| Wallfahrt: | Alte Marienwallfahrt über dem Rosental, deren Wurzeln spätestens in das Mittelalter zurückreichen. Die spätgotische Gnadenmutter wurde im Barock zum Mittelpunkt einer außergewöhnlich reichen Wallfahrtslandschaft mit Votivbildern, Heiligem Grab, Mariengrab, Reliquienverehrung und mehreren Nebenheiligtümern. |
| Status: | Lebendiger Wallfahrtsort. Haupttermine sind der 1. und 5. Sonntag nach Ostern, Mariä Himmelfahrt am 15. August, Mariä Geburt am 8. September sowie die monatliche 13er-Wallfahrt. Maria Rain liegt außerdem am Hemma-Pilgerweg. |
| Kultzentrum: | Die spätgotische Gnadenstatue der Muttergottes mit Kind aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Hochaltar von 1694. Zusätzlich wird eine Monstranz mit einer als Blut-Christi-Reliquie und Partikeln der Dornenkrone überlieferten Reliquie verehrt. |
| Besonderheiten: | Einziges erhaltenes Mariengrab Kärntens, Heilig-Grab-Kapelle mit Gitter der fünf heiligen Wunden, steinernes "Längenmaß Christi", Rosaliengrotte, ältestes Votivbild von 1660 und ein antiker Grabaltar als Opferstock. |
| Patrozinium: | Mariä Himmelfahrt, 15. August. |
| Ort: | Maria Rain / Žihpolje |
| Region: | Rosental / Sattnitz |
| Bundesland: | Kärnten |
| • | Lage: Kirchenstraße 61, 9161 Maria Rain |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre/Fara Maria Rain/Žihpolje |
| • | Öffnungszeiten: gewöhnlich tagsüber für Besucher und zum Gebet aufgeschlossen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Rain:
Die weithin sichtbare doppeltürmige Kirche steht auf dem Abbruchrand der Sattnitz hoch über dem Rosental. Ihre heutige Erscheinung verbindet den spätgotischen Kern des 15. Jahrhunderts mit der groß angelegten barocken Erweiterung des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Hochaltar mit der Gnadenmutter von Maria Rain:
Im Zentrum des monumentalen Hochaltares von 1694 steht die spätgotische Muttergottes mit Kind aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der Strahlenkranz und die umgebenden Engel heben die ältere Statue aus der barocken Altararchitektur heraus und kennzeichnen sie eindeutig als Kultzentrum der Marienwallfahrt.
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• Ältestes erhaltenes Votivbild von Maria Rain, 1660:
Das Votivbild zeigt die Kirche noch vor der großen Erweiterung des späten 17. Jahrhunderts und gehört zu den wichtigsten Bildquellen für die frühe Wallfahrtsgeschichte. Die alte Bezeichnung des Galerieeintrags als 'Schutzmantelmadonna' ist irreführend; der Begleittext identifiziert das Stück selbst als Votivbild von 1660.
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• Gitter der Heilig-Grab-Kapelle:
Klara dokumentierte 2012 das außergewöhnliche schmiedeeiserne Gitter von 1658. Auf ihm erscheinen die fünf heiligen Wunden Christi in bemalten Blechschnitten. Das Gitter gehört zu einem Heilig-Grab-Komplex, der vor den josephinischen Reformen selbst ein stark besuchtes Wallfahrtsziel innerhalb der Kirche war.
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• Römischer Grabaltar als Opferstock:
Der von Klara fotografierte Opferstock besteht aus einem wiederverwendeten Teil eines römischen Grabaltars aus dem Umfeld von Virunum. Zwei einander zugewandte Panther flankieren ein Gefäß, aus dem ein Weinstock emporwächst. Die spätere Umfunktionierung zum Opferstock verbindet antike Spolie und christliche Wallfahrtspraxis.
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• Kanzel von 1709:
Die vom Viktringer Abt Johann Moser gestiftete Kanzel gehört zur barocken Erneuerung des Wallfahrtsraumes. Auf der Brüstung erscheint die Predigt Johannes des Täufers; Petrus, Paulus und Salvator Mundi ergänzen das Bildprogramm.
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• Martyrium der hl. Apollonia:
Klaras Aufnahme zeigt das Seitenaltarbild mit der Marter der hl. Apollonia. In der volkstümlichen Heiligenverehrung wurde Apollonia besonders bei Zahnleiden angerufen. Zusammen mit Valentin, Blasius, Lucia, Isidor und Notburga erweitert dieser Altar die Maria-Rainer Wallfahrtskirche um ein dichtes Netz spezialisierter Heil- und Schutzpatrone.
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Maria Rain gehört zu den historisch ältesten kirchlichen Plätzen im Rosental. Bereits 860 erscheint in einer Schenkung König Ludwigs des Deutschen an Salzburg ein "curtis ad Trahove". Für das Jahr 927 ist eine "sancta maria ad dravum", also eine Marienkirche an der Drau, überliefert, die von der neueren lokalen und kirchlichen Geschichtsschreibung mit Maria Rain in Verbindung gebracht wird. Damit reicht die Geschichte des Sakralortes weit hinter den heutigen Bau zurück. Von dieser ersten Kirche ist allerdings kein aufgehendes Mauerwerk sicher erhalten, und auch eine organisierte Wallfahrt lässt sich für das 10. Jahrhundert nicht einfach aus dem Marienpatrozinium ableiten.
1144 gelangte die Kirche, damals als "Maria scalach" bezeichnet, durch den Salzburger Erzbischof an das kurz zuvor gegründete Zisterzienserstift Viktring. Diese Verbindung wurde für die spätere Entwicklung entscheidend. Die Viktringer Äbte betreuten die Kirche bis zur Aufhebung des Klosters 1786, statteten sie aus, förderten die Wallfahrt und machten aus dem älteren Marienheiligtum einen barocken Gnadenort von überregionaler Ausstrahlung. 1313 begegnet erstmals die deutsche Namensform "Ze unser Vrauen an dem Rain". "Rain" bezeichnet dabei einen erhöhten Rand oder Hang und passt unmittelbar zur weithin sichtbaren Lage am Abbruch der Sattnitz über der Drau.
Maria Rain liegt im historisch zweisprachigen Rosental. Der slowenische Name Žihpolje geht nicht auf eine Übersetzung von "Maria Rain" zurück, sondern auf eine ältere deutsche Ortsbezeichnung "Sichpuchl" beziehungsweise "Seigbichl", die ihrerseits ungefähr einen feuchten Bichl bezeichnete. Gerade diese doppelte Namensgeschichte erinnert daran, dass kirchliche, sprachliche und siedlungsgeschichtliche Räume nicht deckungsgleich waren. Die Wallfahrt strahlte seit Jahrhunderten nach Süden über die Drau und in die slowenischsprachigen Gebiete aus; noch die historischen Krainer Wallfahrer gehören zu dieser grenzüberschreitenden Pilgerlandschaft.
Der älteste wesentliche Bauteil der heutigen Kirche ist das westliche Langhaus. Zwischen 1445 und etwa 1456 beziehungsweise 1466 entstand ein spätgotischer Neubau mit nur einem Turm. Ein gotisches Christophorusbild ist teilweise noch im Dachbereich erhalten. Das weithin sichtbare Christophorusmotiv ist für einen Wallfahrts- und Verkehrsraum besonders passend: Der Heilige galt als Schutzpatron der Reisenden und sollte nach mittelalterlichem Glauben bereits durch seinen Anblick vor einem unvorbereiteten Tod bewahren.
Die heute verehrte Gnadenstatue stammt ebenfalls aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Baugeschichte und Kultbild gehören daher derselben großen spätmittelalterlichen Erneuerungsphase an. Ob die Statue schon unmittelbar nach ihrer Entstehung den Rang eines Gnadenbildes besaß, lässt sich aus den zugänglichen Quellen nicht lückenlos beweisen; spätestens in der frühen Neuzeit ist der ausgeprägte Wallfahrtskult jedoch eindeutig.
Im 17. Jahrhundert begann eine lange Ausbauphase. Um die Mitte des Jahrhunderts entstanden beziehungsweise entwickelten sich die Marien- und Passionskapellen. 1658 wurde östlich der damaligen Kirche eine eigene Heilig-Grab-Kapelle errichtet. Als das Kirchenschiff 1696 nach Osten verlängert wurde, trug man den freistehenden Bau ab und integrierte das Heilige Grab als rechte Seitenkapelle in den Neubau. Gleichzeitig entstand der kleeblattartig gegliederte Ostabschluss der Kirche. Der bereits vorhandene Nordturm erhielt seinen Aufbau, 1719 kam der zweite Turm hinzu. 1729 war jene doppeltürmige barocke Erscheinung erreicht, die Maria Rain bis heute prägt.
Der Ausbau ist ohne die Wallfahrt kaum verständlich. Seitenkapellen, Opfergänge, Votivplätze, ein Heiliges Grab, ein Mariengrab, Reliquien, mehrere Altäre und schließlich die großartige Doppelturmfassade dienten nicht nur dem gewöhnlichen Pfarrgottesdienst. Sie schufen einen Raum, in dem Pilger verschiedene Andachtsstationen nacheinander aufsuchen konnten. Die Kirche wurde damit zu einer regelrechten inneren Wallfahrtslandschaft.
1906 zerstörte ein verheerender Brand große Teile der Kirche. Der Wiederaufbau konnte vergleichsweise rasch erfolgen; 1909 wurde das Gotteshaus erneut geweiht. Weitere Restaurierungen im 20. Jahrhundert legten unter anderem barocke Dekormalereien frei und brachten 1991 an der Außenseite der Hauptapsis ein Fresko der gekrönten Madonna mit Kind vom Ende des 17. Jahrhunderts wieder zum Vorschein. Maria Rain zeigt deshalb nicht nur Mittelalter und Barock, sondern auch die Geschichte wiederholter Zerstörung, Rekonstruktion und neuer liturgischer Nutzung.
Das zentrale Gnadenbild ist eine spätgotische Muttergottes mit Kind aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Sie steht im Mittelpunkt des monumentalen Hochaltares von 1694 auf einer eigenen Konsole, von Engeln begleitet und vor einen Strahlenkranz gestellt. Die barocke Inszenierung macht deutlich, dass die ältere Statue nicht als gewöhnliches Ausstattungsstück behandelt wurde: Der gesamte Altaraufbau ordnet sich ihrem Kult unter und übersetzt die spätgotische Figur in die Bildsprache eines hochbarocken Wallfahrtsheiligtums.
Die Madonna ist gekrönt und erscheint als Himmelskönigin. Das Jesuskind trägt nach älteren Beschreibungen die Weltkugel und wendet sich eng der Mutter zu. Das Bild verbindet damit königliche Repräsentation mit einer persönlichen Mutter-Kind-Beziehung. Für Wallfahrer war gerade diese Nähe entscheidend: Maria erscheint als mächtige Fürsprecherin und zugleich als Mutter, an die persönliche Sorgen herangetragen werden können.
Flankiert wird die Gnadenmutter von den hll. Benedikt, Johannes dem Täufer, Johannes dem Evangelisten und Bernhard von Clairvaux. Benedikt und Bernhard verweisen auf die monastische und zisterziensische Tradition, Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist auf zentrale Gestalten der Heilsgeschichte. Im oberen Altarbereich stehen Katharina und Barbara, außen Maria und der Verkündigungsengel. Das 1692 von Ferdinand Stainer gemalte Aufsatzbild zeigt Gottvater; darüber erscheint das Wappen der Grafen von Dietrichstein.
Der Hochaltar ist deshalb nicht bloß eine prächtige Rahmung. Er bindet die Gnadenmutter in eine umfassende Heilsgeschichte ein und verbindet den Marienkult zugleich mit der Geschichte Viktrings. Das spätgotische Kultbild blieb unverändert Zentrum, während die barocke Ausstattung eine neue theologische und repräsentative Bühne schuf.
Die Marienkirche ist seit 927 belegt, doch ein Kirchenpatrozinium ist noch kein Beweis für eine Wallfahrt. Lokale Überlieferungen und ältere kirchliche Darstellungen führen die Marienverehrung beziehungsweise Pilgerbesuche bis in das 12. oder 13. Jahrhundert zurück. Für eine genau datierte Entstehung der Wallfahrt ließ sich in den frei zugänglichen Quellen jedoch keine gleich frühe Urkunde auffinden. Publizistisch sauberer ist deshalb die Feststellung, dass Maria Rain als Marienheiligtum sehr alt ist und die Wallfahrt spätestens im späten Mittelalter beziehungsweise in der frühen Neuzeit sicher greifbar wird.
Mit der spätgotischen Gnadenstatue des 15. Jahrhunderts und den erhaltenen Votivzeugnissen des 17. Jahrhunderts tritt der Wallfahrtskult deutlich ins Licht. Der Ausbau unter den Äbten von Viktring ist dann bereits vollständig von der Pilgerfrömmigkeit geprägt. Maria Rain wurde zu einem der großen Marienorte südlich von Klagenfurt und zog Menschen aus dem Rosental, aus dem Klagenfurter Raum, aus Krain und aus anderen Teilen Kärntens an.
Das Zisterzienserstift Viktring war Grundherr und kirchlicher Träger. Die Äbte investierten in Hochaltar, Kapellen, Kanzel und weitere Ausstattung. Zugleich verband sich Maria Rain mit dem zisterziensischen Marienkult: Bernhard von Clairvaux erscheint am Hochaltar, und die Verehrung Mariens gehörte zur geistlichen Identität des Ordens. Dennoch sollte man die Wallfahrt nicht als bloß "inszenierte" Klostergründung verstehen. Die erhaltenen Votivbilder und die Vielzahl konkreter Pilgerpraktiken zeigen eine starke eigenständige Volksfrömmigkeit.
Die Aufhebung des Stiftes Viktring 1786 und die josephinischen Reformen veränderten die Wallfahrtslandschaft. 1788 wurde Maria Rain selbständige Pfarre. Besonders die stark ausgebildete Heilig-Grab-Frömmigkeit verlor unter den Reformen ihren früheren Massencharakter. Die Marienwallfahrt überdauerte jedoch und wurde im 19. und 20. Jahrhundert immer wieder neu belebt. Heute verbindet der Ort alte Festtage mit modernen Monatswallfahrten und überregionalen Pilgerwegen.
Eine der erstaunlichsten Seiten Maria Rains ist die Heilig-Grab-Kapelle. 1658 wurde zunächst östlich der Kirche ein freistehender Bau errichtet, der dem Heiligen Grab in Jerusalem nachempfunden war. Als die Kirche ab 1692/96 vergrößert wurde, integrierte man den Kultort in die rechte Seitenkapelle. Das schmiedeeiserne Gitter von 1658 mit den fünf heiligen Wunden Christi gehört zu den eindrucksvollsten erhaltenen Zeugnissen dieser Passionsfrömmigkeit.
Nach einer heutigen diözesanen Dokumentation zog das Heilige Grab vor den Reformen Josephs II. selbst massenhaft Pilger an; an starken Wallfahrtstagen sollen dort bis zu zwanzig Messen gefeiert worden sein. Das ist eine wichtige Korrektur des einfachen Bildes einer reinen Marienwallfahrt. Maria Rain besaß innerhalb desselben Kirchengebäudes mehrere Kultzentren: die Gnadenmutter am Hochaltar, das Grab Christi, das Grab Mariens, die Rosaliengrotte und die Reliquienmonstranz.
Eine weitere Besonderheit ist das sogenannte Mariengrab, das von der Pfarre als einziges erhaltenes seiner Art in Kärnten hervorgehoben wird. In einer ausgehöhlten Altarmensa liegt die Figur der toten Maria. Ikonographisch wird damit der Tod beziehungsweise die Entschlafung Mariens dargestellt, während der darüberliegende Altar und das Patrozinium Mariä Himmelfahrt bereits auf ihre Aufnahme in den Himmel verweisen. Tod und Verherrlichung Mariens werden somit räumlich unmittelbar miteinander verbunden.
Für Pilger war eine solche Darstellung mehr als Kunst. Sie machte einen Abschnitt der Heilsgeschichte körperlich anschaulich. Der Gläubige konnte gleichsam am Grab der Gottesmutter stehen und von dort zum erhöhten Bild der himmlischen Maria blicken. Diese räumliche Dramaturgie gehört zu den bemerkenswertesten Eigenheiten der Kirche.
Auch die hl. Rosalia erscheint in Maria Rain nicht nur als aufrecht stehende Heiligenfigur. In der Geißelungs- beziehungsweise Rosalienkapelle liegt sie als geschnitzte Gestalt in einer Grabnische. Rosalia wurde seit den Pestzügen des 17. Jahrhunderts zu einer der wichtigsten Pestheiligen Europas. Ihre grottenartige Grabdarstellung verweist auf ihre Eremitenlegende und zugleich auf ihre Grabauffindung in Palermo. Für Wallfahrer in Zeiten von Seuche und Krankheit erhielt die Kapelle damit eine unmittelbar verständliche Schutzfunktion.
In der heutigen Anbetungs- beziehungsweise Werktagskapelle wird hinter gesichertem Glas eine wertvolle Reliquienmonstranz verwahrt. Nach örtlicher Überlieferung enthält sie Blut Christi und Partikel der Dornenkrone. Die Diözese bezeichnet die Blut-Christi-Reliquie ausdrücklich als besonderes Objekt der Verehrung neben der Gnadenmadonna.
Die historische Provenienz ist allerdings schwieriger. Eine Überlieferung erzählt, ein Abt von Viktring habe die Reliquien aus dem Heiligen Land mitgebracht; während der Türkeneinfälle seien sie nach Maria Rain in Sicherheit gebracht worden. Diese Geschichte ist nicht in allen Einzelheiten historisch abgesichert und sollte deshalb als Reliquienüberlieferung beziehungsweise Sage bezeichnet werden, nicht als nachgewiesener Kreuzzugsbericht.
Georg Graber überliefert eine Sage, nach der ein Kranker wieder gesund werde, wenn er die Monstranz im rechten Glauben küsse. Die Vorstellung verbindet körperliche Nähe, Reliquie und Heilung in besonders klassischer Weise. Nicht das Material als solches, sondern Glauben und Berührung vermitteln die erhoffte Wirkung. Die Geschichte gehört damit in dieselbe religiöse Vorstellungswelt wie das Berühren von Gnadenbildern, das Auflegen von Kleidungsstücken auf Heiligengräber oder das Trinken von Wasser an Heilquellen.
In der heutigen Präsentation steht nicht die Behauptung einer medizinisch nachweisbaren Heilwirkung im Vordergrund. Die Reliquie bleibt jedoch ein sichtbar gepflegter Teil der Wallfahrtsgeschichte und ist damit keineswegs zu einem bloßen Museumsobjekt geworden.
Das älteste in Maria Rain erhaltene Votivbild stammt aus dem Jahr 1660. Es ist gleich in zweifacher Hinsicht wichtig: als Zeugnis persönlicher Dankfrömmigkeit und als historische Ansicht der Kirche vor ihrer großen barocken Erweiterung. Das Bild zeigt damit nicht nur, dass Menschen bereits damals konkrete Gebetserhörungen mit einer Stiftung beantworteten, sondern liefert zugleich Informationen zum früheren Erscheinungsbild des Wallfahrtsortes und zum damals noch freistehenden Heiligen Grab.
Das Foto in der SAGEN.at-Fotogalerie trägt aus älterer Zeit den Titel "Schutzmantelmadonna", doch bereits der dortige Begleittext bezeichnet das Objekt als ältestes Votivbild von Maria Rain. Für die vorliegende Dokumentation wird es daher bewusst nach seiner historischen Funktion benannt.
Dass die Votivkultur über den Ort hinaus Spuren hinterließ, zeigt ein Fund in der Stiftsbibliothek Vorau. Ferdinand Hutz veröffentlichte 1992 in der Carinthia I einen eigenen Beitrag über ein neu aufgefundenes Maria-Rainer Votivbild von 1688. Schon die Existenz eines solchen außerhalb Maria Rains erhaltenen Stückes beweist, dass die Bildproduktion und das Gedächtnis der Wallfahrt nicht auf die unmittelbar in der Kirche erhaltenen Tafeln beschränkt waren.
Ein weiteres Votivbild in der Eingangshalle trägt die Jahreszahl 1744 und zeigt einen Seesturm. Der Bildtyp gehört zu den eindrucksvollsten Formen des Ex-voto: Menschen in Lebensgefahr wenden sich an eine himmlische Fürsprecherin, und nach glücklicher Rettung wird die bedrohliche Situation bildlich festgehalten. Votivbilder sind daher keine bloße Dekoration, sondern verdichtete biographische Erzählungen von Gefahr, Gebet und Dank.
Auch im Gemeindegebiet blieb die Gnadenmutter bildlich präsent. In Göltschach befindet sich an einem Bauernhaus ein Votivbild mit der Maria-Rainer Gnadenmadonna und einem darunter knienden betenden Ehepaar. Solche privaten Bilder zeigen, dass die Beziehung zum Wallfahrtsort nach der Heimkehr weiterbestand: Die Gnadenmutter wurde gleichsam in Haus und Hof mitgenommen.
Zu den ungewöhnlichsten volkskundlichen Objekten der Kirche gehört die sogenannte "Mensura Christi", das Längenmaß Christi. Im Bereich des westlichen Kircheneinganges korrespondieren eine erhöhte Steinplatte mit Ecce-Homo-Darstellung und der Inschrift "Mensura Christi" mit einem Stein am Boden. Der Abstand beträgt ungefähr 185 Zentimeter und sollte nach alter Vorstellung der wahren Körpergröße Christi entsprechen.
Solche "wahren Längen" waren in Europa seit dem Mittelalter verbreitet. Sie konnten als Bänder, Maße, Drucke oder in Stein ausgeführt sein. Dahinter steht der Wunsch, die unsichtbare Heilsgeschichte körperlich messbar und berührbar zu machen. Die exakte Zahl war weniger naturwissenschaftliche Anthropometrie als religiöse Vergegenwärtigung: Der Gläubige konnte sich buchstäblich neben die angenommene Größe Christi stellen.
In Maria Rain steht das Längenmaß nicht isoliert. Heiliges Grab, fünf Wunden, Ecce Homo, Dornenkronenreliquie, Geißelungskapelle und Mensura Christi bilden zusammen einen dichten Passionskomplex. Die Kirche bot dem Pilger damit eine Art räumlichen Betrachtungsweg durch Leiden, Tod und Auferstehung Christi, parallel zur marianischen Verehrung.
Die Drau war für viele Pilger aus dem Süden keine landschaftliche Kulisse, sondern eine reale Grenze auf dem Wallfahrtsweg. Historische Krainer Wallfahrer setzten mit Fähren über den Fluss und stiegen von Haimach beziehungsweise Oberguntschach nach Maria Rain hinauf. Von dort zogen sie weiter nach Klagenfurt, feierten in der Stadthauptpfarrkirche Messe, stärkten sich und gingen noch am selben Tag weiter nach Maria Saal. Maria Rain war damit Teil einer langen, mehrtägigen Pilgerroute und nicht notwendig Endpunkt der Reise.
Der heutige Hemma-Pilgerweg greift diese alte Nord-Süd-Bewegung wieder auf. Er führt nach der Drauquerung über Haimach und den Aussichtspunkt Petelinz nach Maria Rain und danach über das ehemalige Zisterzienserstift Viktring weiter nach Klagenfurt. Damit werden jene historischen Räume wieder miteinander verbunden, die schon durch Grundherrschaft, Wallfahrt und Seelsorge miteinander verflochten waren.
Eine der tragischsten Nachrichten der Maria-Rainer Wallfahrtsgeschichte stammt aus dem Jahr 1765. Eine überladene Draufähre mit heimkehrenden Wallfahrern kenterte; 45 Menschen ertranken in den Fluten. Die Katastrophe macht auf erschütternde Weise deutlich, dass Wallfahrt historisch immer auch körperliche Reise bedeutete und mit realen Gefahren verbunden war. Flüsse, Gebirgswege, Wetter, Dunkelheit und lange Tagesetappen gehörten zum Pilgeralltag.
Gerade weil Maria Rain auf dem Sattnitzabbruch hoch über dem Fluss liegt, ist die alte Beziehung zwischen Heiligtum und Drau bis heute in der Landschaft ablesbar. Die moderne Valentinsfähre erinnert an eine Verkehrswelt, in der die Überfahrt nicht romantischer Ausflug, sondern notwendiger Bestandteil des Weges war.
Vom Bereich des Bahnhofs beziehungsweise des unteren Ortes führt ein alter Andachtsweg hinauf zur Wallfahrtskirche. Fünf Bildstöcke markieren die Geheimnisse des freudenreichen Rosenkranzes. Zwischen dem ersten und fünften Bildstock liegen rund tausend Meter; die einzelnen Stationen stehen in Abständen von ungefähr 250 Metern. Diese Distanz entspricht auffallend gut einer Wegstrecke, auf der jeweils eine Rosenkranzstrophe gebetet werden kann.
Der Rosenkranzweg zeigt, wie Pilgerbewegung ritualisiert wird. Die Wallfahrt beginnt nicht erst am Kirchentor. Bereits der Aufstieg wird durch Bilder, Gebete und rhythmisches Gehen zu einer religiösen Handlung. Seit 1975 wurde dieser Weg besonders mit der monatlichen 13er-Wallfahrt der Legio Mariae verbunden.
Die Diözese nennt heute mehrere Hauptwallfahrtstage: den ersten und fünften Sonntag nach Ostern, Mariä Himmelfahrt am 15. August und Mariä Geburt am 8. September. Rund um den 8. September kommen traditionell Wallfahrer aus Kappel an der Drau nach Maria Rain. Prozession, Rosenkranzweg und Wallfahrtsmesse zeigen, dass die regionalen Herkunftsgruppen weiterhin eine konkrete räumliche Beziehung zum Gnadenort besitzen.
Eine jüngere, inzwischen fest etablierte Tradition ist die Wallfahrt am 13. jedes Monats. Sie steht im Zusammenhang mit der modernen Fatima- und Marienfrömmigkeit und wird in Maria Rain seit den 1970er-Jahren gepflegt. Pfarrberichte dokumentieren regelmäßig große Teilnehmerzahlen und wechselnde Festprediger. Die 13er-Wallfahrt ist damit ein gutes Beispiel dafür, wie ein sehr alter Wallfahrtsort neue Frömmigkeitsformen aufnehmen kann, ohne seine ältere Identität zu verlieren.
Die Pfarre trägt heute bewusst die zweisprachige Bezeichnung Maria Rain/Žihpolje. Das entspricht der Lage im historisch deutsch-slowenischen Rosental. Für die Wallfahrtsgeschichte ist dies besonders wichtig, weil Pilgerbewegungen die heutigen Staats- und Sprachgrenzen lange vor dem modernen Tourismus überschritten. Maria Rain war ein Bindeglied zwischen Klagenfurter Becken, Rosental und Krain und besitzt diese kulturelle Zwischenlage bis heute.
Der heutige Wallfahrer begegnet in Maria Rain einer ungewöhnlichen Konzentration verschiedener Frömmigkeitsepochen. Die spätgotische Gnadenmutter erinnert an das Mittelalter, Heiliges Grab und Mariengrab an die barocke Passions- und Marienfrömmigkeit, Votivbilder an persönliche Gebetserhörungen, Reliquien und Mensura Christi an eine körperlich erfahrbare Heiligkeit, der Rosenkranzweg an prozessionale Andacht und die 13er-Wallfahrt an die Marienfrömmigkeit des 20. Jahrhunderts. Gerade diese Schichtung macht Maria Rain zu einem der volkskundlich reichsten Wallfahrtsorte Kärntens.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Maria Rain, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt. Wien 2001, S. 507-509.
- Neubauer-Kienzl, Barbara; Deuter, Wilhelm; Mahlknecht, Eduard: Barock in Kärnten. Klagenfurt 2000, insbesondere S. 54, 63, 74, 117 f. und 204.
- Kienzl, Barbara: Die barocken Kanzeln in Kärnten. Klagenfurt 1986, S. 324 f.
- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 4: Kärnten und Steiermark. Wien 1956.
- Graber, Georg: Sagen aus Kärnten. Zur Überlieferung der Blut-Christi-Reliquie von Maria Rain.
- Hutz, Ferdinand: Ein in der Stiftsbibliothek Vorau neu aufgefundenes Votivbild von Maria Rain von 1688. In: Carinthia I 182, 1992, S. 383-387.
- Kirchenführer der Pfarre Maria Rain. Verlag St. Peter, Salzburg 1994.
- Geschichtsverein für Kärnten: Maria Rain: Wallfahrtskirche und Fährleute. Newsletter / Ausflugstipp 1/2023.
- Katholische Kirche Kärnten / Pfarre Maria Rain-Žihpolje: Die Pfarr- und Wallfahrtskirche "Mariä Himmelfahrt"; Wallfahrt nach Maria Rain; aktuelle Wallfahrtsberichte.
- Wawruschka, Celine: Vermessene Heiligkeit: Ein Gebetsband in der Körpergröße Christi. Zur "Mensura Christi" und verwandten Heilig-Längen, 2019.
- Kleindenkmaeler.at: Dokumentationen der fünf Rosenkranzbildstöcke am Weg zur Wallfahrtskirche Maria Rain.
- SAGEN.at-Fotogalerie: Wallfahrtskirche Maria Rain
- SAGEN.at-Fotogalerie: Hochaltar Maria Rain
- SAGEN.at-Fotogalerie: Votivbild von 1660
- SAGEN.at-Fotogalerie: Gitter der Heilig-Grab-Kapelle, Klara 2012
- SAGEN.at-Fotogalerie: römischer Grabaltar als Opferstock, Klara 2012
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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