Santuario di Nostra Signora di Montallegro
Rapallo, Wallfahrtsheiligtum Madonna di Montallegro

Schnellüberblick
Wallfahrt:Marienwallfahrtsort oberhalb von Rapallo. Der Kult geht auf die Überlieferung einer Erscheinung Mariens an Giovanni Chichizola am 2. Juli 1557 und auf die Auffindung eines kleinen griechisch-byzantinisch geprägten Marienbildes zurück. Bereits 1558 wurde der neue Kult kirchlich untersucht und organisatorisch gefestigt; seit der frühen Neuzeit entwickelte sich Montallegro zum zentralen Marienheiligtum Rapallos und des historischen Capitanato.
Status:Marienheiligtum und Basilica minor im Gebiet der Diözese Chiavari; die Madonna di Montallegro ist Hauptpatronin Rapallos und des historischen Capitanato.
Kultzentrum:Das kleine sogenannte Quadretto mit der Dormitio beziehungsweise dem Transitus Mariens; dazu die Erscheinungsüberlieferung um Giovanni Chichizola, die Quelle am Erscheinungsort sowie eine umfangreiche Ex-voto- und Prozessionstradition.
Ort:Montallegro oberhalb von Rapallo am Golf von Tigullio.
Region:Ligurien.
Land:Italien.
Lage und Besuch
•Lage: Santuario di Nostra Signora di Montallegro, Salita al Santuario 24, 16035 Rapallo GE, Italien.
•Das Heiligtum liegt hoch über Rapallo und dem Golf von Tigullio. Historisch gehörte der Fußaufstieg wesentlich zur Wallfahrt; heute ist Montallegro zusätzlich über Straße und Seilbahn erreichbar.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte in Italien
•Ansicht in Street View
•Für die historische Einordnung sind neben Basilika und Kultbild besonders die Erscheinungsquelle, die Votivbestände, der traditionelle Pilgerweg und die Verbindung des Heiligtums mit den Feste di Luglio in Rapallo von Bedeutung.
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Besonders gesucht sind Gesamtansichten des Heiligtums und seiner Berglage über dem Golf von Tigullio, Fassade, Treppenanlage, Glockenturm und Innenraum, der Hochaltar mit dem Quadretto, das byzantinisch geprägte Kultbild selbst, die Fresken von Nicolò Barabino und Francesco Boero, Seitenaltäre und Kunstwerke, Ex-votos und maritime Votivbilder, die Erscheinungsquelle, historische Pilgerwege, die Seilbahn sowie Prozessionen und Festbräuche der Madonna di Montallegro in Rapallo.

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Ausführliche Beschreibung

Ein ligurisches Bergheiligtum über dem Golf von Tigullio

Das Santuario di Nostra Signora di Montallegro liegt oberhalb von Rapallo in jener für Ligurien charakteristischen Zone, in der Küstenraum und Berglandschaft unmittelbar ineinandergreifen. Der Wallfahrtsort ist deshalb sowohl durch seine Kirche bestimmt als auch durch den Weg hinauf, die Aussicht auf den Golf von Tigullio, die Verbindung zur Hafen- und Seefahrerstadt Rapallo und die Erfahrung eines deutlich vom städtischen Alltag abgesetzten Höhenraumes. Die Geschichte des Heiligtums beginnt nach der Überlieferung am 2. Juli 1557 mit einer Marienerscheinung an Giovanni Chichizola und mit der Auffindung eines kleinen Marienbildes. Aus diesem lokalen Ereignis entwickelte sich binnen kurzer Zeit ein institutionell gefestigter Kult, der nicht nur Rapallo, sondern das gesamte historische Capitanato und zahlreiche Küstengemeinden prägte. Montallegro ist deshalb zugleich Erscheinungsort, Bildheiligtum, Wallfahrtsziel, kommunaler Erinnerungsort und ein Zentrum jener maritimen Frömmigkeit, die für Ligurien über Jahrhunderte kennzeichnend war.

Die Erscheinungstradition vom 2. Juli 1557

Nach der überlieferten Erzählung befand sich Giovanni Chichizola am 2. Juli 1557 auf dem Rückweg von Genua nach Rapallo. Auf dem Berg, der in den Quellen als Monte Leto beziehungsweise Ponzema erscheint, habe er sich an einer Quelle niedergelassen, als ihm Maria erschienen sei. Im Zusammenhang mit dieser Erscheinung sei ein kleines Bild aufgefunden worden, das die Dormitio beziehungsweise den Transitus Mariens darstellt. Für die historische Darstellung ist zwischen der religiösen Aussage der Erscheinung und der nachweisbaren Kultgeschichte zu unterscheiden: Historisch bemerkenswert ist vor allem die außerordentliche zeitliche Nähe zwischen dem überlieferten Ereignis und seiner kirchlichen Untersuchung. Bereits 1558 nahm Egidio Falceta, Bischof von Caorle und Generalvikar der Erzdiözese Genua, die Vorgänge auf, hörte Chichizola und weitere Personen an und regelte mit Edikten die Verwaltung des neuen Kultortes. Damit gehört Montallegro zu jenen frühneuzeitlichen Wallfahrtsorten, deren Institutionalisierung unmittelbar auf die Gründungstradition folgte.

Vom individuellen Erlebnis zur gemeinschaftlich verwalteten Institution

Die kirchliche Untersuchung von 1558 führte nicht lediglich zu einer religiösen Anerkennung, sondern zu konkreten organisatorischen Maßnahmen. Verantwortliche für Opfergelder, Bau und Verwaltung wurden bestellt, unter ihnen sowohl Geistliche als auch Vertreter lokaler Familien. Dadurch wird sichtbar, dass die Entstehung des Heiligtums von Beginn an eine gemeinschaftliche Angelegenheit war. Wallfahrt erzeugte Einnahmen, erforderte Bauleistungen, Wege, Unterbringung und dauerhafte Verwaltung; das vermeintlich spontane religiöse Ereignis musste deshalb sehr rasch in eine stabile soziale Ordnung übersetzt werden. Bereits 1559 war ein erster Kirchenbau vollendet beziehungsweise geweiht. Die frühe Baugeschichte ist damit zugleich ein Indikator für die Geschwindigkeit, mit der sich der Kult in Rapallo und seiner Umgebung verbreitete.

Das Quadretto: ein ungewöhnliches Kultbild

Das eigentliche materielle Kultzentrum ist ein nur etwa 18 mal 15 Zentimeter großes, oben bogenförmig abgeschlossenes Bild auf Holz, das traditionell als griechisch-byzantinisch bezeichnet wird. Es zeigt nicht die in westlichen Marienwallfahrten häufige Madonna mit Kind und auch nicht die lokale Erscheinung von 1557, sondern die Dormitio beziehungsweise den Transitus Mariens: Maria liegt auf einem Lager, die Apostel versammeln sich um sie, und über der irdischen Szene erscheint eine himmlische Sphäre. Griechische Buchstaben kennzeichnen Maria als Mētēr Theou, als Mutter Gottes. Das Heiligtum bringt die Tafel aufgrund kunsthistorischer und restauratorischer Untersuchungen mit einer mittelalterlichen, teilweise sogar dem 11. Jahrhundert zugeschriebenen Entstehung in Verbindung; diese frühe Datierung sollte jedoch vorsichtig als traditionelle beziehungsweise vom Heiligtum vertretene Einordnung und nicht als unumstrittene wissenschaftliche Gewissheit verstanden werden.

Bildtheologie zwischen Ost und West

Gerade die Ikonographie des Quadretto macht Montallegro kunsthistorisch bemerkenswert. Die Dormitio gehört zu jenen Bildthemen, die in der byzantinischen Kunst eine besondere Ausprägung erfuhren und den Tod Mariens nicht primär als Ende, sondern als Übergang in die himmlische Gemeinschaft interpretieren. Im ligurischen Heiligtum wird dieses östlich geprägte Bild mit einer westlichen frühneuzeitlichen Erscheinungsüberlieferung verbunden. Dadurch entstehen zwei voneinander verschiedene, aber kultisch miteinander verschmolzene Bedeutungsebenen: Das alte Bild erzählt vom Ende des irdischen Lebens Mariens, die lokale Tradition von ihrer erneuten Erscheinung in der Landschaft von Rapallo. Die Wallfahrt verehrt somit nicht bloß ein Bild und nicht bloß einen Erscheinungsort, sondern die Verbindung zweier unterschiedlicher marianischer Bildwelten.

Die Überlieferung vom Bild, das seinen Ort selbst bestimmt

Eine für Wallfahrtslegenden charakteristische Erzählung berichtet, das Quadretto sei nach seiner Auffindung nach Rapallo gebracht worden, habe sich jedoch auf nicht natürlich erklärte Weise wieder am Berg befunden. Auch eine neuerliche Übertragung habe denselben Ausgang genommen. Die Erzählung folgt einem in Europa weit verbreiteten Gründungsmotiv: Das heilige Bild wird nicht lediglich von Menschen an einen Ort gebracht, sondern bestimmt seinen Kultplatz gleichsam selbst. Volkskundlich ist dieses Motiv deshalb wichtig, weil es den Standort der späteren Kirche sakral legitimiert. Der Berg ist nicht austauschbar; der Kult kann nicht ohne Bedeutungsverlust in die bequemere Stadt verlegt werden. Die wiederholte Rückkehr des Bildes macht aus einer topographischen Lage einen religiös begründeten Ort.

Die Ragusa-Tradition und das älteste maritime Ex-voto

Eine zweite bedeutende Traditionsschicht verbindet das Quadretto mit Ragusa, dem heutigen Dubrovnik. Historisch materiell greifbar ist ein Votiv von 1574, das mit dem dalmatinischen Kapitän Niccolò de Allegretis in Verbindung steht und ein Schiff in schwerer See zeigt. Nach der späteren Überlieferung hatte de Allegretis nach einem Sturm vor der ligurischen Küste gelobt, nach seiner Rettung ein Marienheiligtum aufzusuchen; in Montallegro habe er das Quadretto als ein zuvor in Ragusa verschwundenes Bild wiedererkannt. Daraus sei ein Rechtsstreit um die Rückgabe entstanden. Das Bild sei schließlich nach Ragusa zurückgegeben worden, habe das Schiff aber wiederum verlassen und sei nach Montallegro zurückgekehrt. Der erhaltene Votivgegenstand von 1574 ist eine historische Quelle ersten Ranges, während die weitergehende Geschichte von Herkunft, Rechtsstreit und wundersamer Rückkehr als religiöse und historiographische Tradition des Heiligtums zu behandeln ist.

Molfino und die frühe Ausbreitung der Verehrung

Bereits im 17. Jahrhundert war die Madonna di Montallegro offenbar weit über das Bergheiligtum hinaus im Alltag der Region präsent. Giovanni Agostino Molfino beschreibt 1688 eine große Verbreitung ihrer Darstellungen in Kirchen und Klöstern, Privathäusern, an Hausfassaden, Straßenecken, Gartenmauern und auf Schiffen. Diese frühe Beobachtung ist volkskundlich besonders wertvoll, weil sie zeigt, wie ein Wallfahrtskult den eigentlichen Wallfahrtsort verlässt und durch vervielfältigte Bilder in alltägliche Lebensräume eindringt. Das Heilige wird damit nicht nur aufgesucht; es wird in Form von Kopien mitgenommen. Haus, Straße und Schiff werden durch das Bild symbolisch an Montallegro angeschlossen.

Wallfahrt der Pfarreien und Bruderschaften

Der Kult entwickelte sich schon früh zu einer organisierten Gemeinschaftswallfahrt. Für das 17. Jahrhundert sind Pilgerzüge von Bruderschaften und Pfarreien dokumentiert. Die sogenannten Bianchi beziehungsweise Disciplinanti erscheinen bereits 1647, die Bruderschaft Mortis et Orationis, die Neri, 1652; für einzelne Pfarreien wie Santa Maria del Campo, San Michele di Pagana und San Pietro di Novella sind Prozessionswallfahrten seit 1662 belegt. Damit wird sichtbar, dass Montallegro nicht nur Ziel individueller Bitten und Dankhandlungen war. Ganze kirchliche Körperschaften bewegten sich gemeinsam auf den Berg. Prozessionskreuze, Fahnen, Kleidung, Gebet, Gesang und festgelegte Reihenfolgen verwandelten den Weg selbst in einen religiösen Handlungsraum.

Der historische Pilgerweg

Der traditionelle Aufstieg aus Rapallo gehört wesentlich zur Geschichte der Wallfahrt. Der historische Weg führt aus dem Stadtgebiet über San Francesco und San Bartolomeo hinauf nach Montallegro und umfasst knapp vier Kilometer. Seine Bedeutung liegt nicht allein in der Distanz, sondern in der körperlichen Erfahrung des Höhenunterschiedes. Das Gehen gliedert die Wallfahrt in Aufbruch, Anstieg, Rast, Annäherung und Ankunft; zugleich verändert sich während des Weges der Blick auf Stadt und Küste. Der Berg wird dadurch nicht bloß zum Standort der Kirche, sondern selbst zum Bestandteil des Kultes. Moderne Verkehrsmittel haben diese Erfahrung erweitert, aber nicht vollständig ersetzt.

Die Quelle am Erscheinungsort

Mit der Erscheinungstradition ist eine Quelle verbunden, deren Wasser als acqua della Madonna bezeichnet wird. Die Wasserstelle gehört zur materiellen Topographie des Erinnerungsortes und wird in der Umgebung der Kapelle San Giuseppe beziehungsweise des Erscheinungsbereiches gefasst. Quellen treten in zahlreichen europäischen Wallfahrten als Zeichen besonderer Ortsqualität auf, doch sollte für Montallegro nicht ohne konkrete historische Belege ein ausgeprägter Heilquellenkult angenommen werden. Sicher ist, dass Wasser, Erscheinungsort und Erinnerung räumlich miteinander verbunden sind und die Quelle deshalb einen festen Bestandteil der lokalen Sakrallandschaft bildet.

Die Pest von 1656/57 und das kommunale Gelübde

Besonders deutlich zeigt sich die Verbindung von Wallfahrt und Stadtgeschichte während der schweren Pestepidemie von 1656/57. Rapallo war nach den überlieferten Pfarr- und Ortsangaben weniger stark betroffen als zahlreiche andere ligurische Gemeinden. Die zeitgenössische religiöse Deutung schrieb diese Bewahrung der Madonna di Montallegro zu. Am 29. August 1657 beschloss die kommunale Obrigkeit deshalb ein dauerhaftes Gelübde; 1658 wurde eine silberne Votivtafel zum Heiligtum gebracht. Historisch sind also sowohl die Epidemie als auch die kommunale Reaktion greifbar, während die Zuschreibung des vergleichsweise glimpflichen Verlaufes an die Madonna als zeitgenössische Glaubensdeutung verstanden werden muss.

Die Stadt stiftet ihr eigenes Bild

Das Pestvotiv und weitere kommunale Silbervotive besitzen nicht nur religiöse, sondern auch stadtgeschichtliche Bedeutung. Sie zeigen Rapallo mit Häusern, Kirchen, Küstenlinie und Befestigungen und bewahren damit historische Ansichten des Ortes. Die Gemeinde stiftete der Madonna also nicht lediglich kostbares Metall, sondern gewissermaßen ein Bild ihrer selbst. In der symbolischen Logik des Ex-voto legt die Stadt ihr eigenes Abbild unter den Schutz der Patronin. Spätere Silbervotive entstanden in Zusammenhang mit militärischen Ereignissen von 1747 und der Cholera von 1835/36. Dadurch entstand eine materielle Folge kollektiver Krisenerinnerungen: Pest, Krieg und Epidemie wurden jeweils in ein dauerhaftes Objekt übersetzt.

Die Wahl zur Patronin und der soziale Wert eines Feiertages

1736 begann das Verfahren, die Madonna di Montallegro zur Hauptpatronin des historischen Capitanato di Rapallo zu erklären. Die römische Ritenkongregation bestätigte die Wahl am 31. Januar 1739 und bestimmte den 2. Juli als Festtag. Hervorzuheben ist, dass nicht alle Gemeinden vorbehaltlos zustimmten. Aus Portofino ist die Begründung überliefert, ein zusätzlicher gebotener Feiertag belaste eine Bevölkerung, die vielfach von Fischerei und täglicher Erwerbsarbeit abhängig sei. Damit wird sichtbar, dass liturgische Kalender auch Wirtschafts- und Sozialgeschichte sind. Ein religiöser Festtag bedeutete nicht nur Gottesdienst, Prozession und Feier, sondern für arme Familien unter Umständen den Verlust eines Arbeitstages. Frömmigkeit, kommunale Identität und materielle Lebensbedingungen standen deshalb nicht immer spannungsfrei nebeneinander.

Ex-votos als Archiv der Alltags- und Seefahrtsgeschichte

Die Ex-voto-Bestände von Montallegro gehören zu den kulturhistorisch wichtigsten Quellen des Heiligtums. Tausende Votivgaben waren beziehungsweise sind in Kirche, Nebenräumen, Kapellen, Sakristei und weiteren Bereichen des Komplexes verwahrt. Sie dokumentieren Krankheit, Unfall, Geburt, Krieg, Sturm, Schiffbruch, wirtschaftliche Gefahr und persönliche Krisen. Gerade die maritimen Votive besitzen für Rapallo besondere Aussagekraft. Schiffe, Küsten, Windrichtungen, Masten, Takelage und Beschädigungen werden teilweise mit erstaunlicher Genauigkeit wiedergegeben. Damit sind die Bilder zugleich religiöse Zeugnisse und Quellen zur Geschichte von Schifffahrt, Technik und Arbeitswelt.

Ex-voto ist eine Funktion, kein Stil

Die Montallegro-Sammlung zeigt besonders deutlich, dass Votivmalerei nicht mit einem einheitlichen "naiven" Kunststil gleichgesetzt werden darf. Neben handwerklich einfachen Bildern finden sich Arbeiten professioneller Marinemaler wie Angelo Arpe, Domenico Gavarrone und Antonio Luzzo. Ein Votiv kann deshalb künstlerisch anspruchsvoll oder einfach ausgeführt sein; entscheidend ist nicht der Stil, sondern seine Funktion. Es erinnert an eine Gefahr, benennt eine als erfahren verstandene Hilfe und macht Dank dauerhaft sichtbar. Gerade diese funktionale Gemeinsamkeit verbindet Werke sehr unterschiedlicher künstlerischer Qualität.

Der Brigantino Granduca Leopoldo und andere Schiffsbildnisse

Ein bekanntes Beispiel aus dem Jahr 1849 zeigt den Brigantino Granduca Leopoldo unter Kapitän Filippo Campodonico und wird Domenico Gavarrone zugeschrieben. Solche Bilder besitzen eine doppelte Lesbarkeit. Für die Stifter waren sie Erinnerungs- und Dankzeichen; für die heutige Forschung sind sie zugleich Schiffsbildnisse, die Bauform, Takelage und maritime Praxis dokumentieren. Das Votivbild steht damit zwischen Andachtsbild, Porträt eines Schiffes und Unfallbericht. Gerade in einer Hafenregion wie dem Tigullio erhält diese Bildgattung eine besondere Dichte.

Montevideo 1868: ein lokaler Kult in globaler Bewegung

Ein vom italienischen Kulturgüterkatalog dokumentiertes Votiv von 1868 zeigt den Brigantino Vittorio Alfieri in schwerer See vor beziehungsweise auf der Reede von Montevideo. Der Matrose Antonio Schiaffino stiftete das Bild nach überstandener Gefahr. Hervorzuheben ist, dass die himmlische Schutzfigur nicht als beliebige Madonna erscheint, sondern durch die Ikonographie von Montallegro identifizierbar bleibt. Der feste Bergwallfahrtsort oberhalb Rapallos und die hochmobile Welt der Seefahrt bilden dadurch zwei Pole eines einzigen religiösen Bezugsraumes. Seeleute trugen die Madonna in Erinnerung, Bild oder Gebet bis nach Südamerika; nach der Heimkehr brachten sie die ferne Gefahr in Form des Ex-voto wieder nach Montallegro zurück.

Das Heiligtum als maritime Erinnerungskarte

Die Vielzahl der Schiffs- und Seevotive kann kulturwissenschaftlich wie eine besondere Karte gelesen werden. Nicht geographische Linien verbinden die Orte, sondern Biographien, Fahrtrouten, Gefahren und Dankhandlungen. Atlantik, Mittelmeer, südamerikanische Häfen und ligurische Küste treffen in einem Bergheiligtum zusammen. Die Bilder dokumentieren damit, wie weit der soziale Horizont Rapallos reichte. Montallegro war lokal tief verwurzelt, aber keineswegs provinziell; seine Verehrer bewegten sich in einem transnationalen maritimen Raum.

Der Kirchenbau und seine historischen Schichten

Die heutige Basilika ist kein einheitlich in einer Epoche entstandenes Kunstwerk, sondern Ergebnis mehrerer Bau- und Ausstattungsphasen. Der erste Bau entstand unmittelbar nach der kirchlichen Institutionalisierung des Kultes und war bereits 1559 vollendet beziehungsweise geweiht. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Komplex mehrfach erweitert und den wachsenden Anforderungen der Wallfahrt angepasst. Besonders tiefgreifend waren die Umbauten des 19. Jahrhunderts, in denen das Heiligtum jene historistische Prägung erhielt, die heute sein Erscheinungsbild bestimmt. Kunsthistorisch ist daher weniger nach einem einzigen "Originalzustand" zu fragen als nach der Art, wie jede Epoche den bestehenden Kult neu inszenierte.

Francesco Boero: die Geschichte des Heiligtums als Bilderzyklus

In den 1860er-Jahren erhielt der Innenraum einen neuen historischen Bildzyklus. Francesco Boero aus Rapallo schuf vier Gewölbemedaillons, die zentrale Episoden der lokalen Kultgeschichte darstellen: Chichizolas Bericht in Rapallo, die Übertragung des Quadretto, seine Übergabe an den Raguseo und die wundersame Rückkehr des Bildes nach Montallegro. Damit wird die Kirche selbst zur illustrierten Chronik. Nicht nur biblische Szenen oder allgemeine Marienikonographie erscheinen als bildwürdig, sondern die eigene Ortsgeschichte. Das 19. Jahrhundert monumentalisiert auf diese Weise die lokale Erinnerung und erklärt dem Pilger durch Bilder, warum dieser Ort heilig geworden ist.

Nicolò Barabino und das monumentale Erscheinungsbild

Eine zentrale Stellung besitzt die großformatige Darstellung der Erscheinung Mariens vor Giovanni Chichizola von Nicolò Barabino im Bereich des Hochaltares beziehungsweise der Apsis. Sie entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und wurde für die visuelle Erinnerung des Kultes außerordentlich wichtig. Gerade weil das historische Quadretto selbst nicht die Erscheinung von 1557 zeigt, benötigte die lokale Tradition ein eigenes Bild für den Gründungsmoment. Barabino schafft dieses Bild: Der kleine, materielle Kultgegenstand und die monumentale Erzählung der Erscheinung erfüllen damit unterschiedliche Aufgaben. Das Quadretto bewahrt die materielle Kontinuität des Kultes, Barabinos Malerei vergegenwärtigt seine Ursprungserzählung.

Hochkunst und Votivfrömmigkeit: Luca Cambiaso

Besonders aufschlussreich ist ein Gemälde der Verkündigung, das Luca Cambiaso zugeschrieben und 1672 von Giovanni Antonio Pettinati gestiftet wurde. Die Stiftung erfolgte als Dank für die Genesung seiner Frau. Dadurch verbindet sich ein kunsthistorisch hochrangiges Werk unmittelbar mit derselben Grundstruktur, die auch ein einfaches gemaltes Ex-voto bestimmt: Gefahr oder Krankheit, erfahrene Hilfe und Dankgabe. Die traditionelle Trennung zwischen "hoher Kunst" und "Volksfrömmigkeit" erweist sich hier als unzureichend. Unterschiedlich sind Wert, Material und künstlerisches Niveau; die Logik der Gabe bleibt vergleichbar.

Nicolò Carlone und Francesco Schiaffino

Weitere bedeutende Werke der Ausstattung stammen aus dem genuesisch-ligurischen Kunstkreis. Eine Visitazione von Nicolò Carlone ist archivalisch im Zusammenhang mit dem Heiligtum belegt; demselben Künstler wird auch eine Addolorata zugeschrieben. Ein Marmorkruzifix von Francesco Schiaffino verweist auf die hohe Qualität der skulpturalen Ausstattung des 18. Jahrhunderts. Der zugehörige Altar wurde 1761 von Nicolò Maria Durante ausgeführt. Diese Werke zeigen, dass Montallegro trotz seiner Lage außerhalb der Stadt eng in die künstlerischen Netzwerke Genuas und der Riviera eingebunden blieb.

Der Hochaltar von Luigi Rovelli

1882 entstand nach Entwurf des Architekten Luigi Rovelli ein neuer Hochaltar. Hervorzuheben ist, dass die historisch gewachsene Ädikula beziehungsweise Inszenierung des Quadretto dabei nicht verdrängt wurde. Das kleine Kultbild blieb der eigentliche Mittelpunkt, um den sich die neue Architektur ordnete. Ein reicher silberner Draperie- und Rahmenschmuck geht auf eine Stiftung des Rapallesen Tomaso Noce von 1743 zurück. Der Altar macht damit sichtbar, wie unterschiedliche Epochen am selben Kultzentrum weiterbauen: Das Bild bleibt, seine Rahmung und architektonische Umgebung werden immer wieder erneuert. In der Hierarchie des Heiligtums bestimmt folglich das Kultobjekt die Architektur und nicht umgekehrt.

Die Fassade von 1896: historistische Erinnerungspolitik

Die monumentale Fassade mit ihrer großen Treppenanlage wurde 1896 nach Entwurf Luigi Rovellis eingeweiht. Sie verbindet Spitzbogenformen, Fialen, arkadenartige Gliederungen und farbige Marmorwirkungen mit einer Bildsprache, die auf lombardische und ligurische Mittelaltertraditionen verweist. Die Bezeichnung "Neogotik" trifft einen Teil dieser Gestaltung, greift aber zu kurz, weil Rovelli mehrere historische Formensprachen zu einem bewusst altertümlich wirkenden Gesamtbild verbindet. Es handelt sich nicht um die Rekonstruktion eines mittelalterlichen Bauzustandes, sondern um historistische Architektur, die Alter, Dauer und Würde sichtbar machen soll. Das Heiligtum des 16. Jahrhunderts erhält damit im späten 19. Jahrhundert eine Schauseite, die seine inzwischen jahrhundertelange Geschichte architektonisch behauptet.

Die Arca argentea und die mobile Repräsentation des Kultes

Für die Prozessionen in Rapallo entstand eine monumentale silberne Repräsentation der Madonna di Montallegro. Bereits 1698 wurde bei Felice Parrata eine aufwendige cassa bestellt; 1779 folgte eine neue beziehungsweise erweiterte Komposition durch Luigi Vitale. Die silberne Prozessionsgruppe verbindet das Kultbild mit Engeln und der Erscheinungsszene um Giovanni Chichizola. Dadurch wird das winzige, im Heiligtum gebundene Quadretto in eine große, bewegliche Bildform übersetzt. Was auf dem Berg ortsfest bleibt, kann in Rapallo durch die Straßen getragen werden. Prozession bedeutet damit nicht nur Bewegung der Gläubigen, sondern auch kontrollierte Mobilisierung des Kultbildes.

Die Feste di Luglio und die sechs Sestieri

Die jährlichen Feste di Luglio am 1., 2. und 3. Juli gehören zu den prägenden kommunalen Traditionen Rapallos. Die sechs historischen Sestieri Borzoli, Cappelletta, Cerisola, Costaguta, Seglio und San Michele tragen einen wesentlichen Teil dieser Festkultur. Liturgie, Prozession, Gelübdeerfüllung, Silberbild, Glocken, Beleuchtung und pyrotechnische Formen verbinden sich zu einem komplexen Festgefüge. Dabei handelt es sich nicht um ein weltliches Spektakel, dem lediglich ein religiöser Anlass vorangestellt wäre. Vielmehr sind religiöse Verehrung, territoriale Gliederung der Stadt, Nachbarschaftsidentität und öffentliche Repräsentation historisch miteinander verflochten.

Mascoli und reciammi: die Stadt wird hörbar

Zu den charakteristischen Ausdrucksformen der Julifeiern gehören die mascoli beziehungsweise mortaletti liguri, deren Verwendung im Festzusammenhang bis mindestens ins frühe 17. Jahrhundert zurückverfolgt wird. Entscheidend ist weniger ihre technische Beschaffenheit als ihre kommunikative und territoriale Funktion. Die Sestieri antworten einander mit festgelegten Salven, den reciammi. Dadurch wird die Stadt akustisch gegliedert: Nachbarschaften werden sowohl durch Straßen und Grenzen als auch durch Klang wahrnehmbar. Gleichzeitig verbindet der gegenseitige Ruf die einzelnen Sestieri zu einer gemeinsamen Festgemeinschaft. Volkskundlich lassen sich die reciammi deshalb als eine Form akustischer Raumordnung verstehen.

Die Prozession als Darstellung der Stadtgemeinschaft

Wenn die silberne Madonna durch Rapallo getragen wird, verwandelt sich das religiöse Bild in einen Mittelpunkt der städtischen Gemeinschaft. Die Prozession verbindet Geistlichkeit, Bruderschaften, Vertreter der Sestieri, kommunale Repräsentation und zahlreiche Gläubige. Ihre Bedeutung liegt nicht allein im Transport des Bildes von einem Punkt zum anderen. Prozession macht soziale Ordnung sichtbar, erzeugt einen gemeinsamen Bewegungsrhythmus und schreibt den Kult für einige Stunden in Straßen und Plätze ein. Der Stadtraum wird dadurch temporär zu einem religiösen Handlungsraum.

Die Seilbahn und die Modernisierung der Wallfahrt

Mit der 1934 eröffneten Seilbahn Rapallo-Montallegro veränderte sich die Erreichbarkeit des Heiligtums grundlegend. Der Aufstieg, der zuvor wesentlich zu Fuß oder mit anderen langsameren Verkehrsmitteln bewältigt wurde, konnte nun in kurzer Zeit überwunden werden. Diese Technisierung beseitigte die Wallfahrt nicht, veränderte aber ihre Körperlichkeit. Der traditionelle Pilger erlebt Weglänge, Steigung und Ermüdung; der Fahrgast der Seilbahn erlebt Höhe, Landschaft und den raschen Wechsel vom Küstenraum zum Bergheiligtum. Beide Formen der Annäherung gehören inzwischen zur Geschichte Montallegros.

Vom lokalen Ereignis zum Erinnerungsraum Rapallos

Montallegro ist kulturhistorisch deshalb besonders ergiebig, weil sich hier unterschiedliche Medien der Erinnerung gegenseitig ergänzen. Das Quadretto bewahrt die materielle Kontinuität des Kultes; Barabinos und Boeros Malereien erzählen die Gründungsgeschichte; Ex-votos bewahren individuelle Gefahren und Dankhandlungen; kommunale Silbertafeln erinnern an kollektive Krisen; die Arca argentea macht den Kult mobil; Prozession und Wallfahrt stellen Gemeinschaft körperlich her; mascoli und reciammi machen dieselbe Zugehörigkeit hörbar. Der Wallfahrtsort ist deshalb nicht bloß eine Kirche auf einem Berg, sondern ein religiöser Erinnerungsraum, der Stadt, Landschaft, Meer, soziale Gruppen und historische Erfahrung miteinander verbindet.

Quellen und Literatur

Giovanni Agostino Molfino: historische Beschreibung der Madonna di Montallegro und ihrer Verehrung. Rapallo, 1688.

Antero Maria da San Bonaventura: Li lazzaretti della città e riviere di Genova del MDCLVII. Genua 1658.

Stefano Cuneo: Memorie storiche dell'insigne Santuario di Montallegro. Genua 1857.

Stefano Cuneo: Storia dell'insigne Santuario di Montallegro. Genua 1896.

A. Cappellini: Il Santuario di N. S. di Montallegro sopra Rapallo. In: Genova. Rivista municipale, 1930.

Emilio Carta, Umberto Ricci, Francesco Maria Ruffini: Rapallo sacra minore. Rapallo 1980.

Maria Angela Bacigalupo, Pier Luigi Benatti, Emilio Carta u. a.: Ex voto a Montallegro. Rapallo 1989.

Maria Angela Bacigalupo, Emilio Carta, Umberto Ricci, Francesco Maria Ruffini: Montallegro e il mare. Rapallo 1994.

Ministero della Cultura, Catalogo generale dei Beni Culturali: Dokumentationen zu Votivbildern, Silbervotiven und Kunstwerken des Heiligtums von Montallegro.

Santuario di Nostra Signora di Montallegro: historische Dokumentationen zur Erscheinungstradition, zum Quadretto, zur Baugeschichte, zur Kunst- und Votivüberlieferung.

Historische und volkskundliche Dokumentationen zu den Feste di Luglio, den Sestieri und den Prozessionstraditionen Rapallos.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher