| Wallfahrt: | Regional bedeutende Marienwallfahrt mit zwei eng miteinander verbundenen Kultzentren: dem historischen Bild der Madonna di Costantinopoli von 1626 in der Chiesa Madre Santissimo Salvatore in Gimigliano und dem seit dem 18. Jahrhundert bestehenden Heiligtum in der Valle di Porto. Der Hauptwallfahrtstag ist der Dienstag nach Pfingsten, an dem das historische Bild in einer großen Fußprozession über die Via del Monte nach Porto getragen und am Abend wieder nach Gimigliano zurückgebracht wird. |
| Status: | Diözesanes Marienheiligtum seit 13. Juni 2000; Basilica minor seit 22. Juni 2012, feierlich als solche begangen seit 1. Mai 2013. Die Madonna di Porto wurde durch Dekret vom 2. März 2010 zur Patronin der Provinz Catanzaro proklamiert. |
| Kultzentrum: | Das historische Tafelbild der Madonna di Costantinopoli von 1626 in Gimigliano; in Porto die schiefe "Cona" Pietro Gattos mit einer gemalten Wiederholung des Bildes, die alte Wallfahrtskirche und die große moderne Basilica mit venezianischem Mosaik sowie die Prozessionsvara und die Begegnung der Madonna mit dem hl. Josef in der "cunfrunta". |
| Ort: | Gimigliano, Località Madonna di Porto. |
| Region: | Kalabrien. |
| Land: | Italien. |
| • | Adresse: Zona Santuario Madonna di Porto Scalo 12, 88045 Gimigliano (CZ), Italien; der staatliche Kulturgüterkatalog führt auch die Anschrift Località Madonna di Porto 1. |
| • | GPS: 38.99850, 16.51960. |
| • | Das Heiligtum liegt außerhalb des Ortszentrums im grünen Tal des Corace bei der Bahnstation Madonna di Porto. Die historische Via del Monte verbindet Gimigliano mit dem Wallfahrtsort und ist besonders für die Pfingstwallfahrt von Bedeutung. |
| • | Öffnungszeiten: täglich 7:30-19:30 Uhr. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte in Italien |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Wichtige Termine sind die sieben vorbereitenden Dienstage nach Ostern, der Dienstag nach Pfingsten mit der großen Prozession von Gimigliano nach Porto und zurück, der erste Dienstag im März zur Erinnerung an die Rückgabe des 1807 entführten Bildes sowie der 25. April als diözesaner Pilgertag. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders gesucht sind Gesamtansichten der Basilica Santuario Madonna di Porto in der Valle del Corace, das alte Heiligtum mit der schiefen "Cona" Pietro Gattos, das Wandbild der Madonna di Costantinopoli, das historische Originalbild von 1626 in der Chiesa Madre Santissimo Salvatore in Gimigliano, die moderne Basilica mit Mosaik, Kuppel und Glasfenstern, die Vara, der historische Weg "Via del Monte", Pilger in der Nacht von Pfingstmontag auf Dienstag, die Prozession des Bildes nach Porto, die "cunfrunta" mit der Statue des hl. Josef, der Cero beziehungsweise die Votivlampe der Provinz Catanzaro sowie die Rückprozession nach Gimigliano.
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Die Madonna di Porto von Gimigliano ist kein Wallfahrtskult, der sich auf ein einzelnes Kirchengebäude reduzieren lässt. Sein historisches Originalbild befindet sich in der Chiesa Madre Santissimo Salvatore im Ort Gimigliano, während das eigentliche Wallfahrtsheiligtum mehrere Kilometer entfernt in der Valle di Porto am Corace liegt. Zwischen beiden Orten verläuft die Via del Monte, ein historischer Weg, auf dem das Bild jedes Jahr am Dienstag nach Pfingsten in einer großen Prozession nach Porto getragen und am Abend wieder zurückgebracht wird. Hinzu kommen die alte Kirche mit der von Pietro Gatto errichteten "Cona", der moderne große Basilikabau, eine eigenständige Josefstatue für die "cunfrunta" und zahlreiche kleinere Kapellen und Bildstöcke entlang der regionalen Pilgerwege. Der Kult bildet deshalb ein rituelles System aus mehreren Orten, Bildern und Bewegungen.
Gerade diese Struktur ist volkskundlich besonders aufschlussreich. Das historische Tafelbild bleibt normalerweise im Ortszentrum, aber der Name "Madonna di Porto" verweist auf einen Wallfahrtsort außerhalb des Dorfes. Das originale Kultbild erhält seinen vollständigen rituellen Sinn erst durch die Bewegung zwischen beiden Plätzen. Umgekehrt besitzt Porto mit der Cona und dem späteren Mosaik eigene Reproduktionen derselben Ikonographie, ohne dadurch das Originalbild in Gimigliano zu ersetzen. Original, Wiederholung und Prozessionsweg bilden zusammen den Kult.
Die erste Schicht der Geschichte beginnt nicht in Porto, sondern in Gimigliano. Um 1626 lebte Kalabrien unter dem Eindruck von Seuchenangst und starker seismischer Aktivität. Gleichzeitig war im Königreich Neapel die Verehrung der Madonna di Costantinopoli verbreitet, deren Kult in Neapel besonders mit der Erinnerung an die Pest von 1528 verbunden wurde. Auch in Gimigliano entschloss sich die Gemeinde, ein entsprechendes Marienbild zu verehren und die Gottesmutter unter diesem Titel als Schutzmacht in Zeiten von Krankheit und Naturkatastrophen anzurufen.
Mit der Ausführung wurde der Maler Marco Pizzuto aus dem benachbarten Gagliano beauftragt, der unter dem Namen "Marcangione" bekannt war. Das Bild zeigt Maria mit dem Jesuskind am rechten Arm, wobei das Kind an der Brust der Mutter trinkt. Zwei Engel halten hinter Maria einen Vorhang und zugleich die Krone, während auf dem blauen Mantel ein achtstrahliger Stern erscheint. Ikonographisch berührt die Darstellung damit die alte Tradition der stillenden Gottesmutter, der Galaktotrophousa, zugleich wird sie lokal eindeutig als Madonna di Costantinopoli angesprochen. Die Kombination aus östlicher Titulatur, süditalienischer Bildtradition und lokaler Schutzfunktion ist für die Geschichte des Kultes grundlegend.
Um die Entstehung des Gemäldes bildete sich früh eine Acheropita-Überlieferung. Nach Domenico Lamannis und der späteren Kulttradition habe Marcangione zunächst lediglich die Grundlinien beziehungsweise eine Vorzeichnung angelegt und die eigentliche Ausarbeitung auf den folgenden Tag verschoben. Am nächsten Morgen habe er das Bild vollendet vorgefunden. Deshalb wurde die Effigie als "acheropita", als nicht oder nicht vollständig von Menschenhand geschaffen, verstanden. Historisch gesichert ist die Beauftragung eines Malers; die wunderbare Vollendung gehört zur religiösen Deutung. Gerade die Verbindung beider Ebenen ist jedoch für die Kultgeschichte entscheidend: Ein lokal hergestelltes Bild erhält durch die Erzählung einen Status, der über die gewöhnliche Kunstproduktion hinausweist.
Das Bild wurde in der Chiesa Madre von Gimigliano verehrt und blieb dort das historische Original. Die Benennung "Madonna di Porto" entstand erst mit der Ausbildung des zweiten Kultzentrums im 18. Jahrhundert. Damit ist der heute gebräuchliche Name eigentlich das Ergebnis einer späteren topographischen Verschiebung: Ein Bild aus Gimigliano wird nach einem Ort benannt, an dem eine Kopie beziehungsweise Wiederholung und ein neues Heiligtum entstanden.
Die zweite Schicht des Kultes entstand rund ein Jahrhundert später in der Valle di Porto. Die ältere Literatur verbindet die Gründung mit Pietro Gatto, einem jungen Mann, der in den Wäldern lebte und in der späteren Überlieferung als gesellschaftlicher Außenseiter, Kleinkrimineller oder "brigante" bezeichnet wird. Die moderne kommunale und staatlich-kirchliche Dokumentation setzt die entscheidende Erfahrung in das Jahr 1751. Domenico Lamannis, dessen 1829 gedrucktes Werk nur wenige Jahrzehnte nach den geschilderten Ereignissen erschien, nennt dagegen Oktober 1753. Dieser Unterschied sollte nicht künstlich beseitigt werden. Sicher ist, dass die Entstehung des Portokultes in die frühen 1750er-Jahre gehört; die exakte Jahreszahl ist in der Überlieferung nicht völlig einheitlich.
Nach der Legende erschien Pietro Gatto die Madonna im Traum und forderte ihn auf, an einem bestimmten Felsvorsprung in Porto eine kleine Kapelle, im lokalen Sprachgebrauch eine "cona", zu errichten und darin ein Bild anzubringen, das dem bereits in Gimigliano verehrten Bild gleiche. Gatto habe zunächst einen Maurer namens Antonio Sacco gewinnen wollen. Als dieser am vereinbarten Tag nicht erschien, begann er selbst mit dem Bau. Weil er kein ausgebildeter Handwerker war, geriet die kleine Konstruktion unregelmäßig und schief. Spätere Maurer hätten nach der Überlieferung versucht, die Mängel zu korrigieren, seien daran aber gescheitert. Gerade diese bauliche Unvollkommenheit wurde dadurch zum Authentizitätsmerkmal: Die schiefe Cona verweist bis heute auf die persönliche Arbeit eines Bekehrten.
Pietro Gatto änderte nach der Überlieferung sein Leben, legte die alte Existenz als gesellschaftlicher Außenseiter ab, nannte sich fortan Fra Costantino und lebte in einem kleinen Eremitorium in der Nähe der Cona. Aus einem individuellen Traum wurde damit eine Bekehrungserzählung, und aus dieser Bekehrung entstand ein öffentlicher Wallfahrtsort. Die Bewohner Gimiglianos beteiligten sich bald am Bau einer größeren Kirche. Lamannis berichtet, die Menschen hätten Holz, Kalk, Geld und Arbeitskraft beigesteuert, sodass innerhalb weniger Jahre eine Kirche fertiggestellt werden konnte. Der private Stiftungsakt wurde damit in einen kollektiven Prozess überführt.
Im Inneren der alten Kirche blieb die Cona erhalten. Sie ist bis heute der sakrale Kern des historischen Heiligtums. In ihr befindet sich eine gemalte Wiederholung der Madonna di Costantinopoli. Die alte Kirche besitzt darüber hinaus einen kunstvoll gearbeiteten hölzernen Chor und Deckengemälde beziehungsweise Wandmalereien mit den vier Evangelisten und der Verkündigung. Der besondere Reiz des Ortes liegt gerade im Kontrast zwischen der kleinen, unregelmäßigen Cona und den später hinzugefügten repräsentativen Ausstattungen.
Die Bezeichnung "Porto" darf nicht mit einem Seehafen verwechselt werden. Gemeint ist eine Örtlichkeit im Tal des Corace. Der Fluss besitzt in diesem Bereich ein breites Bett und eine starke jahreszeitliche Schwankung. Vor dem Ausbau moderner Straßen verliefen hier wichtige Verbindungen zwischen Gimigliano, Tiriolo, Catanzaro und weiteren Orten. Das Gebiet war deshalb sowohl abgelegenes Waldtal als auch Verkehrsraum, Durchgangszone und Wegkreuzung. Gerade diese Lage half, aus der kleinen Kapelle einen überlokalen Wallfahrtsort zu machen.
Der Anthropologe Franco Ferlaino hat diese Dimension in seiner Studie La Madonna di Porto. Itinerari d'uomini e teorie di miti herausgearbeitet. Der Kult erscheint bei ihm nicht bloß als Frömmigkeit zu einem einzelnen Marienbild, sondern als Teil einer größeren territorialen Ordnung. Wege, Grenzen, Herkunftsorte und regionale Zugehörigkeit werden durch die Wallfahrt sichtbar. Die Madonna di Porto besitzt daher eine identitätsstiftende Funktion für einen Raum, der über Gimigliano hinaus bis in das Catanzarese und in Teile der Sila reicht.
Diese größere Kultlandschaft lässt sich auch materiell verfolgen. In mehreren Stadtteilen und Vororten von Catanzaro entstanden kleine "cone" oder Kapellen mit Darstellungen der Madonna di Porto, etwa in Sant'Elia, Pontepiccolo, Pontegrande, Fondachello und Santa Maria. Solche kleinen Bildstätten markieren nicht nur private Andacht. Sie schaffen entlang der Wege eine religiöse Infrastruktur, in der sich die große Wallfahrt im Alltag vervielfältigt.
Die Pfingstwallfahrt wird traditionell durch die "Sette Martedì", die sieben Dienstage nach Ostern, vorbereitet. Der Dienstag besitzt im Kult der Madonna di Costantinopoli eine lange Tradition und wurde auch in Gimigliano zum bevorzugten Wochentag der marianischen Andacht. Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts sind Fastenpraktiken und besondere Gebete an diesen sieben Dienstagen überliefert. Im 20. Jahrhundert förderte Erzbischof Armando Fares diese Andachtsform erneut und verband sie enger mit dem dreitägigen Pfingstfest.
Besonders bemerkenswert ist die früher am ersten der sieben Dienstage vollzogene Segnung der Eier beziehungsweise Samen des Seidenspinners vor dem Marienbild. Dieser Brauch ist volkskundlich von großer Bedeutung, weil er religiösen Kalender und lokale Wirtschaftsform unmittelbar verbindet. Das Gebiet um Catanzaro war seit Jahrhunderten von Seidenproduktion geprägt. Die Aufzucht der Seidenraupe fand zu einem wesentlichen Teil im häuslichen Bereich statt und war stark mit der Arbeit von Frauen und Familien verbunden. Indem die empfindlichen Eier vor Beginn der Aufzucht zur Madonna gebracht wurden, wurde das wirtschaftliche Risiko der kommenden Saison religiös gerahmt.
Eine solche Segnung ist weder bloß folkloristische Zugabe noch ein isolierter Aberglaube. In einer vorindustriellen Haushaltswirtschaft konnten Krankheit der Raupen, Wetter, Futterqualität und Marktbedingungen die Einnahmen eines ganzen Jahres bestimmen. Das Gebet vor dem Marienbild verlieh dieser Unsicherheit eine rituelle Form. Gerade an solchen Details wird sichtbar, wie tief Wallfahrt in Arbeits- und Lebenswelt eingebunden sein konnte.
Der Höhepunkt des Jahres liegt am Dienstag nach Pfingsten. Schon in der Nacht vom Pfingstmontag auf Dienstag brechen Pilger aus Catanzaro und anderen Orten zu Fuß auf. Historisch wurden Maultierwege und Bergpfade benutzt; bis heute besitzt die nächtliche Fußwallfahrt eine besondere Bedeutung. Der Weg führt nicht nur zu einem sakralen Ziel, sondern bildet selbst einen wesentlichen Teil des Rituals. Dunkelheit, gemeinsamer Aufbruch, Gebet, Gesang und körperliche Anstrengung schaffen eine religiöse Erfahrung, die sich von der Anreise mit Fahrzeugen deutlich unterscheidet.
Am Dienstag wird das historische Bild aus dem Hochaltar der Chiesa Madre Santissimo Salvatore genommen und in eine schwere metallene Vara eingesetzt. Acht Träger tragen das Bild zunächst durch Gimigliano und anschließend auf dem mehrere Kilometer langen Weg nach Porto. Die Prozession bewegt sich damit vom Ortszentrum hinaus in die Landschaft und wiederholt jährlich die Verbindung zwischen dem Bild von 1626 und dem Heiligtum des 18. Jahrhunderts. Zahlreiche Pilger, Geistliche, Musikkapellen und Vertreter öffentlicher Institutionen begleiten den Zug.
Die Prozession besitzt dadurch eine doppelte Richtung. Einerseits wird das Originalbild zum Ort seiner späteren Kultgeschichte gebracht; andererseits wird Porto für einige Stunden durch die Anwesenheit des Originals zum vollständigen Kultzentrum. Die dort dauerhaft vorhandene Cona und das moderne Mosaik erhalten gewissermaßen Besuch von jenem Bild, dessen Ikonographie sie wiederholen.
Zu den charakteristischsten Momenten der Pfingstwallfahrt gehört die "cunfrunta", die ritualisierte Begegnung der Madonna mit dem hl. Josef. In der Nähe des Heiligtums wartet eine Prozessionsstatue Josefs mit dem Jesuskind. Beim Eintreffen der Madonna werden beide heiligen Figuren in einer kurzen, dynamischen Bewegung aufeinander zugeführt. Musik, Glocken und Feuerwerk verstärken den Augenblick. Anschließend ziehen Madonna und Josef gemeinsam in die Basilica ein.
Die "cunfrunta" ist mehr als ein effektvoller Prozessionsmoment. Sie übersetzt die Heilige Familie in eine lokale Bewegungsdramaturgie. Maria kommt aus Gimigliano nach Porto, Josef empfängt sie am Ziel, und beide Figuren treten anschließend gemeinsam in den Kirchenraum ein. Am späten Nachmittag beginnt die Rückprozession. Bei der Ankunft in Gimigliano findet eine zweite Begegnung mit einer weiteren Josefstatue statt. Damit wird die gesamte Wegstrecke durch zwei spiegelbildliche Rituale gerahmt.
Nach der Rückkehr bleibt das Marienbild noch etwa eine Woche in seiner Vara für die Gläubigen zugänglich. Erst am folgenden Sonntag wird es im Rahmen einer innerkirchlichen Feier wieder auf den Hochaltar gesetzt. Auch dieses Nachfest gehört zur Ritualstruktur: Die Wallfahrt endet nicht mit der Rückkehr am Pfingstdienstag, sondern klingt über mehrere Tage aus.
Ein besonders starkes Kapitel der Kultgeschichte ist mit der französischen Besetzung des Jahres 1807 verbunden. Am 24. Februar 1807 wurde Gimigliano von französischen Truppen besetzt und geplündert. Das Marienbild wurde aus der Kirche entfernt und nach Catanzaro gebracht. Die Entwendung selbst gehört zum historischen Kern der Überlieferung; um die Rückgabe bildete sich eine ausgeprägte Wundererzählung. Nach späteren Darstellungen habe ein französischer Offizier, meist Colonel Gouguet genannt, das Bild in einem Schrank verwahren lassen. In der Nacht sei aus dem Schrank ein außergewöhnliches Licht hervorgebrochen, worauf der Offizier erschrocken die Rückgabe angeordnet habe.
Die Wundererzählung erklärt die Rückgabe religiös; historisch bedeutsam ist unabhängig davon die außerordentliche öffentliche Prozession, mit der das Bild nach Gimigliano zurückgebracht wurde. Domenico Lamannis schrieb später, Catanzaro habe keine prächtigere und zahlreichere Prozession gesehen. Damit erhielt die Madonna di Porto eine neue Beziehung zur Provinzhauptstadt. Der Kult war nicht mehr nur Eigentum einer kleinen Gemeinde, sondern wurde in einer politischen und militärischen Krisensituation als regionale Schutzmacht wahrgenommen.
Bis heute erinnert eine Feier am ersten Dienstag im März an diese Episode. Das Bild wird dabei innerhalb Gimiglianos in Prozession getragen. Ein konkretes historisches Ereignis des napoleonischen Zeitalters ist dadurch in den jährlichen Festkalender eingegangen. Wie bei vielen Wallfahrtsorten wird Geschichte nicht nur in Texten erinnert, sondern durch wiederholte Bewegung des Kultbildes.
Eine zweite große historische Zäsur brachte der Zweite Weltkrieg. Im Juni 1943 legte der damalige Rektor Giuseppe Pullano im Namen der Gläubigen ein öffentliches Gelübde ab. Wenn Frieden gewährt werde, solle in Porto ein großes neues Heiligtum entstehen. Der PAMI-/ICCD-Zensus zitiert den damaligen Text aus dem Heiligtumsbulletin: Maria solle Frieden schenken, und als Antwort wolle man in der von ihr geliebten Valle di Porto einen großen Tempel errichten, der an diese Gabe erinnere. Aus diesem Gelübde heraus wurde der spätere Neubau ausdrücklich als "Tempio della Pace" verstanden.
Am 6. Juli 1947 wurde der Grundstein gelegt. Ursprünglich sollte die alte Kirche mitsamt der Cona in den Neubau einbezogen werden. Die geplante große Kuppelkonstruktion erwies sich jedoch aus statischen Gründen als problematisch, sodass die neue Kirche unmittelbar neben dem historischen Heiligtum errichtet wurde. Der Bau wurde 1975 im Wesentlichen fertiggestellt; die feierliche Konsekration erfolgte nach kirchlicher Überlieferung am 2. Juli 1977. Beide Daten erklären, warum manche Kurzbeschreibungen 1975 als Fertigstellungsjahr und andere 1977 als Weihedatum nennen.
Die moderne Basilica ist wesentlich größer als die alte Kirche und für den Empfang zahlreicher Pilger konzipiert. Im Inneren dominiert eine monumentale Wiedergabe der Madonna in venezianischem Mosaik. Der Altarraum ist mit verschiedenfarbigen Marmoren ausgestattet; die Kuppel und Seitenschiffe besitzen Glasfenster mit marianischen Motiven. Gleichzeitig blieb die alte Kirche mit der Cona erhalten. Das Ensemble zeigt damit zwei sehr unterschiedliche Arten religiöser Architektur: den unregelmäßigen kleinen Gründungsort des 18. Jahrhunderts und den repräsentativen Votivbau des 20. Jahrhunderts.
Im 20. Jahrhundert erhielt der Wallfahrtskalender einen weiteren bemerkenswerten Termin. Erzbischof Armando Fares förderte den 25. April als diözesanen Pilgertag nach Porto. In Italien ist dieser Tag staatlich als Fest der Befreiung vom Faschismus und vom Krieg besetzt. In Gimigliano wurde dieser historische Bezug mit dem Friedensgelübde von 1943 und dem neuen "Tempio della Pace" verbunden. So entstand eine Wallfahrt, die einen staatlichen Erinnerungstag nicht verdrängt, sondern religiös neu deutet.
Gerade diese Verbindung ist kulturgeschichtlich bemerkenswert. Der 25. April erinnert auf nationaler Ebene an politische Befreiung und Kriegsende; im Heiligtum wird derselbe Tag zum Gebet um Frieden, Versöhnung und gesellschaftliche Erneuerung. Die Wallfahrt zeigt damit, wie moderne politische Zeitgeschichte in eine katholische Ritualkultur aufgenommen werden kann, ohne dass der Ort seine älteren marianischen Traditionen verliert.
Nach dem Krieg wurde die räumliche Logik des Kultes erneut erweitert. 1948 und 1949 fand eine große "Peregrinatio Mariae" statt. Das historische Bild wurde zunächst in Catanzaro mit großer Beteiligung empfangen und anschließend durch 47 Orte der Provinz getragen. Gemeinden weihten sich der Madonna beziehungsweise nahmen das Bild im Rahmen feierlicher Besuche auf. Damit kehrte sich das klassische Wallfahrtsprinzip um: Nicht nur die Gläubigen reisten zum Bild, sondern das Bild reiste zu den Gläubigen.
Solche Peregrinationes waren im katholischen Europa der Nachkriegszeit weit verbreitet und verbanden religiöse Erneuerung mit dem Wunsch nach gesellschaftlicher Stabilisierung. Für die Madonna di Porto verstärkte die Reise durch die Provinz die regionale Dimension des Kultes. Viele Menschen, die nicht nach Gimigliano oder Porto pilgern konnten, begegneten dem Originalbild in ihrer eigenen Gemeinde. Gleichzeitig entstand eine neue Erinnerungslandschaft: Fotografien, lokale Gelübde und Erzählungen der Besuche blieben in zahlreichen Orten erhalten.
Am 6. Oktober 1984 erreichte der Kult eine besonders sichtbare gesamtkirchliche Anerkennung. Johannes Paul II. besuchte Catanzaro und krönte das Bild im städtischen Stadion. Die vatikanische Originalquelle dokumentiert den Vorgang unmittelbar. Am Ende seiner Predigt erklärte der Papst, er wolle seine Wünsche dem mütterlichen Herzen Mariens anvertrauen, während er sich anschicke, die verehrte Effigie unter dem Titel "Madonna di Porto" zu krönen. Die Krönung fand am ersten Samstag im Oktober statt, einem Tag mit besonderer marianischer Prägung durch den Rosenkranz.
Diese päpstliche Krönung ist für die Kultgeschichte wichtiger als eine bloße protokollarische Auszeichnung. Sie bestätigte die regionale Bedeutung eines Bildes, dessen Verehrung aus einem lokalen Pest- und Schutzkult des 17. Jahrhunderts hervorgegangen war. Spätere Restaurierungsreisen führten das Bild erneut nach Rom; dort wurde es 1974 von Paul VI. und 1997 von Johannes Paul II. gesegnet. Die wiederholte Bewegung des Bildes zwischen Gimigliano, Catanzaro und Rom zeigt, wie mobil selbst ein scheinbar fest gebundenes Kultobjekt sein kann.
Die kirchenrechtliche Aufwertung erfolgte in mehreren Schritten. Erzbischof Antonio Cantisani erhob die Kirche am 13. Juni 2000 zum diözesanen Marienheiligtum. Der Kult war zwar wesentlich älter und wurde von den Gläubigen seit langem als Wallfahrt behandelt, erhielt damit jedoch einen ausdrücklichen modernen Rechtsstatus. Ein Dekret Erzbischof Antonio Cilibertis vom 2. März 2010 proklamierte die Madonna di Porto zur Patronin der Provinz Catanzaro. Der Titel ist seitdem Teil der offiziellen kirchlichen und provinziellen Repräsentation des Kultes.
Am 22. Juni 2012 verlieh Benedikt XVI. dem Heiligtum die Würde einer Basilica minor. Die feierliche lokale Bekanntgabe und liturgische Umsetzung erfolgte am 1. Mai 2013. Auch hier ist es sinnvoll, die Daten auseinanderzuhalten: Die päpstliche Gewährung stammt von 2012, die öffentliche Feier der neuen Würde in Gimigliano von 2013. Die heutige offizielle Bezeichnung "Basilica Santuario Madonna di Porto" verbindet somit Wallfahrtsfunktion und basilicalen Rang.
Mit dem Provinzpatronat ist die Votivlampe beziehungsweise der Cero votivo verbunden, der bei den großen Feiern durch Vertreter der Provinz entzündet wird. Der Akt erinnert an jene Formen kommunaler oder territorialer Votivfrömmigkeit, die auch an anderen süditalienischen Heiligtümern vorkommen. Die politische Gebietskörperschaft tritt symbolisch als Votantin auf und stellt die Provinz unter den Schutz der Madonna.
Die künstlerische Eigenart von Porto liegt weniger in einem einheitlichen Stil als im Nebeneinander mehrerer Bau- und Kultphasen. Die alte Kirche bewahrt mit der Cona Pietro Gattos den unmittelbaren Gründungskern des 18. Jahrhunderts. Gerade die Unregelmäßigkeit dieser kleinen Konstruktion wurde in der Kultüberlieferung zu einem Zeichen ihrer Echtheit. Um sie gruppieren sich spätere Ausstattungen, darunter der hölzerne Chor, die Malereien der Evangelisten und die Verkündigung. Der alte Bau bleibt dadurch ein Erinnerungsraum, in dem Gründungserzählung und materielle Spuren eng verbunden sind.
Die moderne Basilica verfolgt dagegen ein repräsentatives Programm. Ihr großes venezianisches Mosaik übernimmt die Ikonographie des historischen Bildes und macht sie in einem Raum sichtbar, der wesentlich mehr Pilger aufnehmen kann. Die farbigen Marmore des Presbyteriums, die Eucharistiemensa auf bronzenen Engeln, die Glasfenster der Kuppel mit Szenen aus dem Leben Mariens und die marianischen Bildmotive der Seitenschiffe schaffen einen bewusst festlichen Gegenpol zur kleinen alten Kirche. Auch eine polychrome Statue des hl. Josef, die dem neapolitanischen Bildhauer Giacomo Colombo beziehungsweise seinem Umkreis zugeschrieben wird, besitzt im heutigen Kult eine wichtige Funktion und verweist unmittelbar auf das Ritual der "cunfrunta".
Gerade das Nebeneinander beider Kirchen ist für die Wallfahrtsgeschichte von besonderem Wert. Der moderne Bau ersetzt den alten nicht. Pilger können von der großen Basilica in den kleineren historischen Raum wechseln und damit gleichsam unterschiedliche Zeitschichten des Kultes durchschreiten. Das Friedensgelübde des 20. Jahrhunderts steht neben der Bekehrungslegende des 18. Jahrhunderts, beide wiederum beziehen sich auf ein Bild des 17. Jahrhunderts.
Die Madonna di Porto gehört zu jenen Wallfahrtskulten, an denen sich der Zusammenhang von Religion und Alltagswelt besonders deutlich zeigen lässt. Die Segnung der Seidenraupeneier bindet die Madonna an die vormoderne Hauswirtschaft; die nächtliche Pfingstwallfahrt strukturiert Wege und Landschaft; die Cunfrunta erzeugt eine lokale Heiligenbegegnung; die Erinnerung an 1807 verwandelt politische Gewalt in eine jährlich wiederholte Prozession; das Friedensgelübde von 1943 verbindet Kriegserfahrung und Kirchenbau; die Peregrinatio Mariae der Nachkriegszeit trägt das Bild durch die Provinz; die päpstliche Krönung und das Patronat erweitern den lokalen Kult in eine regionale Repräsentation.
Franco Ferlaino hat in seinem Beitrag im von Luigi M. Lombardi Satriani herausgegebenen Band Madonne, pellegrini e santi diese Verflechtung von Wegen, Mythen und Territorialität anthropologisch untersucht. Der Kult erscheint dabei als ein System, in dem religiöse Zugehörigkeit und regionale Identität einander gegenseitig stützen. Wallfahrt bedeutet nicht nur, einen heiligen Ort aufzusuchen; sie macht sichtbar, zu welchem Dorf, welchem Tal oder welcher größeren Kultregion Menschen sich zugehörig fühlen.
Mario Arcuri hat die Geschichte und das religiöse Selbstverständnis Gimiglianos in mehreren Arbeiten aufgearbeitet und dabei besonders den Zusammenhang von Volksfrömmigkeit und Identität hervorgehoben. Solche Untersuchungen sind für die Dokumentation wichtig, weil sie über bloße Heiligtumschroniken hinausgehen. Der Kult der Madonna di Porto besteht aus Daten und Bauwerken und wiederholten sozialen Praktiken, die über Generationen hinweg Zugehörigkeit herstellen.
Gimigliano besitzt einen Wallfahrtskult, dessen innere Logik aus der Bewegung zwischen mehreren Zentren entsteht. Das historische Bild wurde 1626 für die Mutterkirche geschaffen. Rund ein Jahrhundert später entstand in Porto aufgrund der Bekehrungsüberlieferung Pietro Gattos ein zweiter heiliger Ort. Dort blieb die Cona als Gründungskern erhalten, während im 20. Jahrhundert ein großer Friedens- und Wallfahrtstempel hinzukam. Die jährliche Pfingstprozession verbindet diese Orte und aktualisiert dadurch die gesamte Kultgeschichte in einer einzigen Bewegung.
Das Originalbild selbst ist damit kein statisches Museumsobjekt. Es wird enthüllt, in die Vara eingesetzt, aus der Mutterkirche hinausgetragen, über Bergwege bewegt, in Porto von Josef empfangen, im großen Heiligtum verehrt und anschließend wieder nach Gimigliano zurückgebracht. Das Bild verknüpft Ortszentrum und Tal, alte Kirche und neue Basilica, individuelle Bekehrung und kollektive Identität.
Gerade die Verbindung von sehr alten und sehr modernen Elementen macht den Ort für eine volkskundliche Wallfahrtsdokumentation besonders ergiebig. Acheropita-Legende, Seidenraupensegnung, Nachtwallfahrt und Cona stehen neben Eisenbahnanschluss, moderner Basilica, provinzieller Votivlampe und päpstlicher Krönung. Der Kult hat sich mehrfach verändert, ohne seinen zentralen Bezug auf das Bild von 1626 und den Weg nach Porto zu verlieren.
Lamannis, Domenico: Il tributo filiale verso la Vergine di Costantinopoli gran madre di Dio venerata in Gimigliano. Napoli 1829.
Lamannis, Domenico: Miscellanea patria ossia raccolta di varie notizie riguardanti le vicende fisiche e politiche tanto degli antichi popoli che degli attuali di Gimigliano. Napoli: A. Coda 1828.
Pullano, Giuseppe: La Madre dei Miracoli. Catanzaro: Grafiche Abramo 1944. Devotional-historische Darstellung aus dem unmittelbaren Umfeld des Heiligtums; zugleich wichtige Quelle für das Friedensgelübde und den geplanten Neubau.
Arcuri, Mario: Gimigliano. Religiosità popolare e identità. 1992.
Arcuri, Mario; Pace, Vincenzo: Santuari di Calabria. Madonna di Porto in Gimigliano. Catanzaro: Calabria Economica 1996.
Arcuri, Mario: Storia e culto del Santuario Mariano di Porto tra Oriente e Occidente. Catanzaro: La Rondine Edizioni 2006.
Ferlaino, Franco: "La Madonna di Porto. Itinerari d'uomini e teorie di miti". In: Luigi M. Lombardi Satriani (Hg.), Madonne, pellegrini e santi. Itinerari antropologico-religiosi nella Calabria di fine millennio. Roma: Meltemi 2000.
Aceto, Giustina: I Santuari della Calabria beziehungsweise die von ihr betreuten juristisch-pastoralen Bestandsaufnahmen der kalabrischen Marienheiligtümer; für Madonna di Porto besonders der aktuelle PAMI-/ICCD-Santuari-Zensus.
Pontificia Academia Mariana Internationalis / Pontificia Facoltà Teologica Marianum: Basilica Santuario Madonna di Porto, Gimigliano. Censimento dei Santuari Italiani, wissenschaftlich-kirchliche Bestandsaufnahme mit Archivnachweisen, Bauchronologie, Dekreten und Ritualgeschichte, Redaktion 2023.
Ministero della Cultura, Catalogo Generale dei Beni Culturali: Dokumentation zur Basilica Santuario Madonna di Porto, Gimigliano.
Giovanni Paolo II: Predigt bei der Eucharistiefeier im Stadion von Catanzaro am 6. Oktober 1984, mit anschließender Krönung der verehrten Madonna-di-Porto-Effigie.
Arcidiocesi Metropolitana di Catanzaro-Squillace: Dekrete und Dokumentationen zum Diözesanheiligtum, zur Erhebung zur Basilica minor, zum Provinzpatronat, zur Pfingstwallfahrt und zur modernen pastoralen Nutzung.
Archivio Storico Santuario Basilica Madonna di Porto: Dekret von Erzbischof Antonio Ciliberti vom 2. März 2010 zur Proklamation der Madonna di Porto als Patronin der Provinz Catanzaro; weitere Dokumente zu Baugeschichte, Peregrinatio Mariae, Friedensgelübde und Basilica minor.
Comune di Gimigliano: historische und praktische Dokumentation zur Basilica Santuario Madonna di Porto, zur Cona Pietro Gattos, zum alten und neuen Heiligtum und zur Pilgeraufnahme.
Ergänzungen: Wolfgang Morscher