| Wallfahrt: | Alter Marienwallfahrtsort am nördlichen Ortsausgang von Bad Eisenkappel. Die Kirche steht vermutlich an der Stelle einer bereits 1154 erwähnten Marienkapelle; der heutige Bau ist im Wesentlichen spätgotisch. Die Wallfahrt ist durch die Verehrung einer gotischen Gnadenstatue, historische Votivbilder und ein altes Andachtsbild als "wundertätiges Gnadenbild" über Jahrhunderte belegt. |
| Status: | Lebendiger Filial- und Wallfahrtsort. Wallfahrtstage und Prozessionen werden weiterhin gefeiert; besondere Bedeutung besitzen Mariä Himmelfahrt am 15. August und der Wallfahrtstag zu den hll. Anna und Joachim am 26. Juli. |
| Kultzentrum: | Die gotische Holzstatue der Muttergottes mit dem Jesuskind im Hochaltar. Die Figur wurde für die Bekleidung verändert; gerade die Bekleidung des Gnadenbildes wurde 1787/88 zum Mittelpunkt eines außergewöhnlich gut dokumentierten Widerstandes gegen josephinische Kirchenreformen. |
| Ort: | Bad Eisenkappel (slowenisch: Železna Kapla) |
| Region: | Vellachtal |
| Bundesland: | Kärnten |
| • | Lage: Bad Eisenkappel 147, 9135 Eisenkappel-Vellach (Železna Kapla-Bela). Die Kirche liegt erhöht am nördlichen Ortsausgang inmitten des Ostfriedhofes und ist über einen gedeckten hölzernen Stiegenaufgang erreichbar. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Eisenkappel |
| • | Besichtigung: Gottesdienstzeiten und Zugang außerhalb der Gottesdienste bitte beim Pfarramt Eisenkappel erfragen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Filial- und Wallfahrtskirche Maria Dorn (slowenisch: Marija v Trnju) liegt am nördlichen Ausgang von Bad Eisenkappel (slowenisch: Železna Kapla) erhöht über der Straße und ist heute vom Ostfriedhof umgeben. Ein gedeckter hölzerner Stiegenaufgang führt zum Heiligtum hinauf. Die Diözese Gurk geht davon aus, dass die Kirche vermutlich an der Stelle einer bereits 1154 urkundlich erwähnten Marienkapelle errichtet wurde. Damit reicht die Geschichte des sakralen Ortes wahrscheinlich weit vor den heute sichtbaren Bau zurück. Für 1386 ist eine Kirchweihe überliefert; der bestehende Bau entstand im Wesentlichen im späten 15. Jahrhundert und enthält noch ältere Mauerteile. Maria Dorn gehört damit zu jenen Kärntner Wallfahrtsorten, bei denen mittelalterliche Kulttradition, spätgotische Architektur und barocke Ausstattung eng ineinandergreifen.
Das nahezu quadratische Langhaus ist zweischiffig und zweijochig. Ein polygonaler Mittelpfeiler trägt die spätgotischen Stern- und Netzrippengewölbe, während sich daran ein einjochiger Chor mit Fünfachtelschluss anschließt. Der gotische Nordturm wird von einem Spitzhelm abgeschlossen. An der Nordseite befindet sich die bereits 1515 urkundlich genannte Annakapelle, deren heutige Ausstattung wesentlich aus dem 18. Jahrhundert stammt. Der Friedhof wurde 1816 bei Maria Dorn eingerichtet; damit wurde die alte Wallfahrtskirche zugleich stärker in das religiöse Leben des Marktes als Begräbnisort einbezogen.
An der Kirche haben sich bedeutende Wandmalereien erhalten. Über dem Südportal befinden sich spätgotische Fresken um 1490 mit der Beweinung Christi, dem Marientod und Anna Selbdritt; außerdem ist ein übermaltes Christophorusbild überliefert. Im vermauerten mittleren Westportal befindet sich dagegen ein barockes Gemälde von Maria Dorn. Schon die Außenhaut des Baues verbindet damit verschiedene Frömmigkeitsschichten: spätmittelalterliche Heiligen- und Passionsbilder stehen neben einer späteren bildlichen Darstellung des lokalen Marienkultes.
Die Entstehung des Heiligtums wird in der örtlichen Überlieferung durch eine ausführliche Ortserwählungslegende erklärt. Der Platz, an dem heute die Kirche steht, sei ursprünglich dicht mit Gebüsch und Dornen bewachsen gewesen. Hirten bemerkten, dass ihnen wiederholt Schafe davonliefen. Die Tiere wurden jedoch nicht irgendwo im Gelände gefunden, sondern kniend an jener Stelle, an der später die Kirche errichtet wurde. Zusätzlich sei an jedem sogenannten "Jungsamstag", dem ersten Samstag nach dem Neumond, eine weiß gekleidete Frau zwischen den Dornen erschienen. Niemand habe sich ihr nähern können. Schließlich erkannten die Menschen in der Erscheinung die Gottesmutter und deuteten den Platz als von Maria selbst bezeichneten heiligen Ort.
Die Erzählung verbindet zwei sehr alte Typen religiöser Ortserwählung. Zunächst erkennen Tiere die Heiligkeit eines Platzes vor den Menschen, danach bestätigt eine übernatürliche Erscheinung diese Wahl. Auch der Name "Maria Dorn" wird dadurch volkstümlich erklärt. Historische Baugeschichte und Legende dürfen dabei nicht miteinander verwechselt werden: Die Erzählung datiert den Ursprung nicht verlässlich, dokumentiert aber, wie die Bevölkerung die besondere Heiligkeit des Ortes verstand und über Generationen weitergab.
Eine zweite Episode erklärt die Herkunft der verehrten Marienstatue. Fuhrleute des Besitzers Bostej, also Sebastian, hätten aus Italien Wein geholt. Unterwegs sei ein unbekannter Mann an sie herangetreten, habe eine Marienstatue auf den Wagen gelegt und ihnen aufgetragen, sie dort abzustellen, wohin die Pferde von selbst ziehen würden. Nach der Rückkehr nach Eisenkappel gingen die Tiere trotz ihrer Müdigkeit am Heimathaus vorbei, bogen zur neu errichteten Marienkirche ab und wollten sogar die steilen Stufen zum Heiligtum hinauf. Man verstand dies als Zeichen, dass sich die Gottesmutter selbst diesen Ort erwählt habe, und stellte die Statue feierlich auf den Altar.
Auch diese Erzählung folgt einem charakteristischen Wallfahrtsmotiv: Das Kultbild bestimmt seinen Aufenthaltsort selbst und widersetzt sich menschlicher Verfügung. Die Tiere erscheinen dabei erneut als Vermittler eines göttlichen Willens. Gerade die Verbindung beider Episoden macht die Maria-Dorn-Legende besonders geschlossen: Nicht nur der Kirchenplatz, sondern auch das Kultbild selbst wird durch eine übernatürliche Ortswahl legitimiert.
Das Zentrum der Wallfahrt ist die gotische Holzstatue der Muttergottes mit dem Jesuskind im Hochaltar. Die offizielle örtliche Beschreibung nennt sie ausdrücklich die "wundertätige Muttergottes". Damit ist das Kultobjekt von Maria Dorn eindeutig bestimmt. Die Figur gehört noch dem gotischen Bestand an und ist somit wesentlich älter als der heutige barocke Hochaltar von 1794. Ihre lange Verehrung lässt sich nicht nur aus der Überlieferung, sondern auch aus dem umfangreichen Votivwesen und aus historischen Andachtsbildern erschließen.
Besonders aufschlussreich ist die materielle Veränderung der Statue. Um die Bekleidung der Madonna besser anbringen zu können, wurden die linke Hand und ein Teil der rechten Hand verändert beziehungsweise weggeschnitten; das Jesuskind wurde mit einem Eisenhaken befestigt. Damit ist an der Figur selbst abzulesen, welche Bedeutung der textile Schmuck des Gnadenbildes besaß. Bekleidete Gnadenbilder waren keine starren Kunstwerke, sondern wurden im religiösen Jahreslauf sichtbar verändert, geschmückt und in unterschiedliche Festzusammenhänge gestellt.
Der Volksmund erklärt die Beschädigung der Statue allerdings ganz anders. Ein Pfleger von Sonnegg habe der Gottesmutter einen kostbaren goldenen Ring vom Finger genommen und seiner Frau geschenkt. Diese sei noch in derselben Nacht gestorben. In seinem Zorn habe der Pfleger daraufhin einen Schmied gezwungen, der Marienstatue die linke Hand abzuschlagen. Als der Schmied den Frevel ausführte, seien ihm beide Hände erstarrt, sodass er seinen Beruf nicht mehr ausüben und später nicht einmal erbetteltes Brot selbst in die Tasche stecken konnte.
Die Sage erzählt weiter, der Pfleger habe die Madonna aus dem Altar geworfen, ihr die Kleider heruntergerissen und die Votivtafeln entfernen lassen. Die örtliche Überlieferung verbindet diese Handlungen mit Befehlen Kaiser Josephs II. und damit mit realen Eingriffen in die Wallfahrtsfrömmigkeit am Ende des 18. Jahrhunderts. Die Geschichte darf deshalb nicht als Tatsachenbericht gelesen werden. Bemerkenswert ist vielmehr, wie sich Frevelsage und historische Erinnerung überlagern: Tatsächlich wurde die Bekleidung der Marienstatue 1787/88 zum Gegenstand eines heftigen Konfliktes. Nach lokaler Überlieferung wurde das Geschehen auch in einem slowenischen Volkslied bewahrt.
Für die historische Bedeutung der Wallfahrt ist das Votivwesen besonders aussagekräftig. Das Slowenische Ethnographische Museum in Laibach dokumentierte bei Feldforschungen 1958 und 1959 eine größere Zahl von Votivbildern aus Eisenkappel. Mehrere Stücke werden ausdrücklich der Filial- und Wallfahrtskirche Maria Dorn zugeordnet. In der Kirche wurden damals unter anderem Votivbilder mit den Jahreszahlen 1696, 1729, 1733, 1837 und 1890 fotografiert. Ein weiteres Ex voto von 1809 wird ebenfalls ausdrücklich als aus Maria Dorn stammend bezeichnet. Daneben befanden sich im Pfarrhof weitere Votivbilder des 18. und 19. Jahrhunderts.
Diese Dokumentation ist für die Wallfahrtsgeschichte außerordentlich wertvoll. Sie belegt keine bloß abstrakte Verehrung, sondern eine über lange Zeit geübte Praxis des Dankes und des Gelübdes. Menschen brachten Bilder als sichtbare Zeugnisse einer erbetenen oder erfahrenen Hilfe zum Gnadenort. Ein im kunsthistorischen Inventar genanntes Votivbild von 1723 ergänzt diesen Befund. Auch wenn viele der ursprünglichen Votive heute nicht mehr an ihrem früheren Platz hängen, lässt sich dadurch ein dichter Bestand vom späten 17. bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert nachweisen.
Die Verehrung blieb nicht auf den Kirchenraum beschränkt. Das Volkskundemuseum Wien besitzt die Fotografie eines historischen Andachtsbildes von Maria Dorn. Der Originaltitel bezeichnet die Darstellung ausdrücklich als "Das Wunderthätige Gnaden Bildt Maria Dorn in den Kayserlichen Marckt Kappel in undter Kärnthen". Solche kleinen Andachtsbilder machten das Kultbild außerhalb des Wallfahrtsortes bekannt, wurden von Pilgern mitgenommen und konnten in der privaten Hausfrömmigkeit weiterverwendet werden. Für Maria Dorn ist dieses Blatt deshalb ein besonders deutlicher Beleg dafür, dass die Statue als eigentlicher Gnadengegenstand verstanden und auch bildlich verbreitet wurde.
Eine ungewöhnlich gut dokumentierte Episode zeigt, welche Bedeutung Maria Dorn für die Bevölkerung besaß. Im Zuge der josephinischen Kirchenreformen sollten Wallfahrten, Prozessionen und andere als übertrieben oder abergläubisch betrachtete Frömmigkeitsformen eingeschränkt werden. 1787/88 richteten sich die Maßnahmen in Kappel unmittelbar gegen das Heiligtum: Die wundertätige Marienstatue sollte entkleidet und die Wallfahrtskirche schließlich geschlossen werden. Für die Bewohner war damit nicht nur ein Kunstgegenstand oder eine entbehrliche Nebenkirche betroffen, sondern eine konkrete religiöse Schutzinstanz, an die man Gebet, Prozession und Hoffnung auf himmlische Hilfe band.
Der Widerstand war entsprechend heftig. Die Bevölkerung bezweifelte teilweise sogar, dass solche Befehle wirklich dem Willen des Kaisers entsprechen könnten, und machte eher lokale und regionale Amtsträger verantwortlich. Besonders die Frauen traten als entschiedene Verteidigerinnen der bekleideten Marienstatue hervor. Die Gemeinde wollte geschlossen handeln und sich von den Behörden nicht auseinanderdividieren lassen; zugleich wurden Absprachen mit Nachbarorten wie Ebriach und St. Margarethen getroffen. Damit wurde die Auseinandersetzung um das Gnadenbild zu einem Ereignis, das religiöse Praxis, lokale Gemeinschaft und obrigkeitliche Politik unmittelbar miteinander verband.
Die Bewohner hielten an verbotenen Frömmigkeitspraktiken fest und setzten auch den Pfarrer unter Druck, daran teilzunehmen. Schließlich reiste Erzpriester Johann Adam Melchior gemeinsam mit einem weltlichen Beamten nach Kappel. Unter dem Druck der Situation stellte der Erzpriester eine schriftliche Zusicherung aus, dass "alles beym Alten bleibet". Der mitgereiste Beamte wurde bei der Auseinandersetzung heftig misshandelt; der Erzpriester musste sich später gegenüber den Behörden für eine Zusicherung verantworten, zu der er eigentlich nicht befugt gewesen war. In der Folge wurde die konsequente Durchsetzung der Maßnahmen aufgegeben; nach dem Tod Josephs II. 1790 wurden zahlreiche Vorgaben unter Leopold II. ohnehin weniger rigoros gehandhabt.
Für die Volkskunde ist dieser Vorgang außergewöhnlich aufschlussreich. Die Bekleidung der Statue war keineswegs dekorativer Zierrat, auf den man ohne weiteres verzichten konnte. Sie gehörte zur vertrauten religiösen Ordnung des Ortes. Gerade weil die Obrigkeit in dieses scheinbar kleine Detail eingriff, wurde sichtbar, wie eng das Gnadenbild mit persönlicher Frömmigkeit und örtlicher Identität verbunden war. Die später erzählte Sage vom Pfleger von Sonnegg, der die Madonna entkleidet und die Votivtafeln entfernen lässt, dürfte zumindest in Teilen Erinnerungen an diese reale Konflikterfahrung aufgenommen haben; eine unmittelbare Entstehung der Sage aus den Ereignissen lässt sich jedoch nicht beweisen.
Der heutige Hochaltar ist ein reich vergoldetes Barockwerk Michael Stiggers aus dem Jahr 1794. Vier hölzerne Säulen tragen den Aufbau; über dem Architrav thront die geschnitzte Heilige Dreifaltigkeit. Im Zentrum steht die gotische Gnadenstatue der Muttergottes mit dem Jesuskind. Neben ihr erscheinen ihre Eltern Joachim und Anna, zwischen den Säulen die hll. Barbara und Katharina. Der Altar verbindet damit das eigentliche Kultbild mit einer ausgeprägten marianischen Familien- und Heiligenikonographie.
Die beiden Seitenaltäre stammen im Kern aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Am rechten Seitenaltar befindet sich der hl. Josef; eine Visitation von 1720 ordnete an, eine dort zuvor aufgestellte Marienstatue durch Josef zu ersetzen. Zeitweise wurde auf diesem Altar auch eine Statue der Schmerzhaften Muttergottes entsprechend den jeweiligen Marienfesten zur Verehrung aufgestellt. Diese wechselnde Präsentation zeigt, wie beweglich barocke Frömmigkeit im Kirchenraum sein konnte. Der andere Seitenaltar ist dem Apostel Jakobus d. Ä. gewidmet und besitzt weitere Heiligenfiguren.
Der Altar der Annakapelle stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und zeigt Anna als Lehrerin Mariens. Zur weiteren Ausstattung gehört eine um 1410 entstandene sogenannte Schöne Madonna. Sie ist kunsthistorisch bedeutend, darf aber nicht ohne weiteren Beleg mit dem eigentlichen Gnadenbild gleichgesetzt werden: Die örtliche Überlieferung und die offizielle Beschreibung bezeichnen die gotische Madonna im Hochaltar als wundertätige Kultstatue. Daneben sind unter anderem ein großes Verkündigungsbild aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, ein Gemälde des hl. Johannes Nepomuk und eine Ecce-Homo-Figur überliefert.
Bei einzelnen Datierungen der jüngeren Ausstattung widersprechen sich die verfügbaren Angaben. So wird eine neugotische Monstranz in der örtlichen Beschreibung mit 1820 angegeben, während der Dehio-basierte kunsthistorische Befund sie 1806 datiert. Solche Unterschiede sollten bei einer künftigen Detailaufnahme vor Ort beziehungsweise anhand der einschlägigen Spezialliteratur überprüft werden.
Ein besonderer Schatz der Kirche ist die historische Orgel. Nach der diözesanen Orgelforschung entstand sie in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und gilt wahrscheinlich als älteste erhaltene Orgel Kärntens; sie gehört zugleich zu den ältesten spielbaren Orgeln Österreichs. Eine Inschrift über der Spieltafel berichtet, dass der ehemalige Marktrichter Sebastian Rueprecht die Orgel im Jahr 1652 bemalen ließ. Die Jahreszahl bezeichnet damit nicht zwingend das Baujahr des Instrumentes, sondern die Fassung beziehungsweise Bemalung des bereits bestehenden Werkes.
Als möglicher Erbauer wird nach neuerer Forschung der aus Nürnberg stammende Sebald Manderscheidt vermutet, der in den 1640er Jahren vom Domstift St. Andrä im Lavanttal aus tätig war. Bemerkenswert sind die farbige Gestaltung des Gehäuses und die ungewöhnlichen Registerzüge in Form metallener Schlüsselgriffe. 1977 wurde das Instrument durch die Tiroler Firma Pirchner umfassend restauriert. Die Orgel besitzt acht Register auf Manual und Pedal und ist damit nicht nur ein museales Ausstattungsstück, sondern ein klingendes Zeugnis der langen liturgischen Geschichte von Maria Dorn.
Maria Dorn ist auch in die Erinnerung an die Türkeneinfälle des 15. Jahrhunderts einbezogen. Gustav Gugitz behandelt die Eisenkappler Überlieferung in seiner Untersuchung über das Türkenmotiv in österreichischen Gnadenstätten und verbindet sie mit dem historisch bezeugten ersten großen Türkeneinfall in Kärnten in der Nacht vom 24. auf den 25. September 1472. Er betont ausdrücklich, dass es sich um eine sagenhafte Ausgestaltung des Widerstandes der Eisenkappler Bevölkerung handelt.
Nach dieser Fassung stauten die Bewohner das Wasser der Vellach, sodass es bis zur Kirche Maria Dorn reichte und den Angreifern den Weg versperrte. Der türkische Pascha habe daraufhin geschworen, die Eisenkappler in ihrem eigenen Blut zu ertränken und die Marienkirche in einen Stall zu verwandeln. Kaum sei dieser Fluch ausgesprochen gewesen, habe der Name Mariens in himmlischem Licht aufgeleuchtet; ein Blitz aus heiterem Himmel erschlug den Pascha und hinterließ sein Abbild auf einem Felsen, dem sogenannten "Türkenkopf". Zugleich brachen die aufgestauten Wasser der Vellach los und rissen die übrigen Angreifer fort.
Georg Gräber überliefert in seinen Kärntner Sagen ebenfalls die Rettung Eisenkappels durch das aufgestaute Wasser, allerdings in einer weniger stark auf Maria Dorn konzentrierten Fassung. Auf SAGEN.at ist diese Überlieferung unter dem Titel "Die Türken vor Eisenkappel" dokumentiert. Der Vergleich beider Fassungen zeigt anschaulich, wie historische Erinnerung und Wallfahrtslegende ineinandergreifen konnten: Ein realer Angriff und örtlicher Widerstand wurden in der späteren Überlieferung zunehmend unter den besonderen Schutz der Gottesmutter von Maria Dorn gestellt.
Zu den bekanntesten Bräuchen Bad Eisenkappels gehört das "Kirchleintragen", meist kurz "Ante Pante" genannt. Es wird am Abend des 1. Februar, dem Vorabend von Mariä Lichtmess, gepflegt. Kinder und Erwachsene tragen kleine aus Holz, Pappe und Papier gefertigte Kirchen, die im Inneren mit Kerzen beleuchtet sind. Die heutige Prozession führt durch den Markt über die Pfarrkirche zur Vellach. An der Brücke werden die Kirchlein von ihren Tragstöcken genommen und dem Wasser übergeben, auf dem sie leuchtend flussabwärts treiben.
Während des Zuges wird fortwährend der Spruch "Ante pante populore, Kocla vrate cvilijore" gerufen. Der erste Teil ist aus dem lateinischen "ante faciem omnium populorum" entstanden, einer Wendung aus dem Lobgesang des Simeon, die zur Lichtmessliturgie gehört. Für den zweiten, slowenisch geprägten Teil existiert eine scherzhafte örtliche Erklärung: Beim Haus Kocelj habe ein Tor gequietscht, worauf ein zusätzlicher Vers entstanden sei, sinngemäß "beim Kocelj quietschen die Tore". Schon die Sprachform des Rufes zeigt die lange deutsch-slowenische Kulturüberlagerung des Eisenkappler Raumes.
Die Überlieferung führt den Brauch auf eine schwere Überschwemmung zurück. Während der Markt von den Wassermassen bedroht gewesen sei, habe die höher gelegene Kirche Maria Dorn Schutz geboten. Eine beleuchtete Miniaturkirche sei dem reißenden Wasser als Gelübdegabe überlassen worden; nachdem das Hochwasser zurückging, habe man versprochen, diesen Vorgang jährlich zu wiederholen. Moderne Darstellungen setzen das Ereignis teilweise sehr weit ins Mittelalter zurück, doch eine sichere historische Datierung des ersten Kirchleintragens ist damit nicht gegeben. Für die volkskundliche Einordnung ist vor allem die Struktur des Brauches entscheidend: Ein Gelübde nach überstandener Naturgefahr wird durch eine jährlich wiederholte Prozession und eine sichtbare Votivgabe erneuert.
Maria Dorn spielt in dieser Erzählung nicht bloß als landschaftlicher Orientierungspunkt eine Rolle. Die Wallfahrtskirche erscheint als rettender Zufluchtsort über den Fluten. Damit verbindet das Kirchleintragen Marienverehrung, Lichtmess, Schutz vor Wassergefahr, zweisprachige lokale Tradition und gemeinschaftliches Gelübde zu einem bis heute lebendigen Brauch.
Der wichtigste Wallfahrtstag ist weiterhin Mariä Himmelfahrt am 15. August, der in Eisenkappel als "Großer Frauentag" begangen wird. Wallfahrer aus der Umgebung kommen nach Maria Dorn, um im Gottesdienst zu danken und um Hilfe zu bitten. Der kirchliche Festtag ist zugleich in den Eisenkappler Kirchtag eingebunden. Dadurch bleibt die alte Verbindung von Wallfahrt, Marienfest und örtlicher Festkultur lebendig, ohne dass sich religiöse Feier und weltlicher Kirchtag vollständig voneinander lösen.
Auch der 26. Juli, der Gedenktag der hll. Anna und Joachim, wird in Maria Dorn als Wallfahrtstag begangen. Die besondere Stellung dieses Festes passt zur Ausstattung des Heiligtums: Joachim und Anna flankieren das Gnadenbild am Hochaltar, und die eigene Annakapelle bewahrt den Kult der Mutter Mariens in einem weiteren Raum. Darüber hinaus ist Maria Dorn in die Prozessionspraxis der Pfarre eingebunden. Palmweihe und Palmprozession, Bittgänge und einzelne Gottesdienste führen regelmäßig zur oder von der Wallfahrtskirche.
Damit ist Maria Dorn keineswegs nur ein kunsthistorisch bedeutendes Relikt früherer Volksfrömmigkeit. Der Gnadenort wird weiterhin liturgisch genutzt und an besonderen Tagen als Ziel gemeinsamer Gebete und Wallfahrten aufgesucht. Gerade die Verbindung von lebendiger Marienverehrung mit den außergewöhnlich gut dokumentierten älteren Votiv- und Brauchtraditionen macht Eisenkappel zu einem der volkskundlich besonders ergiebigen Wallfahrtsorte Kärntens.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Eisenkappel, Filial- und Wallfahrtskirche Maria Dorn. Wien 2001, S. 34-35.
- Deuer, Wilhelm: Jauntaler Kulturwanderungen. Ein kunstgeschichtlicher Begleiter durch den Bezirk Völkermarkt. Klagenfurt 2001, S. 58.
- Katholische Kirche Kärnten: Marienkirchen in Kärnten. Klagenfurt 2011, Abschnitt Eisenkappel - Filial- und Wallfahrtskirche Maria Dorn, S. 39.
- Katholische Kirche Kärnten: Kirchenorgeln in Kärnten, Slowenien und Friaul. Klagenfurt 2018, Abschnitt Bad Eisenkappel - Maria Dorn, S. 15.
- Marktgemeinde Eisenkappel-Vellach: Wallfahrtskirche Maria Dorn; örtliche Kirchenbeschreibung und Überlieferungen zur Entstehungslegende, Gnadenstatue, Frevelsage und Ausstattung.
- Slovenski etnografski muzej / Slowenisches Ethnographisches Museum, Ljubljana: Digitale Sammlung Železna Kapla/Eisenkappel. Fotodokumentation von Boris Orel 1958/59 mit historischen Votivbildern aus Maria Dorn, darunter Stücke von 1696, 1729, 1733, 1837 und 1890.
- Volkskundemuseum Wien, Online Sammlung Plus: Fotografie eines Andachtsbildes aus Eisenkappel mit dem Originaltitel "Das Wunderthätige Gnaden Bildt Maria Dorn in den Kayserlichen Marckt Kappel in undter Kärnthen".
- Kristöfl, Siegfried: Katholischer Pöbel und plattes Land. Zur Durchführung josephinischer Reformen in der Diözese Gurk 1780-1790. Diplomarbeit, Universität Salzburg 1989, besonders S. 146-157 zu den Unruhen wegen der Entkleidung der Marienstatue und der geplanten Schließung von Maria Dorn 1787/88.
- Sonderforschungsbereich 923 "Bedrohte Ordnungen", Universität Tübingen: Fallstudie "Kirchenreformen in den Alpen - Die entkleidete Maria in Kappel", mit archivalischen Belegen zum Widerstand von 1788.
- Gugitz, Gustav: Das Türkenmotiv in den Gnadenstätten der Ostmark. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich 28, 1943, S. 363-405, zu Maria Dorn besonders S. 375-376.
- Gräber, Georg: Sagen und Märchen aus Kärnten. Graz 1935, S. 308. Zur Eisenkappler Türkenüberlieferung; eine verwandte Fassung ist auf SAGEN.at unter "Die Türken vor Eisenkappel" dokumentiert.
- Katholische Kirche Kärnten und Marktgemeinde Eisenkappel-Vellach: Veröffentlichungen zum Lichtmessbrauch "Kirchleintragen / Ante Pante" sowie zu Wallfahrtstagen und Prozessionen in Maria Dorn.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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