| Wallfahrt: | Historische Marienwallfahrt auf den Monte Monforte, spätestens seit dem Spätmittelalter fassbar; bis heute lebendige Maiwallfahrt mit Discesa und Risalita des Gnadenbildes, Novene und großer Stadtprozession am 31. Mai. |
| Status: | Lebendiger historischer Marienwallfahrtsort und städtisches Heiligtum von Campobasso; Betreuung durch die Kapuziner. |
| Kultzentrum: | Mittelalterliche hölzerne Madonna del Monte mit Jesuskind, traditionell 1334 datiert, im 19. Jahrhundert zur bekleideten Prozessionsfigur umgestaltet und 1904 feierlich gekrönt. |
| Ort: | Campobasso, Monte Monforte. |
| Region: | Molise. |
| Land: | Italien. |
| • | Das Heiligtum liegt unmittelbar unterhalb beziehungsweise gegenüber dem Castello Monforte auf der beherrschenden Höhe über Campobasso. Die Lage prägt die Prozessionstradition wesentlich: Das Gnadenbild wird zu den großen Feiern vom Berg in die Stadt hinabgetragen und anschließend wieder in das Heiligtum zurückgebracht. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte in Italien |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Das Heiligtum wird von Kapuzinern betreut und ist regelmäßig zugänglich. Während des Marienmonats Mai gelten erweiterte Gottesdienst- und Beichtzeiten. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders gesucht sind Gesamtansichten des Heiligtums am Monte Monforte, Außen- und Innenaufnahmen der Kirche, das mittelalterliche Gnadenbild Madonna del Monte in Festkleidung und mit Krone, ältere Portale und Bauteile, die Fresken von Amedeo Trivisonno, die Padre-Pio-Erinnerungsstube, die Discesa und Risalita des Gnadenbildes, die Novene, die große Prozession am 31. Mai, die Infiorata mit Blumenteppichen in den Straßen sowie historische oder heutige Votivgaben.
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Santa Maria del Monte liegt auf dem Monte Monforte oberhalb von Campobasso und gehört zu jenen Wallfahrtsorten, deren topographische Lage unmittelbar in das religiöse Ritual eingegangen ist. Die Kirche steht auf jener Höhe, die gemeinsam mit dem Castello Monforte das historische Stadtbild beherrscht. Das Gnadenbild bleibt daher nicht nur in einem Heiligtum auf dem Berg; zu den großen Festen wird es in die Stadt hinabgetragen und später wieder zurückgebracht. Discesa und Risalita, Herabsteigen und Wiederaufsteigen, sind bis heute zentrale Begriffe des lokalen Kultes.
Der Marienwallfahrtsort ist wesentlich älter als die heute bekannte Mai- und Infiorata-Tradition. Bereits im 13. Jahrhundert ist eine Kirche Santa Maria auf dem Berg dokumentiert, und für das 15. Jahrhundert lässt sich ein Wallfahrts- beziehungsweise Ablasszusammenhang fassen. Spätere Bittprozessionen in Krisenzeiten, die Krönung von 1904 und die kapuzinische Erneuerung ab 1905 überlagerten die ältere Kultgeschichte mit neuen Formen, ohne sie zu verdrängen.
Eine wichtige frühe Quelle ist der Codex Vaticanus Latinus 8222. In einer Aufstellung vom 20. August 1241 erscheint eine Ecclesia Sanctae Mariae unter den Kirchen des Gebietes von Campobasso. Der Zusammenhang ist ungewöhnlich konkret: Auf Befehl Kaiser Friedrichs II. wurden Kirchengüter eingezogen; Santa Maria verlor dabei einen kleinen violett gefärbten Seidenstoff im Wert von zwei Tarì. Diese Nachricht beweist, dass auf dem Monte Monforte bereits im 13. Jahrhundert ein organisierter Sakralort bestand.
Damit ist die Kirche deutlich älter als die gelegentlich genannte Jahreszahl 1354. Spätere Jahrhunderte brachten Erweiterungen, Umbauten und Reparaturen. Ein gotisches Portal mit der Jahreszahl 1427 gehört zu den wichtigen Zeugnissen des älteren Baues. Die Nähe zum Castello Monforte verband die Kirche zugleich mit der feudalen und militärischen Geschichte der Höhe.
Für den 1. Juli 1433 überliefert die ältere lokalhistorische Forschung Ablässe für Besucher der Madonna del Monte. Nicola Tarantino, dessen Monographie La Madonna del Monte di Campobasso 1906 erschien, berichtet von vierzig Tagen Ablass und weiteren Begünstigungen an Marien- und Hauptfesten durch mehrere Bischöfe des weiteren süditalienischen Raumes.
Solange die zugrunde liegende mittelalterliche Ablassurkunde nicht unmittelbar überprüft ist, sollte diese Angabe quellenkritisch als von Tarantino ausgewertete Überlieferung bezeichnet werden. Für die Kultgeschichte ist sie dennoch bedeutsam, weil sie mit dem mittelalterlichen Kirchenbestand und der späteren kontinuierlichen Verehrung zusammenpasst. Der Wallfahrtscharakter von Santa Maria del Monte ist jedenfalls erheblich älter als die modernen Festformen des 20. Jahrhunderts.
Im Mittelpunkt der Verehrung steht die Madonna del Monte mit dem Jesuskind. Die hölzerne Figur trägt auf ihrem Sockel die traditionelle Jahreszahl 1334. Ursprünglich war sie als thronende Madonna mit Kind konzipiert und weniger als einen Meter hoch. Die mittelalterliche Holzskulptur gehört damit zu einer älteren Bildtradition, in der Maria als sitzende Gottesmutter erscheint.
Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich jedoch nicht nur die Kirche, sondern auch das Kultbild selbst. Alterung, Schäden und Eingriffe führten im 19. Jahrhundert zu einer tiefgreifenden Umgestaltung. Teile der unteren Figur wurden verändert oder entfernt, der Körper durch zusätzliche Holzelemente erhöht, Arme ergänzt und das Bild so vorbereitet, dass es mit kostbaren Textilgewändern bekleidet werden konnte. Aus der mittelalterlichen thronenden Madonna entstand optisch eine stehende Prozessionsfigur.
Diese Veränderung ist volkskundlich besonders aufschlussreich. Das Gnadenbild wurde nicht als museales Kunstwerk behandelt, sondern an die liturgischen und prozessionalen Bedürfnisse des Kultes angepasst. Die Bekleidung mit Gewändern, Schmuck und später der Krone machte die Figur wandelbar und festtauglich. Restaurierungen, zuletzt auch im 21. Jahrhundert, mussten deshalb stets zwischen kunsthistorischem Bestand und gewachsener Kultgestalt vermitteln.
Die besondere Lage des Heiligtums über Campobasso führte früh zu einem charakteristischen Ritual: In außergewöhnlichen Notlagen wurde das Marienbild vom Berg in die Stadt hinuntergetragen. Die räumliche Bewegung besaß eine klare religiöse Bedeutung. Maria verließ ihren erhöhten Kultort und trat gleichsam in den unmittelbaren Lebensraum der Bevölkerung ein.
Für 1799 berichtet Tarantino von einer solchen außerordentlichen Übertragung während politischer Unruhen. Das Bild wurde für mehrere Tage in die Kirche der Santissima Trinità gebracht. Im 19. Jahrhundert folgten weitere Bittgänge bei schwerer Dürre und während einer Epidemie. Solche Prozessionen verbanden städtische Krisenerfahrung mit öffentlicher Buße und gemeinschaftlichem Gebet.
Besonders eindrücklich sind die überlieferten Formen körperlicher Buße. Teilnehmer sollen barfuß gegangen sein; einzelne trugen Dornenkronen auf dem Kopf. Solche Praktiken zeigen eine ältere Frömmigkeitswelt, in der kollektive Gefährdung durch körperlich sichtbare Bußhandlungen beantwortet wurde.
Am 8. Juni 1902 ließ Bischof Felice Gianfelice die Madonna erneut in besonderer Form durch Campobasso tragen. Diesmal war der Anlass nicht Dürre, Krankheit oder politische Unruhe, sondern die von kirchlicher Seite als bedrohlich wahrgenommene zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft. Die Prozession zeigt damit, wie flexibel das ältere Krisenritual auf neue gesellschaftliche Konflikte übertragen werden konnte.
Die Madonna del Monte fungierte in solchen Situationen als Schutz- und Identifikationsfigur der Stadt. Die Prozession machte nicht nur religiöse Überzeugung sichtbar, sondern formulierte zugleich öffentlich, dass Campobasso seine historische Beziehung zum Heiligtum bekräftigte.
Am 5. Juni 1904 wurde das Gnadenbild feierlich gekrönt. In neueren Darstellungen erscheint gelegentlich der 15. Juni; die zeitnahe lokale Dokumentation und die Jubiläumstradition führen jedoch den 5. Juni. Bereits am 31. Mai war das Bild vom Monte heruntergebracht worden und blieb bis zum 12. Juni in der damaligen Kirche Santissima Trinità.
Den Krönungsritus leitete der Erzbischof von Benevento, Benedetto Bonazzi, gemeinsam mit mehreren Bischöfen aus dem weiteren süditalienischen Raum. Die Feier wurde von Predigten, musikalischen Darbietungen und umfangreichen Dekorationen begleitet. Für den Kult war die Krönung eine öffentliche Bestätigung der Stellung der Madonna del Monte als zentrale Marienfigur Campobassos.
Bischof Felice Gianfelice bemühte sich wegen Priestermangels um eine dauerhafte Betreuung des Heiligtums durch die Kapuziner. Am 25. Mai 1905 übernahmen drei Kapuziner die Kirche. Spätere römische und kirchliche Regelungen bestätigten die dauerhafte Präsenz des Ordens.
Mit den Kapuzinern begann eine neue Phase der Kultgeschichte. Die damals stark vernachlässigte Kirche wurde restauriert, liturgisch neu geordnet und zu einem aktiven Wallfahrtsort ausgebaut. Die Wiedereröffnung fand Ende Mai 1911 statt und leitete jene Festform ein, die bis heute den Marienmonat in Campobasso prägt.
Am 30. Mai 1911 wurde die erneuerte Kirche feierlich wiedereröffnet. Am folgenden Tag, dem 31. Mai, wurde das Gnadenbild in einer großen Prozession durch Campobasso getragen. Aus dieser Feier entwickelte sich die moderne jährliche Hauptprozession der Madonna del Monte.
Die Wahl des 31. Mai am Ende des Marienmonats verband ältere lokale Kultformen mit der im 19. Jahrhundert stark geförderten Maiandacht. Die jährliche Prozession wurde damit zu einer wiederkehrenden städtischen Wallfahrt, während die älteren außerordentlichen Bittgänge in den Hintergrund traten.
Zu den charakteristischsten heutigen Formen gehört die Infiorata. Bewohner, Pfarrgruppen und Geschäftsleute gestalten Straßenabschnitte mit Blütenblättern, Gras und anderen natürlichen Materialien. Daraus entstehen ornamentale Teppiche, geometrische Muster, Marienbilder, Kreuze, religiöse Schriftzüge und symbolische Darstellungen.
Die Blumenteppiche sind nicht bloß Dekoration. Sie werden für die Prozession geschaffen und erhalten ihren Sinn durch das Vorüberziehen des Gnadenbildes. Die Straße wird für wenige Stunden in einen besonderen sakralen Raum verwandelt. Farbe, Duft und Vergänglichkeit der verwendeten Materialien unterscheiden die Infiorata deutlich von dauerhafter kirchlicher Ausstattung.
Gerade diese Vergänglichkeit ist Teil ihrer Bedeutung. Nach dem Fest verschwindet der Bildteppich wieder; seine Funktion besteht ausschließlich im Augenblick der Prozession. Die Infiorata ist damit eine zeitlich begrenzte, kollektiv geschaffene Ehrengabe.
Die heutige Festordnung bewahrt die räumliche Dramaturgie des alten Kultes. Im Mai wird das Gnadenbild vom Heiligtum heruntergebracht, die sogenannte Discesa della Madonna. Es folgt die Novene mit Messen, Beichten und Gebeten. Ende Mai erreicht die Feier mit der großen Stadtprozession ihren Höhepunkt.
Nach Abschluss der Festtage wird das Bild wieder auf den Monte hinaufgebracht. Diese Risalita stellt den ursprünglichen Zustand wieder her: Die Madonna kehrt an ihren erhöhten Kultort zurück. Dadurch entsteht ein geschlossener ritueller Kreis, ähnlich wie bei anderen Wallfahrten, bei denen ein Gnadenbild zeitweise seinen Standort verlässt und anschließend feierlich zurückkehrt.
Die Begriffe Discesa und Risalita sind besonders aussagekräftig, weil sie das Verhältnis zwischen Heiligtum und Stadt räumlich ausdrücken. Campobasso schaut zum Heiligtum hinauf; während der Festzeit kommt die Madonna zu den Menschen herab.
Die kapuzinische Geschichte des Heiligtums brachte einen zweiten, wenn auch nachgeordneten devotionalen Bezug hervor. Fra Pio da Pietrelcina, der spätere Padre Pio, hielt sich als junger Kapuziner zeitweise in Campobasso auf. Der Kapuzinerorden nennt Aufenthalte in den Jahren 1905 und 1909. Gesundheitliche Probleme waren ein Grund dafür, ihn vorübergehend in das höher gelegene Kloster zu schicken.
Heute erinnert eine kleine Kapelle beziehungsweise Erinnerungsstube an diese Aufenthalte. Sie enthält Gegenstände und Hinweise auf Padre Pio. Dieser Kult ist für Besucher zweifellos interessant, bildet aber nicht den Ursprung des Wallfahrtsortes. Santa Maria del Monte bleibt in erster Linie ein Marienheiligtum; die Padre-Pio-Erinnerung ist eine spätere kapuzinische Ergänzung.
Der heutige Innenraum wird stark durch den Maler Amedeo Trivisonno geprägt. Die Hauptfresken entstanden 1945 und ersetzten ältere Malereien seines Lehrers Abele Valerio. Der Zyklus verbindet Marienfrömmigkeit und franziskanische Themen.
Zu den Darstellungen gehören die Geheimnisse des Rosenkranzes, die Gloria di Maria, Szenen aus dem Cantico delle Creature und weitere religiöse Themen. Eine persönliche Notiz Trivisonnos verknüpft die Arbeiten sogar mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Während er am Fresko der Dornenkrönung Christi arbeitete, erreichte ihn die Nachricht vom Kriegsende in Europa.
Die Fresken gehören damit nicht nur zur Ausstattungsgeschichte, sondern spiegeln zugleich den religiösen und gesellschaftlichen Horizont der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Santa Maria del Monte ist ein Beispiel dafür, wie ein Wallfahrtsort eng mit der Identität einer Stadt verbunden sein kann. Das Heiligtum liegt zwar außerhalb des dichten historischen Stadtkerns, ist aber von dort ständig sichtbar. Der Berg, die Burg und die Kirche bilden einen gemeinsamen Horizont über Campobasso.
Die Prozession überbrückt diese räumliche Distanz. Das Gnadenbild wird aus dem Heiligtum gelöst und in die Straßen gebracht. Dadurch wird die Beziehung zwischen Stadt und Bergheiligtum jedes Jahr neu vollzogen. Die Wallfahrt richtet sich also nicht nur auf ein Ziel außerhalb der Stadt; der Kult bewegt sich in beide Richtungen.
Die Geschichte von Santa Maria del Monte lässt mehrere klar unterscheidbare Schichten erkennen. Der mittelalterliche Kirchenbestand ist seit dem 13. Jahrhundert belegt. Im 15. Jahrhundert erscheint eine Ablass- und Besuchstradition. In der Neuzeit entwickelten sich Bittprozessionen bei politischer Unruhe, Dürre und Epidemie. Um 1900 folgten Krönung, kapuzinische Erneuerung und die Neuordnung des Festkalenders. Seit 1911 prägt die jährliche Maiwallfahrt mit Infiorata die öffentliche Wahrnehmung.
Gerade diese lange Entwicklung macht das Heiligtum kulturhistorisch bedeutend. Es ist weder ausschließlich mittelalterlicher Kultort noch bloß modernes Stadtfest. Vielmehr haben sich unterschiedliche Frömmigkeitsformen übereinandergelagert und werden bis heute gleichzeitig erinnert.
Tarantino, Nicola: La Madonna del Monte di Campobasso. Campobasso 1906.
Alessandro da Ripabottoni: La Madonna del Monte e i Cappuccini a Campobasso. Foggia 1993.
Jamison, Evelyn: Untersuchungen zu den süditalienischen Kirchenverzeichnissen des 13. Jahrhunderts und zum Codex Vaticanus Latinus 8222.
Arcidiocesi di Campobasso-Bojano: historische und liturgische Dokumentationen zu Maria Santissima Incoronata del Monte, zur Krönung von 1904 sowie zu Discesa, Novene, Prozession und Risalita.
Kapuzinerprovinz und Pfarre Sacro Cuore / Santa Maria del Monte: Dokumentationen zur Übernahme des Heiligtums durch die Kapuziner ab 1905 und zur heutigen Wallfahrtsbetreuung.
Centro Storico Campobasso: Dokumentationen zur Infiorata und zur Prozession der Madonna del Monte.
Archivio und Dokumentation Amedeo Trivisonno: Materialien zum Freskenzyklus von 1945 in Santa Maria del Monte.
Kapuzinerorden / Padre-Pio-Dokumentation: biographische Hinweise zu den Aufenthalten Fra Pio da Pietrelcinas in Campobasso.
Ergänzungen: Wolfgang Morscher