Wallfahrtskirche Maria Elend im Rosental

Schnellüberblick
Wallfahrt:Eine der bedeutendsten Marienwallfahrten des Rosentales. Die Wallfahrt verbindet die Pfarr- und Wallfahrtskirche im Tal mit den Bergkapellen "Unsere Liebe Frau am Berge" und der Christusquelle/Vodica am Kapellenberg.
Status:Lebendiger Wallfahrtsort. Größter Wallfahrtstag ist Mariä Himmelfahrt am 15. August; der 8. September, Mariä Geburt, ist ein weiterer großer Wallfahrtstag. Gottesdienste und Wallfahrten führen auch zu den Bergkapellen.
Kultzentrum:Die gekrönte Gottesmutter mit dem Jesuskind im Hochaltar. Kirchliche Publikationen datieren das alte Gnadenbild unterschiedlich zwischen etwa 1340 und der Mitte des 15. Jahrhunderts; die lange Verehrung als Gnadenbild ist unbestritten.
Wallfahrtslegende:Die hl. Hemma soll auf dem Weg zu einer Gnadenkapelle am Berg vor Erschöpfung eingeschlafen sein. Engel hätten die Kapelle zu ihr ins Tal getragen; vom Teufel geschleuderte Felsblöcke hätten Kirche und Pilgerin verfehlt.
Besonderheit:Wallfahrtslandschaft mit Talwallfahrtskirche, zwei Bergkapellen von 1731 und 1751 sowie der Christusquelle/Vodica, deren Wasser traditionell zum Trinken und zum Auswaschen der Augen verwendet wird.
Ort:Maria Elend / Podgorje, Marktgemeinde St. Jakob im Rosental
Region:Rosental
Bundesland:Kärnten
Lage und Besuch
Lage: Maria Elend/Podgorje 6, 9182 Maria Elend/Podgorje.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten
Ansicht in Street View
Web: Pfarre/Fara Maria Elend/Podgorje
Öffnungszeiten: keine allgemein publizierten verlässlichen Öffnungszeiten; Zugang jedenfalls zu Gottesdiensten und Wallfahrtstagen.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Wallfahrtskirche Maria Elend im Rosental - Außenansicht:

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche steht am südlichen Ortsrand von Maria Elend/Podgorje. Der breit gelagerte Bau verbindet einen romanischen Turmkern mit einer spätgotischen Hallenkirche und tiefgreifenden barocken Veränderungen.

Wallfahrtskirche Maria Elend im Rosental

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Hochaltar der Wallfahrtskirche:

Der monumentale barocke Hochaltar ist in seinem Hauptteil eine Votivgabe der Stadt Wien als Dank für die Befreiung von der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683. Türkenköpfe und Halbmondmotive erinnern an den Anlass der Stiftung. Die heutige Fassung wurde um 1731 von Johann Marcell Singer vollendet.

Maria Elend im Rosental - Hochaltar

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Das Gnadenbild von Maria Elend:

Im Zentrum der Wallfahrt steht die gekrönte Gottesmutter mit dem Jesuskind. Die Datierung ist in kirchlichen Publikationen nicht völlig einheitlich: genannt werden sowohl eine Entstehung um 1340 als auch die Mitte des 15. Jahrhunderts. Sicher ist die jahrhundertelange Verehrung dieses Marienbildes.

Maria Elend im Rosental - Gnadenbild

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Schutzmantelmuttergottes:

Die Schutzmantelmuttergottes gehört zu den weiteren ausgeprägten Marienbildern der Kirche. Das Motiv versinnbildlicht Maria als Beschützerin der unter ihrem Mantel versammelten Gläubigen und ergänzt die Wallfahrtsikonographie um einen unmittelbar verständlichen Schutzgedanken.

Maria Elend im Rosental - Schutzmantelmuttergottes

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Detail des spätgotischen Flügelaltares - Nothelfer:

Der Flügelaltar um 1515 zählt zu den bedeutendsten Kunstwerken der Kirche. Die Vierzehn Nothelfer waren gerade in Zeiten von Pest, Krieg und sozialer Not wichtige Fürsprecher. Die Darstellung zeigt unter anderem Blasius, Erasmus und Dionysius.

Maria Elend im Rosental - Nothelfer am spätgotischen Flügelaltar

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Hl. Achatius am spätgotischen Flügelaltar:

Der hl. Achatius gehört zu den Vierzehn Nothelfern und verweist auf die ausgeprägte spätmittelalterliche Nothelferfrömmigkeit. Gerade im Rosental, das wiederholt von Seuchen und Türkeneinfällen betroffen war, erhielten solche Schutzheiligen besondere Bedeutung.

Maria Elend im Rosental - Heiliger Achatius

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Eine Wallfahrtskirche im zweisprachigen Rosental

Maria Elend liegt am Fuß der Karawanken im oberen Rosental. Der slowenische Ortsname Podgorje bedeutet sinngemäß "unter dem Berg" beziehungsweise "am Fuß des Berges" und beschreibt die Lage des Ortes unmittelbar. Die Pfarre gehört seit Jahrhunderten zum deutsch-slowenischen Kulturraum Kärntens. Bis heute werden Pfarrinformationen, Gottesdienste und Wallfahrtsfeiern in deutscher und slowenischer Sprache gepflegt. Diese Zweisprachigkeit ist kein nebensächliches modernes Merkmal, sondern gehört zur historischen Kulturlandschaft des Rosentales.

Was bedeutet "Maria Elend"?

Das Wort "Elend" ist im Namen nicht im heutigen Sinn von Not und Armut zu verstehen. Es geht auf ältere Bedeutungen wie Fremde, Ausland oder Verbannung zurück. Der kirchliche Titel "Maria in exilio" erinnert an Maria in der Fremde, besonders an die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Der Name verbindet damit Landschaft, Pilgerschaft und die Vorstellung einer Gottesmutter, die selbst Heimatlosigkeit und Fremde erfahren hat.

Im heutigen Pfarrleben steht allerdings weniger ein eigener liturgischer Gedenktag der Flucht nach Ägypten als die allgemeine Marienverehrung im Vordergrund. Die großen örtlichen Wallfahrtstage sind vor allem Mariä Himmelfahrt am 15. August und Mariä Geburt am 8. September.

Ossiacher Benediktiner und mittelalterliche Anfänge

Die Entstehung der Kirche ist eng mit dem Benediktinerstift Ossiach verbunden. 1267 erhielten die Ossiacher Benediktiner Archidiakonatsrechte über das obere Rosental. Die kirchliche Gründung von Maria Elend wird in die Zeit danach gesetzt. Der romanische Kern des mächtigen Nordturmes bestätigt jedenfalls, dass am Ort ein älterer Kirchenbau bestand, bevor die heutige spätgotische Hallenkirche entstand.

Die direkte urkundliche Überlieferung wird im späten Mittelalter deutlicher. Im 15. Jahrhundert war Maria Elend bereits ein bedeutender kirchlicher Platz. Die Verbindung mit Ossiach blieb bis zur Aufhebung des Klosters 1783 prägend.

Türkeneinfälle 1478 und 1483

Das Rosental wurde im späten 15. Jahrhundert wiederholt von osmanischen Streifscharen heimgesucht. Auch Maria Elend wurde bei den Einfällen von 1478 und 1483 zerstört beziehungsweise schwer beschädigt. 1486 konnte der wiederhergestellte Kirchenbau durch Pietro Carlo, Bischof von Caorle, neu geweiht werden.

Diese Erfahrungen von Krieg, Verwüstung und Wiederaufbau bilden einen wichtigen Hintergrund für die spätere Frömmigkeit. Besonders der spätgotische Nothelferaltar mit Rochus, Sebastian und den Vierzehn Nothelfern steht in einer religiösen Welt, in der Pest, Krieg und existentielle Gefährdung zum Alltag gehörten.

Spätgotische Hallenkirche und barocker Umbau

Die heutige Kirche ist eine breit gelagerte dreischiffige Hallenkirche. Die Seitenschiffe bewahren spätgotische Formen und Maßwerkfenster; der Nordturm ist im Kern romanisch. Zwischen 1682 und 1690 ließ Abt Edmund Ibelbacher von Ossiach die Kirche verlängern und tiefgreifend umgestalten. Die Schiffe erhielten barocke Tonnengewölbe mit Stichkappen, die auf oktogonalen Pfeilern ruhen. Im Chor kam 1731 Bandelwerkdekor hinzu.

Maria Elend ist daher kein einheitlicher Bau einer einzigen Epoche. Romanischer Turmkern, spätgotische Hallenkirche und barocke Raumfassung bilden ein gewachsenes Ganzes, das die lange Geschichte des Wallfahrtsortes sichtbar macht.

Der Wiener Votivaltar

Der prachtvolle Hochaltar besitzt eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte. Sein Hauptteil gilt als Votivgabe der Stadt Wien aus Dank für die Befreiung von der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683. Türkenköpfe und Halbmondmotive im Altaraufbau erinnern an diesen Anlass. Damit verbindet ein Wiener Dankvotiv die große europäische Kriegsgeschichte unmittelbar mit einer Wallfahrtskirche im Rosental.

Die heutige Fassung des Hochaltares wurde um 1731 durch den Klagenfurter Maler Johann Marcell Singer vollendet. Im Zentrum steht die gekrönte Gottesmutter mit dem Jesuskind. Eine lateinische Inschrift von 1736 im Bereich vor dem Chor nennt den Ort einen "Thron der Gnaden" und spielt ausdrücklich auf die Legende von der durch Engel übertragenen Madonna beziehungsweise Kapelle an.

Der spätgotische Flügelaltar

Zu den bedeutendsten Kunstwerken der Kirche zählt der spätgotische Flügelaltar im südlichen Seitenschiff, entstanden um 1515 beziehungsweise 1520. Er wird der Villacher Schule zugerechnet und mit dem Umkreis von Lukas Tausmann verbunden. Das zarte ornamentale Schnitzwerk macht ihn zu einem besonders qualitätvollen Kärntner Beispiel dieser Epoche.

Im Schrein steht Maria mit dem Jesuskind zwischen den Pestheiligen Rochus und Sebastian. Zwölf Reliefs beziehungsweise Darstellungen verweisen auf die Vierzehn Nothelfer. Bei geschlossenen Flügeln treten Szenen der Passion Christi hervor. Die Verbindung von Marienverehrung, Nothelferkult und Pestheiligen ist für einen spätmittelalterlichen Wallfahrtsort von großer Aussagekraft.

Der Altar wurde wiederholt restauriert. 1997/98 wurden die Nothelferreliefs behandelt; seit 2005 folgten die zentralen Schreinfiguren. Die Madonna kehrte 2006, Sebastian 2007 und Rochus 2008 restauriert in den Altar zurück.

Weitere Altäre und Kanzel

Die Kirche besitzt eine für ihre Größe außergewöhnlich reiche barocke Ausstattung. Der Skapulieraltar wurde 1732 von Georg Nikolaus Orsini-Rosenberg gestiftet und zeigt die Übergabe des Skapuliers an Simon Stock. Der Antoniusaltar geht in das 17. Jahrhundert zurück und war ursprünglich als Marienaltar angelegt. Der Johannes-Nepomuk-Altar entstand um 1733, der Josefsaltar stammt ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert.

Die reich geschnitzte Kanzel von 1745 ist eine Stiftung der Familie Orsini-Rosenberg. Christus als Guter Hirte sowie die Apostel Petrus und Paulus bestimmen ihr Bildprogramm. Im Presbyterium befinden sich vier monochrome Freskenmedaillons von Josef Ferdinand Fromiller.

Das Gnadenbild von Maria Elend

Eine gekrönte Gottesmutter mit Kind

Das Zentrum der Wallfahrt ist die gekrönte Gottesmutter mit dem Jesuskind. Maria erscheint nicht als leidende Pietà, sondern als königliche Mutter. Das Kind sitzt beziehungsweise thront an ihrer Seite und verstärkt den herrschaftlichen Charakter des Bildes. Gerade der milde Gesichtsausdruck und die unmittelbare Beziehung zwischen Mutter und Kind dürften wesentlich zur persönlichen Anziehungskraft des Bildes beigetragen haben.

Die Datierung ist nicht eindeutig

Bemerkenswert ist, dass selbst kirchliche Publikationen unterschiedliche Datierungen nennen. Eine Diözesanbroschüre zu den Marienkirchen Kärntens setzt die gotische Gnadenstatue in die Mitte des 15. Jahrhunderts. Ein späterer Beitrag der Diözese bezeichnet ein Marienbild aus Maria Elend dagegen als Werk um 1340 und als eines der ältesten erhaltenen Marienbilder Kärntens. Dort wird außerdem berichtet, dass das Bild nach mehreren Übermalungen 1947 wieder in seiner älteren Farbfassung sichtbar gemacht wurde.

Ohne eine eindeutige kunsthistorische Katalogabgleichung sollte aus dieser Differenz keine scheinbar sichere Jahreszahl konstruiert werden. Für die Wallfahrtsgeschichte ist ohnehin wichtiger, dass eine mittelalterliche Marienfigur über Jahrhunderte als Gnadenbild verehrt wurde und ihre Bildtradition bis heute fortlebt.

Gnadenbild und Übertragungslegende

Das Gnadenbild ist eng mit der Gründungslegende verbunden. In älteren Andachtsbildern wird nicht nur Maria mit dem Kind gezeigt, sondern auch die wunderbare Übertragung von Kirche und Gnadenbild durch Engel. Das Österreichische Museum für Volkskunde besitzt eine Lithografie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, in der Gnadenbild, Engel, die versetzte Kirche und sogar der Teufel gemeinsam erscheinen. Die Legende wurde dadurch als kleines Wallfahrtsbild weit über den Ort hinaus verbreitet.

Hemma-Legende und die Übertragung der Kirche

Die erschöpfte Pilgerin

Die bekannteste Gründungslegende verbindet Maria Elend mit der hl. Hemma von Gurk. Hemma soll als Pilgerin zur Gnadenkapelle auf dem Berg unterwegs gewesen sein. Eine Fassung erzählt, sie habe während einer Schwangerschaft um eine glückliche Geburt bitten wollen. Kurz vor dem anstrengenden Aufstieg sei sie jedoch völlig erschöpft zusammengebrochen beziehungsweise eingeschlafen.

Da Hemma den Gnadenort nicht mehr erreichen konnte, kamen ihr nach der Legende Engel entgegen. Sie trugen die Kapelle mitsamt dem Gnadenbild vom Berg hinunter an jene Stelle, an der die Pilgerin ruhte. Als Hemma erwachte, befand sich das ersehnte Heiligtum bei ihr im Tal.

Der Teufel wirft die Felsen

Eine ausgeschmückte Fassung der Erzählung berichtet, der Teufel habe sich darüber geärgert, dass der Gnadenort nun leichter erreichbar war. Er schleuderte deshalb gewaltige Felsblöcke vom Berg auf Kirche und Pilgerin. Die Engel beziehungsweise die Gottesmutter verhinderten jedoch, dass die Steine ihr Ziel trafen. Die großen Felsblöcke im Wald wurden dadurch zu sichtbaren Beweisen der Sage.

Schon 1877 wurde diese Erzählung in einer landeskundlichen Beschreibung Kärntens wiedergegeben. Noch heute wird die Übertragung der Kirche in einem Bildstock von 1950 am Ortsrand dargestellt. Die Legende ist damit nicht nur Textüberlieferung, sondern in Bildern und Landschaftselementen materiell verankert.

Ein Motiv wie in Loreto

Das Motiv einer von Engeln übertragenen heiligen Stätte erinnert deutlich an die berühmte Loreto-Legende vom durch Engel versetzten Heiligen Haus. Das Volkskundemuseum Wien ordnet das Maria-Elender Andachtsbild ausdrücklich auch diesem Vorstellungsbereich zu. In Maria Elend wurde das internationale Motiv jedoch auf die lokale Topographie und auf Hemma zugeschnitten.

Legende und Baugeschichte trennen

Historisch kann die Engelübertragung selbstverständlich nicht als Erklärung der Kirchenentstehung dienen. Auch eine Gründung der heutigen Kirche durch Hemma ist nicht nachweisbar. Die Baugeschichte führt vielmehr zu den Ossiacher Benediktinern und in die Zeit nach 1267. Die Legende erklärt jedoch, wie die Bevölkerung den Ort religiös verstand: Die Wallfahrtskirche steht dort, wo Maria selbst dem erschöpften Menschen entgegenkommt.

Bergkapellen und Christusquelle

"Unsere Liebe Frau am Berge"

Etwa eine Gehstunde südlich der Pfarrkirche stehen am steilen Hang des Kapellenberges zwei Kapellen unmittelbar nebeneinander. Die ältere und kleinere wurde 1731 errichtet beziehungsweise geweiht. Die größere Gnadenkapelle stammt aus dem Jahr 1751. Ein ehemaliges Einsiedlerhaus gehört ebenfalls zur historischen Wallfahrtsanlage.

Die Bergkapellen bewahren die Vorstellung des älteren Gnadenortes am Berg, die auch in der Hemma-Legende eine zentrale Rolle spielt. Ob sie tatsächlich exakt an der Stelle einer mittelalterlichen Ursprungskapelle stehen, lässt sich nicht beweisen. Religiös bilden Tal- und Bergheiligtum jedoch seit Jahrhunderten eine Einheit.

Die Christusquelle - Vodica

Etwa hundert Meter östlich beziehungsweise etwas unterhalb der Kapellen entspringt die Christusquelle, slowenisch "Vodica". Die Quelle kommt direkt aus dem Berg. Ein hölzerner Überbau schützt den Brunnen; die Wasserführung ist mit einer Christusfigur verbunden. Die heutige Anlage wird in das 18. Jahrhundert, um 1767, datiert.

Das Augenwaschen

Das Wasser wurde und wird von Pilgern besonders für die Augen verwendet. Nach lokal überliefertem Brauch benetzt man die Augen dreimal langsam mit dem Quellwasser und spricht dabei sinngemäß die Anrufung von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist. Die Dreizahl bindet eine sehr körperliche Handlung unmittelbar an die christliche Trinitätsfrömmigkeit.

Eine Heilungslegende erzählt von einer blinden Frau, die nach dem Waschen mit dem Quellwasser wieder sehen konnte. Solche Berichte gehören zur religiösen Überlieferung und sind nicht als medizinisch nachgewiesene Heilwirkung zu verstehen. Volkskundlich zeigen sie jedoch, warum Menschen die Quelle aufsuchen und das Wasser auch in Gefäßen mit nach Hause nehmen.

Quelle, Durst und Pilgerweg

Die offizielle zweisprachige Pfarrbeschreibung nennt zwei bis heute typische Verwendungen: Pilger waschen sich mit dem Wasser die Augen und trinken es zur Stillung des Durstes. Diese Verbindung ist für Bründlwallfahrten charakteristisch. Das Wasser besitzt einerseits einen ganz praktischen Wert für den anstrengenden Aufstieg, andererseits erhält dieselbe Handlung religiöse Bedeutung.

Wallfahrt und Volkskunde

Der Große Frauentag - 15. August

Der wichtigste Wallfahrtstag ist Mariä Himmelfahrt am 15. August, im regionalen Sprachgebrauch der "Große Frauentag", slowenisch "velika gospojnica". Die Pfarre bezeichnet ihn ausdrücklich als den meistbesuchten Wallfahrtstag. Gottesdienste werden sowohl bei der Pfarrkirche als auch bei den Bergkapellen gefeiert. Die Wallfahrt ist damit bis heute ein lebendiges religiöses Ereignis und nicht bloß historische Erinnerung.

Der Kleine Frauentag - 8. September

Mariä Geburt am 8. September, der "Kleine Frauentag" beziehungsweise "mala gospojnica", bildet den zweiten großen Wallfahrtstag. Pfarrberichte dokumentieren mehrere Messfeiern am Vormittag, eine eigene Messe bei den Bergkapellen und anschließend gesungene slowenische Marienlitaneien. In der Verbindung von Wallfahrt, Marienfest und slowenischem Kirchengesang wird der besondere kulturelle Charakter des Rosentales unmittelbar sichtbar.

Drei Kirchtage

Die Pfarre beschreibt traditionell drei größere Kirchtage: den ersten am letzten Sonntag im April, den Großen Frauentag am 15. August und den Kleinen Frauentag am 8. September. Die beiden Frauentage sind zugleich die wichtigsten Wallfahrtstermine. Der kirchliche Jahreslauf ist dadurch eng mit der Rolle Maria Elends als Gnadenort verbunden.

Der Annatag an den Bergkapellen

Auch die Bergkapellen besitzen eigene Festtermine. Am Gedenktag der hll. Anna und Joachim wird bei den Kapellen Gottesdienst gefeiert. Das passt zur älteren marianischen Frömmigkeit des Bergortes und verdeutlicht, dass die Kapellen nicht nur Ausflugsziel oder Erinnerung an die Legende sind, sondern selbst liturgisch genutzte Wallfahrtsstätten bleiben.

Wallfahrt in zwei Sprachen

Maria Elend/Podgorje gehört zu den besonders anschaulichen Beispielen zweisprachiger Wallfahrtskultur in Kärnten. Die Pfarre veröffentlicht ihre Informationen konsequent deutsch und slowenisch; Gottesdienste und Gebete werden in beiden Sprachen gefeiert. Wallfahrt verbindet hier nicht nur einzelne Orte, sondern auch die unterschiedlichen sprachlichen Traditionen des Rosentales.

Wallfahrtsbildchen als Träger der Legende

Die Bedeutung des Gnadenortes lässt sich auch an der Andachtsgrafik ablesen. Ein im Volkskundemuseum Wien erhaltenes Wallfahrtsbild aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt nicht bloß die Madonna, sondern eine ganze Bildgeschichte: Engel tragen Kirche und Gnadenbild, die Gründungslegende wird erzählt, und auch der Teufel erscheint. Solche kleinen Drucke ermöglichten es den Pilgern, Bild, Legende und Erinnerung an den Wallfahrtsort mit nach Hause zu nehmen.

Vom Berg ins Tal und wieder hinauf

Die besondere Gestalt der Maria-Elender Wallfahrt liegt schließlich in ihrer räumlichen Bewegung. Die Legende erzählt, die heilige Kapelle sei vom Berg ins Tal gekommen, um dem erschöpften Menschen entgegenzugehen. Die reale Wallfahrt führt den Pilger dagegen bis heute wieder vom Tal hinauf zu den Bergkapellen und zur Quelle. Erzählung und Bewegung stehen damit in einem reizvollen Gegensatz und machen aus Maria Elend eine ganze Wallfahrtslandschaft.

Literatur und Quellen

- Kaiser-Kaplaner, Ingrid: Maria Elend im Rosental - Podgorje v Rožu. Gestern und heute - mit Flurnamen und Lebenswegen. Ein kulturhistorisches Gemälde. Studia Carinthiaca 16. Hermagoras/Mohorjeva, Klagenfurt/Celovec - Ljubljana/Laibach - Wien/Dunaj 2000, 418 S.

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Maria Elend/Podgorje, Pfarr- und Wallfahrtskirche.

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 4: Kärnten und Steiermark. Wien 1956.

- Gugitz, Gustav: Kärntner Wallfahrten im Volksglauben und Brauchtum. 1951.

- Katholische Kirche Kärnten: Marienkirchen in Kärnten. Maria Elend/Podgorje, Pfarr- und Wallfahrtskirche. 2011.

- Katholische Kirche Kärnten, Pfarre Maria Elend/Podgorje: Kirchenführer / Cerkveni vodnik; Dokumentationen zur Pfarrkirche, zum gotischen Flügelaltar und zu den Bergkapellen.

- Rosegger, Peter K.; Pichler, Fritz; Rauschenfels, A. von: Unser Vaterland. Dritter Band: Steiermark und Kärnten. Stuttgart, Gebrüder Kröner 1877.

- Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien: Andachtsbild "Maria Ellend in Kärnten", Lithografie, Mitte 19. Jahrhundert, Sammlung Gustav Gugitz, Inv.-Nr. AÖMV/10524.

- Kleindenkmaeler.at: Christusquelle - Vodica, Maria Elend.

- SAGEN.at-Fotogalerie: Maria Elend im Rosental - Gnadenbild

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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