Das Seekirchl in Seefeld in Tirol, eigentlich die Heiligkreuzkirche beziehungsweise Heiligkreuzkapelle, steht etwas westlich des Ortskerns am Beginn des Möserertales. Heute liegt es auf einer Wiese; ursprünglich aber stand es auf einer kleinen Felseninsel in einem künstlich angelegten See, dem sogenannten Kreuzsee oder Ablasssee. Dieser See war im 15. Jahrhundert unter Herzog Sigmund dem Münzreichen angelegt worden und wurde erst um 1807/1808 trockengelegt. Der Name "Seekirchl" erinnert daher bis heute an eine Landschaft, die es in dieser Form nicht mehr gibt. Im Unterschied zur Pfarrkirche St. Oswald, deren Wallfahrt auf das Hostienwunder von 1384 zurückgeht, ist das Seekirchl eine Kreuzwallfahrt. Im Mittelpunkt steht ein als wundertätig verehrtes Kreuz, das nach Angaben des Seelsorgeraums aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts stammt und ursprünglich als Wegkreuz in der Nähe des heutigen Standortes stand. Die Heiligkreuzkirche wurde also nicht in erster Linie als Dorfkirche gebaut, sondern als kostbarer Aufbewahrungs- und Andachtsort für dieses Kreuz. Zur Entstehung der Wallfahrt werden zwei Legenden erzählt. 1626 kam die Pilgerin Barbara Haisjackl aus Fließ nach Seefeld; nach ihrer Andacht in der Pfarrkirche kniete sie vor dem Kreuz nieder und bat um Vergebung ihrer Sünden. Nach der Überlieferung hörte sie vom Kreuz her tröstende Worte der Vergebung. Als sie 1628 wieder nach Seefeld kam, war das Kreuz bereits auf die kleine Insel im See übertragen worden; auch dort soll sich das Gnadenerlebnis erneuert haben. Kurz darauf kam Erzherzog Leopold V. bei einem Jagdausflug an dem Kreuz vorbei. Er war vom Anblick so bewegt, dass er einen Priester zur Beichte verlangte und gelobte, für das verehrte Kreuz eine Kapelle errichten zu lassen. Der Bau wurde umgehend begonnen; bis zu Leopolds Tod 1632 war er fast fertig, die endgültige Ausgestaltung zog sich aber noch lange hin. Geweiht wurde die Kirche erst 1666, das Patrozinium ist Kreuzerhöhung am 14. September. Kunstgeschichtlich ist das Seekirchl ein sehr besonderer Bau. Es handelt sich um einen frühbarocken Zentralbau mit achteckiger Rotunde, hoher Kuppel und Laterne; zugeschrieben wird er dem Innsbrucker Hofbaumeister Christoph Gumpp dem Jüngeren. Das Renaissanceportal aus grauem Marmor trägt das Allianzwappen Österreich-Medici und erinnert an Leopold V. und seine Gemahlin Claudia de’ Medici. Dadurch verbindet der Bau persönliche Frömmigkeit, landesfürstliche Repräsentation und die schöne Inszenierung eines Gnadenortes inmitten der Landschaft. Im Inneren bleibt das Kreuz der Mittelpunkt. Der Rokoko-Hochaltar wurde 1768 von Hans Greuter geschaffen; die Seitenaltäre und Wandbilder nehmen Themen der Kreuzverehrung auf, darunter die Kreuzauffindung durch die heilige Helena und die Kreuzerhöhung durch Kaiser Heraklius. Die Fresken mit den Legenden des Seefelder Kreuzes stammen von Josef Anton Puellacher, die Kuppelbilder mit Engeln und Leidenswerkzeugen werden Hans Schor zugeschrieben. Damit erzählt die Kirche ihre eigene Wallfahrtsgeschichte auch bildlich im Raum. Volkskundlich reizvoll ist vor allem die Verbindung von Wegkreuz, Seeinsel, Bußlegende und landesfürstlichem Gelübde. Die Wallfahrt zum Seekirchl spricht eine andere religiöse Sprache als die Hostienwallfahrt in St. Oswald: Hier geht es um das Kreuz, um Reue, Vergebung, Trost und die Betrachtung des Leidens Christi. Der Ort war daher ein Ziel für Menschen, die vor dem Kreuz Hilfe, inneren Frieden oder Stärkung in persönlichen Bedrängnissen suchten. Heute ist das Seekirchl eines der bekanntesten Wahrzeichen Seefelds. Obwohl der See verschwunden ist, wirkt die Kirche durch ihre freie Lage, die Kuppel, den kleinen Turm und den Blick zu den Bergen noch immer wie ein bewusst in die Landschaft gesetzter Andachtsort.
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| | Lage: Möserer Straße, 6100 Seefeld in Tirol |
| | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tirol - Innsbruck-Land |
| | Ansicht in Street View |
| | Web: Pfarre Seefeld |
| | Geöffnet: im Sommer teilgeöffnet, im Winter geschlossen. |
| | Das Seefelder Seekirchl (Seekirche Heiliges Kreuz) im Jänner 1961: |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
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| | Altarraum des Seefelder Seekirchls: |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
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| | Literatur zur Wallfahrt: |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |