Basilica Concattedrale di San Pietro Apostolo - Santuario Diocesano della Beata Vergine Addolorata
Bisceglie, Diözesan-Wallfahrtskirche der Addolorata

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historisch belegte und gegenwärtig lebendige Marienwallfahrt zur Beata Vergine Addolorata in der Concattedrale von Bisceglie. Der Kult ist seit spätestens 1823 sicher nachweisbar. Heute gehören Pfarrwallfahrten während des September-Settenario ebenso zur Verehrung wie die Karfreitagsprozession mit dem Incontro und die große Prozession am Fest der Addolorata.
Status:Diözesanheiligtum der Beata Vergine Addolorata seit 9. Februar 1975; die Concattedrale besitzt seit 1. September 1980 den Rang einer Basilica Minore. Die Addolorata wird als Mitpatronin von Bisceglie verehrt.
Kultzentrum:Das verehrte Bild der schmerzhaften Gottesmutter in dunkler Gewandung mit dem von Schwertern durchbohrten Herzen. Der Addolorata-Kult konzentriert sich auf das in Prozession getragene Marienbild, das im Jahreslauf in unterschiedliche liturgische und festliche Zusammenhänge eingebunden wird.
Ort:Bisceglie, Provinz Barletta-Andria-Trani.
Region:Apulien.
Land:Italien.
Lage und Besuch
•Basilica Concattedrale di San Pietro Apostolo - Santuario Diocesano della Beata Vergine Addolorata, Piazza Duomo, 76011 Bisceglie BT, Italien.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte in Italien
•Ansicht in Street View
•Besondere Wallfahrts- und Festzeiten sind der Karfreitag mit der morgendlichen Prozession der Addolorata und dem Incontro sowie das Settenario vor dem Fest der Beata Vergine Maria Addolorata am 15. September mit Pfarrwallfahrten und feierlicher Prozession.
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Ausführliche Beschreibung

Kathedrale und Marienheiligtum

Das Santuario Diocesano della Beata Vergine Addolorata befindet sich nicht in einer eigenen Wallfahrtskirche, sondern in der Basilica Concattedrale di San Pietro Apostolo im historischen Zentrum von Bisceglie. Die Kirche vereinigt damit mehrere Funktionen: Sie ist eine mittelalterliche Bischofskirche, seit 1980 Basilica Minore und seit 1975 zugleich diözesanes Heiligtum der schmerzhaften Gottesmutter.

Diese Verbindung prägt auch die Wallfahrt. Die Addolorata wird nicht an einem abgelegenen Heiligtum verehrt, sondern im religiösen und historischen Zentrum der Stadt. Prozessionen führen das Marienbild aus der Concattedrale in den öffentlichen Raum und binden Straßen, Plätze und andere Kirchen Bisceglies in die Verehrung ein.

Die mittelalterliche Concattedrale

Die Basilica Concattedrale di San Pietro Apostolo entstand in normannischer Zeit. Die kirchliche Tradition verbindet ihre Gründung mit dem Jahr 1073; die feierliche Weihe erfolgte am 1. Mai 1295. Der Bau gehört zur romanischen Sakralarchitektur Apuliens und besitzt drei Schiffe, Querhaus, Krypta und eine reich gegliederte Fassade.

Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Kirche mehrfach verändert. Besonders tief waren die barocken Eingriffe des 18. Jahrhunderts. Restaurierungen des 20. Jahrhunderts legten zahlreiche mittelalterliche Strukturen wieder frei und führten den Innenraum stärker an seine romanische Gestalt zurück. Die Addolorata-Verehrung gehört dagegen zu einer jüngeren Frömmigkeitsschicht innerhalb dieses wesentlich älteren Kirchenraumes.

Die drei Stadtpatrone

In der Krypta der Concattedrale werden die Reliquien der heiligen Mauro, Sergio und Pantaleone verehrt. Sie sind die Hauptpatrone von Bisceglie und besitzen eine eigene, bis in das Mittelalter zurückreichende Kulttradition. Die Addolorata trat später als Mitpatronin neben diese Heiligen.

Damit überlagern sich in der Concattedrale verschiedene Formen städtischer Schutzfrömmigkeit. Die Reliquien der Märtyrer und das Marienbild sind unterschiedlichen historischen Epochen zuzuordnen, werden aber gemeinsam als religiöse Bezugspunkte der Stadt verstanden.

Der Addolorata-Kult ist seit 1823 sicher belegt

Ein wichtiger quellenmäßiger Fixpunkt für die Verehrung der Addolorata ist die Pastoralvisitation des Bischofs Gaetano de Franci im Jahr 1823. Aus diesem Visitationsbericht sind sichere Nachrichten über den Kult der schmerzhaften Gottesmutter in der Concattedrale von Bisceglie überliefert.

Der Kult bestand damit lange vor der heutigen Bruderschaft und auch lange vor der Erhebung der Kirche zum Diözesanheiligtum. Wie weit die Verehrung vor 1823 zurückreicht, lässt sich aus den bislang greifbaren Quellen nicht mit derselben Sicherheit bestimmen.

Die schmerzhafte Gottesmutter

Die Addolorata stellt Maria als Mutter im Schmerz über Leiden und Tod Christi dar. Charakteristisch sind die dunkle Gewandung, der trauernde Gesichtsausdruck und das Herz, das von Schwertern durchbohrt wird. Die sieben Schwerter beziehen sich auf die sieben Schmerzen Mariens, die in Gebet und Andacht einzeln betrachtet werden.

In Bisceglie ist diese Darstellung nicht auf die private Andacht beschränkt. Das Marienbild wird in großen öffentlichen Prozessionen mitgeführt und verändert dadurch seine Funktion: Aus dem Bild im Kirchenraum wird eine sichtbare Begleiterin der Stadtgemeinschaft.

Die hölzerne Addolorata und Nicolantonio Brudaglio

Das verehrte Prozessionsbild ist eine hölzerne Addolorata des 18. Jahrhunderts und wird in der kunsthistorischen Forschung mit der Werkstatt des aus Andria stammenden Bildhauers Nicolantonio Brudaglio verbunden. Eine eigene Studie von Isabella Di Liddo behandelt die Addolorata von Bisceglie im Zusammenhang mit der Brudaglio-Werkstatt und der süditalienischen Holzskulptur für städtische Patronatskulte.

Für die Datierung wird die Mitte des 18. Jahrhunderts genannt. Die Figur gehört zur Tradition bekleideter beziehungsweise für textile Ausstattung eingerichteter Kultbilder. Ausdruck, Handhaltung und die sichtbaren Zeichen des Schmerzes verbinden die plastische Darstellung mit jener emotionalen Frömmigkeit, die den Addolorata-Kult in Süditalien besonders während der Karwoche prägt.

Festgewand und Trauergewand

Das Erscheinungsbild der Madonna verändert sich nach dem rituellen Zusammenhang. Am Karfreitag steht die schlichte schwarze Trauergewandung im Vordergrund. Beim Septemberfest wird das Bild dagegen festlicher ausgestattet. Kleidung, Schmuck und floraler Dekor markieren damit unterschiedliche religiöse Rollen desselben Kultbildes.

Die Gewandung ist nicht bloß äußerer Schmuck. Sie gehört zur rituellen Inszenierung des Bildes und beeinflusst, wie die Madonna wahrgenommen wird: als leidende Mutter in der Passion oder als öffentlich verehrte Mitpatronin der Stadt.

Die Addolorata als Mitpatronin

Die Beata Vergine Addolorata wird als Mitpatronin von Bisceglie verehrt. Im örtlichen Sprachgebrauch begegnet für sie die Bezeichnung "Mèmme du paése", die sinngemäß die enge Beziehung zwischen der Madonna und der Stadtgemeinschaft ausdrückt.

Dieser Name verweist auf eine Form religiöser Zugehörigkeit, die über die amtliche Patronatsbezeichnung hinausgeht. Die Madonna erscheint als Mutterfigur der Stadt und wird besonders in den beiden großen rituellen Zusammenhängen des Jahres sichtbar: am Karfreitag und beim Septemberfest.

Gründung der Confraternita 1970

Am 15. September 1970 wurde die Confraternita di Maria Santissima Addolorata gegründet. Initiator war Giuseppe Simone; die Errichtung erfolgte mit Zustimmung des Erzbischofs von Trani, Reginaldo Addazi. Sitz der Gemeinschaft war von Anfang an die Kathedrale.

Der Gründungserlass bestimmte die Bruderschaft als gemischte Gemeinschaft. Für Männer und Frauen wurden zunächst unterschiedliche Formen der Kleidung festgelegt, beide jedoch mit dem Zeichen des von einem Schwert durchbohrten Herzens der Addolorata. Später wurde die Tracht an jene anderer örtlicher Bruderschaften angeglichen.

Die Bruderschaft als Trägerin des Kultes

Zu den Aufgaben der Bruderschaft gehören die Pflege der Verehrung der Addolorata, die Teilnahme an liturgischen Feiern und Prozessionen sowie die Vorbereitung des Festes am 15. September. Sie nimmt außerdem an weiteren wichtigen Prozessionen im Kirchenjahr und im städtischen Patronatskalender teil.

Vor der Gründung der Addolorata-Bruderschaft wurde das Marienbild am Karfreitag von Mitgliedern der Confraternita dei Santi Martiri und Vertretern des Domkapitels getragen. Die neue Bruderschaft übernahm damit eine bereits ältere Prozessionstradition.

Erhebung zum Diözesanheiligtum 1975

Am 9. Februar 1975 erhob Erzbischof Giuseppe Carata die Concattedrale zum Santuario Diocesano dell'Addolorata. Mit diesem Dekret erhielt die bereits bestehende Verehrung einen ausdrücklich diözesanen kirchenrechtlichen Rahmen.

Der Titel ist für die Einordnung als Wallfahrtsort wichtig, steht aber nicht allein. Auch die heutige religiöse Praxis weist den Ort als Wallfahrtsziel aus: Während des September-Settenario kommen Pfarrgemeinden ausdrücklich in Form von Wallfahrten zur Addolorata.

Basilica Minore seit 1980

Am 1. September 1980 verlieh Papst Johannes Paul II. der Concattedrale den Rang einer Basilica Minore. Damit besitzt die Kirche neben ihrer Funktion als Concattedrale und Addolorata-Heiligtum einen weiteren kirchlichen Ehrentitel.

Die unterschiedlichen Titel sind voneinander zu unterscheiden. Die Erhebung zum Diözesanheiligtum erfolgte 1975; der Basilikatitel wurde fünf Jahre später verliehen.

Geistliche Verbindung mit Santa Maria Maggiore

Seit dem 30. Januar 2009 ist das Santuario Diocesano della Beata Vergine Addolorata durch ein besonderes geistliches Band mit der päpstlichen Basilica di Santa Maria Maggiore in Rom verbunden.

Mit dieser Verbindung sind unter den kirchlich festgelegten Bedingungen Ablässe an bestimmten Marienfesten verbunden. Ausdrücklich genannt werden dabei auch Gruppen, die in Wallfahrt zum Santuario kommen. Die kirchliche Regelung bestätigt damit die Funktion der Concattedrale als gegenwärtiges Pilgerziel.

Das Settenario im September

Dem Fest der Beata Vergine Maria Addolorata am 15. September geht ein Settenario voraus. Über sieben Tage wird die Verehrung durch Gottesdienste und besondere Gebetsformen verdichtet. Charakteristisch ist die Corona dei Sette Dolori, das Gebet zu den sieben Schmerzen Mariens.

Während dieser Tage finden am Abend Pfarrwallfahrten zur Concattedrale statt. Die Wallfahrt ist damit sowohl historische Erinnerung als auch Teil des heutigen liturgischen Lebens der Stadt und ihrer Pfarrgemeinden.

Die sieben Schmerzen Mariens

Die Andacht zu den sieben Schmerzen verbindet einzelne Stationen aus dem Leben Mariens mit Leidenserfahrungen Christi. Dazu gehören die Weissagung Simeons, die Flucht nach Ägypten, die Suche nach dem zwölfjährigen Jesus, die Begegnung auf dem Kreuzweg, die Kreuzigung, die Kreuzabnahme und die Grablegung.

Das von sieben Schwertern durchbohrte Herz der Addolorata macht diese Gebetsfolge unmittelbar sichtbar. Bild und Gebet ergänzen einander: Die einzelnen Schmerzen werden gesprochen und betrachtet, während sie in den Schwertern des Kultbildes zusammengefasst erscheinen.

15. September - das Fest der Addolorata

Am 15. September erreicht die Festzeit ihren Höhepunkt. In der Concattedrale werden mehrere Gottesdienste gefeiert; am Abend folgt die feierliche Prozession des Marienbildes durch die Stadt.

Das Fest verbindet Liturgie, Bruderschaftswesen und öffentliche Festkultur. Straßen und Plätze werden geschmückt, Musik begleitet die Feier, und das Marienbild verlässt seinen gewöhnlichen Standort in der Kirche, um durch die Stadt getragen zu werden.

Das Marienbild im öffentlichen Raum

Während des Septemberfestes wird die Addolorata als Mitpatronin der Stadt präsentiert. Die Prozession führt das Bild durch Bisceglie und macht die Beziehung zwischen Heiligtum und Stadtgemeinschaft räumlich sichtbar.

Zum traditionellen Festbild gehören schwarze Gewänder, Kerzen, festlicher Schmuck und die Beteiligung der Bruderschaft. Die dunkle Kleidung verweist zugleich auf die Trauer Mariens und bildet einen deutlichen Gegensatz zu den festlichen Elementen der öffentlichen Feier.

Gelübde, Barfüßigkeit und offenes Haar

In älteren Beschreibungen der Festtradition wird berichtet, dass Frauen die Addolorata in schwarzer Kleidung und mit Kerzen begleiteten. Frauen, die eine empfangene Gnade mit einem Gelübde beantworteten, sollen während der Festtage barfuß gegangen sein und das Haar offen getragen haben.

Solche überlieferten Formen verbinden das Gelübde unmittelbar mit dem Körper der Verehrerin. Barfüßigkeit, Haartracht und Kleidung machen eine persönliche religiöse Verpflichtung öffentlich sichtbar. Ob und in welchem Umfang diese Praxis heute noch ausgeübt wird, ist von der historischen Überlieferung zu unterscheiden.

Der Karfreitag

Der zweite große rituelle Schwerpunkt des Addolorata-Kultes liegt am Karfreitag. Früh am Morgen verlässt das Marienbild die Concattedrale und wird in einer mehrstündigen Prozession durch Bisceglie getragen. Die Prozession besucht Kirchen und führt schließlich in den Bereich der Piazza Vittorio Emanuele.

Der Weg stellt die Suche und das Leiden der Mutter Christi in den Mittelpunkt. Die Addolorata erscheint hier anders als beim Septemberfest: Nicht die Patronin der Stadt, sondern die Mutter auf dem Weg zum leidenden Sohn bestimmt die religiöse Aussage.

Das Incontro

Am Vormittag des Karfreitags findet das sogenannte Incontro statt. Die Addolorata trifft auf die Darstellung Christi, der das Kreuz trägt und aus der Kirche San Lorenzo herangeführt wird. Beide Prozessionsgruppen bewegen sich aufeinander zu und inszenieren die letzte Begegnung zwischen Mutter und Sohn vor der Kreuzigung.

Diese Begegnung ist ein zentraler Bestandteil der Karfreitagstradition von Bisceglie. Das Passionsgeschehen wird sowohl in einem Gottesdienst erinnert als auch in den Stadtraum übertragen. Unterschiedliche Kirchen werden Ausgangspunkte, Straßen zu Prozessionswegen und der Begegnungsplatz zu einem zeitweiligen religiösen Schauplatz.

Die Stadt als Passionslandschaft

Das Incontro zeigt besonders deutlich, wie Prozessionen einen alltäglichen Stadtraum religiös umdeuten können. Christus und Maria kommen aus verschiedenen Richtungen, begegnen einander vor der versammelten Bevölkerung und setzen danach ihre Wege fort.

Die Bewegung der Figuren schafft eine erzählerische Abfolge, die von den Teilnehmern nicht nur betrachtet, sondern räumlich miterlebt wird. Die Passionsgeschichte erhält dadurch eine örtliche Topographie in Bisceglie.

Bruderschaften und Prozessionsordnung

Bruderschaften besitzen in den apulischen Karwochenbräuchen eine tragende Funktion. Auch in Bisceglie organisieren sie die Wege der Kultbilder, tragen die Figuren und geben dem Prozessionszug durch Kleidung, Zeichen und feste Ordnung seine sichtbare Struktur.

Bei der Addolorata wirken die Confraternita und die Associazione dell'Addolorata mit. Die Teilnahme weiterer Bruderschaften verbindet den Marienkult mit dem größeren religiösen Gefüge der Stadt.

Zwei unterschiedliche Erscheinungsformen desselben Kultbildes

Karfreitag und Septemberfest geben dem gleichen Marienbild unterschiedliche Bedeutungsakzente. Am Karfreitag steht die trauernde Mutter im Passionsgeschehen im Mittelpunkt. Im September erscheint die Addolorata zugleich als verehrte Mitpatronin und als "Mèmme du paése".

Der Wechsel von liturgischem Anlass, Kleidung, Prozessionsweg und Begleitformen verändert die Wahrnehmung des Bildes, ohne seine Identität aufzulösen. Gerade diese Mehrfachfunktion ist kennzeichnend für lebendige Kultbilder, die über das Kirchenjahr hinweg in verschiedene rituelle Zusammenhänge eintreten.

Wallfahrt innerhalb einer Stadt

Die Wallfahrt zur Addolorata unterscheidet sich von ländlichen Heiligtümern, die durch lange Anmarschwege oder eine abgeschiedene Landschaft geprägt sind. In Bisceglie liegt das Ziel im Zentrum der historischen Stadt.

Wallfahrt entsteht hier vor allem durch die bewusste Bewegung von Pfarrgemeinden zum Heiligtum, durch wiederkehrende Gebetszeiten und durch die Einbindung der Concattedrale in ein Netz städtischer Prozessionswege. Das Ziel ist räumlich nahe, erhält aber durch rituelle Vorbereitung und gemeinschaftlichen Weg Wallfahrtscharakter.

Kontinuität und Wandel

Die Addolorata-Verehrung in Bisceglie zeigt mehrere historische Schichten. Der Kult ist spätestens 1823 nachweisbar, die heutige Bruderschaft entstand 1970, die Erhebung zum Diözesanheiligtum erfolgte 1975 und die besondere Verbindung mit Santa Maria Maggiore wurde 2009 geschaffen.

Gleichzeitig blieben ältere Formen wie Karfreitagsprozession, Incontro, Settenario und Patronatsfest erhalten beziehungsweise wurden in veränderter Form weitergeführt. Der Wallfahrtsort ist daher weniger durch einen einzigen Gründungsmoment als durch die fortlaufende Verdichtung eines städtischen Marienkultes geprägt.

Volkskundliche Bedeutung

Für die Volkskunde verbindet die Addolorata von Bisceglie mehrere Themenfelder: städtische Patronatsfrömmigkeit, Bruderschaftswesen, Prozessionskultur, Gelübdepraxis, rituelle Kleidung und die szenische Vergegenwärtigung der Passion. Besonders das Incontro zeigt, wie religiöse Erzählung durch Bewegung, Figuren und städtische Topographie zu einem gemeinschaftlich erlebten Ereignis wird.

Ebenso aufschlussreich ist die doppelte Rolle der Madonna. Als trauernde Mutter gehört sie zur Karfreitagsfrömmigkeit; als Mitpatronin und "Mèmme du paése" steht sie zugleich für Schutz, Zugehörigkeit und städtische Identität. Pfarrwallfahrten während des September-Settenario verbinden diese lokale Bindung mit der ausdrücklich kirchlich anerkannten Funktion der Concattedrale als Diözesanheiligtum.

Quellen und Literatur

- Basilica Concattedrale di Bisceglie: Riconoscimenti Ecclesiastici; Dokumentation zur Erhebung zum Santuario Diocesano dell'Addolorata 1975, zur Basilica Minore 1980 sowie zur geistlichen Verbindung mit Santa Maria Maggiore seit 2009.

- Basilica Concattedrale di Bisceglie: historische und kunstgeschichtliche Dokumentation der Concattedrale di San Pietro Apostolo.

- SIUSA - Sistema Informativo Unificato per le Soprintendenze Archivistiche: Confraternita di Maria Santissima Addolorata di Bisceglie; Gründung 1970, Statuten, Tracht und Prozessionstätigkeit.

- Settimana Santa in Puglia: Dokumentation des Addolorata-Kultes seit der Pastoralvisitation von 1823 und der Processione dell'Incontro am Karfreitag.

- Comune di Bisceglie: Dokumentation zur Festa dell'Addolorata, zur Bezeichnung "Mèmme du paése" sowie zu überlieferten Formen der Gelübde- und Prozessionsfrömmigkeit.

- Isabella Di Liddo: Nicolantonio Brudaglio. Una bottega pugliese per i Santi Patroni di Puglia: l'Addolorata di Bisceglie, in: Santi Patroni in Puglia e in Italia meridionale in Età Moderna, 2017, S. 171-194.

- Lokale kirchliche und kommunale Festprogramme: Settenario, Pfarrwallfahrten, Prozession und heutige Feier der Beata Vergine Maria Addolorata am 15. September.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher