Moosburg - Freudenberg, Wallfahrtskirche Maria Sieben Schmerzen

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historischer Marienwallfahrtsort, dessen Entstehung auf eine 1722 überlieferte Marienvision des Knechtes Lucas Machtig zurückgeführt wird. Trotz zeitweiliger obrigkeitlicher Unterdrückung hielt sich die Verehrung und führte schließlich zum Bau der heutigen Kirche 1842 bis 1844.
Status:Lebendiger Wallfahrtsort und Filialkirche der Pfarre Tigring. Gegenwärtige Schwerpunkte sind unter anderem die Fatimawallfahrten vom 13. Mai bis 13. Oktober, die Wallfahrt am Ostermontag, Kreuzwegandachten und die Kräutersegnung zu Mariä Himmelfahrt.
Kultbild:Der heutige Hochaltar enthält ein Pietà-Gemälde der Schmerzhaften Muttergottes. Das Gnadenbild der ersten Wallfahrt wurde nach der Aufhebung der frühen Kapelle nach Maria Feicht übertragen. Ob und wie beide Kultbilder historisch zusammenhängen, ist bislang nicht eindeutig geklärt.
Volkskunde:Spontane Erscheinungswallfahrt, kirchliche Bekämpfung vermeintlichen "Aberglaubens", hartnäckige Fortsetzung der Verehrung, Kreuzweg als Pilgerweg, Ostermontagswallfahrt, Fatimaprocessionen und Kräutersegnung mit lokalem Heilglauben.
Patrozinium:Maria Sieben Schmerzen.
Kirchliche Zugehörigkeit:Filial- und Wallfahrtskirche der Pfarre Tigring.
Bundesland:Kärnten.
Lage und Besuch
Lage: Freudenberg 2, 9062 Moosburg, Bezirk Klagenfurt-Land.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten
Ansicht in Street View (Luftbild)
Pfarre: Tigring, Pfarrkirche hl. Ägidius.
Web: Katholische Kirche Kärnten - Pfarre Tigring
Besuch: Die Pfarre beschreibt Maria Thurn als Segens- und Wallfahrtskirche mit regelmäßigem Gebets- und Gottesdienstleben. Für eine gezielte Besichtigung außerhalb der Gottesdienstzeiten empfiehlt sich eine Rückfrage bei der Pfarre.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Wallfahrt auf den Freudenberg bei Moosburg um 1922. Die historische Ansichtskarte zeigt eine Pilgergruppe vor der Wallfahrtskirche Maria Sieben Schmerzen; die Karte trägt den Aufdruck "Gruß vom Wallfahrtsort Freudenberg bei Moosburg". Aufnahme: Gustav Lasic, Klagenfurt.

Wallfahrt Freudenberg bei Moosburg um 1922, Pilgergruppe vor der Wallfahrtskirche Maria Sieben Schmerzen

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Entstehung der Wallfahrt

Lucas Machtig und der "Freudenhigl"

Die Wallfahrt auf den Freudenberg wird auf das Jahr 1722 zurückgeführt. Nach der kirchlichen Überlieferung erschien dem Knecht Lucas Machtig im Traum die Gottesmutter Maria auf dem sogenannten "Freudenhigl". Machtig suchte den Ort daraufhin wiederholt zum Gebet auf. Andere Menschen schlossen sich an, und aus dem zunächst persönlichen Andachtsplatz entwickelte sich eine gemeinschaftlich besuchte Kultstätte. Schließlich wurde eine hölzerne Kapelle errichtet.

Die Entstehungsgeschichte gehört damit zu jenen Wallfahrtsüberlieferungen, bei denen nicht eine bereits bestehende Kirche oder ein offiziell geförderter Kult am Anfang steht, sondern die religiöse Erfahrung eines Einzelnen. Erst durch die wiederholte Anwesenheit weiterer Betender wurde aus dem Ort persönlicher Frömmigkeit ein Wallfahrtsplatz.

Überlieferte Einzelheiten

Spätere Darstellungen schmücken die Grundüberlieferung weiter aus und berichten unter anderem von wiederholten Träumen und einer Erscheinung Mariens unter einem Baum. Solche Einzelheiten sind volkskundlich interessant, lassen sich aber mit den derzeit zugänglichen kirchlichen Quellen nicht in derselben Sicherheit belegen wie die Kernaussage: 1722 entstand auf dem Freudenberg im Zusammenhang mit der Vision des Lucas Machtig eine spontane Marienverehrung, aus der eine Wallfahrt hervorging.

Volksfrömmigkeit und kirchliche Kontrolle

Eine Wallfahrt, die zunächst unerwünscht war

Die junge Kultstätte stieß bei der kirchlichen Obrigkeit auf Misstrauen. Nach der überlieferten Chronologie wurde die hölzerne Kapelle bereits wenige Jahre nach ihrer Errichtung auf Anordnung des Salzburger Ordinariates wieder beseitigt; als Begründung wird die Gefahr des "Aberglaubens" genannt. Das damals verehrte Gnadenbild wurde nach Maria Feicht übertragen.

Dieser Vorgang ist für die Volkskunde des Wallfahrtswesens besonders aufschlussreich. Er zeigt die Spannung zwischen spontan entstehender Volksfrömmigkeit und kirchlicher Kontrolle. Erscheinungsberichte, rasch anwachsende Pilgerbewegungen und die Verehrung eines Kultbildes konnten aus Sicht der Obrigkeit geprüft, reglementiert oder unterbunden werden. Im Fall des Freudenbergs führte die Entfernung der Kapelle jedoch nicht zum Ende der Verehrung.

Hartnäckiges Fortleben des Kultes

Im ausgehenden 18. Jahrhundert entstand erneut eine hölzerne Kapelle. Die überlieferten Angaben zum genauen Zeitpunkt sind nicht völlig einheitlich; häufig wird das Jahr 1780 genannt. Entscheidend ist weniger die unsichere Jahreszahl als die erkennbare Kontinuität: Die Menschen hielten am Freudenberg als religiösem Ort fest, obwohl die erste Kultstätte beseitigt worden war. Erst im 19. Jahrhundert erhielt die Wallfahrt mit dem Bau einer dauerhaften Kirche ihre bis heute sichtbare bauliche Form.

Gnadenbild und Pietà

Das Gnadenbild der ersten Wallfahrt

Für die frühe Wallfahrtsgeschichte ist ausdrücklich ein Gnadenbild überliefert. Nach der Aufhebung der ersten Kapelle wurde dieses Bild nach Maria Feicht gebracht. Auch gegenwärtige Beschreibungen der Kirche von Maria Feicht verweisen auf ein dort befindliches "Gnadenbild vom Freudenberg". Damit ist sicher, dass ein Kultbild der ursprünglichen Freudenberger Wallfahrt außerhalb des heutigen Heiligtums weiterbewahrt wurde.

Das Pietà-Gemälde im heutigen Hochaltar

Im Mittelpunkt des heutigen Hochaltares befindet sich ein Gemälde der Pietà, also Maria mit dem vom Kreuz abgenommenen Christus. Dieses Bild entspricht unmittelbar dem Patrozinium der Kirche als Heiligtum "Maria Sieben Schmerzen" und bildet das heutige marianische Zentrum des Kirchenraumes.

Ob das Pietà-Gemälde mit dem historischen Gnadenbild der ersten Wallfahrt identisch ist, ob ein älteres Bild später zurückkehrte oder ob das heutige Kultzentrum im Zuge der späteren Ausstattung neu bestimmt wurde, lässt sich mit den derzeit zugänglichen Quellen nicht sicher entscheiden. Für die Dokumentation ist deshalb zwischen dem nach Maria Feicht übertragenen Gnadenbild der frühen Wallfahrt und dem Pietà-Gemälde des heutigen Hochaltares zu unterscheiden.

Der steinerne Neubau im 19. Jahrhundert

Leopold Anton Praskowitz

Zum entscheidenden Förderer der Wallfahrtsstätte wurde Leopold Anton Praskowitz, Propst am Virgilienberg zu Friesach und Dompfarrer in Klagenfurt. Er setzte den Bau einer dauerhaften steinernen Kirche durch. Die heutige Wallfahrtskirche entstand 1842 bis 1844; am Südportal ist das Jahr 1843 bezeichnet.

Im Inneren erinnert ein Porträt an Praskowitz. Seine Hände ruhen auf einer leeren Schatulle, die als Hinweis auf seinen großen finanziellen Einsatz für den Kirchenbau verstanden wird. Eine darunter angebrachte Inschrifttafel fasst die Geschichte des Wallfahrtsortes zusammen. Damit wurde der Förderer selbst Teil der visuellen Erinnerungskultur der Kirche.

Eine ältere Ausstattung im jüngeren Bau

Bemerkenswert ist, dass Hochaltar und Seitenaltar aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen und damit älter sind als der heutige Kirchenbau. Die Wallfahrtskirche bewahrt folglich Ausstattung aus älteren Phasen der Kultgeschichte. Ohne einen gesonderten Herkunftsnachweis sollte jedoch nicht behauptet werden, aus welchem konkreten Vorgängerbau die einzelnen Stücke übernommen wurden.

Kreuzweg und Ostermontagswallfahrt

Der Aufstieg wird zum Passionsweg

Der letzte Abschnitt des Weges von Witsch auf den Freudenberg wird von vierzehn Kreuzwegstationen begleitet. Die Wallfahrtskirche bildet den Zielpunkt dieses religiös gegliederten Aufstiegs. Der Kreuzweg wurde 1901 von Sophie von Moro gestiftet und verknüpft seitdem die Marienwallfahrt mit der Passionsfrömmigkeit.

Der Weg ist damit selbst Bestandteil der Wallfahrt. Das Ziel wird nicht nur räumlich erreicht; der Aufstieg wird durch die vierzehn Stationen zu einem meditativ strukturierten religiösen Vollzug. Besonders deutlich wird dies bei gemeinschaftlichen Kreuzwegandachten, die den Bergweg bis zur Kirche einbeziehen.

Wallfahrt am Ostermontag

Eine weitere feste Tradition ist die Wallfahrt am Ostermontag. Über Jahrzehnte kamen Pilger zu Fuß aus Moosburg, Ponfeld, Wölfnitz und anderen Orten auf den Freudenberg. Historische Berichte sprechen von Hunderten Teilnehmern. Auch heute wird am Ostermontag auf dem Freudenberg Gottesdienst gefeiert. Damit besitzt der Ort neben den marianischen Wallfahrten eine ausgeprägte österliche Wallfahrtsschicht.

Wallfahrt heute: Fatima und weitere Fußwallfahrten

Am 13. mit Maria unterwegs

Besonders sichtbar ist heute die Fatimawallfahrt auf den Freudenberg. Jeweils am 13. der Monate Mai bis Oktober ziehen Gläubige von Krainig zur Wallfahrtskirche. Eine Fatima-Madonna wird in der Prozession mitgetragen; Rosenkranz, Gebet und anschließende Messfeier prägen den Ablauf.

Diese Wallfahrten dürfen nicht mit der Entstehung des Freudenberger Heiligtums gleichgesetzt werden. Die Fatimafrömmigkeit des 20. Jahrhunderts legte sich vielmehr über einen bereits seit 1722 bestehenden regionalen Marienwallfahrtsort. Gerade diese Schichtung unterschiedlicher Marienkulte ist volkskundlich bedeutsam: Ein älterer Erscheinungsort wurde nicht verdrängt, sondern in eine neue, international verbreitete Frömmigkeitsform eingebunden.

Weitere Pilgerwege

Neben der Fatimawallfahrt führen weitere gemeinschaftliche Fußwallfahrten auf den Freudenberg. Kirchliche Gruppen und franziskanisch geprägte Gemeinschaften nutzen den Weg ebenso wie regionale Pfarren. Feuerweihe, Lichterprozessionen, Rosenkranz und Messfeiern verbinden sich dabei mit älteren Formen des Wallfahrens. Der Freudenberg ist damit kein bloß historischer Wallfahrtsort, sondern weiterhin ein tatsächlich begangener religiöser Weg- und Zielort.

Kräutersegnung und Marienfrömmigkeit

Zwischen Hohem Frauentag und Mariä sieben Schmerzen

Zu Mariä Himmelfahrt am 15. August werden auf dem Freudenberg Kräuterbüschel gebunden, während des Gottesdienstes gesegnet und anschließend an die Mitfeiernden verteilt. Der Brauch wird von der Trachtengruppe Tigring gepflegt und verbindet kirchliche Segenspraxis mit lokalem Wissen um Heil- und Gewürzkräuter.

Besonders bemerkenswert ist die dazu überlieferte Glaubensvorstellung: Vom "Hohen Frauentag" am 15. August bis zum Fest "Mariä sieben Schmerzen" am 15. September soll den geweihten Kräutern eine besonders heilsame Wirkung zukommen. Damit entsteht eine symbolische Verbindung zwischen zwei Marienfesten, die zugleich das Patrozinium der Freudenberger Kirche aufnimmt. Der Brauch ist ein anschauliches Beispiel für die enge Verschränkung von Kirchenjahr, Marienverehrung, Naturwissen und Volksglauben.

Kunst und Architektur

Biedermeierlicher Kirchenbau

Die Wallfahrtskirche ist ein kleiner biedermeierlicher Bau mit vorgestelltem Westturm und Zwiebelhelm. Das dreijochige Langhaus besitzt Platzlgewölbe auf Wandpfeilern; daran schließt ein eingezogener, langgestreckter polygonaler Chor an. An der östlichen Choraußenwand befindet sich eine überlebensgroße Kreuzigungsgruppe mit Christus, Maria und Johannes aus dem 19. Jahrhundert.

Hochaltar, Seitenaltar und Opfergang

Der Hochaltar aus der Mitte des 18. Jahrhunderts enthält das Pietà-Gemälde und besitzt seitlich Opfergangstüren mit Heiligenfiguren. Der linke Seitenaltar, ebenfalls aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, zeigt einen geschnitzten Gnadenstuhl; außerdem gehört ein Gemälde des hl. Florian zur Ausstattung. Die Kanzel wird um 1800 datiert.

Opferstock als materielles Zeugnis der Wallfahrt

Neben dem Südportal steht ein eisenbeschlagener historischer Opferstock. Solche unscheinbaren Objekte gehören zur materiellen Kultur des Wallfahrens: Pilger brachten nicht nur Gebete und Gelöbnisse, sondern auch Geld- und Sachopfer zum Heiligtum. Der Opferstock erinnert damit unmittelbar an die wirtschaftliche und religiöse Praxis der Wallfahrt.

Eine der ältesten Glocken Kärntens

Unter der Orgelempore steht die Kopie einer Glocke aus der Zeit um 1100, die zu den ältesten erhaltenen Glocken Kärntens zählt. Das Original befindet sich in der Schatzkammer Gurk. Bei der genauen ursprünglichen Herkunft ist Vorsicht geboten: kirchliche Veröffentlichungen verbinden die Glocke mit Freudenberg, nennen daneben aber auch Flatschach als mögliche Provenienz. Für die Geschichte der Wallfahrtskirche ist daher vor allem die seit Langem bestehende Verbindung des Ortes mit diesem außergewöhnlich alten Glockendenkmal festzuhalten.

Die Wallfahrt im historischen Bild

Pilgergruppe um 1922

Eine historische Ansichtskarte im Bildarchiv SAGEN.at zeigt um 1922 eine größere Pilgergruppe unmittelbar vor der Wallfahrtskirche. Bereits der Kartenaufdruck "Gruß vom Wallfahrtsort Freudenberg bei Moosburg" ist ein bemerkenswerter zeitgenössischer Beleg dafür, dass Freudenberg damals selbstverständlich als Wallfahrtsort wahrgenommen und bezeichnet wurde. Ein Stempel des "Gasthaus Kogler, Wallfahrtsort Freudenberg, Post Moosburg" dokumentiert zugleich die weltliche Infrastruktur, die sich an einem besuchten Pilgerziel entwickelte.

Die Aufnahme stammt von Gustav Lasic in Klagenfurt. Im Unterschied zu einer reinen Architekturaufnahme dokumentiert sie nicht nur das Gotteshaus, sondern die soziale Wirklichkeit der Wallfahrt: Menschen versammeln sich als Pilgergemeinschaft vor dem Heiligtum. Für die Wallfahrtsgeschichte des Freudenbergs ist dieses Bild daher eine besonders aussagekräftige Quelle.

Literatur und Quellen

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Wien 2001. Abschnitt Freudenberg, Wallfahrtskirche Maria Sieben Schmerzen.

- Katholische Kirche Kärnten: "Am 13. mit Maria unterwegs". Dokumentation der Fatimawallfahrten und der Entstehungsüberlieferung von 1722.

- Katholische Kirche Kärnten: "Die stillen Winkel des Glantales durchwandern". Angaben zu Lucas Machtig, Leopold Anton Praskowitz, Neubau der Kirche und Kreuzwegstiftung durch Sophie von Moro.

- Katholische Kirche Kärnten / Pfarren Moosburg-Tigring: Berichte zur Kräutersegnung am Freudenberg und zur gegenwärtigen Wallfahrtspraxis.

- Austria-Forum / AustriaWiki: Freudenberg (Gemeinde Moosburg). Zusammenstellung nach Dehio mit Baugeschichte, Ausstattung, Gnadenbildüberlieferung, Opferstock und Glocke.

- SAGEN.at-Fotogalerie: "Wallfahrt Freudenberg bei Moosburg", historische Ansichtskarte um 1922, Aufnahme Gustav Lasic, Klagenfurt, Bildarchiv SAGEN.at.

- SAGEN.at-Forum: Historische Fotografen Kärnten, Eintrag Gustav Lasic mit dem Werkbeispiel Freudenberg um 1922.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at