| Wallfahrt: | Das Santuario Madonna delle Milizie bei Donnalucata ist ein historischer marianischer Wallfahrtsort der Stadt Scicli. Die Verehrung verbindet ein altes Landheiligtum mit der Legende von einer wundersamen Hilfe Mariens in einer Schlacht, einer heiligen Fußspur, einer seit dem 17. Jahrhundert belegten Prozessions- und Festtradition sowie der heute in Scicli verehrten kämpfenden Reiter-Madonna. |
| Status: | Lebendiger regionaler Wallfahrts- und Erinnerungsort. Das Eremo wurde 2025 nach Restaurierungsarbeiten wieder für den Kult geöffnet. Das Hauptfest wird heute am letzten Samstag im Mai mit Prozession und Sacra Rappresentazione gefeiert; die Festtradition verbindet Scicli weiterhin mit dem historischen Heiligtum bei Donnalucata. |
| Kultzentrum: | Der historische Wallfahrtsort ist das Eremo delle Milizie mit der überlieferten Fußspur Mariens. Das heute bekannteste Kultbild ist eine Reiter-Madonna des 18. Jahrhunderts in der Chiesa Madre San Guglielmo in Scicli: Maria erscheint auf einem weißen Pferd, mit Krone und gezogenem Schwert. Daneben ist eine ältere steinerne Madonna mit Kind von 1530 erhalten. |
| Ort: | Scicli; historischer Wallfahrtsort in der Contrada Milizie/Mulici bei Donnalucata. |
| Region: | Freies Gemeindekonsortium Ragusa, Sizilien. |
| Land: | Italien. |
| • | Santuario ed Eremo della Madonna delle Milizie, Strada Provinciale 95, Contrada Milizie/Mulici, 97018 Scicli (RG), Italien; oberhalb von Donnalucata. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte in Italien |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Kirchliche Zugehörigkeit: Diözese Noto. |
| • | Das Heiligtum liegt außerhalb der Stadt in ländlicher Umgebung auf einem leichten Höhenzug zwischen Scicli und Donnalucata. Das heutige Festzentrum mit der kämpfenden Reiter-Madonna befindet sich dagegen in Scicli. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Das Santuario ed Eremo della Madonna delle Milizie liegt außerhalb von Scicli in der ländlichen Contrada Milizie beziehungsweise Mulici, oberhalb von Donnalucata. Die Lage gehört wesentlich zur Geschichte des Kultes. Das Heiligtum war kein bloßer städtischer Andachtsraum, sondern ein Ziel, zu dem die Gläubigen hinauszogen. Ältere Festbeschreibungen schildern ausdrücklich den Weg von Scicli zum Eremo, nächtliche Ankunft, Messe und Aufenthalt bei den dort lebenden Brüdern. Damit war die Madonna delle Milizie nicht nur Patronin einer Festdarstellung, sondern Mittelpunkt einer wirklichen Fußwallfahrt.
Heute hat sich der Kult räumlich geteilt. Der historische Wallfahrtsort mit der alten Überlieferung, der heiligen Fußspur und der älteren Marienstatue liegt beim Eremo; das weithin bekannte kämpfende Reiterbild wird dagegen in der Chiesa Madre San Guglielmo in Scicli aufbewahrt und bildet das Zentrum der großen städtischen Festprozession. Gerade diese Doppelstruktur ist für die Geschichte der Verehrung wichtig.
Nach der traditionellen Erzählung soll im Jahr 1091 an der Küste bei Donnalucata eine Schlacht zwischen Christen und Muslimen stattgefunden haben. Ein muslimischer Heerführer, in späteren Fassungen "Belcane" genannt, habe die Gegend bedroht. Die Christen seien in Bedrängnis geraten und hätten Maria um Hilfe angerufen. Darauf sei die Jungfrau auf einem weißen Pferd erschienen, mit dem Schwert bewaffnet, und habe den Sieg herbeigeführt. In späteren Texten wird die Erzählung mit Roger I. von Hauteville, Ruggero d'Altavilla, verbunden und zu einer regelrechten normannischen Befreiungslegende ausgestaltet.
Als historische Tatsachenschilderung ist diese Geschichte problematisch. Die heute greifbaren Quellen zum wunderbaren Eingreifen Mariens sind wesentlich jünger als 1091. Ignazio La China hat in seiner kritischen Untersuchung der Überlieferung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass vor dem 17. Jahrhundert keine direkten schriftlichen Zeugnisse für eine Madonna auf dem Pferd vorliegen. Auch die Figur des Emir Belcane und die persönliche Rolle Rogers gehören in der überlieferten Form zu einer späteren literarischen Ausgestaltung.
Damit verliert die Legende jedoch nicht ihren historischen Wert. Sie zeigt, wie Scicli seine Vergangenheit verstand. In der frühen Neuzeit waren die Erinnerungen an die normannische Eroberung Siziliens, die fortdauernde Nähe zur nordafrikanischen Küste und die reale Erfahrung von Piraten- und Küstenüberfällen eng miteinander verbunden. Ein angebliches Ereignis des 11. Jahrhunderts konnte deshalb mit den Bildern und Ängsten des 16. und 17. Jahrhunderts erzählt werden. Aus politischer und religiöser Erinnerung entstand eine Stadterzählung, in der Maria selbst zur Verteidigerin Sciclis wurde.
Für die Geschichte des Kultes ist entscheidend, dass das Heiligtum nicht erst mit der Reiter-Madonna entstand. Die Diözese Noto überliefert zwar sehr frühe Gründungsdaten nach der angeblichen Schlacht, doch diese Angaben beruhen stark auf späterer Lokaltradition. Wesentlich belastbarer sind neuere archivalische Funde.
Bei der Wiedereröffnung des Eremo im Jahr 2025 wurde auf ein Dokument von 1475 hingewiesen, das eine kirchliche Verpflichtung gegenüber der Kirche belegt und nach der lokalen Archivforschung zeigt, dass der Ort im 15. Jahrhundert bereits als Ziel von Wallfahrten bekannt war. Damit lässt sich die marianische Verehrung deutlich früher greifen als die spätere militärische Bildsprache.
Besonders aufschlussreich ist ein 2025 öffentlich bekannt gemachter archivalischer Fund des Sciclitani-Historikers Francesco Pellegrino. Ein Auftrag von 1530 nennt den Bildhauer Giandomenico Gagini als Schöpfer einer steinernen Madonna für das Heiligtum. Die erhaltene Skulptur zeigt Maria mit dem Jesuskind und einem kleinen Vogel. Sie besitzt nichts von der späteren kämpferischen Reiterikonographie.
Die Statue besteht aus weichem Kalkstein und wird heute in der Kirche Santa Caterina da Siena in Donnalucata aufbewahrt. Ihr Erhaltungszustand verlangt besondere konservatorische Aufmerksamkeit. Für die Kultgeschichte ist sie von außerordentlicher Bedeutung: Sie beweist, dass die Madonna delle Milizie in der frühen Neuzeit zunächst in einer klassischen Muttergottesgestalt verehrt wurde. Das Bild der bewaffneten Reiterin ist also nicht der Ausgangspunkt, sondern eine spätere Entwicklungsstufe des Kultes.
Im 17. Jahrhundert verdichtete sich die militärische Deutung. Scicli lag in einer Küstenregion, die wiederholt mit der Gefahr nordafrikanischer Überfälle konfrontiert war. Zugleich war die frühneuzeitliche Frömmigkeit reich an dramatischen Darstellungen von Glaubenskampf, himmlischer Hilfe und wundersamer Rettung. Jesuitische Festkultur, Ritterliteratur und die Bilderwelt der Gegenreformation boten einen geeigneten Rahmen, um eine ältere Marienverehrung in eine eindrucksvolle Schlachtenerzählung zu überführen.
Bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden im Heiligtum Darstellungen geschaffen, die Schiffe, Lager, Küste und Kampfgeschehen thematisierten. Die schriftliche Überlieferung der Madonna als militärische Beschützerin wird in dieser Zeit immer dichter. Der entscheidende Schritt besteht darin, dass Maria nicht mehr nur als himmlische Fürsprecherin erscheint, sondern selbst zur handelnden Kriegerin wird.
Für das Jahr 1667 liegt ein besonders wichtiger Beleg vor. Eine zeitgenössisch überlieferte Notiz berichtet, dass man in Scicli zum Fest der "Gran Signora delli Milici" eine Darstellung des Krieges zwischen Sarazenen und Christen veranstaltete. Sie wird ausdrücklich als religiöses Schauspiel mit großem geistlichem Nutzen und mit starkem Zulauf aus der ganzen Umgebung beschrieben.
Damit ist die szenische Schlachtendarstellung spätestens in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts sicher greifbar. Der Bericht zeigt zugleich, dass sie nicht als bloßes Theater verstanden wurde. Die Darstellung war in Liturgie, Prozession und Wallfahrt eingebettet und gehörte zu einem größeren religiösen Festkomplex. Ignazio La China weist darauf hin, dass in derselben Zeit auch die Prozession von Scicli zum Eremo zu einer regelmäßigen Form der Verehrung wurde.
Das heute berühmteste Bildwerk des Kultes ist eine Reiter-Madonna des 18. Jahrhunderts. Sie wird in der Chiesa Madre San Guglielmo in Scicli verwahrt. Maria sitzt auf einem aufbäumenden weißen Pferd, trägt Krone, rotes Gewand und blauen beziehungsweise hellblauen Mantel und hält in der rechten Hand ein gezogenes Schwert. Unter den Hufen des Pferdes liegen besiegte Gegner. Echthaar, textile Gewänder, Holz und weitere Materialien verstärken die unmittelbare Wirkung des Simulacrums.
Die Ikonographie ist ungewöhnlich, aber nicht ohne Vorbilder. Kunsthistorisch wurde auf die Nähe zum Typus des "Santiago Matamoros" hingewiesen, also zum kämpfenden hl. Jakobus auf dem weißen Pferd, der in der iberischen Bildtradition als himmlischer Schlachtenhelfer erscheint. In Scicli wurde dieses leicht verständliche Schema auf Maria übertragen. Nicht ein Apostel, sondern die Gottesmutter selbst greift zugunsten der bedrohten Gemeinschaft ein.
Touristische Darstellungen nennen sie gelegentlich die einzige kämpfende Madonna der Christenheit. Eine solche absolute Aussage ist zu weitgehend. Sehr selten und auffällig ist jedoch zweifellos die konkrete Form: eine lebensgroße, mit dem Schwert bewaffnete Reiter-Madonna, deren Pferd über besiegte Gegner hinwegsetzt.
Zum älteren Heiligtum gehört eine weitere Form materieller Heiligkeit: eine Vertiefung im Stein, die traditionell als Fußspur Mariens verehrt wird. Ältere Beschreibungen berichten, dass diese "orma" in einer kleinen Vertiefung gezeigt, durch ein Gitter geschützt und von einer Lampe begleitet wurde. Giuseppe Pitre und andere Beobachter des 19. Jahrhunderts erwähnen sie als festen Bestandteil des Besuches im Eremo.
Solche heiligen Fußspuren gehören zu den ältesten Formen religiöser Landschaftsdeutung. Eine Erscheinung wird dadurch scheinbar körperlich fassbar. Maria hat den Ort nach der Überlieferung nicht nur vom Himmel aus beschützt, sondern eine Spur im Stein hinterlassen. Die Landschaft selbst wird so zum Träger der Erinnerung.
Im 19. Jahrhundert war die Wallfahrt zum Eremo noch deutlich stärker ausgeprägt als heute. Nach der szenischen Darstellung zog eine große Menge aus Scicli hinaus zum Heiligtum. Eduardo Morana und Giuseppe Pitre beschreiben diesen Weg als eigentlichen Abschluss des Festes. Pitre berichtet, dass die Pilger das Eremo ungefähr um zwei Uhr nachts erreichten. Dort wurde Messe gefeiert; wer blieb, fand bei den Brüdern Unterkunft und kehrte erst am Sonntagmorgen nach Scicli zurück.
Andere Berichte erwähnen Brot, Suppe und Wein, die den angekommenen Pilgern gereicht wurden. Damit erscheint das Eremo als klassisches Wallfahrtsziel mit nächtlichem Fußweg, Gottesdienst, einfacher Bewirtung und zeitweiligem Aufenthalt. Diese Dimension ist wichtig, weil die heutige Sacra Rappresentazione in Scicli leicht den Eindruck erwecken kann, es handle sich vor allem um ein städtisches Historienfest. Die ältere Überlieferung zeigt dagegen deutlich den Wallfahrtscharakter.
Giuseppe Pitre schilderte gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine bemerkenswerte regionale Rollenverteilung. Seeleute und Fischer aus Donnalucata, Sampieri und sogar Pozzallo kamen nach Scicli und stellten die muslimische Seite der Festschlacht dar. Die Sciclitani selbst beanspruchten dagegen traditionell die christliche Seite.
Die scheinbare Feindschaft war damit in Wirklichkeit ein gemeinschaftlicher Rollenbrauch. Ausgerechnet die Bewohner der Küstenorte spielten jene Angreifer, die nach der Legende vom Meer gekommen waren. Nach Ende des Spiels wurde diese Gegnerschaft sofort aufgehoben. Historische Beobachter beschreiben, wie "Türken" und Christen nach Ablegen von Waffen und Kostümen gemeinsam in den Schenken bei Makkaroni und Wein zusammensaßen. Gerade dieser abrupte Wechsel vom rituellen Feind zum Nachbarn ist volkskundlich besonders aufschlussreich.
Die ältere Sacra Rappresentazione war offenbar deutlich ungebändigter als die heutige Inszenierung. Schauspieler arbeiteten lange Zeit ohne festen vollständigen Text und improvisierten Dialoge, Spottreden und Anspielungen auf lokale Ereignisse, Politik und persönliche Verhältnisse. Gewehrschüsse und militärische Gesten steigerten die Wirkung. Die Grenze zwischen religiöser Darstellung, Volkskomödie und öffentlicher Kommentierung des Alltags war fließend.
Gerade darin zeigt sich, wie sehr das Fest der Bevölkerung gehörte. Die Legende war kein unveränderlicher Text, sondern ein Rahmen, in dem jede Generation ihre eigene Gegenwart spiegeln konnte. Erst im 20. Jahrhundert wurde diese offene Spieltradition stärker geordnet.
1933 veröffentlichte Giuseppe Pacetto Vanasia einen festen Text für die Sacra Rappresentazione. Er wollte nach eigener Darstellung die alte Überlieferung bewahren, zugleich aber burleske und allzu derbe Auswüchse der improvisierten Dialoge zurückdrängen. Das Werk wurde zur Grundlage der späteren Aufführungen. Eine überarbeitete beziehungsweise erweiterte Fassung erschien 1950; nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zusätzlich die Figur eines Eremiten als Friedensvermittler in die Handlung aufgenommen.
Damit lässt sich an der heutigen Aufführung sehr schön ablesen, wie Brauchpflege funktioniert. Das Fest ist alt, sein heutiger Text jedoch vergleichsweise jung. Die Tradition blieb lebendig, gerade weil sie immer wieder neu geordnet und an veränderte Vorstellungen von religiöser Würde, Theater und öffentlichem Fest angepasst wurde.
Im 18. Jahrhundert gehörten weitere spektakuläre Elemente zur Feier. Ein "trabucco", eine erhöhte Bühne, trug Kinder in Engelkleidung, die der Madonna Lobgesänge darbrachten. Daneben wird ein mit Engeln geschmückter beweglicher "palo" beschrieben, der so bewegt wurde, dass sich die Engel symbolisch vor der Reiter-Madonna verbeugten.
Solche Konstruktionen gehören in die große Tradition barocker Festmaschinen. Religion wurde nicht nur gehört und gesehen, sondern technisch inszeniert. Bewegliche Figuren, Musik, Feuerwaffen, Fahnen, Prozession und Theater machten die Legende körperlich erfahrbar. Das Heilsgeschehen wurde für einige Stunden in die Gegenwart der Stadt versetzt.
Historisch war das Fest an einen Termin vor der Passionswoche gebunden. Ein römisches liturgisches Privileg des 18. Jahrhunderts nennt ein eigenes Gedenken an Santa Maria Militum. Im Laufe der Zeit wurde der Termin verlegt. Heute wird die Festa della Madonna delle Milizie traditionell am letzten Samstag im Mai gefeiert.
Der heutige Ablauf verbindet Gottesdienste, Prozession, historischen Umzug und Sacra Rappresentazione. Im Jahr 2026 fand die große Darstellung am 30. Mai auf der Piazza Italia statt. Anschließend wurde das Reiterbild in feierlicher Prozession getragen. Eigene Fahrten führten während des Festwochenendes auch zum historischen Santuario bei Donnalucata. Damit bleibt die Verbindung zwischen Stadtfest und altem Wallfahrtsort bestehen.
Typisch für das Fest ist die "Testa di Turco", wörtlich "Türkenkopf". In Scicli bezeichnet der Name ein großes gefülltes Brandteiggebäck, das heute meist mit Creme oder Ricotta angeboten wird. Der Name gehört unmittelbar zur Bildsprache der Schlachtlegende.
Volkskundlich ist das bemerkenswert. Wie bei den "Minne di Sant'Agata" in Catania wird eine zentrale Erzählung des Festes in eine Speise übersetzt. Was auf der Bühne als besiegter Gegner erscheint, findet sich anschließend in der Konditorei wieder. Moderne Festprogramme haben diese Tradition sogar weiter ausgebaut und verbinden die Wallfahrt mit Verkostungen, Schaubacken und einer übergroßen "Testa di Turco".
Die Madonna-delle-Milizie-Verehrung lässt sich heute nur verstehen, wenn man ihre beiden Zentren unterscheidet. Das Eremo in der Contrada Milizie ist der historische Landschafts- und Wallfahrtsort. Hier liegen die alte Kulttradition, die heilige Fußspur, der ehemalige Eremitenbereich und die Erinnerung an die frühere nächtliche Fußwallfahrt.
Die Chiesa Madre San Guglielmo in Scicli dagegen bewahrt das berühmte Reiterbild und ist Ausgangs- und Endpunkt der heutigen großen Prozession. Zwischen beiden Orten spannt sich die Geschichte des Kultes: von der älteren Landwallfahrt zur städtischen Festikonographie und wieder zurück zum historischen Eremo.
Das Eremo war über längere Zeit nur eingeschränkt zugänglich. Nach umfassenden Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten wurde die Kirche am 28. Mai 2025 wieder für den Kult geöffnet. Arbeiten betrafen unter anderem Dach, Putze, Steinoberflächen, Feuchtigkeitsschäden und technische Anlagen. Die Wiedereröffnung erfolgte in Anwesenheit des Bischofs von Noto, Salvatore Rumeo.
Dieser Schritt ist für den Wallfahrtsstatus wichtig. Der historische Kultort ist damit nicht nur Gegenstand denkmalpflegerischer Erinnerung, sondern wieder ausdrücklich religiös nutzbar. Die 2026 angebotenen Besuche und Fahrten zum Eremo zeigen zusätzlich, dass der Ort erneut stärker in das Festgeschehen einbezogen wird.
Scicli ist ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie Wallfahrtskulte entstehen und sich verändern. Ein alter marianischer Kultplatz ist spätestens im Spätmittelalter greifbar. 1530 erhält er eine friedliche Madonna mit Kind. Im 17. Jahrhundert wird die Verehrung zunehmend mit einer militärischen Rettungslegende verbunden. Aus der Gottesmutter wird eine Reiterin mit Schwert. Die Legende wird Prozession, Theater, regionale Rollenverteilung, Wallfahrt und Festmarkt.
Gleichzeitig bleiben ältere Formen erhalten: die Fußspur im Stein, der Weg hinaus zum Eremo, die nächtliche Messe und die Versorgung der Pilger. Neuere Formen treten hinzu, etwa der festgeschriebene Theatertext oder die heutige gastronomische Inszenierung der "Testa di Turco". Das Ergebnis ist keine unveränderte Tradition aus dem Jahr 1091, sondern ein über viele Jahrhunderte gewachsener Kultkomplex.
Gerade darin liegt die besondere Bedeutung der Madonna delle Milizie. Der Ort zeigt beinahe lehrbuchhaft, wie religiöse Erinnerung, politische Geschichte, lokale Identität, Kunst, Brauch und Unterhaltung ineinandergreifen. Die kämpfende Madonna ist deshalb nicht nur ein ungewöhnliches Bildwerk, sondern das sichtbare Ergebnis einer langen kulturellen Entwicklung.
- La China, Ignazio: La Madonna delle Milizie: fra tradizione e storia. Archivum Historicum Siclense, Bd. 22. Edizioni Il minuto d'oro, 2016.
- La China, Ignazio: La sacra rappresentazione della Madonna delle Milizie. Archivum Historicum Siclense, Bd. 12. Scicli 2016.
- Pacetto Vanasia, Giuseppe: Sacra rappresentazione in onore di Maria Santissima delle Milizie Patrona della Città di Scicli. Libreria Giovanni Ferro, Scicli 1933; zweite Fassung 1950.
- Pitre, Giuseppe: Feste patronali nella Sicilia Orientale. Historische Beschreibung der Festa delle Milizie und der Wallfahrt zum Eremo; spätere Ausgabe: Brancato Editore, 2001, S. 87 ff.
- Guastella, Serafino Amabile: volkskundliche und historische Nachrichten zur Festa delle Milizie und zur regionalen Festkultur im 19. Jahrhundert.
- Morana, Eduardo: Beschreibung der Festa delle Milizie und der Wallfahrt zum Eremo, 1867; überliefert und ausgewertet bei Ignazio La China.
- Regaldi, Giuseppe: Reise- und Festbeschreibung zur Madonna delle Milizie, Beobachtungen aus dem Jahr 1842; überliefert bei Ignazio La China.
- Diocesi di Noto: Santuario Convento Madonna delle Milizie. Kirchliche Beschreibung des Heiligtums, seiner Baugeschichte und seiner Wallfahrtstradition.
- Comune di Scicli / lokale historische Dokumentation: Unterlagen zur Wiedereröffnung und Restaurierung des Eremo delle Milizie, 2025.
- Il Giornale di Scicli: Dokumentation zur Wiedereröffnung des Eremo am 28. Mai 2025 sowie zu den archivalischen Hinweisen von Ignazio La China und Francesco Pellegrino auf den Wallfahrtsbeleg von 1475 und den Gagini-Auftrag von 1530.
- Region Siciliana: Registro dei Luoghi dell'Identità e della Memoria, Bereich "Luoghi del Sacro"; Eintrag zum Santuario Madonna delle Milizie in Donnalucata/Scicli.
- Dokumentation der Festa della Madonna delle Milizie 2026, Scicli: Festprogramm mit Prozession, Sacra Rappresentazione, Besuchen des Eremo und Festtradition der "Testa di Turco".
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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