| Wallfahrt: | Historischer und bis heute lebendiger Marienwallfahrtsort auf dem Spähbühel oberhalb von Mauthen. Die Entstehungsüberlieferung setzt 1675 mit einer Marienerscheinung ein; 1710-1712 entstand die erste Kapelle, die wegen des Pilgerzustroms 1843 erweitert wurde. |
| Status: | Filial- und Wallfahrtskirche der Pfarre Mauthen. Das Maria-Schnee-Fest und Prozessionen mit dem Gnadenbild halten die Wallfahrtstradition lebendig; die Kirche ist zudem Station am Kärntner Marienpilgerweg. |
| Gnadenbild: | Am Hochaltar befindet sich eine Kopie des römischen Gnadenbildes von Santa Maria Maggiore, des Bildtyps "Salus populi Romani". Das heute erhaltene Bild wird kunsthistorisch um 1780 datiert; die lokale Überlieferung belegt jedoch bereits für die Gründungszeit um 1712 ein Maria-Schnee-Gnadenbild. |
| Volkskunde: | Gustav Gugitz dokumentierte 22 Votivbilder von 1767 bis 1863 und eine große Gewichtswachskerze. Besonders bemerkenswert ist ein Votivbild zum Einmarsch französischer Truppen über den Plöckenpass 1797. |
| Entstehungsüberlieferung: | Im August 1675 sollen die Schwestern Anna, Magdalena und Katharina Görzer am Spähbühel eine weiß gekleidete Frauengestalt gesehen haben. An der Stelle wurde zunächst ein Kreuz mit einem Mariahilf-Bild errichtet. |
| Kirchliche Zugehörigkeit: | Pfarre Mauthen, Diözese Gurk. |
| Bundesland: | Kärnten. |
| • | Lage: Mauthen, 9640 Kötschach-Mauthen. auf dem Spähbühel südlich oberhalb von Mauthen, oberhalb der zweiten Kehre der Plöckenstraße. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarre Mauthen |
| • | Öffnungszeiten: Die Kirche ist vom Frühjahr bis Spätherbst tagsüber für Wanderer, Pilger und Besucher geöffnet und frei zugänglich. Die Wallfahrtskirche wird zu Gottesdiensten und Wallfahrtsterminen genutzt; von Mauthen führt ein Fußweg hinauf zum Spähbühel. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Entstehung der Wallfahrt wird in der Mauthner Überlieferung mit einem Ereignis im August 1675 verbunden. Eine besonders ausführliche Fassung hat der Mauthner Heimatforscher Dr. Erich Lamprecht in seiner Festschrift zum 300-jährigen Bestehen der Wallfahrtskirche wiedergegeben. Er stützte sich dabei auf eine ältere Aufzeichnung des ehemaligen Mauthner Pfarrers Johann Nepomuk Müller.
Demnach gingen die drei Schwestern Anna, Magdalena und Katharina Görzer an einem Augusttag auf den Spähbühel, um Heidelbeeren zu pflücken. Gegen ein Uhr nachmittags sahen sie bei einer in der Überlieferung als "Riebe" bezeichneten Stelle eine weibliche Gestalt in schneeweißem Kleid. Das Gesicht der Frau sei von einem feinen weißen Schleier bedeckt gewesen, während sie in Richtung der in der Nähe arbeitenden Getreideschnitter blickte. Die Mädchen glaubten zunächst, eine ihnen bekannte Frau zu erkennen, und riefen die Gestalt dreimal an; darauf sei sie verschwunden.
Die erschrockenen Schwestern liefen zu den Feldarbeitern und erzählten von ihrer Wahrnehmung. Am Abend berichteten sie auch den Eltern von dem Erlebnis. In der späteren religiösen Deutung wurde die weiß gekleidete Frau als Erscheinung der Gottesmutter verstanden. Gustav Gugitz kannte Maria Schnee bei Mauthen ebenfalls ausdrücklich als einen jener Kärntner Wallfahrtsorte, deren Gründungslegende mit einer Marienerscheinung verbunden ist.
Als die Kapelle Jahrzehnte später errichtet war, lebte von den drei Görzer-Schwestern nur mehr Katharina. Nach der von Lamprecht wiedergegebenen Pfarrüberlieferung sagte sie unter Eid aus, dass das neu errichtete Gotteshaus genau an jener Stelle stehe, an der sie und ihre Schwestern 1675 die Erscheinung gesehen hätten. Für die Wallfahrtsgeschichte ist diese Nachricht bemerkenswert, weil die lokale Erinnerung an das Ereignis damit nicht erst nachträglich an einen bereits bestehenden Kirchenbau gebunden wurde, sondern die Wahl des Bauplatzes ausdrücklich mit dem Erscheinungsort begründete.
Einige Zeit nach der Erscheinungsüberlieferung wurde an der bezeichneten Stelle zunächst ein hölzernes Kreuz aufgestellt. Daran befestigte man ein Mariahilf-Bild. Noch bevor eine Kapelle bestand, entwickelte sich dieser einfache Platz zu einem Ziel religiöser Besuche: Lamprecht berichtet, dass das Kreuz an Sonn- und Feiertagen von vielen Menschen aufgesucht wurde. Manche brachten Steine zur Kreuzstelle. Die Quelle erklärt die genaue Bedeutung dieser Steingaben nicht; sie zeigen jedoch, dass der Ort bereits vor dem Kirchenbau eine besondere religiöse Aufmerksamkeit auf sich zog.
Die Wallfahrt besitzt damit eine auffällige kultische Schichtung. Am Anfang stand nicht das spätere Maria-Schnee-Gnadenbild, sondern der erinnerte Erscheinungsort mit einem Kreuz und einem Mariahilf-Bild. Erst mit dem Bau der Kapelle erhielt der Platz jene auf das römische Maria-Schnee-Heiligtum bezogene Gestalt, die bis heute das Patrozinium und die Bildverehrung bestimmt.
Am 30. Juni 1710 legte der damalige Mauthner Seelsorger Johann Friedrich Proderutti einen als "Grundstein" bezeichneten Stein an der Kreuzstelle nieder. Weitere Steine brachten der Bäckermeister Mathias Hoffmann, Jakob Klaus und der damalige Kirchenkämmerer Johann Zoppoth. In der Folge wurde die erste Kapelle errichtet.
Am 4. September 1712 wurde das Kirchlein durch Johann Friedrich Proderutti benediziert. Lamprecht beschreibt diesen ersten Bau als kleiner als die heutige Kirche und als Holzbau. In den älteren Berichten wird besonders Jakob Klaus hervorgehoben: Er galt als Urheber, Bauleiter und größter Wohltäter des Unternehmens und stellte auch den Baugrund zur Verfügung.
Der Bau erfolgte nach der lokalen Überlieferung nicht nur aus privater Stiftung, sondern auch auf Drängen zahlreicher Pilger und Ortsbewohner. Damit ist der Wallfahrtscharakter schon für die Entstehungsphase greifbar: Die Kapelle wurde nicht erst nachträglich zum Wallfahrtsziel, sondern entstand, weil der bereits verehrte Ort eine dauerhafte sakrale Fassung erhalten sollte.
Mit dem wichtigsten Förderer des Kirchenbaues, Jakob Klaus, verbindet die Mauthner Überlieferung eine eindrucksvolle Gelübdegeschichte. Auf dem Fußweg von Plöcken nach Mauthen soll Klaus in immer stärkeren Schneefall geraten und schließlich so erschöpft gewesen sein, dass er nicht mehr weiterkam. In dieser lebensbedrohlichen Lage habe er gelobt, an der Stelle des Kreuzes auf dem Spähbühel ein Kirchlein errichten zu lassen, falls er gerettet werde. Als man ihn fand, habe er bereits wie tot gewirkt; Wiederbelebungsversuche seien jedoch erfolgreich gewesen.
Nach der Erzählung geriet dieses Gelübde anschließend wieder in Vergessenheit. Erst eine zweite Begebenheit habe Klaus endgültig zur Erfüllung bewegt.
Jakob Klaus reiste mit seiner Frau zu einem Viehmarkt, in einer bei Lamprecht wiedergegebenen Fassung nach Gmünd, um Rinder für seine Alpe zu kaufen. Als er einen Kauf abschließen wollte, bemerkte er, dass sein mit einer großen Geldsumme gefüllter Leibgürtel, die sogenannte "Geldkatze", fehlte. In seiner Bestürzung gelobte er erneut ein bedeutendes Opfer für die Kirche. Als er in das Gasthaus zurückkehrte, übergab ihm seine Frau den vollständigen Geldgürtel, der auf ungewöhnliche Weise wieder zu ihr gelangt war.
Für diese zweite Geschichte bestehen verschiedene Fassungen. Lamprecht nennt neben Gmünd eine bei Graber überlieferte Variante mit Paluzza als Schauplatz sowie die Pfarrchronik Johann Nepomuk Müllers, die den Vorgang an einen nicht näher bezeichneten Ort im Mölltal verlegt. Gerade diese Varianten zeigen den Charakter der Erzählung als Wallfahrts- und Gründungsüberlieferung. Historisch deutlich fester steht dagegen die Rolle des Jakob Klaus als zentraler Förderer, Bauleiter und Grundgeber des Kirchenbaues.
Mit der Gründungszeit verbindet die lokale Überlieferung auch eine gestiftete Samstagsmesse. Lamprecht hielt 2013 fest, dass diese Stiftung weiterhin getreulich erfüllt werde. Solche Messstiftungen machten ein Gelübde dauerhaft und banden die Erinnerung an den Stifter über Generationen an das Heiligtum.
Der Name "Maria Schnee" verweist auf die römische Basilika Santa Maria Maggiore und die mit ihrer Gründung verbundene Schneewunderlegende. Das dort verehrte Marienbild ist unter dem Titel "Salus populi Romani" - Heil des römischen Volkes - bekannt und wurde in der frühen Neuzeit in zahlreichen Kopien verbreitet. Gustav Gugitz weist für Kärnten nur zwei Wallfahrtsorte ausdrücklich dem Bildtypus Maria Schnee zu: Maria Schnee bei Mauthen und Maria Wörth.
Damit ist das Mauthner Heiligtum in einen weit über Kärnten hinausreichenden Bild- und Wallfahrtskult eingebunden. Der Name darf jedoch nicht einfach aus der lokalen Schneerettungslegende des Jakob Klaus erklärt werden. Die römische Maria-Schnee-Tradition und das entsprechende Gnadenbild bildeten eine eigene Kultschicht, die mit dem Erscheinungsort auf dem Spähbühel verbunden wurde.
Lamprecht überliefert aus den älteren Mauthner Aufzeichnungen, dass dem Bäckermeister Mathias Hoffmann ausdrücklich dafür gedankt wurde, dass Mauthen nun ebenfalls ein Gnadenbild wie die Maria-Schnee-Kirche in Rom zur Marienverehrung besitze. Diese Nachricht gehört in die Zeit der Errichtung der ersten Kapelle und zeigt, dass bereits um 1712 ein Maria-Schnee-Gnadenbild vorhanden gewesen sein muss.
Das ist für die heute sichtbare Ausstattung wichtig. Die offizielle kunsthistorische Beschreibung datiert das im Hochaltar befindliche Gnadenbild auf etwa 1780. Es handelt sich um eine Kopie des Gnadenbildes von Santa Maria Maggiore, eingefasst in einen Rokokorahmen. Die Quellen lassen damit mindestens zwei Möglichkeiten offen: Das heutige Bild könnte ein älteres Kultbild ersetzt haben oder eine spätere Erneuerung der bereits seit der Gründungszeit bestehenden Bildverehrung darstellen. Ohne eine restauratorische oder archivalische Untersuchung sollte nicht behauptet werden, dass das heute sichtbare Gemälde materiell mit dem um 1712 genannten Gnadenbild identisch sei.
Die Kultgeschichte des Ortes lässt sich daher in drei Stufen fassen: Zunächst stand die Erinnerung an die Erscheinung von 1675; danach wurde der Ort durch ein Kreuz mit Mariahilf-Bild markiert; mit dem Kapellenbau trat schließlich das Maria-Schnee-Gnadenbild nach römischem Vorbild ins Zentrum. Diese Abfolge ist volkskundlich besonders aufschlussreich, weil sie zeigt, wie ein lokaler Erinnerungsort schrittweise mit einer überregional verbreiteten marianischen Bildtradition verbunden wurde.
Die überregionale Verehrung des Mauthner Gnadenbildes lässt sich auch an gedruckter Wallfahrtsgraphik erkennen. Im Österreichischen Volkskundemuseum befindet sich ein Kupferstich des 18. Jahrhunderts von Anton Fischer mit der Bezeichnung "Maria Schnee ob den löbl. Markt Mautten in Oberkärnten". Das Blatt zeigt das Gnadenbild über einer Ansicht der Kirche. Solche Andachtsbilder wurden von Pilgern erworben, mitgenommen und im häuslichen Bereich verwahrt; sie waren Erinnerung an die Wallfahrt und zugleich Träger der Verehrung des Gnadenbildes außerhalb der Kirche.
Bei einem Wallfahrtsort mit Erscheinungsüberlieferung, Gnadenbild und reichem Votivbestand liegt die Frage nach aufgezeichneten Wunderheilungen nahe. Für Maria Schnee ist jedoch Vorsicht geboten. Lamprecht stellte ausdrücklich fest, dass anscheinend kein eigenes Mirakelbuch geführt wurde. Konkrete Heilungsserien oder zahlenmäßig erfasste Wunder lassen sich daher mit den derzeit zugänglichen Quellen nicht belegen.
Belegt ist dagegen die religiöse Praxis selbst: Menschen brachten Bitten vor, dankten für erfahrene Hilfe und suchten den Ort als Zuflucht in persönlicher und gemeinschaftlicher Not auf. Gerade die materiellen Zeugnisse der Wallfahrt geben darüber besonders anschaulich Auskunft.
Gustav Gugitz verzeichnete für Maria Schnee bei Mauthen 22 gute Votivbilder aus dem Zeitraum von 1767 bis 1863. Damit gehört der erhaltene oder zumindest in der Mitte des 20. Jahrhunderts noch vorhandene Bestand zu den bemerkenswerteren Kärntner Votivbildgruppen. Votivtafeln sind nicht nur Ausdruck religiösen Dankes; sie bewahren häufig Ansichten von Orten, Häusern, Landschaften, Kleidungsformen, Krankheiten, Unfällen und historischen Ereignissen und stellen daher eine bedeutende volkskundliche und kulturhistorische Quelle dar.
Gugitz hob unter den Mauthner Votivbildern eine Darstellung besonders hervor: den Einmarsch französischer Truppen über den Plöckenpass im Jahr 1797. Das Bild verbindet die Geschichte der Wallfahrt unmittelbar mit der besonderen Lage Mauthens an einer alten Alpenroute. Der Plöckenpass war Verkehrsweg, Handelsachse und in Kriegszeiten militärischer Übergang. Ein Votivbild zu einem solchen Ereignis zeigt, wie politische und militärische Bedrohung in die religiöse Erfahrungswelt der Bevölkerung aufgenommen wurde.
Lamprecht beobachtete dieselbe Funktion des Heiligtums für spätere Krisenzeiten. Nach seiner Darstellung wurde Maria Schnee besonders in den Kriegsjahren 1809, 1866, 1914 und 1939 stark aufgesucht. Der Wallfahrtsort diente damit nicht nur individuellen Anliegen, sondern auch der gemeinschaftlichen Bewältigung von Krieg, Unsicherheit und Zukunftsangst.
Besonders hebt Lamprecht die Bedeutung der "Mutter Gottes von Maria Schnee" für Frauen und Mütter hervor. Das Leben früherer Generationen war von harter Arbeit, wirtschaftlicher Unsicherheit, Krankheit und hoher Kindersterblichkeit geprägt. In dieser Lebenswelt wurde die Gottesmutter als mütterliche Fürsprecherin und als Zuflucht in familiärer Not erfahren. Auch ohne ein erhaltenes Mirakelbuch lässt sich damit ein wesentlicher sozialer und religiöser Wirkungsbereich der Wallfahrt erkennen.
Zu den ungewöhnlichsten von Gugitz für Maria Schnee dokumentierten Opferformen gehört die große Gewichtswachskerze. Solche Kerzen gehörten zu den älteren Formen des Votivwesens. Nicht eine beliebige kleine Kerze wurde gestiftet, sondern eine festgelegte Menge Wachs, die sich an einem gelobten oder mit der Person verbundenen Gewicht orientieren konnte.
Volkskundlich steht die Gewichtskerze in der Nähe der Identifikations- und Ersatzopfer: Die Gabe vertritt symbolisch den Menschen, für dessen Heil oder Schutz gebetet wird. Wachs war zugleich ein kostbarer Rohstoff und für die Beleuchtung der Kirche von praktischem Wert. Gugitz beobachtete bereits in der Mitte des 20. Jahrhunderts, dass traditionelle Wachsvotive vielerorts verschwanden oder durch gewöhnliche Opferkerzen ersetzt wurden. Seine Nachricht aus Mauthen ist deshalb ein besonders wertvoller Beleg für eine inzwischen selten gewordene Form materieller Wallfahrtsfrömmigkeit.
Eine besonders eindrucksvolle Form der Mauthner Wallfahrt ist die Prozession mit dem Gnadenbild. Zum Maria-Schnee-Fest wird das Bild aus der Bergkirche in den Ort gebracht und in feierlicher Prozession durch die Straßen von Mauthen getragen. Die Obergailtaler Trachtengruppe beschreibt diese Bildprozession ausdrücklich als festen Bestandteil des Patroziniumsfestes. Jüngere Pfarrprogramme dokumentieren zudem die Übertragung des Bildes von Maria Schnee nach Mauthen und seine spätere Rückkehr zur Bergkirche.
Damit wird das Gnadenbild nicht nur an seinem Altar besucht. Für einige Tage tritt es aus dem Heiligtum heraus und wird in die Siedlung getragen. Häuser, Fenster, Fahnen, Blumen und Kerzen können dabei Teil der Festgestaltung werden. Der ganze Ort wird vorübergehend in den Wallfahrtsvollzug einbezogen. Solche Bildprozessionen gehören zu den anschaulichsten Formen marianischer Volksfrömmigkeit, weil das verehrte Bild seine feste Kultstätte verlässt und symbolisch zu den Menschen kommt.
Das Maria-Schnee-Fest in der ersten Augusthälfte hält die alte Wallfahrtstradition bis heute lebendig. Auch in der Woche vor Christi Himmelfahrt führen Bittgänge von Mauthen zur Wallfahrtskirche. Diese Bittprozessionen knüpfen an die ältere Form gemeinschaftlichen Betens um Schutz, gutes Gedeihen und Bewahrung vor Not an.
Maria Schnee ist zudem Station des Kärntner Marienpilgerweges. Die Einbindung in einen modernen Pilgerweg ersetzt die historische Wallfahrt nicht, sondern ergänzt sie um eine neue Form des Unterwegsseins. Der Spähbühel bleibt damit zugleich lokaler Gnadenort, Ziel traditioneller Prozessionen und Station einer größeren marianischen Pilgerlandschaft.
Die erste, 1712 benedizierte Kapelle war nach der lokalen Überlieferung ein kleiner Holzbau. Der Wallfahrtszustrom nahm jedoch so stark zu, dass das Gotteshaus 1843 vergrößert werden musste. Der heutige Bau besitzt ein vierachsiges Langhaus mit flachgedecktem Innenraum und einen eingezogenen Chor mit polygonalem Schluss. Über dem Dach erhebt sich der charakteristische hölzerne Dachreiter mit Zwiebelhelm.
Der Hochaltar entstand 1715 und gehört damit noch in die erste Entwicklungsphase der Wallfahrt. Auffällig sind seine Opfergangsportale. Solche Durchgänge sind für Wallfahrtsaltäre typisch und verweisen auf die Möglichkeit einer Bewegung der Pilger im unmittelbaren Bereich des Kultbildes. Für Mauthen ist der genaue historische Vollzug eines Altarumganges bislang nicht ausreichend beschrieben; die Architektur selbst dokumentiert jedoch die besondere Funktion des Altares innerhalb eines Wallfahrtsraumes.
Im Zentrum befindet sich das Maria-Schnee-Gnadenbild in seinem Rokokorahmen. Seitlich stehen Figuren des hl. Franz von Assisi und des hl. Antonius von Padua.
Die barocken Seitenaltäre entstanden um 1700. Das linke Altarbild zeigt den Tod des hl. Josef, das rechte die hl. Anna mit Josef und Maria. Gemeinsam mit dem Hochaltar bilden sie einen kleinen, in sich geschlossenen barocken Ausstattungsbestand, der den später vergrößerten Kirchenraum an die Frühzeit der Wallfahrt bindet.
Nach der Vergrößerung der Kirche schuf Christoph Brandstätter d. J. 1844 die Deckenmalereien mit Szenen aus dem Marienleben. Der Ausbau des 19. Jahrhunderts beschränkte sich damit nicht auf zusätzliche Raumfläche; auch das Bildprogramm wurde auf die marianische Bestimmung des Wallfahrtsortes abgestimmt.
Von Mauthen führt ein Fußweg hinauf zur Kirche. Mehrere gemauerte Passions- beziehungsweise Kreuzwegstationen begleiten den Aufstieg und binden den Weg selbst in die religiöse Erfahrung ein. Wie bei vielen Wallfahrtsorten beginnt die Andacht damit nicht erst im Kircheninneren: Der körperliche Aufstieg, das gemeinsame Beten und die Stationen am Weg bilden bereits einen Teil des Wallfahrtsvollzugs.
Zum 300-jährigen Bestehen wurde Maria Schnee umfassend saniert. 2012 feierte die Pfarre das Jubiläum mit einer Prozession von der Pfarrkirche Mauthen hinauf zur Wallfahrtskirche und einem Festgottesdienst mit Diözesanbischof Alois Schwarz. Die erneuerte Kirche wurde dabei gesegnet. Das Jubiläum machte sichtbar, dass Maria Schnee nicht als abgeschlossenes Denkmal, sondern als weiterhin verwendeter Gnaden- und Wallfahrtsort verstanden wird.
- Lamprecht, Erich: 300 Jahre Wallfahrtskirche Maria Schnee bei Mauthen 1712-2012. Herausgegeben vom Kulturverein Mauthen, Selbstverlag, Mauthen 2013.
- Gugitz, Gustav: Kärntens Wallfahrten im Volksglauben und Brauchtum. Versuch einer Bestandaufnahme. In: Carinthia I, 141. Jahrgang, Klagenfurt 1951, S. 181-241.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Wien, Abschnitt Maria Schnee bei Mauthen.
- Katholische Kirche Kärnten / Pfarre Mauthen: Filialkirche Maria Schnee. Angaben zu Wallfahrt, Baugeschichte und heutiger Nutzung.
- Katholische Kirche Kärnten: 300 Jahre Filial- und Wallfahrtskirche Maria Schnee in Mauthen, 2012. Angaben zu Gnadenbild, Hochaltar, Ausstattung und Generalsanierung.
- Österreichisches Volkskundemuseum: Andachtsbild "Maria Schnee ob den löbl. Markt Mautten in Oberkärnten", Kupferstich von Anton Fischer, 18. Jahrhundert.
- Obergailtaler Trachtengruppe: Maria Schneefest Mauthen. Beschreibung der Bildprozession mit dem Gnadenbild.
- Pfarrblätter Kötschach-Mauthen: Gottesdienst- und Prozessionsordnungen zu Maria Schnee und den Bittgängen.
- Lamprecht verweist für die ältere Entstehungsgeschichte unter anderem auf Aufzeichnungen des ehemaligen Mauthner Pfarrers Johann Nepomuk Müller sowie auf die Pfarrchronik Mauthen. Diese älteren Texte wurden für die vorliegende Darstellung über Lamprechts Wiedergabe ausgewertet.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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