Wallfahrt Thaur, Wallfahrtskirche Peter und Paul (Romedikirchl)

Die Romedikirche, auch Romedikirchl oder Schlosskirche genannt, liegt oberhalb von Thaur bei Innsbruck, in unmittelbarer Nähe der Burgruine Thaur am Schlossberg. Eigentlich ist die Kirche den heiligen Aposteln Petrus und Paulus geweiht; volkstümlich wird sie aber vor allem mit dem heiligen Romedius verbunden, der der Überlieferung nach aus Thaur stammen soll. Gerade diese Verbindung von Kirche, Schlossruine und Romediuslegende macht den Ort volkskundlich besonders interessant.

Der Kirchenplatz dürfte sehr alt sein. Die Romedikirche steht auf dem Grund einer romanischen Doppelkapelle, vermutlich der alten Burgkapelle von Thaur; erhalten blieben unter anderem Teile der südlichen Seitenmauer und die Unterkirche. Ein Kirchenbau an dieser Stelle ist 1367 urkundlich nachweisbar. Möglicherweise stand hier sogar die ursprüngliche Pfarrkirche der alten Urpfarre Thaur, deren Bereich sich einst von Mils bis Mühlau erstreckte; sicher ist diese Deutung aber nicht.

Im frühen 17. Jahrhundert war die alte Kirche so baufällig, dass ihr Besuch gefährlich wurde. Unter Pfarrer Georg Meringer und mit Unterstützung des Haller Arztes Hippolyt Guarinoni wurde sie ab 1633 erneuert beziehungsweise neu aufgebaut. Dabei wurde auch die Unterkirche freigelegt und ein Altar zu Ehren des heiligen Romedius errichtet. Wichtig ist die vorsichtige Formulierung: Die starke Romediusverehrung in Thaur scheint erst in dieser Zeit durch Meringer und Guarinoni besonders gefördert worden zu sein; eine gesicherte Romediuswallfahrt vor dem 17. Jahrhundert ist nicht nachweisbar.

Die heutige barocke Gestalt erhielt die Kirche 1778/79. Der Umbau im Rokokostil wird mit dem Hofbaumeister Johann Michael Umhauser verbunden; bemerkenswert ist, dass Planung, Ausführung und künstlerische Ausstattung zu einem großen Teil von Thaurer Handwerkern und Künstlern getragen wurden. Zur Kirche gehört auch eine Einsiedelei, die im Lauf der Zeit mehrfach verändert wurde und im 19. Jahrhundert mit dem letzten Einsiedler Frater Felix Zimmerling verbunden ist.

Der heilige Romedius selbst ist eine Gestalt zwischen Legende, Heiligenverehrung und regionaler Identität. Nach der Überlieferung war er adeliger Herkunft, verschenkte seinen Besitz, pilgerte nach Rom und wurde später Einsiedler im Nonsberg im heutigen Trentino. Die bekannteste Legende erzählt, dass ein Bär sein Pferd gerissen habe; Romedius zähmte daraufhin den Bären und ritt auf ihm nach Trient. Deshalb wird er in der Kunst meist als Einsiedler oder Pilger mit einem Bären dargestellt.

Volkskundlich ist das Romedikirchl weniger wegen großer überregionaler Wallfahrtsströme wichtig, sondern wegen seiner dichten lokalen Frömmigkeit. Der Ort verbindet die Erinnerung an den "adeligen von Thaur", die alte Burg, die Einsiedelei und den bergwärts führenden Andachtsweg. Dazu kommt eine schöne Sagenüberlieferung um Pfarrer Meringer: Im Romedikirchlein soll ein Brett mit einer eingebrannten Hand aufbewahrt worden sein, das mit ihm in Verbindung gebracht wurde. Solche Erinnerungsstücke zeigen, wie stark die Kirche auch als Ort erzählter Geschichte wahrgenommen wurde.

Zum religiösen Umfeld gehört auch der Thaurer Kalvarienberg. Von der Pfarrkirche führt ein leicht ansteigender Weg zur Romedikirche; ab 1872 entstanden dort Kreuzwegkapellen, eine Kreuzkapelle, ein Heiliges Grab und weitere Andachtsstationen. Damit wurde der Weg zur Kirche selbst zu einem Teil der Andacht. Besonders eindrucksvoll ist auch die Thaurer Palmprozession: Sie gilt als letzte erhaltene Palmprozession ihrer Art in Tirol und führt mit einer lebensgroßen Christusfigur auf dem Palmesel von Thaur zur Romedikirche, weiter nach Rum und wieder zurück.

Eine neuere Bedeutung erhielt der Ort durch den Romedius-Pilgerweg, der bei der Romedikirche in Thaur beginnt und über Nordtirol, Südtirol und das Trentino bis zum Wallfahrtsort San Romedio im Nonstal führt. Der Weg verbindet Thaur mit jenem Heiligtum, an dem Romedius besonders verehrt wird, und macht aus der lokalen Heiligenüberlieferung wieder einen alpenüberschreitenden Pilgerzusammenhang.

Für SAGEN.at würde ich das Romedikirchl daher als alten Thaurer Schloss- und Andachtsort mit Wallfahrtscharakter beschreiben: nicht als klassische große Gnadenwallfahrt, sondern als vielschichtigen Ort mit romanischer Burgkapellen-Tradition, Romediusverehrung, Bärenlegende, Einsiedelei, Kalvarienberg, Palmprozession und heutigem Romedius-Pilgerweg. Gerade diese Mischung aus Legende, Landschaft, Dorfgeschichte und gelebter Volksfrömmigkeit macht das Romedikirchl volkskundlich besonders wertvoll.

Lage: Schlossgasse 17, 6065 Thaur.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tirol - Innsbruck-Land
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Thaur
Geöffnet: übliche Kirchenöffnungszeiten bis zum Schmiedeeisengitter.
Außenaufnahmen, Innenaufnahme:

Thaur, Romediuskirche

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Außenaufnahmen, Innenaufnahme:

Thaur, Romediuskirche

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Außenaufnahmen, Innenaufnahme:

Thaur, Romediuskirche

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Eine Wallfahrt im engeren Sinne ist nicht gegeben. Die Kirche wird dennoch auch wegen Anliegen besucht.

Thaur, Romediuskirche

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Literatur zur Wallfahrt:
- Vom heiligen Einsiedeler Romedius auf SAGEN.at
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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