| Wallfahrt: | Historischer Marienwallfahrtsort, dessen besonderer Aufschwung mit der erfolgreichen Verteidigung der befestigten Kirche beim osmanischen Einfall in das Lavanttal 1480 verbunden wird. Die religiöse Überlieferung schrieb die Rettung der Hilfe der Gottesmutter zu. Ein großes Votivbild von 1819 bewahrt diese Erinnerung bis heute. |
| Status: | Lebendiger Pfarr- und Wallfahrtsort. Mariä Himmelfahrt am 15. August, regelmäßige Fatima-Gottesdienste am 13. des Monats und weitere marianische Andachten prägen das religiöse Leben. Maria Rojach ist außerdem Ausgangspunkt des Marienpilgerweges nach Maria Luggau. |
| Kultzentrum: | Das Gnadenbild im Hochaltar von 1703, eine fast lebensgroße Madonna mit Jesuskind. Ob die heutige Statue materiell mit jenem älteren Marienbild identisch ist, dessen Schutz die Überlieferung bereits mit den Ereignissen von 1480 verbindet, lässt sich anhand der derzeit zugänglichen Quellen nicht sicher nachweisen. |
| Ort: | Maria Rojach, Gemeinde St. Andrä im Lavanttal |
| Region: | Lavanttal |
| Bundesland: | Kärnten |
| • | Lage: Maria Rojach 17, 9422 Maria Rojach. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Maria Rojach |
| • | Zugang: Gottesdienste und Andachten finden regelmäßig statt; Besichtigungsmöglichkeiten außerhalb der Gottesdienstzeiten bitte bei der Pfarre erfragen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Rojach:
Die gotische Kirche liegt am westlichen Rand des Ortes am Fuß der Koralpe. Der mächtige Westturm und die Reste der früheren Befestigung erinnern daran, dass das Gotteshaus im Spätmittelalter zugleich religiöser Mittelpunkt und Zufluchtsort war.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Maria Rojach - weitere Ansicht der Kirchenanlage:
Die Aufnahme dokumentiert die kompakte gotische Baugestalt der Kirche und ihre Einbindung in die ehemalige Wehrkirchenanlage.
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• Kirchenraum mit historischen Wandmalereien:
Hinter dem Kreuz sind Reste mittelalterlicher Wandmalereien erkennbar. Maria Rojach bewahrt mehrere Malschichten, die vom späten 14. Jahrhundert bis in die frühe Barockzeit reichen.
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• Wehrturm der ehemaligen Kirchenbefestigung:
Der erhaltene Rundturm gehört zu den sichtbaren Resten der spätgotischen Wehranlage. Eine hochgelegene Tür erinnert an den ehemaligen hölzernen Wehrgang.
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• Votivbild zur Verteidigung von Maria Rojach 1480:
Das 1819 entstandene Gemälde zeigt die befestigte Kirche und die bäuerliche Bevölkerung beim Kampf gegen die Angreifer. Die religiöse Deutung des Bildes schreibt die Rettung der Hilfe Mariens zu.
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• Detail des Votivbildes - die wehrhafte Bäuerin:
Besonders bemerkenswert ist die mit einer Mistgabel dargestellte Frau. Das Bild von 1819 erinnert damit nicht nur an bewaffnete Männer, sondern stellt die bäuerliche Ortsgemeinschaft insgesamt als Trägerin der Verteidigung dar.
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• Westportal mit Fastenchristus und Feiertagschristus:
Das Westportal wird von zwei äußerst seltenen spätmittelalterlichen Mahnbildern begleitet. Links steht der Christus mit erhobener Keule, der als Fastenchristus gedeutet wird; rechts befindet sich der Feiertagschristus.
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• Feiertagschristus:
Der leidende Christus ist von Werkzeugen und Gegenständen des Arbeits- und Alltagslebens umgeben. Das spätmittelalterliche Mahnbild sollte verdeutlichen, dass unerlaubte Arbeit an Sonn- und Feiertagen Christus gleichsam neue Wunden zufügt.
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• Spätgotischer Flügelaltar von 1529:
Der an der nördlichen Chorwand stehende Marienaltar gilt als bedeutendes Exportwerk der Werkstatt Jörg Lederers in Kaufbeuren. Im geöffneten Zustand zeigt er Szenen aus dem Marienleben.
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• Geburt Christi im Flügelaltar:
Das große Mittelrelief zeigt die Geburt Christi. Das Jesuskind liegt nicht in einer klassischen hölzernen Krippe, sondern in einem geflochten wirkenden Korb; die Szene gehört zu den künstlerisch eindrucksvollsten Teilen des Altares.
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• Engel über der Geburt Christi:
Über der Geburtsszene bejubeln Engel das Geschehen. Die Detailaufnahme lässt die feine Schnitzarbeit der Lederer-Werkstatt besonders gut erkennen.
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• Wurzel Jesse:
Unterhalb der Geburt Christi entfaltet sich die Wurzel Jesse als bildliche Darstellung des Stammbaumes Christi; David und Salomo gehören zu den hervorgehobenen Gestalten.
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Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt steht am westlichen Rand von Maria Rojach am Fuß der Koralpe. Die Kirche wurde 1314 erstmals urkundlich erwähnt; der heute bestimmende gotische Bau entstand in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. 1480 wird Maria Rojach als Pfarre genannt. Der langgestreckte Bau besitzt ein gotisches Langhaus mit eingezogenem Chor, kräftige Strebepfeiler und einen massigen Westturm. Dessen Erdgeschoss bildet zugleich die Portalvorhalle. Das barocke Schallgeschoss und der Zwiebelhelm zeigen, dass auch die äußerlich sehr geschlossen wirkende mittelalterliche Anlage in späteren Jahrhunderten weiterentwickelt wurde.
Maria Rojach war jedoch nicht nur Kirche, sondern im Spätmittelalter auch befestigter Zufluchtsort. Reste der Wehrmauer und ein Rundturm im Nordosten sind erhalten geblieben. Die Verbindung von Sakralraum und Wehrfunktion prägte die Erinnerung des Ortes nachhaltig, weil die Befestigung beim Angriff des Jahres 1480 tatsächlich eine Rolle spielte. Diese historische Erfahrung wurde in der Folge religiös gedeutet und bildete einen wichtigen Ausgangspunkt für die besondere Marienverehrung.
Die Entwicklung von der mittelalterlichen Kirche zur selbständigen Pfarre ist eng mit der regionalen Geschichte des Lavanttales verbunden. Der Name Maria Rojach verweist bereits auf die herausgehobene Marienverehrung. Historisch ist für den Ort auch die slowenische Namensform "Roje" überliefert. Für die Wallfahrtsgeschichte entscheidend wurde jedoch weniger eine klassische Gründungslegende als ein konkretes Ereignis: die kriegerische Bedrohung des Jahres 1480 und ihre spätere Deutung als Rettung unter dem Schutz Mariens.
Im Jahr 1480 drang während eines osmanischen Einfalls eine bewaffnete Abteilung in das Lavanttal vor. Ältere historische Darstellungen berichten, dass nach Verwüstungen in der Umgebung auch Friedhof und Kirche von Maria Rojach angegriffen wurden. Die befestigte Anlage konnte jedoch gehalten werden. Bauern aus der Umgebung verteidigten den Kirchenbezirk, worauf die Angreifer schließlich weiterzogen. Damit besitzt die spätere Wallfahrtsüberlieferung einen realen historischen Kern: Maria Rojach war tatsächlich ein Zufluchts- und Verteidigungsort.
Die religiöse Erinnerung deutete den Ausgang des Angriffes als besonderen Schutz der Gottesmutter. Die Pfarre beschreibt, dass die Marienverehrung nach diesem Ereignis einen starken Aufschwung nahm. Maria wurde als "Himmelskönigin" angerufen und als eigentliche Helferin in der Gefahr verstanden. Diese Deutung verwandelte ein lokales Kriegserlebnis in eine dauerhaft erzählte Gnadenerfahrung der gesamten Gemeinde. Im Unterschied zu Wallfahrten, die aus der Heilung eines einzelnen Kranken oder der Auffindung eines Bildes entstanden, steht in Maria Rojach damit die Rettung einer ganzen Ortsgemeinschaft im Mittelpunkt.
Spätere Erzählfassungen schmückten die Ereignisse unterschiedlich aus und widersprechen einander teilweise. Gerade bei Überlieferungen zu den osmanischen Einfällen ist deshalb zwischen historischem Befund, religiöser Erinnerung und späterer Sage zu unterscheiden. Für Maria Rojach ist die erfolgreiche Verteidigung der befestigten Kirche historisch fassbar; die Zuschreibung dieses Erfolges an die Hilfe Mariens gehört zur Geschichte des Glaubens und der Wallfahrt.
Der spätmittelalterliche Wallfahrtsort behielt seine Bedeutung, erhielt im 17. Jahrhundert jedoch mächtige Konkurrenz. Im benachbarten St. Andrä entstand mit Maria Loreto eine prachtvolle barocke Wallfahrtskirche, die zunehmend Pilger anzog. Maria Rojach verlor dadurch einen Teil seiner früheren überörtlichen Ausstrahlung, ohne als Marienheiligtum zu verschwinden. Diese Entwicklung zeigt anschaulich, dass Wallfahrtsorte nicht isoliert existierten, sondern innerhalb einer religiösen Landschaft miteinander in Beziehung standen und um Pilger, Festtage und Aufmerksamkeit konkurrierten.
Das heutige Kultzentrum befindet sich im mächtigen barocken Hochaltar von 1703, der den Chor nahezu in seiner gesamten Höhe und Breite ausfüllt. In der Mittelnische steht eine fast lebensgroße Madonna mit Jesuskind, die von der Pfarre ausdrücklich als Gnadenbild der Kirche bezeichnet wird. Die Gottesmutter ist von Engeln und Heiligen umgeben; seitlich stehen Josef und Rochus, über den Opfergangsportalen Georg und Florian. Im Aufsatz erscheint Anna selbdritt, begleitet von weiteren weiblichen Heiligen. Der gesamte Altar ist damit als dichtes marianisches und heilsgeschichtliches Programm aufgebaut.
Eine für die Wallfahrtsgeschichte wichtige Frage lässt sich mit den derzeit zugänglichen Quellen nicht sicher beantworten. Die Überlieferung verbindet bereits die Ereignisse von 1480 mit dem Schutz eines Marienheiligtums in Maria Rojach, während der bestehende Hochaltar erst 1703 entstand. Die heutige Madonna wird als Gnadenbild bezeichnet, doch eine lückenlose materielle Identität mit einem bereits im 15. Jahrhundert verehrten Kultbild ist bislang nicht nachgewiesen. Daher ist die Kontinuität des Marienkultes festzuhalten, ohne daraus automatisch eine unveränderte Kontinuität derselben Statue abzuleiten.
An der linken Langhauswand hängt ein großes Ölgemälde aus dem Jahr 1819, das die Verteidigung der Kirche gegen den Angriff von 1480 schildert. Zwischen dem dargestellten Ereignis und der Entstehung des Bildes liegen mehr als dreihundert Jahre. Das Gemälde ist daher keine unmittelbare Bildquelle zum Aussehen der Kämpfe, sondern ein Zeugnis dafür, wie sich die Gemeinde im frühen 19. Jahrhundert an ihre Vergangenheit erinnerte. Die befestigte Kirche erscheint im Mittelpunkt; davor verteidigen sich Bauern mit Feuerwaffen, Steinen und landwirtschaftlichen Geräten. Die beigefügte religiöse Aussage führt den erfolgreichen Ausgang auf die Hilfe Mariens zurück.
Das Bild unterscheidet sich von den kleinen privaten Ex-votos vieler Wallfahrtskirchen. Es erinnert nicht an die Heilung eines einzelnen Menschen, sondern an die als wunderbar erfahrene Rettung einer ganzen Gemeinschaft. Gerade deshalb ist es für die Volkskunde besonders wertvoll. Die dargestellten Verteidiger stammen sichtbar aus der bäuerlichen Lebenswelt. Eine Frau mit erhobener Mistgabel gehört ausdrücklich zu dieser Gemeinschaft. Das Gemälde verbindet Ortsgeschichte, bäuerliche Selbstdarstellung und Marienfrömmigkeit zu einem großen kollektiven Erinnerungsbild.
Eine umfangreiche Sammlung individueller Mirakelberichte oder Votivtafeln wegen Krankheit, Geburt oder Viehseuchen konnte für Maria Rojach bislang nicht nachgewiesen werden. Das erhaltene Großvotiv zeigt jedoch umso deutlicher die besondere Ausrichtung des historischen Gnadenortes: Maria wurde als Beschützerin der gesamten Gemeinde in äußerer Gefahr verehrt.
Die spätgotische Befestigung war ein wesentlicher Bestandteil der Anlage. Erhalten sind Teile der Umfassungsmauer und im Nordosten ein runder Wehrturm mit Kegeldach. Eine hochgelegene Tür am Turm zeigt die ehemalige Höhe des hölzernen Wehrganges. An der südlichen Mauer befindet sich außerdem eine Schlüsselloch-Schießscharte. Die Mauern wurden im 19. Jahrhundert teilweise erniedrigt, doch die noch sichtbaren Reste lassen die frühere Wehrhaftigkeit des Kirchenbezirkes erkennen.
Für die Wallfahrtsgeschichte ist diese Befestigung nicht bloß architektonische Staffage. Sie erklärt, weshalb die Kirche 1480 überhaupt als Zufluchtsort dienen konnte und weshalb sich das Ereignis so eng mit dem Marienkult verband. Das Votivbild von 1819 bewahrt eine idealisierte Erinnerung an die vollständigere Wehranlage und lässt sich deshalb besonders gut mit dem heutigen Rundturm vergleichen.
Zu den volkskundlich außergewöhnlichsten Ausstattungsstücken von Maria Rojach gehören die Wandmalereien beiderseits des Westportals. Rechts erscheint der sogenannte Feiertagschristus, links ein Christus mit drohend erhobener Keule, der in der Spezialforschung als Fastenchristus bezeichnet wird. Die symmetrische Gegenüberstellung macht aus dem Eingangsbereich ein spätmittelalterliches moralisches Programm: Noch bevor die Gläubigen den Kirchenraum betraten, wurden sie an die Heiligung der Sonn- und Feiertage und an die Einhaltung der kirchlichen Fastengebote erinnert.
Der Feiertagschristus zeigt den leidenden Christus umgeben von Werkzeugen und Gegenständen des täglichen Lebens. Diese Geräte stehen für jene Arbeiten und Tätigkeiten, die an Sonn- und Feiertagen unterbleiben sollten. Die Bildidee ist drastisch und unmittelbar: Wer den geheiligten Tag durch unerlaubte Arbeit verletzt, fügt Christus gleichsam weitere Wunden zu. Für eine weitgehend nicht schriftlich geprägte Bevölkerung übersetzte das Fresko eine kirchliche Vorschrift in eine eindringliche und leicht verständliche Bildsprache.
Noch ungewöhnlicher ist der Fastenchristus auf der linken Portalseite. Christus ist nur mit einem Lendenschurz bekleidet und hält eine Keule über dem Kopf. Elfriede Grabner konnte in ihrer volkskundlichen Untersuchung nur zwei Beispiele dieses Bildtyps nennen: Maria Rojach und St. Andreas in Lienz. Das Rojacher Fresko wird von ihr in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert. Inhaltlich richtet sich das Bild gegen die Verletzung der damals streng verstandenen Fastengebote, die nicht nur Fleisch, sondern zeitweise auch Milchprodukte umfassten.
Die beiden Fresken gehören deshalb zu den seltenen Fällen, in denen kirchliche Alltagsnormen unmittelbar als Bild an der Schwelle des Gotteshauses sichtbar wurden. Sie sind zugleich hervorragende Quellen für die religiöse Sozialdisziplin des Spätmittelalters und für die enge Verbindung von Volksfrömmigkeit, Arbeit, Nahrung und Festordnung.
An der nördlichen Chorwand steht der kostbarste kunsthistorische Besitz der Kirche: ein spätgotischer geschnitzter Flügelaltar, der nach einer Inschrift auf der Rückseite 1529 gefertigt wurde. Neuere Untersuchungen schreiben ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit der Werkstatt Jörg Lederers in Kaufbeuren zu. Damit gelangte ein bedeutendes süddeutsches Werk in das Lavanttal. Die qualitätvolle Schnitzplastik und die Tafelmalerei zeigen, dass Maria Rojach auch Jahrzehnte nach dem Aufschwung der Wallfahrt ein Ort anspruchsvoller kirchlicher Ausstattung blieb.
Im geöffneten Zustand steht die Geburt Christi im Zentrum. Unterhalb der Szene entfaltet sich die Wurzel Jesse mit David und Salomo. Auf den Flügeln erscheinen weitere Stationen aus dem Marienleben, darunter die Beschneidung Christi, die Darstellung im Tempel, die Begegnung Joachims und Annas an der Goldenen Pforte sowie die Anbetung der Könige. Mehrere Kompositionen greifen Holzschnitte aus Albrecht Dürers "Marienleben" auf und übertragen die graphischen Vorlagen in farbige Reliefs.
Bei geschlossenen Flügeln wird aus dem Marienaltar ein Passionsaltar. Die gemalten Außenseiten zeigen Szenen aus der Leidensgeschichte Christi und orientieren sich ebenfalls an graphischen Vorlagen Albrecht Dürers. Bis heute wird der Altar in der Fastenzeit geschlossen, sodass der liturgische Jahreslauf unmittelbar bestimmt, welche Bildfolge sichtbar ist. Damit besitzt das Kunstwerk weiterhin jene wechselnde Funktion, für die ein Flügelaltar ursprünglich geschaffen wurde.
Die wertvollen Tafeln und Reliefs wurden in den vergangenen Jahren schrittweise restauriert. Das große Mittelrelief der Geburt Christi wurde 2015 in die Restaurierungswerkstätten des Bundesdenkmalamtes gebracht und 2016 wieder eingesetzt. Die Restaurierungen sichern nicht nur ein bedeutendes Kunstwerk, sondern bewahren zugleich einen wichtigen Bestandteil der jahrhundertelangen marianischen Bildwelt von Maria Rojach.
Der Kirchenraum bewahrt Wandmalereien aus verschiedenen Epochen. Im Chor haben sich Fragmente eines Zuges der Heiligen Drei Könige, stehende Apostel sowie Rundmedaillons mit Barbara, Katharina und Engeln aus der Zeit um 1370/80 erhalten. Ein Fragment des Jüngsten Gerichtes gehört in das frühe 15. Jahrhundert; die Beweinung Christi an der Langhausnordwand entstand im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts. Diese Bildschichten begleiten damit fast die gesamte spätmittelalterliche Geschichte des Gotteshauses.
Bei der umfassenden Restaurierung von 1991 bis 1993 wurden außerdem jüngere Fassungen wieder sichtbar. Im Langhaus kam ein um 1600 entstandenes Secco-Dekor mit farbigen Blumenornamenten, Köpfen und Figuren zum Vorschein. Im Presbyterium wurden frühbarocke Kinderengel freigelegt, welche die Leidenswerkzeuge Christi tragen. Der heute sichtbare Kirchenraum ist damit keine stilistisch einheitliche Momentaufnahme, sondern ein über Jahrhunderte gewachsenes religiöses Bilderarchiv.
Neben dem Hochaltar von 1703 besitzt die Kirche zwei ähnlich aufgebaute Seitenaltäre aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Der linke zeigt Anna selbdritt, der rechte Johannes den Täufer. Die Verbindung des barocken Hochaltares mit dem spätgotischen Flügelaltar und den mittelalterlichen Fresken macht die besondere Wirkung des Innenraumes aus: Mehrere Epochen der Marienverehrung und kirchlichen Bildkultur stehen unmittelbar nebeneinander.
Das Patrozinium Mariä Himmelfahrt am 15. August bleibt der zentrale Festtag der Kirche. Der Festgottesdienst wird mit der Segnung von Blumen und Kräutern verbunden. Dieser in vielen Teilen Österreichs verbreitete Brauch gehört in Maria Rojach in einen besonders alten marianischen Zusammenhang: Die Pfarrkirche trägt nicht nur das Patrozinium der Aufnahme Mariens in den Himmel, sondern ist seit Jahrhunderten auch als Wallfahrtsort mit einem Gnadenbild verbunden.
Eine jüngere Schicht der Marienfrömmigkeit bilden die regelmäßigen Fatima-Gottesdienste am 13. des Monats. Rosenkranz, Beichtgelegenheit und Eucharistie verbinden den historischen Gnadenort mit einer im 20. Jahrhundert entstandenen Form marianischer Frömmigkeit. Diese Praxis ist nicht mit der spätmittelalterlichen Wallfahrt von 1480 gleichzusetzen, zeigt aber, dass Maria Rojach weiterhin regelmäßig über den gewöhnlichen Pfarrgottesdienst hinaus als besonderer Marienort aufgesucht wird.
Seit 2011 besitzt Maria Rojach zusätzlich eine überregionale Pilgerfunktion als Ausgangspunkt des Marienpilgerweges nach Maria Luggau. Der rund 266 Kilometer lange Weg führt durch Kärnten bis zum bedeutenden Wallfahrtsort im Lesachtal. Damit ist Maria Rojach heute zugleich Ziel marianischer Andacht und Ausgangspunkt für eine längere Pilgerreise. Diese neue Funktion knüpft an die alte religiöse Bedeutung des Ortes an, ohne deren historische Formen lediglich zu wiederholen.
Die Geschichte von Maria Rojach zeigt einen bemerkenswerten Wandel. Aus einer gotischen Pfarr- und Wehrkirche wurde nach den Ereignissen von 1480 ein regional bedeutender Marienwallfahrtsort. Im Barock verlor er gegenüber Maria Loreto einen Teil seiner früheren Anziehungskraft, blieb aber als Gnadenort bestehen. Heute verbinden sich in der Kirche Pfarrleben, historische Wallfahrt, Fatima-Frömmigkeit und moderner Pilgerweg. Gerade diese Überlagerung verschiedener religiöser Epochen macht Maria Rojach zu einem besonders aussagekräftigen Beispiel für die Wandlungsfähigkeit von Wallfahrtstraditionen.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Maria Rojach, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Wien 2001, S. 510-511.
- Schroll, Beda: Das Benediktiner-Stift St. Paul. In: Carinthia I, 66. Jahrgang, Klagenfurt 1876. Zur historischen Überlieferung des osmanischen Einfalls in das Lavanttal und des Angriffes auf Maria Rojach im Jahr 1480.
- Katholische Kirche Kärnten / Pfarre Maria Rojach: Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Rojach; Geschichte der Pfarrkirche Maria Rojach; Pfarrbriefe und Gottesdienstordnungen. Zur Wallfahrtsgeschichte, zum Gnadenbild, zum Votivbild, zur Ausstattung und zur heutigen Marienfrömmigkeit.
- Katholische Kirche Kärnten: Marienkirchen in Kärnten. Klagenfurt 2011, Abschnitt Maria Rojach - Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.
- Grabner, Elfriede: Bildquellen zur Volksfrömmigkeit, I: Der "Fastenchristus". Zur Ikonographie und Kulturgeschichte eines seltenen spätmittelalterlichen Mahnbildes. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Neue Serie Bd. XLIV/93, Heft 3, Wien 1990, S. 311-320.
- Gugitz, Gustav: Das Türkenmotiv in den Gnadenstätten der Ostmark. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, N. F. Bd. 28, S. 363-405. Die zeitgebundene Terminologie und Rahmung des in der NS-Zeit erschienenen Aufsatzes ist quellenkritisch zu berücksichtigen.
- Landesmuseum Kärnten: Rudolfinum, Jahrbuch 2016. Restaurierungsbericht zum spätgotischen Flügelaltar von Maria Rojach; Datierung 1529 und Zuschreibung an die Werkstatt Jörg Lederers in Kaufbeuren.
- Demus, Otto: Die spätgotischen Altäre Kärntens. Klagenfurt 1991. Zum Flügelaltar von Maria Rojach.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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