Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde

Schnellüberblick
Wallfahrt: Marienwallfahrtsort aus der Erscheinungsüberlieferung von 1849; seit 1999/2000 zugleich Autobahnkirche und Besinnungsort für Reisende.
Status: Lebendiger Wallfahrtsort und Autobahnkirche; weiterhin Gottesdienste und marianische Feiern.
Kultzentrum: Gnadenbild am Hochaltar: 1906 von Peter Markovič geschaffene Darstellung der Marienerscheinung von 1849.
Ort: Dolina, Gemeinde Grafenstein.
Bezirk: Klagenfurt-Land.
Bundesland: Kärnten.
Lage und Besuch
Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde, Dolina, Gemeinde Grafenstein, Kärnten.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten
Ansicht in Street View
Pfarre: Pfarre Poggersdorf/Pokrče
Öffnungszeiten: Die Kirche ist in der Regel jeden Tag von den Morgenstunden bis zum Einbruch der Dunkelheit für Reisende, Pilger und Besucher geöffnet.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Außenansicht Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde.
Das Foto zeigt sehr schön das Nebeneinander der älteren Kirche und der modernen Umgestaltung von 1999/2000 mit ihren streng geometrischen Betonflächen und den schmalen Lichtöffnungen.

Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde.
Historische Kreuzwegstationen mit slowenischen Inschriften im modern gestalteten Kirchenschiff.
Hier erkennt man einen ganzen Block der späteren Stationen der Kreuzwegtafeln. Das sind die gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Kreuzwegbilder mit slowenischen Beschriftungen. Sie wurden bei der Neugestaltung bewusst aus der älteren Kirche übernommen.

Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde

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Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde.
Blick durch das Kirchenschiff zur Empore und zum Eingang.
Das Foto erklärt die moderne Architektur: die warme rote Raumfassung von Johanes Zechner, die unregelmäßig über Wand und Dach verteilten vertikalen und horizontalen Lichtschlitze und die neue Tragkonstruktion. Genau diese Lichtöffnungen sollten dem Innenraum seine besondere meditative Wirkung geben.

Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde

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Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde.
Eines der beiden Rundfenster von Giselbert Hoke im Altarraum; darunter historische Kreuzwegstationen mit slowenischen Inschriften.
Hoke schuf 2000 die beiden großen Rundfenster. Eine kirchliche Beschreibung deutet ihre farbigen, floralen Formen als Lob der Schöpfung.

Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde

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Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde.
Modernes Glasfenster mit dem Satz "Der Wind der Ewigkeit wird stärker" in mehreren Sprachen.
Der Satz stammt von dem Dichter Biagio Marin und wurde in der modernen Fenstergestaltung mehrsprachig wiedergegeben. Auf dem Foto sind unter anderem Italienisch, Deutsch, Slowenisch, Englisch, Polnisch, Französisch, Friaulisch und Spanisch zu erkennen. Die Mehrsprachigkeit ist hier ausdrücklich Teil des künstlerischen Konzeptes der Autobahnkirche.

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Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde.
Glasdarstellung eines betenden Engels.

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Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde.
Innenraum der Wallfahrts- und Autobahnkirche mit Blick zum Hochaltar. Rechts die spätgotische Madonna mit Kind um 1420.
Rechts vom Hochaltar steht in der Wandöffnung jene erhaltene Madonna mit Kind um 1420, von der Dehio und die kirchlichen Quellen sprechen. Sie wurde später überfasst beziehungsweise überschnitzt und 1993 restauriert. Links gegenüber sieht man ein Kruzifix. Der Blick zeigt gleichzeitig sehr schön, wie der ältere helle Altarraum in das rote moderne Kirchenschiff hineingestellt erscheint.

Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde

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Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde.
Hochaltar mit dem Gnadenbild von Maria Dolina: Darstellung der Marienerscheinung von 1849, gemalt 1906 von Peter Markovič aus Rosegg.
Das nazarenische Gemälde zeigt eine sitzende Madonna mit dem Jesuskind, dahinter beziehungsweise oberhalb eine Engelsgestalt und im Hintergrund bzw. Vordergrund die Kinder der Erscheinungsüberlieferung. Es wurde 1906 von Peter Markovič aus Rosegg gemalt und erinnert ausdrücklich an die Marienerscheinung von 1849. Unterhalb befindet sich der goldgefasste Tabernakel vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

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Dolina bei Grafenstein – Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde.
Vorplatz der Autobahnkirche mit moderner Betonmöblierung. Vorplatz mit Bänken, Wegen und niedrigen Betonmauern.

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Ausführliche Beschreibung

Die Wallfahrts- und Autobahnkirche Maria im Walde liegt in Dolina südöstlich von Klagenfurt, politisch im Gemeindegebiet von Grafenstein und kirchlich in der zweisprachigen Pfarre Poggersdorf/Pokrče. Der abgelegene Ort am Rand des Klagenfurter Feldes gehört zu den ungewöhnlichsten Wallfahrtsstätten Kärntens, weil sich hier eine im 19. Jahrhundert entstandene Marienwallfahrt mit einer modernen religiösen Funktion für Reisende und Verkehrsteilnehmer verbunden hat. Die heutige Kirche ist daher zugleich Erinnerungsort einer historischen Erscheinungswallfahrt, regionaler Marienwallfahrtsort, liturgische Filialkirche und eine der frühen Autobahnkirchen Österreichs.

Die besondere Entwicklung von Dolina lässt sich nur verstehen, wenn man diese unterschiedlichen Zeitschichten voneinander trennt. Am Anfang steht die Überlieferung einer Marienerscheinung im Juni 1849, darauf folgte eine rasch wachsende Wallfahrt, die besonders von der slowenischsprachigen Bevölkerung des südlichen Kärnten getragen wurde. Der 19. Jahrhundertbau erfuhr schwere Zerstörungen und Wiederaufbauten, ehe die Kirche 1999/2000 grundlegend neu gestaltet und ausdrücklich für Reisende geöffnet wurde. Gerade diese kontinuierliche Umdeutung macht Dolina volkskundlich besonders bemerkenswert.

Die Erscheinungsüberlieferung von 1849

Der Ursprung der Wallfahrt wird auf Ereignisse im Juni 1849 zurückgeführt. Nach der örtlichen Überlieferung berichteten slowenischsprachige Kinder beziehungsweise Hirtenmädchen, im Wald von Dolina an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen eine ungewöhnliche weibliche Gestalt gesehen zu haben, die als Erscheinung der Gottesmutter gedeutet wurde. Die heute verbreiteten Fassungen stimmen im Kern überein, unterscheiden sich jedoch in einzelnen Details, etwa in der Zahl der beteiligten Kinder. Während manche Darstellungen von drei Mädchen sprechen, formuliert die Diözese vorsichtiger von "einigen slowenischen Mädchen". Für die historische Einordnung ist deshalb nicht die exakte Zahl der Kinder entscheidend, sondern die Tatsache, dass sich die Nachricht von einer Marienerscheinung bereits 1849 verbreitete und eine religiöse Bewegung auslöste.

Eine ausführlichere slowenische Überlieferung nennt als Erscheinungstage den 17., 18. und 19. Juni 1849. Die Kinder sollen beim Hüten des Viehs über Maria gesprochen, Marienlieder gesungen und schließlich eine weiß gekleidete Frau auf oder bei einem Baumstumpf wahrgenommen haben. Nachdem sich die Erscheinung wiederholt habe, verbreitete sich die Nachricht in den umliegenden Dörfern. Bereits wenige Tage später sollen Männer aus Poggersdorf kirchliche Stellen um die Erlaubnis zur Errichtung eines Heiligtums ersucht haben. Diese Einzelheiten gehören zur überlieferten Erscheinungsgeschichte und sind quellenkritisch als solche zu kennzeichnen.

Kirchliche Untersuchung

Die Berichte über die Erscheinung wurden von der Kirche nicht einfach ungeprüft übernommen. Auf Anordnung des damaligen Lavanter Bischofs Anton Martin Slomšek wurde der Vorgang untersucht; die Untersuchung führte der Propst von Tainach durch. Zugleich begann die Bevölkerung bereits, Geld für den Bau eines Heiligtums zu sammeln.

Die Tatsache einer kirchlichen Untersuchung darf nicht mit einer formellen Anerkennung der Erscheinung als übernatürliches Ereignis gleichgesetzt werden. In den derzeit greifbaren Quellen findet sich kein belastbarer Nachweis einer solchen kirchenamtlichen Anerkennung. Für die Wallfahrtsgeschichte entscheidend ist vielmehr, dass die Erscheinungsberichte ernst genug genommen wurden, um untersucht zu werden, und dass sich gleichzeitig im Volk eine anhaltende Verehrung entwickelte.

Dolina ist damit ein gutes Beispiel dafür, dass Wallfahrten nicht zwingend auf offiziell anerkannte Erscheinungen angewiesen sind. Für ihre Entstehung waren häufig die Überzeugung der lokalen Bevölkerung, weitergegebene Erzählungen, persönliche Frömmigkeit und der regelmäßige Besuch des Ortes ebenso bedeutsam wie eine kirchenrechtliche Bewertung.

Frühe Verbreitung der Erscheinung durch Andachtsgraphik

Besonders wichtig für die historische Einordnung ist ein erhaltener Andachts- beziehungsweise Gebetszettel aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Blatt trägt den Titel "Wahre Abbildung der 2ten Erscheinung der Mutter Gottes … Geschehen im Juni 1849 zu Bokerstorf Pfarre St. Jakob in Kärnten" und zeigt, dass die Ereignisse von Dolina bereits relativ früh bildlich verbreitet wurden.

Solche Andachtsblätter waren ein wichtiges Medium religiöser Kommunikation. Sie konnten Erscheinungsberichte, Gebete und Bilder weit über den eigentlichen Wallfahrtsort hinaus verbreiten und halfen mit, einer zunächst lokalen Überlieferung eine feste bildliche Gestalt zu geben. Für die Volkskunde ist dieses Blatt deshalb von besonderem Wert: Es beweist nicht die Übernatürlichkeit der Erscheinung, wohl aber, dass die Geschichte bereits im 19. Jahrhundert Teil konkreter religiöser Praxis und Verbreitung war.

Entstehung der Wallfahrt

Nach Bekanntwerden der Erscheinungsberichte setzte offenbar rasch ein verstärkter Besuch des Ortes ein. In den späteren Überlieferungen werden auch Gebetserhörungen und Genesungen mit Dolina in Verbindung gebracht. Ob darüber hinaus systematisch geführte Mirakelbücher, Votivtafeln oder umfangreichere schriftliche Sammlungen von Heilungsberichten erhalten sind, lässt sich aus den derzeit greifbaren Quellen nicht sicher feststellen.

Die Wallfahrt entwickelte sich besonders im slowenischsprachigen Teil des südlichen Kärnten. Dolina lag in einem Gebiet, in dem religiöse, sprachliche und kulturelle Identität eng miteinander verwoben waren. Die Kirche gehört bis heute zur zweisprachigen Pfarre Poggersdorf/Pokrče. Auch ältere Ausstattungsstücke spiegeln diese Prägung wider: Die Kreuzwegbilder aus dem späten 19. Jahrhundert tragen slowenische Inschriften.

Dolina war damit nicht bloß ein örtlicher Marienkult, sondern ein regionaler religiöser Bezugspunkt für die slowenischsprachige Bevölkerung des Klagenfurter Feldes und seiner Umgebung.

Wallfahrt und slowenische Kulturlandschaft

Die besondere Bedeutung Dolinas innerhalb der slowenischen Kulturlandschaft Südkärntens ist historisch bemerkenswert. In der Nähe fand 1871 eine große slowenische Tabor-Versammlung statt, an der mehrere tausend Menschen teilnahmen. Eine direkte organisatorische Verbindung dieser politischen beziehungsweise kulturellen Versammlung mit der Wallfahrt darf nicht ohne Beleg angenommen werden; dennoch zeigt die räumliche Nähe, wie eng Religion, Sprache, Gemeinschaft und kulturelle Selbstorganisation in dieser Region nebeneinander bestanden.

Wallfahrtsorte waren in zweisprachigen Gebieten häufig mehr als rein religiöse Ziele. Sie boten Räume gemeinsamer Erinnerung und Begegnung und bewahrten sprachliche Traditionen auch innerhalb der Liturgie, der Gebete, der Lieder und der Bildbeschriftungen. Diese Dimension gehört in Dolina wesentlich zur Geschichte des Ortes.

Die erste Kapelle

Nach der Überlieferung entstand zunächst eine einfache hölzerne Kapelle am Erscheinungsort. Die Diözese gibt diese frühe Bauphase ausdrücklich als überliefert wieder. Ein dauerhafter Kirchenbau wurde jedoch erst einige Jahre später verwirklicht.

Der Übergang von einer kleinen provisorischen Kapelle zu einem größeren Kirchenbau entspricht einem bei jungen Wallfahrtsorten häufigen Muster. Zunächst wird der Ort durch einfache Zeichen oder kleine Kapellen markiert; wenn der Besuch anhält und die religiöse Bewegung dauerhaft wird, folgt ein größerer Bau.

Kirchenbau von 1861 bis 1863

Die heutige bauliche Geschichte beginnt mit dem historistischen Kirchenbau der Jahre 1861 bis 1863. Als Architekt beziehungsweise Planverfasser wird Anton Bierbaum genannt; die Ausführung wird Anton Faleschini zugeschrieben. Die Kirche besaß ein erhöhtes Presbyterium mit spitzem Chorschluss und historistischen Gestaltungselementen. 1863 wurde der Bau durch den Gurker Bischof Valentin Wiery geweiht.

Damit erhielt die noch junge Wallfahrt innerhalb weniger Jahre ein dauerhaftes und repräsentatives Heiligtum. Der Kirchenbau war Ausdruck dafür, dass die Erscheinungsüberlieferung und die daraus erwachsene Wallfahrt nicht auf eine kurzfristige lokale Begeisterung beschränkt geblieben waren.

Turmbau und Einsturz

In den 1880er Jahren wurde die Kirche um einen Turm erweitert. Die Denkmaldokumentation nennt 1882 als Baujahr; andere kirchliche Darstellungen sprechen davon, dass 1887 mit dem Turmbau begonnen worden sei. Sicher ist, dass der Turm 1889 einstürzte und dabei das Kirchenschiff schwer beschädigte beziehungsweise zerstörte.

Für die Geschichte des Wallfahrtsortes bedeutete dies einen erheblichen Einschnitt. Der erst wenige Jahrzehnte alte Kirchenbau wurde weitgehend unbrauchbar. Im Wesentlichen blieb der Chor- beziehungsweise Presbyteriumsbereich erhalten.

Die widersprüchlichen Datierungen zum Turmbau sollten nicht künstlich harmonisiert werden. Für eine sichere Darstellung genügt die Feststellung, dass der in den 1880er Jahren errichtete Turm 1889 einstürzte und dabei wesentliche Teile der Kirche zerstörte.

Wiederaufbau im 20. Jahrhundert

Ein umfassender Wiederaufbau erfolgte erst in den 1950er Jahren. Nach Plänen von Wilhelm Klebel erhielt die Kirche wieder ein Langhaus. 1957 wurde der erneuerte Bau geweiht.

Die heutige Kirche ist daher kein einheitlicher Bau des 19. Jahrhunderts, sondern enthält mehrere historische Schichten: Teile des ursprünglichen historistischen Heiligtums, den Wiederaufbau des 20. Jahrhunderts und schließlich die tiefgreifende Neugestaltung um 2000. Gerade diese Baugeschichte spiegelt auf ungewöhnliche Weise die Wandlungsfähigkeit des Wallfahrtsortes wider.

Das Erscheinungsbild von 1906

Im Bereich des Hochaltares befindet sich ein Bild, das für die Erinnerung an die Erscheinung von zentraler Bedeutung ist. Es wurde 1906 von Peter Markovič aus Rosegg geschaffen und stellt die Marienerscheinung mit Maria, dem Jesuskind und den Kindern beziehungsweise Mädchen der Überlieferung dar.

Dieses Gemälde entstand mehr als ein halbes Jahrhundert nach den Ereignissen von 1849. Es ist daher kein unmittelbares Bildzeugnis der Erscheinung, sondern eine spätere künstlerische Fixierung der Gründungserzählung. Volkskundlich ist gerade diese zeitliche Distanz bedeutsam: Eine zunächst mündlich weitergegebene und in Andachtsgraphik verbreitete Überlieferung erhielt im Kirchenraum eine dauerhaft sichtbare Form.

Das Gemälde wurde damit zu einem Erinnerungsbild der Wallfahrt. Es macht den Ursprung der Verehrung für spätere Generationen anschaulich und stellt die Verbindung zwischen Kirche und Erscheinungsüberlieferung her.

Die spätgotische Madonna

Zur Ausstattung gehört außerdem eine spätgotische Madonna mit Kind, die um 1420 datiert wird und damit mehrere Jahrhunderte älter ist als die Wallfahrt von Dolina. Die Figur wurde später verändert beziehungsweise überfasst und 1993 restauriert.

Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dieser gotischen Madonna und den Erscheinungsberichten von 1849 ist bislang nicht nachgewiesen. Sie darf daher nicht ohne weitere Quellen als ursprüngliches Gnadenbild der Wallfahrt bezeichnet werden. Für die Entstehung der Wallfahrt ist vielmehr die Erscheinungsüberlieferung maßgeblich; das Bild von 1906 visualisiert diese Geschichte ausdrücklich.

Gerade diese Trennung ist wichtig, weil alte Marienfiguren in späteren Wallfahrtskirchen leicht rückwirkend mit einer jüngeren Kultentstehung verbunden werden, ohne dass historische Belege dafür vorhanden sind.

Kreuzweg mit slowenischen Inschriften

Aus dem späten 19. Jahrhundert sind Kreuzwegbilder mit slowenischen Beschriftungen erhalten. Sie gehören zu den besonders anschaulichen Zeugnissen der sprachlichen Geschichte Dolinas.

Die slowenische Sprache erscheint damit nicht nur in schriftlichen Quellen zur Wallfahrt, sondern unmittelbar im Kirchenraum. Für die Volkskunde ist dies wesentlich, weil religiöse Gegenstände häufig deutlich länger als administrative oder politische Dokumente erkennen lassen, welche Sprache tatsächlich im Gebet und im religiösen Alltag einer Bevölkerung verwendet wurde.

Wallfahrtstage

Als traditioneller Hauptwallfahrtstag wird in wallfahrtskundlichen Zusammenstellungen der Samstag nach Fronleichnam genannt. Die besondere Bedeutung dieses Termins innerhalb der älteren Wallfahrt sollte quellenkritisch auf Grundlage älterer Literatur weiter untersucht werden; in den aktuellen Pfarrinformationen steht er nicht immer im Vordergrund.

Dass Maria im Walde auch heute liturgisch genutzt und als Marienheiligtum wahrgenommen wird, ist jedoch eindeutig. Gottesdienste finden weiterhin statt; auch marianische Feiern wie Mariä Himmelfahrt mit Kräutersegnung werden in Dolina begangen.

Vom Wallfahrtsort zur Autobahnkirche

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts erhielt Maria im Walde eine völlig neue zusätzliche Funktion. Die Kirche war erneut sanierungsbedürftig geworden. Der langjährige Poggersdorfer Pfarrer und Dechant Leopold Silan verband die notwendige Renovierung mit der Idee, das nahe der Südautobahn A2 gelegene Heiligtum ausdrücklich auch für Reisende zugänglich zu machen.

Damit entstand keine völlig neue Kirche, sondern ein alter Wallfahrtsort wurde funktional erweitert. Die Idee der Autobahnkirche knüpft in überraschender Weise an das Wesen der Wallfahrt selbst an: Auch der moderne Reisende ist unterwegs, hält inne und sucht für kurze Zeit einen Ort der Ruhe, Besinnung oder des Gebets.

1999 und 2000 wurde die Kirche durch die Architekten Ferdinand Čertov und Robert M. Morianz grundlegend neu gestaltet. Die historische Bausubstanz blieb in wesentlichen Teilen erhalten und wurde mit moderner Architektur verbunden.

Moderne Architektur

Besonders auffällig ist die neue Westseite der Kirche. Eine etwa zwölf mal zwölf Meter große dunkel beziehungsweise schwarz eingefärbte Betonwand bildet einen kraftvollen, fast abstrakten Abschluss. Schmale horizontale und vertikale Öffnungen lassen Licht in den Innenraum eindringen und erzeugen eine bewusste Spannung zwischen Dunkelheit und Helligkeit.

Die Innenraumgestaltung stammt von Johanes Zechner, der mit warmen Rottönen arbeitete. Zwei große Rundfenster im Altarbereich wurden von Giselbert Hoke geschaffen.

Die Neugestaltung versucht nicht, den älteren historistischen Bau nachzuahmen. Alt und Neu bleiben sichtbar voneinander unterschieden. Gerade dadurch wird die wechselvolle Geschichte des Wallfahrtsortes architektonisch ablesbar.

Für den Umbau erhielt das Projekt im Jahr 2000 den Baupreis des Landes Kärnten.

Bewahrung der älteren Wallfahrtstradition

Die Umgestaltung zur Autobahnkirche bedeutete keineswegs, dass die ältere Wallfahrtsgeschichte verdrängt wurde. Wichtige historische Objekte wie die gotische Madonna, die älteren Kreuzwegbilder und das Erscheinungsbild von 1906 blieben Teil des Kirchenraumes.

Gerade darin liegt die besondere Aussagekraft Dolinas. Die moderne Architektur stellt sich nicht an die Stelle der alten Wallfahrt, sondern bildet eine weitere historische Schicht. Die Kirche erzählt gleichzeitig von einer Marienerscheinungsüberlieferung des 19. Jahrhunderts und von den religiösen Bedürfnissen einer hochmobilen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Mehrsprachigkeit im modernen Kirchenraum

Auch die moderne Gestaltung berücksichtigt die sprachliche Geschichte des Ortes. Slowenische Texte beziehungsweise Elemente wurden bewusst in die künstlerische Konzeption einbezogen. Die historische Zweisprachigkeit der Pfarre bleibt damit auch innerhalb der erneuerten Kirche sichtbar.

Dies ist kulturgeschichtlich bedeutsam. Ein moderner Umbau hätte die ältere sprachliche Prägung leicht überdecken können; stattdessen wurde sie als Bestandteil der Identität des Wallfahrtsortes verstanden.

Gedenkstätte für Verkehrstote

Südlich der Kirche entstand im Zusammenhang mit der Neugestaltung eine eigene Gedenkstätte für Menschen, die im Straßenverkehr ums Leben gekommen sind. Der schmale, aus rostigem Stahl gestaltete Gang vermittelt zunächst Enge und Bedrängnis. Am Ende öffnet sich der Raum zum Licht; dort besteht die Möglichkeit, Kerzen zu entzünden.

Die Gestaltung nimmt unmittelbar Bezug auf Erfahrungen, die mit Verkehrsunfällen verbunden sind: plötzlicher Tod, Trauer, Angst und Verlust. Der Übergang aus einem dunklen, engen Raum ins Licht ist zugleich religiös deutbar als Hoffnung über den Tod hinaus.

Damit hat Dolina neben der traditionellen marianischen Wallfahrt eine weitere Form des Gedenkens aufgenommen, die unmittelbar aus der modernen Lebenswelt hervorgegangen ist.

Allerseelen-Gedächtnis für Verkehrstote

An der Autobahnkirche entwickelte sich eine regelmäßige Gedenkfeier für Opfer des Straßenverkehrs. Zu Allerseelen wird ihrer im Gottesdienst gedacht; anschließend führt eine Lichterprozession von der Kirche zur Gedenkstätte. An diesen Feiern beteiligen sich neben kirchlichen Gruppen auch Vertreter von Hilfs- und Autofahrerorganisationen. Die Diözese bezeichnet die Veranstaltung inzwischen als traditionelle Feier.

Volkskundlich ist diese Entwicklung besonders interessant, weil sie zeigt, wie an einem alten Wallfahrtsort neue Rituale entstehen können. Das Votiv- und Bittwesen früherer Jahrhunderte bezog sich häufig auf Krankheit, Unfallgefahr oder sichere Heimkehr. Die moderne Gedenkfeier für Verkehrstote greift ein vergleichbares menschliches Bedürfnis auf, allerdings unter völlig veränderten gesellschaftlichen Bedingungen.

Kirche der Reisenden

Als Autobahnkirche richtet sich Dolina ausdrücklich an Menschen unterwegs. Reisende können die Fahrt unterbrechen, Ruhe suchen, eine Kerze entzünden oder beten. Die Autobahnkirche ist damit keine gewöhnliche Autobahnkapelle ohne historischen Hintergrund, sondern eine moderne Fortsetzung eines bereits bestehenden Ortes des Unterwegsseins.

Gerade diese Verbindung besitzt eine gewisse innere Logik. Auch die traditionelle Wallfahrt bedeutete Aufbruch, Weg, Ankunft und Rückkehr. Der Unterschied liegt weniger im Unterwegssein selbst als in der Art der Mobilität. Der historische Pilger kam zu Fuß, möglicherweise in einer Prozession und mit einem klar umrissenen religiösen Ziel; der moderne Besucher kommt mit Auto oder Reisebus und hält vielleicht nur wenige Minuten inne. Beide betreten jedoch denselben historischen Wallfahrtsort.

Eine der frühen Autobahnkirchen Österreichs

In kirchlichen Veröffentlichungen wird Dolina teilweise als erste Autobahnkirche Österreichs bezeichnet, an anderer Stelle etwas zurückhaltender als eine der ersten beziehungsweise ältesten Autobahnkirchen des Landes. Da die Formulierungen selbst innerhalb offizieller Darstellungen schwanken, empfiehlt sich eine vorsichtige Bezeichnung.

Seit der Neugestaltung 1999/2000 zählt Maria im Walde jedenfalls zu den frühen Autobahnkirchen Österreichs und besitzt aufgrund ihrer älteren Wallfahrtsgeschichte eine Sonderstellung unter ihnen.

Kultwandel und Kontinuität

Dolina ist ein besonders anschauliches Beispiel für Kultwandel. Im Jahr 1849 stand die Nachricht von einer Marienerscheinung im Mittelpunkt. Menschen kamen, um Maria anzurufen und möglicherweise Heilung oder Hilfe zu erbitten. Später wurde die Erscheinung durch Andachtsbilder und ein Altarbild dauerhaft vergegenwärtigt. Im 20. Jahrhundert überstand der Ort Zerstörung, Wiederaufbau und einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel.

Mit der Autobahnkirche trat um 2000 ein neues Motiv hinzu: Schutz und Besinnung unterwegs, Erinnerung an Verkehrstote und die Möglichkeit, die moderne Reise für einen Augenblick zu unterbrechen.

Diese Entwicklung bedeutet keinen vollständigen Bruch mit der Vergangenheit. Die ältere Wallfahrtsgeschichte bleibt im Kirchenraum präsent, Gottesdienste und Marienverehrung bestehen fort und die Diözese bezeichnet Dolina weiterhin ausdrücklich als Wallfahrts- und Autobahnkirche.

Das Gnadenbild

Als Gnadenbild der Wallfahrt gilt das 1906 von Peter Markovič aus Rosegg geschaffene Altarbild. Es zeigt die Gottesmutter mit dem Jesuskind sowie die Kinder der Erscheinungsüberlieferung und hält damit das Gründungsereignis der Wallfahrt von 1849 bildlich fest. Die ebenfalls in der Kirche erhaltene spätgotische Madonna mit Kind aus der Zeit um 1420 ist wesentlich älter, steht jedoch nach der derzeitigen Quellenlage nicht am Ursprung der Dolina-Wallfahrt.

Volkskundliche Bedeutung

Maria im Walde gehört zu den kulturgeschichtlich besonders vielschichtigen Wallfahrtsorten Kärntens. Die Entstehung im Jahr 1849 fällt in eine Epoche, in der Erscheinungsberichte und neue Marienwallfahrten europaweit eine große Bedeutung gewannen. Gleichzeitig besitzt Dolina durch seine slowenischsprachige Prägung einen ausgeprägten regionalen Charakter.

Die Andachtsgraphik des 19. Jahrhunderts zeigt die frühe Verbreitung der Erscheinungsgeschichte. Das Gemälde von Peter Markovič aus dem Jahr 1906 überträgt diese Überlieferung dauerhaft in den Kirchenraum. Die slowenischen Kreuzweginschriften dokumentieren die Sprache der Wallfahrer. Die gotische Madonna wiederum erinnert an eine wesentlich ältere religiöse Kunsttradition, ohne deshalb mit dem Ursprung der Wallfahrt gleichgesetzt werden zu dürfen.

Mit der Umgestaltung zur Autobahnkirche entstand schließlich eine neue Form religiöser Nutzung. Die Kirche wurde vom Ziel einer überwiegend regionalen Fußwallfahrt zusätzlich zum Rast- und Besinnungsort einer mobilen Gesellschaft. Gleichzeitig entwickelte sich mit der Gedenkstätte und der Lichterprozession für Verkehrstote ein neuer Erinnerungsbrauch.

Dolina zeigt damit in ungewöhnlicher Deutlichkeit, dass Wallfahrtsorte keine statischen Denkmäler sind. Ihre Bedeutung kann sich verändern, neue Anliegen können hinzukommen, und selbst moderne Mobilität kann in eine jahrhundertealte religiöse Vorstellung des Unterwegsseins eingebunden werden.

Gerade diese Verbindung macht Maria im Walde zu einem bemerkenswerten Zeugnis lebendiger Volksfrömmigkeit: Ein Ort, der 1849 aufgrund einer Marienerscheinungsüberlieferung entstand, dient heute zugleich der Erinnerung an diese Wallfahrt, dem Gottesdienst einer zweisprachigen Pfarre, Reisenden auf der Autobahn und dem Gedenken an Menschen, deren Weg im Straßenverkehr tödlich endete.

Literatur und Quellen

- Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Kärnten. Wien 2001, S. 83.

- Stefan Singer: Kultur- und Kirchengeschichte des Dekanates Tainach. Klagenfurt/Celovec 1995, besonders S. 176.

- P. Odilo Hajnšek: Marijine božje poti. Celovec/Klagenfurt 1971.

- Gustav Gugitz: Kärntner Wallfahrten im Volksglauben und Brauchtum. Klagenfurt 1951.

- Katholische Kirche Kärnten: Geschichte und Gegenwart der Wallfahrts- und Autobahnkirche Dolina – Maria im Walde; Beiträge zur Marienerscheinungsüberlieferung, zur Neugestaltung der Kirche und zum Allerseelen-Gedächtnis für Verkehrstote.

- Kulturpool: historischer Andachtszettel zur Marienerscheinung von Dolina aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

- Architekturzentrum Wien / nextroom: Dokumentation der Neugestaltung der Autobahnkirche Dolina durch Ferdinand Čertov und Robert M. Morianz.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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