| Wallfahrt: | Historische Marienwallfahrt seit dem Mittelalter mit Erscheinungs- und Heilungsüberlieferung, Gnadenbild, Quelle der Tre Busi, zahlreichen Prozessionen und lebendiger Festtradition, besonders am 8. September. |
| Status: | Lebendiger historischer Marienwallfahrtsort; 1916 offiziell zum Santuario erhoben. |
| Kultzentrum: | Gnadenstatue der Madonna del Covolo am Hochaltar; daneben der mit der Erscheinungsüberlieferung verbundene Felsbereich und die Quelle der Tre Busi. |
| Ort: | Crespano del Grappa, heute Ortsteil von Pieve del Grappa. |
| Region: | Provinz Treviso, Region Venetien (Veneto). |
| Land: | Venetien (Veneto), Italien. |
| • | Santuario della Beata Vergine del Covolo, oberhalb von Crespano del Grappa am Fuß des Monte Grappa. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Italien |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Der Wallfahrtsraum umfasst nicht nur die Kirche, sondern auch den historischen Pilgerweg, die Tre-Busi-Quelle, Rosenkranzkapellen und weitere Andachtsstationen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders gesucht sind Gesamtansichten des Heiligtums und der Berglandschaft, die Canova-Fassade und Rotunde, das Gnadenbild, der ältere Felsbereich, die Quelle der Tre Busi, der historische Pilgerweg, Rosenkranzkapellen, Via Crucis, Campanile sowie Prozessionen und Festfeiern am 8. September.
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Das Santuario della Beata Vergine del Covolo liegt oberhalb von Crespano del Grappa am südlichen Rand des Monte-Grappa-Massivs und gehört zu jenen Wallfahrtsorten, bei denen der Kult nicht allein auf ein Kirchengebäude konzentriert ist. Fels, Höhle, Quelle, Weg, Kirche, Gnadenbild, Rosenkranzkapellen und spätere Andachtsstationen bilden gemeinsam eine über Jahrhunderte gewachsene sakrale Landschaft.
Der Name "Covolo" verweist auf eine Höhle beziehungsweise Felsnische. Schon darin bleibt die Erinnerung an jene naturräumliche Situation erhalten, aus der die Gründungslegende des Heiligtums hervorgegangen ist.
Nach der lokalen Tradition reicht der Ursprung des Kultes in das 12. Jahrhundert zurück. Eine taubstumme Hirtin aus Crespano soll während eines schweren Gewitters mit ihren Tieren Schutz in einer Felsnische am Monte Frontale gesucht haben. Dort sei ihr Maria erschienen und habe sie aufgefordert, den Einwohnern von Crespano mitzuteilen, an diesem Ort eine Kapelle zu errichten.
Das Wunder besteht in der Erzählung nicht nur in der Erscheinung selbst. Die Hirtin erhält zugleich Gehör und Sprache und kann dadurch erstmals die Botschaft weitergeben. Die Heilung ist somit funktionaler Bestandteil der Legende: Erst sie macht die Seherin zur Botin.
Die Gründungserzählung verbindet mehrere klassische Motive alpiner und voralpiner Marienkulte: eine abgelegene Landschaft, ein Unwetter, eine einfache Hirtengestalt, eine natürliche Höhle, eine körperliche Heilung und den Auftrag zum Bau eines Heiligtums. Solche Motive sind religionsgeschichtlich typisch für Orte, an denen natürliche Landschaftsformen nachträglich in eine christliche Heilsgeschichte eingebunden werden.
Spätere lokale Überlieferungen bringen die Hirtin mit der Familie Vaccaro in Verbindung. Auffällig ist, dass derselbe Familienname auch in der späteren Geschichte der Bruderschaft begegnet. Eine historisch gesicherte genealogische Verbindung bis ins 12. Jahrhundert lässt sich daraus nicht ableiten; als Bestandteil des lokalen Gedächtnisses ist die Kontinuität des Namens jedoch aufschlussreich.
Die historische Dokumentation setzt deutlich später ein als die Erscheinungslegende. Im Jahr 1321 wird Santa Maria del Covolo in den Quellen genannt, 1338 ist eine Kirche belegt. Damit ist der Marienkult spätestens im frühen 14. Jahrhundert historisch greifbar.
Diese zeitliche Staffelung ist für die Einordnung wesentlich: Das 12. Jahrhundert gehört zur Überlieferung, das 14. Jahrhundert zur schriftlich belegten Kultgeschichte.
Die älteste Kultstätte war eng mit dem Fels verbunden. Von dieser ursprünglichen Anlage ist heute nichts unverändert erhalten. Wiederholte Felsabbrüche, Erweiterungen und Umbauten veränderten die natürliche Höhle und die frühe Kirche tiefgreifend.
Der heutige Pilger besucht deshalb keinen unveränderten Erscheinungsort, sondern eine über viele Jahrhunderte umgestaltete Kultlandschaft, deren Name die Erinnerung an die ursprüngliche Felsform bewahrt.
Unterhalb beziehungsweise im Umfeld des Heiligtums liegt die Quelle der sogenannten Tre Busi. Sie gehört zu den wichtigsten volkskundlichen Elementen des Covolo-Kultes. Nach der christlichen Überlieferung sei beim Bau der ersten Kapelle Wasser benötigt worden; Maria habe daraufhin Wasser aus dem Fels hervortreten lassen.
Eine besonders anschauliche Variante erzählt, die Madonna habe drei Finger in den Fels gedrückt und dadurch jene drei Öffnungen geschaffen, aus denen das Wasser hervorkomme. Die natürliche Form der Quelle wird damit als sichtbare Spur einer Berührung durch Maria gedeutet.
Die Tre-Busi-Quelle wird in der regionalen Überlieferung als heilbringend beziehungsweise gesundheitsfördernd beschrieben. Konkrete historische Krankheitsindikationen oder systematische Mirakelregister zum Wasser sind bislang nicht ausreichend nachgewiesen. Es wäre daher nicht gerechtfertigt, bestimmte Heilwirkungen zu behaupten.
Sicher ist jedoch, dass die Quelle innerhalb der Wallfahrtskultur als besonders segensreicher Ort verstanden wurde und bis heute Teil der religiösen Praxis geblieben ist.
Aktuelle kirchliche Programme nennen weiterhin Gottesdienste bei der Grotte beziehungsweise bei den Tre Busi. Damit ist die Quelle nicht zu einem bloß historischen oder touristischen Nebenschauplatz geworden.
Die lebendige Wallfahrt umfasst bis heute mehrere Stationen: den Aufstieg, das Heiligtum selbst, den mit der Erscheinung verbundenen Landschaftsraum und die Quelle.
Die Verbindung von Höhle, Quelle und Heilfunktion hat in der Forschung zu der Vermutung geführt, dass der christliche Marienkult möglicherweise ältere sakrale Vorstellungen überlagert haben könnte. Zum Vergleich wurden vorchristliche und protovenetische Quellheiligtümer des Alpenraumes herangezogen.
Eine unmittelbare archäologische oder schriftliche Kontinuität vom vorchristlichen Kult zur Madonna del Covolo ist jedoch bislang nicht nachgewiesen. Solche Deutungen sollten daher als Forschungsansatz, nicht als gesicherte Geschichte behandelt werden.
In der Volkskunde des venetischen Voralpenraumes treten weibliche Natur- und Wasserwesen auf, die als Guane bezeichnet werden und mit Quellen, Höhlen und abgelegenen Landschaftsräumen verbunden sein können. Eine gesicherte historische Guanenüberlieferung unmittelbar am Covolo ist jedoch nicht nachgewiesen.
Eine direkte Ableitung des Marienkultes aus solchen Vorstellungen wäre deshalb spekulativ.
Für die Entwicklung des Heiligtums war die Bruderschaft der Madonna del Covolo von zentraler Bedeutung. Lokale Untersuchungen bringen ihre Ursprünge mit der bereits bestehenden Confraternita dei Battuti von Crespano in Verbindung und setzen ihre Entstehung um 1300 oder noch früher an.
Spätestens im späten Mittelalter ist eine organisierte Bruderschaft fassbar, die Kult, Prozessionen, finanzielle Verwaltung und die Betreuung des Heiligtums übernahm.
Die Leiter der Bruderschaft wurden als Gastaldi bezeichnet. Sie verwalteten Einnahmen und Ausgaben, organisierten religiöse Verpflichtungen und sorgten dafür, dass ein eigener Geistlicher im Heiligtum zur Verfügung stand.
Damit wurde der Kult früh aus einer rein spontanen Volksfrömmigkeit in eine dauerhafte institutionelle Form überführt.
Eine lokalhistorische Quelle berichtet, es habe eine Zeit gegeben, in der praktisch alle Einwohner von Crespano Mitglieder der Scuola della Beata Vergine del Covolo gewesen seien. Auch wenn diese Angabe nicht für jedes einzelne Jahr quantifiziert werden kann, zeigt sie die außergewöhnliche soziale Breite des Kultes.
Das Heiligtum war damit sowohl Ziel einzelner Frommer als auch gemeinschaftliche religiöse Institution eines ganzen Ortes.
Die Bruderschaft unterhielt einen eigenen Kaplan beziehungsweise Priester, der im Covolo Gottesdienste feiern und für die Pilger zur Verfügung stehen sollte. Diese Einrichtung setzt einen regelmäßigen Besucherandrang voraus und zeigt, dass das Heiligtum schon vor den großen neuzeitlichen Umbauten einen eigenständigen Wallfahrtsbetrieb besaß.
Besonders bemerkenswert ist die Überlieferung, dass im Jahreslauf ungefähr dreißig Prozessionen von Crespano zum Covolo stattgefunden haben sollen. Ausgangspunkt war der Bereich des früheren Battuti- beziehungsweise späteren Rosenkranzaltars der Pfarrkirche.
Selbst wenn die genaue Zahl für einzelne Zeitabschnitte nicht durchgehend gesichert ist, macht die Angabe deutlich, wie intensiv der Bergweg in den religiösen Jahreslauf eingebunden war. Der Wallfahrtsweg war kein nur einmal jährlich begangener Pfad, sondern wiederkehrender Prozessionsraum.
Bei einer Wallfahrt wie jener zum Covolo liegt die religiöse Bedeutung nicht nur am Ziel. Der gemeinsame Aufstieg, das Beten unterwegs, die Reihenfolge der Teilnehmer und das wiederholte Durchschreiten derselben Landschaft machten den Weg selbst zum Teil des Rituals.
Diese Dimension wurde in späteren Jahrhunderten durch Rosenkranzkapellen und Kreuzwegstationen noch verstärkt.
Die ältere Kirche wurde 1541 und erneut 1605 erweitert. Solche Baumaßnahmen sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass der vorhandene Raum dem Pilgerandrang und der wachsenden Bedeutung des Kultes nicht mehr genügte.
Am 4. Mai 1799 wurde Antonio Canova in die Scuola della Beata Vergine del Covolo aufgenommen. Das Mitgliederverzeichnis bezeichnet ihn ausdrücklich als den berühmten Bildhauer aus Possagno.
Canova war damit nicht lediglich ein von außen engagierter Künstler, sondern selbst confratello der Wallfahrtsgemeinschaft. Hinzu kam eine familiäre Verbindung: Seine Mutter Angela Zardo stammte aus Crespano.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war die Bruderschaft wirtschaftlich ausreichend gefestigt und der Pilgerandrang groß genug, um einen umfassenden Neubau zu planen. Canova lieferte 1804 den Entwurf; die praktische Bauleitung übernahm sein Verwandter Giovanni Battista Zardo, genannt Fantolin. Die Arbeiten wurden in den folgenden Jahren ausgeführt und um 1809 abgeschlossen.
Der Neubau entstand damit unmittelbar aus dem Wallfahrtsbetrieb und aus den Ressourcen der Bruderschaft.
Canova entwarf eine klassizistische Rotunde mit Kuppel und einem vorgelagerten Portikus. Acht ionische Säulen prägen die Fassade. Die Form erinnert deutlich an den römischen Pantheon-Typus und nimmt zugleich Motive vorweg, die Canova später beim wesentlich größeren Tempio Canoviano in Possagno weiterentwickelte.
Der Covolo besitzt damit auch kunsthistorisch eine besondere Stellung als frühes Experiment Canovas mit einer Verbindung aus Rotunde, Kuppel und antikisierendem Tempelportikus.
Canova beschäftigte sich nicht nur mit der Bauform. Auch Entwürfe für Reliefs, darunter die Erscheinung Mariens vor der Hirtin, werden mit ihm verbunden. Dadurch wurde die lokale Gründungslegende in den architektonischen Bildschmuck des Heiligtums eingeschrieben.
Die Sage blieb damit nicht nur mündliche Tradition, sondern wurde Teil des gebauten Erinnerungsprogramms.
Der Bauplatz lag hoch über Crespano und war damals nur über schwierige Wege erreichbar. Baumaterialien mussten mühsam bergwärts transportiert werden; Stützmauern und Sicherungen des Hanges waren notwendig.
Die Entstehung des Heiligtums war deshalb sowohl eine künstlerische als auch eine arbeitsgeschichtliche Leistung der lokalen Bevölkerung und der Bruderschaft.
Im Jahr 1844 wurde der Zugang zum Heiligtum grundlegend verbessert. Männer aus 34 Orten der Pedemontana arbeiteten ungefähr vierzig Tage unentgeltlich am Straßenbau. Der bisher schwierige Aufstieg wurde dadurch für Pilger, Fuhrwerke und Materialtransporte wesentlich erleichtert.
Die Straße ist damit selbst ein Dokument der regionalen Wallfahrtsgemeinschaft.
Die Beteiligung so vieler Ortschaften erlaubt einen seltenen Blick auf die geographische Reichweite des Kultes. Die Wallfahrt war nicht auf Crespano beschränkt; der Covolo war ein Heiligtum der weiteren Voralpenregion zwischen Brenta und Piave.
Gemeinschaftsarbeit ersetzte in diesem Fall eine klassische Geldstiftung. Arbeitszeit und Muskelkraft wurden selbst zur Gabe an den Wallfahrtsort.
Auch Giovanni Battista Sartori Canova, Halbbruder Antonio Canovas und später Bischof, unterstützte den Ausbau finanziell. Nach dem Felssturz von 1845 beteiligte er sich erneut an den Wiederherstellungskosten.
Die Verbindung der Familie Canova mit dem Covolo reicht damit weit über den einmaligen Entwurf des Kirchengebäudes hinaus.
Nur ein Jahr nach Eröffnung der neuen Straße ereignete sich am Karfreitag 1845 eine schwere Naturkatastrophe. Oberhalb des Heiligtums löste sich ein großer Felsblock und traf die Anlage. Presbyterium und Sakristei wurden schwer beschädigt.
Der Felssturz ist historisch greifbar und wurde in der Kultüberlieferung zu einem neuen Mirakelereignis.
Nach der Überlieferung wurde die Marienstatue durch die Wucht des Ereignisses aus ihrem Bereich fortgerissen und weiter unten wiedergefunden. Sie soll dabei unversehrt geblieben sein.
Damit erhielt das Gnadenbild eine eigene Mirakelbiographie. Während die mittelalterliche Erscheinungslegende den Ort legitimiert, wird im 19. Jahrhundert das Kultbild selbst durch ein neues Wunderzeichen ausgezeichnet.
Die verehrte Marienstatue wird in das 17. Jahrhundert datiert und ist damit deutlich jünger als die Erscheinungsüberlieferung. Das zeigt, dass im Lauf der Jahrhunderte ein späteres Kultbild die ältere Ortsheiligkeit übernahm und durch eigene Ereignisse neue Bedeutung gewann.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Heiligtum nochmals erweitert und neu ausgestattet. Eine größere Bauphase ist für 1905 dokumentiert. Am 8. September 1913 konsekrierte Bischof Luigi Pellizzo den erneuerten Bau feierlich.
Die wiederholten Erweiterungen zeigen, dass die Wallfahrt kein statisches mittelalterliches Relikt war, sondern sich bis in die Moderne hinein weiterentwickelte.
Die Innenausstattung erhielt im 20. Jahrhundert eine neue malerische Prägung. Don Demetrio Alpago schuf unter anderem eine Engelsglorie in der Kuppel sowie marianische Darstellungen und symbolische Programme im Chor.
Die lokale Madonna del Covolo wurde dadurch in eine umfassendere kirchliche Marienikonographie eingeordnet.
Am 25. März 1916 erhob Bischof Luigi Pellizzo die Kirche offiziell zur Würde eines Santuario. Eine im Heiligtum angebrachte Inschrift erinnert an diesen Rechtsakt und an die damit verbundenen kirchlichen Vorrechte.
Bemerkenswert ist der historische Kontext: Europa befand sich mitten im Ersten Weltkrieg, und die Inschrift verbindet die Madonna ausdrücklich mit der Anrufung als Regina della Pace, Königin des Friedens.
Während des Ersten Weltkriegs lag der Covolo unmittelbar unter einer der wichtigsten Frontlandschaften Norditaliens. Das Heiligtum wurde zeitweise als kleines Lazarett beziehungsweise Versorgungsort für Verwundete vom Monte Grappa genutzt.
Damit erhielt der Ort eine neue, außergewöhnlich konkrete Heilfunktion: Aus der legendären Heilung der Hirtin und dem traditionellen Vertrauen in die Madonna wurde im Krieg reale Verwundetenpflege.
Die religiöse Bedeutung des Covolo wurde durch die Kriegserfahrung stark erweitert. Die Erhebung zum Santuario, die Friedensanrufung und die Nutzung für Verwundete verbinden den Wallfahrtsort eng mit der Erinnerung an den Monte Grappa als Kriegsschauplatz.
Am 8. September 1923 wurde die Marienstatue feierlich gekrönt. Kardinal Pietro La Fontaine, Patriarch von Venedig, vollzog die Krönung im Namen und mit Vollmacht des Kapitels von St. Peter in Rom. Anwesend waren auch die Bischöfe von Treviso, Belluno und Feltre.
Die Madonna erhielt eine kostbare Krone aus Gold und Edelsteinen. Die Feier zog eine große Volksmenge an und machte den 8. September, der ohnehin das Hauptfest des Heiligtums war, zusätzlich zum Erinnerungsdatum der Krönung.
Der 8. September besitzt am Covolo damit eine doppelte Bedeutung: liturgisch als Fest der Geburt Mariens und lokal als Jahrestag der Krönung des Gnadenbildes.
Liturgie und lokale Kultgeschichte wurden dadurch dauerhaft miteinander verbunden.
Zur Krönung von 1923 entstanden eigene Gebets- und Festtexte, in denen die goldene Krone und die Teilnahme der umliegenden Orte hervorgehoben werden. Solche Texte zeigen, dass die Krönung weit über die unmittelbare Pfarrgemeinde hinaus als regionales Ereignis wahrgenommen wurde.
Auch der spätere Glockenturm ist mit einer auffälligen Gemeinschaftsüberlieferung verbunden. Nach der diözesanen Darstellung wurden Ziegel von der Bevölkerung in einer langen Menschenkette von Crespano bis hinauf zum Heiligtum von Hand zu Hand weitergereicht.
Die materielle Entstehung des Bauwerks wird damit selbst Teil des Kultgedächtnisses.
Beim Covolo begegnet immer wieder eine besondere Form der Opferpraxis: nicht nur Geld oder Gegenstände, sondern Arbeitsleistung. Straßenbau, Materialtransport, Errichtung von Kapellen und Glockenturm wurden durch kollektive Arbeit getragen.
Diese Arbeitsleistungen können als soziale und religiöse Gaben verstanden werden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Pfarreien der Pedemontana entlang des Weges fünfzehn Kapellen beziehungsweise Bildstöcke, die den fünfzehn traditionellen Rosenkranzgeheimnissen entsprechen. Sie wurden als Dankgabe an die Madonna verstanden.
Damit erhielt der Aufstieg eine neue rituelle Struktur.
Die Rosenkranzkapellen sind nicht nur Andachtsstationen. Sie sind zugleich ein gemeinschaftliches Nachkriegsvotiv regionaler Pfarreien.
Der Wallfahrtsweg selbst wurde dadurch in eine Reihe dauerhaft gebauter Dankzeichen verwandelt.
Einzelne spätere Darstellungen nennen 1943 als Entstehungsjahr der Rosenkranzkapellen. Die diözesane Darstellung setzt ihre Errichtung dagegen ausdrücklich nach das Ende des Zweiten Weltkriegs. Solange keine Primärquelle eine genauere Datierung erlaubt, ist die Nachkriegsdatierung vorzuziehen.
Im Marianischen Jahr 1987 wurde eine Via Crucis durch die Valle della Madonna angelegt. Sie erweitert den Wallfahrtsraum um einen weiteren devotionalen Weg und verbindet den Marienkult mit der Passionsfrömmigkeit.
Heute liegen damit mehrere rituelle Wegsysteme übereinander: alter Pilgerweg, Rosenkranzweg, Kreuzweg und Zugang zu den Tre Busi.
Zu den traditionellen Festterminen gehört am Ende des Marienmonats Mai die sogenannte Festa delle Rose. Der Name ist mehrfach belegt; eine verlässliche historische Erklärung des ursprünglichen Brauchablaufs konnte bislang jedoch nicht gefunden werden.
Es sollte deshalb nicht angenommen werden, dass Rosen gesegnet, als Heilmittel verwendet oder in bestimmter Weise geopfert wurden, solange dafür keine Quelle vorliegt.
Neben dem Hauptfest am 8. September werden beziehungsweise wurden am Covolo mehrere Marienfeste besonders begangen: Verkündigung am 25. März, Ostermontag, die Festa delle Rose am Ende des Mai, Mariä Himmelfahrt am 15. August, Mariä Geburt am 8. September, Madonna della Salute am 21. November und die Unbefleckte Empfängnis am 8. Dezember.
Der Wallfahrtsort ist damit in eine umfassende marianische Jahresordnung eingebettet.
Trotz des ausgeprägten Gnaden-, Heilungs- und Quellkultes konnte bislang kein wissenschaftlich publiziertes Inventar eines historischen Bestandes individueller Ex voto nachgewiesen werden. Das bedeutet nicht, dass es keine persönlichen Votivgaben gegeben hat; entsprechende Formen sind bei einem solchen Heiligtum durchaus wahrscheinlich, dürfen aber ohne konkrete Quelle nicht im Einzelnen behauptet werden.
Umso deutlicher sind kollektive Votivleistungen dokumentiert. Die Kirche selbst, die Straße von 1844, der Glockenturm, gemeinschaftliche Materialtransporte und die Rosenkranzkapellen der Nachkriegszeit sind bleibende materielle Zeugnisse gemeinschaftlicher Hingabe.
Die auffälligsten "Votivgaben" des Covolo sind damit nicht kleine Silberherzen oder gemalte Tafeln, sondern ganze Bauwerke, Wege und Arbeitsleistungen.
Der Covolo lässt sich deshalb nicht auf die Canova-Rotunde reduzieren. Kirche, Fels, Quelle, Weg, Kapellen, Kreuzweg und Berg bilden gemeinsam den Wallfahrtsraum.
Die Landschaft ist nicht bloß Hintergrund, sondern Träger der Legende, der Prozessionen und des kollektiven Gedächtnisses.
Die Gründungserzählung mit der taubstummen Hirtin gehört in den Bereich der mittelalterlich datierten lokalen Überlieferung und ist nicht durch zeitgenössische Quellen des 12. Jahrhunderts belegt. Historisch fassbar ist der Kult seit dem frühen 14. Jahrhundert; die Bruderschaft, Prozessionen und Erweiterungen lassen seine zunehmende regionale Bedeutung deutlich erkennen.
Besonders gut dokumentiert sind die neuzeitlichen und modernen Phasen: der Eintritt Antonio Canovas in die Bruderschaft 1799, der klassizistische Neubau, der gemeinschaftliche Straßenbau von 1844, der Felssturz 1845, die erneute Erweiterung im frühen 20. Jahrhundert, die Erhebung zum Santuario 1916, die Nutzung als Lazarett im Ersten Weltkrieg, die kanonische Krönung 1923 und die nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Rosenkranzkapellen.
Die These eines vorchristlichen Quell- oder Höhlenkultes bleibt dagegen eine Forschungsannahme. Ebenso ist eine direkte Verbindung mit regionalen Guanenüberlieferungen nicht ausreichend belegt. Solche Deutungen können als vergleichende volkskundliche Fragestellungen genannt, aber nicht als historische Tatsachen ausgegeben werden.
Insgesamt zeigt der Covolo besonders deutlich, wie sich ein Wallfahrtsort über Jahrhunderte nicht nur durch Gebet und Legende, sondern durch gemeinschaftliche Arbeit, Prozessionen, Wege, Wassergebrauch, Architektur, Krisenerfahrung und kollektive Votivleistungen entwickelt.
Daniele Rampazzo: Studie zum Santuario della Madonna del Covolo und zu traditionellen therapeutischen Vorstellungen im Alpenraum. In: Annali di San Michele, 2003.
Gilberto Campana: lokalhistorische Untersuchungen zur Scuola della Beata Vergine del Covolo, zu Antonio Canova, zur Baugeschichte und zum Wallfahrtswesen.
Diocesi di Padova: Dokumentationen zum Santuario della Beata Vergine del Covolo, zur Erscheinungsüberlieferung, zur Wallfahrtsgeschichte und zu den Rosenkranzkapellen.
Historische Inschriften des Heiligtums zur Konsekration, zur Erhebung zum Santuario 1916 und zur kanonischen Krönung des Gnadenbildes 1923.
Lokale Pfarr- und Regionalpublikationen zu Crespano del Grappa, zur Tre-Busi-Quelle, zu Prozessionen, Festtagen und Gemeinschaftsarbeiten am Heiligtum.
Kunsthistorische Literatur zu Antonio Canova, Giovanni Battista Zardo und zur klassizistischen Architektur des Santuario del Covolo.
Ergänzungen: Wolfgang Morscher