| Wallfahrt: | Sehr alter Wallfahrts- und Verehrungsort, dessen Geschichte bereits im 9. Jahrhundert mit der Übertragung der Reliquien der römischen Märtyrer Primus und Felician beginnt. Im Spätmittelalter trat zur Reliquienverehrung eine ausgeprägte Marienwallfahrt mit der heute am Hochaltar befindlichen spätgotischen Madonna. |
| Status: | Lebendiger Wallfahrtsort mit zahlreichen Pilgergruppen. Maria Wörth ist Station des Kärntner Marienpilgerweges, Ziel eigener Pfarr- und Schiffswallfahrten sowie Höhepunkt der jährlichen Marienschiffsprozession am 15. August. |
| Kultzentrum: | Mehrschichtig: die Reliquien der hll. Primus und Felician in der Krypta sowie die spätgotische thronende Madonna mit Kind um 1460 am Hochaltar. An der südlichen Chorwand befindet sich außerdem ein weiteres, aus Italien stammendes Marienbild, das nach älterer Überlieferung 1469 von Papst Paul II. geweiht wurde. |
| Patrozinium: | Offiziell Hll. Primus und Felician; zugleich wird die Kirche seit langem als Maria-Himmelfahrt-Wallfahrtskirche bezeichnet. Der 15. August ist der wichtigste Marienfesttag des Ortes. |
| Besonderheit: | Frühmittelalterliches Freisinger Missionszentrum, später Kollegiatstift, mit romanischer Krypta, spätgotischer Wallfahrtskirche, romanischer Winterkirche und 1279 geweihtem Karner auf einer ehemaligen Insel. |
| Hauptfest: | 15. August - Mariä Himmelfahrt; zusätzlich Fünfkirchenwallfahrt im September und Festtage der hll. Primus und Felician. |
| Ort: | Maria Wörth |
| Region: | Wörthersee / Klagenfurter Becken |
| Bundesland: | Kärnten |
| • | Lage: Pfarrplatz 1, 9082 Maria Wörth. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Maria Wörth |
| • | Öffnungszeiten: laut aktueller Besucherinformation täglich von 08:30 Uhr bis 19:30 Uhr. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Maria Wörth - Pfarr- und Wallfahrtskirche auf der Halbinsel:
Die ehemals auf einer Insel gelegene Kirchenanlage beherrscht den südlichen Wörthersee. Bis um 1770 war der Kirchhügel vollständig vom Wasser umgeben; erst durch die Absenkung des Seespiegels und Aufschüttungen entstand die heutige Verbindung mit dem Festland.
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• Maria Wörth im Winter:
Klaras Winteraufnahme zeigt besonders eindrucksvoll, wie geschlossen die Sakrallandschaft auf der Halbinsel wirkt. Die Kirche ist nicht nur Wallfahrtsziel, sondern der Mittelpunkt eines Ensembles aus ehemaliger Stiftskirche, Rosenkranz- oder Winterkirche, Karner, Friedhöfen und alten Kirchhofportalen.
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• Wallfahrtskirche Maria Wörth - Ansicht der Kircheninsel:
Die erhöhte Lage über dem See war für den frühmittelalterlichen Missionsstützpunkt ebenso charakteristisch wie später für den Wallfahrtsort. Der Weg hinauf zur Kirche führt durch ein mit 1687 bezeichnetes Portal und über eine überdachte Stiege.
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• Rosenkranz- oder Winterkirche:
Die kleinere Kirche westlich der Hauptkirche geht auf einen Bau des 12. Jahrhunderts zurück und wird gewöhnlich mit der 1155 geweihten Marienkirche identifiziert. Sie besitzt romanische Wandmalereien, spätgotische Ausstattung und eine bemerkenswerte Opfernische.
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• Romanischer Freskenzyklus in der Winterkirche:
Im Chor der Winterkirche sind Wandmalereien aus dem späten 12. Jahrhundert erhalten. Im Mittelpunkt steht Christus als Pantokrator, umgeben von den Aposteln. Die Fresken wurden 1895 freigelegt und gehören zu den wichtigsten Zeugnissen romanischer Monumentalmalerei in Kärnten.
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• Schutzmantelmadonna als Prozessionsbild:
Die volkstümliche frühbarocke Schutzmantelmadonna ist an einer Tragestange befestigt. Solche tragbaren Bildwerke gehören unmittelbar zur Prozessions- und Wallfahrtskultur: Das verehrte Bild bleibt nicht auf den Altar beschränkt, sondern kann bei Umgängen und Festen in die Gemeinschaft hinausgetragen werden.
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• Der spätromanische Karner:
Der 1279 geweihte Rundkarner ist den hll. Katharina, Elisabeth und Magdalena geweiht. Das Untergeschoß diente der Aufnahme von Gebeinen, während der obere Raum liturgisch genutzt wurde. Damit verbindet der Bau die Wallfahrtsinsel unmittelbar mit mittelalterlicher Totenmemoria.
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• Die alte Linde von Maria Wörth:
Nach örtlicher Tafelüberlieferung wurde die Linde um 1341 gepflanzt. Unabhängig von der exakten dendrologischen Datierung ist sie ein wichtiges Element der Erinnerungskultur des Kirchhügels und verbindet die heutige Landschaft mit der Zeit der mittelalterlichen Propstei.
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Maria Wörth gehört zu den wenigen Wallfahrtsorten Kärntens, deren Geschichte weit über die Entstehung eines einzelnen Gnadenbildes hinausreicht. Der Name "Wörth" bezeichnet eine Insel beziehungsweise einen vom Wasser umschlossenen Platz; auch der slowenische Name "Otok" bedeutet Insel. Bis in das 18. Jahrhundert lag die Kirchenanlage tatsächlich vom Festland getrennt im Wörthersee. Erst um 1770 führten die Regulierung des Seeabflusses, die damit verbundene Absenkung des Wasserspiegels und Aufschüttungen dazu, dass aus der Insel die heutige Halbinsel wurde. Für viele Jahrhunderte mussten Geistliche, Pilger, Kanoniker, Bauern und Besucher daher das Wasser überwinden, bevor sie den Sakralbezirk betraten. Diese Insellage prägte den Charakter Maria Wörths ebenso sehr wie die weithin sichtbare Kirche selbst.
Das Ensemble besteht aus der großen Pfarr- und ehemaligen Stiftskirche, der kleineren Rosenkranz- oder Winterkirche, dem spätromanischen Karner, den Friedhöfen und den alten Zugangstoren. Es handelt sich nicht um eine zufällig gewachsene Ansammlung mehrerer Gebäude. Vielmehr lässt sich an ihr die Entwicklung eines kirchlichen Zentrums über fast ein Jahrtausend verfolgen: von der frühmittelalterlichen Missionsstation und Reliquienkirche über das hochmittelalterliche Kollegiatstift und die spätgotische Wallfahrtskirche bis zur barocken Erneuerung und zum heutigen Pfarr- und Pilgerzentrum.
Die heutige Hauptkirche wirkt überwiegend spätgotisch, besitzt jedoch einen wesentlich älteren Kern. Teile der Krypta und das südliche Rundbogenportal gehen auf den romanischen Vorgängerbau zurück. Nach dem verheerenden Brand von 1399 wurde die Kirche langsam und in mehreren Etappen wiederaufgebaut. Über den romanischen Resten entstand ein zweischiffiger spätgotischer Bau mit hochgelegenem Hauptchor über der Krypta und einem südlichen Nebenchor. Netz- und Sternrippengewölbe, Maßwerkfenster und der schlanke Nordturm bestimmen die mittelalterliche Architektur, während das westliche Langhaus in der Barockzeit stärker verändert wurde.
Der erhöhte Chor ist nicht nur architektonisch eindrucksvoll, sondern erklärt sich aus der unter ihm liegenden Hallenkrypta. Diese Krypta gehört zu den wichtigsten Räumen der Wallfahrtsgeschichte, denn hier wird die Erinnerung an die hll. Primus und Felician konzentriert. Die Verbindung von Altarraum über der Erde und Reliquienraum darunter ist für die mittelalterliche Sakraltopographie besonders aussagekräftig: Liturgie, Heiligenverehrung und Totengedächtnis lagen buchstäblich übereinander.
Der Hochaltar stammt aus dem Jahr 1658 und entstand in der Zeit der Jesuiten. In seiner Mittelnische steht die spätgotische thronende Madonna mit dem Jesuskind, die um 1460 geschaffen wurde und als Gnadenstatue der Marienwallfahrt gilt. Flankiert wird sie von den Kirchenpatronen Primus und Felician; darüber erscheinen Katharina und Barbara, während Ignatius von Loyola und Franz Xaver die jesuitische Prägung des Altares sichtbar machen. Das Aufsatzbild zeigt die Krönung Mariens.
Diese Zusammenstellung ist gerade für Maria Wörth charakteristisch. Der Hochaltar ersetzt nicht den älteren Märtyrerkult durch Marienverehrung, sondern führt beide Traditionen zusammen. Die mittelalterliche Madonna steht zwischen jenen Heiligen, deren Reliquien den Ort bereits im Frühmittelalter ausgezeichnet hatten. Die Jesuiten wiederum ergänzten ihre eigenen Ordensheiligen. Der Altar ist deshalb wie eine verdichtete Geschichte Maria Wörths zu lesen.
Ein weiterer barocker Wandaltar um 1740 nimmt eine Schmerzensmutter und einen naturalistisch geschnitzten spätgotischen Kruzifixus vom Beginn des 16. Jahrhunderts auf. Die Kanzel von 1761 gehört zu den qualitätvollen barocken Ausstattungsstücken Kärntens. Reliefs zeigen die Evangelisten und Szenen aus dem Leben Christi; auf dem Schalldeckel erinnert die Bestätigung der Jesuitenregel durch Papst Paul III. nochmals an die lange Phase jesuitischer Betreuung. Das Marmortaufbecken von 1682 besitzt einen hölzernen Aufsatz mit allegorischen Darstellungen der Vergänglichkeit des Menschen.
Die Anfänge Maria Wörths stehen im Zusammenhang mit der kirchlichen Erschließung Karantaniens. Das bairische Bistum Freising besaß seit dem 8. Jahrhundert das Kloster Innichen im Pustertal und entwickelte von dort aus ein Netz geistlicher Stützpunkte im südöstlichen Alpenraum. Zwischen etwa 875 und 883 gelangte die Insel im Wörthersee in Freisinger Besitz; 894 wird die Kirche sicher urkundlich genannt. Unter Bischof Waldo entstand hier eine Kirche, die den römischen Märtyrern Primus und Felician besonders verbunden war.
Die häufig gebrauchte Bezeichnung "Missionszentrum" ist dabei nicht nur eine fromme Rückprojektion. Maria Wörth war tatsächlich ein wichtiger Stützpunkt Freisings im südöstlichen Alpenraum. Von hier aus wurden weitere Kirchen betreut beziehungsweise gegründet, und die Geistlichen mussten in einem Gebiet wirken, in dem ein großer Teil der Bevölkerung slowenischsprachig war. Neuere Forschungen weisen deshalb darauf hin, dass zumindest ein Teil des Klerus die slawische beziehungsweise slowenische Sprache beherrscht haben dürfte. Maria Wörth war damit nicht nur ein deutsches bischöfliches Verwaltungszentrum, sondern ein Ort unmittelbarer kultureller und sprachlicher Begegnung.
Primus und Felician gehören zu den frühchristlichen römischen Märtyrern. Nach ihrer Passio erlitten sie während der diokletianischen Verfolgung den Tod. Zu einem nicht genau bestimmbaren Zeitpunkt wurden Reliquien der beiden aus Rom nach Maria Wörth übertragen. Die Übertragung machte die Inselkirche zu einem Ort besonderer Heiligenverehrung. Das Grab der Märtyrer wurde so bedeutend, dass der Wörthersee im Hochmittelalter zeitweise sogar als "lacus sanctorum Primi et Feliciani", als See der heiligen Primus und Felician, bezeichnet wurde. Dieser Name setzte sich zwar nicht dauerhaft durch, zeigt aber die erstaunliche Reichweite ihres Kultes.
Die Reliquienverehrung ist für die Wallfahrtsgeschichte grundlegender als die spätere Marienstatue. Wer im frühen und hohen Mittelalter nach Maria Wörth kam, suchte zunächst einen Ort auf, der durch die körperliche Präsenz zweier Heiliger ausgezeichnet war. Erst im Lauf der Jahrhunderte verschob und erweiterte sich das religiöse Zentrum stärker in Richtung Marienverehrung.
Unter Bischof Abraham von Freising, der von 957 bis 993 amtierte und zeitweise in Maria Wörth weilte, erlebte der Ort eine besondere Förderung. Ein frühmittelalterliches Inventar zählt die für die Kirche der hll. Primus und Felician bestimmten liturgischen Geräte, Gewänder und Bücher auf. Genannt werden unter anderem Kelche, Rauchfässer, Altartücher und zahlreiche Handschriften; der Bücherbestand umfasste etwa 45 Bände, ein für eine Kirche dieser Zeit bemerkenswertes geistiges Kapital.
Dieser Schatz zeigt, dass Maria Wörth nicht bloß eine kleine Landkirche war. Bücher, liturgische Textilien und Geräte waren Voraussetzungen für eine anspruchsvolle Liturgie, Ausbildung und Seelsorge. Zugleich verband Bischof Abraham Maria Wörth stärker mit den Freisinger Besitzungen in Krain. Das Grab von Primus und Felician wirkte dabei über die Insel hinaus: Das Patrozinium taucht auch in anderen freisingischen Gebieten auf und wurde zu einem Zeichen institutioneller und religiöser Verbindung.
Zwischen etwa 1146 und 1150 erhob Bischof Otto I. von Freising Maria Wörth zu einem Kollegiatstift. Der erste urkundlich fassbare Propst erscheint um 1151. Nach Maria Saal war dies eines der ältesten Kollegiatstifte Kärntens. An der Spitze stand der Propst; Kanoniker versahen den Chordienst und die Seelsorge. Die Einrichtung eines Stiftes veränderte den Charakter der Insel grundlegend: Aus einem Missions- und Pfarrzentrum wurde eine geistliche Gemeinschaft mit eigenen Pfründen, Besitzungen und politischem Gewicht.
Die Pröpste von Maria Wörth gehörten später zu den Kärntner Landständen und besaßen Sitz und Stimme in der ständischen Vertretung. Diese Stellung macht deutlich, wie sehr das Stift zugleich religiöse, wirtschaftliche und politische Bedeutung besaß. Für die umliegenden Pfarren war Maria Wörth Mutterkirche, für Freising ein südöstlicher Besitzschwerpunkt und für Pilger ein bereits durch Reliquien und Ablässe ausgezeichneter Gnadenort.
Die Insellage bot Schutz, machte Maria Wörth aber keineswegs unangreifbar. In einer Phase schwacher landesfürstlicher Gewalt wurde die Propstei von Adeligen beziehungsweise deren Leuten überfallen und geplündert. 1278 stiftete Propst Heinrich einen Karner zu Ehren der hll. Katharina, Elisabeth und Magdalena; 1279 wurde der Bau geweiht. Mit der Stiftung war eine eigene liturgische Verpflichtung verbunden: Im Karner sollte regelmäßig, nach der Überlieferung montags, eine Messe für die Verstorbenen gefeiert werden. Damit erhielt der Stiftsbezirk neben Missions- und Wallfahrtsfunktion auch einen besonders sichtbaren Ort des Totengedächtnisses.
1399 wurden die beiden Kirchen durch einen schweren Brand verwüstet. Der Wiederaufbau zog sich über Jahrzehnte hin. Die kleinere Winterkirche war um 1420 wiederhergestellt; die große Stiftskirche erhielt im Lauf des 15. Jahrhunderts ihre spätgotische Gestalt. Gerade diese lange Wiederaufbauphase fällt in jene Zeit, in der auch die spätgotische Madonna entstand. Die heute als malerisch und einheitlich empfundene Kircheninsel ist daher in Wahrheit das Ergebnis einer Katastrophe und eines langen mittelalterlichen Neuaufbaues.
Im frühen 16. Jahrhundert verlor Freising seinen unmittelbaren Einfluss. 1529 wurde die Propstei dem St.-Georgs-Ritterorden in Millstatt übertragen. 1598 gingen die Güter an die Jesuiten; mit ihnen endete die über vierhundertjährige Geschichte des Kollegiatkapitels. Die Jesuiten prägten vor allem die barocke Ausstattung, den Hochaltar und die religiöse Kultur des 17. und 18. Jahrhunderts. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde Maria Wörth als weltliche Pfarre weitergeführt. 1808 kam das Patronat an das wiedererrichtete Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal; dieses Patronatsrecht endete 1969.
Das zentrale Marienbild der heutigen Wallfahrt ist die spätgotische thronende Madonna mit Kind am Hochaltar, entstanden um 1460. Maria erscheint als Königin und Gottesmutter, nicht als leidende Schmerzensmutter. Das Kind sitzt auf ihrem Schoß; die strengere mittelalterliche Repräsentation verbindet sich mit einer zunehmend persönlichen Beziehung zwischen Mutter und Kind. Die Figur gehört zu den bedeutenden spätgotischen Marienplastiken Kärntens und wurde im barocken Hochaltar bewusst als älteres, bereits verehrtes Kultbild bewahrt.
Gerade diese Einfügung ist für Wallfahrtsorte typisch. Ein neuer Altar ersetzte nicht das verehrte alte Bild, sondern baute sich gleichsam um dieses herum. Die Gnadenstatue blieb die historische Konstante, während Rahmen, Architektur und zusätzliche Heiligenfiguren den jeweiligen liturgischen und theologischen Vorstellungen angepasst wurden.
An der südlichen Chorwand wird ein weiteres Marienbild verwahrt, das nach älterer örtlicher Überlieferung aus Italien stammt und 1469 von Papst Paul II. geweiht worden sein soll. In älteren Beschreibungen wird auch dieses Bild als Gnadenbild bezeichnet. Damit besitzt Maria Wörth eine ungewöhnliche Doppelung marianischer Kultobjekte: die plastische Madonna am Hochaltar und ein zweites, päpstlich geweihtes Bild.
Die genaue Geschichte dieses zweiten Bildes ist in den leicht zugänglichen Quellen deutlich schlechter dokumentiert als jene der Hochaltarmadonna. Deshalb sollte seine päpstliche Weihe als überlieferte historische Angabe wiedergegeben werden, ohne daraus weitergehende Mirakelgeschichten zu konstruieren. Die Existenz des Bildes zeigt jedoch, wie stark sich im 15. Jahrhundert die marianische Frömmigkeit am älteren Reliquienheiligtum verdichtete.
Die Marienwallfahrt verdrängte die älteren Kirchenpatrone nicht. Primus und Felician flankieren die Madonna am Hochaltar, erscheinen an weiteren Altären und Zugangsbildern und bleiben bis heute offizielle Patrone der Pfarrkirche. Ihr Gedenktag am 9. Juni wird weiterhin gefeiert. Die heutige Pfarre trägt sogar den "Primusboten" als Namen ihrer Pfarrnachrichten. Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie ein frühmittelalterlicher Heiligenkult über mehr als tausend Jahre im lokalen Gedächtnis verankert bleiben kann.
Westlich und etwas unterhalb der Hauptkirche steht die kleinere Rosenkranz- oder Winterkirche. Wahrscheinlich ist sie mit jener Marienkirche identisch, die 1155 von Bischof Roman von Gurk geweiht wurde; eine völlige Sicherheit besteht allerdings nicht. Der schlichte Bau gehört zum Typus der romanischen Chorquadratkirchen. Nach dem Brand von 1399 wurde auch er verändert und in gotischer Zeit durch Fenster, Kapellen- und Sakristeianbauten ergänzt.
Die Bezeichnung "Winterkirche" wird traditionell damit erklärt, dass die Gedenktage der hier besonders verehrten Heiligen in die kalte Jahreszeit fielen. Die Kirche diente jedenfalls über lange Zeit dem regulären Pfarrgottesdienst, während die große ehemalige Stiftskirche stärker repräsentative, stiftische und wallfahrtsbezogene Funktionen besaß.
Im Chorquadrat wurden 1895 bedeutende romanische Wandmalereien freigelegt und 1969 restauriert. Sie werden heute überwiegend in das letzte Viertel des 12. Jahrhunderts datiert. Im Zentrum thront Christus als Pantokrator in der Mandorla, umgeben von den zwölf Aposteln in architektonisch gerahmten Arkaden. Palmettenornamente und ein gemalter Vorhangssockel strukturieren die Wandfläche. Diese Bilder gehören zu den bedeutenden romanischen Fresken Kärntens und zeigen, welchen künstlerischen Anspruch auch die kleinere Kirche des Stiftsbezirkes besaß.
Ein weiteres Hauptwerk ist das spätgotische Glasgemälde der Mondsichelmadonna, entstanden um 1420/1430 in der Nachfolge der Viktringer Chorfenster. Maria steht im Strahlenkranz auf der Mondsichel und hält das Kind, mit dem sie liebevollen Blickkontakt aufnimmt. Das Glasbild gehört zu den bedeutenden Werken österreichischer Glasmalerei des Spätmittelalters. In ihm setzt sich die marianische Bildtradition der Kircheninsel in einem anderen Medium fort.
Rechts vom Portal befindet sich eine unterwölbte Opfernische mit frühneuzeitlicher Jahreszahl. Solche Nischen dienten der Aufnahme von Gaben und gehören zum praktischen Umfeld einer Kirche, die von zahlreichen Besuchern aufgesucht wurde. Die kleinere Kirche blieb auch in jüngerer Zeit ein Ort für Andachten, ökumenische Gottesdienste, Pilgergruppen und kulturelle Veranstaltungen. Damit ist sie nicht bloß kunsthistorisches Nebenobjekt, sondern ein bis heute genutzter Bestandteil der Wallfahrtslandschaft Maria Wörths.
Östlich der Hauptkirche steht der spätromanische Rundkarner, 1279 geweiht und den hll. Katharina, Elisabeth und Magdalena gewidmet. Der zweigeschossige Rundbau besitzt ein Kegeldach und eine kleine Apsis. Das Untergeschoß diente als Beinhaus; das Obergeschoß war Kapellenraum. Heute wird der obere Bereich als Aufbahrungshalle verwendet, während der Bau insgesamt ein selten anschauliches Zeugnis mittelalterlicher Friedhofskultur geblieben ist.
Die Stiftung des Karners war eng mit dem liturgischen Totengedächtnis verbunden. Eine eigene Pfründe sollte sicherstellen, dass regelmäßig für die Verstorbenen gebetet und Messe gefeiert wurde. Damit wird sichtbar, dass Wallfahrt und Totenkult im Mittelalter keineswegs getrennte Bereiche waren. Wer einen Heiligenort besuchte, dachte zugleich an die eigene Vergänglichkeit, an verstorbene Angehörige und an die Hoffnung auf Fürbitte.
Die Friedhöfe liegen unmittelbar zwischen den Sakralbauten und gehören optisch wie funktional zur Anlage. Das Nebeneinander von Reliquiengrab, Karner, Gräbern und Marienheiligtum erzeugt eine dichte religiöse Topographie: Heilige Tote in der Krypta, die Gebeine der Gemeinde im Karner, aktuelle Grabstätten im Kirchhof und darüber die Liturgie der Kirche. Diese räumliche Nähe erklärt viel von der besonderen Atmosphäre des Ortes.
Maria Wörth ist volkskundlich deshalb besonders interessant, weil seine Wallfahrt nicht mit einem einzigen "Gründungswunder" beginnt. Schon das frühmittelalterliche Grab von Primus und Felician machte die Insel zu einem besonderen Verehrungsort. Im Hochmittelalter kamen Stiftsliturgie, Totengedächtnis und Ablassfrömmigkeit hinzu; im Spätmittelalter verdichtete sich der Marienkult um die Madonna und weitere Marienbilder. Die Geschichte entspricht daher weniger dem typischen Schema "Wunder - Kapelle - Wallfahrt", sondern einer schrittweisen sakralen Aufladung über viele Jahrhunderte.
Ein außergewöhnlich konkreter Beleg für die mittelalterliche Anziehungskraft ist eine Bischofsammelindulgenz vom 26. Dezember 1351. Erzbischof Wilhelm von Ephesos und mehrere weitere Bischöfe gewährten der Kirche der hll. Primus und Felician in Maria Wörth einen vierzigtägigen Ablass. Solche Ablässe wurden Besuchern unter bestimmten geistlichen Voraussetzungen gewährt und förderten den Pilgerverkehr. Die Urkunde zeigt, dass Maria Wörth lange vor der Entstehung der spätgotischen Gnadenstatue als besuchenswertes Heiligtum etabliert war.
Zu den erhaltenen volkskundlich wichtigen Ausstattungsstücken gehört eine frühbarocke Schutzmantelmadonna auf einer Tragestange. Solche Bilder sind für Prozessionen geschaffen. Die Madonna wird dabei aus dem festen Kirchenraum herausgenommen und begleitet die Gemeinde auf ihrem Weg. Das entspricht einem Grundprinzip katholischer Prozessionskultur: Nicht nur Menschen gehen zum Heiligtum, sondern das Heilige tritt in Gestalt von Reliquie, Monstranz, Fahne oder Bild in den öffentlichen Raum hinaus.
Eine heutige Form lokaler Wallfahrt ist die Fünfkirchenwallfahrt im September. Dabei werden die fünf Kirchen der Pfarre zu Fuß nacheinander aufgesucht und jeweils mit Gebet oder Andacht verbunden. Diese Form verbindet Maria Wörth mit den kleineren Kirchen der Pfarre und macht aus dem Pfarrgebiet selbst eine begehbare Sakrallandschaft. Daneben kommen regelmäßig auswärtige Pilgergruppen, darunter Pfarren, Ordensgemeinschaften und Seniorengruppen.
Maria Wörth ist außerdem Station des Kärntner Marienpilgerweges, der von Maria Rojach im Lavanttal bis Maria Luggau im Lesachtal führt. Der heutige Weg ist neu organisiert, greift aber eine alte religiöse Praxis auf: Gnadenorte werden nicht isoliert besucht, sondern durch lange Fußwege miteinander verbunden. Die Lage am See gibt der Station Maria Wörth dabei einen unverwechselbaren Charakter.
Zum Fest Mariä Himmelfahrt gehört auch in Maria Wörth die Kräutersegnung. Der Brauch verbindet das Hochfest mit dem sommerlichen Vegetationsjahr. Kräuter werden gesammelt, zu Sträußen gebunden und im Gottesdienst gesegnet. Ihre spätere Aufbewahrung im Haus oder Stall gehört in vielen Regionen zur traditionellen Schutz- und Segenspraxis. Der Brauch fügt sich in Maria Wörth besonders stimmig in das große Marienfest am See ein.
Die heute weithin bekannte nächtliche Marienschiffsprozession am 15. August gehört nicht zum mittelalterlichen Ursprung der Maria-Wörther Wallfahrt. Sie entstand erst 1954 im Marianischen Jahr. Damals kam eine Fatimastatue aus Portugal für die Klagenfurter Kirche St. Josef-Siebenhügel nach Kärnten. Um die Statue feierlich einzuholen, brachte man sie mit einem Schiff von Velden über den Wörthersee nach Klagenfurt und trug sie anschließend in einer Lichterprozession weiter.
Die Beteiligung war so groß, dass daraus eine jährliche Tradition wurde. Seither fährt die Fatimastatue am Abend des 15. August auf einem geschmückten Schiff über den Wörthersee. Stationen sind unter anderem Krumpendorf, Pörtschach, Velden und Maria Wörth. Der Ort Maria Wörth bildet regelmäßig einen der Höhepunkte beziehungsweise den feierlichen Abschluss mit Gebet und Marienweihe.
Für die Dokumentation ist eine klare Unterscheidung wichtig: Die bei der Schiffsprozession mitgeführte Statue ist nicht die spätgotische Madonna des Maria-Wörther Hochaltares. Es handelt sich um die Fatimastatue der Klagenfurter Pfarre St. Josef-Siebenhügel. Die moderne Schiffswallfahrt verbindet sich also mit dem alten Wallfahrtsort, ohne dessen historisches Gnadenbild aus der Kirche herauszuführen.
Volkskundlich ist diese moderne Tradition dennoch außerordentlich passend für Maria Wörth. Über viele Jahrhunderte war Wasser die natürliche Grenze des Heiligtums; jeder Besuch der Insel setzte eine Überfahrt voraus. Die Schiffsprozession verwandelt diese alte geographische Bedingung in eine moderne religiöse Inszenierung. Beten, Singen, Licht und Fahrt über den nächtlichen See verbinden Landschaft und Wallfahrt auf eine Weise, die kaum ein anderer Kärntner Gnadenort bieten kann.
- Pagitz, Franz: Die Geschichte des Kollegiatstiftes Maria Wörth. Ein Beitrag zur Austria Sacra. Mit einem Beitrag "Zur Kunst in Maria Wörth" von Richard Milesi. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 56. Klagenfurt 1960.
- Malloth, Hermann: Maria Wörth. Kulturgeschichtlicher Mittelpunkt des Wörther-See-Raumes. 1979.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Maria Wörth, Pfarr- und ehemalige Stiftskirche, Winterkirche und Karner. Wien 2001, S. 520-523.
- Deuer, Wilhelm; Grabmayer, Johannes: Transromanica. Auf den Spuren der Romanik in Kärnten. Kulturwanderungen, Band 1. Klagenfurt 2008.
- Maierbrugger, Matthias: Ferien am Wörthersee. Klagenfurt 1974.
- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 4: Kärnten und Steiermark. Wien 1956.
- Zahn, Josef: Inventar der Kirche zu Wörthsee (Kärnten) vom Beginn des 11. Jahrhunderts. In: Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 15, 1868.
- Monumenta Germaniae Historica / Germania Sacra: Dokumentation zum frühmittelalterlichen Inventar der Kirche der hll. Primus und Felician in Maria Wörth.
- Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, AUR 8629: Bischofsammelindulgenz für die Kirche der hll. Primus und Felician zu Maria Wörth, 26. Dezember 1351.
- Katholische Kirche Kärnten / Pfarre Maria Wörth: Pfarrkirche Maria Wörth; Rosenkranzkirche; liturgische und wallfahrtsbezogene Dokumentationen.
- SAGEN.at-Fotogalerie: Maria Wörth
- SAGEN.at-Fotogalerie: Winterkirche von Maria Wörth
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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