| Wallfahrt: | Alte Pestgelöbnis-Wallfahrt zu den hll. Kosmas und Damian. Haupttermine sind bis heute die drei Sonntage nach Ostern; aus mehreren Orten des Krappfeldes und aus Althofen ziehen Wallfahrer nach St. Kosmas. |
| Status: | Lebendiger regionaler Wallfahrtsort. Die drei Wallfahrtssonntage nach Ostern werden weiterhin mit Prozessionen und Festgottesdiensten begangen. |
| Kultzentrum: | Verehrung der Ärzteheiligen Kosmas und Damian. Am barocken Hochaltar knien beide Heiligen vor einer thronenden Madonna im Strahlenkranz. Eine eigenständige Gnadenbildwallfahrt ist nicht nachweisbar; der Kult richtet sich unmittelbar an die beiden Heiligen. |
| Votivbrauch: | Bis heute werden Votivgaben aus Wachs dargebracht, besonders in gesundheitlichen Anliegen. Damit ist ein für Krankheitspatrone typischer volkskundlicher Brauch in St. Kosmas lebendig geblieben. |
| Besonderheit: | Als einzige Kirche Kärntens mit dem Patrozinium der hll. Kosmas und Damian verbindet St. Kosmas Ärzteheiligenkult, Pestgelöbnis, Wachsvotive und eine ausgeprägte spätmittelalterliche Wehrarchitektur. |
| Patrozinium: | Hll. Kosmas und Damian, Gedenktag 26. September. |
| Ort: | St. Kosmas am Krappfeld, Gemeinde Mölbling |
| Region: | Krappfeld |
| Bundesland: | Kärnten |
| • | Lage: St. Stefan am Krappfeld, 9330 Mölbling. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre St. Stefan am Krappfeld |
| • | Öffnungszeiten: keine allgemein publizierten verlässlichen Öffnungszeiten; Zugang jedenfalls zu Gottesdiensten und Wallfahrtstagen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• St. Kosmas am Krappfeld - Außenansicht von Osten:
Die Filial- und Wallfahrtskirche liegt innerhalb eines ummauerten Friedhofes. Der einheitliche spätgotische Bau wurde im 15. Jahrhundert wehrhaft ausgebaut; der Turm nördlich des Chores trägt ein Pyramidendach.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• St. Kosmas am Krappfeld - Außenansicht von Süden:
Die mit Steinplatten gedeckte Kirche bildet mit Friedhofsmauer und ehemaliger Friedhofskapelle eine geschlossene Baugruppe. Gerade die Lage und die wehrhaften Portale erinnern an die kriegerischen Bedrohungen des späten 15. Jahrhunderts.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Südportal mit dreieckigem Schießloch:
Die eisenbeschlagene Tür besitzt im unteren Bereich ein dreieckiges Schießloch. Auch das nördliche Portal war entsprechend gesichert. Dieses Detail ist ein seltenes und unmittelbar sichtbares Zeugnis der früheren Wehrfunktion der Kirche.
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• Der sogenannte Peststein von 1715:
Nördlich der Kirche liegt der als Peststein bezeichnete Stein. An ihn knüpft eine drastische Sage über ein angebliches Menschenopfer während einer Pestzeit. Die Erzählung ist als Sage zu verstehen, besitzt aber besondere Bedeutung, weil die bis heute lebenden Wallfahrten nach St. Kosmas tatsächlich als Pestgelöbnis überliefert werden.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
St. Kosmas am Krappfeld gehört zu den ungewöhnlicheren Wallfahrtsorten Kärntens. Anders als die zahlreichen Marien-, Leonhard- oder Hemmawallfahrten richtet sich der Kult hier an die frühchristlichen Ärzteheiligen Kosmas und Damian. Die Kirche gilt als einzige Kirche Kärntens, die diesem Heiligenpaar geweiht ist. Gerade diese Sonderstellung erklärt, warum sich in St. Kosmas ein eigenständiger Heilungs- und Votivbrauch entwickeln konnte.
Die Wallfahrt ist keine klassische Gnadenbildwallfahrt. Zwar besitzt der Hochaltar ein deutliches Bildprogramm mit den beiden Kirchenpatronen, im Mittelpunkt steht aber die Fürbitte der Heiligen selbst. Bis heute gebrauchen Wallfahrer Wachsfiguren als Votivgaben in gesundheitlichen Anliegen. Damit hat sich ein Brauch erhalten, der unmittelbar zur traditionellen Funktion Kosmas' und Damians als Beschützer von Kranken passt.
Die Kirche wird 1277 erstmals urkundlich erwähnt. Eine in einzelnen neueren Zusammenstellungen vorkommende Jahreszahl 1227 lässt sich gegenüber der offiziellen Diözesangeschichte und der kunsthistorischen Literatur nicht überzeugend absichern und dürfte auf einer fehlerhaften Überlieferung beruhen. Für die Chronologie ist daher 1277 als gesicherte erste Nennung vorzuziehen.
Ob bereits im 13. Jahrhundert eine Wallfahrt bestand, ist nicht eindeutig zu belegen. Die frühe Weihe an Kosmas und Damian zeigt jedenfalls, dass der medizinisch-heilende Patronatsgedanke am Ort sehr alt ist. Die heute konkret dokumentierte Wallfahrtstradition ist hingegen vor allem mit späteren Pestgelübden verbunden.
Die heutige Kirche ist ein weitgehend einheitlicher spätgotischer Bau. 1456 nahm Bischof Johannes Schallermann eine Kirchweihe vor. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Anlage zugleich wehrhaft ausgebaut. Das einschiffige, vierjochige Langhaus besitzt ein Netzrippengewölbe; der etwas niedrigere zweijochige Chor endet im Fünfachtelschluss und wird von zierlichen Strebepfeilern gestützt. Die Schlusssteine zeigen das Lamm Gottes und die Hand Gottes.
Der nördlich an den Chor gesetzte Turm ist starkwandig und mit Maßwerkfenstern versehen. Eine Glocke wurde bereits 1435 von Rupert Dringer gegossen; eine weitere stammt von Mathias Landmann aus dem Jahr 1687. Das hohe Alter der Dringer-Glocke macht sie zu einem wichtigen Zeugnis der spätmittelalterlichen Bauphase.
Die Wehrfunktion ist an St. Kosmas ungewöhnlich deutlich ablesbar. Nord- und Südportal besitzen mit Eisenplatten beschlagene Türen; im unteren Bereich befinden sich dreieckige Schießöffnungen. Das Westfenster wurde mit einem doppelten Eisengitter gesichert. Kirche und Friedhofsmauer bildeten dadurch einen Platz, an den sich die ländliche Bevölkerung im Notfall zurückziehen konnte.
1479 soll die Kirche von osmanischen Streifscharen vergeblich belagert worden sein. Bereits um 1480 wurde sie dann von ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus gestürmt. Die unterschiedlichen Ereignisse sind typisch für die instabile politische Lage Kärntens im späten 15. Jahrhundert. 1529 erfolgte eine erneute Kirchweihe.
Die Bezeichnung Wehrkirche ist hier nicht bloß ein später romantischer Name. Die erhaltenen Schießöffnungen in den eisenbeschlagenen Türen, die massiven Bauteile und die ummauerte Anlage belegen eine reale Schutzfunktion. Trotzdem sollte man sich die Kirche nicht als kleine Burg mit dauerhaft stationierter Besatzung vorstellen. Wehrkirchen dienten der Bevölkerung vor allem als zeitweiliger Zufluchts- und Verteidigungsort.
Nach den kriegerischen Jahrhunderten veränderte sich der Schwerpunkt der Bautätigkeit. Westlich des Turmes entstand 1735 eine Sakristei; östlich wurde ein barockes Oratorium angebaut. Zur Anlage gehörte außerdem ein Opferhaus. Diese Ergänzungen fallen genau in jene Zeit, in der Wallfahrtswesen und barocke Heiligenverehrung erneut intensiviert wurden.
Die besonders qualitätvolle barocke Ausstattung wird dem St. Veiter Bildhauer Johann Pacher zugeschrieben. Der Hochaltar trägt die Jahreszahl 1754, die wahrscheinlich die Fassung bezeichnet; stilistisch wird sein Aufbau bereits um 1735 angesetzt. Damit entstand ein nahezu geschlossenes Ensemble aus Hochaltar, Seitenaltären, Kanzel und weiterer Plastik.
Im Zentrum des Hochaltares thront Maria im Strahlenkranz. Vor ihr knien Kosmas und Damian. Seitlich stehen die Diakone Stephanus und Laurentius; im Aufsatz erscheint Gottvater, flankiert von Barbara und Ursula. Die Ärzteheiligen werden damit nicht isoliert gezeigt, sondern in einen umfassenden barocken Heiligenhimmel eingebunden.
Gerade für die Wallfahrt ist die Stellung der beiden knienden Patrone entscheidend. Sie treten als Fürsprecher der Menschen vor Maria beziehungsweise vor Gott auf. Der Altar macht bildlich sichtbar, was die Pilger durch Gebet und Votivgabe praktizieren.
Der linke Seitenaltar zeigt eine Pietà, umgeben von Engeln mit den Leidenswerkzeugen Christi. In einer vergitterten Nische darunter erscheinen die armen Seelen im Fegefeuer. Am rechten Seitenaltar steht der hl. Wolfgang; Schutzengel, Christus mit dem Kreuz und der Erzengel Michael begleiten ihn.
Die stark geschwungene Kanzel aus der Zeit um 1750/60 wird ebenfalls Johann Pacher zugeschrieben. An ihrer Brüstung erscheinen der Gute Hirte, Moses und das Opfer Abrahams; Figuren der Evangelisten sowie Allegorien von Glaube, Liebe, Hoffnung und Vergänglichkeit vervollständigen das Programm. Über dem Triumphbogen hängt eine barocke Kreuzigungsgruppe.
Neben der Kirche steht eine barocke Friedhofskapelle. Sie wurde 1998 zu einer Aufbahrungshalle adaptiert. Zusammen mit Friedhofsmauer, Kirche und Zugang bildet sie bis heute eine geschlossene sakrale Baugruppe.
Kosmas und Damian gehören zu den ältesten christlichen Heilungsheiligen. Der Legende nach waren sie Brüder und Ärzte in Kilikien beziehungsweise Syrien und behandelten Kranke ohne Bezahlung. In der griechischen Tradition werden sie deshalb als "Anargyroi", die "ohne Silber" Heilenden, bezeichnet. Ihr Gedenktag in der römisch-katholischen Kirche ist der 26. September.
Aus dieser Heiligenlegende entwickelten sich ihre Patronate über Kranke, Ärzte, Apotheker, Barbiere und andere heilkundliche Berufe. In Bilddarstellungen tragen sie häufig medizinische Instrumente, Arzneigefäße oder Salbenbüchsen. Gerade in Zeiten von Seuchen erhielten die Ärzteheiligen eine besondere Bedeutung.
Die drei Wallfahrten nach St. Kosmas werden in der lokalen Tradition ausdrücklich als in der Pestzeit gelobt bezeichnet. Die Wahl gerade dieser Kirche ist daher keineswegs zufällig. Wer in einer Epidemie Schutz und Heilung suchte, fand in den beiden Ärzteheiligen besonders passende Fürsprecher.
Der genaue historische Zeitpunkt des Gelübdes ist in den zugänglichen Pfarrberichten nicht angegeben. Der sogenannte Peststein trägt die Jahreszahl 1715 und zeigt, wie stark sich eine konkrete Pestzeit in die örtliche Erinnerung eingeprägt hat. Ob das Wallfahrtsgelübde genau auf dieses Jahr zurückgeht, lässt sich jedoch nicht sicher beweisen und sollte nicht ohne zusätzlichen archivalischen Nachweis behauptet werden.
Neben der Darstellung am Hochaltar besitzt die Kirche zwei alte Statuen von Kosmas und Damian aus dem 17. Jahrhundert. Sie wurden restauriert und 2023 auf der Empore wieder aufgestellt und gesegnet. Diese Figuren sind nicht mit dem sagenhaften Gründungsbild beziehungsweise einer angeblich gefundenen Holzfigur gleichzusetzen; sie gehören zur späteren Ausstattungsgeschichte der bestehenden Kirche.
Die charakteristischste Besonderheit der St.-Kosmas-Wallfahrt ist ihr Termin. Nicht das Patrozinium am 26. September, sondern die drei Sonntage nach Ostern sind die traditionellen Hauptwallfahrtstage. Diese Reihe wird bis heute eingehalten und von der Pfarre ausdrücklich als alter Brauch aus der Pestzeit bezeichnet.
Damit besitzt St. Kosmas eine echte Gelöbniswallfahrt: Gemeinschaften verpflichteten sich nach überstandener beziehungsweise bedrohlicher Seuche zu einem wiederkehrenden Kirchgang. Solche Gelübde konnten über Generationen fortgeführt werden, auch nachdem die konkrete Erinnerung an die ursprüngliche Epidemie verblasst war.
Am ersten Sonntag nach Ostern kommen traditionell Wallfahrer aus Meiselding und Gunzenberg. In der örtlichen Überlieferung heißen sie die "Neigierigen". Der ungewöhnliche Übername wird in heutigen Pfarrberichten selbstverständlich und mit einem gewissen humorvollen Stolz weiterverwendet; eine gesicherte historische Erklärung seiner Entstehung ist dort jedoch nicht angegeben.
Der zweite Wallfahrtssonntag gehört den Pilgern aus Althofen, den sogenannten "Scheanen". Noch 2026 gingen zahlreiche Wallfahrer vom Pfarrzentrum Althofen zu Fuß nach St. Kosmas. Der Festgottesdienst bildet damit weiterhin den Abschluss einer tatsächlich begangenen Wallfahrt und nicht bloß eines symbolischen Erinnerungstermins.
Am dritten Sonntag folgen die Wallfahrer aus Hohenfeld und Micheldorf, die traditionell als die "Müasaligen" bezeichnet werden. Gemeinsam bilden diese drei Herkunftsgruppen eine kleine ritualisierte Geographie des Krappfeldes. Die scherzhaften Gruppenbezeichnungen gehören ebenso zur Wallfahrt wie Prozession, Messe und Votivgabe.
Für 2023 sind alle drei Wallfahrtssonntage ausdrücklich dokumentiert; auch 2026 berichtete die Pfarre wieder über die Prozessionen aus Meiselding, Gunzenberg und Althofen. Damit ist die Wallfahrt lebendig und wird nicht nur aus historischen Quellen rekonstruiert.
Eine besonders wertvolle volkskundliche Nachricht stammt aus dem Jahr 2026: In St. Kosmas werden weiterhin Votivgaben aus Wachs dargebracht. Die Pfarre nennt ausdrücklich Körperteile aus Wachs für gesundheitliche Anliegen und andere kleine symbolische Formen.
Damit gehört St. Kosmas zu den seltenen Orten, an denen ein klassischer Votivbrauch nicht nur im Museum oder auf alten Fotografien nachweisbar ist, sondern als lebendige Handlung fortbesteht. Pilger bringen ein plastisches Zeichen ihres Anliegens zum Altar und verbinden Bitte oder Dank mit einem materiellen Objekt.
Wachs ist seit Jahrhunderten ein bevorzugtes Material für Votivgaben. Es lässt sich leicht in Körperteile, Tiere oder Gegenstände formen, besitzt durch die Nähe zur Kerze eine sakrale Bedeutung und kann stellvertretend für einen Menschen oder dessen erkrankten Körperteil stehen. Ein Wachsvotiv ist daher zugleich Abbild, Opfergabe und sichtbare Form eines Gebetes.
Bei Kosmas und Damian ist der Zusammenhang besonders unmittelbar. Die Heiligen gelten als Patrone der Kranken und Heilkundigen. Ein aus Wachs geformtes Auge, Bein, Arm oder anderes Körperteil benennt das konkrete Anliegen, ohne dass es ausführlich ausgesprochen werden muss. Der Heiligenkult erhält dadurch eine körperlich greifbare Form.
Für die Dokumentation ist wichtig, St. Kosmas nicht künstlich zu einer Gnadenbildwallfahrt umzudeuten. Die zugänglichen Quellen nennen kein einzelnes Marien- oder Heiligenbild, das als zentrales Gnadenbild die Wallfahrt ausgelöst hätte. Das eigentliche Kultzentrum ist die Verehrung des Heiligenpaares selbst, sichtbar am Hochaltar und in den Heiligenfiguren. Die Wachsvotive geben dieser Verehrung ihre besonders charakteristische volkskundliche Gestalt.
Nördlich der Kirche liegt der sogenannte Peststein, ein ungefähr 1,5 mal 1 Meter großer Stein, der mit dem Jahr 1715 verbunden wird. Siegfried Hartwagner überliefert dazu eine drastische Sage, die durch die SAGEN.at-Fotodokumentation bereits hervorragend festgehalten ist.
Nach der Sage grassierte in der Gegend die Pest so schwer, dass die Bevölkerung zu einem äußersten Mittel griff. Man habe beschlossen, jene Person lebendig zu begraben, die während einer Messe als erste vorzeitig die Kirche verlasse. Dieses Opfer sollte die Seuche zum Erlöschen bringen.
Während des Gottesdienstes habe ein Mädchen die Kirche verlassen, weil es zu seiner kranken Mutter eilen wollte. Die Wartenden hätten das Kind ergriffen, in die vorbereitete Grube geworfen und mit Erde bedeckt. Der Peststein soll an dieses Ereignis erinnern.
Für ein tatsächliches Menschenopfer im Jahr 1715 gibt es keinen belastbaren historischen Nachweis. Die Geschichte muss daher ausdrücklich als Sage behandelt werden. Gerade ihre Grausamkeit zeigt jedoch, wie tief Pestzeiten in das kollektive Gedächtnis eingriffen und welche extremen Vorstellungen von Schuld, Opfer und Rettung sich um eine Epidemie bilden konnten.
Besonders interessant ist die räumliche Nähe von Peststein und Pestwallfahrt. Die eine Überlieferung erzählt von einem grausamen Opfer, die andere von einem frommen Gelübde und wiederkehrender Wallfahrt. Beide verarbeiten dieselbe existentielle Erfahrung von Seuche und Todesangst, jedoch in völlig unterschiedlicher Form. Gerade diese Gegenüberstellung macht St. Kosmas volkskundlich außergewöhnlich ergiebig.
Eine spätere Wallfahrtstradition erzählt, im Bereich von St. Kosmas sei eine hölzerne Figur des hl. Kosmas in einem Wacholderstrauch gefunden worden. Daraufhin habe man zunächst eine Kapelle errichtet. Nach einem Sieg über türkische Angreifer habe ein einheimischer Truppenführer schließlich den Bau einer größeren Kirche veranlasst.
Diese Erzählung ist in neueren Wallfahrtszusammenstellungen greifbar, lässt sich aber gegenüber der gesicherten Baugeschichte derzeit nicht archivalisch verifizieren. Sie sollte daher als Gründungslegende und nicht als historische Beschreibung des Kirchenbaus wiedergegeben werden.
Das Motiv des aufgefundenen Kultbildes in Baum oder Strauch ist aus vielen europäischen Wallfahrtslegenden bekannt. Der Fundort wird dadurch selbst heilig und bestimmt den Platz, an dem Kapelle oder Kirche entstehen soll. In St. Kosmas ist der Wacholder besonders auffällig, weil ihm in der älteren Volksmedizin reinigende und heilende Wirkungen zugeschrieben wurden. Ein direkter historischer Zusammenhang zwischen diesen Vorstellungen und der Kosmaslegende lässt sich allerdings nicht beweisen.
Die urkundliche Nennung 1277 und der spätgotische Neubau des 15. Jahrhunderts stehen unabhängig von dieser Sage fest. Die Legende erklärt daher weniger, wie die bestehende Kirche tatsächlich gebaut wurde, als warum gerade dieser Platz und gerade Kosmas als heiliger Helfer in der örtlichen Erinnerung besondere Bedeutung erhielten.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. St. Kosmas, Filial- und Wallfahrtskirche hll. Kosmas und Damian. Wien 2001, S. 752-753.
- Hartwagner, Siegfried: Kärnten. Der Bezirk St. Veit an der Glan. Österreichische Kunstmonographie, Band VIII. Salzburg 1977, S. 185 ff.
- Grueber, P.: Die Kirche St. Cosmas und Damian in Kärnten. In: Mittheilungen der k.k. Central-Commission, Neue Folge 25, 1899, S. 199-200 und Tafel.
- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 4: Kärnten und Steiermark. Wien 1956.
- Katholische Kirche Kärnten / Pfarre St. Stefan am Krappfeld: St. Kosmas am Krappfeld; Dokumentationen der Wallfahrtssonntage 2026.
- Gemeinde Mölbling: Gemeinde-Information 2023. Bericht "Wallfahrten nach St. Kosmas an den Sonntagen nach Ostern" mit den überlieferten Herkunftsgruppen.
- Die Deutschen Inschriften: Die Inschriften des Bundeslandes Kärnten. St. Kosmas, Glocke 1435 und Bauinschrift 1635.
- SAGEN.at-Fotogalerie: Wehrkirche St. Kosmas bei Mölbling - von Osten
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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