Klein St. Paul, Kirchberg bei Wieting – Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Moos

Schnellüberblick
Wallfahrt: Alter Marienwallfahrtsort mit Augenbründl und Heilwasserüberlieferung; historische Regenbitten und Leonhardsverehrung, die "drei goldenen Samstage" sowie heutige Fatima- und Pfarrwallfahrten prägen den Ort.
Status: Lebendige Wallfahrt.
Kultzentrum: Marienverehrung am Hochaltar mit gotischer Madonna; die Gründungsüberlieferung berichtet von einem bei der Quelle gefundenen Marienbild, dessen Identität mit der erhaltenen Madonna nicht gesichert ist.
Ort: Kirchberg bei Wieting, Marktgemeinde Klein St. Paul.
Bezirk: St. Veit an der Glan.
Bundesland: Kärnten.
Lage und Besuch
Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Moos, Kirchberg 12, 9374 Wieting, Kärnten.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten
Ansicht in Street View
Pfarre: Pfarre Kirchberg
Öffnungszeiten: geöffnet zu Gottesdiensten.
Direkt zum Inhalt
Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.

Foto von Wallfahrtskirche einsenden

Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.

Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Moos liegt auf rund 1030 Metern Seehöhe am Kirchberg oberhalb des Görtschitztales. Ihre abgeschiedene Lage in einem wasserreichen, ursprünglich moosigen Gelände ist nicht nur landschaftlich charakteristisch, sondern steht nach örtlicher Überlieferung unmittelbar mit der Entstehung des Wallfahrtsortes und seinem Namen in Zusammenhang. Die Kirche gilt als die älteste Marienwallfahrtskirche im Pfarrverband des oberen Görtschitztales; ältere Darstellungen sprechen darüber hinaus von einer der ältesten Marienwallfahrten Kärntens. Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde Maria Moos in der volkskundlichen Literatur sogar unter dem Titel "Die älteste unter den bestehenden Muttergotteswallfahrten in Kärnten" behandelt, wobei diese historische Bezeichnung nicht als gesicherte Rangordnung, wohl aber als Hinweis auf das damals wahrgenommene hohe Alter und die Bedeutung der Wallfahrt verstanden werden kann.

Geschichte

Über die eigentlichen Anfänge des Heiligtums liegen keine sicheren Nachrichten vor. Die Kirche wird 1167 und 1181 urkundlich genannt; im 12. Jahrhundert gelangte Besitz am Kirchberg an das Salzburger Benediktinerstift St. Peter, mit dessen Wietinger Grundherrschaft und Propstei die weitere Geschichte der Kirche eng verbunden blieb. Der heutige Bau bewahrt einen romanischen Kern. Im Spätmittelalter wurde die Anlage wesentlich verändert: Der leicht eingezogene Chor mit Fünfachtelschluss erhielt sein Sternrippengewölbe und wurde 1446 geweiht; auch der Turm geht in seinem Kern auf die Gotik zurück. Teile einer spätgotischen Befestigung um Kirche und Friedhof haben sich erhalten und erinnern an die Funktion solcher erhöht gelegenen Kirchenanlagen als geschützte Zufluchtsorte.

Maria Moos stand als Wallfahrtsort bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts in besonderer Blüte. Nach der örtlichen Pfarrüberlieferung wurde die ältere Wallfahrt damals zunehmend von dem neu entstandenen und rasch an Bedeutung gewinnenden Gnadenort Maria Hilf ob Guttaring in den Hintergrund gedrängt. Damit lässt sich in unmittelbarer regionaler Nähe ein für die Wallfahrtsgeschichte bemerkenswerter Vorgang beobachten: Die religiöse Anziehungskraft eines älteren Heiligtums verlagerte sich zumindest teilweise auf einen neuen Marienwallfahrtsort, ohne dass die ältere Kultstätte deshalb völlig aufgegeben wurde.

Ein schwerer Einschnitt erfolgte am 13. August 1837, als ein Blitz in den Kirchturm einschlug und die Kirche weitgehend ausbrannte. Nach der Pfarrchronik blieben im Wesentlichen die Außenmauern und das Gewölbe der Sakristei erhalten. Der Wiederaufbau wurde rasch begonnen und vom Patronatsherrn, dem Abt des Stiftes St. Peter in Salzburg, durch die Stiftung von drei Altären, Glocken und einer Orgel unterstützt. Bereits am 8. September 1839 konnte Fürstbischof Georg Mayr von Gurk die wiederhergestellte Kirche weihen. Das romanische Langhaus erhielt im Zuge des Wiederaufbaues 1838 sein heutiges Gewölbe; auch die geschweifte Haube des Turmes gehört dieser Erneuerungsphase an.

Kirche und Ausstattung

Das äußere Erscheinungsbild wird durch das schlichte Langhaus, den spätgotischen, von Strebepfeilern gestützten Chor und den seitlich stehenden gotischen Turm bestimmt. Im Chor befindet sich ein bemerkenswertes Sternrippengewölbe aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, dessen Rippen auf schmalen Diensten beziehungsweise figürlich gestalteten Kapitellen ansetzen; Schlusssteine und Rippenkreuzungen tragen Reliefschmuck. Ein spätgotisches Kielbogenportal führt in die Sakristei, deren Portalzier unter anderem einen Christuskopf zeigt. Auch eine Sakramentsnische mit dem Relief des Lammes Gottes gehört zur älteren Ausstattung.

Der spätbarocke Hochaltar besitzt einen Säulenaufbau und trägt als zentrale Figur eine gotische Madonna mit Kind aus dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts. Sie wird von barocken Figuren der Heiligen Josef und Anna aus der Mitte des 18. Jahrhunderts begleitet. Kanzel und gemauerte Seitenaltäre entstanden im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau um 1838. Zur weiteren Ausstattung gehören ein großes Kreuzigungsbild von 1713, Darstellungen der Heiligen Martin und Christophorus sowie Bilder mit Szenen aus der Kindheit Christi und einer "Regina Coeli" an der Orgelempore. Die kunsthistorischen Angaben folgen im Wesentlichen dem Dehio-Handbuch für Kärnten.

Die heute am Hochaltar stehende gotische Madonna darf dabei nicht ohne weiteren Nachweis mit jenem Marienbild gleichgesetzt werden, von dessen wunderbarer Auffindung die Gründungslegende erzählt. Die schriftlich greifbare Überlieferung berichtet von einem gefundenen Bild beziehungsweise Gnadenbild, während ein gesicherter Nachweis, dass damit tatsächlich die erhaltene spätmittelalterliche Madonnenfigur gemeint ist, bislang fehlt.

Gründungslegende und wunderbare Ortswahl

Die Gründungssage verbindet Maria Moos unmittelbar mit der Quelle, die im Bereich der Kirche entspringt. Nach der Überlieferung fanden Menschen beim Wasser ein Marienbild und verstanden den Fund als Aufforderung, an dieser Stelle eine Kapelle zu Ehren der Gottesmutter zu errichten. Wegen des nassen und moosigen Bodens erschien der Platz jedoch für einen Bau wenig geeignet. Man entschied sich deshalb für einen trockeneren Standort beim heutigen Koglerkreuz und brachte das gefundene Bild dorthin.

Am folgenden Tag war das Bild verschwunden und wieder bei der Quelle aufgefunden worden. Nachdem man es erneut an den vorgesehenen Bauplatz gebracht hatte und sich seine wunderbare Rückkehr wiederholte, erkannte man darin den Willen Mariens, gerade an der Quelle verehrt zu werden. Schließlich wurde das Heiligtum an diesem zunächst als ungeeignet betrachteten Platz errichtet. Die Überlieferung erklärt damit zugleich den Namen "Maria Moos" beziehungsweise "Maria im Moos".

Die Sage gehört zu einem im europäischen Wallfahrtswesen weit verbreiteten Typus der wunderbaren Ortswahl: Ein Kultbild widersetzt sich der von Menschen bestimmten Verlagerung und kehrt wiederholt an jenen Platz zurück, an dem das Heiligtum entstehen soll. Bei Maria Moos verbindet sich dieses Wandermotiv besonders eng mit der Quelle und dem feuchten Gelände, sodass Kultort, Ortsname und Gründungsüberlieferung eine geschlossene Einheit bilden.

Das Augenbründl und die Heilwassertradition

Besondere Bedeutung besitzt die unter beziehungsweise bei der Kirche entspringende Quelle. Maria Moos wurde traditionell vor allem von Menschen mit Augenleiden aufgesucht. Das Wasser galt im Volksglauben als heilkräftig beziehungsweise als geeignet, Beschwerden der Augen zu lindern. Südlich des Chores befindet sich unterhalb der Umfassungsmauer eine kleine Quell- oder Augenwasserkapelle, die von Wallfahrern aufgesucht wird; auch bei jüngeren Pfarrwallfahrten ist der Besuch dieser Kapelle ausdrücklich dokumentiert.

Die Verbindung von Marienwallfahrt und Heilquelle gehört zu den charakteristischen Erscheinungen der alpinen Volksfrömmigkeit. Wasser, das an einem als heilig verstandenen Ort entspringt, wurde nicht allein getrunken, sondern je nach örtlicher Überlieferung auch zum Waschen erkrankter Körperstellen verwendet oder nach Hause mitgenommen. Im Falle von Maria Moos konzentrierte sich die zugeschriebene Wirkung besonders auf Augenleiden. Die kirchlichen Darstellungen bewahren diese Überlieferung bis in die Gegenwart, ohne dass daraus eine medizinisch nachgewiesene Heilwirkung abzuleiten wäre.

Wallfahrt, Regenbitten und Leonhardsverehrung

Die ältere Wallfahrt nach Maria Moos umfasste mehrere Anliegen, die tief in der bäuerlichen Lebenswelt des Görtschitztales verwurzelt waren. Die Kirche wurde nicht nur bei Augenkrankheiten aufgesucht; hier bat man auch um Regen und verehrte den hl. Leonhard als Beschützer des Viehs. Damit vereinigten sich an einem einzigen Wallfahrtsort drei für eine agrarisch geprägte Gesellschaft elementare Bereiche religiöser Fürbitte: die Gesundheit des Menschen, die Sicherung von Wasser und Ernte sowie das Wohlergehen des Viehbestandes.

Gerade diese Verbindung zeigt, dass Maria Moos nicht lediglich als Marienheiligtum im engeren Sinn verstanden werden kann. Die Wallfahrt war zugleich in den Jahres- und Arbeitsrhythmus der bäuerlichen Bevölkerung eingebunden. Krankheit, ausbleibender Regen und Viehseuchen konnten die wirtschaftliche Existenz unmittelbar gefährden; Wallfahrt, Fürbitte und Gelübde boten eine religiöse Möglichkeit, solchen existenziellen Unsicherheiten zu begegnen.

Die "drei goldenen Samstage"

Eine außergewöhnliche örtliche Tradition sind die sogenannten "drei goldenen Samstage". Eingeführt wurden sie 1840 durch den Kurator P. Vital Pogensberger, der von 1836 bis 1846 in Kirchberg wirkte und sich bereits beim Wiederaufbau der abgebrannten Kirche besonders engagiert hatte. Die Pfarrüberlieferung hebt hervor, dass diese Form der Andacht sonst nirgends in Kärnten vorkomme. Die Tradition ist keineswegs erloschen; der "Goldene Samstag" wird in Maria Moos weiterhin gefeiert.

Mit den goldenen Samstagen verbindet sich wiederum eine eigene Legende. Während der Heumahd sollen Mäher aus Verehrung für Maria ihre Arbeit stets rechtzeitig beendet und den gebotenen Feierabend eingehalten haben. Als wunderbaren Lohn für diese Frömmigkeit fanden sie eines Tages drei goldene Ringe an ihren Sensen. Aus Dankbarkeit seien daraufhin die drei goldenen Samstage gefeiert worden.

Historische Nachricht und Sage sind dabei voneinander zu unterscheiden: Die Einführung der Andacht durch P. Vital Pogensberger im Jahre 1840 gehört zur überlieferten Pfarrgeschichte; die drei goldenen Ringe an den Sensen sind die legendarische Erklärung, mit der sich die örtliche Tradition ihren Namen und ihre besondere Bedeutung deutete. Gerade die Verbindung eines verhältnismäßig jungen Andachtsbrauches mit einer in die bäuerliche Arbeitswelt eingebetteten Ursprungssage macht die goldenen Samstage zu einer bemerkenswerten Erscheinung der Kärntner Volksfrömmigkeit.

Dass der Brauch weiterhin lebendig ist, zeigt unter anderem die Feier eines Goldenen Samstags im Oktober 2025, bei der auch mitgebrachte Kräuter, Brot und andere Erzeugnisse gesegnet wurden. Die alte Wallfahrtstradition verbindet sich damit bis heute mit Erntedank, Segensbrauch und gemeinschaftlichem religiösem Leben.

Heutige Wallfahrt

Maria Moos ist kein ausschließlich historischer Wallfahrtsort. Neben den goldenen Samstagen werden weiterhin Wallfahrtsgottesdienste gefeiert; besonders die Fatimawallfahrten führen Gläubige nach Kirchberg. Auch organisierte Pfarrwallfahrten aus anderen Teilen Kärntens sind dokumentiert. Die Wallfahrt hat gegenüber ihrer großen historischen Blütezeit zwar einen anderen Umfang und teilweise auch neue Frömmigkeitsformen angenommen, der Ort besitzt jedoch bis heute eine lebendige Wallfahrtsfunktion.

Maria Moos gehört damit zu jenen Wallfahrtsorten, an denen verschiedene Schichten religiöser Überlieferung besonders deutlich nebeneinander sichtbar bleiben: eine mittelalterliche Kirche, die Sage von einem wunderbaren Marienbild, die Heilquelle und der Augenwasserkult, Regenbitten und Leonhardsverehrung aus der bäuerlichen Lebenswelt, die im 19. Jahrhundert begründeten goldenen Samstage und schließlich jüngere Formen der Marienwallfahrt. Gerade dieses Fortleben und die wiederholte Umdeutung älterer Traditionen verleihen dem vergleichsweise kleinen Heiligtum seine besondere volkskundliche Bedeutung.

Literatur und Quellen

- Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Kärnten. Wien 2001, S. 344.

- Josef Höck: Geschichte der Propstei Wieting im Görtschitztal, Kärnten (1147–1848). Salzburg: Verlag der Erzabtei St. Peter, 1979. 216 S. Die Darstellung behandelt Maria Moos in einem eigenen Kapitel.

- "Die älteste unter den bestehenden Muttergotteswallfahrten in Kärnten [Maria Moos am Kirchberg bei Wieting]." In: Unterhaltungsblatt der Kärntner Zeitung, Nr. 86 und 87, S. 343 und 347; bibliographisch nachgewiesen in der Zeitschrift für österreichische Volkskunde 1895 mit dem Hinweis auf Gründungssage und Wundertaten.

- Katholische Kirche Kärnten, Pfarre Kirchberg: Geschichte und Beschreibung der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Moos; Informationen zum Segensort Maria Moos sowie aktuelle Berichte über Wallfahrten und die goldenen Samstage.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at