Gräbern bei Wolfsberg - Filial- und Wallfahrtskirche Hll. Philippus und Jakobus

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Wallfahrt:Wallfahrt zum Wilhelmsgrab. Verehrt wird Wilhelm von der Sann, Gemahl der hl. Hemma von Gurk, der nach der Legende als büßender Rompilger im Lavanttal starb und in Gräbern bestattet wurde. Der Kult war besonders mit Heilbräuchen und eisernen Votivgaben für Mensch und Vieh verbunden.
Status:Lebendiger regionaler Wallfahrtsort. Am Dreinagelfreitag ziehen Kinder und weitere Wallfahrer nach Gräbern; Ende Juni wird in Gräbern ein festlicher Gottesdienst mit Sakramentsprozession gefeiert.
Kultzentrum:Die barocke Tumba des Wilhelm von der Sann im südlichen Seitenschiff, errichtet 1691/94. Wilhelm ist nicht kirchlich heiliggesprochen; in der regionalen Volksfrömmigkeit wurde er dennoch als "heiliger" beziehungsweise "seliger Wilhelm" verehrt.
Besonderheit:Außergewöhnlich reiches historisches Votivbrauchtum: eiserne Ochsengespanne, Tiere, Augen, Kopfringe, Hände, Arme, Beine und Häuser; außerdem Heilbräuche unmittelbar am Wilhelmsgrab.
Patrozinium:Hll. Philippus und Jakobus. Die heutige Peter-und-Paul-Feier Ende Juni ist davon zu unterscheiden.
Ort:Gräbern / Stadtgemeinde Wolfsberg
Region:Lavanttal
Bundesland:Kärnten
Lage und Besuch
Lage: bei Gräbern 101, 9400 Wolfsberg.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Prebl - Filialkirche Gräbern
Öffnungszeiten: keine allgemein publizierten Öffnungszeiten; Zugang jedenfalls zu Gottesdiensten und Wallfahrtstagen.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

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Filial- und Wallfahrtskirche Gräbern:

Die den hll. Philippus und Jakobus geweihte Kirche liegt auf einem Bergrücken über dem Lavanttal. Der heutige Bau entstand im 15. Jahrhundert; die Wallfahrt konzentriert sich jedoch nicht auf die Kirchenpatrone, sondern auf den im südlichen Seitenschiff verehrten Wilhelm von der Sann.

Filial- und Wallfahrtskirche Gräbern, Kärnten

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Filial- und Wallfahrtskirche Gräbern - Außenansicht:

Holzschindeldach, der kräftige Westturm und der ummauerte Friedhof verleihen dem spätgotischen Bau einen wehrhaften Charakter. Ältere Literatur rechnet Gräbern deshalb zu den Wehrkirchen; erhaltene Wehrgänge oder Schießanlagen sind heute jedoch nicht mehr vorhanden.

Filial- und Wallfahrtskirche Gräbern, Kärnten

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Das Wilhelmsgrab - Kultzentrum der Wallfahrt:

Die steinerne Tumba wurde erst 1691 beziehungsweise 1694 errichtet und ist daher kein Grabdenkmal aus der Zeit Hemmas. Sie materialisiert die ältere Überlieferung, dass Wilhelm von der Sann hier seine letzte Ruhe gefunden habe. An diesem Grabmal entwickelten sich auffallend intensive Heil- und Votivbräuche.

Gräbern, Grabmal des Wilhelm von der Sann

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Römisches Grabbaurelief an der Kirche:

Die Reliefplatte aus dem 2./3. Jahrhundert n. Chr. stammt von einem römischen Grabdenkmal und zeigt einen Offiziersdiener mit Helm und Rundschild. Die Verwendung als Spolie belegt römische Präsenz in der Region, ist aber kein Hinweis auf einen römischen Vorgängerbau der Kirche.

Gräbern, römisches Grabbaurelief mit Offiziersdiener

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Eine Wallfahrtskirche mit zwei völlig verschiedenen Geschichten

Gräbern gehört zu jenen Wallfahrtsorten, bei denen sich Baugeschichte und Kultgeschichte nur dann verstehen lassen, wenn man sie ausdrücklich voneinander trennt. Die heute bestehende Kirche ist ein spätgotischer Bau des 15. Jahrhunderts und den Aposteln Philippus und Jakobus geweiht. Ihr eigentliches Wallfahrtszentrum ist jedoch weder ein Bild dieser beiden Heiligen noch ein Mariengnadenbild, sondern das Grabmal des Wilhelm von der Sann, des Gemahls der hl. Hemma von Gurk. Um dieses Grab entwickelte sich ein eigenständiger, vom Volk getragener Kult mit Votivgaben und Heilbräuchen.

Das erklärt auch, warum die knappe Formel "Wilhelm wurde als Beschützer der Viehzucht verehrt" der Geschichte kaum gerecht wird. In Gräbern verbanden sich die Erinnerung an einen sagenhaften Pilger, ein als heilig verstandenes Grab, die Sorge um menschliche Krankheit und die bäuerliche Bitte um Schutz für Tiere und Hof. Der Wallfahrtsort war damit viel breiter ausgerichtet als ein bloßes Viehpatronat.

Erste Erwähnung und spätgotischer Neubau

Die Kirche wird 1380 erstmals urkundlich erwähnt. Der heute vorhandene Bau entstand in der Mitte beziehungsweise im zweiten Drittel des 15. Jahrhunderts. Er besteht aus einem zweijochigen Hauptschiff mit gleich hohem Chor und einem schmäleren südlichen Seitenschiff mit eigenem Chor. Reiche Stern- und Netzrippengewölbe, Maßwerkfenster, profilierte Spitzbogenportale und eine spätgotische Sakramentsnische gehören zur qualitätvollen mittelalterlichen Ausstattung.

Ein kräftiger westlicher Vorhallenturm mit Spitzhelm prägt die Außenansicht. Kirche und Friedhof sind von einer Mauer umgeben. Karl Kafka reihte Gräbern unter die Kärntner Wehrkirchen. Der starke Turm, die Höhenlage und die Ummauerung erklären diese Einordnung; eigentliche Wehrgänge oder Schießscharten sind heute jedoch nicht erhalten. Sollte die Anlage jemals stärker befestigt gewesen sein, gingen diese Einrichtungen spätestens in der frühen Neuzeit verloren.

Fresken und spätgotische Ausstattung

Zur älteren Ausstattung gehören Wandmalereien mit Kreuzigung und Ölberg, die um 1500 angesetzt werden. Eine spätgotische Madonnastatue vom Ende des 15. Jahrhunderts ist heute in Verwahrung. Diese Kunstwerke erinnern daran, dass Gräbern bereits lange vor der barocken Ausgestaltung des Wilhelmsgrabes ein bedeutender Sakralraum war.

Der barocke Hochaltar

Der Hochaltar entstand um 1690. Sein Altarblatt zeigt die Kirchenpatrone Philippus und Jakobus, das Aufsatzbild die Auffindung des Kreuzes. Seitlich stehen die hll. Wolfgang und Rupert; Engelfiguren und die kleine Figur des hl. Michael im Aufsatz ergänzen den barocken Aufbau. Weitere Altäre und die Kanzel stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Die Orgel steht in einem klassizistischen Gehäuse und verwendet Teile eines älteren Werkes des Grazer Orgelbauers Carl Schehl. Eine Glocke trägt die Signatur des Glockengießers Martin Pucher und die Jahreszahl 1784.

Römische Spolien

In die Kirche beziehungsweise ihre Außenmauern sind römische Grabreliefs eingearbeitet. Besonders auffällig ist die Darstellung eines Offiziersdieners aus dem 2./3. Jahrhundert n. Chr. Er trägt eine kurze Tunika, Kniehosen und Schuhe, hält einen Helm mit Helmbusch und einen Rundschild. Ein weiteres Relief zeigt Greife. Solche Spolien wurden im Mittelalter und in der frühen Neuzeit häufig als gut verfügbares Steinmaterial wiederverwendet. Sie belegen römische Besiedlung und Bestattungskultur in der Region, nicht jedoch einen römischen Vorgängerbau der Gräberner Kirche.

Wilhelm von der Sann - Geschichte und Legende

Der historische Wilhelm

Hemma von Gurk war mit Wilhelm II., Graf von Friesach und Markgraf im Sanntal, verheiratet. Wilhelm gehörte zu den bedeutenden Adeligen des südöstlichen Reichsraumes und wurde von Kaiser Konrad II. als Gegengewicht zum Kärntner Herzog Adalbero von Eppenstein gefördert. Für das Jahr 1036 ist Wilhelms Tod historisch fassbar: Die heutige kirchengeschichtliche Forschung geht davon aus, dass der abgesetzte Herzog Adalbero von Eppenstein seinen politischen Gegner Wilhelm tötete.

Damit beginnt bereits die wichtigste Unterscheidung für Gräbern. Die historisch wahrscheinlichste Todesursache Wilhelms ist ein politischer Mord. Die berühmte Geschichte vom büßenden Rompilger, der erschöpft im Lavanttal starb, gehört dagegen zur späteren Legendenbildung. Auch die Ermordung seiner beiden Söhne Wilhelm und Hartwig durch aufständische Bergknappen ist nicht zeitgenössisch belegt, sondern Teil der Hemma-Überlieferung.

Die Legende von den ermordeten Söhnen

Nach der volkstümlichen Erzählung wurden die beiden Söhne Hemmas und Wilhelms bei einem Aufstand von Bergknappen getötet. Wilhelm habe daraufhin blutige Rache an den Aufständischen genommen. Hemma habe ihn wegen dieser Grausamkeit zur Buße nach Rom geschickt. Aus dem mächtigen Adeligen wird in der Legende dadurch ein Pilger und Büßer.

Gerade dieser Wandel ist für die spätere Verehrung entscheidend. Wilhelm ist nicht als Herrscher oder Krieger heilig, sondern weil er als reuiger Pilger gedacht wurde, der Schuld, Buße und Tod miteinander verbindet.

Der Tod beim "Lenz in der Auen"

Auf dem Rückweg von Rom sei Wilhelm, durch die Pilgerreise erschöpft und in einfacher Kleidung unerkannt, in das Lavanttal gekommen. Beim "Lenz in der Auen" habe er um Unterkunft gebeten und nur einen Platz in einer Scheune erhalten. Am nächsten Morgen fand man den unbekannten Pilger tot. Erst ein Oberförster habe ihn anhand seines Siegelringes als Graf Wilhelm erkannt.

Das Gespannwunder

Da unklar gewesen sei, wo der Verstorbene bestattet werden sollte, legte man den Leichnam auf einen Wagen und spannte zwei Ochsen davor. Die Tiere wurden nicht gelenkt. Wo sie zum dritten Mal stehen blieben, wurde Wilhelm begraben. Hemma habe später über diesem Grab eine Kapelle errichten lassen. Dieses Motiv ist ein klassisches "Gespannwunder": Tiere bestimmen durch ihr Verhalten den von Gott vorgesehenen Platz eines Heiligtums.

Die beiden vorherigen Haltepunkte gingen ebenfalls in die Erinnerungslandschaft ein. Einer soll beim Litzelmüller in der Auen gelegen haben und ist heute verschwunden; der zweite wird mit dem noch bestehenden Wilhelmskreuz bei Gräbern verbunden. Die Kirche markiert nach der Erzählung den dritten und endgültigen Rastplatz.

Mehrere Fassungen schon im 19. Jahrhundert

Die Legende war keineswegs immer einheitlich. Bereits die historische Literatur des 19. Jahrhunderts kennt unterschiedliche Fassungen. Eine ältere Überlieferung lässt Wilhelm am Gräbersberg sogar ein St.-Lorenz-Kirchlein errichten und dort als Einsiedler sterben; andere Autoren berichten vom Tod in der Scheune im Lavanttal. Die konkurrierenden Versionen zeigen, dass die heutige Erzählung das Ergebnis eines langen Überlieferungsprozesses ist.

Hat Hemma hier wirklich eine Kirche gegründet?

Die Legende lässt Hemma zwischen 1038 und 1043 eine Kapelle über Wilhelms Grab erbauen. Für eine solche Kapelle gibt es jedoch keinen erhaltenen Bau aus dem 11. Jahrhundert. Die bestehende Kirche ist spätgotisch und erst 1380 urkundlich greifbar. Ein älterer Vorgängerbau ist grundsätzlich möglich, doch kann er mit den derzeit verfügbaren Quellen nicht sicher nachgewiesen oder gar Hemma persönlich zugeschrieben werden.

Wilhelmsgrab und Volkskunde

Ein barockes Grab für einen Mann des 11. Jahrhunderts

Das heute verehrte Grabmal ist keine mittelalterliche Tumba. Es wurde 1691 beziehungsweise 1694 errichtet und gehört damit in die Zeit einer deutlichen barocken Belebung des Kultes. Die steinerne, hausartig geschlossene Anlage im südlichen Seitenschiff besitzt einen Hohlraum, seitliche Öffnungen und zwei Öffnungen im oberen Bereich. Sie markiert symbolisch jene Stelle, an der Wilhelm nach der Überlieferung begraben worden sein soll.

Ob sich unter der Tumba tatsächlich die sterblichen Überreste des historischen Wilhelm befinden, ist nicht nachgewiesen. Gerade darin liegt die volkskundliche Bedeutung des Ortes: Für die Verehrung war nicht die archäologische Identifizierung eines Leichnams entscheidend, sondern die über Generationen weitergegebene Gewissheit, am Grab des "heiligen Wilhelm" zu stehen.

Ein vom Volk "heilig Gesprochener"

Wilhelm wurde nie formell heiliggesprochen. In älteren Quellen begegnet er trotzdem regelmäßig als "heiliger" oder "seliger Wilhelm". Es handelt sich um eine typische Form volkstümlicher Heiligenverehrung, bei der ein lokal verehrter Verstorbener Funktionen eines kirchlich anerkannten Heiligen übernimmt, ohne dass ein offizielles Kanonisationsverfahren stattgefunden hat.

Rudolf Kriss dokumentiert den Kult 1935

Eine außerordentlich wertvolle Quelle ist Rudolf Kriss' Feldforschung "Volkstümliche Kultformen im Lavanttale" aus dem Jahr 1935. Kriss besuchte Gräbern selbst und beschrieb den Kult nicht aus späterer Erinnerung, sondern als noch gelebte Praxis. Er fand die eisernen Votivgaben unmittelbar im Hohlraum des Wilhelmsgrabes aufbewahrt.

Unter den erhaltenen Stücken sah Kriss zwei massive eiserne Ochsengespanne, weitere Tierfiguren, Augenpaare, Kopfringe, Arme, Beine, Hände und kleine Häuser. Gerade die Ochsengespanne und Tierfiguren erklären, warum Wilhelm in älteren Darstellungen als Beschützer des Viehs bezeichnet wird. Zugleich zeigen Augen, Hände und andere Körperteile, dass seine Hilfe ebenso bei menschlichen Krankheiten gesucht wurde.

Den Kopf in das Grabmal stecken

Besonders auffällig war ein Heilbrauch bei Kopfweh. Betroffene steckten ihren Kopf durch eine der Öffnungen im oberen Teil der Tumba. Die unmittelbare körperliche Annäherung an das vermeintliche Grab sollte die heilende Kraft des verehrten Wilhelm wirksam werden lassen.

Krankenwäsche im Sarkophag

Noch ungewöhnlicher war der Umgang mit Kranken, die selbst nicht nach Gräbern kommen konnten. Angehörige brachten deren Wäsche zur Kirche und legten sie für mehrere Tage in den Hohlraum des Wilhelmsgrabes. Anschließend wurde die Kleidung wieder abgeholt und vom Kranken getragen. Die heilende Wirkung des heiligen Ortes sollte sich über das Kleidungsstück auf den abwesenden Menschen übertragen.

Kriss deutete diesen Brauch als besonders klares Beispiel eines Sympathieglaubens: Das Kleid stand stellvertretend für den Kranken, nahm am Grab die Kraft des Heiligen auf und brachte sie danach wieder zu seinem Besitzer zurück.

"Alles Uebel muß abweichen"

Eine Inschrift auf dem Grabmal fasste die Vorstellung von seiner Wirksamkeit in die Worte: "Alles Uebel muß abweichen / Weillen hier die Opferzeichen." Der Text trägt die Jahreszahl 1764. Auch wenn die Formulierung sprachlich eigenwillig ist, zeigt sie deutlich, dass Grabmal und Votivgaben als mit besonderer Kraft erfüllt verstanden wurden.

Votivtafeln und Eisenopfer

Kriss berichtet außerdem von Votivtafeln, auf denen Wilhelm in den Wolken erscheint, während zugleich sein steinernes Grabmal dargestellt ist. Damit wurde nicht nur der verehrte Mann, sondern ausdrücklich auch der Ort seiner Verehrung bildlich festgehalten.

Die eisernen Votivgaben gehören zum großen steirisch-kärntnerischen Eisenopferbrauch. Solche Figuren wurden für Menschen, einzelne Körperteile, Tiere oder Haus und Hof geopfert. In Gräbern war dieser Brauch besonders eng mit dem Grab verbunden. Spätere lokale Berichte bestätigen, dass einst wesentlich mehr Votivgaben vorhanden waren, von denen heute ein großer Teil verschwunden ist.

Wallfahrt und Festtage

Der 29. Juni - vom Wilhelmfest zu Peter und Paul

Rudolf Kriss beschreibt 1935 den 29. Juni als großen Festtag des "heiligen Wilhelm", an dem die Gläubigen in großer Zahl nach Gräbern kamen und sich das Festleben unter den mächtigen Linden vor der Kirche entfaltete. Liturgisch ist der 29. Juni jedoch das Hochfest der Apostel Petrus und Paulus, nicht der Kirchenpatrone Philippus und Jakobus.

Seit den späten 1970er-Jahren wird der Termin nach örtlicher Überlieferung ausdrücklich als Peter-und-Paul-Fest gefeiert. Das Patrozinium der Kirche hat sich dadurch nicht geändert: Offiziell bleibt sie den hll. Philippus und Jakobus geweiht. In der heutigen Praxis folgt auf den Festgottesdienst Ende Juni eine Sakramentsprozession. Die Geschichte des Termins zeigt besonders deutlich, wie sich Volkskult und offizielle Liturgie überlagern können.

Dreinagelfreitag

Der zweite Freitag nach Ostern heißt in Kärnten "Dreinagelfreitag" und erinnert an die drei Nägel der Kreuzigung Christi. Gräbern gehört bis heute zu den Wallfahrtszielen dieses Tages. Bereits Kriss nennt 1935 neben dem 29. Juni den "Nagelfreitag" als einen der wichtigsten Besuchstermine.

Heute pilgern am Dreinagelfreitag seit vielen Jahrzehnten Schülerinnen und Schüler der Volksschule Prebl nach Gräbern. Die Kinderwallfahrt endet mit einer Messe und Kindersegnung. Zusätzlich kommen Wallfahrergruppen aus Bad St. Leonhard und Schiefling. Die Wallfahrt besitzt damit eine bemerkenswerte Kontinuität, obwohl die alten Heilrituale und das Eisenopfer weitgehend verschwunden sind.

Die Verbindung zum Stift Admont

In den vergangenen Jahren wurde der große Wallfahrtsgottesdienst wiederholt von einem Vertreter beziehungsweise Prior des Stiftes Admont gefeiert. Damit wird bewusst an die hl. Hemma erinnert, deren Besitz und Stiftungen eine wesentliche Voraussetzung für die spätere Gründung des Benediktinerstiftes Admont waren. Die mittelalterliche Hemma-Tradition erhält dadurch im modernen Wallfahrtsleben eine neue kirchliche Verbindung.

Vom Heilgrab zur Kinderwallfahrt

Der Wandel des Wallfahrtsortes ist bemerkenswert. 1935 standen eisernes Votivopfer, Heilbräuche am Grab und der große Wilhelmstag noch im Mittelpunkt. Heute prägen Gottesdienst, Prozession und Kinderwallfahrt das Geschehen. Gräbern ist damit ein gutes Beispiel dafür, wie eine Wallfahrt fortbestehen kann, obwohl sich ihre religiösen Ausdrucksformen stark verändern.

Hemmalinden und Wilhelmskreuz

Die drei Linden der Hemma

Zur Gräberner Legende gehören drei Linden, die Hemma 1043 vor der Kirche gepflanzt haben soll: eine für ihren verstorbenen Gemahl Wilhelm und je eine für die beiden früh verstorbenen Söhne. Zwei mächtige alte Sommerlinden sind noch vorhanden; die dritte musste gefällt und durch eine Neupflanzung ersetzt werden.

Die Bäume werden traditionell als "tausendjährige Hemmalinden" bezeichnet. Naturwissenschaftlich hält diese Datierung jedoch nicht stand. Fachleute schätzen die beiden alten Linden auf ungefähr 420 Jahre. Die Bezeichnung "tausendjährig" ist daher als Bestandteil der Hemma-Legende und der lokalen Erinnerungskultur zu verstehen, nicht als botanisches Alter.

Warum die Linden trotzdem wichtig sind

Die Differenz zwischen Legende und tatsächlichem Baumalter macht die Linden nicht weniger bedeutsam. Im Gegenteil: Sie zeigen, wie stark Landschaftselemente in eine Heiligenüberlieferung hineinwachsen können. Der Platz vor der Kirche wurde durch die Bäume über Jahrhunderte zum sichtbaren Erinnerungsraum für Hemma, Wilhelm und die beiden Söhne.

Das Wilhelmskreuz

Südlich der Kirche steht das Wilhelmskreuz, auch Wirtkreuz genannt, ein vierseitiger Nischenbildstock mit schindelgedecktem Pyramidendach. Nach der Legende bezeichnet er die zweite Stelle, an der das Ochsengespann mit Wilhelms Leichnam stehen blieb. Ein erster Erinnerungsbildstock beim Litzelmüller in der Auen ist verschwunden; die dritte Rast war demnach der spätere Kirchenplatz.

Am Wilhelmskreuz befinden beziehungsweise befanden sich Darstellungen Wilhelms, der hl. Helena und vermutlich der Kirchenpatrone Philippus und Jakobus. Der Bildstock wird auch heute in die religiöse Praxis einbezogen. Die Peter-und-Paul-Prozession führt über die Felder und endet beim Wilhelmskreuz; außerdem werden dort Verstorbene von südlich gelegenen Höfen vor der Beerdigung eingesegnet.

Eine ganze Landschaft wird Teil der Legende

Mit Kirche, Grabmal, Hemmalinden, Wilhelmskreuz und dem verlorenen ersten Rastplatz besitzt Gräbern eine außergewöhnlich dichte Erinnerungslandschaft. Die Wilhelm-Legende ist dadurch nicht auf einen Text beschränkt. Sie kann im Gelände abgeschritten werden. Gerade dieses räumliche Erzählen dürfte wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Überlieferung über viele Jahrhunderte lebendig blieb.

Literatur und Quellen

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Gräbern, Filial- und Wallfahrtskirche hll. Philippus und Jakobus. Wien 2001, S. 224-226.

- Kriss, Rudolf: Volkstümliche Kultformen im Lavanttale. In: Wiener Zeitschrift für Volkskunde, XL. Jahrgang 1935, S. 61-67. Für Gräbern insbesondere S. 63-65.

- Graber, Georg: Sagen aus Kärnten. 1927, S. 347.

- Wagner, Joseph: Das Lavanttal in Kärnten historisch-malerisch beschrieben. Klagenfurt 1849, S. 76.

- Roch-Sternfeld, J. E.: Culturgeschichtliche Forschungen über die Alpen. München 1852, besonders zur Wilhelm-Überlieferung im Lavanttal.

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 4: Kärnten und Steiermark. Wien 1956.

- Katholische Kirche Kärnten / Pfarre Prebl: Gottesdienstordnungen und Dokumentation der Wallfahrten nach Gräbern.

- Kleindenkmaeler.at: Dokumentationen der Hemmalinden und des Wilhelmskreuzes in Gräbern.

- Wolfsberger Zeitung: "Kleine Kirche mit großer Geschichte", geschichtliche Serie zur Kirche in Gräbern.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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