| Wallfahrt: | Alter Marienwallfahrtsort mit historischen Gelöbnis-, Pest-, Fuß- und Fatimawallfahrten. |
| Status: | Lebendige Wallfahrt; unter anderem Judenburger und Laßnitzer Gelöbniswallfahrt werden weiterhin gepflegt. |
| Kultzentrum: | Spätgotische Gnadenstatue der thronenden Gottesmutter mit dem Jesuskind im Hochaltar, um 1440. |
| Ort: | Maria Waitschach, Marktgemeinde Guttaring. |
| Bezirk: | Sankt Veit an der Glan. |
| Bundesland: | Kärnten. |
| • | Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau Maria Waitschach,
Maria Waitschach 1,
9375 Hüttenberg,
Gemeinde Guttaring,
Kärnten. Die Kirche liegt auf etwa 1.155 Metern Seehöhe und ist über eine Bergstraße erreichbar. Historische Fuß- und Wallfahrtswege führen unter anderem aus dem Raum Hüttenberg, aus der Steiermark und über das Klippitztörl nach Waitschach. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Pfarre: Pfarre Maria Waitschach |
| • | Öffnungszeiten: Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Waitschach ist regulär nur zu den Gottesdiensten geöffnet. Da die Kirche in der restlichen Zeit versperrt ist, können zusätzliche Öffnungszeiten für Gruppen oder Pilger direkt über die Pfarre angefragt werden. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Turm der Wallfahrtskirche Maria Waitschach. Der im Inneren quadratische Turm tritt über der Westfassade als oktogonaler Dachreiter hervor und wurde Anfang des 16. Jahrhunderts vollendet:
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• Karner der Wallfahrtskirche Maria Waitschach. Den achteckigen gotischen Karner zierten früher aufwendige Fresken, von denen leider nur mehr Fragmente sichtbar sind:
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• Detail vom südlichen Seitenportal Wallfahrtskirche Maria Waitschach:
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• Römerin mit ihrem Spiegel. Relief an der Außenwand der Wallfahrtskirche Maria Waitschach:
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• Spätgotisches Sakramentshäuschen an der Nordseite des Chores, um 1515. Das rund zehn Meter hohe Werk gehört zu den bemerkenswerten spätgotischen Steinmetzarbeiten der Kirche:
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• Spätgotische Gnadenstatue der Gottesmutter mit dem Jesuskind im Hochaltar, um 1440. Sie bildet das zentrale Kultobjekt der Wallfahrt:
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• Kärntner Landschaftsaltar von 1626 an der Nordwand der Wallfahrtskirche. Der von den Kärntner Landständen gestiftete Altar gehört in die Übergangszeit zwischen spätgotisch geprägter Formensprache und Frühbarock:
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• Detail des Kärntner Landschaftsaltars von 1626, einer Stiftung der Kärntner Landstände:
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• Votivbild mit dem hl. Leonhard in der Wallfahrtskirche Maria Waitschach:
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• Votivbild zur Judenburger Gelöbniswallfahrt in Maria Waitschach; dargestellt ist der Auszug der Wallfahrer aus Judenburg. Die örtliche Überlieferung führt die Wallfahrt bis ins ausgehende 15. Jahrhundert zurück; archivalisch ist die Verbindung Judenburgs mit Maria Waitschach seit 1583 sicher belegt:
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• Votivgaben hinter dem Hochaltar der Wallfahrtskirche Maria Waitschach:
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Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Waitschach liegt auf einem weithin sichtbaren Höhenrücken über dem Görtschitztal und dem Raum Hüttenberg, politisch im Gebiet der Marktgemeinde Guttaring, während die kirchliche Anschrift Maria Waitschach 1, 9375 Hüttenberg lautet. Auf rund 1.155 Metern Seehöhe bildet die Kirche gemeinsam mit Friedhof, gotischem Karner und den erhaltenen Teilen der mittelalterlichen Wehrmauer ein eindrucksvolles sakrales Ensemble. Ihre Bedeutung erschöpft sich jedoch keineswegs in der außergewöhnlichen Lage und der qualitätvollen spätgotischen Architektur: Maria Waitschach gehört zu den alten Marienwallfahrtsorten Kärntens, deren Geschichte durch konkrete und teilweise bis heute fortgeführte Gelöbniswallfahrten, historische Prozessionen, Votivbilder und ein mittelalterliches Gnadenbild ungewöhnlich dicht dokumentiert ist.
Mittelpunkt der Wallfahrt ist eine spätgotische Gnadenstatue der Gottesmutter mit dem Jesuskind, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts entstand und später in den barocken Hochaltar aufgenommen wurde. Die historische Bedeutung des Heiligtums zeigt sich besonders deutlich darin, dass Maria Waitschach über Jahrhunderte nicht nur von einzelnen Pilgern aufgesucht wurde, sondern Ziel zahlreicher organisierter Prozessionen aus Kärnten und der benachbarten Steiermark war. Besonders gut fassbar sind die Judenburger Gelöbniswallfahrt und die seit dem Pestjahr 1715 bestehende Wallfahrt aus Kärntnerisch- und Steirisch-Laßnitz; beide gehören zu jenen seltenen Traditionen, bei denen sich historische Gelübde über viele Generationen hinweg in konkreten religiösen Handlungen erhalten haben.
Maria Waitschach wird am 2. November 1390 erstmals urkundlich als Filialkirche der Pfarre Guttaring genannt. Weitere Nachrichten aus den Jahren 1425 und 1465 zeigen, dass damals bereits regelmäßig Gottesdienste gefeiert wurden, sodass der Ort spätestens im frühen 15. Jahrhundert ein gefestigtes kirchliches Zentrum innerhalb der weitläufigen Berglandschaft darstellte. Die heutige Kirche entstand im Wesentlichen während einer großen spätgotischen Ausbauphase; eine Bauinschrift an einem nördlichen Chorstrebepfeiler nennt 1447 als Beginn des Neubaus, dessen Vollendung gegen Ende des 15. beziehungsweise um 1500 angenommen wird.
Im Verlauf des 16. Jahrhunderts gewann Waitschach auch organisatorisch an Bedeutung. Für 1535 und 1596 sind Vikare namentlich nachweisbar, womit sich eine zunehmende kirchliche Selbständigkeit gegenüber der Mutterpfarre Guttaring erkennen lässt. Die Größe und Qualität des spätgotischen Baues zeigen zugleich, dass es sich bei Waitschach nicht um eine unbedeutende Bergkirche handelte, sondern um ein Heiligtum, dessen religiöse Bedeutung einen entsprechend anspruchsvollen Neubau rechtfertigte.
Wie zahlreiche alte Wallfahrtsorte besitzt auch Maria Waitschach eine eigene Gründungsüberlieferung, die jedoch deutlich von der urkundlich gesicherten Geschichte getrennt werden muss. Der Legende zufolge sollen türkische Truppen die Schlösser von Friesach besetzt und das umliegende Land verwüstet haben. Ein Salzburger Erzbischof habe daraufhin gelobt, auf jener Höhe eine Marienkirche errichten zu lassen, die am Morgen als erste von den Strahlen der aufgehenden Sonne getroffen werde; nachdem mit dem Bau begonnen worden sei, hätten die Türken das Land wieder verlassen.
Historisch kann diese Erzählung die Entstehung der Kirche nicht erklären, denn Waitschach ist bereits 1390 belegt, während die großen Türkeneinfälle nach Kärnten erst im späteren 15. Jahrhundert jene Bedeutung erlangten, die sich in der Legende widerspiegelt. Wahrscheinlicher ist daher, dass die Erzählung nachträglich entstand und die Verehrung der Gottesmutter mit den Erfahrungen militärischer Bedrohung und dem späteren Ausbau der Kirche zur befestigten Zufluchtsstätte verband. Gerade darin liegt ihr volkskundlicher Wert: Sie erklärt nicht die tatsächliche Gründung, sondern zeigt, welche Bedeutung die Menschen dem Ort in einer Zeit wiederkehrender Unsicherheit zuschrieben.
Vor der Kirche befindet sich ein auffälliger Stein mit einer schalenartigen Vertiefung, der in älteren Beschreibungen als Taufstein, Schalenstein oder sogar als vermeintliches keltisches Kultbecken bezeichnet wurde. Aus seiner Form allein lässt sich jedoch weder eine sichere Datierung noch eine ursprüngliche Funktion ableiten; insbesondere ein vorchristlicher Kultplatz ist damit nicht nachgewiesen.
Dennoch besitzt der Stein für die Geschichte des Ortes Interesse, weil auffällige Natur- und Steinobjekte bei alten Kirchen häufig in spätere Vorstellungen einer besonders weit zurückreichenden Sakralität einbezogen wurden. Für eine quellenkritische Dokumentation ist deshalb zwischen dem tatsächlich vorhandenen Objekt und den nachträglichen Deutungen klar zu unterscheiden: Der Stein ist real, seine Interpretation als keltisches Kultbecken bleibt dagegen eine nicht gesicherte Hypothese.
Das zentrale Kultobjekt der Wallfahrt ist die spätgotische Gnadenstatue der thronenden Gottesmutter mit dem Jesuskind im Hochaltar. Die Figur wird in das zweite Viertel des 15. Jahrhunderts beziehungsweise ungefähr um 1440 datiert und gehört damit zeitlich unmittelbar in jene Epoche, in der auch der große spätgotische Neubau vorbereitet wurde. Maria erscheint in feierlicher Haltung mit dem Kind; spätere Ergänzungen wie Strahlen- beziehungsweise Sternenkranz und weitere ikonographische Elemente verstärkten den Charakter der Figur als verehrtes Marienbild.
Für die Wallfahrtsgeschichte ist wesentlich, dass die Statue nicht bloß ein kunsthistorisch wertvolles Ausstattungsstück darstellt, sondern tatsächlich das Gnadenbild des Heiligtums ist. Pilger kamen zur Muttergottes von Waitschach, brachten ihre Anliegen vor dieses Bild und verbanden ihre Gelübde und Prozessionen mit dem Ort, an dem die Gnadenstatue verehrt wurde. Die zahlreichen historischen Wallfahrten und Votivgaben zeigen, dass sich um dieses Marienbild eine überregionale Kulttradition entwickelte.
Der heutige Hochaltar entstand erst um 1670 und ist damit mehr als zwei Jahrhunderte jünger als die Gnadenstatue. Bei seiner Errichtung wurde das ältere Kultbild nicht ersetzt, sondern in die neue barocke Altararchitektur aufgenommen und damit bewusst als Mittelpunkt der Verehrung bewahrt. Neben Maria erscheinen unter anderem die hll. Joachim und Anna sowie Petrus und Paulus; im oberen Bereich schließt eine Darstellung der Marienkrönung den Aufbau ab.
Gerade diese Verbindung von mittelalterlichem Gnadenbild und barockem Hochaltar ist für viele alte Wallfahrtskirchen charakteristisch. Die Barockzeit schuf eine neue, repräsentative Umgebung für einen bereits lange verehrten Kultgegenstand, ohne dessen Identität aufzugeben. In Maria Waitschach blieb dadurch die Kontinuität des mittelalterlichen Marienkultes auch innerhalb einer späteren Ausstattung sichtbar.
Ein zweites außerordentlich bedeutendes Kunstwerk der Kirche ist der sogenannte Kärntner Landschaftsaltar an der Nordwand. Er wurde 1626 von den Kärntner Landständen gestiftet und gehört in die Übergangszeit zwischen spätgotisch geprägter Formensprache und frühem Barock. Eine gelegentlich ältere Bezeichnung als Rokokoaltar ist schon aus chronologischen Gründen unzutreffend, da die Entstehung des Werkes mehr als ein Jahrhundert vor der eigentlichen Rokokozeit liegt.
Der reich gegliederte Altar zeigt unter anderem die Verkündigung und Heimsuchung Mariens sowie Maria im Strahlenkranz; zahlreiche Figuren, Wappen und ornamentale Elemente verweisen auf den repräsentativen Charakter der Stiftung. Für die politische und kunsthistorische Geschichte Kärntens besitzt der Landschaftsaltar daher beträchtliche Bedeutung, er ist jedoch klar vom Gnadenbild zu unterscheiden. Mittelpunkt der Wallfahrt blieb die spätgotische Muttergottesfigur im Hochaltar.
Der Kirchenraum ist als dreischiffige, fünfjochige spätgotische Hallenkirche gestaltet. Das Mittelschiff trägt ein Sternrippengewölbe, während die Seitenschiffe von Kreuzrippengewölben überspannt werden; reich gestaltete Schlusssteine zeigen Christus, Evangelistensymbole, Heilige und marianische Darstellungen. Durch die annähernd gleiche Höhe der Schiffe entsteht jener weite, geschlossene Raumeindruck, der für spätgotische Hallenkirchen charakteristisch ist.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das monumentale spätgotische Sakramentshäuschen im Chor, das ungefähr um 1515 entstanden sein dürfte. Mit einer Höhe von rund zehn Metern erhebt es sich wie ein steinerner Turm und gehört zu den bemerkenswertesten Werken spätgotischer Steinmetzkunst in Kärnten. Seine aufwendige Gestaltung zeigt, dass auch nach der Fertigstellung des großen Kirchenbaues weiterhin beträchtliche Mittel in die Ausstattung des Heiligtums investiert wurden.
Die Ausstattung der Kirche wuchs über mehrere Jahrhunderte weiter und verbindet spätgotische, frühbarocke und hochbarocke Elemente. Die Kanzel wurde 1743 von Balthasar Hauser geschaffen, die Orgel stammt im Kern aus der Zeit um 1700, und ebenfalls um 1700 entstand ein großes Weltgerichtsgemälde. Zusammen mit dem Hochaltar, dem Landschaftsaltar und den übrigen Seitenaltären ergibt sich dadurch kein einheitlicher Ausstattungszustand einer einzigen Epoche, sondern ein über Jahrhunderte gewachsener Kirchenraum, in dem sich die lange Geschichte des Heiligtums unmittelbar ablesen lässt.
Kirche und Friedhof waren ursprünglich von einer mächtigen Wehrmauer umgeben, die ein unregelmäßiges Viereck bildete und teilweise eine Höhe von ungefähr dreieinhalb Metern erreichte. Bedeutende Abschnitte dieser Befestigung haben sich bis heute erhalten. Der Ausbau steht im Zusammenhang mit den militärischen Bedrohungen des späten Mittelalters, insbesondere mit den Türkeneinfällen und ungarischen Angriffen, die in Kärnten zu einer Reihe befestigter Kirchenanlagen führten.
In Waitschach trafen damit religiöser und ganz konkreter Schutz unmittelbar aufeinander. Die Gottesmutter wurde um himmlische Fürsprache angerufen, während die Mauern des Kirchhofes bei tatsächlicher Gefahr Schutz für die Bevölkerung bieten konnten. Gerade diese Verbindung erklärt vermutlich auch, weshalb sich die Erinnerung an die Türkenzeit so stark in der Gründungslegende festsetzte, obwohl der Kirchenbau selbst älter ist als jene Bedrohungen, auf die sich die Erzählung bezieht.
Nördlich des Chores steht ein eigener gotischer Karner, dessen Untergeschoss als Beinhaus diente. Eine heute verlorene Inschrift soll das Jahr 1535 sowie den damaligen Vikar Gregor Rohrer als Bauherrn genannt haben. Im Obergeschoss ist für 1616 eine dem hl. Leonhard geweihte Kapelle belegt; Reste von Wandmalereien mit Evangelisten und Rankenornamenten stammen aus dem frühen 17. Jahrhundert.
Der Karner gehört damit nicht nur zur Architektur des Kirchhofes, sondern erinnert zugleich an die historische Friedhofskultur. Da Grabplätze auf dem befestigten Areal begrenzt waren, wurden Gebeine älterer Bestattungen nach Ablauf der Grabzeit gesammelt und in der Beinkammer verwahrt, während das Obergeschoss weiterhin liturgischen Zwecken dienen konnte.
Die historische Bedeutung der Wallfahrt lässt sich außergewöhnlich konkret fassen. Die Pfarrchronik berichtet von fünf Prozessionen, die in dreijährigem Abstand nach Waitschach kamen, sowie von weiteren siebzehn jährlich wiederkehrenden Prozessionen. Schon diese Zahlen zeigen, dass der Ort keineswegs nur ein lokales Marienheiligtum war, sondern Mittelpunkt eines weiträumigen Netzes organisierter Pilgerbewegungen, das Teile Kärntens und der benachbarten Steiermark umfasste.
Gerade solche regelmäßig wiederkehrenden Prozessionen sind für die Beurteilung eines historischen Wallfahrtsortes besonders aussagekräftig, weil sie die tatsächliche Praxis dokumentieren. Nicht das Vorhandensein einer Marienfigur oder eines Votivbildes allein begründet die Wallfahrt, sondern die wiederholte, gemeinschaftlich organisierte Bewegung zum Heiligtum, oftmals aufgrund eines Gelübdes und mit festgelegten Routen, Terminen und Ritualen.
Zu den bedeutendsten historischen Pilgertraditionen gehört die Wallfahrt aus Judenburg. Nach der Waitschacher Pfarrchronik soll sie bereits 1495 begonnen haben; diese frühe Datierung ist allerdings durch keine derzeit greifbare zeitgenössische Urkunde gesichert. Archivalisch eindeutig fassbar wird die Beziehung im späteren 16. Jahrhundert, unter anderem durch eine Zahlung des Judenburger Rates für eine Kerze nach Waitschach im Jahr 1583. Quellenkritisch lässt sich daher festhalten, dass die örtliche Überlieferung den Beginn in das ausgehende 15. Jahrhundert verlegt, während die Wallfahrt sicher seit dem späten 16. Jahrhundert dokumentiert ist.
Historische Berichte nennen zeitweise zwischen etwa 300 und 700 Teilnehmer, was für eine längere Fußwallfahrt eine beträchtliche Zahl darstellt. Die Pilgerreise verband nicht nur Judenburg und Waitschach, sondern führte über mehrere religiöse Stationen, an denen gebetet, gerastet und gemeinsam weitergezogen wurde. Die Wallfahrt war damit zugleich religiöse Handlung und soziale Gemeinschaft, wobei der Weg selbst einen wesentlichen Bestandteil des Gelübdes bildete.
Besonders wichtig ist ihr Charakter als Gelöbniswallfahrt. Ein solches Gelöbnis entstand nicht aus bloßer Gewohnheit, sondern aus der Vorstellung einer gemeinschaftlichen Verpflichtung, die in einer früheren Notlage übernommen worden war. Einmal ausgesprochen, konnte ein derartiges Versprechen auch für nachfolgende Generationen verbindlich bleiben, sodass Menschen noch Jahrhunderte später einen Weg gingen, dessen ursprünglicher Anlass nur mehr aus der Überlieferung bekannt war. Gerade darin liegt die besondere volkskundliche Bedeutung dieser Wallfahrten: Sie bewahren historische Ereignisse nicht nur in schriftlicher Erinnerung, sondern in regelmäßig wiederholtem Handeln.
Ein eindrucksvolles materielles Zeugnis der Beziehung zwischen Judenburg und Maria Waitschach ist das große Votivbild von 1756, das eine topographische Ansicht der Stadt zeigt. Die Darstellung ist damit zugleich für die Wallfahrts-, Kunst- und Stadtgeschichte von Interesse. Als Votivbild dokumentiert sie jedoch vor allem die dauerhafte religiöse Beziehung zwischen der Herkunftsgemeinschaft der Pilger und dem Heiligtum.
Solche Bilder waren keine bloße Dekoration. Sie machten Gelübde, erhoffte Hilfe und erfahrenen Dank sichtbar und blieben im Wallfahrtsort als Erinnerung an einzelne Menschen oder ganze Gemeinden erhalten. Der Bestand an Votivbildern in Waitschach belegt daher nicht nur eine allgemein verbreitete Marienverehrung, sondern konkrete Erfahrungen und Bindungen, die über lange Zeiträume fortwirkten.
Die Judenburger Wallfahrt besteht bis heute weiter. Pilger legen den Weg zumindest teilweise zu Fuß zurück, ziehen gemeinsam in die Wallfahrtskirche ein und feiern dort den abschließenden Gottesdienst. Damit gehört sie zu jenen seltenen Traditionen, bei denen sich eine jahrhundertelang belegte Beziehung zwischen einer Stadt und einem Wallfahrtsheiligtum bis in die Gegenwart erhalten hat.
Noch genauer lässt sich der historische Ursprung der Wallfahrt aus Kärntnerisch- und Steirisch-Laßnitz fassen. Sie geht auf das Pestjahr 1715 zurück und wird ausdrücklich als Dank- beziehungsweise Gelöbniswallfahrt verstanden. Die Bevölkerung versprach, regelmäßig nach Maria Waitschach zu pilgern, um Schutz vor der Seuche beziehungsweise Befreiung aus der Not zu erbitten. Dieses Gelübde wurde nicht zu einer bloßen historischen Erinnerung, sondern über Generationen weitergegeben und bis in die Gegenwart fortgeführt; 2026 wurde bereits die 310. Waitschacher Wallfahrt der Laßnitzer begangen.
Der traditionelle Fußweg umfasst ungefähr 50 Kilometer und nimmt etwa zwölf Stunden in Anspruch. In älterer Überlieferung wurde seine Länge beziehungsweise Dauer sogar mit ungefähr zwanzig Rosenkränzen angegeben. Diese scheinbar beiläufige Angabe gehört zu den besonders eindrucksvollen volkskundlichen Details der Waitschacher Wallfahrt, denn sie zeigt, dass der Weg nicht lediglich in räumlichen oder zeitlichen Maßeinheiten gedacht wurde. Die Strecke wurde gleichsam in Gebetszeit gemessen: Nicht Kilometer bestimmten das Erleben des Weges, sondern die Zahl jener Rosenkränze, die während des gemeinsamen Gehens gebetet werden konnten.
Gerade dadurch wird sichtbar, wie sehr der Pilgerweg selbst Teil der religiösen Handlung war. Die Wallfahrt begann nicht erst vor dem Gnadenbild, sondern bereits mit dem Aufbruch; Müdigkeit, Wetter, Höhenunterschiede, gemeinsames Singen und Beten gehörten ebenso zum Vollzug des Gelübdes wie die Messe am Ziel.
Auch die Ankunft der Laßnitzer in Maria Waitschach besitzt ein eigenes Ritual. Beim Einzug werden die Pilger traditionell mit der zweitgrößten Glocke der Kirche begrüßt, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Laßnitzern gestiftet wurde. Damit ist die Glocke selbst zu einem materiellen Erinnerungszeichen der Wallfahrt geworden und verbindet die Herkunftsgemeinschaft dauerhaft mit ihrem Heiligtum.
Wenn sie beim Eintreffen der Wallfahrer erklingt, erfüllt sie deshalb mehr als eine praktische liturgische Funktion. Ihr Klang markiert die Ankunft einer bestimmten Pilgergruppe und erinnert zugleich an Generationen, die denselben Weg zurückgelegt haben. In dieser Verbindung von Gegenstand, Klang, Herkunftsort und wiederkehrender Handlung zeigt sich besonders deutlich, wie sich Wallfahrtskultur materiell und immateriell zugleich überliefern kann.
Die Laßnitzer waren nicht die einzige Gemeinschaft, die Maria Waitschach aufgrund eines Pestgelübdes aufsuchte. Auch aus anderen Pfarren sind entsprechende Traditionen belegt. Die Pfarre Preims beispielsweise bewahrte ein Gelöbnis, in einem dreijährigen Rhythmus über Klippitztörl, Knappenberg und Hüttenberg nach Waitschach zu pilgern, um vor der Pest bewahrt zu werden.
Solche Überlieferungen lassen erkennen, dass Maria Waitschach in der frühen Neuzeit weit über die unmittelbare Umgebung hinaus als Schutzort in Zeiten epidemischer Bedrohung galt. Die Wallfahrt verband damit individuelle Marienverehrung mit kollektiven Anliegen ganzer Gemeinden, deren Gelübde häufig über Jahrhunderte weitergeführt wurden.
Die langjährige Bedeutung als Wallfahrtsort wird durch zahlreiche Votivbilder bestätigt. Solche Bilder wurden gestiftet, wenn Menschen oder Gemeinschaften eine erfahrene Hilfe der Fürsprache Mariens zuschrieben; dargestellt werden konnten Krankheiten, Unfälle, Brände, militärische Gefahren oder andere Notlagen. Das Judenburger Votivbild von 1756 gehört zu den besonders bedeutenden Beispielen, dürfte jedoch nur einen Teil eines ehemals umfangreicheren Bestandes darstellen.
Für die volkskundliche Betrachtung sind diese Zeugnisse besonders wichtig, weil sie den Wallfahrtsort als Gedächtnisraum sichtbar machen. Ein Gelübde konnte lange nach dem ursprünglichen Ereignis weiterwirken, und eine Votivtafel bewahrte die Erinnerung an eine konkrete Notsituation, auch wenn die beteiligten Menschen längst verstorben waren. Auf diese Weise wurden Bild, Wallfahrt und mündliche Überlieferung zu verschiedenen Formen desselben kollektiven Erinnerns.
Neben den alten Gelöbniswallfahrten entwickelte sich im 20. Jahrhundert auch in Maria Waitschach eine Fatimafrömmigkeit. Wallfahrten des Dekanates Krappfeld–Görtschitztal führen weiterhin zum Heiligtum; Rosenkranzgebet, Gottesdienst und bei einzelnen Anlässen auch Fackelprozessionen gehören zu diesen jüngeren Formen marianischer Verehrung.
Diese Entwicklung bedeutet keinen Bruch mit der älteren Wallfahrtstradition. Vielmehr wurde ein seit Jahrhunderten bestehender Marienwallfahrtsort für eine neue Frömmigkeitsform geöffnet, während Gnadenstatue, historische Gelöbnisse und alte Pilgerwege ihre Bedeutung behielten. Maria Waitschach zeigt damit besonders anschaulich, wie sich ein Kult verändern kann, ohne seine frühere Identität zu verlieren: Mittelalterliches Gnadenbild, frühneuzeitliche Pestgelübde, barocke Ausstattung und moderne Fatimawallfahrten bestehen nebeneinander und bilden unterschiedliche Schichten derselben religiösen Geschichte.
Maria Waitschach ist bis heute ein lebendiger Wallfahrtsort. Die Judenburger Gelöbniswallfahrt besteht weiter, ebenso die aus dem Pestjahr 1715 hervorgegangene Laßnitzer Wallfahrt; weitere Fuß-, Pfarr- und Fatimawallfahrten ergänzen diese Traditionen. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass nicht lediglich ein allgemeines Wallfahrtsgedächtnis erhalten blieb, sondern konkrete historische Gelübde weiterhin durch gemeinsames Gehen, Beten, Singen, Einziehen in die Kirche und Gottesdienst erfüllt werden.
Aus volkskundlicher Sicht gehört Waitschach deshalb zu den besonders bedeutenden Kärntner Wallfahrtsorten. Das Heiligtum verbindet ein mittelalterliches Gnadenbild mit außergewöhnlich gut dokumentierten gemeinschaftlichen Pilgertraditionen. Ganze Städte, Pfarren und Dorfgemeinschaften machten sich aufgrund überlieferter Versprechen auf den Weg; der lange Fußmarsch, die in Rosenkränzen gemessene Wegdauer, das Läuten einer mit einer bestimmten Pilgergruppe verbundenen Glocke und die Votivbilder im Kirchenraum zeigen, dass Wallfahrt weit über den eigentlichen Kirchenbesuch hinausreichte.
Der gesamte Weg wurde zum religiösen Ritual, während Gnadenstatue, Votivbilder, Wehrkirche, Karner und Friedhof eine dichte sakrale Landschaft bildeten. Gerade die Verbindung von historischer Kontinuität und lebendiger Praxis macht Maria Waitschach zu einem außergewöhnlichen Beispiel dafür, wie religiöse Überlieferung nicht nur in Texten und Kunstwerken, sondern ebenso in Wegen, Klängen, Gelübden und wiederholten gemeinschaftlichen Handlungen weiterlebt.
- Peter G. Tropper: Die Wallfahrtskirche Maria Waitschach. Geschichtsverein für Kärnten, Newsletter Nr. 2/2014.
- R. Fischer / A. Stoll: Kleines Handbuch österreichischer Marien-Wallfahrtskirchen. Band 3. Wien 1979, S. 114–116.
- Willi Füller: Maria Waitschach – Hüttenberg. Peda-Kunstführer, 1991.
- Siegfried Hartwagner: Kärnten. Der Bezirk St. Veit an der Glan. Österreichische Kunstmonographie, Salzburg 1977, S. 253–257.
- Karl Kafka: Wehrkirchen Kärntens I. Wien 1971, S. 133–136.
- Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Kärnten. Wien 2001.
- Katholische Kirche Kärnten: Pfarre Maria Waitschach sowie Dokumentationen zu Wallfahrten nach Maria Waitschach.
- Pfarrchronik Maria Waitschach: Überlieferungen zu den historischen Prozessionen und Gelöbniswallfahrten.
- Kirchliche und kommunale Dokumentationen zur Judenburger Wallfahrt sowie zur Laßnitzer Pestwallfahrt.
- Georg Graber, Die Kirche von Maria-Waitschach, bereitgestellt von SAGEN.at.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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