geschichte der Wallfahrt ist dieser Vorgang von besonderer Bedeutung. Er zeigt, dass die religiöse Bindung nicht allein an einem Gegenstand haftete. Die Bevölkerung verstand zunehmend den Platz selbst als ausgezeichnete Stelle, an der die Erscheinung stattgefunden habe. Erst der spätere Kirchenbau gab dieser Ortsverehrung eine dauerhafte architektonische Form.

Kirchenbau gegen den Widerstand der Obrigkeit

Der Wunsch nach Kirche und Kloster

Agnes soll nach der Überlieferung mitgeteilt haben, Maria wünsche an der Erscheinungsstelle eine Kirche und ein Kloster. Die Bewohner der Schattseite waren jedoch nicht in der Lage, ein solches Vorhaben aus eigener Kraft zu finanzieren. Sie wandten sich deshalb an einen Herrn von Tschabuschnigg beziehungsweise Zabuschnig, Besitzer von Schloss Raknitz und einer Eisenhämmeranlage bei Lind im Drautal. Dieser nahm sich des Projektes an und beriet sich mit Propst Johann Holzer von Gmünd, der den Bau ebenfalls unterstützte.

Die örtliche Geschichte nennt die Oberdrauburger Brüder Michael und Josef Köfler als Baumeister. Der Kirchenbau begann um 1800. In den heutigen Kurzdarstellungen wird die Kirche häufig mit 1803 datiert, während die ausführlichere lokale Überlieferung die Bauarbeiten bis 1805 reichen lässt. Sicher ist, dass das Gotteshaus bereits in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts stand.

Eine eigenmächtige Weihe

Der Bau erfolgte ohne die erforderliche Zustimmung der kirchlichen Obrigkeit. Propst Johann Holzer nahm dennoch eine Weihe beziehungsweise kirchliche Ingebrauchnahme vor. Die Folgen waren gravierend: Gegen Holzer wurde disziplinär vorgegangen, und das Konsistorium ließ das in der Kirche aufgestellte Marienbild entfernen. Das Gotteshaus wurde gesperrt.

Die Schließung zeigt, dass es sich nicht bloß um eine Auseinandersetzung über einen Bauakt handelte. In den Jahren der Aufklärung und der napoleonischen Umbrüche begegneten staatliche und kirchliche Stellen einer unkontrollierten Erscheinungsfrömmigkeit, prophetischen Botschaften und eigenmächtigen Kultgründungen mit erheblichem Misstrauen. Maria Pirkach ist damit ein besonders anschauliches Beispiel für den Konflikt zwischen einer von der Bevölkerung getragenen religiösen Bewegung und dem Anspruch der kirchlichen Obrigkeit, Erscheinungen, Kultbilder und Wallfahrten zu prüfen und zu ordnen.

Alois Flir: "Maria Birkach", Agnes und die Michaelsritter

Eine außergewöhnliche Quelle von 1852

Eine entscheidende Quelle für die weitere Geschichte ist Alois Flirs 1852 in Innsbruck erschienenes Werk "Die Manharter. Ein Beitrag zur Geschichte Tirols im 19. Jahrhundert". Flir schrieb mehrere Jahrzehnte nach den Ereignissen und aus einer deutlich kirchlich-katholischen Perspektive. Sein Bericht muss daher quellenkritisch gelesen werden. Er ist für Pirkach dennoch von außerordentlichem Wert, weil er die Erscheinungsgeschichte, Agnes, Propst Holzer und den Kirchenbau in einem zusammenhängenden historischen Bericht behandelt.

Flir nennt den Vater der Seherin "Joseph Winsinger" und dessen Tochter Agnes. Die jüngere Pirkacher Überlieferung verwendet dagegen die Namensform Agnes Weisinger, andere Texte schreiben Wirsinger. Trotz dieser schwankenden Familiennamensform ist die Identität des beschriebenen Vorganges eindeutig: Flir berichtet von Agnes, fünf weiteren Kindern, der Erscheinung unter einer Birke, dem anschließenden Zulauf der Bevölkerung, der Beseitigung des Baumes und dem Kirchenbau bei Oberdrauburg.

"Maria Birkach"

Besonders bemerkenswert ist Flirs historische Bezeichnung des Heiligtums als "Maria Birkach", nicht weit von Oberdrauburg in der Pfarre Ötting. Die Schreibweise stellt die Verbindung zur Birke unmittelbar her. Ob der Ortsname Pirkach tatsächlich sprachgeschichtlich aus dieser Form hervorgegangen ist, lässt sich daraus allein nicht ableiten; als historische Benennung des Heiligtums ist "Maria Birkach" jedoch eindeutig belegt.

Von der Erscheinungsseherin zur religiösen Bewegung

Flir berichtet, Agnes habe später immer umfangreichere Offenbarungen mitgeteilt. In diesen Visionen kündigten sich schwere Zeiten mit Krieg, Hunger, Pest, Sturm, Erdbeben und Überschwemmungen an. Die Bilder steigerten sich zu einer apokalyptischen Erwartung von Gericht, Reinigung und Erneuerung. Gerade diese Entwicklung erklärt, weshalb die Angelegenheit für die Obrigkeit weit brisanter wurde als eine örtliche Marienandacht.

Nach Flir nahm Propst Holzer Agnes später in sein Haus auf. Aus weiteren Offenbarungen entwickelte sich der Auftrag, einen Bund zu Ehren der Unbefleckten Jungfrau Maria und des Erzengels Michael zu verbreiten. Holzer sollte bei dieser Gemeinschaft eine leitende Funktion übernehmen. Daraus entstand der Bund der sogenannten Michaelsritter, dessen Mitglieder in den folgenden Jahren in weitere religiöse Auseinandersetzungen hineingezogen wurden und schließlich mit dem Umfeld der Tiroler Manharter in Verbindung standen.

Für Maria Pirkach ergibt sich daraus ein ungewöhnlich weiter religionsgeschichtlicher Horizont. Die Erscheinungsüberlieferung blieb nicht auf den Standort der Kirche beschränkt. Die zentrale Visionärin und der wichtigste geistliche Förderer des Kirchenbaues wurden Teil einer überregionalen Bewegung, die auf die politischen, kirchlichen und gesellschaftlichen Umbrüche der napoleonischen Zeit mit einer stark traditionalistischen und apokalyptischen Frömmigkeit reagierte.

Vom verschwundenen Kultbild zur Rosenkranzkönigin

Das ursprüngliche Marienbild

Für die Dokumentation eines Wallfahrtsortes ist die Frage nach dem eigentlichen Gnaden- oder Kultbild entscheidend. In Pirkach muss zwischen der frühen Erscheinungswallfahrt und der heutigen Ausstattung unterschieden werden. Nach der lokalen Überlieferung ließ der Bischof das Marienbild, das im Zusammenhang mit dem eigenmächtigen Kirchenbau verehrt wurde, aus dem Gotteshaus entfernen.

Gustav Gugitz bestätigt diese Zäsur aus volkskundlicher Sicht. In seiner Bestandsaufnahme der Kärntner marianischen Gnadenstätten führt er Pirkach unter den Wallfahrtsorten mit Marienstatue an und vermerkt ausdrücklich, das Original sei verschwunden. Damit ist die heute im Hochaltar verehrte Rosenkranzkönigin nicht ohne weiteres mit dem ursprünglichen Kultbild der frühen Erscheinungswallfahrt gleichzusetzen.

Die heutige Rosenkranzkönigin

Im Zentrum des Hochaltares befindet sich heute die gekrönte Muttergottes mit dem Jesuskind im Strahlenkranz. Um sie sind fünfzehn Medaillons mit den Rosenkranzgeheimnissen angeordnet. Über der Gruppe erscheinen Gottvater und die Taube des Heiligen Geistes. Die heutige Kultordnung verbindet damit den marianischen Rosenkranzkult mit dem älteren Dreifaltigkeitspatrozinium der Kirche.

Seit der Restaurierung und Neueinweihung von 1963 wird das Heiligtum unter dem Titel "Rosenkranzkönigin zu Maria Pirkach" geführt. Diese Bezeichnung markiert eine neue Phase der Wallfahrtsgeschichte, ohne die ältere Erscheinungsüberlieferung zu verdrängen: Das Deckengemälde im Langhaus erinnert weiterhin sichtbar an Agnes und die Entstehung des Heiligtums.

Augenwallfahrt und Votivwesen

Pirkach als Ziel bei Augenleiden

Gustav Gugitz nennt Pirkach ausdrücklich unter jenen Kärntner Wallfahrtsorten, die bei Augenleiden aufgesucht wurden. Anders als bei klassischen Augenwallfahrten ist für Pirkach keine besondere Heilquelle und auch kein eigener Augenheiliger als Begründung greifbar. Gugitz verweist stattdessen auf die "schönen Votive". Die Heilserwartung manifestierte sich also vor allem in den dargebrachten Opfergaben.

Wachskopf und Wachshand

Bei seinen eigenen Erhebungen fand Gugitz in Pirkach ältere Wachsvotive. Besonders bemerkenswert waren ein lebensgroßer Kopf sowie eine Hand, die er um 1810 datierte. Anatomische Wachsvotive machten das kranke oder gefährdete Körperteil materiell sichtbar. Sie konnten als Bitte um Heilung, als Dank nach überstandener Krankheit oder als symbolische Stellvertretung des hilfesuchenden Menschen dargebracht werden.

Geschnitzte und bemalte Augen

Noch eindrucksvoller sind die von Gugitz in Pirkach gesehenen hölzernen Votive: Er nennt ausdrücklich "sehr schön geschnitzte und bemalte Augen". Solche Stücke sind für Kärnten ungewöhnlich, weil Holzvotive dort gegenüber Wachs- und Metallopfern wesentlich seltener vorkamen. Die geschnitzten Augen bilden deshalb einen besonders anschaulichen materiellen Nachweis der Pirkacher Augenwallfahrt.

Votivbilder von 1807 bis 1860

Auch gemalte Votivtafeln waren vorhanden. Gugitz führt für Pirkach Votivbilder aus dem Zeitraum von 1807 bis 1860 an. Diese Datierung ist historisch aufschlussreich: Gerade während der Jahrzehnte, in denen die kirchliche Anerkennung des Wallfahrtsortes unsicher oder eingeschränkt war, setzte sich die Votivpraxis fort. Die religiöse Bindung der Bevölkerung an Maria Pirkach lässt sich damit nicht nur aus Legenden, sondern aus konkreten materiellen Zeugnissen ablesen.

Hochwasser, Bedrohung und Hilfe

Gugitz zählt Pirkach außerdem zu den Kärntner Wallfahrten gegen Hochwasser. Diese Funktion ist im landschaftlichen Zusammenhang des Drautales unmittelbar verständlich. Überschwemmungen bedrohten Felder, Wege, Häuser und wirtschaftliche Existenz und gehörten zu jenen Gefahren, gegen die bäuerliche und dörfliche Gemeinschaften mit Bittgängen, Gelübden und Wallfahrten reagierten.

Bemerkenswert ist, dass bereits die Erscheinungsüberlieferung Agnes' Überschwemmungen unter den angekündigten kommenden Katastrophen nennt. Ein unmittelbarer historischer Zusammenhang zwischen dieser Prophezeiung und der späteren Hochwasserwallfahrt lässt sich nicht beweisen. Die thematische Übereinstimmung zeigt jedoch, wie stark Naturgefahren und religiöse Deutung in der lokalen Überlieferung ineinandergreifen.

Lichterscheinungen nach dem Ersten Weltkrieg

Die örtliche Überlieferung kennt noch eine weitere ungewöhnliche Geschichte. Nach dem Ersten Weltkrieg soll die Kirche nachts wiederholt hell erleuchtet erschienen sein, obwohl keine gewöhnliche Lichtquelle erkennbar gewesen sei. Zeitgenössisch wurde auch über eine natürliche Erklärung durch mögliche Ausstrahlungen aus einem nahe gelegenen Moor nachgedacht. Für die Wallfahrtsgeschichte ist weniger die Erklärung als die Fortdauer solcher Erzählungen bedeutsam: Der Ort blieb auch im 20. Jahrhundert mit der Vorstellung außergewöhnlicher Erscheinungen verbunden.

Wiederöffnung, Restaurierung und neue Wallfahrt

1830: Rückkehr zum Gottesdienst

Die Bevölkerung gab die Kirche trotz der Sperre nicht auf. Nach wiederholten Bitten wurde sie 1830 wieder für den Gottesdienst freigegeben. In dieser Phase trat das Patrozinium der Allerheiligsten Dreifaltigkeit stärker hervor; die örtliche Überlieferung berichtet sogar von der zeitweiligen Bezeichnung "Heilige Dreifaltigkeit zu Mitterpirkach". Andere kunsthistorische Darstellungen nennen 1833 als Jahr einer förmlichen Weihe. Wahrscheinlich spiegeln die beiden Jahreszahlen unterschiedliche Schritte der kirchlichen Wiederzulassung und Neuordnung.

1962-1963: eine entscheidende Erneuerung

Nach Jahrzehnten, in denen größere Instandsetzungen unterblieben waren, wurde die Kirche 1962 und 1963 umfassend restauriert. Die Arbeiten erfolgten auf Initiative des damaligen Oberdrauburger Pfarrers Alois Unterlugger; als Restaurator wird Adolf Campidell genannt. Am 15. September 1963 nahm Bischof Joseph Köstner die Neueinweihung vor. Seit dieser Erneuerung trägt die Wallfahrtskirche den Titel "Rosenkranzkönigin zu Maria Pirkach".

Fatimawallfahrten

Die heutige Wallfahrt ist besonders durch die Fatimafreitage beziehungsweise Wallfahrten am 13. der Monate Mai bis Oktober geprägt. Pilgergruppen ziehen über die Felder nach Maria Pirkach, beten den Rosenkranz und feiern anschließend Gottesdienst. Aktuelle kirchliche Berichte dokumentieren diese Form der Wallfahrt weiterhin. 2025 begann beispielsweise eine Dekanats-Fußwallfahrt beim "Stöckl" in Flaschberg; Kreuz und gekrönte Marienstatue wurden vorangetragen, ehe die Pilger Maria Pirkach erreichten.

Auch Pfarren, die nicht unmittelbar zum örtlichen Pfarrverband gehören, besuchen Maria Pirkach weiterhin als Wallfahrtsziel. Damit ist die historische Wallfahrt nicht erloschen. Ihre heutige Form unterscheidet sich von der konfliktreichen Erscheinungsbewegung um 1800, knüpft aber an dieselbe Vorstellung an: Maria Pirkach ist ein Ort, an dem persönliche und gemeinschaftliche Anliegen im gemeinsamen Unterwegssein vorgetragen werden.

Bau und Ausstattung

Ein heller spätbarocker Kirchenraum

Maria Pirkach ist eine stattliche spätbarock-frühklassizistische Wandpfeilerkirche. Der weite, helle Innenraum unterscheidet sich deutlich von vielen kleineren ländlichen Wallfahrtskapellen und entspricht dem Anspruch des um 1800 geplanten Heiligtums. Die Brüder Michael und Josef Köfler aus Oberdrauburg werden als Baumeister genannt; sie waren auch an anderen Kirchenbauten der Umgebung beteiligt.

Christoph Brandstätter und die gemalte Altararchitektur

Die künstlerische Wirkung des Innenraumes wird wesentlich durch Christoph Brandstätter geprägt. Die Scheinarchitekturen der drei Altäre entstanden 1803. Der Hauptaltar besitzt einen besonders qualitätvollen Rokokotabernakel. Darüber thront die Rosenkranzkönigin mit dem Jesuskind, umgeben von den fünfzehn Rosenkranzgeheimnissen.

Die Seitenaltäre verbinden ungewöhnliche Bildthemen. Rechts erscheint Christus als Guter Hirte, der die Schafe mit seinem eigenen Blut nährt; links wird die Kirche als Gute Hirtin dargestellt. Diese Bilder stehen neben Darstellungen des hl. Oswald und des hl. Franz von Assisi.

Die Erscheinung bleibt an der Decke sichtbar

Von besonderer Bedeutung für die Wallfahrtsgeschichte ist das Bildprogramm der Decke. Brandstätter malte dort die Erscheinung von Pirkach nach der Überlieferung der Agnes. Unter der Szene kniet die Stifterfamilie Tschabuschnigg. Die einst von der Obrigkeit bekämpfte Erscheinung wurde damit dauerhaft in den Kirchenraum eingeschrieben. Selbst nachdem das ursprüngliche Marienbild entfernt worden war, blieb die Gründungserzählung für jeden Besucher sichtbar.

Weitere Decken- und Wandmalereien behandeln marianische Themen wie Verkündigung, Heimsuchung und Aufnahme Mariens in den Himmel. Die gesamte Ausstattung bindet damit Erscheinungsüberlieferung, Marienverehrung und das kirchlich stärker geordnete Rosenkranz- und Dreifaltigkeitsprogramm zusammen.

Die Orgel von 1682

Eine weitere Besonderheit ist die Orgel, die nach örtlicher Angabe aus dem Jahr 1682 stammt und damit älter als die Kirche selbst ist. Das Instrument wurde aus Kötschach nach Pirkach übertragen und besitzt noch originale Prospektpfeifen. 2002 erfolgte eine Restaurierung.

Literatur und Quellen

- Flir, Alois: Die Manharter. Ein Beitrag zur Geschichte Tirols im 19. Jahrhundert. Wagner, Innsbruck 1852. Besonders wichtig für Agnes, Propst Holzer, "Maria Birkach" und die Entstehung des Bundes der Michaelsritter.

- Gugitz, Gustav: Kärntens Wallfahrten im Volksglauben und Brauchtum. Versuch einer Bestandaufnahme. In: Carinthia I, 141. Jahrgang, Klagenfurt 1951, S. 181-241. Grundlegend für Baumverehrung, Augenwallfahrt, Wachsvotive, hölzerne Augen, Votivbilder und Hochwasserwallfahrt.

- Marktgemeinde Oberdrauburg: Wallfahrtskirche Maria Pirkach - Geschichte. Lokale Zusammenstellung zur Erscheinungsüberlieferung, zum Kirchenbau, zur Sperre, zur Wiederöffnung, Restaurierung und Ausstattung.

- Marktgemeinde Oberdrauburg: Kunst, Kultur & Religion - Wallfahrtskirche Maria Pirkach. Angaben zu Bau, Restaurierung, Orgel und heutiger Wallfahrt.

- Katholische Kirche Kärnten, Pfarre Ötting: Filialkirche Pirkach. Patrozinium "Heiligste Dreifaltigkeit - Maria Rosenkranzkönigin".

- Katholische Kirche Kärnten: Pfarr- und Dekanatsberichte zu den Fatima-Wallfahrten nach Maria Pirkach, besonders die Berichte 2024 und 2025.

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Abschnitt Pirkach.

- Bundesdenkmalamt: Denkmalliste Kärnten, Filial- und Wallfahrtskirche Maria Rosenkranzkönigin in Pirkach, HERIS-ID 55040 / Objekt-ID 63526.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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