Rom und Vatikan - Petersdom, Basilica di San Pietro

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Wallfahrt:Wallfahrt zum Grab des Apostels Petrus; seit der Spätantike ein Hauptziel der Romwallfahrt und in den Heiligen Jahren eine der vier römischen Hauptbasiliken der Jubiläumspilger.
Status:Päpstliche Basilica maior und eines der bedeutendsten christlichen Pilgerziele. Der Petersdom ist nicht die Kathedrale von Rom; diese Funktion hat San Giovanni in Laterano.
Kultzentrum:Das verehrte Grab des Apostels Petrus unter dem Papstaltar; darüber die Confessio mit der Nische der Pallien und Berninis Baldachin.
Ort:Piazza San Pietro, 00120 Città del Vaticano, Vatikanstadt.
Region:Vatikanstadt / Rom (Latium).
Land:Vatikanstadt.
Lage und Besuch
Piazza San Pietro, 00120 Città del Vaticano, Vatikanstadt.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Italien
Offizielle Internetseite des Petersdoms
Ansicht in Street View
Öffnungszeiten: täglich 7:00–20:00 Uhr; letzter Einlass gewöhnlich bis 19:15 Uhr. Der Eintritt in die Basilika ist grundsätzlich frei. Sicherheitskontrollen sind obligatorisch; Kuppel, Museum und Vatikanische Nekropole haben eigene Zugangs- und Buchungsregelungen. Bei großen Liturgien und besonderen Anlässen kann der Besuch eingeschränkt sein.
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Ausführliche Beschreibung

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Außenansicht des Petersdoms über die Via della Conciliazione im Juni 1966.

Die breite Sichtachse auf die Fassade Carlo Madernos und Michelangelos Kuppel gehört heute zu den bekanntesten Ansichten Roms. Der Petersplatz liegt bereits im Staatsgebiet der Vatikanstadt; die Via della Conciliazione führt aus Rom unmittelbar auf das Heiligtum zu.

Rom (Vatikan), Basilica di San Pietro, Petersdom

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Blick vom Dach des Petersdoms auf den Petersplatz im Juni 1966.

Der von Gian Lorenzo Bernini gestaltete Platz mit seinen Kolonnaden ist nicht nur repräsentativer Vorraum der Basilika, sondern seit dem 17. Jahrhundert auch Bühne für Liturgie, Papstsegen und die Aufnahme großer Pilgermengen.

Rom, Vatikan, Blick vom Dach des Petersdomes auf den Petersplatz im Juni 1966

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Am Dach des Petersdoms im Juni 1966.

Die historische Aufnahme dokumentiert den Besuch des Petersdoms während des Pontifikats Pauls VI.; zwei Jahre später gab der Papst bekannt, dass die bei den vatikanischen Ausgrabungen untersuchten Gebeine nach damaligem Forschungsstand überzeugend als Reliquien des Apostels Petrus identifiziert worden seien.

Rom, Vatikan, Am Dach des Petersdomes 1966

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

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Ausführliche Beschreibung

Das Zentrum der Romwallfahrt

Der Petersdom gehört zu den wenigen Wallfahrtskirchen Europas, deren Bedeutung sich kaum mit einem einzelnen Gnadenbild, einer Erscheinung oder einem regionalen Heiligenkult erklären lässt. Sein eigentlicher Mittelpunkt ist ein Grab. Unter dem Papstaltar und der gewaltigen Kuppel befindet sich jene Stelle am Abhang des Vatikanischen Hügels, die seit der frühen Christenheit als Grab des Apostels Petrus verehrt wird. Aus dieser Memoria entwickelte sich zunächst ein kleiner Grabkult, dann die konstantinische Basilika, die mehr als zwölf Jahrhunderte lang eines der wichtigsten Pilgerziele der Christenheit war, und schließlich der heutige Renaissance- und Barockbau. Architektur, Papsttum und Kunstgeschichte sind deshalb in St. Peter nicht der Ausgangspunkt, sondern gewissermaßen die monumentale Hülle eines wesentlich älteren Pilgerortes.

Der Petersdom ist eine päpstliche Basilica maior, aber nicht die Kathedrale des Bischofs von Rom. Diese Funktion besitzt die Lateranbasilika San Giovanni in Laterano. Die Sonderstellung von St. Peter beruht vielmehr auf der Verbindung zum Apostelgrab und auf der daraus erwachsenen Bedeutung für das Papstamt, die römische Kirche und die weltweite katholische Wallfahrt. Der Ort ist zugleich Gotteshaus, Memorialkirche, päpstlicher Liturgieraum, Grabkirche zahlreicher Päpste, Kunstdenkmal und eines der sichtbarsten Symbole des Christentums. Entscheidend für seinen Charakter als Wallfahrtsort ist daher nicht allein die Baugeschichte mit Namen wie Bramante, Michelangelo und Bernini, sondern die weit ältere Kultkontinuität am Petrusgrab.

Petrus in Rom: Martyrium, Grab und frühe Verehrung

Die Überlieferung der römischen Kirche verbindet den Tod des Apostels Petrus mit der neronischen Christenverfolgung des 1. Jahrhunderts. Der genaue Ablauf seines Martyriums lässt sich historisch nicht in allen Einzelheiten rekonstruieren. Frühchristliche Zeugnisse machen jedoch deutlich, dass Petrus und Paulus sehr früh als apostolische Märtyrer Roms erinnert wurden. Spätestens um das Ende des 2. Jahrhunderts ist die örtliche Verehrung am Vatikanhügel konkret greifbar. Eusebius von Caesarea überliefert die Aussage des römischen Presbyters Gaius, man könne am Vatikan und an der Straße nach Ostia die "Trophäen" der Apostel sehen. Mit dem vatikanischen Tropaion ist eine kleine Gedächtnisarchitektur gemeint, die im 2. Jahrhundert über der als Petrusgrab verehrten Stelle errichtet worden war.

Der Ort lag ursprünglich nicht in einem christlichen Kirchenbezirk, sondern in einer römischen Nekropole am Vatikanischen Hügel, nahe dem Circus des Caligula und Nero. Gerade diese topographische Situation ist für die historische Beurteilung bedeutsam. Die Grabstätte wurde nicht erst in konstantinischer Zeit erfunden, um eine Basilika zu legitimieren; vielmehr nahm der enorme Aufwand des konstantinischen Kirchenbaus bewusst Rücksicht auf einen bereits vorhandenen Verehrungsort. Der Kaiser ließ Teile der damals noch bestehenden Nekropole überbauen und den Hang aufwendig aufschütten und planieren, um den großen Kirchenraum so auszurichten, dass die Petrusmemoria im Zentrum des Querhauses und der Apsis zu liegen kam. Die Topographie wurde also dem Grab untergeordnet, nicht umgekehrt.

Die Ausgrabungen unter St. Peter und die Frage nach den Petrusreliquien

Zwischen 1939 und 1949 wurden unter Papst Pius XII. umfangreiche archäologische Untersuchungen unter der Confessio und den Vatikanischen Grotten durchgeführt. Dabei kam eine außergewöhnlich gut erhaltene römische Nekropole mit Grabbauten des 1. bis 4. Jahrhunderts zum Vorschein. Im Bereich unter dem Papstaltar konnte die frühchristliche Petrusmemoria mit der sogenannten Roten Mauer und dem Tropaion des Gaius identifiziert werden. Zahlreiche Graffiti in der Umgebung dokumentieren christliche Verehrung; besonders bekannt wurde ein fragmentarischer griechischer Schriftzug, der unterschiedlich als Hinweis auf die Anwesenheit des Petrus oder als Friedenswunsch an Petrus gelesen worden ist.

Die archäologische Lokalisierung des verehrten Grabes ist von der Frage nach den erhaltenen Gebeinen zu unterscheiden. Pius XII. erklärte 1950, die Grabstätte selbst sei gefunden worden, ließ die Frage nach den Reliquien aber zunächst offen. Spätere Untersuchungen, besonders jene der Epigraphikerin Margherita Guarducci, bezogen menschliche Knochen aus einer Nische bei der Roten Mauer in die Diskussion ein. Paul VI. gab 1968 bekannt, die Untersuchungen erlaubten nach dem Urteil der beigezogenen Fachleute eine überzeugende Identifizierung der Reliquien; zugleich stellte er ausdrücklich fest, dass Forschung, Prüfung und Diskussion damit nicht beendet seien. Auch heutige vatikanische Darstellungen formulieren vorsichtig, die Knochen könnten mit gutem Grund als jene des Apostels Petrus betrachtet werden. Historisch lässt sich daher zweierlei festhalten: Die jahrhundertelange Kultkontinuität an dieser Stelle und die archäologische Petrusmemoria sind außerordentlich gut belegt; die individuelle Identifizierung einzelner Knochen bleibt eine historische und naturwissenschaftliche Zuschreibung, keine mathematisch beweisbare Gewissheit.

Konstantins Alt-St. Peter

Im frühen 4. Jahrhundert ließ Kaiser Konstantin über dem verehrten Grab eine monumentale fünfschiffige Basilika errichten. Der Baubeginn wird gewöhnlich in die Zeit um 319 bis 324 gesetzt; der neue Kirchenbau gehörte zu den größten sakralen Bauunternehmen der konstantinischen Epoche. Die Basilika war als gewaltiger Längsbau mit fünf Schiffen, Querhaus, Apsis und vorgelagertem Atrium konzipiert. Die vatikanische Nekropole wurde für dieses Projekt teilweise abgetragen und überdeckt, wobei die Petrusmemoria als heiliger Fixpunkt erhalten blieb. Vor dem Grab entstand eine monumentale Einfassung, die das Tropaion in den neuen christlichen Kultbau integrierte.

Alt-St. Peter war damit von Beginn an eine Memorial- und Pilgerkirche. Im Unterschied zu einer gewöhnlichen Gemeindekirche zog der Bau Menschen an, die zum Grab des Apostels kamen. Über Jahrhunderte wurde die Memoria immer wieder neu gefasst, ohne ihre Lage zu verändern. Unter Gregor dem Großen entstand um 600 ein Altar über der Grabstelle; weitere Altäre folgten unter Calixt II. im 12. Jahrhundert und Clemens VIII. gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Diese bemerkenswerte vertikale Kontinuität erklärt die heutige Situation: Der moderne Papstaltar, Berninis Baldachin, Michelangelos Kuppel und die darunterliegende Confessio markieren noch immer denselben kultischen Mittelpunkt, um den bereits die konstantinische Basilika organisiert war.

Ein europäisches Pilgerzentrum des Mittelalters

Für das mittelalterliche Europa war Alt-St. Peter weit mehr als eine römische Kirche. Pilger aus Italien, dem Frankenreich, den britischen Inseln, dem deutschen Raum und anderen Teilen Europas kamen ad limina apostolorum, "zu den Schwellen der Apostel", nach Rom. Der Besuch der Gräber von Petrus und Paulus wurde zu einer der großen Formen christlicher Fernwallfahrt neben Jerusalem und später Santiago de Compostela. Könige, Bischöfe, Mönche und einfache Gläubige erscheinen in den Quellen als Rompilger; manche legten Krone oder Amt nieder und suchten am Petrusgrab einen religiösen Neubeginn.

Der enorme Zustrom prägte auch das Stadtviertel vor der Basilika. Im frühen Mittelalter entstanden in der Nähe von St. Peter nationale Pilgergemeinschaften und Herbergen, die sogenannten scholae peregrinorum. Sachsen, Friesen, Franken und Langobarden unterhielten eigene Einrichtungen mit Kirchen, Unterkünften und Versorgung für Landsleute. Der heutige Borgo entwickelte sich dadurch zu einem internationalen Pilgerviertel. Diese Einrichtungen waren nicht nur praktische Schlafstätten; sie ermöglichten Menschen, die Sprache, Rechtsverhältnisse und Wege in Rom nicht kannten, eine organisierte Ankunft am Apostelgrab. Die Wallfahrt erzeugte damit schon im frühen Mittelalter eine eigene Infrastruktur aus Hospizen, Klöstern, Armenfürsorge, liturgischer Betreuung und Handel.

Nach der Plünderung von St. Peter durch sarazenische Angreifer im Jahr 846 ließ Papst Leo IV. den Vatikanbezirk mit einer Mauer befestigen. Die neue Civitas Leonina schützte Basilika, Pilgerquartiere und päpstliche Einrichtungen. Gerade dieser Vorgang zeigt, welchen Rang der Wallfahrtsort längst erreicht hatte: Um das Apostelgrab war außerhalb der alten Stadtmauern ein eigener sakraler und urbaner Schwerpunkt entstanden.

Das Heilige Jahr und die Heilige Pforte

Eine neue Dimension erhielt die Romwallfahrt mit den Jubeljahren. Das erste ordentliche Heilige Jahr wurde 1300 von Papst Bonifaz VIII. ausgerufen, nachdem bereits große Pilgerscharen nach Rom gekommen waren, um an den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus zu beten. Der Jubiläumsablass verband die körperliche Reise zu den Apostelgräbern mit Beichte, Gebet und kirchlicher Bußpraxis. In späteren Jahrhunderten wurden neben St. Peter und St. Paul auch San Giovanni in Laterano und Santa Maria Maggiore zu den vier Hauptbasiliken der römischen Jubiläumspilger.

Die Heilige Pforte macht diese Wallfahrt bis heute sichtbar. Eine solche Pforte ist für das Lateranjubiläum 1423 belegt; in St. Peter ist ihre Öffnung zum Heiligen Jahr 1500 sicher dokumentiert. Seitdem gehört das feierliche Öffnen und Schließen der Porta Santa zum Ritual der römischen Jubeljahre. Die Pforte wird außerhalb der Heiligen Jahre verschlossen beziehungsweise auf ihrer Innenseite vermauert und zum Jubiläum wieder geöffnet. Das Durchschreiten ist kein magischer Akt und der Ablass kein mechanisch durch den Durchgang erworbener Vorteil; in der kirchlichen Ordnung gehört er zu einem religiösen Gesamtvollzug aus Umkehr, Sakramenten, Gebet und Wallfahrt. Gerade die materielle Pforte verleiht diesem abstrakten Gedanken jedoch eine eindrucksvolle körperliche Form: Der Pilger überschreitet eine Schwelle.

Im Heiligen Jahr 2025 strömten erneut Pilger aus aller Welt durch die Heilige Pforte von St. Peter. Nach Abschluss des Jubiläums wurde sie wieder verschlossen und in der traditionellen Form von innen vermauert. Die lange Kontinuität des Rituals zeigt, wie stark die Romwallfahrt bis in die Gegenwart durch wiederkehrende Zeitrhythmen strukturiert wird: Nicht nur der Ort, sondern auch das besondere Jahr, die geöffnete Pforte und der gemeinsam mit Millionen anderen Gläubigen vollzogene Weg gehören zur Erfahrung.

Der Neubau: von Julius II. bis zur Weihe von 1626

Um 1500 war die konstantinische Basilika nach mehr als tausend Jahren baulich schwer geschädigt und vielfach verändert. Papst Julius II. entschloss sich nicht zu einer weiteren Reparatur, sondern zu einem monumentalen Neubau. Am 18. April 1506 legte er den Grundstein. Damit begann eines der langwierigsten und folgenreichsten Bauprojekte der europäischen Kunstgeschichte. Die Arbeiten erstreckten sich über rund 120 Jahre und mehr als zwanzig Pontifikate. Bramante entwarf einen zentralisierten Neubau mit mächtiger Kuppel; nach seinem Tod änderten Raphael, Fra Giocondo, Giuliano da Sangallo, Antonio da Sangallo der Jüngere und Baldassare Peruzzi die Planungen mehrfach. Michelangelo übernahm 1546 die Leitung und gab dem Bau wieder eine kraftvolle Zentralisierung. Er plante die Kuppel und führte deren Tambour weitgehend aus; Giacomo della Porta und Domenico Fontana vollendeten die Kuppel 1588 bis 1590.

Unter Paul V. verlängerte Carlo Maderno den Zentralbau nach Osten zum heutigen Langhaus und errichtete von 1608 bis 1612 die monumentale Fassade. Mit diesem Schritt erhielt St. Peter endgültig den Charakter einer großen Prozessions- und Pilgerkirche, verlor allerdings aus vielen Blickwinkeln die unmittelbare Wirkung des michelangelesken Zentralbaus. Am 18. November 1626 wurde die neue Basilika von Papst Urban VIII. feierlich geweiht. Der heutige Bau feiert damit 2026 den vierhundertsten Jahrestag seiner Dedikation.

Der Neubau und die Ablasskontroverse der Reformationszeit

Die Finanzierung des gigantischen Neubaus gehört untrennbar zur europäischen Religionsgeschichte. Für St. Peter wurden unter Julius II. und Leo X. besondere Ablässe mit finanziellen Beiträgen zum Kirchenbau verbunden. In den deutschen Gebieten wurde die sogenannte St.-Peters-Indulgenz unter anderem durch den Dominikaner Johann Tetzel gepredigt; zugleich war die Kampagne mit den finanziellen Verpflichtungen des Mainzer Erzbischofs Albrecht von Brandenburg gegenüber den Fuggern verknüpft. Die populäre Kurzformel, der Petersdom sei einfach "vom Ablasshandel gebaut worden", ist zu grob: Der Bau wurde aus vielen Einnahmequellen finanziert und die katholische Ablasslehre setzte den Erlass zeitlicher Sündenstrafen grundsätzlich nicht mit dem Kauf der Sündenvergebung gleich. Dennoch waren die aggressive Vermarktung und die Verbindung geistlicher Vergünstigungen mit Geldzahlungen ein realer Missstand und einer der unmittelbaren Anlässe für Martin Luthers Ablasskritik von 1517.

Damit berührt St. Peter einen der großen Brüche der europäischen Kirchengeschichte. Der Neubau, der die universale Bedeutung des Papsttums und des Apostelgrabes monumental ausdrücken sollte, wurde zugleich in einen Konflikt hineingezogen, der die Einheit der lateinischen Christenheit erschütterte. Für die Geschichte der Wallfahrt ist dieser Zusammenhang besonders aufschlussreich: Ablässe, Pilgerreisen, Stiftungen und Kirchenbau waren im späten Mittelalter eng miteinander verbunden; gerade an St. Peter wurden Chancen und Gefahren dieses Systems besonders sichtbar.

Michelangelos Kuppel und das Petrusgrab als architektonische Achse

Die wichtigste Leistung Michelangelos bestand nicht allein in der monumentalen Form der Kuppel, sondern darin, den gesamten Bau wieder entschieden auf die Vierung über dem Petrusgrab auszurichten. Diese vertikale Achse ist für das Verständnis der Basilika zentral. Ganz unten liegt die römische Nekropole; darüber die frühchristliche Grabmemoria; darüber die Nische der Pallien und die Confessio; darüber der Papstaltar; darüber Berninis Baldachin; und darüber erhebt sich die Kuppel. Fast zwei Jahrtausende Kultgeschichte werden damit räumlich übereinandergeschichtet.

Die große Mosaikinschrift am Kuppelansatz nimmt das Matthäusevangelium auf: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben." Der Text macht unmissverständlich, dass die Architektur nicht nur Größe demonstrieren will, sondern theologisch auf Petrus und das Papstamt bezogen ist. Selbst der Besucher, der ausschließlich wegen der Kunst kommt, bewegt sich deshalb in einem Raum, dessen zentraler Aufbau aus einer Grab- und Gedächtniskirche hervorgegangen ist.

Berninis Baldachin, Confessio und Nische der Pallien

Unter Urban VIII. erhielt Gian Lorenzo Bernini den Auftrag, den liturgischen Mittelpunkt unter der Kuppel neu zu gestalten. Der gewaltige bronzene Baldachin über dem Papstaltar verbindet die Größenordnung des Kirchenraums mit dem vergleichsweise kleinen Ort des Grabes darunter. Seine gedrehten Säulen erinnern an jene spätantiken Spiralsäulen, die bereits in Alt-St. Peter den Bereich der Petrusmemoria ausgezeichnet hatten. In der barocken Neuinterpretation wird damit nicht nur ein Altar überdacht, sondern eine jahrhundertealte Kulttradition zitiert.

Vor dem Papstaltar öffnet sich die Confessio. Ihr Name bezieht sich auf das Glaubenszeugnis und Martyrium des Apostels. In der Nische der Pallien ist die frühchristliche Grabädikula in ihrer überformten Gestalt sichtbar. Dort werden vor dem Hochfest der Apostel Petrus und Paulus die Pallien niedergelegt, jene weißen Wollbänder mit schwarzen Kreuzen, die der Papst den Metropolitanerzbischöfen übergibt. Damit wird die alte Grabverehrung mit einem bis heute vollzogenen kirchlichen Ritual verbunden: Die Pallien werden symbolisch in die Nähe des Petrusgrabes gebracht, bevor sie als Zeichen der Gemeinschaft mit dem römischen Bischof übergeben werden.

Die Cathedra Petri

In der Apsis schuf Bernini zwischen 1656 und 1666 ein zweites Hauptwerk: das monumentale Reliquiar der Cathedra Petri. Im Inneren des vergoldeten Bronzetheaters befindet sich ein alter Holzstuhl, der traditionell als Lehrstuhl des Apostels Petrus verehrt wurde. Die heute sichtbaren Elfenbeinplatten stammen zum Teil aus karolingischer Zeit; die materielle Geschichte des Stuhles ist daher komplexer als die ältere Vorstellung eines vollständig aus apostolischer Zeit erhaltenen Sitzes. Als Reliquie und Symbol hat die Cathedra dennoch eine außerordentliche Bedeutung entwickelt.

Bernini machte aus dem Gegenstand ein Bild kirchlicher Lehrautorität. Vier überlebensgroße Kirchenlehrer tragen den Thron, darüber öffnet sich ein leuchtendes Fenster mit der Taube des Heiligen Geistes. Am Fest der Kathedra Petri am 22. Februar wird das Monument besonders hervorgehoben. Die Verbindung von Reliquie, symbolischer Bedeutung und barocker Inszenierung zeigt beispielhaft, wie in St. Peter materielle Erinnerung und theologische Deutung ineinandergreifen.

Michelangelos Pietà

Zu den berühmtesten Kunstwerken der Basilika gehört Michelangelos Pietà. Der junge Bildhauer schuf sie 1498 bis 1499 im Auftrag des französischen Kardinals Jean de Bilhères Lagraulas ursprünglich für dessen Grabkapelle in Alt-St. Peter. Damit ist die Skulptur älter als der heutige Neubau und gehört zu den Kunstwerken, die den Übergang von der alten in die neue Basilika überstanden. Maria hält den toten Christus in einer Komposition, die Trauer, körperliche Schönheit und theologische Vorstellung der Erlösung miteinander verbindet. Die Pietà wird heute in der ersten Kapelle des rechten Seitenschiffs hinter Schutzglas gezeigt.

Für den Wallfahrtsort ist wichtig, die Pietà nicht isoliert als Museumsobjekt zu verstehen. Sie entstand als Grab- und Andachtsbild in einer Kirche, deren gesamte Bedeutung vom Gedächtnis der Toten und von der Hoffnung auf Auferstehung geprägt war. Dass sie inzwischen zu den meistbesuchten Kunstwerken der Welt gehört, hat die Wahrnehmung verändert; ihr ursprünglicher Kontext war jedoch ein religiöser Memorialraum.

Die Petrusstatue und die Berührung des Fußes

Eines der anschaulichsten Beispiele lebendiger Volksfrömmigkeit befindet sich im Mittelschiff: die bronzene Sitzfigur des hl. Petrus. Ihre Datierung und Zuschreibung wurden unterschiedlich beurteilt; häufig wird sie dem Umfeld Arnolfo di Cambios und dem 13. Jahrhundert zugerechnet, während andere Deutungen ein deutlich höheres Alter erwägen. Für die Kultgeschichte wichtiger als diese offene kunsthistorische Frage ist die jahrhundertelange Verehrung der Figur. Petrus sitzt lehrend, hält die Schlüssel und erhebt die rechte Hand.

Der rechte Fuß ist durch unzählige Berührungen und Küsse der Gläubigen stark geglättet und teilweise bis zur Verformung abgenutzt. Dieses Detail gehört zu den eindrucksvollsten materiellen Spuren von Wallfahrt im Petersdom. Der Pilger begnügt sich nicht mit dem Anschauen, sondern stellt durch Berührung körperliche Nähe her. Ein abstrakter Gedanke – die Verbundenheit mit dem Apostel und mit seinem Amt – wird in einer einfachen Geste greifbar. An den Festen Peter und Paul am 29. Juni und Cathedra Petri am 22. Februar wird die Figur traditionell besonders geschmückt beziehungsweise mit päpstlichen Insignien versehen. Hier überlagern sich offizielle Liturgie und populäre Devotion.

Reliquien, Gräber und die Vatikanischen Grotten

St. Peter war über die Jahrhunderte ein gewaltiger Reliquienspeicher. In den Vierungspfeilern und Altären wurden bedeutende Passions- und Heiligenreliquien verehrt; zugleich wurden zahlreiche Päpste und andere bedeutende Personen in und bei der Basilika bestattet. Die heutigen Vatikanischen Grotten entstanden zum großen Teil als Gewölberäume unter dem erhöhten Fußboden des Neubaus. Sie enthalten Grabmäler, Kapellen und Überreste der alten Basilika und bilden eine Übergangszone zwischen der modernen Kirche und der tiefer gelegenen antiken Nekropole.

Der Besuch der Grotten ist deshalb mehr als ein Rundgang durch Papstgräber. Er macht sichtbar, dass St. Peter selbst ein Erinnerungsraum aus übereinanderliegenden Bestattungen und Kultorten ist. Die Vatikanische Nekropole liegt nochmals tiefer, drei bis elf Meter unter dem heutigen Kirchenboden. Ihr Besuch ist nur im Rahmen gesondert geregelter Führungen möglich. Dort wird die topographische Logik des Heiligtums am deutlichsten: Der Weg führt durch römische Grabbauten bis in die Nähe jener Memoria, um die der gesamte Petersdom entstanden ist.

Der Petersplatz als Raum der Pilger

Zwischen 1656 und 1667 gestaltete Bernini im Auftrag Alexanders VII. den Petersplatz. Die beiden Kolonnaden mit vier Säulenreihen und insgesamt 284 Säulen umfassen den ovalen Platz wie große Arme. Die berühmte Vorstellung vom "Umarmen" der Gläubigen ist nicht bloß poetische Nachdeutung; der Platz wurde tatsächlich als Übergangsraum zwischen Stadt, Kirche und weltweiter Christenheit konzipiert. Für die Wallfahrt löste Bernini zugleich ein praktisches Problem: Vor der Basilika entstand ein monumentaler Versammlungsraum, der große Menschenmengen aufnehmen und auf Fassade, Loggia und Kirchenzugänge ausrichten konnte.

Im Zentrum steht der antike Obelisk aus dem Circus des Caligula und Nero. Er befand sich bereits in der Antike im vatikanischen Areal und wurde 1586 unter Sixtus V. an seinen heutigen Standort versetzt. Dadurch erhielt ein Monument aus dem Umfeld der neronischen Kaiserzeit eine christliche Neudeutung. Der Obelisk erinnert topographisch an den Bereich, in dem die frühe römische Überlieferung das Martyrium des Petrus und anderer Christen verortet, und trägt heute das Kreuz als Zeichen der Umdeutung vom kaiserlichen zum christlichen Rom.

Der Petersdom als Ort päpstlicher Liturgie

Der Petersdom ist keine gewöhnliche Pfarrkirche und trotz seiner Größe auch nicht die Kathedrale Roms. Seine Liturgie ist eng mit dem Papstamt verbunden. Papstmessen, Heiligsprechungen, große Festgottesdienste, Beisetzungen und besondere Feiern der Weltkirche machen den Bau immer wieder zum Schauplatz von Ereignissen, die weit über Rom hinaus wahrgenommen werden. Besonders das Hochfest der Apostel Petrus und Paulus am 29. Juni verbindet den Ort unmittelbar mit seinem Apostelgedächtnis.

Für Pilger ist dabei eine Spannung charakteristisch, die St. Peter seit Jahrhunderten prägt. Einerseits erlebt man einen riesigen repräsentativen Raum mit streng geregelten Zugängen, Sicherheitskontrollen und großen Besuchermengen. Andererseits bleibt das individuelle Motiv häufig erstaunlich einfach: zum Petrusgrab gehen, beten, eine Messe mitfeiern, den Fuß der Petrusstatue berühren, vor der Pietà verweilen oder im Heiligen Jahr die Pforte überschreiten. Gerade diese Verbindung von Weltkirche und persönlicher Geste erklärt die fortdauernde Wallfahrtskraft des Ortes.

Wallfahrtszeichen, Erinnerung und Andenken

Romwallfahrt hat stets materielle Spuren hervorgebracht. Schon in der frühen Christenheit suchten Pilger möglichst große Nähe zu den Märtyrergräbern; im Mittelalter wurden Berührungsreliquien, geweihte Gegenstände und Andenken aus Rom mitgenommen. Später kamen Pilgerzeichen, Medaillen, Andachtsbilder, Rosenkränze und unzählige weitere Erinnerungsobjekte hinzu. Solche Gegenstände machten die Reise auch nach der Heimkehr sichtbar und übertrugen einen Teil der symbolischen Bedeutung des Apostelgrabes in Haus, Familie oder Heimatkirche.

Auch die Fotografie gehört inzwischen zu dieser Geschichte der Wallfahrt. Die drei historischen Aufnahmen aus dem Juni 1966 zeigen nicht nur ein weltberühmtes Bauwerk, sondern einen konkreten historischen Besuch. Sie halten den Petersdom in einer Phase fest, in der das Zweite Vatikanische Konzil gerade beendet war und die wissenschaftliche Diskussion um das Petrusgrab und die dort gefundenen Gebeine große Aufmerksamkeit erhielt. Solche privaten Reisebilder sind damit ebenfalls Quellen der modernen Wallfahrts- und Tourismusgeschichte.

Der Petersdom zwischen Wallfahrt und Welterbe

Kaum ein anderer europäischer Wallfahrtsort steht so stark im Spannungsfeld von Religion, Kunsttourismus, Politik und globaler Öffentlichkeit. Millionen Menschen betreten St. Peter aus ganz unterschiedlichen Gründen. Für manche ist der Ort vor allem Michelangelos Kuppel, Berninis Architektur oder ein Höhepunkt einer Romreise; für andere ist er Ziel einer bewusst religiösen Wallfahrt. Diese Motive schließen einander nicht zwingend aus. Schon mittelalterliche Pilger kamen nicht in einen kunstlosen Raum, sondern in eine Basilika voller kostbarer Altäre, Mosaiken, Reliquien und Stiftungen.

Das Entscheidende liegt in der Kontinuität des Ortes. Der heutige Besucher steht in einem Bau des 16. und 17. Jahrhunderts, dessen Mitte durch eine Verehrung bestimmt wird, die in das 2. Jahrhundert zurückreicht und auf eine Bestattung des 1. Jahrhunderts bezogen ist. Keine einzelne Stilperiode erklärt St. Peter. Die eigentliche Geschichte ist die immer neue architektonische, liturgische und soziale Umformung eines alten Grabheiligtums. Gerade deshalb ist der Petersdom nicht nur ein Monument der päpstlichen Repräsentation, sondern eines der bedeutendsten Beispiele dafür, wie Wallfahrt einen Ort über fast zwei Jahrtausende hinweg formen kann.

Adresse, Zugang und Besuch

Der Petersdom liegt an der Piazza San Pietro in der Vatikanstadt unmittelbar an der Grenze zu Rom. Der Eintritt in die Basilika ist grundsätzlich frei; vor dem Zugang finden Sicherheitskontrollen statt, weshalb besonders an Feiertagen, bei Papstveranstaltungen und in der Hauptreisezeit längere Wartezeiten entstehen können. Die Kuppel, das Schatzmuseum und insbesondere die Vatikanische Nekropole unterhalb der Grotten haben eigene Zugangsbedingungen. Für die Nekropole ist eine gesonderte Führung beziehungsweise Reservierung erforderlich. Da die Basilika ein aktiver Gottesdienstort ist, können einzelne Bereiche während Liturgien zeitweise nicht zugänglich sein.

Literatur

McKitterick, Rosamond; Osborne, John; Richardson, Carol M.; Story, Joanna (Hrsg.): Old Saint Peter's, Rome. British School at Rome Studies. Cambridge: Cambridge University Press 2013, xxx + 484 S.

Tronzo, William (Hrsg.): St. Peter's in the Vatican. Cambridge: Cambridge University Press 2005.

Rice, Louise: The Altars and Altarpieces of New St. Peter's. Outfitting the Basilica, 1621-1666. Cambridge/New York: Cambridge University Press in association with the American Academy in Rome 1997, xvi + 478 S.

Lavin, Irving: Bernini and the Crossing of Saint Peter's. Monographs on Archaeology and the Fine Arts 17. New York: College Art Association of America in conjunction with the Art Bulletin 1968, 94 S.

Guarducci, Margherita: The Tomb of St. Peter. Hawthorn Books, New York 1960.

Apollonj Ghetti, Bruno Maria; Ferrua, Antonio; Josi, Enrico; Kirschbaum, Engelbert: Esplorazioni sotto la Confessione di San Pietro in Vaticano eseguite negli anni 1940-1949. 2 Bde. Città del Vaticano 1951.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher