| Wallfahrt: | Historische und bis heute lebendige Marienwallfahrt bei Hermagor. Einen besonders starken Aufschwung erlebte Maria Thurn im späten 17. Jahrhundert; Pestzeiten und die schweren Überschwemmungen von 1662 werden als wichtige Ursachen für den verstärkten Pilgerzustrom genannt. |
| Status: | Lebendiger Wallfahrtsort und Filialkirche der Pfarre Hermagor. Traditionelle Schwerpunkte sind die Fastenfreitage mit Beichte, Kreuzweg und Messe sowie das Patrozinium Mariä Heimsuchung. |
| Gnadenbild: | Im Hochaltar befindet sich ein Mariengemälde mit Muttergottes und Kind, das in der kirchlichen Beschreibung ausdrücklich als Gnadenbild bezeichnet wird. Die Pietà im Altaraufsatz könnte jedoch das ältere Kultbild der Wallfahrt gewesen sein; eine Gleichsetzung mit dem legendären Fundbild von "Maria Eichart" ist nicht gesichert. |
| Volkskunde: | Baumfundlegende "Maria Eichart", Opfergang um den Hochaltar, erhaltene Votivbilder des 17. bis 19. Jahrhunderts, Fastenwallfahrt, altes Maria-Thurner Gebet und bis heute gepflegte Wetterbitte. |
| Patrozinium: | Mariä Heimsuchung. |
| Kirchliche Zugehörigkeit: | Filial- und Wallfahrtskirche der Pfarre Hermagor. |
| Bundesland: | Kärnten. |
| • | Lage: Gailtalstraße 29, 9620 Hermagor-Pressegger See. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Pfarre: Hermagor, Pfarrkirche hll. Hermagoras und Fortunatus. |
| • | Web: Katholische Kirche Kärnten - Filialkirche Maria Thurn |
| • | Besuch: Die Pfarre beschreibt Maria Thurn als Segens- und Wallfahrtskirche mit regelmäßigem Gebets- und Gottesdienstleben. Für eine gezielte Besichtigung außerhalb der Gottesdienstzeiten empfiehlt sich eine Rückfrage bei der Pfarre. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Kirche Maria Thurn liegt nahe dem ehemaligen Thurnhof und war ursprünglich dessen Privat- beziehungsweise Schlosskapelle. Der Thurnhof war ein Ortenburger Lehen; eine Kapelle wird bereits 1261 genannt. Seit 1859 gehört das Gotteshaus als Filialkirche zur Pfarre Hermagor. Die Verbindung mit dem benachbarten Herrensitz erklärt auch den heute gebräuchlichen Namen Maria Thurn.
Der bestehende Bau ist in seiner Anlage spätgotisch und wurde später barockisiert. Vom gotischen Charakter sind insbesondere das spitzbogige Sakristeiportal und das südliche Portal mit seinem ursprünglichen Beschlag erhalten. Vermutlich im späteren 17. Jahrhundert wurde das Kirchenschiff um etwa 3,80 Meter nach Westen verlängert. Diese bauliche Erweiterung fällt in jene Zeit, in der auch der Wallfahrerzustrom stark anwuchs.
Die kirchliche Überlieferung nennt Pestzeiten und die schweren Überschwemmungen des Jahres 1662 als wichtige Gründe für die Zunahme der Wallfahrt. In Zeiten von Krankheit, Naturgefahr und wirtschaftlicher Unsicherheit suchten Menschen den kleinen Marienort auf, baten um Schutz und hinterließen nach erfahrener Hilfe Votivbilder. Um 1690 setzte ein besonders starker Wallfahrerbesuch ein. Aus derselben Zeit stammt der heutige Hochaltar mit seinen charakteristischen Opfergangsportalen.
Ein Pfarrbrief bezeichnet Maria Thurn als bedeutendste Wallfahrtskirche des mittleren Gailtales. Diese Bedeutung beruht nicht auf einem einzelnen historischen Ereignis, sondern auf dem Zusammenwirken von Gründungslegende, Gnadenbildverehrung, Opfergang, Votivpraxis, Beichtwallfahrt und den wiederkehrenden Wallfahrtstagen.
Die Entstehungsüberlieferung von Maria Thurn gehört zum verbreiteten Typus der Baumfundlegenden. Als die Umgebung der späteren Kirche noch dicht bewaldet gewesen sein soll, hörte ein Holzfäller während seiner Arbeit aus einem Baum die warnende Stimme: "Hacke nicht, hacke nicht!" Nachdem er sich mit der Geistlichkeit beraten hatte, setzte er seine Arbeit nur noch vorsichtig fort. In einem Eichenstamm sei daraufhin ein Marienbild entdeckt worden.
Aus dieser Überlieferung erklärt sich der ältere volkstümliche Name "Maria Eichart". Erst später setzte sich für die Gnadenkirche die Bezeichnung Maria Thurn durch. Die Erzählung verbindet damit drei für Wallfahrtslegenden typische Elemente: die überraschende Auffindung eines heiligen Bildes, die besondere Auswahl eines Ortes und die Erklärung eines lokalen Kultnamens.
Die Überlieferung berichtet von einem im Eichenstamm gefundenen Marienbild, doch lässt sich dieses legendäre Fundbild derzeit nicht sicher mit einem der erhaltenen Kultobjekte identifizieren. Weder das heute als Gnadenbild bezeichnete Mariengemälde des Hochaltares noch die Pietà im Altaraufsatz dürfen ohne weiteren Quellenbeleg mit dem Fundbild gleichgesetzt werden. Gerade diese Unterscheidung ist für die Wallfahrtsgeschichte wichtig: Die Legende erklärt die Heiligkeit des Ortes, während die materielle Geschichte der verehrten Bilder erst für spätere Jahrhunderte genauer fassbar wird.
Im Zentrum des um 1690 entstandenen Hochaltares befindet sich eine Muttergottes mit Kind. Die kirchliche Beschreibung bezeichnet dieses Gemälde ausdrücklich als Gnadenbild. Stilistisch wird es einer italienisch beeinflussten Schule zugerechnet, zugleich wurden byzantinisierende Formen aufgenommen. Karl Ginhart sah darüber hinaus einen Einfluss des berühmten Mariahilfbildes von Lucas Cranach in der Innsbrucker Jakobuskirche, dem heutigen Dom zu St. Jakob.
Damit steht im Zentrum des barocken Hochaltares ein Marienbild, dessen Wirkung nicht nur durch die Malerei selbst, sondern durch die gesamte Inszenierung des Altares verstärkt wird. Die Wallfahrer treten nicht lediglich vor das Bild, sondern bewegen sich im Opfergang auch räumlich um den Altar.
Im Aufsatz des Hochaltares befindet sich ein geschnitztes Vesperbild, eine Pietà. Die Pfarrbeschreibung hält ausdrücklich fest, dass diese Figur möglicherweise das ursprünglichere Gnadenbild gewesen sein könnte. Diese vorsichtige Formulierung ist bemerkenswert, weil sie auf eine ältere Schicht der Wallfahrtsfrömmigkeit hinweist, ohne eine nicht belegbare Identifikation zu behaupten.
Für die Geschichte von Maria Thurn ergibt sich damit ein differenziertes Bild: Das heute ausdrücklich als Gnadenbild bezeichnete Mariengemälde gehört zur barocken Altarordnung um 1690; daneben bewahrt die Pietà möglicherweise die Erinnerung an ein älteres Kultzentrum. Ob eines dieser Objekte mit dem in der Gründungslegende erwähnten Fundbild identisch ist, bleibt offen.
Eine besonders anschauliche Spur der Wallfahrt sind die Opfergangsportale des Hochaltares. Die Wallfahrer umschreiten den Altar und vollziehen damit eine kultische Bewegung, bei der Annäherung an das Gnadenbild, Gebet und Opfer miteinander verbunden werden. Solche Opfergänge gehören zu den charakteristischen Formen älterer Wallfahrtsfrömmigkeit und zeigen, dass der Kirchenraum nicht nur betrachtet, sondern in festgelegten Bewegungsformen genutzt wurde.
In Maria Thurn ist diese Praxis besonders wertvoll, weil sie unmittelbar mit der erhaltenen barocken Altararchitektur verbunden ist. Der Hochaltar von etwa 1690 ist damit zugleich Kunstwerk und baulich geformter Wallfahrtsweg.
Zu den wichtigsten volkskundlichen Quellen der Wallfahrt gehören die erhaltenen Votivbilder. Die Pfarrbeschreibung nennt acht datierte Tafeln aus den Jahren 1642, 1691, 1692, 1702, 1708, 1724, 1771 und 1842. Sie dokumentieren damit über zwei Jahrhunderte hinweg die persönliche Beziehung zwischen Hilfesuchenden und dem Marienheiligtum.
Votivbilder wurden als Dank für erbetene Heilung oder für die Bewahrung aus drohender Gefahr gestiftet. Besonders aussagekräftig ist die Tafel von 1692, die ein Unwetter über Hermagor mit dem Schloss Thurnhof zeigt. Das Votivbild von 1724 erinnert an einen Unfall mit einem Pferd. In solchen Darstellungen verbinden sich konkrete Alltagserfahrungen mit religiöser Deutung: Krankheit, Wetter, Verkehr und Arbeitswelt werden als Situationen sichtbar, in denen Menschen himmlischen Schutz erhofften und erfahrene Hilfe öffentlich bezeugten.
Die zeitliche Häufung mehrerer Votivtafeln um 1690 und im frühen 18. Jahrhundert passt zum überlieferten starken Aufschwung der Wallfahrt. Die Bilder sind daher nicht bloß einzelne fromme Stiftungen, sondern zugleich Quellen zur Intensität und sozialen Verankerung des Kultes. Für eine zukünftige fotografische Dokumentation von Maria Thurn wären gerade diese Votivtafeln von besonderer Bedeutung.
Zu den traditionellen Hauptwallfahrtstagen gehören die Freitage der Fastenzeit. Die ältere Pfarrbeschreibung spricht ausdrücklich von sieben "Fasten-Freitagen". Maria Thurn diente dabei besonders als Beichtkirche: Wallfahrt, Bußsakrament und Vorbereitung auf Ostern bildeten eine religiöse Einheit.
Diese Tradition ist nicht erloschen. Auch in der heutigen Pfarrpraxis werden an den Fastenfreitagen Kreuzweg, Beichtgelegenheit und Messfeier miteinander verbunden. Je nach liturgischem Kalender kann die Zahl der tatsächlich angesetzten Fastenmessen variieren; entscheidend ist die fortdauernde Verbindung von Fastenzeit, Wallfahrt, Buße und gemeinschaftlichem Gottesdienst.
Der zweite traditionelle Schwerpunkt ist das Patrozinium Mariä Heimsuchung. Der ältere Wallfahrtskalender nennt hierfür den 2. Juli. Die Feier des Patroziniums verbindet die Wallfahrtsgeschichte mit dem örtlichen Kirchtag und hält den marianischen Charakter der Kirche auch außerhalb der Fastenzeit lebendig.
Eine besondere lokale Gebetstradition ist das sogenannte "Altehrwürdige Maria Thurner Gebet". Es wird vor dem Gnadenbild gesprochen und in Verbindung mit dem Rosenkranz gepflegt. Eine jüngere Pfarrdarstellung vermutet, dass das Gebet im späten 19. Jahrhundert aufgekommen sein könnte. Damit ist es kein mittelalterliches Relikt, wohl aber ein bemerkenswertes Zeugnis lokal gebundener Marienfrömmigkeit, das bis in die Gegenwart weitergegeben wird.
Die Pfarre beschreibt Maria Thurn heute als "Ort des Gottvertrauens, gefundener Hilfe und des Trostes". Diese gegenwärtige Deutung knüpft unmittelbar an die ältere Wallfahrtsfunktion an: Bitten, Danken, Kerzenopfer, Rosenkranz und persönliche Anliegen stehen weiterhin im Mittelpunkt. Auch jüngere Wallfahrten, etwa gemeinschaftliche Pilgergänge kirchlicher Gruppen, enden in Maria Thurn mit Rosenkranz, Segen und Marienliedern.
Ein besonders anschauliches volksreligiöses Detail ist die Wetterkerze. Bei nahendem Gewitter wird sie entzündet und mit Gebeten um Schutz verbunden. Die Praxis steht in einer langen alpinen Tradition religiöser Wetterbitten und passt zugleich auffallend zur älteren Votivüberlieferung von Maria Thurn, in der Naturgefahren und Unwetter bereits eine Rolle spielen. Eine direkte historische Kontinuität zwischen einzelnen Votivtafeln und der heutigen Wetterkerze lässt sich zwar nicht beweisen, doch beide Formen zeigen denselben Grundzug: die religiöse Bewältigung bedrohlicher Naturereignisse.
Maria Thurn ist ein kleiner, im Kern spätgotischer und später barockisierter Kirchenbau. Das dreiachsige Langhaus schließt an einen niedrigeren Chor mit 3/8-Schluss an; über dem Bau erhebt sich ein hölzerner Dachreiter mit Spitzhelm. Das spitzbogige Sakristeiportal und das südliche Portal mit originalem Beschlag erinnern an den spätgotischen Bestand. Die Außenrestaurierung erfolgte 1993.
Im Chorgewölbe ist eine Holztafel eingelassen, auf der das 1570 datierte Wappen der Herren von Gössering dargestellt ist. Dieses Stück erinnert an die herrschaftliche Geschichte des Gotteshauses als Kapelle im Umfeld des Thurnhofes und verbindet die spätere Wallfahrtskirche mit ihrer älteren Funktion als Schlosskapelle.
Der Hochaltar entstand um 1690. Über den Opfergangsportalen stehen die Heiligen Josef und Barbara; im Zentrum befindet sich das Gnadenbild der Muttergottes mit Kind, im Aufsatz die Pietà. Der linke Seitenaltar zeigt Mariä Heimsuchung mit Elisabeth und Zacharias, im Oberbild die Heiligste Dreifaltigkeit. Der rechte Seitenaltar ist der Heiligen Familie mit Johannes dem Täufer gewidmet; das Oberbild zeigt den hl. Antonius von Padua. Beide Seitenaltäre sowie die Kanzel stammen aus dem frühen 18. Jahrhundert.
Zur weiteren Ausstattung gehören Ölgemälde aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Beweinung Christi, Christus und den Zöllnern sowie Christus und der Ehebrecherin. Zusammen mit den Votivtafeln bilden sie eine dichte Bilderwelt, in der biblische Geschichte, Marienverehrung und persönliche Dankzeugnisse nebeneinanderstehen.
- Ginhart, Karl: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Hermagor und Umgebung. In: Hermagor. Geschichte, Natur und Gegenwart.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Abschnitt Hermagor, Maria Thurn.
- Fischer, R. / Stoll, A.: Kleines Handbuch der österreichischen Marien-Wallfahrtskirchen.
- Katholische Kirche Kärnten / Pfarre Hermagor: Filialkirche Maria Thurn. Pfarrbeschreibung mit Geschichte, Ausstattung, Gnadenbild, Entstehungslegende, Votivbildern und Wallfahrtstagen.
- Katholische Kirche Kärnten / Pfarre Hermagor: Segensort Wallfahrtskirche Maria Thurn. Dokumentation des gegenwärtigen Gebets- und Wallfahrtslebens, der Fastenmessen und der Wetterkerze.
- Katholische Kirche Kärnten / Pfarre Hermagor: Gebet in der Kirche Maria Thurn; Bewahrung vor dem Vergessen. Hinweise zum "Altehrwürdigen Maria Thurner Gebet" und zu seiner heutigen Pflege.
- Bundesdenkmalamt: Denkmalliste Kärnten, Katholische Filialkirche Maria Thurn (Maria Heimsuchung), HERIS-ID 21461.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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