Santuario del Monte Santo di Lussari
Monte Lussari bei Tarvisio, Marienwallfahrtsort der drei Sprach- und Kulturräume

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Marienwallfahrt seit dem 14. Jahrhundert mit jahrhundertelangem Pilgerzulauf besonders aus Kärnten, dem slowenischen Raum und Friaul; seit 1982 auch bewusstes Symbol grenzüberschreitender kirchlicher Versöhnung.
Status:Lebendiger historischer Marienwallfahrtsort.
Kultzentrum:Kleine Madonna mit Kind, traditionell mit dem legendären Fund von 1360 verbunden; genaue kunsthistorische Datierung nicht abschließend geklärt.
Ort:Monte Santo di Lussari oberhalb von Camporosso bei Tarvisio.
Region:Provinz Udine, Region Friaul-Julisch Venetien.
Land:Friaul-Julisch Venetien, Italien.
Lage und Besuch
•Monte Lussari liegt oberhalb von Camporosso im Kanaltal und ist traditionell über den historischen Pilgerweg, heute zusätzlich mit der Seilbahn, erreichbar.
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Besonders gesucht sind Gesamtansichten des Bergdorfes und Heiligtums, der historische Pilgerweg, das Gnadenbild, Darstellungen der Gründungslegende, Wallfahrergruppen aus Kärnten, Slowenien und Friaul, Andachtsbilder und Wallfahrtsandenken, die Schutzmantelmadonna und weitere Arbeiten Tone Kraljs sowie historische Aufnahmen der Kriegszerstörungen und des Wiederaufbaus.

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Ausführliche Beschreibung

Ein historischer Wallfahrtsraum zwischen Kärnten, Krain und Friaul

Der Monte Lussari, deutsch Luschariberg beziehungsweise in der traditionellen Wallfahrtssprache auch Maria Luschari, slowenisch Svete Višarje und italienisch Monte Santo di Lussari genannt, gehört zu jenen alpinen Wallfahrtsorten, deren Bedeutung sich nur dann angemessen verstehen lässt, wenn man die heutigen Staatsgrenzen zunächst gedanklich zurücknimmt. Der Berg liegt oberhalb von Camporosso im Kanaltal, in einem Raum, in dem seit Jahrhunderten deutsch-, slowenisch- und romanisch beziehungsweise friulanischsprachige Bevölkerungsgruppen miteinander in Kontakt stehen. Die Bezeichnung als "Wallfahrtsort der drei Völker" ist heute fest etabliert, darf jedoch nicht anachronistisch in die mittelalterliche Gründungszeit zurückprojiziert werden. Die Mehrsprachigkeit des Pilgerraumes ist alt, die Vorstellung dreier moderner Nationen beziehungsweise Staaten dagegen wesentlich jünger.

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs gehörte das Kanaltal politisch zur Habsburgermonarchie und innerhalb dieser zu Kärnten. Pilger aus Kärnten, Oberkrain, dem slowenischen Küstenland und Friaul kamen daher zwar aus unterschiedlichen Sprach- und Regionalräumen, bewegten sich aber vielfach innerhalb eines zusammenhängenden politischen und kirchlichen Großraumes. Erst die Neuordnung nach 1918 zog neue Staatsgrenzen durch dieses traditionelle Einzugsgebiet und machte aus einem alten Wallfahrtsraum nachträglich einen Grenzraum zwischen Italien, Österreich und dem späteren Jugoslawien beziehungsweise Slowenien. Gerade diese Zerschneidung erklärt wesentlich, warum der Berg im 20. Jahrhundert zu einem Symbol der Versöhnung und grenzüberschreitenden Begegnung werden konnte.

Die heutigen Namen des Ortes bewahren diese Mehrschichtigkeit. Das italienische "Monte Santo di Lussari", das slowenische "Svete Višarje" und das deutsche "Luschariberg" beziehungsweise "Maria Luschari" sind keine bloßen Übersetzungen für touristische Zwecke, sondern gehören jeweils zu eigenen historischen Sprachtraditionen. Wallfahrtszettel, Gebetsdrucke und regionale Bezeichnungen zeigen, dass Maria Luschari im deutschsprachigen Raum ebenso fest verankert war wie Svete Višarje im slowenischen. Der heutige Dreisprachenraum ist daher nicht Ergebnis moderner Vermarktung, sondern Fortsetzung einer wesentlich älteren religiösen Geographie.

Gründungslegende, Gnadenbild und die immer wieder heimkehrende Madonna

Nach der bis heute gepflegten Gründungsüberlieferung beginnt die Geschichte der Wallfahrt im Jahr 1360. Ein Hirte aus Camporosso beziehungsweise Saifnitz soll seine verlorenen Schafe auf dem Berg wiedergefunden haben. In ausführlicheren Fassungen knieten die Tiere um einen Latschenkiefer- oder Mugostrauch, in dessen Mitte sich eine kleine Madonna mit Kind befand. Der Hirte brachte die Figur in das Tal und übergab sie dem Pfarrer, doch am nächsten Tag war sie verschwunden und wurde erneut auf dem Berg gefunden. Nachdem sich dieser Vorgang wiederholt hatte, erkannte man darin den Willen Mariens, an genau diesem Ort verehrt zu werden, und errichtete mit Zustimmung des Patriarchen von Aquileia eine Kapelle.

Die Legende vereinigt zwei klassische Motive europäischer Wallfahrtsüberlieferung. Zunächst erkennen Tiere das Heilige vor dem Menschen, indem sie ihre normale Bewegung unterbrechen und vor dem Bild niederknien; anschließend bestimmt das Gnadenbild selbst seinen Kultort, indem es sich menschlichen Versuchen widersetzt, es an einem bequemeren Platz im Tal aufzubewahren. Gerade die schwer zugängliche Höhenlage erhält dadurch religiöse Legitimation. Der Pilger steigt nicht auf den Berg, weil dort zufällig eine Kirche errichtet wurde, sondern weil Maria selbst nach der Überlieferung diesen Ort gewählt hat.

Quellenkritisch ist 1360 als Traditionsdatum zu behandeln. Eine zeitgenössische Urkunde, welche Hirten, kniende Schafe und die wiederkehrende Madonna dokumentiert, ist bislang nicht greifbar. Ebenso sollte die heute verehrte kleine Marienfigur nicht vorschnell mit einer gesicherten Datierung "1360" versehen werden. Kirchliche und lokale Darstellungen behandeln sie als historischen Kultkörper des Heiligtums, doch eine moderne kunsthistorische Untersuchung, die Material, Werkstatt, Entstehungszeit und Restaurierungsphasen eindeutig bestimmt, konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Wissenschaftlich sauber ist daher die Formulierung, dass die heute verehrte kleine Madonna traditionell mit der Gründungsüberlieferung von 1360 identifiziert wird.

Gerade die spätere reale Geschichte des Bildes macht die Gründungslegende jedoch auf unerwartete Weise besonders wirkungsmächtig. Das Motiv lautet: Die Madonna wird vom Berg entfernt und kehrt zurück. Genau dieser Vorgang wiederholt sich in verschiedenen historischen Krisen. Im Zuge der josephinischen Reformen wurde der Wallfahrtsbetrieb in den späten 1780er-Jahren unterbrochen, das Heiligtum geschlossen beziehungsweise seiner liturgischen Funktion entzogen und das Gnadenbild ins Tal gebracht. Unter Leopold II. konnte die Wallfahrt um 1790/91 wieder aufgenommen werden, und die Madonna kehrte auf den Berg zurück. Einzelne Quellen nennen unterschiedliche Jahreszahlen für Schließung und Wiedereröffnung, weshalb die Grundbewegung historisch sicherer ist als jedes einzelne Detailjahr.

1807 verursachte ein Blitzschlag einen schweren Brand und zerstörte große Teile der hölzernen Kirchenausstattung; erneut wurde das Heiligtum wiederhergestellt. Noch tiefgreifender war die Zerstörung im Ersten Weltkrieg. Am 16. September 1915 wurde die Kirche durch Artilleriebeschuss schwer getroffen und brannte aus. Das Gnadenbild war zuvor in Sicherheit gebracht worden. Mehrere historische Darstellungen nennen Giovanni Kravina als jene Person, die bei der Rettung beziehungsweise Verwahrung der Madonna eine wesentliche Rolle spielte. Das Bild gelangte zunächst nach Camporosso und wurde danach an verschiedene Orte des habsburgischen Hinterlandes verbracht, darunter Villach, Klagenfurt und Maribor; zeitweise befand es sich auch im Raum Dravograd beziehungsweise Heilig Kreuz. Erst nach dem Krieg und dem Wiederaufbau konnte es dauerhaft zurückkehren.

Am 24. Juni 1925, dem traditionellen Beginn der Wallfahrtssaison am Fest Johannes des Täufers, wurde die Madonna feierlich wieder auf den Berg getragen. Kirchliche Quellen nennen daneben 1926 als Jahr einer erneuten feierlichen Weihe des Heiligtums; beide Angaben widersprechen einander nicht zwingend, sondern scheinen unterschiedliche Schritte des Wiederaufbaus zu bezeichnen. Im Zweiten Weltkrieg musste das Bild erneut in Sicherheit gebracht werden und wurde im Pfarrhaus von Camporosso verwahrt, bevor es 1945 wiederum auf den Berg zurückkehrte.

Damit entsteht ein außergewöhnliches Leitmotiv, in dem Legende und reale Objektgeschichte ineinandergreifen. In der Gründungserzählung bringt der Pfarrer die Madonna ins Tal und sie kehrt auf den Berg zurück. Im späten 18. Jahrhundert wird sie aufgrund staatlicher Reformen entfernt und kehrt zurück. Im Ersten Weltkrieg wird sie evakuiert, wandert durch Kärnten und den slowenischen Raum und kehrt 1925 zurück. Im Zweiten Weltkrieg wird sie erneut ins Tal gebracht und 1945 wieder auf den Berg getragen. Die "immer wieder heimkehrende Madonna" ist daher nicht bloß ein poetisches Bild, sondern beschreibt eine bemerkenswerte Kontinuität zwischen Kultüberlieferung und historischer Erfahrung.

Großwallfahrt, Mehrsprachigkeit und materielle Verbreitung des Kultes

Schon lange vor der modernen Dreiländersymbolik war Lussari ein stark frequentierter Wallfahrtsort. Die Pilgersaison dauerte traditionell vom 24. Juni bis zum ersten Sonntag im Oktober. Während dieser kurzen Sommermonate hielten sich mehrere Priester auf dem Berg auf, um Messen zu feiern und Beichte zu hören; Unterkunft und Verpflegung für die Pilger mussten bereitgestellt werden. Die Wallfahrt war damit organisatorisch auf große Menschenmengen eingestellt und konnte nur während der schneefreien Jahreszeit in vollem Umfang stattfinden.

Der historische Aufstieg war zugleich rituell gegliedert. Pilgergruppen zogen von Camporosso hinauf, hielten am Sattel bei einer Quelle zu Gebet und Ansprache, gingen weiter zur Herz-Jesu-Kapelle und wurden schließlich vom Glockengeläut des Heiligtums empfangen. Erst danach folgten Andacht vor dem Gnadenbild, Messe und Beichte. Der Weg war damit sowohl Anmarschstrecke als auch ein aus mehreren religiösen Stationen aufgebauter Vollzug. Die heute noch gebräuchliche Bezeichnung als alter "Büßerweg" bewahrt diese körperliche und penitentiale Dimension. Der Aufstieg überwindet annähernd tausend Höhenmeter und verlangt auch heute, trotz der modernen Seilbahn, eine erhebliche körperliche Leistung.

Ein besonders aussagekräftiger Einblick in die historische Größe des Kultes bietet das 500-Jahr-Jubiläum von 1860. Ältere slowenische Darstellungen nennen für die Jubiläumszeit 86 feierliche Prozessionen, 109 slowenische und 56 deutsche Predigten sowie 1.477 gefeierte Messen. Solche Zahlen sollten stets als Angaben aus der überlieferten Wallfahrtsstatistik kenntlich gemacht werden; ihre Bedeutung liegt weniger in der spektakulären Gesamtzahl als in der klar dokumentierten Mehrsprachigkeit. Deutsch und Slowenisch waren im 19. Jahrhundert selbstverständliche Predigtsprachen eines großen Wallfahrtsortes, lange bevor europäische Versöhnung oder institutionalisierte Dreiländerbegegnung zu kirchlichen Leitbegriffen wurden.

Eine besonders wichtige Quelle für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ist Lambert Ehrlichs 1910 erschienenes Buch Svete Višarje. Es entstand noch vor der politischen Neuordnung des Alpen-Adria-Raumes und dokumentiert damit eine Wallfahrtswelt, in der die späteren Staatsgrenzen noch nicht jene trennende Funktion besaßen, die sie nach 1918 erhielten. Gerade für die slowenische Wallfahrtsgeschichte ist dieses Werk von besonderem Wert, weil es die regionale Frömmigkeit aus einer Zeit beschreibt, bevor nationale und staatliche Grenzziehungen den Kult politisch neu rahmten.

Die Ausstrahlung des Heiligtums lässt sich nicht nur an Pilgerzahlen, sondern auch an Wallfahrtsandenken verfolgen. Im Österreichischen Museum für Volkskunde ist ein Gebetszettel des 18. beziehungsweise frühen 19. Jahrhunderts erhalten, der unter dem Titel "Kräftiges Gebeth zu der gnadenreichen Mutter Gottes Maria Luschari auf dem heiligen Berg in Kärnthen" das Gnadenbild, die Gründungslegende und den Hirten zeigt. Das Blatt macht sichtbar, wie stark Maria Luschari in der deutschsprachigen Volksfrömmigkeit als kärntnerischer Gnadenort wahrgenommen wurde.

Eine kolorierte Lithographie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts trägt den Vers "Von Luschari bin ich gekommen / Und hab für Sie dieß mitgenommen". Solche Wallfahrtsandenken zeigen eine zweite Bewegung des Kultes: Der Pilger steigt zum Gnadenbild hinauf und nimmt anschließend dessen Abbild mit ins Tal. Maria Luschari wird auf Papier vervielfältigt und verbreitet sich über Haushalte, Bildstöcke und private Andachtsräume weit über den Berg hinaus. Ein 1840 errichteter Bildstock in Weißbach bei Lofer im Pinzgau, der Maria Luschari mit Hirten und Schafen zeigt, belegt diese Fernwirkung materiell.

Damit liegt die volkskundliche Bedeutung von Lussari nicht nur in klassischen Ex voto, deren historischer Bestand bislang weniger gut erschlossen ist als in Barbana oder Castelmonte, sondern ebenso in einer reichen Andachtsbild- und Wallfahrtsandenkenkultur. Gebetszettel, Gnadenbilddrucke, lithographierte Erinnerungsblätter und Bildstöcke machten den Heiligtumskult mobil und sorgten dafür, dass Maria Luschari im mitteleuropäischen Alltagsraum präsent blieb, auch wenn die eigentliche Wallfahrt nur saisonal und mit erheblichem körperlichem Aufwand möglich war.

Krieg, Wiederaufbau und die bildliche Geschichtsschreibung Tone Kraljs

Der Erste Weltkrieg bildet die tiefste Zäsur der neueren Geschichte des Heiligtums. Mit dem Krieg zerbrach nicht nur der Kirchenbau, sondern auch ein historisch zusammenhängender Pilgerraum. Nach 1918 fiel das Kanaltal an Italien, während große Teile des alten Einzugsgebietes nun jenseits neuer Staatsgrenzen in Österreich und im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen lagen. Das Heiligtum, das zuvor innerhalb einer größeren habsburgischen Ordnung von unterschiedlichen Sprachgruppen besucht worden war, wurde dadurch zu einem echten Grenzheiligtum. Die Pilgerströme gingen zurück, Reisewege wurden komplizierter, und die nationale Zuordnung des Raumes gewann eine Bedeutung, die sie für die vormoderne Wallfahrt in dieser Form nicht besessen hatte.

Der Wiederaufbau der Kirche nach dem Krieg war daher sowohl eine bauliche als auch eine symbolische Wiederherstellung. Das Gnadenbild, das den Krieg außerhalb des Berges überstanden hatte, kehrte zurück und verband die zerstörte Vergangenheit mit dem erneuerten Kult. Gerade in dieser Phase gewann die künstlerische Ausstattung besondere Bedeutung. Der slowenische Maler Tone Kralj begann in den 1930er-Jahren mit der Neugestaltung des Innenraums und vollendete seine Arbeiten um 1960. Seine Wandmalereien zeigen Verkündigung, Flucht nach Ägypten, Wiederfinden Jesu im Tempel, Kreuzigung und Krönung Mariens, beziehen aber zugleich die Geschichte des Ortes selbst ein, darunter die Gründungslegende und die Zerstörung des Heiligtums im Ersten Weltkrieg.

Die Kirche wird damit zu einer Form bildlicher Geschichtsschreibung. Krieg und Zerstörung erscheinen nicht als äußere Ereignisse, die mit dem Sakralraum nichts zu tun hätten, sondern werden in dessen Bildprogramm aufgenommen. Besonders aussagekräftig ist die Schutzmantelmadonna am Triumphbogen. Maria breitet ihren Mantel über Menschen aus und wird in der heutigen Interpretation des Heiligtums als gemeinsame Schutzgestalt unterschiedlicher Pilger verstanden. Die Aufnahme der Slawenapostel Kyrill und Method gemeinsam mit den Aquileier Heiligen Hermagoras und Fortunatus verbindet slawische und aquileische Kirchenüberlieferung bewusst innerhalb eines einzigen sakralen Programms.

Kraljs Arbeiten entstanden zudem in einem politisch belasteten Umfeld. Der slowenische Künstler wirkte in einer Zeit, in der slowenische Sprache und Kultur im faschistischen Italien starkem Druck ausgesetzt waren, später der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegsordnung wiederum Grenzen, Fluchtbewegungen und politische Konflikte bestimmten. Der Kreuzweg und die übrigen Wandmalereien sind deshalb sowohl kirchliche Kunst als auch Teil einer Kulturgeschichte des Grenzraumes. Die Passion Christi wurde in einer Landschaft dargestellt, deren Bevölkerung selbst Krieg, nationale Konflikte und politische Verwerfungen erlebt hatte.

Auch der Kreuzweg selbst besitzt eine bemerkenswerte Geschichte. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg begannen Bewohner entlang des Pilgerweges kleine Kapellen für einen von Tone Kralj gestalteten Kreuzweg zu errichten. Nur sechs Kapellen konnten vollendet werden; die übrigen Stationen blieben zunächst in der Kirche. Witterung und Beschädigungen durch Besucher beziehungsweise Pilger führten schließlich dazu, dass die außen aufgestellten Stationen 1960 ebenfalls in den geschützten Kirchenraum gebracht wurden. Der Versuch, den gesamten Aufstieg durch den Kreuzweg zusätzlich zu sakralisieren, wurde damit zwar baulich reduziert, blieb aber in der Erinnerung an den Pilgerweg erhalten.

Vom alten mehrsprachigen Wallfahrtsraum zur bewussten Drei-Völker-Symbolik

Die heute weit verbreitete Bezeichnung Monte Lussari als "Wallfahrtsort der drei Völker" besitzt also einen realen historischen Untergrund, ist aber in ihrer modernen politischen und kirchlichen Bedeutung deutlich jünger als die Wallfahrt selbst. Jahrhundertealte Pilgerzüge aus Kärnten, Oberkrain, dem slowenischen Küstenland und Friaul belegen einen alten mehrsprachigen Einzugsraum. Die ausdrücklich institutionalisierte Dreiländer- beziehungsweise Drei-Völker-Wallfahrt entstand dagegen erst 1982.

Damals regte der Udineser Erzbischof Alfredo Battisti eine grenzüberschreitende Wallfahrtsinitiative an, an der sich Ljubljana und Gurk-Klagenfurt beteiligten. Die Wahl des Zeitpunktes war nicht zufällig. Wenige Jahre zuvor hatte das Friauler Erdbeben von 1976 große Zerstörungen verursacht; Hilfe aus den Nachbarländern wurde in Friaul mit Dankbarkeit wahrgenommen. Zugleich entsprach eine solche Wallfahrt dem kirchlichen Wunsch nach grenzüberschreitender Begegnung in einem Europa, dessen politische Teilung noch keineswegs überwunden war. Die Bischofsweihe Egon Kapellaris im Jahr 1982 bildete einen weiteren konkreten Anlass, die kirchlichen Beziehungen zwischen Udine, Ljubljana und Gurk-Klagenfurt sichtbar zu machen.

Die Liturgie wurde bewusst mehrsprachig gefeiert: Deutsch, Slowenisch, Italienisch, Friulanisch und teilweise Latein machten die regionale Vielfalt hörbar. Damit wurde nicht eine neue Mehrsprachigkeit erfunden, sondern eine sehr alte Pilgerrealität in ein ausdrückliches Versöhnungs- und Europazeichen übersetzt. Die moderne Drei-Völker-Wallfahrt ist deshalb weder bloße Fortsetzung einer unveränderten mittelalterlichen Tradition noch künstliche Neuerfindung. Sie ist eine bewusste Neuinterpretation des alten Wallfahrtsraumes unter den Bedingungen des 20. Jahrhunderts.

Wichtig ist ferner, dass diese Dreiländerwallfahrt nicht ausschließlich und jedes Jahr auf dem Lussari stattfindet. Die beteiligten Diözesen treffen sich an wechselnden Wallfahrtsorten der drei Länder; Monte Lussari ist jedoch einer ihrer wichtigsten Symbolorte. Gerade hier ist die historische Voraussetzung besonders deutlich, weil die mehrsprachigen Pilgerströme schon lange vor der modernen Initiative bestanden hatten.

Davon zu unterscheiden ist das seit 1988 bestehende Treffen der sogenannten "drei Slowenien". Dabei versammeln sich Slowenen aus dem Mutterland, aus historischen Minderheitengebieten außerhalb Sloweniens und aus der Emigration. Diese Veranstaltung besitzt eine andere Zielsetzung und darf nicht mit der Dreiländerwallfahrt verwechselt werden. Dass beide modernen Formen gerade Monte Lussari wählen, zeigt allerdings, wie stark der Berg als symbolischer Ort für Fragen von Grenze, Zugehörigkeit, Sprache und gemeinsamer religiöser Identität geworden ist.

Die heutige Einbindung des Heiligtums in den Cammino Celeste beziehungsweise Iter Aquileiense verstärkt diese Funktion zusätzlich. Der Pilgerweg verbindet Aquileia beziehungsweise in einer Variante Barbana mit Castelmonte und schließlich Monte Lussari. Damit werden mehrere bedeutende Heiligtümer des alten Patriarchats- und Alpen-Adria-Raumes in einer modernen Route erneut miteinander verbunden. Für die Wallfahrtslandschaft Friaul-Julisch Venetiens ist das besonders bemerkenswert, weil Barbana, Castelmonte und Lussari dadurch nicht nur als isolierte Einzelorte erscheinen, sondern als Knotenpunkte eines größeren religiösen Wegenetzes.

Zur Überlieferung und historischen Einordnung

Monte Lussari ist ein historisch gesicherter Marienwallfahrtsort mit einer ausgeprägten mehrsprachigen und grenzüberschreitenden Tradition. Die Gründungslegende von 1360 mit dem Hirten, den knienden Schafen und der wiederkehrenden Madonna gehört in den Bereich der Kultüberlieferung und darf nicht mit einer zeitgenössisch dokumentierten Gründungsgeschichte gleichgesetzt werden. Ebenso bleibt die exakte kunsthistorische Datierung des kleinen Gnadenbildes offen. Historisch deutlich greifbar sind dagegen die starke Wallfahrt der Neuzeit und des 19. Jahrhunderts, die mehrsprachige Predigt- und Prozessionspraxis, die Unterbrechung durch josephinische Reformen, die wiederholten Kriegszerstörungen und Evakuierungen des Kultbildes, der Wiederaufbau nach dem Ersten Weltkrieg und die moderne grenzüberschreitende Symbolfunktion.

Besonders aussagekräftig ist die Tatsache, dass die spätere Objektgeschichte der Madonna immer wieder das Grundmuster der alten Legende wiederholt. Das Bild wird vom Berg entfernt und kehrt zurück; politische Reformen, Krieg und Grenzverschiebungen können den Kult zeitweise unterbrechen, aber die Madonna wird erneut auf den Berg getragen. Dadurch erhält die Gründungserzählung in der historischen Erinnerung eine fortwährende Bestätigung, ohne dass Legende und dokumentierte Geschichte miteinander verwechselt werden müssen.

Die Bezeichnung "Wallfahrtsort der drei Völker" ist für die Gegenwart berechtigt, sollte aber historisch differenziert verstanden werden. Der alte Pilgerraum war mehrsprachig und regional grenzüberschreitend, lange bevor moderne Nationalstaaten entstanden. Nach 1918 schnitten neue Grenzen diesen Raum auseinander. Seit 1982 wird die alte Mehrsprachigkeit bewusst als kirchliches Versöhnungszeichen zwischen Italien beziehungsweise Friaul, Slowenien und Österreich neu interpretiert. Gerade in dieser Verbindung von historischer Tiefe und moderner Neuformulierung liegt die besondere Bedeutung des Monte Lussari.

Der Wallfahrtsort ist daher weder nur ein alpines Marienheiligtum noch lediglich ein politisches Symbol europäischer Verständigung. Seine Geschichte verbindet Legende, körperlichen Pilgerweg, saisonale Großwallfahrt, Andachtsdrucke, Gnadenbildkult, staatliche Unterdrückung, Krieg, Evakuierung, Wiederaufbau, mehrsprachige Liturgie und moderne grenzüberschreitende Begegnung. Diese Schichten machen den Luschariberg zu einem besonders aussagekräftigen Beispiel dafür, wie Wallfahrtsorte historische Grenzen überdauern, durch politische Veränderungen neue Bedeutungen erhalten und dennoch an einen alten Kultkern gebunden bleiben.

Quellen und Literatur

Lambert Ehrlich: Svete Višarje. Slovenska krščansko-socialna "Zveza" za Koroško, 1910.

Santuario del Monte Santo di Lussari: historische Dokumentationen zur Gründungsüberlieferung, zum Gnadenbild, zur Wallfahrtsgeschichte, zum Wiederaufbau und zur heutigen Pilgerpraxis.

Arcidiocesi di Udine: Dokumentationen zur Geschichte des Heiligtums, zum Cammino Celeste sowie zur Wallfahrt und Symbolik des "Santuario dei tre popoli".

Diözese Gurk-Klagenfurt: Dokumentationen zur Dreiländerwallfahrt, zur Geschichte von Maria Luschari und zur grenzüberschreitenden kirchlichen Zusammenarbeit.

Volkskundemuseum Wien: historische Gebetszettel, Wallfahrtsandenken und Gnadenbilddarstellungen zu Maria Luschari.

Historische slowenische und kärntnerische Wallfahrtsliteratur zur Jubiläumswallfahrt von 1860, zu Prozessionen, Predigtsprachen und Pilgerwegen.

Dokumentationen zu Tone Kralj und zur künstlerischen Ausstattung des Heiligtums, insbesondere zu Schutzmantelmadonna, Kreuzweg und bildlicher Verarbeitung der Kriegsgeschichte.

Kirchliche und regionalhistorische Dokumentationen zur Evakuierung des Gnadenbildes im Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie zu dessen Rückkehr auf den Monte Lussari.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher