Sankt Georgen am Längsee, Wallfahrtskirche Maria Wolschart

Schnellüberblick
Wallfahrt:Ausgesprochen volkstümliche Marienwallfahrt im Wolschartwald, die um 1748/49 nach berichteten Heilungen explosionsartig anwuchs. Trotz obrigkeitlicher Unterdrückung, Entfernung des Gnadenbildes und Abbruch der ersten Kapelle hielt der Pilgerstrom an.
Status:Lebendiger regionaler Wallfahrtsort. Traditionelle Gottesdienste finden besonders am Annatag, zum Portiunculafest und zu Mariä Himmelfahrt statt; Bittprozessionen, Wallfahrer und Pilgerwege führen weiterhin nach Maria Wolschart.
Kultzentrum:Heute ein geschnitztes Vesperbild beziehungsweise eine Pietà der Schmerzensmutter. Das ursprüngliche, als Bassano-Arbeit überlieferte Sieben-Schmerzen-Bild wurde 1810 gestohlen und ist vom heutigen Kultbild zu unterscheiden.
Ursprung:Nach einer historischen Überlieferung brachte der Schneidermeister Veit Mackesacher aus Dürnfeld um 1739 aus Dank für eine als Gebetserhörung verstandene Linderung ein Sieben-Schmerzen-Bild an einer Föhre im Wolschartwald an. Eine weitere Heilung 1748/49 löste den großen Pilgerzustrom aus.
Besonderheit:Selten gut dokumentierter Konflikt zwischen spontan wachsender Volkswallfahrt und kirchlich-staatlicher Kontrolle: 1749 wurden Kapelle und Gnadenbild entfernt, danach ging die Verehrung auf den Baum und sogar dessen Rinde über.
Patrozinium:Maria Sieben Schmerzen.
Ort:Wolschart, Sankt Georgen am Längsee
Region:Mittelkärnten / St. Veiter Hügelland
Bundesland:Kärnten
Lage und Besuch
Lage: Wolschart 1a, 9313 St. Georgen am Längsee.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten
Ansicht in Street View
Web: Pfarre St. Georgen am Längsee
Öffnungszeiten: Die hölzerne Wallfahrtskapelle ist öffentlich zugänglich; für die gemauerte Wallfahrtskirche sind keine allgemein publizierten regelmäßigen Öffnungszeiten bekannt. Zugang jedenfalls zu Gottesdiensten und Wallfahrtstagen.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Wallfahrtskirche Maria Wolschart im Wolschartwald:

Die 1840-1843 nach Plänen von Andreas Wank errichtete Kirche steht auf einer Lichtung mitten im Wolschartwald. Der kleine historisierende Bau mit vorgelagerter Säulenhalle entstand neben der älteren hölzernen Kapelle, an der die Wallfahrt trotz wiederholter obrigkeitlicher Eingriffe des 18. Jahrhunderts weitergelebt hatte.

Sankt Georgen am Längsee, Wallfahrtskirche Maria Wolschart

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Hochaltar mit dem heutigen Gnadenbild:

Im Zentrum steht heute ein geschnitztes Vesperbild beziehungsweise eine Pietà. Dieses Kultbild ist vom ursprünglichen Sieben-Schmerzen-Bild der Bassano-Tradition zu unterscheiden, das 1810 gestohlen wurde. Klara konnte diese Aufnahme 2011 nur durch eine kleine Sichtöffnung in den damals verschlossenen Kirchenraum fotografieren.

Wallfahrtskirche Maria Wolschart, Hochaltar mit Vesperbild

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Ein Wallfahrtsort, der mitten aus dem Wald entstand

Maria Wolschart liegt nicht in einem gewachsenen Dorf und auch nicht an einem alten Pfarrzentrum. Der Wallfahrtsort entstand auf einer Lichtung mitten im Wolschartwald, wo im frühen 19. Jahrhundert zunächst praktisch nur die hölzerne Kapelle stand. Noch der Franziszeische Kataster zeigt den Platz ohne die spätere kleine Siedlung. Kirche, Mesnerhaus und weitere Gebäude entwickelten sich erst aus dem Wallfahrtsbetrieb.

Die Örtlichkeit ist bereits 1458 als "Woleschart" bezeugt. Der Name wird traditionell von "Wolveshart" im Sinn von Wolfswald hergeleitet. Die Einsamkeit des Waldes prägt die Geschichte des Ortes bis heute. Sie machte den Platz einerseits zu einem geeigneten stillen Andachtsort, andererseits zum Schauplatz zahlreicher Räuber- und Waldsagen.

Holzkapelle und Kirche gehören zusammen

Das Besondere an Maria Wolschart ist die bis heute erhaltene Doppelanlage. Nördlich der gemauerten Kirche steht die ältere hölzerne Kapelle. Sie besteht aus einem Blockbau mit tiefer Vorlaube, in der Bänke stehen. Der kleine Altarraum ist durch ein Metallgitter geschützt. An den Wänden befinden sich Votiv- und Heiligenbilder. 1994 wurde die Kapelle neu eingedeckt.

Die hölzerne Kapelle ist nicht bloß ein Nebengebäude der Kirche, sondern bewahrt den älteren Wallfahrtsplatz. Dass die Gläubigen bis heute gerade auch diese Kapelle aufsuchen, dort beten und Opferlichter entzünden, zeigt die starke Bindung an den ursprünglichen Kultort.

Die Datierung der heutigen Holzkapelle

Bei der Jahreszahl ist Quellenkritik notwendig. Mehrere ortsgeschichtliche Darstellungen und die Dokumentation der Kärntner Kleindenkmäler nennen 1787 als Baujahr der noch bestehenden Holzkapelle. Die heutige Pfarr- und Gemeindeseite setzt die Wiedererrichtung dagegen in das Jahr 1799. Der Dehio beschränkt sich auf eine Datierung in das 18. Jahrhundert. Solange keine eindeutige Bauinschrift oder archivalische Abrechnung herangezogen werden kann, sollte die Kapelle daher als Bau des späten 18. Jahrhunderts bezeichnet und die abweichende Überlieferung 1787/1799 offen genannt werden.

Gustav Graf Egger und der Kirchenbau 1840-1843

Der starke Wallfahrtsbetrieb verlangte schließlich nach einem größeren Gottesdienstraum. Gustav Graf von Egger, Besitzer des ehemaligen Stiftes St. Georgen am Längsee, übernahm dabei die entscheidende Rolle. 1840 wurde der Grundstein für den gemauerten Neubau gelegt; die Bauarbeiten erfolgten nach Plänen des Architekten Andreas Wank. Am 2. August 1843 konsekrierte Fürstbischof Adalbert Lidmansky die neue Kirche.

Die gelegentliche Jahresangabe 1841 bezeichnet daher die Bauphase, nicht die Fertigstellung. Für die Geschichte des Bauwerks sind Grundsteinlegung 1840 und Konsekration 1843 die klareren Eckdaten.

Architektur zwischen Neugotik und Klassizismus

Der kleine Kirchenbau verwendet gotisierende Formen, ohne eine konsequent neugotische Architektur zu sein. Die Hauptfassade besitzt einen Dreiecksgiebel und einen polygonalen Dachreiter mit barockisierender Zwiebelhaube. Besonders auffällig ist die dreiachsige Vorhalle auf vier ionischen Säulen. Sie übernimmt funktional die tiefe Vorlaube der älteren Holzkapelle, übersetzt diese jedoch in die repräsentative Architektursprache des 19. Jahrhunderts.

Im Inneren überspannt eine Stichkappentonne das Langhaus, das in einem Fünfachtelschluss endet. Ein schmiedeeisernes Gitter stammt aus der Bauzeit. Die bewusst schlichte Raumform lenkt den Blick auf den Altar und das dort verehrte Vesperbild.

Die Hochzeit des Bauherrn

Für Gustav Graf Egger besaß die Kirche offenbar auch persönliche Bedeutung. Am 13. Oktober 1851 heiratete er hier Maria Schaller. Der von ihm gestiftete Wallfahrtsbau wurde dadurch zugleich zum Schauplatz eines Ereignisses seiner eigenen Familiengeschichte.

Mesnerhaus und Wolschartwirt

1849 entstand neben Kirche und Kapelle ein Mesnerhaus im Biedermeierstil. Der Mesner beschränkte sich nicht auf seine kirchlichen Aufgaben, sondern betrieb hier auch ein Gasthaus. Damit erhielt der abgeschiedene Wallfahrtsort eine für Pilger wichtige Infrastruktur: Möglichkeit zur Rast, Verpflegung und Begegnung.

Die ehemalige Mesnerei wurde über lange Zeit als Gasthaus beziehungsweise Buschenschenke geführt. Gerade bei großen Wallfahrtstagen und bei durchziehenden Pilgergruppen war ein solcher Wirt in der abgelegenen Waldlichtung von erheblicher Bedeutung. Die Entwicklung vom Mesnerhaus zum Wolschartwirt gehört deshalb unmittelbar zur Sozialgeschichte der Wallfahrt.

Entstehung der Wallfahrt

Veit Mackesacher und das Bild an der Föhre

Die historisch fassbare Entstehung führt in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nach einer örtlichen Überlieferung litt Veit Mackesacher, Schneidermeister in Dürnfeld, seit längerer Zeit unter starken Bauchschmerzen beziehungsweise einem schmerzhaften Bruch. Im Wolschartwald sei er bei einem besonders schweren Anfall unter einer Föhre niedergesunken und habe zur schmerzhaften Muttergottes gebetet. Als er Linderung verspürte, verstand er dies als Gebetserhörung.

Um 1739 brachte Mackesacher an dieser Föhre ein Bild der Sieben Schmerzen Mariens an. Spätere kirchliche Aufzeichnungen bezeichnen es als eine Arbeit der italienischen Malerfamilie Bassano. Ob es sich um ein Originalgemälde, eine Werkstattarbeit oder eine graphisch vermittelte Nachbildung handelte, lässt sich aus den verfügbaren Angaben nicht sicher entscheiden. Entscheidend ist, dass damit ein persönliches Dankvotiv öffentlich sichtbar im Wald angebracht wurde.

Die spätere Fichtenlegende

Neben dieser namentlich und zeitlich konkreteren Überlieferung existiert eine zweite, stärker sagenhafte Gründungsgeschichte. Danach habe ein Grundbesitzer jene Fichte fällen lassen wollen, an der sich ein Marienbild befand. Seine Knechte hätten sich aus Ehrfurcht geweigert. Als der Besitzer selbst zur Axt griff, verletzte er sich schwer. Für den Fall seiner Genesung gelobte er daraufhin die Errichtung einer Kapelle.

Beide Geschichten müssen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Mackesacher-Erzählung gehört zur archivalisch näher fassbaren Geschichte des Kultbildes; die Fichtenlegende verdichtet das Geschehen dagegen zu einem klassischen Wallfahrtsmotiv: Der Baum mit dem heiligen Bild darf nicht angetastet werden, und der Frevel wird unmittelbar durch Verletzung beantwortet.

Die Kinderheilung 1748/49

Der kleine Andachtsplatz blieb zunächst offenbar ohne überregionalen Zulauf. Das änderte sich schlagartig um 1748/49. Anton Götzhaber, Bauer in Oberbruckendorf, soll das Gnadenbild wegen seines todkranken Kindes angerufen haben. Nachdem das Kind genesen war, verbreitete sich die Nachricht von der Gebetserhörung rasch.

Die genaue Jahresangabe schwankt in späteren Darstellungen zwischen 1748 und 1749. Sicher ist jedoch die unmittelbare Folge: Innerhalb kurzer Zeit strömten tausende Menschen aus Kärnten, Krain und der Obersteiermark in den Wolschartwald. Aus einem unscheinbaren Bild an einem Baum wurde binnen weniger Monate ein bedeutender regionaler Gnadenort.

1.300 Gulden in neun Monaten

Die Größenordnung lässt sich ungewöhnlich deutlich an den Opfergaben erkennen. Innerhalb von neun Monaten sollen rund 1.300 Gulden und zusätzlich zahlreiche Naturalien zusammengekommen sein. Für einen erst neu entstandenen Waldwallfahrtsort war dies eine enorme Summe. Sie belegt nicht nur die Zahl der Besucher, sondern die Intensität des Vertrauens, das die Pilger in den neuen Gnadenort setzten.

Franciscus Thomas Schneider zeichnet den jungen Gnadenort

Die Entstehungszeit ist durch eine außergewöhnliche Quelle dokumentiert. Der Kärntner Historiker Axel Huber veröffentlichte 2019 in der "Carinthia I" die älteste bekannte Ansicht des Gnadenbildes von Maria Wolschart, überliefert durch den Landvermesser Franciscus Thomas Schneider im Jahr 1749. Damit besitzt Maria Wolschart eine bildliche Quelle aus genau jener Phase, in der der Kult explosionsartig anwuchs und der Streit um den Ort eskalierte.

Der Konflikt von 1749

Wem gehörte der neue Gnadenort?

Der Erfolg des jungen Wallfahrtsortes führte sofort zu handfesten Rechts- und Besitzfragen. Der Platz lag im Grenzbereich zwischen dem Burgfried des Benediktinerinnenklosters St. Georgen am Längsee und dem Landesgericht Osterwitz. Mit den Wallfahrern kamen Opfergelder und Naturalien, und damit wurde die Frage, wer über Grund, Kapelle, Kultbild und Einnahmen verfügen durfte, plötzlich wirtschaftlich bedeutend.

Die Äbtissin von St. Georgen ließ den Wolschartwald vermessen, um die Zugehörigkeit des Gnadenortes zu klären, und löste die betreffende Waldparzelle vom bisherigen bäuerlichen Besitzer ab. Die Vermessung ist ein wichtiger Hintergrund für die 1749 entstandene Darstellung des Landvermessers Schneider.

Misstrauen der kirchlichen Obrigkeit

Auch die kirchlichen Behörden standen dem spontan entstandenen Kult skeptisch gegenüber. Neue Gnadenorte, deren Wunderberichte sich schneller verbreiteten als ihre kirchliche Prüfung erfolgen konnte, waren im 18. Jahrhundert immer wieder Gegenstand strenger Kontrolle. In Maria Wolschart kam hinzu, dass die große Zahl der Besucher, die erheblichen Opfergaben und die konkurrierenden Herrschaftsansprüche den Konflikt verschärften.

30. August 1749: Kapelle und Bild werden entfernt

Am 30. August 1749 musste die inzwischen entstandene hölzerne Kapelle abgetragen und das Gnadenbild entfernt werden. Das Bild kam zunächst an die Äbtissin von St. Georgen. Die Opfergelder wurden für die Armen in den Pfarren des Friesacher Archidiakonats bestimmt.

Die Maßnahme sollte den ungeregelten Wallfahrtsbetrieb beenden. Sie bewirkte jedoch das Gegenteil: Die Pilger kamen weiterhin.

Als der Baum selbst zum Kultgegenstand wurde

Nach der Entfernung des Marienbildes verlagerte sich die Verehrung auf den Baum, an dem es gehangen hatte. Nun wurde der Rinde eine besondere, wundertätige Wirkung zugeschrieben. Das ist ein volkskundlich außerordentlich aufschlussreicher Vorgang: Der Gnadenort war für die Pilger bereits so stark mit dem konkreten Platz verbunden, dass die Beseitigung des Bildes die Heiligkeit nicht aufhob. Die religiöse Bedeutung ging auf den materiellen Träger des Bildes über.

Die Obrigkeit reagierte erneut. Der Baum wurde schließlich ausgegraben und entfernt; Gerichtsdiener vertrieben Besucher. Zeitgenössische beziehungsweise später ausgewertete Berichte zeigen, dass es dabei zu heftiger Ablehnung und Drohungen gegen die örtliche Geistlichkeit kam.

Hirten bauen den Gnadenort wieder auf

Auch damit war die Wallfahrt nicht beendet. In den 1760er-Jahren errichteten Hirten aus Steinen und Moos wieder einen einfachen Andachtsplatz. Der Pfarrer von St. Georgen ließ trotz entgegenstehender Anweisungen ein neues Marienbild malen. Die kirchlichen Behörden vermieden nun offenbar eine ebenso harte Intervention wie 1749, weil ein erneuter Konflikt mit der Bevölkerung befürchtet wurde.

Maria Wolschart ist damit ein selten anschauliches Beispiel dafür, dass Wallfahrt nicht allein durch formelle kirchliche Stiftung entsteht. Der Ort wurde über Jahrzehnte von den Gläubigen immer wieder neu hergestellt: zuerst durch das Bild am Baum, dann durch ein "Hüttel", danach durch den verehrten Baum selbst, schließlich durch improvisierte und dauerhafte Kapellen.

Gnadenbild und Votivwesen

Das verlorene Bassano-Bild

Das erste Gnadenbild war ein Bild der Sieben Schmerzen Mariens, das in den Quellen als Bassano-Arbeit bezeichnet wird. Nach der Aufhebung des Kultplatzes 1749 gelangte es zunächst an die Äbtissin von St. Georgen, später zeitweise in das Kloster der Elisabethinen in Klagenfurt und danach in Privatbesitz. Schließlich kam es wieder nach Maria Wolschart zurück.

1810 endete seine Geschichte am Wallfahrtsort abrupt: Zwei in den Quellen lediglich als "Cavaliere" beziehungsweise "Cavaliere" bezeichnete Männer stahlen das Bild. Eine gesicherte spätere Spur ist nicht bekannt. Das ursprüngliche Bild, das den großen Wallfahrtsboom von 1748/49 ausgelöst hatte, ist daher nicht mit dem heute verehrten Gnadenbild gleichzusetzen.

Das heutige Vesperbild

Am Ende des 18. Jahrhunderts erscheint ein hölzernes geschnitztes Vesperbild, dessen Schöpfer und Stifter unbekannt sind. Der Dehio bezeichnet die Pietà als frühbarock. Sie zeigt Maria mit dem vom Kreuz abgenommenen Christus und entspricht damit unmittelbar dem Patrozinium der Sieben Schmerzen Mariens.

Dieses Vesperbild wurde zum neuen Kultzentrum. Die Wallfahrt überlebte also sogar den Verlust ihres ursprünglichen Gnadenbildes, indem die religiöse Funktion auf ein anderes, ikonographisch eng verwandtes Bild der Schmerzensmutter überging.

Die Sieben Schmerzen Mariens

Die Verehrung der "Sieben Schmerzen" bündelt sieben leidvolle Stationen des Marienlebens, von der Weissagung Simeons über die Flucht nach Ägypten bis zur Kreuzigung, Kreuzabnahme und Grablegung Christi. In der Bildkunst erscheint die Schmerzensmutter häufig als Pietà oder mit sieben Schwertern, die ihr Herz durchbohren. Gerade Menschen, die selbst unter Krankheit, körperlichen Schmerzen oder existentieller Not litten, konnten sich in dieser leidenden Mutterfigur wiederfinden.

Votivbilder in der Holzkapelle

Die alte Holzkapelle bewahrt bis heute mehrere Votivbilder. Ihre Anwesenheit ist für die Wallfahrtsgeschichte von besonderer Bedeutung, weil sie persönliche Dank- und Bittbeziehungen zwischen Pilgern und Gnadenort sichtbar macht. Bereits die Entstehung der Wallfahrt begann mit einem Dankbild; in den späteren Votivtafeln setzte sich dieses Muster fort.

Die erhaltenen Tafeln verdienen bei einer künftigen fotografischen Neudokumentation eine möglichst vollständige Aufnahme. Sie könnten Hinweise auf Krankheiten, Unfälle, Herkunftsorte und soziale Zusammensetzung der Wallfahrer geben und damit die historische Reichweite des Gnadenortes noch genauer erschließen.

Maria Wolschart auf Andachtsbildern

Das Österreichische Museum für Volkskunde bewahrt mehrere kleine Andachtsbilder und Gebetszettel von Maria Wolschart aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Ein Gebetszettel entstand bereits ab 1843 und erinnert ausdrücklich an die Einweihung der neuen Kirche am 2. August. Spätere Blätter zeigen das Gnadenbild als Pietà beziehungsweise Sieben-Schwerter-Pietà, von Engeln und ornamentalen Rahmungen begleitet.

Solche Drucke waren transportable Teile des Wallfahrtsortes. Sie wurden mitgenommen, zu Hause aufbewahrt und hielten sowohl die Erinnerung an den Besuch als auch die Schutz- und Fürbittfunktion des Gnadenbildes gegenwärtig.

Wallfahrtswege und Pilgerkultur

Wallfahrer aus Kärnten, Krain und der Obersteiermark

Schon in der ersten großen Phase kamen die Pilger nicht nur aus der näheren Umgebung. Überliefert sind Besucher aus Kärnten, Krain und der Obersteiermark. Maria Wolschart lag damit in einem größeren Netz von Fußwallfahrten, das mehrere Gnadenorte miteinander verband.

Die Krainer Wallfahrer

Besonders anschaulich ist die Route der Krainer Wallfahrer überliefert. Ab St. Georgen verband sich ihre Strecke mit einem Weg, der heute teilweise vom Hemmapilgerweg aufgenommen wird. Maria Wolschart war eine wichtige Station. Die Pilger feierten hier eine Messe mit Gesang und hielten Mittagsrast. Vor dem Weiterziehen wurde eine Kreuzwegandacht gehalten.

Danach führte der Weg über das Krappfeld nach Silberegg und weiter zur Wallfahrtskirche Maria Hilf bei Guttaring. Dort trafen die Krainer mit aus Bleiburg kommenden Hemmapilgern zusammen. Gemeinsam hielten sie eine Lichterprozession um die Kirche, sangen die Litanei, beichteten, nahmen das Abendessen ein und verbrachten die Nacht am Wallfahrtsort.

Wallfahrt als mehrtägige Reise

Solche Berichte zeigen, dass eine historische Wallfahrt wesentlich mehr war als der Besuch einer einzelnen Kirche. Messe, Gesang, gemeinsamer Fußweg, Rast, Kreuzweg, Wirtshaus, Begegnung mit anderen Pilgergruppen, Beichte, Lichterprozession und Übernachtung bildeten eine zusammenhängende religiöse Reise. Maria Wolschart war darin nicht Endpunkt, sondern eine wichtige Zwischenstation.

Mesner und Wirt

Das 1849 errichtete Mesnerhaus erhält in diesem Zusammenhang eine klare Funktion. Ein Mesner, der zugleich Gäste bewirtete, verband kirchlichen Dienst und Pilgerversorgung. Der "Wolschartwirt" war damit ein Teil jener kleinen Wallfahrtsökonomie, die an abgelegenen Gnadenorten oft unverzichtbar war.

Hemma-Pilgerweg und Vierbergelauf

Der heutige Hemma-Pilgerweg nach Gurk führt weiterhin an Maria Wolschart vorbei. Auch in der Tradition des Kärntner Vierbergelaufes besitzt der Ort eine Verbindung: Die Metnitzer Gruppe holt auf ihrem Weg das sogenannte Wolscharter Kreuz in Maria Wolschart ab und nimmt es mit auf den weiteren Pilgerweg. Damit bleibt der kleine Waldwallfahrtsort in mehreren regionalen Pilgertraditionen vernetzt.

Wallfahrt heute

Annatag am 26. Juli

Zu den traditionellen großen Terminen gehört der Annatag am 26. Juli. Obwohl die Kirche Maria den Sieben Schmerzen geweiht ist, hat sich dieser Festtag der hl. Anna und des hl. Joachim als wichtiger örtlicher Kirchtag erhalten. Die Diözese führt Maria Wolschart ausdrücklich unter den Kärntner Orten, an denen am Annatag eine besondere Messe gefeiert wird.

Portiunculafest

Ein zweiter charakteristischer Termin ist das Portiunculafest am ersten Sonntag im August. Der Portiuncula-Ablass geht auf die franziskanische Tradition von Santa Maria degli Angeli bei Assisi zurück. Dass gerade dieser Termin in Maria Wolschart dauerhaft beliebt wurde, zeigt die vielfältige Schichtung der örtlichen Marienfrömmigkeit über das eigentliche Patrozinium hinaus.

Mariä Himmelfahrt und Kräutersegnung

Auch der 15. August ist ein bedeutender Wallfahrtstag. Besonders anschaulich zeigte sich die Lebendigkeit des Ortes 2026: Der Andrang zur Festmesse war so groß, dass der Gottesdienst im Freien unter den Bäumen gefeiert wurde. Frauen aus der Umgebung hatten Kräutersträußchen gebunden, die während der Messe gesegnet wurden.

Die Kräutersegnung verbindet die Marienwallfahrt mit einem der beständigsten Bräuche des sommerlichen katholischen Festkalenders. In Maria Wolschart erhält sie durch die Lage mitten im Wald eine besonders passende landschaftliche Umgebung.

Bittprozessionen, Wanderer und stille Einzelbesucher

Neben den großen Festtagen kommen weiterhin Bittprozessionen, Wallfahrer, Wanderer und Radfahrer. Die alte Holzkapelle ermöglicht auch außerhalb der Gottesdienste ein stilles Gebet und das Entzünden eines Opferlichtes. Damit besitzt der Ort zwei unterschiedliche Formen religiöser Nutzung: die großen gemeinschaftlichen Waldgottesdienste und den unspektakulären individuellen Besuch.

Vom verbotenen Kult zur anerkannten Wallfahrt

Gerade im Vergleich mit 1749 ist diese heutige Situation bemerkenswert. Damals versuchten kirchliche und staatliche Behörden, den jungen Kult durch Entfernung von Bild, Kapelle und schließlich sogar Baum zu beenden. Heute wird Maria Wolschart von der Pfarre als Wallfahrtskirche betreut und die einst spontane Waldandacht ist vollständig in das kirchliche Leben integriert. Die Geschichte des Ortes beschreibt damit einen langen Weg von konfliktreicher Volksfrömmigkeit zur anerkannten regionalen Wallfahrt.

Der Wolschartwald in der Sage

Wolscharter Lötter, Wölfe und ein gefürchteter Wald

Die religiöse Aura von Maria Wolschart lässt sich nicht völlig von der älteren Vorstellung des Waldes trennen. Die Gegend galt wegen Wölfen und der sogenannten "Wolscharter Lötter" als unsicher. Der abgeschiedene Raum, in dem man Räuber und andere gefährliche Gestalten vermutete, wurde zugleich zum Ort einer besonders intensiven Marienverehrung.

Krapfenbäck Simmerle

Der bekannteste Wolscharträuber ist Simon Kramer, genannt Krapfenbäck Simmerle oder Simale. Er war zu Beginn des 19. Jahrhunderts tatsächlich als Räuber tätig und wurde später in der Volksüberlieferung zu einer Art Kärntner "Robin Hood" umgedeutet. Zahlreiche Sagen berichten von seinem Versteck im Wolschartwald, seinen Überfällen und einem wundersamen Messer, das ihn vor Gefahr gewarnt haben soll.

Diese Räuberüberlieferung gehört nicht zur Entstehung der Wallfahrt, prägt aber die kulturelle Wahrnehmung des Ortes. Klara hat bereits in ihrer SAGEN.at-Dokumentation ausdrücklich auf diesen Zusammenhang aufmerksam gemacht.

Siehe dazu auf SAGEN.at: Krapfenbäck und Simerl.

Literatur und Quellen

- Huber, Axel: Die älteste Ansicht des Gnadenbildes von Maria Wolschart. Überliefert durch den Landvermesser Franciscus Thomas Schneider anno 1749. In: Carinthia I, 209. Jahrgang, 2019, S. 343-354.

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Wolschart, Wallfahrtskirche Maria Wolschart, Kapelle nördlich der Kirche und ehemalige Mesnerei. Wien 2001, S. 1090.

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 4: Kärnten und Steiermark. Wien 1956.

- Stromberger, Christian: Stift St. Georgen am Längsee. Stiftsführer. St. Georgen am Längsee 2010.

- Katholische Kirche Kärnten / Pfarre St. Georgen am Längsee: Maria Wolschart. Historische Dokumentation nach einem Aushang an der alten Kapelle; Text Nikolaus Weihs.

- Katholische Kirche Kärnten, Referat für Tourismusseelsorge: Zusammentreffen in Maria Hilf. Dokumentation der historischen Route der Krainer Wallfahrer, 2020.

- Geschichtsverein für Kärnten: St. Georgen am Längsee. Newsletter / Ausflugstipp mit Maria Wolschart, Kirche, Mesnerei und Wolschartwald.

- Kleindenkmaeler.at: Kapelle Maria Wolschart. Dokumentation von Holzkapelle, Votivbildern und Festtagen.

- Österreichisches Museum für Volkskunde, Sammlung Gustav Gugitz: Andachtsbilder und Gebetszettel Maria Wohlschart, Inv.-Nr. AÖMV/13816, AÖMV/13817 und AÖMV/13819.

- "Wie alles begann ... Geschichten und Geschichtliches rund um den Längsee". Regionalhistorische Zusammenstellung zur Entstehung und Unterdrückung der Wallfahrt Maria Wolschart.

- SAGEN.at-Fotogalerie: Maria Wolschart - Außenansicht, Klara, 2011

- SAGEN.at-Fotogalerie: Maria Wolschart - Hochaltar und Gnadenbild, Klara, 2011

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at