Eberstein, Hochfeistritz – Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau

Schnellüberblick
Wallfahrt: Alter Marienwallfahrtsort mit Erscheinungsüberlieferung um "Maria in der Fichte"; Fuß- und Fatimawallfahrten.
Status: Lebendige Wallfahrt; Kreuzsonntag und weitere Wallfahrtstermine werden weiterhin begangen.
Kultzentrum: Gnadenstatue "Maria in der Fichte" in der Gnadenkapelle innerhalb der Wehrmauer.
Ort: Hochfeistritz, Marktgemeinde Eberstein.
Bezirk: Sankt Veit an der Glan.
Bundesland: Kärnten.
Lage und Besuch
Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau Hochfeistritz, Hochfeistritz, 9372 Eberstein, Kärnten.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten
Ansicht in Street View
Pfarre: Pfarre Hohenfeistritz
Öffnungszeiten: Kirchhof & Wehranlage: Die historische Befestigungsanlage und der Kirchhof sind jederzeit frei zugänglich.
Das Hauptschiff der Kirche ist in der Regel tagsüber für Besucher geschlossen. Sie erhalten den Kirchschlüssel unkompliziert direkt nebenan beim Gasthof Leikam (Hochfeistritz 28), um die Kirche eigenständig zu besichtigen.
Die in einem ehemaligen Wehrturm untergebrachte Gnadenkapelle ist ausschließlich an den großen Wallfahrtstagen geöffnet.
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Pfarr- und Wallfahrtskirche Hochfeistritz, Kärnten

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Hochfeistritz liegt weithin sichtbar über dem Görtschitztal in der Marktgemeinde Eberstein. Das spätgotische Gotteshaus gehört mit seiner nahezu vollständig erhaltenen Befestigungsanlage zu den eindrucksvollsten Wehrkirchen Kärntens. Seine Bedeutung reicht jedoch weit über die Bau- und Kunstgeschichte hinaus: Hochfeistritz ist ein alter Marienwallfahrtsort, dessen Überlieferung von einer Erscheinung der Gottesmutter in einer Fichte erzählt. Mittelpunkt der Wallfahrt ist die als "Maria in der Fichte" bezeichnete Gnadenstatue in einer eigenen Gnadenkapelle innerhalb der Wehrmauer. Historische Pilgerwege, Prozessionskreuze, feststehende Wallfahrtstage und bis heute gepflegte Fuß- und Fatimawallfahrten machen Hochfeistritz zugleich zu einem bemerkenswerten Zeugnis lebendiger Kärntner Volksfrömmigkeit.

Gründungsüberlieferung und "Unsere Liebe Frau in den Fichten"

Die örtliche Überlieferung führt den Ursprung der Wallfahrt bis in das frühe 13. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1215 soll einem Bauern, der seine Ochsen weidete, die Gottesmutter mit dem Jesuskind auf einer hohen Fichte erschienen sein. Die Nachricht von dem außergewöhnlichen Ereignis habe sich verbreitet, worauf die Bevölkerung die Errichtung einer Kapelle an diesem Ort verlangte. Nach der Pfarrüberlieferung sei diese erste Kapelle 1240 am sogenannten Kreuzsonntag geweiht worden.

Diese Angaben gehören zur Gründungslegende des Wallfahrtsortes und dürfen nicht mit urkundlich gesicherter Geschichte gleichgesetzt werden. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Überlieferung den Kultort sehr konkret mit einem Baum verbindet. Der ältere Wallfahrtsname "Unsere Liebe Frau in den Fichten" beziehungsweise "Unsere Liebe Frau in den Feichten" bewahrt diese Verbindung bis in die historische Zeit.

Baumerscheinungen und die Verehrung von Marienbildern oder Marienstatuen an auffälligen Bäumen gehören zu einem im Alpenraum mehrfach belegten Typus von Wallfahrtsüberlieferungen. Der Baum wird dabei nicht allein zum Schauplatz eines wunderbaren Ereignisses, sondern markiert den von der Gottesmutter selbst ausgewählten Ort. In Hochfeistritz blieb diese Vorstellung besonders dauerhaft, weil sich sowohl der Name des Wallfahrtsortes als auch die Lage der späteren Gnadenkapelle ausdrücklich auf die Fichte der Erscheinungslegende beziehen.

Gesicherte mittelalterliche Geschichte

Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung der Kirche fällt in das Jahr 1319. Damit lässt sich das Gotteshaus jedenfalls seit dem frühen 14. Jahrhundert historisch fassen. Im Jahr 1383 wurden eine Sigismundkapelle sowie ein Dreifaltigkeitsaltar geweiht; Hochfeistritz erscheint zu dieser Zeit als Filialkirche von St. Walburgen.

Die ältere Kirche wurde 1414 durch einen Blitzschlag schwer zerstört. Am 26. Juli 1446 wurde schließlich der Grundstein zum Neubau der heutigen spätgotischen Kirche gelegt. Das Datum ist durch eine Inschrift an einem nördlichen Chorstrebepfeiler überliefert und gehört damit zu den sicher dokumentierten Eckdaten der Baugeschichte.

1454 verlieh Aeneas Silvius Piccolomini, damals päpstlicher Legat und wenige Jahre später als Pius II. Papst, einen Ablass zugunsten der Kirche. Ablässe dienten nicht nur der Förderung religiöser Andacht, sondern konnten auch zur Finanzierung umfangreicher Kirchenbauten beitragen. Für Hochfeistritz ist die Nachricht zugleich ein Hinweis auf die überregionale religiöse Bedeutung des Ortes im 15. Jahrhundert.

1475 ist ein Meister Mathes urkundlich belegt. Nach einer Weihe im Jahr 1487 kam es erneut zu einer Katastrophe: Im Chorbereich brach Feuer aus, das Gewölbe stürzte ein. Nach Wiederherstellung des Baues nahm der Lavanter Bischof Erhard Paumgartner am 15. Mai 1491 die Schlussweihe der Kirche und von vier Altären vor. Noch bis 1502 erscheint ein Parlier Jörg in den Rechnungen; mit ihm dürfte auch der Ausbau der Wehranlagen zusammenhängen.

Hochfeistritz als Wehrkirche

Die mächtigen Befestigungsanlagen machen Hochfeistritz zu einem der anschaulichsten Beispiele einer Kärntner Wehrkirche. Vor allem in der Zeit der Türken- und Ungarneinfälle vom späten 15. bis in das frühe 16. Jahrhundert wurden zahlreiche Kirchenanlagen befestigt oder bestehende Befestigungen verstärkt.

In Hochfeistritz umschließt eine Wehrmauer Kirche und Friedhof. Torturm, Mauertürme, Schießscharten und weitere Verteidigungselemente vermittelten nicht nur den Eindruck einer kleinen Burg, sondern hatten eine ganz praktische Schutzfunktion. Bei Gefahr konnten sich die Bewohner der Umgebung innerhalb der befestigten Anlage in Sicherheit bringen. Nach historischen Darstellungen wurde dabei auch Vieh in den geschützten Bereich gebracht.

Damit vereinigte Hochfeistritz zwei Funktionen, die aus heutiger Sicht zunächst sehr verschieden erscheinen: Der Ort war zugleich Marienheiligtum und Zufluchtsstätte der bäuerlichen Bevölkerung. Der religiöse Schutz der Gottesmutter und der ganz konkrete Schutz durch Mauern, Tore und Wehrtürme lagen räumlich unmittelbar nebeneinander.

Kirche und spätgotische Architektur

Die heutige Kirche ist eine dreischiffige spätgotische Hallenkirche. Vier reich gegliederte Bündelpfeiler tragen ein weit gespanntes Sternrippengewölbe, das den Innenraum bestimmt. Die hohe Qualität der Steinmetzarbeiten zeigt sich auch an den spätgotischen Portalen, insbesondere am reich gestalteten West- und Südportal.

Das harmonische Raumgefüge gehört zu den bedeutenden Leistungen spätgotischer Kirchenarchitektur in Kärnten. Trotz der später hinzugekommenen barocken Ausstattung ist die mittelalterliche Struktur des Baues weiterhin deutlich ablesbar.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch die zahlreichen bauplastischen Einzelheiten, die Schlusssteine, Gewölberippen und Portale. Sie dokumentieren den hohen künstlerischen Anspruch, mit dem das Wallfahrtsheiligtum im 15. Jahrhundert ausgebaut wurde.

Mittelalterliche Wandmalereien

Hochfeistritz besitzt einen bemerkenswert reichen Bestand mittelalterlicher Wandmalerei. Eine Inschrift nennt für eine Ausmalung des Chores das Jahr 1468, den Stifter Pankraz Kreuzer und einen Maler Petrus aus Völkermarkt.

Am Westportal befindet sich eine Darstellung Christi als Schmerzensmann zwischen Maria und Johannes; Engel halten die Leidenswerkzeuge. Die Verbindung von Architektur und Passionsdarstellung bereitete den Eintretenden bereits am Portal auf den sakralen Raum vor.

Besonders umfangreich ist ein um 1470 entstandener Bilderzyklus mit 27 Szenen, der in der Literatur als Armenbibel beschrieben wird. Solche Bildfolgen vermittelten zentrale Inhalte der Heilsgeschichte auch Menschen, die selbst nicht lesen konnten. Die Fresken befanden sich ursprünglich an der Außenwand der Kirche und wurden 1975 auf die nördliche Langhausinnenwand übertragen, um sie zu schützen.

Der Hochaltar

Der mächtige barocke Hochaltar entstand um 1670, vermutlich in der Werkstatt Jakob Seitlingers; die Fassung wird Bartholomäus Seitlinger zugeschrieben und ist für 1672 überliefert.

Im Zentrum steht eine Muttergottesfigur. Diese sowie die Figuren der hll. Katharina und Barbara sind älter als der barocke Altaraufbau und dürften bereits zum 1491 geweihten Vorgängeraltar gehört haben. Die älteren Skulpturen wurden damit bei der barocken Neugestaltung nicht aufgegeben, sondern in den neuen Altar integriert.

Für die Geschichte der Wallfahrt ist allerdings eine klare Unterscheidung notwendig: Die Muttergottesfigur des Hochaltares ist nicht mit der eigentlichen Gnadenstatue "Maria in der Fichte" gleichzusetzen. Das zentrale Kultbild der Wallfahrt befindet sich in der Gnadenkapelle.

Weitere Ausstattung

Zur wertvollen Ausstattung gehört eine sogenannte Schöne Madonna aus der Zeit um 1410/1415. Sie zählt zu den ältesten und kunsthistorisch bedeutendsten Marienfiguren der Kirche, steht jedoch ebenfalls nicht am nachweisbaren Ursprung des Wallfahrtskultes um "Maria in der Fichte".

Weitere Altäre und Bildwerke verweisen auf unterschiedliche Bereiche der Volksfrömmigkeit. Ein Annenaltar enthält eine Pietà, ein weiterer Altar ist dem hl. Leonhard gewidmet. Leonhard gehörte im bäuerlichen Alpenraum zu den besonders häufig angerufenen Heiligen und wurde vor allem als Patron des Viehs verehrt.

Mit den hll. Sebastian und Rochus sind außerdem zwei klassische Pest- und Seuchenheilige vertreten. Ihre Verehrung erinnert an eine Gesellschaft, für die Epidemien, Viehverluste, Missernten und andere existenzielle Bedrohungen zum unmittelbaren Erfahrungshorizont gehörten.

Das Gnadenbild: "Maria in der Fichte"

Das eigentliche Kultzentrum der Hochfeistritzer Wallfahrt ist die Gnadenstatue "Maria in der Fichte". Sie befindet sich heute in einer eigenen Gnadenkapelle innerhalb der Wehrmauer.

Damit ist bei Hochfeistritz zwischen mehreren bedeutenden Marienbildern klar zu unterscheiden: Neben der Schönen Madonna aus dem frühen 15. Jahrhundert und der älteren Muttergottesfigur im barocken Hochaltar gibt es mit "Maria in der Fichte" ein eigenes Kultbild, das ausdrücklich mit der Wallfahrtsüberlieferung verbunden ist.

Die Gnadenstatue befand sich ursprünglich in einer spitzbogigen Nische an der äußeren östlichen Chorwand. 1887 wurde sie in die erweiterte Gnadenkapelle übertragen. Eine sichere Datierung der Statue selbst lässt sich aus den bislang vorliegenden Quellen nicht ableiten.

Gerade diese quellenkritische Trennung ist für die Wallfahrtsgeschichte wichtig. Nicht jede alte oder künstlerisch bedeutende Marienfigur einer Wallfahrtskirche ist automatisch das verehrte Gnadenbild. In Hochfeistritz ist die Funktion von "Maria in der Fichte" dagegen ausdrücklich durch ihre Verbindung mit der Gnadenkapelle und der Erscheinungsüberlieferung bestimmt.

Die Gnadenkapelle und der Ort der Erscheinung

Die Gnadenkapelle befindet sich in einem ehemaligen Wehrturm. Der östliche, halbrunde Turm der Befestigungsanlage wurde um 1720/1730 zu einer Kapelle umgestaltet.

Nach örtlicher Überlieferung soll genau an dieser Stelle jene Fichte gestanden haben, auf der die Gottesmutter dem Bauern erschienen war. Der ursprünglich militärische Teil der Anlage wurde damit zu einem ausgesprochenen Erinnerungsort der Gründungslegende.

1887 wurde die Gnadenkapelle neugotisch erweitert. Im Zuge dieser Arbeiten kam die Gnadenstatue "Maria in der Fichte" aus ihrer bisherigen Nische an der Außenseite des Chores in die Kapelle.

Diese räumliche Verbindung ist für Hochfeistritz charakteristisch: Der legendäre Erscheinungsort, das Gnadenbild und die eigene Kapelle bilden einen gemeinsamen Kultbereich neben der großen Pfarr- und Wallfahrtskirche.

Die Gnadenkapelle ist nicht ständig geöffnet. Nach örtlichen Angaben wird sie insbesondere an den großen Wallfahrtstagen zugänglich gemacht. Gerade dadurch tritt an diesen Tagen das eigentliche Wallfahrtszentrum deutlicher hervor.

Der Kreuzsonntag

Der traditionsreichste Wallfahrtstag Hochfeistritz' ist der Kreuzsonntag. Bereits die Gründungsüberlieferung behauptet, dass die erste Kapelle 1240 an einem Kreuzsonntag geweiht worden sei. Unabhängig davon, wie weit diese Nachricht historisch zurückgeführt werden kann, besitzt der Termin eine bemerkenswerte Kontinuität.

Noch heute pilgern Gläubige am Kreuzsonntag zu Fuß nach Hochfeistritz. Pfarren der Umgebung beschreiben die Wallfahrt ausdrücklich als alten jährlichen Brauch. Dabei wird die "Gnadenmutter" angerufen – eine Formulierung, die zeigt, dass die Verehrung des Gnadenbildes weiterhin zum Selbstverständnis des Wallfahrtsortes gehört.

Die Verbindung eines möglicherweise sehr alten Wallfahrtstermins mit einer bis heute ausgeübten Fußwallfahrt macht den Kreuzsonntag zu einem der wichtigsten Elemente der Hochfeistritzer Wallfahrtstradition.

Weitere traditionelle Wallfahrtstage

Neben dem Kreuzsonntag werden in der örtlichen Überlieferung besonders zwei Marienfeste als ältere Wallfahrtstage genannt:

Mariä Himmelfahrt am 15. August und Mariä Geburt am 8. September.

Beide Termine gehören zu den klassischen marianischen Wallfahrtstagen des Alpenraumes. Gerade Mariä Himmelfahrt besitzt in Kärnten eine sehr große Bedeutung und ist an zahlreichen Marienheiligtümern mit Wallfahrten, Kräutersegnungen und Prozessionen verbunden.

Alte Wallfahrtswege aus dem Lavanttal

Hochfeistritz wurde nicht nur aus den unmittelbar umliegenden Pfarren aufgesucht. Alte Fußwege führten auch aus dem Lavanttal zum Heiligtum. Wallfahrer aus Orten wie Pölling überschritten zu Fuß die Berge und näherten sich Hochfeistritz über überlieferte Pilgerwege.

Solche Wege waren wesentlicher Bestandteil der Wallfahrt. Die religiöse Handlung begann nicht erst beim Betreten der Kirche. Das gemeinsame Gehen, das Beten auf dem Weg, das Überwinden von Höhenunterschieden sowie feststehende Sammel- und Rastplätze gehörten zum Wallfahrtsvollzug.

Von diesen historischen Wegen haben sich einzelne religiöse Kleindenkmäler erhalten, die noch heute von der früheren Pilgerbewegung erzählen.

Das Pristakreuz

Etwa 500 Meter oberhalb der Wallfahrtskirche steht das Pristakreuz. Für Wallfahrer, die über den alten Weg aus dem Lavanttal kamen, bildete es eine letzte Station vor dem Erreichen des Heiligtums.

Solche Wegkreuze erfüllten unterschiedliche Funktionen. Sie konnten Orientierungspunkt, Gebetsstation, Rastplatz und Treffpunkt zugleich sein. In der Wallfahrtslandschaft bildeten sie gewissermaßen Zwischenstationen zwischen dem alltäglichen Raum und dem eigentlichen Heiligtum.

Die Dokumentation des Pristakreuzes nennt ausdrücklich den Kreuzsonntag, Mariä Himmelfahrt und Mariä Geburt als bedeutende Wallfahrtstermine nach Hochfeistritz.

Das Leikamkreuz und die gemeinsame Prozession

Unterhalb der Kirche befindet sich mit dem Leikamkreuz ein weiterer wichtiger Punkt des historischen Wallfahrtsweges.

Hier sammelten sich am Kreuzsonntag traditionell die Wallfahrer aus St. Walburgen. Von diesem Sammelplatz zog die Gruppe gemeinsam mit Priester, Ministranten und einem vorangetragenen Kreuz zur Wallfahrtskirche hinauf.

Gerade solche Angaben sind für die volkskundliche Dokumentation besonders wertvoll, weil sie den tatsächlichen Ablauf einer Wallfahrt sichtbar machen. Es handelte sich nicht lediglich um individuelle Kirchenbesuche, sondern um eine geordnete religiöse Prozession mit festem Treffpunkt, geistlicher Begleitung und Kreuzträger.

Das Leikamkreuz hat seine Funktion als Ausgangspunkt religiöser Prozessionen nicht völlig verloren. Auch jüngere Wallfahrtsformen knüpfen an diesen Platz an.

Fatimawallfahrten

Neben den alten Wallfahrtsterminen hat sich in Hochfeistritz eine jüngere Form marianischer Frömmigkeit etabliert. Regelmäßige Fatimawallfahrten führen Pilger zur Kirche.

Dabei versammeln sich die Teilnehmer am Leikamkreuz und ziehen gemeinsam in Prozession zum Heiligtum. Damit verbindet sich eine im 20. Jahrhundert weltweit verbreitete Fatimafrömmigkeit mit einer wesentlich älteren lokalen Wallfahrtstradition.

Volkskundlich ist gerade diese Überlagerung aufschlussreich: Neue religiöse Formen ersetzen ältere Traditionen nicht zwangsläufig, sondern können bestehende Wallfahrtswege, Sammelpunkte und Prozessionsformen übernehmen und ihnen eine zusätzliche Bedeutung geben.

Wallfahrt und Kultwandel

Hochfeistritz zeigt exemplarisch, wie ein Wallfahrtsort über viele Jahrhunderte unterschiedliche religiöse Schichten aufnehmen kann.

Am Anfang steht eine mittelalterlich anmutende Erscheinungslegende um Maria und eine Fichte. Im Spätmittelalter entwickelte sich eine große Kirche, deren Bedeutung durch Ablässe und umfangreiche Bautätigkeit dokumentiert ist. Die Wehrbefestigung verband den religiösen Schutz des Wallfahrtsortes mit der ganz praktischen Schutzfunktion für Menschen und Vieh.

In der Barockzeit wurde die Kirche neu ausgestattet, zugleich entstand aus einem Wehrturm die Gnadenkapelle. Im 19. Jahrhundert wurde diese erweitert und die Gnadenstatue dorthin übertragen. Ältere Fußwallfahrten blieben bestehen, während im 20. und 21. Jahrhundert Fatimawallfahrten hinzukamen.

Der Kult hat sich damit verändert, ohne dass die ältere Wallfahrtsidentität verloren gegangen wäre.

Lebendige Wallfahrt

Hochfeistritz ist kein lediglich historischer Wallfahrtsort. Der Kreuzsonntag wird weiterhin mit Fußwallfahrten begangen, und auch regelmäßige Fatimawallfahrten führen zum Heiligtum.

Die fortgesetzte Bezeichnung der Gnadenstatue beziehungsweise der Gottesmutter von Hochfeistritz als "Gnadenmutter" zeigt, dass die ältere Wallfahrtstradition weiterhin im religiösen Bewusstsein verankert ist.

Der heutige Status kann daher eindeutig als lebendige Wallfahrt bezeichnet werden.

Volkskundliche Bedeutung

Hochfeistritz gehört zu den besonders vielschichtigen Wallfahrtsorten Kärntens. Die Erscheinungslegende mit der Gottesmutter in der Fichte verbindet den Kult mit einem konkreten Naturmotiv. Die daraus hervorgegangene Gnadenstatue "Maria in der Fichte" besitzt eine eigene Kapelle, die wiederum in einen ehemaligen Wehrturm eingebaut wurde.

Auch die Wallfahrtslandschaft außerhalb der Kirche ist außergewöhnlich gut fassbar. Alte Pilgerwege, das Pristakreuz und das Leikamkreuz zeigen, wie stark die Wallfahrt über den eigentlichen Kirchenraum hinaus in die Landschaft eingebunden war. Mit dem überlieferten Sammeln der Pilger, dem gemeinsamen Aufstieg, dem vorangetragenen Kreuz und den feststehenden Wallfahrtstagen lassen sich konkrete Formen historischen Wallfahrtsbrauchtums rekonstruieren.

Hinzu kommt eine für den Alpenraum typische Verknüpfung religiöser und bäuerlicher Lebenswelt. Die befestigte Kirche bot Menschen und Vieh Schutz, der hl. Leonhard wurde als Viehpatron verehrt, Sebastian und Rochus erinnerten an Seuchengefahr, und die Wallfahrt zur Gottesmutter versprach geistlichen Schutz und Fürsprache.

Gerade das Fortleben des Kreuzsonntags und die jüngeren Fatimawallfahrten zeigen schließlich, dass Hochfeistritz seine Wallfahrtsfunktion nicht verloren hat. Alte Wege und neue Frömmigkeitsformen bestehen nebeneinander.

Die besondere Bedeutung des Ortes liegt deshalb nicht allein in seiner eindrucksvollen spätgotischen Architektur oder der nahezu burgartigen Befestigung. Hochfeistritz ist zugleich eine über Jahrhunderte gewachsene Wallfahrtslandschaft, in der Gnadenbild, Gnadenkapelle, Wehrkirche, Pilgerwege, Wegkreuze und Prozessionen bis heute miteinander verbunden sind.

Literatur und Quellen

- Robert Wlattnig: Die spätmittelalterliche Wehr- und Wallfahrtskirche in Hochfeistritz. Geschichtsverein für Kärnten, Newsletter Nr. 8/2017.

- Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Kärnten. Wien 2001, S. 300 ff.

- Gottfried Biedermann / Karin Leitner: Gotik in Kärnten. Klagenfurt 2001, S. 48 f.

- Karl Kafka: Wehrkirchen Kärntens I. Wien 1972, S. 80–83.

- Katholische Kirche Kärnten: Pfarre Hochfeistritz; Berichte über den Kreuzsonntag und die gegenwärtigen Wallfahrten.

- Dokumentation der Kärntner Kleindenkmäler: Gnadenkapelle Hochfeistritz, Pristakreuz und Unteres Leikamkreuz.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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