Bleiburg/Pliberk, Schilterndorf – Filial- und Wallfahrtskirche Heiligengrab/Humec

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Wallfahrt: Bedeutender Passionswallfahrtsort auf dem Humec mit Stationsweg, Freitagswallfahrten und dem Jauntaler Dreibergelauf am Dreinagelfreitag.
Status: Lebendige Wallfahrt.
Kultzentrum: Heiliges Grab unter dem Hochaltar und Kreuzigungsgruppe; der Stationsweg auf den Humec gehört wesentlich zum Wallfahrtsgeschehen.
Ort: Heiligengrab/Humec bei Schilterndorf/Čirkovče, Stadtgemeinde Bleiburg/Pliberk.
Bezirk: Völkermarkt.
Bundesland: Kärnten.
Lage und Besuch
Filial- und Wallfahrtskirche Heiligengrab/Humec, bei Schilterndorf/Čirkovče, 9150 Bleiburg/Pliberk,
Kärnten.
Die Kirche liegt auf dem Humec nördlich von Bleiburg und ist über den Stationsweg beziehungsweise über eine Zufahrt erreichbar.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Kärnten
Ansicht in Street View (Luftbild)
Pfarre: Pfarre / Fara Bleiburg/Pliberk
Öffnungszeiten: keine täglichen, festen Öffnungszeiten für Touristen. Die Kirche ist in der Regel verschlossen und öffnet primär zu den festgelegten Gottesdiensten sowie an traditionellen Wallfahrtstagen.
Besondere Wallfahrtstage:
Dreinagelfreitag (der 2. Freitag nach Ostern – der wichtigste Wallfahrtstag der Kirche mit der Dreibergewallfahrt), Ostermontag und Pfingstmontag ist die Kirche traditionell für Pilger geöffnet, und es werden Festmessen gefeiert.
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Ausführliche Beschreibung

Nördlich von Bleiburg/Pliberk erhebt sich bei Schilterndorf/Čirkovče ein markanter Hügel über dem Jauntal, auf dessen Höhe die weithin sichtbare Wallfahrtskirche Heiligengrab/Humec steht. Der etwa 70 Meter über der Ebene gelegene Kirchenberg bildet mit dem hinaufführenden Stationsweg ein geschlossenes Wallfahrtsensemble. Kirchlich gehört Heiligengrab als Filialkirche zur Pfarre Bleiburg/Pliberk. Die zweisprachige Bezeichnung Heiligengrab/Humec verweist zugleich auf die deutsch-slowenische Kulturlandschaft des südöstlichen Kärnten, innerhalb derer sich die Wallfahrt seit Jahrhunderten entwickelte.

Heiligengrab gehört zu den bedeutenden Passionswallfahrtsorten Kärntens. Die Verehrung konzentriert sich nicht auf ein Mariengnadenbild oder eine Heilquelle, sondern auf das Leiden und Sterben Christi, das Heilige Grab und die Erinnerung an Kreuzigung und Auferstehung. Gerade dadurch unterscheidet sich der Ort deutlich von vielen anderen Kärntner Wallfahrtsstätten. Seine religiöse Bedeutung wird durch den Kalvarienberg, das Heilige Grab unter dem Hochaltar, die Stationskapellen und die bis heute lebendigen Freitagswallfahrten bestimmt.

Eine ältere Kapelle auf dem Humec

Der heutige monumentale Kirchenbau entstand erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, doch war der Hügel bereits wesentlich früher ein religiöser Ort. Johann Weichard von Valvasor erwähnt 1688 eine kleine Kapelle auf dem Berg bei Bleiburg. Über Entstehung, genaue Gestalt und ursprüngliche Funktion dieser älteren Kapelle liegen nur wenige Nachrichten vor. Es wäre daher zu weitgehend, bereits für diese erste Erwähnung alle späteren Wallfahrtsformen vorauszusetzen.

Sicher ist jedoch, dass sich auf dem Humec spätestens in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine ausgeprägte Wallfahrt entwickelt hatte. Ein besonders wertvolles Zeugnis dafür ist ein großes Votivbild aus dem Jahr 1744, das einen Wallfahrtszug zur damaligen Kirche darstellt. Damit gehört Heiligengrab zu jenen Wallfahrtsorten, bei denen sich die Frömmigkeit nicht nur aus späteren schriftlichen Nachrichten erschließen lässt, sondern bereits durch ein zeitgenössisches Bildzeugnis dokumentiert ist.

Der Stadtbrand von Bleiburg und das Gelübde zum Kirchenbau

Für die Entstehung der heutigen Wallfahrtskirche war der große Stadtbrand von Bleiburg im Jahr 1739 von entscheidender Bedeutung. Die Stadt wurde damals weitgehend verwüstet. In dieser Notlage gelobten die Einwohner von Bleiburg nach kirchlicher und örtlicher Überlieferung, auf dem Humec eine größere Kirche zu errichten.

In einzelnen jüngeren Darstellungen findet sich für dieses Gelübde irrtümlich das Jahr 1711. Die historische Zeittafel der Stadt Bleiburg sowie die örtliche kirchliche Überlieferung nennen jedoch eindeutig den verheerenden Stadtbrand von 1739. Auch das Votivbild von 1744 fügt sich zeitlich schlüssig in diesen Zusammenhang ein: Nur wenige Jahre nach der Katastrophe hält es Wallfahrt und Gelübde bildlich fest.

Das Gelübde steht in einer langen europäischen Tradition religiöser Bewältigung von Katastrophen. Stadtbrände, Seuchen, Kriegsgefahr und Naturereignisse wurden nicht nur als materielle Bedrohung erlebt, sondern auch religiös gedeutet. Gelübde versprachen im Fall göttlicher Hilfe eine dauerhafte Gegenleistung, etwa den Bau einer Kapelle, die Stiftung eines Altars, eine jährliche Prozession oder eine regelmäßig wiederkehrende Wallfahrt. In Heiligengrab verband sich eine bereits bestehende Kultstätte auf diese Weise mit einer kollektiven Erinnerung der Stadt Bleiburg.

Bau der heutigen Wallfahrtskirche

Mit dem Neubau wurde 1761 begonnen. Nach elfjähriger Bauzeit konnte die Kirche 1772 geweiht werden. Bleiburg gehörte damals kirchlich noch zum Bistum Laibach, weshalb die Weihe durch den zuständigen Laibacher Bischof erfolgte.

Der mächtige barocke Bau unterscheidet sich deutlich von der Mehrzahl der kleineren ländlichen Wallfahrtskirchen Kärntens. Der kreuzförmige Grundriss, die weithin sichtbare Zweiturmfassade und die großzügige Raumwirkung verleihen dem Gotteshaus einen ausgesprochen repräsentativen Charakter. Über der Vierung erhebt sich eine Hängekuppel mit Laterne, deren Lichtführung wesentlich zum hellen und festlichen Eindruck des Innenraumes beiträgt.

Die Einheitlichkeit der barocken Architektur lässt erkennen, dass hier nicht lediglich eine ältere Kirche erweitert, sondern ein neues, dem gewachsenen Wallfahrtsbetrieb entsprechendes Heiligtum geschaffen wurde. Die erhöhte Lage über dem Jauntal verstärkt dabei die Wirkung des Baues: Der Pilger sieht das Ziel bereits aus größerer Entfernung, während der Aufstieg über die Stationen zugleich Bestandteil des religiösen Weges wird.

Hochaltar und Heiliges Grab

Der Hochaltar wurde 1765 geschaffen und bildet das theologische Zentrum des Kirchenraumes. Eine überlebensgroße Kreuzigungsgruppe mit Christus am Kreuz, Maria und dem Evangelisten Johannes beherrscht den Aufbau. Darüber erscheinen Gottvater und der Heilige Geist, sodass das Passionsgeschehen zugleich in den Zusammenhang der Dreifaltigkeit gestellt wird.

Unter der Altarmensa befindet sich das eigentliche Heilige Grab, das durch ein barockes Gitter abgeschlossen wird. Diese räumliche Verbindung von Kreuzigungsgruppe und Grab bestimmt wesentlich den Charakter der Wallfahrtskirche. Der Besucher steht nicht lediglich vor einer bildlichen Darstellung der Passion, sondern vor einer bewusst räumlich inszenierten Abfolge von Kreuz und Grab. Damit wird das Heilsgeschehen gewissermaßen innerhalb der Altararchitektur nachvollziehbar.

Der Tabernakel wird vom Symbol des Pelikans bekrönt. Nach einer seit der Antike verbreiteten und im Christentum übernommenen Vorstellung nährt der Pelikan seine Jungen mit seinem eigenen Blut. In der christlichen Kunst wurde er deshalb zum Sinnbild des sich opfernden Christus und insbesondere der Eucharistie. Auch dieses Detail fügt sich konsequent in das Gesamtprogramm des Hochaltares ein.

Die bäuerlichen Heiligen der Seitenaltäre

Die beiden Seitenaltäre entstanden um 1770. Am linken Altar steht die hl. Notburga im Mittelpunkt, begleitet von den Heiligen Helena und Maria Magdalena. Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Isidor gewidmet; ihm sind Antonius und Wendelin beigegeben.

Gerade die Verehrung von Notburga, Isidor und Wendelin besitzt für die volkskundliche Einordnung besondere Bedeutung. Notburga von Rattenberg galt vor allem im Alpenraum als Patronin der Dienstboten und bäuerlichen Arbeit. Isidor von Madrid wurde als Bauernheiliger angerufen, Wendelin als Schutzpatron der Hirten, des Viehs und der Landwirtschaft. Neben der zentralen Passionsfrömmigkeit fanden damit jene Sorgen Eingang in den Kirchenraum, die den Alltag der ländlichen Bevölkerung bestimmten.

Heiligengrab war daher keineswegs ausschließlich ein Ort kontemplativer Erinnerung an Leiden und Tod Christi. Wie viele Wallfahrtsstätten verband auch diese Kirche das große heilsgeschichtliche Thema mit den unmittelbaren Anliegen des täglichen Lebens.

Kuppelmalerei und spätere Ausgestaltung

Die Kuppelmalereien entstanden 1765. Als Maler wird in einer Kartusche Johann Franz Kleinneger beziehungsweise Kleinberger genannt. Die Ausmalung gehört damit noch unmittelbar in die Entstehungszeit der barocken Kirche.

Chor und Langhaus erhielten ihre heutige malerische Ausgestaltung dagegen erst 1914 durch Oswald Biertl. Dieser spätere Zyklus wurde stilistisch so auf den barocken Innenraum abgestimmt, dass die unterschiedlichen Entstehungszeiten bei oberflächlicher Betrachtung kaum auffallen. Der heute geschlossen wirkende Kirchenraum ist daher tatsächlich das Ergebnis mehrerer Ausstattungsphasen.

Der Stationsweg auf den Humec

Zum Heiligtum führt ein Weg mit 15 gemauerten Stationskapellen. Ihre Zahl erinnert zunächst an die traditionelle ältere Form der Rosenkranzbetrachtung mit fünfzehn Geheimnissen. Aufgrund des Passionscharakters des Wallfahrtsortes werden die Kapellen häufig als Kreuzwegstationen bezeichnet; ihre heutige bildliche Ausstattung zeigt jedoch nicht die üblichen vierzehn Kreuzwegstationen, sondern die fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes.

Die heutigen Fresken stammen von Josef Stefan und wurden 1970 geschaffen, später erneuert. Diese Verbindung von Kalvarienberg und Rosenkranzweg ist innerhalb Kärntens ungewöhnlich. Der Pilger steigt zu einem ausgesprochenen Passionsheiligtum empor, begleitet wird sein Weg jedoch von einer Bildfolge, die das gesamte Heilsgeschehen von der Verkündigung über Passion und Auferstehung bis zur Verherrlichung Mariens umfasst.

Der Rosenkranz wird damit gleichsam in Landschaft und Bewegung übersetzt. Die einzelnen Geheimnisse werden nicht nur gesprochen, sondern durch das Weitergehen von Station zu Station körperlich nachvollzogen. Der Aufstieg selbst wird Teil des Gebetes.

Die fünfzehnte Station

Besonders bemerkenswert ist die letzte Station des Weges, ein monumentaler barocker Bildstock. In seinen Seitennischen befinden sich zwei ungewöhnliche Figuren aus dem 18. Jahrhundert, die in der Literatur als Orientalenfiguren bezeichnet werden. Eine trägt ein Tuch, das mit der Bestattung Christi in Verbindung gebracht wird, die andere ein Gefäß mit Öl zur Salbung beziehungsweise Einbalsamierung.

Damit führt der Stationsweg unmittelbar an die Heilig-Grab-Thematik der Kirche heran. Die letzte Station bereitet bildlich auf jenes Geschehen vor, das im Inneren unter dem Hochaltar räumlich dargestellt ist: Grablegung und Grab Christi.

Das Votivbild von 1744

Zu den volkskundlich wertvollsten Ausstattungsstücken gehört das bereits erwähnte Votivbild aus dem Jahr 1744. Es ist nicht allein als fromme Stiftung von Bedeutung, sondern zugleich als historische Quelle für die Wallfahrt.

Das Bild zeigt einen Wallfahrtszug zur damaligen Kirche auf dem Humec und dokumentiert damit eine Form kollektiver Frömmigkeit, die bereits vor dem Bau des heutigen Gotteshauses bestand. Votivbilder entstanden gewöhnlich als Dank für erfahrene Hilfe oder zur Erinnerung an ein Gelübde. Sie verbinden persönliches oder gemeinschaftliches Schicksal mit dem verehrten Heiligtum und zählen deshalb zu den wichtigsten materiellen Zeugnissen historischer Wallfahrtskultur.

Im Falle von Heiligengrab erhält das Bild durch seine zeitliche Nähe zum Stadtbrand von 1739 zusätzliche Bedeutung. Es erinnert an eine Phase, in der das Gelübde zum Neubau bereits bestand, die heutige Kirche aber noch nicht errichtet war.

Der Freitag als besonderer Wallfahrtstag

Der Freitag besitzt in Heiligengrab wegen seiner Erinnerung an den Tod Christi eine besondere Bedeutung. Vor allem während der Fastenzeit führen Freitagswallfahrten auf den Humec. Darüber hinaus wurden und werden zwischen Christi Himmelfahrt und dem Fest des hl. Michael an Freitagen Gottesdienste gefeiert, bei denen insbesondere um Segen für die Felder und um Gesundheit gebetet wird.

Auch hier zeigt sich eine charakteristische Verbindung verschiedener religiöser Ebenen. Die liturgische Erinnerung an den Karfreitag und das Leiden Christi verbindet sich mit konkreten Bitten um Gesundheit, Ernte und wirtschaftliches Wohlergehen. Diese Verbindung war für bäuerliche Wallfahrtskultur keineswegs widersprüchlich: Das Heilsgeschehen bot gerade den religiösen Rahmen, innerhalb dessen die existenziellen Anliegen des Alltags vorgebracht wurden.

Zu den weiteren traditionellen Wallfahrtstagen gehören Ostermontag und Pfingstmontag.

Der Dreinagelfreitag

Der wichtigste Wallfahrtstag in Heiligengrab ist der sogenannte Dreinagelfreitag, der zweite Freitag nach Ostern. Sein Name erinnert an die drei Nägel, mit denen Christus nach christlicher Überlieferung ans Kreuz geschlagen wurde.

Die Verehrung der drei Kreuznägel gehört zu einem älteren Bereich der Passionsfrömmigkeit, in dem einzelne Gegenstände der Kreuzigung – Kreuz, Dornenkrone, Nägel, Lanze oder Grabtuch – besondere Aufmerksamkeit erhielten. In Heiligengrab verbindet sich diese Frömmigkeit mit einer großräumigen Fußwallfahrt durch das Jauntal.

Der Jauntaler Dreibergelauf

Am Dreinagelfreitag erreicht der Jauntaler Dreibergelauf sein Ziel in Heiligengrab. Die ungefähr 27 Kilometer lange Wallfahrt beginnt bereits um Mitternacht am Lisnaberg und führt anschließend über weitere religiöse Stationen, darunter St. Luzia und Heiligenstadt, bevor die Pilger am Vormittag den Humec erreichen.

Der nächtliche Aufbruch gehört wesentlich zur Erfahrung dieser Wallfahrt. Gehen, Dunkelheit, zunehmendes Tageslicht, gemeinsames Gebet und das wiederholte Aufsuchen von Kirchen gliedern den Weg. Die Landschaft des Jauntales wird dadurch für einige Stunden zu einem religiösen Handlungsraum, dessen einzelne Berge und Kirchen durch die Bewegung der Pilger miteinander verbunden werden.

Solche Bergwallfahrten gehören zu den besonders charakteristischen Formen der Kärntner Volksfrömmigkeit. Am bekanntesten ist der Vierbergelauf in Mittelkärnten; daneben haben sich jedoch mehrere regionale Formen erhalten, zu denen auch der Jauntaler Dreibergelauf zählt.

Ankunft und Kirchenumgang

Besonders wertvoll ist die Überlieferung konkreter Handlungen bei der Ankunft in Heiligengrab. Die Dreibergler werden vom Bleiburger Pfarrer mit Weihwasser empfangen. Anschließend umschreiten sie zunächst die Kirche, bevor sie das Gotteshaus betreten und am abschließenden Gottesdienst teilnehmen.

Der Kirchenumgang gehört zu einer alten Form religiöser Bewegung, die bei Wallfahrten vielfach begegnet. Das Heiligtum wird nicht unmittelbar betreten, sondern zunächst umrundet und damit gewissermaßen rituell in Besitz genommen beziehungsweise verehrt. Der menschliche Körper vollzieht durch das Gehen eine Handlung, die über das gesprochene Gebet hinausgeht.

Ältere Darstellungen beschreiben darüber hinaus das gemeinsame Hinaufziehen über die Stationskapellen. Bei den fünfzehn Stationen wurden die drei traditionellen Teile des Rosenkranzes gebetet. Der Aufstieg zum Heiligtum war damit nicht bloß der notwendige Weg zur Kirche, sondern selbst bereits ein wesentlicher Bestandteil der Wallfahrt.

Wallfahrt und Kultwandel

Der Jauntaler Dreibergelauf wird bis heute durchgeführt, doch hat sich seine Wahrnehmung teilweise verändert. Die Pfarre selbst weist darauf hin, dass die Pilger früher stärker als geschlossene Gebetsgemeinschaft unterwegs waren, mit einem vorangetragenen Kruzifix und gemeinsam gesprochenen Gebeten. Heute nehmen teilweise auch Menschen teil, die den Weg stärker unter sportlichen oder landschaftlichen Gesichtspunkten erleben.

Dieser Wandel ist für die volkskundliche Betrachtung besonders aufschlussreich. Wallfahrten sind keine unveränderlichen Relikte vergangener Jahrhunderte. Ihre Wege können bestehen bleiben, während sich Motive, Formen und persönliche Deutungen verändern. Religiöse Wallfahrt, Gemeinschaftserlebnis, Wandern und sportliche Herausforderung können sich überlagern.

Der Kultwandel bedeutet deshalb nicht notwendig das Ende einer Tradition. Vielmehr zeigt gerade die fortgesetzte Teilnahme, dass ein historischer Wallfahrtsweg unterschiedliche Bedeutungen aufnehmen kann. Für die kirchliche Tradition bleibt der Dreinagelfreitag jedoch ausdrücklich ein religiöser Wallfahrtstag, verbunden mit Gottesdiensten, Gebet, Beichtgelegenheit und der Erinnerung an die Passion Christi.

Deutsch-slowenische Wallfahrtskultur

Heiligengrab/Humec gehört zu den Wallfahrtsorten, an denen die sprachliche und kulturelle Vielfalt Südkärntens besonders sichtbar wird. Die Wallfahrt wurde und wird sowohl von deutsch- als auch von slowenischsprachigen Gläubigen besucht. Am Dreinagelfreitag werden Gottesdienste in deutscher und slowenischer Sprache sowie zweisprachig gefeiert; zu den Pilgern gehören auch Teilnehmer aus dem benachbarten Slowenien.

Die Zweisprachigkeit ist dabei nicht lediglich eine moderne organisatorische Besonderheit, sondern Ausdruck eines historisch zusammenhängenden religiösen Kulturraumes. Kirchliche Wege, Wallfahrten und Heiligenverehrung überschritten Sprachgrenzen lange bevor heutige Staatsgrenzen entstanden. Gerade im Jauntal und in der Umgebung Bleiburgs waren religiöse Bräuche über Jahrhunderte Teil einer gemeinsam geprägten Landschaft.

Die Bezeichnungen Heiligengrab und Humec beziehungsweise das slowenische Božji grob gehören deshalb gleichermaßen zur Geschichte des Wallfahrtsortes.

Heiligengrab als Passionslandschaft

Die besondere volkskundliche Bedeutung von Heiligengrab liegt nicht allein in einem einzelnen Gnadenbild oder Kultgegenstand, sondern im Zusammenwirken der gesamten Anlage. Der Pilger nähert sich der Kirche über einen ansteigenden Weg mit fünfzehn Stationen, betet den Rosenkranz, erreicht einen Berg, der selbst als Kalvarienberg verstanden wird, umschreitet das Heiligtum und tritt schließlich in einen Kirchenraum ein, dessen Hochaltar Kreuzigung und Grab Christi unmittelbar miteinander verbindet.

Der gesamte Berg wird damit zu einer religiös gedeuteten Landschaft. Der Weg bildet das menschliche Unterwegssein ab, die Stationen gliedern Gebet und Betrachtung, der Aufstieg verlangt körperliche Anstrengung und das Heilige Grab bildet schließlich den Zielpunkt.

Diese räumliche Inszenierung entspricht einem wesentlichen Prinzip barocker Wallfahrtsfrömmigkeit: Glaubensinhalte sollten nicht nur gehört und betrachtet, sondern möglichst mit allen Sinnen und durch körperliche Bewegung erfahren werden.

Lebendige Wallfahrt

Heiligengrab ist kein erloschener historischer Wallfahrtsort. Die traditionellen Wallfahrtstage, insbesondere der Dreinagelfreitag, werden weiterhin begangen. Pilger kommen aus dem Jauntal, aus anderen Teilen Kärntens und aus Slowenien; Gottesdienste werden deutsch, slowenisch und zweisprachig gefeiert.

Auch der Stationsweg und der Kirchenumgang sind weiterhin Bestandteil der Wahrnehmung des Ortes. Damit gehört Heiligengrab zu jenen Kärntner Wallfahrtsstätten, an denen eine jahrhundertealte Tradition zwar Veränderungen erfahren hat, ihre religiöse Funktion jedoch bis heute bewahrt.

Volkskundliche Bedeutung

Heiligengrab/Humec besitzt für die Volkskunde außergewöhnlich reiches Material. Bereits die ältere Kapelle des 17. Jahrhunderts verweist auf eine lange Sakraltradition. Der Stadtbrand von 1739 und das darauf bezogene Gelübde zeigen kollektive religiöse Krisenbewältigung; das Votivbild von 1744 dokumentiert einen tatsächlichen historischen Wallfahrtszug. Der barocke Neubau macht sichtbar, welche Bedeutung die Wallfahrt im 18. Jahrhundert gewonnen hatte.

Hinzu kommen der Stationsweg, das Heilige Grab unter dem Hochaltar, die Verehrung bäuerlicher Heiliger, die besondere Bedeutung des Freitags, der Dreinagelfreitag und der Jauntaler Dreibergelauf. Mit dem Empfang durch Weihwasser und dem Umgang um die Kirche sind zudem konkrete rituelle Handlungen überliefert, die weit über eine allgemein gehaltene Aussage vom "Besuch durch Pilger" hinausgehen.

Besonders bemerkenswert ist schließlich die Kontinuität der Wallfahrt in einem deutsch-slowenischen Kulturraum. Heiligengrab ist damit zugleich Passionsheiligtum, Gelöbniskirche, Ziel einer regionalen Bergwallfahrt und lebendiger Ort grenzüberschreitender Volksfrömmigkeit.

Literatur und Quellen

- Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Kärnten. Wien 2001, S. 865–866.

- Wilhelm Deuer: Jauntaler Kulturwanderungen. Ein kunstgeschichtlicher Begleiter durch den Bezirk Völkermarkt. Klagenfurt 2001, S. 83.

- Breda Vilhar / Milan Piko: Die sakralen Denkmäler des Dekanats Bleiburg / Cerkvena likovna dediščina v dekaniji Pliberg. Klagenfurt/Celovec 2006, S. 35–38.

- Barbara Neubauer-Kienzl / Wilhelm Deuer / Eduard Mahlknecht: Barock in Kärnten. Klagenfurt 2000, S. 88 und 214.

- Katholische Kirche Kärnten, Pfarre Bleiburg/Pliberk: Beschreibung und Geschichte der Filial- und Wallfahrtskirche Heiligengrab/Humec sowie Berichte zum Dreinagelfreitag und zum Jauntaler Dreibergelauf.

- Stadtgemeinde Bleiburg/Pliberk: Historische Zeittafel zur Stadtgeschichte, insbesondere zum großen Stadtbrand des Jahres 1739.

- Dokumentation der Kärntner Kleindenkmäler: Stationsweg beziehungsweise Rosenkranzstationen bei Heiligengrab/Humec.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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