Volders, Karlskirche

Die Karlskirche in Volders, westlich des Dorfes und nahe der heutigen Inntalautobahn gelegen, ist dem heiligen Karl Borromäus und der Heiligsten Dreifaltigkeit geweiht. Früher nannte man sie wegen ihrer Lage bei der Volderer Innbrücke auch "Brugg’nkirche"; erst durch die Verlegung des Inns im Zuge des Autobahnbaues liegt sie heute nicht mehr unmittelbar an der alten Brücke. Die Gemeinde Volders weist bis heute auf diese alte Bezeichnung hin und nennt die Karlskirche zugleich gerne eine "Autobahnkirche", weil jährlich unzählige Menschen an ihr vorbeifahren.

Gestiftet und entworfen wurde die Kirche vom Haller Stadtphysikus Dr. Hippolyt Guarinoni. Anlass war die Pestzeit um 1611; die Kirche ist daher auch als Votiv- und Pestkirche zu verstehen. Der hl. Karl Borromäus galt als Pestheiliger und zugleich als bedeutender Vertreter der katholischen Erneuerung nach der Reformation. Damit verbindet die Karlskirche sehr deutlich medizinische Erfahrung, Pestangst, Gelübdefrömmigkeit und gegenreformatorisches Glaubensbewusstsein.

Nach der Überlieferung geht der Bau auch auf eine Anregung des Kapuziners Thomas von Bergamo zurück. 1620 wurde der Grundstein gelegt; wegen Geldmangel, Kriegszeit und der schwierigen Bauumstände dauerte die Errichtung jedoch jahrzehntelang. Guarinoni soll selbst als Arbeiter und Maurer mitgearbeitet haben, was ihm den Beinamen "Meister Pölten" eintrug. Die Kirche wurde schließlich am 25. Juli 1654 geweiht — wenige Wochen nach dem Tod ihres Stifters.

Architektonisch ist die Karlskirche ein Ausnahmebau in Tirol. Sie gilt als erster barocker Zentralbau Nordtirols und besitzt eine eigenwillige, beinahe fremdartig wirkende Form mit zentraler Kuppel, seitlichen Rundkapellen und einem auffallenden Turm. Die Baugestalt ist stark von der Dreifaltigkeitssymbolik geprägt: Dreiheit und Einheit werden in Grundriss, Raumform und Turmgestalt sichtbar gemacht. Gerade diese "sprechende Architektur" macht die Kirche kunst- und kulturgeschichtlich besonders wertvoll.

Im Inneren wurde die Kirche im 18. Jahrhundert im Stil des späten Rokoko umgestaltet. Besonders bedeutend sind die großen Deckenfresken von Martin Knoller aus den Jahren 1765/66 sowie der Rokokostuck von Johann Georg Gigl. Das Hochaltarbild, ebenfalls von Knoller, zeigt den hl. Karl Borromäus, der einer pestkranken Frau die Kommunion reicht. Damit wird der ursprüngliche Sinn der Kirche — Hilfe in Pest, Krankheit und Todesnot — auch im Hauptbild des Altars sichtbar.

Zur Karlskirche gehört auch das Servitenkloster. Guarinoni hatte von Anfang an gewünscht, dass ein Orden die Kirche betreuen sollte; da sein Sohn in das Innsbrucker Servitenkloster eingetreten war, lag die Verbindung zu den Serviten nahe. Die ersten Patres bezogen 1692 das noch unfertige Kloster, das 1698 vollendet wurde. Die Serviten betreuten die Gläubigen, die zur "Brugg’n Mutter", einem Gnadenbild in der Vorhalle beziehungsweise Seitenkapelle, kamen.

Volkskundlich besonders wichtig ist diese Brugg’n Mutter, eine Pietà in der Kapelle der Schmerzhaften Mutter. Die Figurengruppe wird dem Tiroler Barockbildhauer Andreas Thamasch zugeschrieben und steht mit der servitischen Verehrung der sieben Schmerzen Mariens in enger Verbindung. Der Name erinnert wiederum an die alte Brücke: Die "Mutter bei der Brugg’n" wurde so zu einem eigenen lokalen Andachtsbild.

Um die Brugg’n Mutter entwickelte sich auch eine lebendige Prozessionstradition. Besonders Soldaten suchten in Kriegszeiten ihre Nähe, wohl auch deshalb, weil das benachbarte Kloster wiederholt als Lazarett diente. Daraus entstand der Brauch, die Schmerzensmutter am Fest der Schmerzen Mariens beziehungsweise am Brugg’n Sonntag in einer feierlichen Prozession zum nahegelegenen Kriegerfriedhof zu tragen; anschließend kehrte die Figur in die Kirche zurück und wurde in die Festmesse einbezogen.

Eine weitere volkstümliche Überlieferung ist der sogenannte "Stein des Gehorsams". Nach der Erzählung löste sich oberhalb der Baustelle ein Stein und drohte auf die Arbeiter herabzustürzen; durch Guarinonis Zuruf soll er auf wundersame Weise zum Stillstand gekommen sein. Ein Teil dieses Steines wurde sichtbar in der Kirche eingemauert und erinnert bis heute an diese Baulegende.

In jüngerer Zeit wurde die Karlskirche 1977 bis 1988 umfassend restauriert. 2025 wurde die Liegenschaft von der Tiroler Servitenprovinz an das Institut Österreichischer Orden übergeben; die seelsorgliche Betreuung bleibt aber in Zusammenarbeit mit der Diözese Innsbruck und dem Seelsorgeraum Fritzens–Volders–Wattens gesichert.

Lage: Volderwaldstraße 3, 6111 Volders.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tirol - Innsbruck-Land
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Volders
Web: Gemeinschaft Karlskirche Volders
Geöffnet: zu den üblichen Kirchenöffnungszeiten.
Außenaufnahme:

Volders, Karlskirche

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Außenaufnahme von der Volderer Brücke:
Die Volderer-Brücke an dieser Stelle (Fotostandort) besteht seit schon seit ca. 1300 und war über Jahrhunderte die einzige Innbrücke zwischen Hall und Schwaz.

Die Karlskirche, der erste barocke Zentralbau Nordtirols, wurde in den Jahren 1620-54 nach Plänen des Haller Stiftsarztes und Amateurarchitekten Dr. Hippolyt Guarinoni errichtet, die Weihe hatte er jedoch nicht mehr erlebt, sie fand sechs Wochen nach seinem Tod statt. Guarinoni liegt hier begraben, 1765/66 wurde die Kirche innen im Rokokostil mit klassizistischen Elementen umgestaltet.
Durch die Verlegung des Flussbettes im Jahr 1968 liegt die Karlskirche jetzt nicht mehr am Inn, sondern an der Autobahn. (nach Gertrud Pfaundler-Spat 2005, 648).

Streng zentrale Anlage mit überragender Mittelkuppel, wohl von der noch unverlängerten Zentralanlage des Petersdomes angeregt, jedoch - geleitet von einer sehr konsequent verfolgten Dreifaltigkeitssymbolik - höchst eigenwillig umgeformt. In dem Bestreben, die "Einheit in der Dreiheit" zu erreichen, fügte Guarinoni die 3 mit Halbkuppeln überwölbten Rundapsiden so unvermittelt an den kreisförmigen Hauptraum an, dass sich die Kuppeldächer mit dem mittleren verschneiden und eine rhytmisch bewegte Silhouette ergeben. (nach Dehio-Tirol).

Im Bildhintergrund das Servitenkonvent und Oberstufenrealgymnasium Volders.

Volders, Karlskirche

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Literatur zur Wallfahrt:
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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