Das Wallfahrtskirchlein St. Moritzen liegt westlich von Telfs, in einer eigenen kleinen Kulturlandschaft zwischen Ort, Waldrand, Feldern, Kalvarienberg und Innaue. Der Name "St. Moritzen" wird als Tiroler Form von St. Mauritius verstanden; der heilige Mauritius war ein frühchristlicher Soldatenheiliger und wurde besonders als Patron des Heeres sowie von Waffen- und Messerschmieden verehrt. Für Telfs ist aber nicht nur der Kirchenpatron wichtig, sondern vor allem die Moritzner Muttergottes, die dem Ort seinen eigentlichen Wallfahrtscharakter gibt. Die heutige Filialkirche wurde Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut. Der Seelsorgeraum Telfs beschreibt sie als zweijöchigen Bau mit steilgiebeligem Langhaus, eingezogenem sechsseitigem Chor und schlankem, spitzem Dachreiter; die Sakristei wurde 1886 angebaut. Im Inneren besitzt das Kirchlein ein kreuzgratgewölbtes Langhaus und einen stichkappengewölbten Chor. Damit wirkt St. Moritzen äußerlich schlicht, gehört aber zu jenen kleinen Tiroler Wallfahrtskirchen, die durch Lage, Brauch und Andacht mehr bedeuten, als ihre Größe zunächst vermuten lässt. Die Wallfahrt ist besonders mit der Moritzner Muttergottes verbunden. Nach der auf SAGEN.at überlieferten Tradition wurde das Gnadenbild jedes Jahr am Sonntag vor Mariä Namen in feierlicher Prozession in die Telfer Pfarrkirche getragen. Früher begleiteten große Menschenmengen diese Übertragung; beim Vorbeitragen am Pestbildstöckl von 1515 wurden nach der Überlieferung sogar 150 Böllerschüsse abgefeuert, am Weißenbachplatz wartete die Bürgermusik, und weiß gekleidete Mädchen begleiteten das Marienbild mit einem Kranz aus Rosen, Lilien und Tannengrün. Dieser Brauch lebt in veränderter Form bis heute weiter. Der Seelsorgeraum Telfs kündigte etwa für 2025 die alljährliche Übertragung der Moritzen-Muttergottes von der St.-Moritzen-Kirche zur Pfarrkirche Peter und Paul an; der Weg führt über die Moritzenstraße und die Weißenbachgasse ins Telfer Zentrum, begleitet auch von der Schützenkompanie. Das ist volkskundlich besonders wertvoll, weil hier ein alter Wallfahrtsbrauch nicht nur museal erinnert, sondern weiterhin im Jahreslauf der Gemeinde verankert ist. Zur Wallfahrt nach St. Moritzen gehört auch der alte Wallfahrtsweg. In der Denkmalliste werden Kapellenbildstöcke an der Moritzenstraße genannt, die ursprünglich zu zwölf Stations- oder Kapellenbildstöcken am alten Wallfahrtsweg nach St. Moritzen gehörten. Diese kleinen offenen Kapellen stammen aus dem 19. Jahrhundert und zeigen Passionsszenen. Dadurch wurde der Weg selbst zum Andachtsraum: Man ging nicht nur zu einem Ziel, sondern betete sich gewissermaßen von Station zu Station zur Wallfahrtskirche hin. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist der Kalvarienberg von St. Moritzen. Er entstand 1820/1830 und liegt in Hanglage vor der eindrucksvollen Kulisse der Hohen Munde. Die Anlage besteht aus einer Marienkapelle, einem überdachten Stiegenaufgang und einer klassizistischen Kreuzkapelle auf der Hügelkuppe. Zusammen mit dem Wallfahrtskirchlein bildet sie eine kleine sakrale Landschaft, in der Marienverehrung und Passionsfrömmigkeit eng miteinander verbunden sind. Gegenüber der St.-Moritzen-Kirche befindet sich außerdem die Grabkapelle, die als vierzehnte Kreuzwegstation das Heilige Grab darstellt. In ihr wird eine besondere Rarität bewahrt: die bewegliche Fastenkrippe von St. Moritzen. Während der Fastenzeit werden dort an den Fastensonntagen die kleinen Figuren in Bewegung gesetzt — in Telfs heißt es, "die Mandl’n gehen um". Diese mechanische Passionsdarstellung macht das Leiden Christi für Kinder und Erwachsene anschaulich und verbindet religiöse Unterweisung mit Schaulust, Handwerkskunst und lokalem Brauch. Auch das Pestgedenken gehört zum Umfeld von St. Moritzen. Neben dem Pestbildstöckl von 1515 wird in der Denkmalliste ein monumentales Kruzifix zwischen Kirche und Heilig-Grab-Kapelle genannt, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Erinnerung an den ehemaligen Pestfriedhof von Telfs errichtet wurde. Damit ist St. Moritzen nicht nur ein Ort der Marienverehrung, sondern auch ein Erinnerungsraum für Krankheit, Tod, Bitte um Schutz und Dank für überstandene Not. Volkskundlich reizvoll ist schließlich auch die Sagenüberlieferung zur Moritzner Muttergottes. Es wird von einer alten Frau erzählt, die oft nach Moritzen wallfahrtete und der Muttergottes ihre Bitten für Kranke und Sterbende anvertraute. Auf dem Weg begegnet ihr die Moritzner Muttergottes selbst, die zu einem Sterbenden unterwegs ist; als die Frau dennoch nach St. Moritzen geht, findet sie dort den Platz der Muttergottes leer. Solche Erzählungen zeigen, wie lebendig das Gnadenbild im Volksglauben war: Die Muttergottes war nicht nur eine Statue, sondern eine helfende, handelnde Gestalt im Leben der Menschen.
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| | Lage: Moritzenstraße, 6410 Telfs |
| | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tirol - Innsbruck-Land |
| | Ansicht in Street View |
| | Web: Seelsorgeraum Telfs |
| | Geöffnet: |
| | Telfs, Wallfahrtskirchlein St. Moritzen |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
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| | Telfs, Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes in der Kapellenanlage St. Moritzen |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
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| | Telfs, Kalvarienberg St. Moritzen im Frühling |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
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| | Telfs, Kreuzkapelle am Kalvarienberg St. Moritzen mit Hoher Munde im Hintergrund |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
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| | Literatur zur Wallfahrt: |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |